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Montag, 16. März 2015

W449VI-VII(MOR15;9-10): Zwei Spiele in den beiden Grand Stades, Platzsperre für El Kolea und Schwarzmarktkartenkauf bei der Polizei

Kawkab Athlétique Club Marrakech الكوكب المراكشي
2:0 (1:0)
Ittihad Zemmouri Khémisset الاتحاد الزموري للخميسات
- Datum: Sonntag, 8. März 2015 – Beginn: 18.30
- Wettbewerb: GNF Botola 1 (البطولة الوطنية الاحترافية = 1. Marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 Minuten (47/49); Halbzeitstand: 1-0
- Tore: 1-0 33. Samba Diallou, 2-0 55. Khaled El Sqat
- Verwarnungen: Nr. 88? (IZK)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Grand Stade Marrakech (ملعب الكبير بمراكش Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (davon ca. 100 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz schwaches Spiel aber geniale Stimmung)

Chabab El Kolea شباب القليعة
3:1 (1:0)
Rachad Oulad El Berhili الرشاد البرحيلي
- Datum: Sonntag, 8. März 2015 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: 3eme Division Ligue Sousse بطولة القسم الثالث للعصبة سوس (3. Liga Regionalverband Sousse = 5. Liga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 3-1 nach 94 Minuten (46/48); Halbzeitstand: 1-0
- Tore: 1-0 25. (5), 2-0 63. (13), 3-0 80. (9, Foulelfmeter), 3-1 86. (Nr. 6, Foulelfmeter)
- Verwarnungen: 2x Nr. 21 (ASCK); 2x Nr. 11 (CROB)
- Platzverweise: Nr. 21 von ASCK (85. wg. wiederholtem Foulspiel); Nr. 11 von CROB (79. wg. wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Municipale Azrou (ملعب البلدي لازرو Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (davon ca. 50 El Kolea-Fans und 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Wirklich gutes Spiel von Chabab El Kolea, diesmal nur leider ohne Chaoten auf der Tribüne...)

AS Falcons d’Agadir صقر اكادير
15:3 (4:0)
Club Universitaire Futsal Agadirنادي الجامعة الاكادير
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 20.30
- Wettbewerb: Championnat National de Futsal 2eme Division (بطولة الوطنية لكرة القدم داخل القاعة القسم الثاني = 2. marokkanische Futsalliga)
- Ergebnis: 15-3 nach 40 Minuten (20/20); Halbzeitstand: 4-0
- Tore: 1-0 7. (10), 2-0 10. (5), 3-0 19. (6), 4-0 20. (10), 5-0 21. (5), 6-0 23.(3), 7-0 27. (8), 8-0 28. (8), 9-0 28. (8), 10-0 30. (8), 10-1 31. (Nr. 5), 10-2 33. (Nr. 5, 7m), 11-2 34. (11), 11-3 36. (Nr. 7), 12-3 37. (7), 13-3 37. (10, 10m), 14-3 48. (7), 15-3 40. (6)
- Verwarnungen: Nr. 10 (ASFA); Nr. 9, 10, 13 (CUFA)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Salle Zerktouni/ قاعة زرقطوني (Kap. 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (überweigend Falcon-Fans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Hervorragendes Spiel von Falcons, da konnte Ibn Zohour kaum mithalten!)

Cité Suisse Basket Agadir نادي مدينة سويسرا لاكادير
53:67 (19:35)
Olympique Club de Safi نادي الالومبي الاسفي
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 17.30
- Wettbewerb: بطولة الوطنية القسم الثاني Championnat du Basket, Division 2 (2. marokkanische Basketballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 53-67 nach 40 Minuten (4x10); Viertelergebnisse: 7-16, 12-19, 12-10, 22-22
- Punkte: NN
- Freiwurfquote: Agadir 44% (10 von 23); Safi 39% (10 von 26)
- Fouls: Agadir 19; Safi 22
- Spielort: Salle Al Qods/ قاعة القدس (Kap. 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz unterhaltsames aber eher mittelmäßiges Spiel)

Hassania Union Sport d'Agadir/
الاتحاد الرياضي حسنية أكادير
1:0 (1:0)
Forces Armées Royales du Rabat
الجيش الملكي الرباطي نادي
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: GNF Botola 1 (البطولة الوطنية الاحترافية = 1. Marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 98 Minuten (48/50); Halbzeitstand: 1-0
- Tor: 1-0 15. Abdelhafez El Baraki
- Verwarnungen: Nr. 17 (HUSA); Nr. 3, 7 (FAR)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Grand Stade d’Agadir (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (davon ca. 600 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ebbte nach guter erster Hälfte erheblich ab, aber wenigstens gab es in Halbzeit 2 dafür Randale...)

Hassania Union Sport d'Agadir Espoir
فريق الامل الاتحاد الرياضي حسنية أكادير
2:4 (0:2)
Forces Armées Royales du Rabat Espoir
فريق الامل نادي الجيش الملكي الرباطي
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: Championnat Espoir (1. Reserveliga, 1. Spielklasse der U23)
- Ergebnis: 2-4 nach 98 Minuten (48/50); Halbzeitstand: 0-2
- Tore: 0-1 18. (11), 0-2 37. (14), 0-3 64. (19), 1-3 77. (Nr. 7), 2-3 87. (Nr. 7), 2-4 95. (4)
- Verwarnungen: Nr. 3, 21 (HUSA); 2x Nr. 5, Nr. 7, 11 (FAR)
- Platzverweise: Nr. 5 von FAR (70. Min. wg. angeblich wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Bensargao (Kap. 3.000, davon 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.000 (davon keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Hervorragende erste und ganz ordentliche zweite Hälfte)  
Photos with English Commentary:
a) Moroccan Reserves League: Hassania Agadir U23 v FAR Rabat U23 (Stade Bensargao)
b) Moroccan Professional League: Hassania Agadir v FAR Rabat (Grand Stade d’Agadir)
c) Basketball Division 2: Cite Suisse Agadir v Olympique Safi (Salle Al Qods)
d) Futsal Division 2: Falcons Agadir v University Ibn Zohour Agadir
e) Amateur Football: Chabab El Kolea v Rachad El Berhili (in Agadir-Azrou)
f) Moroccan Professional League: Kawkab Marrakech v Ittihad Zemmouri Khemisset (Grand Stade)
g) Sightseeing: Agadir Fortress and Marrakesh Old Town

Videos:
a) Support at Kawkab Marrakech v IZK (1)
b) Support at Kawkab Marrakech v IZK (2)

In Agadir gibt es nicht viel Architektur zu sehen, aber dafür umso mehr Sport anzugucken. Selbst in den größeren marokkanischen Städten wie Casablanca und Marrakesch schafft man es kaum, an einem Samstag vier Spiele zu sehen. Wir fuhren also nach einem Abstecher zur Festung die hoch über der Stadt thront, in das Viertel Bensargao, wo jede Straße nach Orten in der West-Sahara (Laayoune, Smara etc.) bzw. dem nördlicheren, zweifelsfrei marokkanischen Teil der Sahara (Asa-Zag, Guelmim usw.) heißt.

In Bensargao gibt es zwei Stadien, einen Lehmplatz und einen Kunstrasen mit ordentlicher, in der Mitte sogar überdachter Tribüne mit Betonstufen und mehreren Stehstufen auf der gegenüberliegenden Seite bzw. hinter dem einen Tor. In diesem ansehnlichen Stadion mit unansehnlichen Häusern drumherum spielten die Reservemannschaften von Hassania Agadir und FAR Rabat. Die Zuschauerzahl war mit knapp 1.000 für ein U23-Spiel hervorragend. Ein paar Jugendliche machten auch ab und an Stimmung mit Gesängen.

Das Spiel war anfangs eindeutig von FAR bestimmt. Hassania hatte ein paar gefährliche Angriffe, einmal auch einen Lattentreffer, aber kein Vergleich zu den Offensivaktionen der Gäste. Die gingen nach etwas mehr als einer Viertelstunde, per Abstauber nach einem Lattentreffer der in den Fünfmeterraum zurückprallte, in Führung. Per verlängertem Freistoß hieß es vor der Pause noch 0:2. Nach der Halbzeit schien mit dem 0:3 alles entschieden, doch der einseitig pfeifende Schiedsrichter schickte einen von FAR unberechtigt vom Platz. Agadir holte daraufhin innerhalb von 10 Minuten auf 2:3 auf, doch in der Nachspielzeit erzielten die Königlichen Streitkräfte aus spitzem Winkel aber Nahdistanz das 2:4.  
Das Hauptspiel zwischen den beiden Profiteams von Hassania und FAR fand im großen Stadion Adrar statt. Der Weg daraus ist weit, die Schüssel ist eindrucksvoll, da sehr regelmäßig gebaut, von außen getreppt, innen doppelrangig – wobei der Oberrang höher ist als der Unterrang. Eintrittskarten kosten 20 Dirham für unüberdachte, einfache Schalensitze (alles in grün, nur die Flutlichtmasten und Arkadengänge hinter den Kurven sind in weißem Stein gehalten) oder 50 Dirham für überdachte, leicht gepolsterte Sitze bzw. 200 Dirham für die Logen in der Mitte der überdachten Seite auf luxuriös gepolsterten Sitzen mit Armlehnen. Das Stadion ist also toppmodern und sogar die Anzeigetafel und die Musikanlage funktionieren. Die Stadionsprecherin machte die Durchsagen übrigens auf Hocharabisch und Berber.

Obwohl gut 10.000 Zuschauer kamen, verloren sich die Fans etwas in dem sehr großen Stadion für 45.000 – die Spieler verloren sich auch etwas auf dem großen Platz, lieferten aber ein v.a. in der ersten Halbzeit ansehnliches Spiel ab. Diesmal war Hassania besser als FAR und ging auch früh in Führung. Chancen auf beiden Seiten, teilweise Lattentreffer, und es ging trotzdem nur mit 1:0 in die Pause. Auch nach dem Seitenwechsel gab es einige Torraumszenen, doch jetzt war mehr die Armee am Drücker, während Agadir nur noch verteidigte.

Ab der 75. Minute wurde es den Ultras von Agadir langweilig und mehrere Hundert von beiden Hintertorfangruppen liefen auf die Polizeiketten zwischen ihnen und dem Gästesektor zu. Die Gästefans – Rabat hat beim Sport den größten Abschaum in Marokko, schlimmer als Casa – ließen sich nicht zwei Mal bitten und jagten die wenigen Durchgebrochenen wieder zurück in den Sektor. Highlight bei den weiteren Auseinandersetzungen war dann ein Polizist, der mit einem Feuerlöscher eine Horde Jugendlicher mit Löschschaum über die Arkadengänge trieb. Kurz vor Beginn der wie üblich reichlichen Nachspielzeit kehrte wieder Ruhe ein. Einige der Zuschauer auf den teureren Plätze – dort waren v.a. viele Frauen und offensichtlich Reiche – hatten sich da bereits verzogen, da sie Randale auf dem Parkplatz befürchteten, wenn beide Fangruppen rausströmen. In der Nachspielzeit gab es noch einen Aufreger um ein eventuelles Handspiel im Strafraum von HUSA, doch es gab keinen Elfer und Agadir gewann das Spiel 1:0.  
Wir fuhren dann gleich zur Sporthalle im Stadtviertel „Jerusalem“ – also Al Qods – weiter. Eigentlich war da Handball angesetzt, aber das war wohl 11 Uhr und nicht 17 Uhr; die PDF-Datei auf der Verbandsseite war so undeutlich gedruckt... Aber 17.30 gab es 2. Liga Basketball – das war ein guter Ersatz.

Die Sporthalle Al-Qods ist ein ganz ansehnlicher Bau, der innen eine Sitztribüne mit lehnenlosen Sitzschalen hat. In der Mitte hat die Tribüne eine Art Balkon. Die Beleuchtung ist trotz Tonnendach ohne störende Anbringungen ziemlich schwach. Die Zuschauerzahl war mit 200 jetzt auch nicht gerade überragend.

Gastgeber beim Basketballspiel der 2. Liga war Cite Suisse Agadir, zugast war der Erstliga-Absteiger Olympique Safi. Die Gäste waren von Anfang an die bessere Mannschaft und entschieden das Spiel eigentlich noch vor der Pause. Nach dem Seitenwechsel kam Agadir in einem ganz ordentlichen Spiel mit viel Athletik und nicht immer körperlosen Zweikämpfen aber schwacher Wurfquote (v.a. sehr schwacher Freiwurfquote) ein bisschen heran. Im letzten Viertel, dass das punktreichste, härteste und beste war, hielt Safi den Gastgeber auf Distanz und gewann am Ende mit 67 zu 53.  
Zum Abschluss des Sporttages in Agadir hatten wir uns die 2. Futsal-Liga ausgesucht, die im Salle Zerktouni bei der gleichnamigen Oberschule ausgetragen wurde. Diese Sporthalle sieht fast identisch aus wie jene im Al-Qods-Viertel. Hier kamen aber so viele Zuschauer, dass die Plätze kaum ausreichten.

Von den etwa 300 Besuchern waren fast 100 ultra-orientierte Jugendliche aus dem Viertel zugegen. Die hatten ein paar Flaggen mit, eine Überziehfahne und v.a. krakeelten sie in der ersten Halbzeit sehr ausdauernd in der Halle herum.

Falcons (Saqr) Agadir gab ihnen auch allen Grund zum Feiern, denn sie waren der Universitätsmannschaft von Ibn Zohour in allen Belangen klar überlegen. Durch den beweglichen Torwart wurde das Spiel nicht sofort so klar entschieden; bis zur Halbzeit fielen nur vier Tore. Aber nach der Pause ging es richtig los: im Minutentakt zog Saqr Tor um Tor davon; technisch klar besser, läuferisch schneller, ballsicherer, passsicherer und geniale Torschüsse. Erst nach dem 10:0 gelang dem Uniclub auch mal etwas. Am Ende hieß es aber 15:3!  
Sonntag checkten wir dann aus, fuhren aber erstmal in einen Vorort von Agadir, ehe wir gen Norden reisten. In Azrou (östlich von Agadir in Flughafennähe, nicht mit dem Azrou im Mittleren Atlas südlich von Fés verwechseln) gab es eine interessante Ansetzung in der 3. Amateurliga: Chabab El Kolea hatte eine Platzsperre – mal wieder zu viel randaliert... – und spielte daher 15km weg von zuhause. Leider hatten auch deren Ultras Zutrittsverbot, sodass nur 50 Fans von Chabab erschienen, dazu etwa 90 Neutrale aus dem Ort und 10 Gästefans aus dem 100km entfernten Oued Berhili. Zum Vergleich mit den 150 Fans: bei einem richtigen Heimspiel von El Kolea kommen mindestens 1.000 Zuschauer und bei wichtigen Spielen bis zu 3.000 – siehe Link zu Spiel im Vorjahr !

Trotzdem lohnte sich das Spiel von Kolea mal wieder, da diese Mannschaft einfach ansehnlichen Fußball spielt. Auf dem über eine schmale Straße die rechts hinter der Pharmacie Habiba abgeht zu erreichenden, staubigen, sandigen Lehmplatz in der prallen Sonne – umgeben von hohen Mauern, flankiert von ein paar schönen Nadelbäumen und blühenden Pflanzen (in der Gegend von Azrou sind viele Gärtnereien) – bestimmte El Kolea das Spiel.

Es dauerte allerdings eine Weile ehe sie aus den vielen Chancen einen Treffer machten: der Pass schien schon zu lang geschlagen, doch mit einem langen Schritt lenkte der Stürmer den Ball noch ins Eck. Nach dem Seitenwechsel erzielte El Kolea nach einem ähnlichen Pass mit einem Kopfball das 2:0. Ein Elfmeter führte zur Dezimierung von Oulad Berhili (Gelb-Rot) und dem 3:0 (sicher im Eck verwandelt). Kurz vor dem Ende der Partie schaffte es El Kolea allerdings auch noch sich einen Platzverweis einzuhandeln (diesmal allerdings auch Gelb-Rot, nicht wie bei dem Spiel letzte Saison glatt Rot wegen Tätlichkeit in der Halbzeitpause) und durch einen Elfmeter doch noch ein Tor zu kassieren. Bei dem guten und überlegen geführten Spiel von El Kolea war das Ergebnis noch zu niedrig.  
Wir fuhren dann in Agadir auf die Autobahn und aßen gut an einer Raststätte (die Autobahnraststätten in Marokko sind zwar sehr teuer, aber das Essen ist besser als in Deutschland). In Marrakesch fuhren wir zum Palmarie ab und steuerten das Stadion (Grand Stade) an, das 10km außerhalb des Stadtzentrums in der Brachlandschaft liegt. Eine absolute Frechheit den Fans gegenüber, die Hütte am Arsch der Stadt wo keine Sau wohnt zu errichten! Die Info von der einen Groundhopping- oder Stadion-Seite, dass Kawkab deshalb wieder in ihrem alten Stadion (El Harthi) spielen würde, ist trotzdem Quatsch – denn dort spielen nur Jugend- und Reserveteams von KACM und Amateur- und Frauenteams anderer Clubs.

Eine viel wichtigere Info ist, dass oftmals die Kassen am Stadion unbesetzt bleiben und man die Karten nur im Vereinsbüro in der Stadt bekommt. Allerdings hat die Polizei für Unwissende eine gute Lösung gefunden. Als ich einen höherrangigen Beamten nach der Kasse fragte, deutete er mich in Richtung der Kollegen am anderen Eingang. Der junge Beamte der Hilfskräfte – in der Hierarchie ganz unten – war sofort hilfsbereit, erklärte das Problem mit dem Kartenverkauf in der Stadt und meinte auf meine Frage „kann ich nicht hier zwei Karten kaufen?“ er würde sich darum kümmern. Nach fünf Minuten hatte er in der Tat zwei Karten organisiert (Fanblock für nur je 10 Dirham), die er mir dann für zusammen 70 Dh. hinter dem Einsatzwagen verkaufte. Eigentlich wollte er nur 50, aber ich hatte nur einen 100er und er bloß 30 zum Wechseln in der Tasche. Aber egal, 3,50€ pro Karte sind auch noch im Rahmen. Also schon allein dieses Erlebnis war das Kommen wert: wo sonst wird der Schwarzmarkt für Fußballkarten von der Polizei organisiert?

Das Stadion ist architektonisch sehr ansehnlich, da es ein bisschen einer Kasbah nachempfunden ist und rechteckig mit turmartigen Flutlichtmasten ausgestattet ist. Die blauen Sitzschalen verteilen sich auf Ober- und Unterränge. Allerdings sind die Schalen schon teilweise ziemlich beschädigt. Die Klos sind auch nicht sonderlich gut und weder Anzeigetafel noch Durchsagen funktionierten.

Das Spiel war eigentlich kaum einer Beschreibung wert und das schwächste auf unserer Tour. Kawkab Marrakesch erzielte mit Standfußball und minimalistischen Gekicke zwei schöne Tore gegen Ittihad Zemmouri Khemisset. Warum die Sterne (Kawkab) auf Platz 3 sind, verstehe ich nicht. Während das Spiel das Kommen nicht lohnte, lohnten es die Fans. Wie da knapp 4.000 im Hintertorbereich und noch mal knapp 4.000 auf der preisgünstigeren Längsseite im Unterrang abfeierten, war schon vom Feinsten. Oben habe ich Videos hochgeladen, die Ausschnitte der herrlichen Gesänge zeigen. Luftballonchoreo und ein paar Bengalos gab es auch zu sehen. Irgendjemand wurde dann noch von vier Polizisten aus dem Block getragen, da er einen Sitz herausgerissen hatte, aber ansonsten gab es keinen Stress.

Wir fuhren nach dem Spiel noch mal zu einem kleinen Abendessen eine Raststätte (Sidi Bou Othmane) an. Dann fuhren wir in Ben Guerir ab, wo es leider nur ein Hotel gibt, das eine miese Klitsche (Doppelzimmer zu hohe 200 Dh.) ist. So ein schlechtes Hotel hatte ich in Marokko noch nie: das innen sehr schön gestaltete Haus (Stuckdecken, Marmortreppen im Aufgang) ist richtig herabgewirtschaftet worden.  
Statistik:
- Grounds: 1.306 (Sa: 4 neue, So: 2; diese Saison: 152 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.310 (Sa: 4, So: 2; diese Saison: 198)
- Tageskilometer: 430 (Sa: 60km Auto, So: 370km Auto)
- Saisonkilometer: 40.840 (29.310 Auto/ 5.600 Flugzeug/ 4.430 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.480 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 23 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 449

Montag, 4. November 2013

W379II: Unentschieden im Derby der mittleren Atlantikküste

Difaâ Hassani d’El Jadida (الدفاع الحسني الجديدي)
............................. 1:1 (0:0) .................................
-- Olympique Club de Safi (نادي أولمبيك أسفي) ---
- Datum: Sonntag, 3. November 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 1-1 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 0-1 48. Diego Silva, 1-1 76. Lidjy Dadjim Nam
- Verwarnungen: Nr. 14 (DHJ); Nr. 10?, 13, 21 (OCS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Ben Ahmed El Abdi [ملعب العبدي] (Kap. 7.500 Sitzplätze + 2.500 im Bau)
- Zuschauer: ca. 5.000 (darunter ca. 1.000 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Spannendes Spiel auf ordentlichem Niveau und erneut recht einseitige Stimmung durch den Gästemob) الدفاع الحسني الجديدة - اليمبيك اسفي بالملعب العبدي Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Football League: Difaa Hassani Jedida v Olympique Safi
b) El-Jedida and Azzemour at the Atlantic Coast
c) Casablanca – Morocco’s Largest City

Gegen neun ging es schon wieder weg von Casa. Der Parkplatzwächter war schon wach und gut drauf und war begeistert, dass ich Arabisch mit ihm sprach, wunderte sich aber über meine Sprachwahl: „Du kannst echt kein Französisch? Bist du einer von den neuen deutschen Muslimen, dass du nur Arabisch sprechen willst?“ Marokko ist übrigens das einzige arabische Land das ich bisher besucht habe, wo mich Leute gefragt haben, ob ich Arabisch aus religiösen Interessen lerne. Die Frage hat allerdings auch ihren Sinn, denn es gibt in der Tat dort einige Sprachkurse die sich an Islam-Konvertiten richten…

Nach der Unterhaltung dauerte es gar nicht lange, ehe ich aus Casa raus war, doch die Küstenstraße ist eher unattraktiv und hat viele Ortsdurchfahrten. Irgendwann vor Azemmour trifft die Kreisstraße auf die Bundesstraße und man hat einen schönen Blick auf diese attraktive, historische Ortschaft die für ihre künstlerische Gestaltung berühmt ist. In El Jadida angekommen parkte ich kostenlos an der Stadtmauer in der Nähe des neuen Bolzplatzes und lief eine Weile durch die Altstadt. Die einzige Sehenswürdigkeit, die ich noch nicht kannte, war die portugiesische Zisterne (die Portugiesen zeichnen sich auch für die Befestigung der Stadt verantwortlich) die ich für 10 Dh. besichtigte. الجديدة - مددينة برتغالية القديمة : المسقاة البرتغالي Nach einem recht reichlichen Essen (Fisch-Tajine) ging es zum Stadion. Das Stade El Abdi, das ich für 20 Dh. betrat, ist eine halbe Baustelle: die eine Kurve ist im Umbau befindlich, nur die gegenüberliegende (für die Gästefans) benutzbar. Und auch die Gegentribüne sieht nicht so ganz fertig aus, während die Haupttribüne mit ihren grünen Schalensitzen und dem VIP-Sektor in der Mitte schon sehr ordentlich aussieht.

Sehr ordentlich war die Stimmung dann nur vom Gästemob aus Asfi, der lautstark durchsang. Die Heimfans gingen wenig mit: nur einige Ultras, die sich untereinander aber auch immer wieder Auseinandersetzungen lieferten, supporteten den als Sporting Mazagan (portugiesisch) gegründeten Club, der nach zwei Stadtteilen (Difaâ d'Essafa' und Hassania de la Médina) heißt, durchgängig. Selbst bei diesem Derby gab es übrigens anerkennende Grüße zwischen den Fangruppen („tahiyyat Jdidiye jamahir l-asfiyye“ und „tahiyyat al-asafi jamahir difa’iye“).

Das Spiel fing gut an und ebbte nach Chancen auf beiden Seiten ab der 30. Minute ab. Nach der Pause legte Safi richtig los und erzielte einen tollen Treffer in den Winkel zum 0:1. Dieser wurde in der Schlussphase dann mit einem Flachschuss ins lange Eck ausgeglichen. Doch zufrieden war keiner mit dem Unentschieden… الدفاع الحسني الجديدة - اليمبيك اسفي بالملعب العبدي Gleich nach dem Spiel ging es auf die Piste und für etwa 8€ Maut in die Königsstadt Fès, wo ich unerwartet früh – schon 20.45 Uhr ankam.
Zurück in Fès, ich komm rein und die einzigen die im Wohnzimmer Fußball gucken und mir gleich sagen, dass sie auch meine Spiele gesehen haben, sind Khadija und Rita: so viel zum Thema, dass sich marokkanische Frauen nicht so für Sport interessieren würden wie deutsche Frauen, wie das letztere aus unerfindlichen Gründen und obwohl sie in der Mehrzahl nicht mal Ahnung vom Sport haben (jedenfalls nicht mehr als Marokkanerinnen), immer denken… الدفاع الحسني الجديدة - اليمبيك اسفي بالملعب العبدي Statistik:
- Grounds: 1.031 (1 neuer; diese Saison: 60 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.933 (heute 1, diese Saison: 77)
- Tageskilometer: 500 (500km Auto)
- Saisonkilometer: 21.330 (20.370 Auto/ 910 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 4 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 379

Mittwoch, 23. Oktober 2013

W378I: Pokalhalbfinals in Fès

Raja Club Athletic de Casablanca
----------- (الرجاء البيضاوي) -------------
.......................... 1:0 .........................
----- Olympique Club de Safi ------
------------- (أولمبيك آسفي) --------------
- Datum: Dienstag, 22. Oktober 2013 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Coupe du Trône [كأس العرش] (Halbfinale des Marokkanischen Fußballpokals, Pokal des Thrones; beide Teams Botola 1, 1. Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 98 Min. (47/51) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 53. Mohsen Iajour
- Verwarnungen: Abdelghani Maâoui (OCS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 15.000 (darunter ca. 6.000 Raja- und 2.500 OCS-Fans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Raja überzeugte in einem allenfalls mittelmäßigen Spiel trotz Sieg nicht wirklich, nur der Anhang beeindruckte wieder einmal)

---- Raja Beni Mellal ----
------ (رجاء بني ملال) --------
.............. 5:6 n.E. ............
Difaa Hassani El-Jadida
--- (الدفاع الحسني الجديدي) ---
- Datum: Dienstag, 22. Oktober 2013 – Anstoß: 20.00
- Wettbewerb: Coupe du Trône [كأس العرش] (Halbfinale des Marokkanischen Fußballpokals, Pokal des Thrones; Botola 2, Halbprofiliga gegen Botola 1, 1. Profiliga)
- Ergebnis: 5-6 nach 128 Min. (45/50; 16/17) und Elfmeterschießen – Halbzeit: 0-0, Reguläre Spielzeit: 2-2, Verlängerung: 0-0, Elfmeterschießen: 3-4
- Tore: 1-0 46. (NN), 1-1 53. Naby Soumah, 2-1 60. (NN), 2-2 66. Zakariya Hadraf
- Elfmeterschießen: 3-2 (33), 3-3 (14), 4-3 (10), 4-4 (30), 5-4 (61), 5-5 (29), 1 hält 11m von 9, 5-6 (26), NN trifft die Latte
- Verwarnungen: 2x Nr. 14 (RBM)
- Platzverweise: Nr. 14 von RBM (8. Min. d. Verl.; gelb-rot wg. wdh. Fouls)
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 7.000 (darunter ca. 2.500 RBM- und 2.000 DHJ-Fans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Schwache erste Hälfte, doch sehr gute zweite, spannende Verlängerung und als Krönung Elfmeterschießen) نفص نهائي كاس العرش - رجاء البيضاوي مع اوليمبيك اسفي Photos with English and Arabic Commentary:
Semi-Finals of the Moroccan Football Cup: Raja Casablanca v OC Safi and DHJ El-Jadida v Raja Beni Mellal (Played at Fès)

Video:
a) Raja Supporters Chanting during Match
b) RBM and DHJ supporters chanting, and DHJ score their second goal

Ums Internet steht es in Marokko nicht so schlecht, wie mir einige vorher erzählt haben. In Fès geht es durchweg besser und schneller als z.B. in Merseburg. Auch der tschechische Kommilitone Vojtech meinte, es sei besser als in der Heimat in Plzen. Nur manchmal gibt es Schwierigkeiten mit den (oft sehr billigen) technischen Geräten: jetzt ist irgendwas am Router im Arsch, sodass wir uns tagelang bei einem Nachbarn einloggten. Aber das ist ja kein Dauerzustand und da die LAN-Verbindung sehr gut geht, schickte ich Muhammad los, dass er mir nach dem Unterricht diesen Dienstag ein zweites LAN-Kabel kauft. Von den 100 Dh. die ich ihm mitgab kamen nur 25 zurück, aber immerhin funktioniert es und mit 7,30€ für ein 20m-Teil war es auch billiger als in Deutschland. Ach so: nicht dass sich einer wundert, dass ich hier Leute herumschicke, aber das ist in Marokko so üblich; jüngere holen für ältere das Essen aus der Küche oder Sachen aus einem Laden oder was auch immer…

Die Benutzung des Internets ist in Marokko übrigens teilweise anders als in Deutschland: denn arabische Tastaturen sind selten und die meisten Leute zu faul Tools wie dieses hier von Al-Maany  zu benutzen. Also wird in einem arabisch-französisch-englisch Slang gechattet und anderweitig kommuniziert, der sich mit lateinischen Buchstaben schreibt und unheimlich viele Abkürzungen nutzt. Zum Beispiel: „cv“ – und die Antwort: „hmd“ (ca voir/ wie geht’s – al-hamdu li-llah/ Gottseidank gut).

Nach dem erwähnten Arabischunterricht war ich diesen Dienstag auch noch beim Fußball. Zum ersten Mal besuchte ich ein Spiel in Marokko mit dem Fahrrad – denn zum Stadion von Fès ist es zwar voll durch die ganze Stadt, aber mit dem Auto ist man kaum schneller und so lang ist die Strecke wirklich nicht… نفص نهائي كاس العرش - رجاء البيضاوي مع اوليمبيك اسفي Die Halbfinals des marokkanischen Pokals werden (ebenso wie natürlich das Finalspiel) auf einem neutralen Platz ausgetragen. Praktischerweise dieses Jahr in Fès. Wie ich befürchtet hatte, sollte sich das Stadion als etwas überdimensioniert herausstellen – aber die Sicherheitskräfte konnten so große Pufferzonen zwischen den Fanblöcken aufbauen. Ich holte mir die billigste Kategorie (30 Dh. = 2,75€ für beide Spiele). Ich landete irgendwie im Asfi-Block (zu den Fischköppen wollte ich eigentlich überhaupt nicht hin, aber ich hatte die Schilder nicht gelesen), saß dort keine fünf Minuten und schaute den Rajawy und den OCS-Fans rechts von mir beim Pogen zu, und schon kamen die Teams.

Das erste Halbfinale bestritten Raja Casablanca und Olympique Asfi. Die Rollen waren klar verteilt, die Stimmung ging auch stärker von Raja aus (mehr Liedgut, Dauersupport und mehr Pyrotechnik) und die marokkanische Starmannschaft von Raja spielten gemächlich nach vorne und ließen hinten kaum etwas zu. Es dauerte aber bis kurz nach der Pause ehe ein Abpraller unter die Latte gedonnert wurde. Nach dem 1:0 für Raja lief das Spiel genau so weiter wie vorher. Wer die im Finale stoppen soll, weiß ich nicht…

Stoppen wollen sie die Spieler von Difaa al-Hassani aus El-Jedida. Diese hatten die Überraschungsmannschaft aus Liga 2, Raja Beni Mellal, vor der Brust. Der Zweitligist war lange aktiver und hatte die besseren Chancen, aber es passierte vor der Pause eh nicht so viel. Nach dem Seitenwechsel mit dem ersten Angriff dann aber ein geniales Tor: 1-0 für Raja BM! Kurz darauf jedoch der Ausgleich. Nun ging es Schlag auf Schlag: Raja erzielte wieder ein klasse Tor und daraufhin glich El-Jedida erneut aus. Mittlerweile auch gute Stimmung mit Pogo und Pyro auf beiden Seiten.

In der Verlängerung flog einer von Beni Mellal wegen wiederholtem Foul vom Feld, was zu massiver Zeitschinderei führte. Schließlich ging es ins Elfmeterschießen. Nach je drei sicher verwandelten Schüssen, trat ein RBM-Kicker zu ungenau auf und der DHJ-Keeper blockte ab. Nach dem 3:4 dann eine kritische Entscheidung des sehr guten Schiris: Ein Schuss gegen die Unterkante der Latte, der Ball springt auf oder hinter die Linie und keiner ist sich sicher ob die Pille drin war oder nicht, aber der Schiri erkennt nach einigem Zögern auf „kein Tor“. نفص نهائي كاس العرش - رجاء البيضاوي مع اوليمبيك اسفي Meine Gesprächspartner, die zu fünft in einem Kleinwagen gekommen waren und (da geldsparend über Landstraßen gurkend) mit einer Rückkehr in El Jedida um 7 Uhr morgens rechneten – Bemerkung von Amin: „Nur Abderrazzaq der faule Affe arbeitet nicht, aber wir vier müssen alle gegen 8 auf dem Posten sein und Überstunden machen, da wir heute den halben Tag freigenommen haben für das Spiel. Hoffentlich ist der Chef nicht da, da kann man im Büro ausschlafen…“ – waren natürlich sehr zufrieden.

Das Stadion wurde übertrieben schnell von der wiedermal aggressiv auftretenden Polizei geräumt und ich kam bis zum Saha al-Muqawamah problemlos so wie ich gekommen war. Dann bemerkte ich den starken Druckabfall im Hinterrad und konnte die restlichen 2,5km heeme nur noch schieben. Die Scherben und Metallteile auf der Hauptstraße sind halt für die neue Decke vorne kein Problem, aber der alte Reifen hinten konnte einfach nicht mehr lange halten. Also vorm Unterricht am Mittwoch schnell mal zu Hassan und den Mist reparieren lassen…
Ich kam durch das lange Spiele und die Panne erst kurz vor Mitternacht zurück ins Haus, wo aber fast alle noch wach waren. Khadija stellte gleich unaufgefordert Essen für mich auf den Tisch. Bei mir heeme in Merseburg hätte ich mir um die Zeit selber etwas machen müssen... نفص نهائي كاس العرش - رجاء بني ملال و الدفاع الحسني الجديدة Statistik:
- Grounds: 1.027 (0 neue; diese Saison: 56 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.927 (heute 2, diese Saison: 71)
- Tageskilometer: 40 (40km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 19.050 (18.190 Auto/ 910 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 12 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 378

Dienstag, 15. Oktober 2013

W376III: Festtagshammel zu Verlosen und das nächste überraschende 1-0

- Olympique Club de Safi -
------- (نادي أولمبيك أسفي) ------
................... 1:0 ....................
- Mogreb Atlético Tetuán -
(المغرب التطواني / أتلتيكو تطوان)
- Datum: Sonntag, 13. Oktober 2013 – Anstoß: 16.30
- Wettbewerb: Coupe du Trône [كأس العرش] (Pokal des Thrones; Viertelfinale des Pokals des marokkanischen Fußballverbandes, beide Teams GNEF Botola 1 = 1. marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 1-0
- Tor: 1-0 27. Mouâwy
- Verwarnungen: Matthias, al-Bisaty (OCS); Istiry (MAT)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Marche Verte/ Massira al-Khadra [ملعب المسيرة الخضراء] (Kap. 10.200, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 8.000 (darunter ca. 700 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Gute Stimmung, mittelmäßiges Spiel) ربع النهائي الكاس العرش - اليمبيك اسفي مع مغرب تطاون في الملعب المسيرة Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Football Cup Quarterfinal: Olympique Club de Safi defeat Maghreb Tetouan
b) Central Atlantic Coast: Essouira, Safi
c) Marrakech: The Red City (Pictures of the Old Town, taken in 2011)

Es gibt so einige politische Angelegenheiten in Nordafrika, die man nicht verstehen muss: Algerien kennt die Vertreter der Terrororganisation Polisario (sahrawische Rebellen, die mit Al-Qaida gemeinsame Sache machen, aber einen demokratischen Staat errichten wollen) als Regierung der sogenannten „Demokratischen Republik West-Sahara“ an und Spanien ebenfalls. Im Gegenzug erkennt Marokko das Schwachsinnskabinett von Katalonien als Regierung eines vollwertigen Staates „Katalonien“ an und organisiert auch schon mal Freundschaftsspiele zwischen den Fußballauswahlmannschaften Kataloniens und Marokkos. Dafür dürfen dann die östlich des Walles lebenden Sahrawis ihre Nationalmannschaft in Algerien kicken lassen und Algerien boykottiert auch noch Sportevents mit Teams aus der West-Sahara, die vom marokkanischen Staat kontrolliert werden. Da Wydad Samara im Handball ziemlich gut ist und sie sich erstmals für die Championsleague qualifizierte, trat für die CAHB dann das Problem auf, je eine Mannschaft weniger zu haben: den algerischen Meister im Männerhandball und jenen im Frauenhandball. So wurde letztendlich auch das ganze Championsleagueturnier in Marrakesch um einen Tag kürzer: um den Tag, den ich mir eigentlich angucken wollte.

Also gleich nach Essouira, die „Bildschöne“ oder „Wie Gemalte“ Stadt am Atlantik. Der Stadtname verspricht nicht mal zu viel: die massiv ummauerte Altstadt ist wirklich schön mit ihren bunten Häusern, die Festungsanlagen zum Meer hin sind sehr eindrucksvoll und die vorgelagerten Inseln auch sehr schick. Dass man für nur 2 Dh. (0,18€) vor dem einen Stadttor am Hafen parken kann, ist auch prima. Die Atmosphäre war auch so entspannt wie im Reiseführer beschrieben: keiner stresste wegen Kaufen oder Führung, einzelne grüßten höflich.

In Safi („Reine Stadt“), das ich über die Nationalstraße erreichte, waren die Leute eher noch freundlicher. Nur bettelnde Wänster musste man mal anschnauzen, wie das Einheimische halt auch tun. Die Altstadt ist gar nicht mal schlecht: massive und hohe, von Türmen bewährte und einzelnen Stadttoren besetzte Wehrmauern drum herum, enge Gassen mit farbenfrohen Häusern und einzelnen älteren Moscheen sowie zwei Kirchen aus Portugiesischer Zeit (die Kathedrale dient als etwas dürftiges Museum, 10 Dh. Eintritt) innen drin. اسفي Das Stadion liegt etwas oben am Berg in Richtung Ortsausgang. Den Namen des Stadions hatte ich anfangs falsch verstanden, da mal wieder nur Französisch: „Marche Verte“ (Grüner Marsch) nicht „Marché Verte“ (Grüner Markt), wobei ich bei letzterem an „Gemüsemarkt“ dachte… Aber gemeint ist der Grüne Marsch (arab. Massira al-Khadra), eine 1975 durchgeführte Propagandaaktion der marokkanischen Regierung, bei der 350.000 Demonstranten die damals noch vom faschistischen Spanien besetzte West-Sahara betraten, die bald darauf an Marokko gegeben wurde. Übrigens: die Aktion ist mit kitschiger Friedenssymbolik auf die 100-Dirham-Banknoten gedruckt.

100 Dirham musste ich zum Glück nicht bezahlen: 20 (1,80€) taten es auch für Plätze auf den Betonstufen. Wie auch in Beni Mellal ist nur ein kleiner Teil überdacht und mit Bestuhlung versehen (hier sogar nur transportable weiße Hocker). Ansonsten sind blau-rot gestrichene Stufen vorherrschend, die nur in der Mitte der Gegentribüne unterbrochen sind: hier wurde ein Teil der Tribüne abgerissen.

Schon am Eingang wies mich die sehr freundliche Polizei (die zuvor aber noch provozierend schlagstockschwingend mit dem Quad auf jugendliche Fans zuvor) darauf hin, dass ich den Karten-Abriss unbedingt aufheben solle: ich könnte einen von zwei Hammeln gewinnen, die bei dem Halbzeitgewinnspiel (heißt marrokkanisch-arabisch: et-Tombóla) verlost werden… Also nur weil ich Arabisch spreche, heißt das noch lange nicht, dass ich Muslim bin und so ein 150-450€ teures Vieh zum Opferfest brauche…

Die Aktion schien allerdings auch ungewöhnlich zu sein, etliche Fans begutachteten nämlich noch die ruhig daliegenden und an den Fanzaun geketteten Viecher und fotografierten sie. Das Stadion war wie erwartet gut gefüllt und Fans beider Seiten – aus Tetouan waren gut 700 da, allerdings zählte allein die Ultrakurve von Safi knapp 2.000 Leute – sangen sich melodisch nieder. Es wurde auch viel auf den Spielverlauf reagiert, aber nur wenig Pyrotechnik eingesetzt.

Wie auch immer, dieses Viertelfinale war ein Duell der Erstligisten: Mittelfeldteam gegen noch ungeschlagenen Tabellenführer, der alle Favoriten von Raja und Wydad bis FUS und MAS abhängt in der Liga… Und kaum komme ich mal zu einem Spiel von Maghreb Tetouan, schon verlieren die zum ersten Mal in dieser Saison! Nach verhaltenem Beginn gelang einem Spieler von Safi ein Heber aus 25m über den Torwart zum 1:0. Das wurde die folgenden 70 Minuten verteidigt, wobei MAT nicht entschlossen genug anrannte, um noch das Spiel zu drehen. OCS konnte auch immer wieder kontern und war mehrfach nahe an der 2:0-Entscheidung dran. Auch hier folgten nach dem überraschenden 1:0 Sieg in einem wie auch am Vortag fairen aber nur mittelmäßigen Spiel Ehrenrunden der Spieler.

Ich folgte dann dem Tipp im Reiseführer und steuerte das Hotel Majestic gegenüber dem Meeresschloss (Qasr al-Bahr) an. Klingt teuer, ist aber eines der billigsten der Stadt. 11€ für ein großes, sauberes – aber natürlich sehr einfaches Zimmer. Dusche (lauwarm oder kalt) und Klo (Abtritt) auf dem Gang. النهائي الكاس العرش - اليمبيك اسفي مع مغرب تطاون في الملعب المسيرة Statistik:
- Grounds: 1.026 (1 neuer; diese Saison: 55 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.924 (heute 1, diese Saison: 68)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 17.680 (16.560 Auto/ 870 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 9 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 376

Sonntag, 6. Oktober 2013

W375II: Der andere Kunstrasen im Saadier-Stadion, überraschende Klatsche für CODM und immer Ärger mit den Bullen und der Kasbah Nesrani

Club Omnisport De Meknès
---- (النادي الرياضي المكناسي) -----
...................... 1:5 ....................
--- Chabab Atlas Khénifra --
---- (نادي شباب أطلس خنيفرة) -----
- Datum: Samstag, 5. Oktober 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-5 nach 99 Min. (46/53) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 20. (25?), 0-2 45. (5), 1-2 58. (11, Foulelfmeter), 1-3 85. (30), 1-4 87. (7, Foulelfmeter), 1-5 96. (?)
- Verwarnungen: mindestens Nr. 9, 25, 40 ETW, 93 (alle CODM)
- Platzverweise: Nr. 1 TW von CODM (86. Notbremse)
- Spielort: Stade de Honneur [الملعب الشرفي لمدينة مكناس] (Kap. 12.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.500 (davon ca. 400 Gäste)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Tolle zweite Halbzeit von Chabab Atlas, nachdem die erste Hälfte mehr von der Atmosphäre lebte)

Wydad Athletic de Fès (Espoirs)
------ (نادي الوداد الرياضي الفاسي) ------
.......................... 0:2.........................
Olympique Club de Safi (Espoirs)
---------- (نادي أولمبيك أسفي) -----------
- Datum: Samstag, 5. Oktober 2013 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 0-2 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 30. (10), 0-2 45. (5)
- Verwarnungen: Nr. 6, 13 (beide OCS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Terrain Saadienne, El Mernissi, WAF [ملعب المرنسي - السعديين الرياضي المركب] (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 2 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz ordentliches Spiel) الملعب الشرفي لمدينة مكناس Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: Wydad Fès v Olympique de Safi
b) Moroccan Second Level (Botola 2): Olympique de Meknès v Chabab Atlas Khenifra
c) Meknès Region: Jabal Zerhoun Landscape

Der Samstag begann wie der letzte auch, nämlich mit einem U23 Spiel auf einem Kunstrasenplatz im Saadienne-Komplex, der nach der Dynastie der Saadier benannt ist und dementsprechend auch die Mauern des gegenüberliegenden Königspalastes kopiert. Jim erzählte mir noch die Anekdote zu der Bauruine am Golfplatz hinter dem Saadienne: „Der Sportkomplex von Fes, wo Maghreb Fes jetzt u.a. spielt, sollte eigentlich vor 10 Jahren dort hinterm Golfplatz hochgezogen werden, da innenstadtnah. Aber der König wollte nicht, dass man von der Tribüne in den Garten von seinem Palast gucken kann. Zum einen wegen Privatsphäre, zum anderen wegen Anschlagsgefahr…“

Von der Tribüne des Kunstrasens „El Mernessi/ Wydad Athletic Fès“ kann man aber nicht mal über die auf mittelalterlich gemachte Stadionmauer gucken. Mit Müh und Not schaut man über den grünen Zaun aufs Spielfeld. Ein freundlicher Alter WAF-Mitarbeiter brachte mir mit der Bemerkung „Kursi maroccaine, sahibi“ (ein marokkanischer Stuhl, mein Kumpel) einige große Pflastersteine mit Zeitung drüber zum Sitzen… Eigentlich hätte er „kursi maghrebi“ sagen müssen, aber die Leute sprachen hier meist ein französisch-arabisch Kreol. Der U19-Spieler mit dem ich mich eine Weile unterhielt, schoss den Vogel mit seiner Frage ob ich ein gutes Leben in Deutschland habe, ab: „la vie dyälak mizyan fy germany?“ Klingt so bescheuert wie in Deutsch: „Dein Life in Allemagne ist toll, wa?“

Die U23-Liga wird als „Elite 1 Espoirs“ bezeichnet, wobei Espoirs die Kurzform von „Jeunesse Espoirs“ ist, was „Junge Hoffnungen“ (gemeint sind „Nachwuchstalente“) bedeutet. Vor allem der Gast aus Safi (Asfi am Atlantik südlich von Casablanca) hat einige gute Talente, die vor der Pause zwei Mal die Abwehr von Wydad Fès austanzten. Die Fans von Wydad sind oft der Oberschicht zuzuordnen, doch bei der Espoir hingen auch die einfachen Leute herum, da die Fußballschule für einige ein Sprungbrett ins bessere Sportlerleben ist und mit 1.500 Dirham (140€) pro Jahr auch für die untere Mittelschicht erschwinglich ist. So war es typisch, dass einige in Arbeitsklamotten ihren Nachwuchs in der Form unterstützten, dass sie den Gegner dummmachten. Schon letzten Samstag im Saadienne gab es hinter noch gute Pöbeleien – und dem siegreichen Gast, der in den letzten 20 Minuten hinten reingedrängt wurde aber stark verteidigte, wollte man doch noch eins mitgeben, nachdem die Partie so ausgesprochen fair geführt wurde von den jungen Akteuren… ملعب السعديين او المرنسي في فاس Weiter ging es nach Meknès, von Königsstadt zu Königsstadt also. Wobei mir Meknès eh überschätzt vorkam und nach dem zweiten Besuch bin ich noch negativer gegenüber Meknès eingestellt. Am Stadion gab es als einzige Verpflegungsmöglichkeit einen Carrefour, in dem die angestellten von nichts ne Ahnung hatten (einer der Kunden wurde auch etwas laut gegenüber dem dämlichen jungen Verkäufer), aber wenigstens konnte man davor kostenlos parken. Die Offiziellen von CODM hatten nur eine einzige Kassenreihe geöffnet, was für die Gästefans blöd war. Noch blöder als die Anmache beim Kartenkaufen war aber der Punkt, dass sie beschissen wurden: die drei Kategorien sind schon eine Frechheit: als Erstligaabsteiger nimmt man sich bei CODM raus, Karten zu je 20, 40 bzw. 50 Dirham zu verkaufen – und die Gäste, die als solche erkennbar waren, wurden auf die 40Dh (3,80€) Plätze geschickt. Ich bestand auf Pelouse für 1,90€ und saß dann neben einem neutral wirkenden jungen Mann, der mir irgendwann mal sagte, dass er aus Khenifra ist und nur nicht doppelt so viel zahlen wollte wie für ein Heimspiel seiner Atlasjugend (Chabab Atlas)… Er war im Übrigen der einzige wirkliche freundliche im Stadion der sich für den ausländischen Groundhopper interessierte. Ich wurde auch erstmals von der Polizei kontrolliert, die sich wenigstens halbwegs höflich verhielt, aber ziemlich asozial gegenüber den normalen Fans: Getränke wurden konfisziert und diese dann hinter der Tribüne konsumiert. Da im Stadion Limettenbäume wachsen, pflückten einige daraufhin Früchte zur Erfrischung…

Wenigstens ist das Stadion der Stadthonoratioren ein sehr sehenswerter Bau mit Steinbänken die in neun Reihen rundherum laufen und auf der Haupttribüne, die in der Mitte ein Dach hat und auch Logen, bis zu 30 Reihen zählen. Die altmodische Anzeigetafel funktioniert nicht mehr, die Sprecheranlage ebenso wenig. Dafür funktioniert der Support der Fans, vor allem jener der Ultras hinter dem Tor vor den Plattenbauten. Guter Gesang, Hüpf- und Klatscheinlagen. Pyro gab es nur im Gästeblock, der auf deutlich über 300 anschwoll und nach und nach ebenbürtig in der Stimmung wurde. Interessant war auch, dass dort die Kabylenflagge gehisst wurde aber keine Lieder auf Tamazight gegrölt wurden. Die Stimmung zwischen den Fangruppen war übrigens recht freundschaftlich und v.a. bei „ACAB“ waren sich alle einig… Schon toll, wenn da ein 10jähriger quer übers Feld rennt und erfolgreich vor der Polizei auf die Capo-Plattform zum erstaunlich alten Ultra-Boss flieht und ein anderer 10jähriger mit einem „ACAB“-Tshirt jubelnd rumgrölt - haben bestimmt echt vorbildliche Eltern, wobei die wenigsten der marokkanischen Polizisten diesen dummen Spruch ACAB verstehen werden… Derzeit ist übrigens eine gewisse Offensive gegen die Polizei im Land im Rollen, da sich die Kollegen in Nador mal wieder einen Skandal erlaubt haben, der so von vielen (vor allem von vielen jungen Leuten) nicht hingenommen wird und nur zu gut beweist, dass die marokkanische Polizei das große Problem hat, dass dort zu viele ungebildete Vollidioten mit nur vier Jahren Schulbildung arbeiten.

Zum Spiel muss man sagen, dass es erst gut wurde, als alle Gästefans im Block angekommen waren, was gleich mit dem 0:1 – einem Flachschuss von der Strafraumgrenze – belohnt wurde. Kurz vor der Pause schien die immer besser werdende Partie mit dem 0:2 entschieden, doch ein Foulelfmeter nach dem Seitenwechsel schien sie noch mal offen zu gestalten. Als in der 85. – nach einer guten und schnellen zweiten Hälfte – das gut heraus gespielte 1:3 fiel, verging nur eine Minute bis der Meknes-Keeper nach einer Notbremse vom Feld musste. Dann wurde es hektisch und Chabab Atlas führte die Heimelf vor. Ein Elfmeter der vom Feldspieler, der nun als Ersatztorhüter fungieren musste, verursacht wurde, saß zum 1:4. In der ewig langen Nachspielzeit liefen dann nicht nur mehrere junge Rowdys aufs Feld, sondern schoss Khenifra noch das 1:5.

Nach Spielschluss waren es dann übrigens größtenteils die Ultras von CODM, die die Gastmannschaft mit Applaus bedachten. Die mit den teureren Karten gingen schweigend nach Hause. Außer natürlich der Gästefanblock, der nun richtig gut feierte… جماهير نادي مكناس Nach Spielschluss bekam ich dann auch noch Ärger mit der Polizei, da ich einem rasenden Lieferwagenfahrer hinterhergefahren bin, der mit 80 im 60er-Bereich bei Oued Jdid unterwegs war. Ein bisschen auf Arabisch diskutiert, sehr freundlich behandelt worden und für meine Arabischkenntnisse und Interessen gelobt, aber trotzdem zu 500 Dh. (47€) wie der Typ mit dem Lieferwagen auch, der natürlich sehr herablassend angeschnauzt wurde, verdonnert worden. Natürlich waren die superkorrekten Klugscheißer, die mir sogar die komplett ausgefüllte Quittung mitgaben, von der Direktion in Meknes. Zwei von der Direktion Ouarzarzate haben mir mal 700 Dh. einfach so erlassen und mich handschläglich verabschiedet, nachdem ich mich auf Arabisch herausgeredet habe…

Danach versuchte ich zum mittlerweile zweiten Mal diese verdammte Festung Kasbah Nesrani (der Name bedeutet „Christenburg“, da sie wohl von den Portugiesen erbaut wurde) im Zerhoun Gebirge zu finden. Aber die Straße bei Oulad Slim war gesperrt. Ich guckte noch kurz bei dem Dorffest zu, wo es eine Hengstparade gab, und fuhr dann nach Fès zurück. طبيعة قريب من مكناس Statistik:
- Grounds: 1.022 (2 neue; diese Saison: 51 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.920 (heute 2, diese Saison: 64)
- Tageskilometer: 160 (160km Auto)
- Saisonkilometer: 16.380 (15.330 Auto/ 820 Fahrrad/ / 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 6 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 375