Donnerstag, 4. September 2014

W422VII (Baltikum 9/10): Das beste Stadion zum Abschluss der Tour

Sõrve Jalgpalliklub (FC Kuressaare 2) ............................ 3
Saue JK Laagri 1998 .......................................................... 1
- Datum: Sonntag, 31. August 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: II. liga lõuna/lääs (4. estnische Fußballliga, 2. Amateurliga, South/ West)
- Ergebnis: 3-1 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 0-1 25. Argo Alaväli, 1-1 38. Mario Stern, 2-1 55. Maarek Suursaar, 3-1 59. Mario Stern
- Verwarnungen: Mario Stern (Sõrve); Kristjan Suurjärv (Saue)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Salme Spordiklubi staadion (Kap. 1.300, davon 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 15 (davon ca. 1 Gästefan)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Estonia: Saaremaa Island; Kuressare Old Bridge, Anijala Windmill, Mustjala Church, Tagaranna Cliffs, Kihelkonna Church, Loona Manor, Lümanda Church, Pilguse Manor, Valjala Church, KARJA CHURCH, Angla Windmills. Muhu Island; Rinsi Church, Üügu Cliffs, Hellamaa Church and Football Ground. Mainland; Karuse Church, Kirbla Church, Silla Church Ruin, Kolluvere Palace and Tallinn Old Town at Night
b) Estonian 4th Division: SÖRVE JK DEFEAT SAUE JK LAAGRI (AT SALME STADIUM)

Am letzten Tag des Aufenthaltes hatten wir noch einiges vor: zuerst fuhren wir von unserer Herberge in Kuressaare nach Norden, an der mittelalterlichen Bogenbrücke vorbei. In Anijala fiel uns am Wegesrand eine sehr schöne Holländerwindmühle auf. In Mustjala steht eine ganz ansehnliche Kirche: die Rentner des kleinen Dorfes und ein einziger junger Mann versammelten sich zum Gottesdienst. Im benachbarten Tagaranna stehen schöne Klippen und ein Denkmal für die weit über 800 Todesopfer der Estonia-Fährkatastrophe. Wie sehr das Unbehagen gegenüber Russland nach der über 100 Jahre dauernden Besetzung durch Zaren und Sowjets ist, kann man an der Diskussion des Unglücks sehen: da schwedische Militärs zugegeben hatten, mit der zivilen Fährlinie auch Waffen und Militärmaterial u.a. aus Russland unangemeldet verschifft zu haben, wird der KGB (alternativ aber auch die CIA) in einer auch in Schweden (wo die meisten Opfer des Unglücks herstammten) salonfähigen Verschwöruungstheorie der Sprengung der Estonia beschuldigt...

Wir fuhren dann den Westen der Insel ab, der die geringste Dichte an Sehenswürdigkeiten hat. In Kihelkonna lohnt aber die Kirche; vor allem deshalb, da ein Glockenturm im Stile eines Burgturms meterweit weg steht. Der Gutshof von Loona ist sehr gepflegt aber architektonisch eher unspektakulär. Die orthodoxe Kirche von Lümanda unterscheidet sich etwas durch ihre langgestreckte und nicht kreuzförmige Form von den anderen Russenkirchen der Insel. Schließlich besuchten wir noch den Gutshof Pilguse, der mehrere tolle Toreinfahrten zu den teils sehr verfallenen Gebäuden zu bieten hat.  
Eigentlich wollten wir dann ein Juniorenspiel vom FC Kuressaare sehen, doch das wurde nicht wie angesetzt vorm Gymnasium in der Garnisoni ausgetragen, sondern in Nasva, wo wir gestern schon waren. Wir fuhren also nach Salme weiter, wo ich erstmal selber den Ball rausholte und nach Eintreffen der ersten Spieler den beiden Teams von Sörve (d.h. die Auswahl der Südwestdörfer von Saaremaa, bzw. das Farmteam vom FC Kuressaare) und Saue aus Laagri bei Tallinn, das Feld überließ.

Ich hatte es im gestrigen Bericht schon geschrieben: das Stadion von Salme ist das beste Stadion auf der ganzen Insel! Erreicht man den Ort von Kuressaare aus, dann passiert man zuerst die Schule mit dem Bolzplatz (in der Schule ziehen sich die Mannschaften um). Man fährt dem Schild „Spordikompleksi“ nach in einen geschotterten Weg, der an den Ruinen einer LPG vorbei auf eine Waldwiese führt, wo sich das weite Rund erhebt: ein ordentlicher Graswall läuft ringsherum, auf zwei Seiten steht dichter Nadelwald schon auf der Wallkrone und vor dem Wald auf der Längsseite auch eine schöne Tribüne (sechs Reihen mit modrigen Holzbänken) und direkt anschließend ein toller dreistöckiger und holzverkleideter Sprecherturm mit Spitzdach. Dort befinden sich auch Abstellräume für Sportgeräte und ein Klubraum drin. Auf dieser Tour war das Stadion in Salme trotz Levadia-Stadion und Salacgriva-Stadion die beste Sportanlage!

Das beste Spiel war es dann allerdings leider nicht und zudem auch das schlechtbesuchteste. Nur ein paar Kinder, Spielerfreundinnen und -kumpels wollten die Viertligapartie sehen. Das mittelmäßige Spiel wurde anfangs vom Gast aus Laagri bestimmt, der auch mit einem tollen Freistoß aus 30m gegen die Unterkante der Latte (knapp links vom Winkel und dann hinter der Linie aufgesprungen) in Führung ging. Erst kurz vor der Pause setzte Sörve mit einem erfolgreichen Konter den ersten Ball ins gegnerische Netz. Die zweite Halbzeit wurde von den Kickern von der Insel bestimmt, wobei sie wieder zwei Konter brauchten (Standards oder aus dem Spiel heraus aufbauen konnten sie nicht besonders gut) um den Torwart zu überwinden. Alle drei Treffer von Sörve wurden irgendwie genau gleich erzielt...  
Nach diesem verdienten Sieg für Sörve in diesem tollen Ground, besuchten wir noch die letzten uns fehlenden wichtigen Sehenswürdigkeiten der Insel. Die Kirche von Valjala hat eine schöne gotische Fassade, sowie ebenfalls gotische Eingangssäulen und ist auch innen ansehenswert. Die sehenswerteste Kirche auf Saaremaa oder vielleicht auch in ganz Estland, ist jedoch jene in Karja, die innen spektakuläre gotische Fresken und Fratzen an den Wänden und Säulen zu bieten hat. Der Baukörper an sich ist aber leider nicht annähernd so spektakulär wie die Steinmetz- und Künstlerarbeiten im Inneren.

Interressant sind die an der Straße aufgereihten Windmühlen von Angla, die auf dem Gelände eines Museums stehen. Von Angla aus fuhren wir über den Damm nach Muhu. Dort drehten wir eine Runde durch den Norden der Insel: die orthodoxe Kirche in Rinsi sieht auch nicht anders aus, als die in Saaremaa und die Klippen von Üügu sind nicht so spektakulär wie die im Norden von Saaremaa. In Hellamaa steht der einzige Fußballplatz der Insel Muhu genau vor der Kirche.

Wir erreichten die 18.45-Fähre und setzten aufs Festland über. Auf dem Weg nach Tallinn besichtigten wir noch die Kirche von Karuse die ein auffälliges Baptisterium und Radkreuzgrabsteine hat, die Kirche von Kirbla mit ihrem alten Friedhof, die Kirchenruine von Silla (eine von mehreren dutzend orthodoxen Kirchen Estlands, die nach dem Abzug der russischen Besatzer ungenutzt zerfallen), und das Schloss von Koluvere, das so ziemlich das größte in ganz Estland ist. Allerdings sind insbesondere die Brücken in den barocken Bau mit den massiven Türmen eine einzige Baustelle.  
Von Tallinn bis Kuressaare auf Saaremaa zieht sich ein Gürtel von Schloss-, Festungs- und Burgbauten durch Estland. In anderen Regionen sieht es hingegen sehr öde aus. Aber insgesamt sollte sich auch diese Reise wieder gelohnt haben und ihren schönen Abschluss fand sie in einem einstündigen Rundgang durch die erleuchtete Altstadt von Tallinn.

Es zeigte sich dann allerdings auch, dass Tallinn sehr provinziell ist, da selbst Fastfoodketten schon um 21.30 zumachten. Nur in einem großen Supermarkt bekamen wir noch was zu essen – zum Glück gibt es hier keinen Sonntagsladenschluss...

Wir kamen dann gegen Mitternacht am Flughafen an. Der ist zwar auch etwas provinziell, aber es stört keinen wenn man dort sechs Stunden bis zu seinem Abflug rumlungert, weil man nicht noch ein Hotel beziehen will, das man um 4 Uhr verlassen müsste. Es schleicht immer mal ein unfreundlich guckender Russe in Uniform herum um mustert rumgammelnde Reisende, aber sagen tut er nichts. Die bei der Abfertigungskontrolle sagen auch nicht viel, maulen aber großkotzig rum, wenn einer noch Wasser mit ins Flugzeug nehmen will oder zu langsam bei der Abfertigung ist, was v.a. bei alten Menschen echt asozial ist. Aber die meisten Kontrolleure schienen auch wieder Russen zu sein. Mit den US-amerikanischen Reisenden kam man hingegen angenehm ins Gespräch: zwei Rentner waren auf dem Weg zurück von Estland, der Heimat ihrer Vorfahren, nach Florida bzw. Kalifornien. Also wenn Amis mal verreisen (also die 5% die das tun) fallen sie selten so negativ auf, wie in ihrem eigenen Land oder andere Touristen wie Engländer, Deutsche oder Russen...

Die Flüge waren absolut pünktlich, sodass wir gegen 14.45 am Bahnhof des Flughafens Leipzig-Halle standen. Ob es dann Kürzungen bei der Bahn in Sachsen-Anhalt oder doch eher Absprachen mit den Taxifirmen geschuldet ist, aber von dort bis Merseburg brauchten wir über Halle mit Wartezeiten von je 30 Minuten auf die Bahnen insgesamt anderthalb Stunden. Mit dem Taxi wäre das kaum eine halbe gewesen, aber auch fünf Mal so teuer (zwei Tickets für je 5€ gegen gut 50€ Taxigebühr)...  
Statistik:
- Grounds: 1.175 (heute 1 neuer; diese Saison: 21 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.143 (heute 1; diese Saison: 31)
- Tageskilometer: 2.300 (Sonntag: 450km Auto, 10km Fähre, Montag: 1.800km Flugzeug, 40km Bahn)
- Saisonkilometer: 10.040 (5.990 Auto/ 3.600 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 80 öffentliche Verkehrsmittel/ 20 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 123 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W422VI (Baltikum 8/10): Kirchen, Burgen, Klippen, Wälder und Amateurfußball auf Estlands größter Insel

Saaremaa Jalgpalliklub aameraaS (Kuressaare) ............ 8
FC Lelle (Tallinn) ............................................................... 1
- Datum: Samstag, 30. August 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: III. liiga lääs (5. estnische Fußballliga; 3. Amateurliga, Staffel West)
- Ergebnis: 8-1 nach 91 Min. (45/46) – Halbzeit: 4-0
- Tore: 1-0 18. Timo Ränk, 2-0 21. Andrus Ruttu, 3-0 28. Andre Anis, 4-0 40. Timo Ränk, 5-0 46. Timo Ränk, 6-0 51. Priit Ruga, 7-0 53. Timo Ränk, 7-1 54. Märt Meresmaa, 8-1 65. Andre Anis (Foulelfmeter)
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Nasva Spordikompleksi staadion (Stadion im Sportkomplex Nasva; Kap. 800 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 20 (davon ca. 1 Gästefan)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Über weite Strecken gutes und unterhaltsames Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Estonia: Saaremaa Island; Püha Church, Kahtia Church, Asva Windmill, Päidi Church, Oti Manor, Törnimäe Church, Orissaare Football Ground, Maasi Stronghold, Pulli Cliff, Rannaküla Harbour, Metsküla Church, Panga Cliffs, Sõrve Landsend and Light House, Ohessaare Stone Art, Jämaja Church, Kuressaare German Military Cemetery, Räomäe Monastery, Kaali Metorite Crater
b) Estonian 5th Division: SaareMaa aaMeraaS defeat FC Lelle (at Nasva Ground)

Wir setzten das Sightseeing auf der Insel Saaremaa am Samstagvormittag intensiv fort. Im Vergleich zum estnischen Festland oder den kleineren Inseln wie Hiiumaa und Vormsi gibt es hier auch eine höhere Sehenswürdigkeitendichte. Nach dem Frühstück gingen wir in die gotische Kirche von Püha, die auch innen etwas daher macht und von der freundlichen aber wohl nur Estnisch sprechenden Frau aus dem Nachbargehöft aufgeschlossen wird. In Kahtia steht eine orthodoxe Kirche mit kreuzförmigen Schiff mit einer großen und vier kleinen Kuppeln sowie Turm mit weiterer zwiebelförmiger Kuppel. Diese Kirche wird außerhalb des Gottesdienstes nie geöffnet und Nicht-Kirchenmitglieder sind dort nicht erwünscht. Im Übrigen sind aber auch die orthodoxen Kirchen nur bedingt erwünscht in Estland, v.a. in so einem estnischen Kerngebiet (98% Esten) wie Saaremaa: die orthodoxe Kirche gilt nämlich als Symbol einer ersten russischen Unterdrückung, die nachdem man den Deutschen Orden losgeworden war, mit einer neuen christlichen Konfession über Estland hereinbrach. Unter dem zaristischen Russland wurden viele Esten zum Übertritt vom Protestantismus zur Orthodoxie genötigt und dementsprechend orthodoxe Kirchen erbaut.

In Asva stehen nur eine verfallene Windmühle und niedrige Wallgräben einer ehemaligen Festung, doch im benachbarten Päidi kann man eine interessante gotische Kirche besichtigen. Innen sieht man allerdings sehr deutlich die schon außen zu erahnenden Schäden. Im Nachbardorf Oti steht ein neobarocker Gutshof, der aber leider in Privatbesitz ist. Die orthodoxe Kirche in Törnimäe sieht haargenau so aus wie jene in Kahtia. Seinesgleichen sucht jedoch der Fußballplatz in Orissaare: der wird aus einem guten Grund trotz ausreichender Wettkampfmaße nur für den Schul- und Freizeitsport genutzt: eine 10m hohe Eiche wächst am Anstoßkreis – bzw. der Platz wurde dorthin gebaut, wo die Eiche schon stand...

Wenige Kilometer weiter befindet sich die Festung von Maasi, die unterirdische Katakomben zu bieten hat. Die Mauern unterhalb des Schutthügels sind sehr gut erhalten, die freiliegenden Mauern jedoch stark verwittert und deshalb überdacht. Noch mal weiter nach Norden liegt die landschaftlich attraktive Küste von Pulli. An der Nordseite der Insel liegen ohnehin ein paar schöne Küstenabschnitte: so auch in Rannaküla wo es auch reetgedeckte Holzhäuser gibt und in Panga, wo die höchsten Klippen der Insel stehen. Zwischen diesen beiden genannten Orten befindet sich die rotgestichene orthodoxe Holzkirche von Metsküla, die als das letzte Symbol der orthodoxen Mission auf Saaremaa gilt.  
Wir fuhren dann wieder auf die Südseite, wo im gesichtslosen Nasva, 10km westlich vom Hauptort Kuressaare ein Schild mit der schönen Aufschrift „Spordikompleksi“ in einen Schotterweg weist. Dort befinden sich neben primitiven Hütten zum Umziehen und Duschen auch ein Basketballcourt mit Holzplanken (?!), ein leicht begrüntes Beachvolleyballfeld und schließlich eine saftig grüne, unebene aber gut gemähte, von Bäumen und Büschen sowie einem löchrigen Holzzaun umgebene Wiese mit zwei Toren drauf. Abmarkiert und mit vier Eckfahnen versehen ist sie sogar auch!

Hier spielte heute in der zweituntersten Liga der Tabellenführer Saaremaa aameraaS (Gag verstanden?) aus Kuressaare gegen seinen Verfolger aus einem südwestlichen Vorort von Tallinn (also der westlichste gegen den östlichsten Klub der Staffel) den FC Lelle. Übrigens steht der der zweite Klub von der Insel (Saaremaa Malev) auf dem letzten Platz in dieser Liga und unterhalb dieser 5. Spielklasse gibt es nur noch die Inselliga für die 6 schwächsten Amateurteams. Es haben auch nicht alle Regionen Estlands einen Spielbetrieb unterhalb der 5. Liga. Allerdings ist Estland in jedem Falle der baltische Staat mit der größten Fußballszene – danach kommt Litauen, wo Fußball aber nur hinter Basketball am zweitbeliebtesten ist.

Zurück nach Nasva: was da für die 20 bis 25 Zuschauern ablief, hatte nicht unbedingt etwas mit Spitzenspiel zu tun: gerade einmal 15 Tore und 1 Punkt besser als Lelle, nahm Saaremaa die Gäste hier völlig auseinander und wurde noch von dem dämlichen Linienrichter ausgebremst der u.a. ein fälschlich irreguläres Tor aberkannte. Vier, teils mit Gewaltschüssen unter die Latte erzielte Treffer entschieden die Partie bereits bei Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel wurde es richtig wild, als Saaremaa innerhalb von acht Minuten auf 7:0 davon zog, ehe Lelle mit ihrer ersten guten Aktion den Ehrentreffer erzielen konnte. Saaremaa nahm sich dann leider ziemlich zurück und verwandelte nur noch einen von Lelle völlig unnötig versursachten Elfmeter zum 8:1 Endstand.  
Nach diesem sehr unterhaltsamen und für diese untere Liga auch sehr guten Spiel fuhren wir nach Salme, wo ich eine Runde auf dem sehr coolen Ground (dem besten Platz der ganzen Insel!) bolzen ging – ja, ich nehm auch auf Flugreisen schon mal im Koffer einen Ball mit – da wir dort morgen das letzte Spiel unserer Reise gucken wollen. Mehr zu diesem tollen Stadion und natürlich viele Bilder finden sich im Bericht vom Sonntag!

Wir fuhren dann um die Südwestspitze der Insel, liefen dort auch vom Leuchtturm auf die äußerste Kante oder Spitze von Saaremaa. Dort kann man u.a. Relikte aus dem zweiten Weltkrieg wie gesprengte Kommandopunkte sehen. Lustig sind die aufgeschichteten Steine (moderne Dolmen) im benachbarten Ohessaare. Die etwas abgelegene, und wie zumeist auf der Insel mit bemoosten Felsteinen eingefriedete Kirche von Jämaja ist auch sehenswert. In Kuressaare kamen wir noch am deutschen Soldatenfriedhof vorbei, der einen die Ausmaße der Kämpfe im Baltikum erahnen lässt: auf der strategisch wichtigen Insel Saaremaa fielen 1941-44 allein 3.000 deutsche Soldaten.

Das einzige Kloster der Insel Saaremaa ist ein orthodoxes und steht in Räomäe. Die Kirche bzw. ihr Schiff dort sieht wieder genauso aus wie die zwei orthodoxen Gotteshäuser die wir am Vormittag besucht hatten, allerdings fehlt hier der Turm. Die anderen Gebäude des Kloster sind zumeist aus Holz errichtet. Zum Abschluss der Sightseeingtour schauten wir uns den eindrucksvollen Trichter mit dem riesigen baumbestandenen Ringwall drumherum an, den ein Himmelskörper als den Meteoritenkrater von Kaali hinterlassen hat. Als vor mindestens 4.000 Jahre dieses Teil auf diese Insel geknallt ist, muss es ganz schön heftig gescheppert haben...

Wir gingen dann noch gut und erstaunlich preiswert (estnische Hauptgerichte, also große fleischhaltige Essen) schon ab 5€ in einem der Lokale an der Talliner Straße zwischen weißer Kirche und Nachtclub essen. Sonderlich seriös sah das mit dem Casino drüber zwar auch nicht aus, aber die anderen Bumslokale der Kuressare „Down Town“ sahen wilder aus. Und unter im Gewölbe war das alles sehr stilvoll eingerichtet. Und solange wie dort Preis/ Leistung stimmen...  
Statistik:
- Grounds: 1.174 (heute 1 neuer; diese Saison: 20 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.142 (heute 1; diese Saison: 30)
- Tageskilometer: 350 (350km Auto)
- Saisonkilometer: 7.740 (5.540 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 10 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 122 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W422V (Baltikum 7/10): Von estnische Inseln und drei Elfmetern in einer Halbzeit

Football Club Kuressaare 1997 ........................................ 1
Rakvere JK Tarvas ............................................................ 5
- Datum: Freitag, 29. August 2014 – Anstoß: 18.45
- Wettbewerb: Esiliiga (2. estnische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-5 nach 95 Min. (45/50) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 23. Rainer Võsaste (wiederholter Foulelfmeter), 0-2 35. Alari Aunapuu (Nachschuss des zuvor vom Kuressaare-Torwart Roland Kütt abgewehrten Foulelfmeters), 1-2 52. Mikk Rajaver, 1-3 60. Sergei Akimov, 1-4 80. Rauno Valk, 1-5 85. Toomas Kiis
- Verwarnungen: Märt Kluge, Elari Valmas (Kuressaare); Kaarel Saar, Mihkel Saar, Rauno Valk (Rakvere)
- Platzverweise: 2x Rot gegen Sander Viira von Kuressaare (22. Min. wg. angeblicher Notbremse und 23. Min. da er nicht das Feld verlassen hatte und so der Elfmeter wiederholt werden musste)
- Spielort: Kuressaare linnastaadion (Stadtstadion Kranichstadt; Kap. 1.600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 90 (davon ca. 4 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Unterhaltsames aber nicht unbedingt gutes Spiel; Kuressaare lange die bessere Mannschaft, aber von Anfang an im Hintertreffen – Rakvere gewann lächerlich mit wenig Aufwand und trotzdem sehr deutlich)  
Photos with English Commentary:
a) Estonia: Saaremaa Island (KURESSAARE CASTLE and Old Town), Muhu Island (Vȏisaküla Windmill and Wooden Houses, Pädaste Manor, Liiva Church, KOGUVA TRADITIONAL VILLAGE, Muhu Stronghold), Churches in Treimanni, Häädemeeste, and Matsi
b) Estonian 2nd Division: FC Kuressaare lost to Tarvas Rakvere

Im strömenden Regen verließen wir Riga gen Norden. Bevor schon wieder zurückgeflogen werden sollte, machten wir noch einen Abstecher auf die estnische Insel Saaremaa. Da die Fahrtstrecke von Riga nach Virtsu (dem Fähranleger im Nordwesten Estlands direkt gegenüber von Koivistu auf der Insel Muhu) extrem eintönig ist, fuhren wir nach dem Passieren der Grenze in Ainaži den Abstecher zur parallelen Küstenstraße und schauten uns noch die Kirchen von Treimanni, Häädemeeste und Matsi an. Alle Kirchen haben zumindest einzelne hölzerne Elemente (Turmhaube z.B) oder sind wie die eine in Häädemeeste sogar holzverkleidet. Die in Matsi wird nach jahrzehntelangem Verfall gerade von einer Ruine in ein nutzbares Gotteshaus verwandelt. In Pärnu gingen wir in einem Einkaufszentrum Essen (bei der estnischen Variante der baltischen Pizzerien-Kette: Da Vinci Pizza). Im Vergleich war es etwas teurer als in Lettland (Can Can Pizza), was ja wiederum schon geringfügig teurer als Litauen (Charlie’s Pizza) ist, die Qualität ein ganzes Stück niedriger als in den beiden anderen baltischen Staaten und die Auswahl nicht einmal halb so groß wie bei Can Can oder Charlie.

Die Fähre nach Muhu war dafür erfreulich günstig; zwei Personen, ein Auto, 8km Wegstrecke mit 20 Minuten Fahrtzeit für 16,30€ pro Richtung. Das Auf- und Abfahren auf die bzw. von der Fähre lief unglaublich routiniert, da wir die einzigen Touristen waren. Warum auch immer, aber auf Saaremaa verirren sich nicht so viele Touristen wie auf das Festland. Wir sahen zwar dann in der Inselhauptstadt einige Deutsche und etwas weniger Russen, aber viel weniger als in Tallinn und Umgebung.  
Wir landeten also auf der Insel Muhu, die auch als „Moon“ bekannt ist und mit 198qkm (doppelt so groß wie Sylt aber nur ein Viertel der Größe Rügens) und nur 1.600 Einwohnern drittgrößte und drittbevölkerungsreichste Insel Estlands ist und fuhren gleich dem ersten Schild nach. Keine gute Idee bei so einem scheiß Mietwagen wie dem VW Polo: was den Typen von Hertz eigentlich einfällt, so eine Dreckskiste im Baltikum zu vermieten – und das an einen Gold-Card-Kunden wie meinen Vater zu überzogenen 50€ am Tag!? Der Wagen setzte bei der einzigen Kopfsteinpflasterstraße Muhus (und Estlands) mehrfach auf! Als wir uns die kleine Windmühle und die reetgedeckten Bauernhäuser in Vȏiseküla angeschaut hatten, mussten wir auf der Abkürzungsstrecke nach Pädaste umdrehen, da diese Transenkarre niemals den matschigen Fahrweg, den man auch ohne Allrad mit einem vernünftigen Auto (wie den Dacia Sanderos von Hertz Marokko oder selbst den Toyotamodellen von Hertz Dubai) passieren kann, geschafft hätte. Schließlich in Pädaste angekommen, besichtigten wir das sehr englisch gestylte Ensemble des Landgutes, in dessen schlossartigen Hauptgebäude ein Hotel mit Restaurant untergebracht ist. Sehenswert waren außerdem die turmlose Kirche von Liiva, die auch geöffnet war und innen v.a. durch Wandfresken hervorstach, der Ringwall von Muhu der im Mittelalter die wichtigste Befestigungsanlage der Insel darstellte und schließlich besonders das Dorf Koguva, durch dessen traditionelle Gassen man ganz entspannt laufen kann: die sandigen Wege sind von kleinen Gehöften, die alle mit Mauern aus losen, großen, oft moosbewachsenen Steinen eingefriedet und reetgedeckt sowie holzverkleidet sind, flankiert.

Dann ging es über einen drei Kilometer langen Damm auf die 2.672qkm große und 35.000 Einwohner zählende Insel Saaremaa, früher Ösel genannt. Zum Vergleich: Rügen hat doppelt so viele Einwohner, obwohl Saaremaa drei Mal so groß wie Rügen ist. Saaremaa ist die größte Insel Estlands, daher der Name „Inselland“. Wir ließen einige interessante Sehenswürdigkeiten links liegen, da wir sie morgen auf dem Plan und heute keine Zeit hatten, und fuhren gleich in den Hauptort Kuressaare (vom Damm aus über 40km über gute Landstraßen).

Kuressaare ist die Kranichinsel, früher Arensburg (d.h. Adlerburg) genannt. Die größte Sehenswürdigkeit Saaremaas steht dort: die gewaltige und topp sanierte Ordensburg aus dem 13. Jh. die im 17. Jh. von einer Festung umbaut wurde. Entsprechend eindrucksvoll ist der Eintritt in die weite Anlage. Erst für den Kernbereich muss man Tickets lösen, die mit 5€ auch recht hoch sind. Allerdings lohnt sich diese Investition, da das Museum innerhalb der sehr schönen Räumlichkeiten der Kernburg (u.a. geht man durch gotische Deckengewölbe) sehr gut gestaltet ist. Vor allem die Geschichte Saaremaas - Ordensritter, Deutsches Reich und Nazis, Sowjets und die Zeit nach der russischen Besatzung - ist gut aufbereitet.  
Vom Dachumgang unterhalb der Türme der Ordensburg sieht man auch Teile des städtischen Stadions von Kuressaare, das sehr schön mit Meerblick auf zwei Seiten und Burgblick auf der dritten Seite aufwarten kann. Auf der vierten Seite ziehen Tennisanlagen die Blicke auf sich. Ausgebaut ist nur eine Seite: dort findet man zwei baugleiche Metallrohrtribünen mit Holzbänken vor. Diese haben je neun Reihen und bieten je 800 Leuten Platz. Heute kamen die üblichen knapp 100, wobei ich im ganzen Baltikum noch kein solches Pennerpublikum wie in Kuressaare gesehen habe: das war ja wie in Deutschland, wie da ungewaschene Typen mit wilden Haarschnitten und Trikots zu Tarnhosen unablässig Bier soffen und pöbelten! Endlich mal richtige Fußballatmosphäre bei einem Spiel im Baltikum!

Andere Zuschauer waren aber auch Familien mit meistens drei oder vier Kindern – wie überall im Baltikum fiel auch hier auf, dass Paare zumeist keine Kinder haben oder wenn dann gleich drei oder mehr – so auch eine Frau mit drei kleinen Kindern aus Rakvere. Nur die vier hatten was zu jubeln, da Kuressaare das Spiel machte, doch einen Konter ungeschickt stoppte, was der schlechte Schiedsrichter als Notbremse auslegte. Der Kapitän musste also vom Platz, ging dann aber nicht, während der bescheuerte Schiri schon den Elfer ausführen ließ, der verwandelt, aber ungültig erklärt wurde, da sich der Kapitän einfach noch auf dem Feld bewegte. Der bekam also noch mal die Rote gezeigt und der Trainer wurde verwarnt, dass auch er vom Feld gehen solle. Takvere schoss also zum 0:1 ein und verschuldete kurz darauf einen Handelfmeter, der allerdings vom sehr guten Torhüter an den Pfosten gelenkt wurde. Takvere ging nur 12 Minuten nach dem ersten Elfmeter mit dem zweiten Elfer in Führung: diesmal ein anderer Schütze, der Torwart wehrt ab, doch derselbe Spieler köpft den Ball dann im Nachsetzen zum 0:2 ins lange Eck, während der Ersatzkapitän von Kuressaare verletzt ausschied.

Was ein chaotisches Spiel! Saaremaa also mit einem Mann weniger und ab der 40. Minuten dem dritten Kapitän 0:2 in Rückstand und trotzdem die bessere Mannschaft. Nach der Pause gelang auch endlich der Anschlusstreffer aus vollem Lauf und 15m Entfernung über den Torwart drüber in den Winkel. Doch kurz darauf ein Konter zum 1:3. Danach gab Kuressaare auf, es wurde wild durchgewechselt – in der Esiliiga darf fünf Mal gewechselt werden – und am Ende spielte Rakvere unspektakulär und wie auch wenig sehenswert einen viel zu hohen 1:5 Sieg heraus.

Wir liefen noch im Dämmerlicht durch die ganz ansehnliche Altstadt von Kuressaare – eine große Kirche mit zwei Turmkuppeln, mehre Holzhäuser und steinernen Villen bzw. Verwaltungsgebäude – und checkten dann nach einigem Warten da die Rezeption nicht besetzt war und uns eine Freundin der Besitzer den Schlüssel geben musste, in einem Hostel in der Nähe der angefressenen weißen Kirche mit der roten Haube auf dem spitzen quadratischen Turm, ein.  
Statistik:
- Grounds: 1.173 (heute 1 neuer; diese Saison: 19 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.141 (heute 1; diese Saison: 29)
- Tageskilometer: 390 (380km Auto, 10km Fähre)
- Saisonkilometer: 7.390 (5.190 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 10 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 121 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W422IV (Baltikum 6/10): Im Zeichen der Düna

FK Daugava Rīga .............................................................. 4
Bērnu futbola centrs Daugavpils ..................................... 2
- Datum: Donnerstag, 28. August 2014 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: Latvijas futbola Virslīga (Lettische Fußballoberliga: 1. lettische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 4-2 nach 93 Min. (46/48) – Halbzeit: 3-1
- Tore: 1-0 8. Vitālijs Ziļs, 2-0 19. Edijs Joksts, 3-0 38. Tadas Markevičius, 3-1 40. Nakano Ryotaro, 4-1 62. Emīls Knapšis, 4-2 67. Pavel Ryzhevski
- Verwarnungen: Edijs Joksts, Alekseijs Koļesņikovs (Daugava); Artjoms Murdasovs (BFC)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Daugavas stadions (Kap. 5.683 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel mit vielen Torszenen)  
Photos with English Commentary:
a) Latvia: Ēģipte Church Ruin; Daugavpils Fortress; Koknesė Castle Ruin and Church; Suntaži Palace; Sigulda New Palace, Old Castle and Turaida Castle and Estate with Wooden Church; Rīga Old Town
b) Latvian Top Football Division: Daugava Riga defeat BFC Daugavpils

Wie üblich regnete es die meiste Zeit, aber die angedachten Sehenswürdigkeiten erreichten wir alle problemlos, Fußball fand auch wie geplant statt und ein paar Sehenswürdigkeiten am Wegesrand fanden wir dank der guten touristischen Beschilderung auch. Gleich nachdem wir die Grenze von Litauen nach Lettland passiert hatten, zeigte ein braunes Schild auch schon in einen schlammigen Sandweg, der sich an einem Waldstück auf einem Hügel oberhalb eines Sees und eines Gehöftes entlang schlängelt. Das Gehöft heißt Verzas und im angrenzenden Waldstück befindet sich eine interessante, allerdings ruinöse lutherische Kirche, die nach dem nicht mehr vorhandenen Dorf zu dem sie gehörte heißt: Ēģipte. Gegründet wurde das Dorf von einem Deutschen, weswegen es den Namen Aegypten erhielt... Wahrscheinlich war der Gründer, bevor er im frühen 19. Jh. nach Lettland auswanderte, mal in Ägypten unterwegs. Auch der Friedhof von Aegypten ist nicht uninteressant, da viele deutsche Gräber auf die Zeit in der das Dorf geplättet wurde, hinweisen: 1914-17.

In Daugavpils und dem gesamten Umland fiel auf, dass hier die meisten Einwohner Russen sind und Lettland nirgendwo so eine zahlenmäßig starke russische Gemeinde hat wie dort. Passenderweise sind auch nirgendwo die Infrastruktur so schlecht, die Straßen, Plätze und Häuser so versifft und die Englischkenntnisse so mies... Sehenswert ist in Daugavpils nur die weitläufige Festungsstadt, die zwar teilweise verbaut und vergammelt ist, aber ein eindrucksvolles Beispiel für den Festungsbau des 17./18. Jahrhunderts bietet.

Wir fuhren von Daugavpils (Dünaburg) die Daugava (Düna) entlang bis Koknese. Dort gibt es eine etwas kahle Kirche und eine tolle Burgruine auf einer Landzunge. Für 1,20€ kann man durch die originalgetreu gesicherten und nur in wenigen Teilen unauffällig wiederhergestellten Gemäuer gehen.

Die nächste Station hieß Suntaži. Dass dort ein schönes, symmetrisches Schloss mit zwei identischen Ecktürmen steht, wussten wir vorher auch nicht. Aber man folgt halt immer dem Schild „pils” (Schloss, Burg)...

Danach stand der wohl sehenswerteste Ort Lettlands auf dem Programm: Sigulda. Eine sehr gepflegte Stadt mit wenig Verfall – bei einem fast verödeten Umland mit leerstehenden Dörfern kein Wunder: alle ziehen nach Sigulda, die Landflucht ist im ganzen Baltikum zum Problem geworden – und drei historischen Gebäuden bester Sorte. Das Neue Schloss ist die jüngste der Anlagen und ein in einer Art Tudor-Stil gehaltene Schlossanlage mit nettem Garten und schicken Holzhäusern als Nebengebäude. Die Alte Burg befindet sich direkt dahinter und kann für 2,42€ besichtigt werden: insbesondere der rekonstruierte Turm mit Umgang bietet einen schönen Blick in die Landschaft. Die ist im Raum Sigulda mal nicht so öde, denn Hügel, Bäche, Wälder und gar Schluchten liegen hier wirklich malerisch. In toller Lage befindet sich auch die in weiten Teilen rekonstruierte (wie üblich im Baltikum v.a. mit roten Backsteinen) Burg Turaidas. Die kostet auch mal fast 5€ Eintritt (durch die Euro-Umstellung natürlich nicht glatt, sondern 4,96€ oder so was), lohnt sich aber aufgrund des tollen Turmblicks, des eindrucksvollen Baukörpers und des die Burg umgebenden Parks mit einer zugänglichen Holzkirche und Bauerngehöften, die als Freilichtmuseum eingerichtet sind.  
Wir kamen in weniger als einer Stunde nach Riga durch und checkten dort in ein Hotel auf halbem Weg vom Stadtrand in die Altstadt namens „Placis“ ein: für nur 24€ bekommt man dort ein Doppelzimmer (Bad auf dem Flur) in einem Plattenbau. Dann ging es auch an diesem Donnerstag wieder zum Fußball...

Einmal über die Düna (Daugava) und hinter den hässlichen Bahnhof gefahren und schon begrüßen die riesigen Flutlichtmasten, die Tennisschlägern in der Form ähneln, die (zumeist sehr wenigen) Fans. Wie es aussieht, wenn wie heute nur knapp 60 Zuschauer ein Erstligaspiel sehen wollen, kann man sich denken: es bleiben über 5.600 Plätze leer und ein Großteil der Tribüne wird gar nicht erst geöffnet. Die Tribüne ist wirklich schön und genauso typisch sowjetisch wie die arkadenartigen Eingangsportale. Interessanterweise teilt sich die Tribüne in einen Unterrang mit nur sieben Reihen und einen Oberrang mit 17 Reihen. Die anderen drei Seiten sind ausbautenlos.

Der Gastgeber hieß vormals FK Jurmala und wurde umgesiedelt in die 30km entfernte lettische Hauptstadt sowie nach der Daugava (also dem Fluss Düna) umbenannt. Auch das Stadion trägt diesen Namen, wobei es den schon nach seiner Erbauung 1958 erhielt. Fans hat dieser Kunstverein so gut wie keine. Da waren die Gästefans (genau fünf) interessanter: ein Balte, seine japanische Freundin, ein weiterer Japaner und zwei typische Fußball-Russen – Wampe, Stiernacken, Stoppelhaarschnitt und wenn sie ihre Hackfresse überhaupt einmal aufgekriegt haben, kamen mit grollender Stimme nur Flüche heraus... Die Mehrheit der Daugavpilser Einwohner sind wie gesagt Russen und beim BFC spielen aus irgendwelchen Gründen auch zwei Japaner – deshalb diese Mischung bei den Gästefans... Interessant war auch der italienische Fußballtrainer, mit dem wir uns etwas auf Englisch unterhielten: der ist natürlich mehr spielerische Professionalität und v.a. mehr Zuschauerzuspruch aus seiner Heimat gewohnt.

Aber das Spiel lohnte sich trotzdem. Man bekam richtig guten Amateurfußball mit technischen und taktischen Mängeln, aber viel Laufarbeit und vielen Torszenen geboten. Daugava Riga ging auch schnell in Führung: ein Mittelfeldspieler ging nach vorne durch, tanzte den Torwart aus und schoss aus spitzem Winkel ins lange Eck. Danach traf ein aufgerückter Verteidiger per Fallrückzieher aus 15m halbhoch ins lange Eck. Ein Stürmer traf dann schließlich mit dem Außenrist gegen die Laufrichtung des Torwarts zum 3:0, ehe kurz darauf der eine Japaner zum 3:1 einnetzte. Nach dem Seitenwechsel wurde nach über einer Stunde die endgültige Endscheidung erzielt, wobei Daugavpils noch mit einem tollen Kopfball auf 4:2 verkürzen konnte.

Wir gingen dann in einem der Supermärkte essen. Im Baltikum ist das bei den beschissenen Öffnungszeiten und den v.a. in Estland teuren Restaurants die beste Option. In Litauen heißt die tolle Supermarkt-Restaurant-Kette „Charlie’s Pizza“ und hier in Lettland „Can Can Pizza“. Außer Pizza gibt es aber auch Pasta und richtige Tellergerichte: so kann man z.B. auch (was die Einheimischen nur nie zu machen scheinen) lettische Spezialitäten wie ich mir bestellt habe, ordern: kalte Rote-Beete-Suppe mit warmen Kartoffelspalten, dann überbackener Hähnchenauflauf mit Gemüse und Käse und zum Abschluss Birnenkuchen mit Eis und Nüssen.  
Statistik:
- Grounds: 1.172 (heute 1 neuer; diese Saison: 18 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.140 (heute 1; diese Saison: 28)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 7.000 (4.810 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 120 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W422III (Baltikum 5/10): Tatarenmoscheen, Hauptstadt Vilnius, Fußball in Utena

FK Utenis Utena ................................................................ 2
Vilniaus miesto futbolo draugija Žalgirietis ................... 0
- Datum: Mittwoch, 27. August 2014 – Anstoß: 18.00
- Wettbewerb: I Lyga (2. litauische Fußballliga, 1. Amateurspielklasse)
- Ergebnis: 2-0 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: 1-0 68. Savastas, 2-0 87. Vainoras
- Verwarnungen: Zagurskas, Lukšys, Naumov, Savastas, Jeriomenko, Gunevič (Utena); Narmontas, Strolys, Romanovskij (Žalgirietis)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Utenio stadionas (Kap. 3.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 400 (keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes, schnelles und unterhaltsames Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Lithuania: MOSQUES in Kaunas, Keturiasdešimt Totorių and Nemėžis; VILNIUS OLD TOWN; Wooden Houses and Churches in Papiškės, Momėnai, Pakalniai, Vyžuonos and Vyžuonėlės; Utena Town
b) Lithuanian 2nd Division: Utenis Utena defeat Žalgirietis Vilnius

Am Mittwoch fuhren wir von den vier Moscheen die es in Litauen gibt, drei ab. Wir fingen gleich in Kaunas an, wo wir nach dem Auschecken nur noch die einzige Steinmoschee (sehr türkisch/ osmanisch wirkender Baustil) Litauens anschauten. Wie auch fast alle Kirchen in Litauen, waren die Moscheen geschlossen. Die Holzmoschee bei Alytus lag zu abseitig, also fuhren wir gleich auf die Hauptstadt zu und bogen in das Dorf Keturiasdešimt Totorių ein. Auf Tatarisch, einer Turksprache die von den Tataren die hier 80% der Einwohner stellen, als Mutter- oder Zweitsprache gesprochen wird, heißt das Nest „Qırıq Tatar”. Im verwandten Türkisch wäre das Kırk Tatar – in jedem Fall heißt das auf Deutsch „Vierzig Tataren”. Es leben allerdings mehr als 40 Leute in dem Dorf (ca. 200), wobei die kleine, quadratische Holzmoschee mit dem zeltförmigen Blechdach wohl kaum mehr als 40 Betende fassen dürfte. Auch in Nemėžis steht seit gut 300 Jahren eine Moschee mit Friedhof, die von den ortsansässigen knapp 1.000 Muslimen (in ganz Litauen sind es nicht mehr als 3.000) genutzt wird. Die Grabinschriften sind teils Litauisch, teils Russisch, teils Arabisch und teils Tatarisch: mitunter zwei oder drei der Sprachen auf einem Grabstein. Interessant war übrigens, dass alle drei Moscheen vorgaben sunnitisch (also quasi Mainstream) zu sein, aber keinerlei Tataren in irgendwelchen klassischen Kleidungsstücken (lange Männermäntel mit Hüten z.B.) zu sehen waren. Wenn man bedenkt, dass die Moscheen zu Sowjetzeiten als Lagerhallen genutzt wurden und die Religionsausübung der Tataren stark eingeschränkt wurde, ist es nicht ungewöhnlich, dass sie sich stark von der Mainstreamform des arabischen oder türkischen Islam unterscheiden. Zumindest scheinen die einzigen Litauerinnen, die Kopftücher tragen, Christinnen zu sein, die sie wie überall in Osteuropa unabhängig von der Religion diese als eine Art Arbeitskleidung tragen...

Schnell ist man von dort in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die ist noch sehenswerter als Tallinn und erheblich schöner als Riga. Am besten parkt man gleich vor der gewaltigen Kathedrale, die innen klassizistisch weiß doch keineswegs schlicht und außen ungewöhnlich mit einem enormen Glockenturm abseits des Schiffes gestaltet ist. Gleich dahinter befindet sich das Herzögliche Palais und daran angrenzend der riesige Burghügel mit der teils rekonstruierten Burgruine im landesüblichen Backsteinbaustil. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Von den vielen Kirchen in Vilnius lohnt sich besonders die Doppelkirche mit dem spitzen Backsteingiebeln und dem abstehenden Turm. Besonders die größere der beiden nebeneinandergesetzten Kirchen ist innen sehr schön ausgestaltet. In den Straßen der Altstadt sieht es ausgesprochen ordentlich und aufgeräumt aus: verfallene Gebäude wurden zumeist durch moderne oder restaurierte ersetzt. Erst wenn man die Altstadt verlässt und die modernen Glasfassaden der neuen City passiert hat, kommen schmuddelige Plattenbauviertel. Aber selbst da schienen nicht so viele Asis wie in Riga rumzulümmeln. Allerdings wird man im Baltikum fast nur in Riga und eben auch Vilnius und Trakai angebettelt: die Bettler labern Leute interessanterweise stets auf Russisch an und pöbeln dann auch auf Russisch hinterher, wenn jemand nichts gibt...

Wir bewegten uns nach Norden und machten auf dem Weg zu unserem nächsten Groundziel, dem Stadion in Utena, noch ein paar Umwege auf Nebenstraßen. In Papiškės gibt es ein Partisanendenkmal für einen in dem Ort geborenen Freiheitskämpfer, wobei das Hinweisschild darauf größer ist als der Gedenkstein. In Momėnai gibt es die üblichen litauischen Provinzszenen zu fotografieren: Wälder und Wiesen in sanfter Hügellandschaft durch die sich von Holzhaus zu Holzhaus unbefestigte aber recht breite Wege schlängeln. In Pakalniai fanden wir eine ungewöhnliche Kirche mit zwei abstehenden Glockentürmen und einer Mischung aus moderner Betonfassade und Holzbohlen. In Vyžuonos steht eine neoklassizistische Steinkirche auf einem Hügel oberhalb des Dorfes und in Vyžuonėlės gibt es einen Gutshof mit Holzgebäuden.  
Der Ort Utena selbst hat wenig zu bieten, sodass wir schon 30 Minuten vor Anpfiff bei freiem Eintritt das in Sichtweite der Pferderennbahn befindliche Stadion betraten. Es ist modern ausgestattet (topp Anlagen für Leichtathletik, Fußball und Basketball und neue Zuschauereinrichtungen) und sehr stilvoll gebaut (ein Steingarten mit zwei Bonsai und die Tribünen haben je nach Sektor rote, gelbe oder blaue Schalensitze, von den 3.000 Stück auch 750 unter einem geschwungenen Dach). Das Problem ist allerdings, dass der Architekt wohl ein Vollidiot ist, der bei diesen gehirnamputierten Pfuschern die die Sporthalle in Taucha gebaut haben, studiert hat: je ca. 250 Sitze der rechten und der linken Außentribüne sind nicht nutzbar, da sie höher als das Dach der mittleren Tribüne gebaut ist... Hallo?! Geht’s noch?! Da baut einer eine Tribüne, die schräg oberhalb einer niedrigeren Tribüne mit massiver Überdachung steht!!! Und dann hat die Mitteltribüne als Krönung noch Sichteinschränkungen durch Pfeiler zu bieten... Also so ein Schrott wie in den 2000er Jahren wurde wohl nie zuvor in der Architekturgeschichte der Sportanlagen gebaut... Immerhin hat der Architekt die Gegentribüne simpel gehalten: regelmäßige Betonstufen, vier Sektoren mit je 24 roten Schalensitzen in jeder der 8 Reihen – aber wahrscheinlich musste man ihm erst ausreden, die Reihen 1 bis 4 der mittleren Sektoren zu überdachen...

Utena hat die besten Zuschauerzahlen in Liga 2: während viele andere Teams nur um die 100 Leute anlocken, ziehen die vom FK Utenis im Schnitt 500, bei Spitzenspiel auch mal 1.000. Heute war allerdings nur die U23 von Žalgiris Vilnius zu Gast und bloß knapp 400 Leute wollten zuschauen. Wie meistens im Baltikum gingen die auch nur wenig mit und angefeuert oder randaliert hat leider auch niemand.

Dabei war das Spiel ziemlich gut und man konnte mit der Leistung der Heimelf zufrieden sein und sich dann auch noch so schön über die vielen vergebenen Chancen in der ersten Hälfte oder den mit gelben Karten sinnfrei um sich schmeißenden und teilweise auch noch fälschlich Ecke statt Abstoß oder Einwurf Vilnius statt Einwurf Utena entscheidenden Schiri aufregen...

Der Gästetorwart schien mit seinen tollen Paraden (einmal kratzte er zwei auf den Innenpfosten kommende Bälle in nur einer Minute heraus) unüberwindbar, doch nach einer scharfen Hereingabe von rechts gelang aus sieben Metern ein Treffer per Flugkopfball. Mehr als eine Stunde war da bereits gespielt worden und erst fünf Minuten vor dem Abpfiff konnte die Entscheidung mit einem von der Grundlinie hereingebrachten Pass auf einen heranrasenden und souverän am Torwart gegen die Laufrichtung vorbei aus acht, neun Metern einschießenden Stürmer erzielt werden. Mit diesem verdienten Sieg ist Utena jetzt übrigens auf einen Aufstiegsplatz geklettert.  
Nicht ganz einfach war die Suche nach einem Restaurant. Die scheiß Klitschen in der Innenstadt haben alle nur bis 20 Uhr auf oder sind primitive Kebabstände, die wir heute meiden wollten. Aber in den Einkaufszentren an den Ausfallstraßen gibt es oft Restaurants mit langen Öffnungszeiten wie Charlie’s Pizza an der Schnellstraße Richtung Zarasai/ Daugavpils. Dort hat man eine riesige Auswahl an litauischen Gerichten (4-8€), Pizza (3,50-10€), Pasta (5-10€), Burgern (unter 8€) etc.

Die Anfahrt zur Pension in Zarasai gestaltete sich ebenfalls nicht leicht, da die letzten 20km bis Zarasai eine einzige Baustelle sind: nachts über die weitestgehend bis auf den Schotter abgehobelte Straße, die chaotisch mit Barken blockiert und Ampeln bestückt ist, an die sich niemand hält – echt eine tolle Fahrerei, aber dieser scheiß VW Polo setzte mehrfach auf. Warum bekommt man im Baltikum auch einen deutschen Straßenwagen von der Vermietung bekommt? Die Straßen sind halt etwas spektakulärer und dafür weniger luxuriös als in Deutschland – also die Geistesgestörten, die sich über den „schlechten“ Straßenzustand in Deutschland ereifern...

Wir fanden aber gegen 22 Uhr ohne Probleme die Pension „Manor 5“, dessen Besitzer zwar nur Litauisch und Russisch kann, aber einen zu tollen Ferienhütten zu je nur 24€ pro Hütte mit allem was man braucht (geräumige Zimmer mit Betten, großem Schreibtisch, Internet, Küche, Bad) führt.  
Statistik:
- Grounds: 1.171 (heute 1 neuer; diese Saison: 17 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.139 (heute 1; diese Saison: 27)
- Tageskilometer: 350 (350km Auto)
- Saisonkilometer: 6.670 (4.480 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 119 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W422II (Baltikum 4/10): Ordensburg Trakai, Burghügel im Süden Litauens, Altstadt von Kaunas und A-Jugend in Mariampolė

FK Sūduva Marijampolė U18 .......................................... 2
FK Tauras Tauragė / FK Spyris Kaunas U18 ................. 1
- Datum: Dienstag, 26. August 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Elitinė jaunių lyga U18 (1. litauische A-Junioren Liga)
- Ergebnis: 2-1 nach 93 Min. (46/47) – Halbzeit: 2-1
- Tore: 1-0 15. Nr. 8, 1-1 28. (15), 2-1 29. Nr. 21
- Verwarnungen: Nr. 11, 15, 25 (Sūduva)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sūduvas stadionas II bzw. sogenannte „AVRI futbolo arena” II (d.h. Nebenplatz; Kap. 200 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 25 (keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Die gleichwertigen Teams blockierten sich viel)  
Photos with English Commentary:
a) Lithuania: Sudervė Church, Dūkštos Church, Panieriai Manor & Neris River, Brazuolis Mound, TRAKAI CASTLE, Stanka Lake, Aukštadvaris Church, Šakliškių Mound, Marijampolė Town Centre, Kaunas Castle and Old Town
b) Lithuanian Under-18 Youth League: Sūduva Marijampolė defeat Tauras Tauragė/ Spyris Kaunas

Am zweiten Tag in Litauen gab es einiges an Sehenswürdigkeiten abzugrasen. Mit einem Umweg über das Dorf Sudervė, das eine interessante runde Barockkirche mit Säulenportal und abstehendem steinernen Glockenturm zu bieten hat, ging es gleich zum Highlight: der Ordensburg Trakai. Die schlägt auch mit relativ hohen 5,50€ zu Buche. Die lohnen sich aber, obwohl einige Räume gesperrt und die meisten andere mit dem dümmlichsten Kitsch den ich je gesehen habe zugestellt sind. Meist ist dieser Kitsch auch noch unprofessionell dargeboten: oft findet man keine Beschriftungen oder Erklärungen zu den hässlichen Porzellanfiguren, albernen Elfenbeintabakpfeifen oder lächerlichen Perlenstickereien mit kindlichen, pseudoromantischen oder gar zoophilen (nackte Frau wird von Schwan bestiegen) Motiven...

Das eigentlich besondere an der Burg Trakai sind nämlich nicht die Exponate, sondern der Baukörper und die Lage. Es gibt einen Kernbereich mit hohem, eckigen Turm und quadratischem Innenhof und einen Vorbereich mit vier runden Ecktürmen und unregelmäßigem Grundriss, der sich etwas der Insel anpasst, auf der die ganze Anlage in dem See liegt. Die Burg ist somit nur über einen Steg oder per Boot erreichbar, was ihrem Namen als Wasserburg alle Ehre macht. Von der Insel aus sieht man übrigens auch das auf dem gegenüberliegenden Ufer stehende Schloss Užutrakis. Insgesamt fand ich Trakai etwas zu kitschig – nicht nur wegen der unmöglichen Ausstellungsstücke, sondern wegen der Komplettrekonstruktion der Anlage, die vor 80 Jahren noch eine eindrucksvolle Ruine war, der man ebenso viel abgewinnen konnte, wie dieser rekonstruierten Burganlage jetzt.

Auf dem Weg nach Trakai hatten wir uns noch kurze Stopps erlaubt: die Kirche in Dūkštos fiel durch ihr rotes Mauerwerk auf und in Panieriai am idyllischen Neris-Fluss verfallen die größten Gebäude des Ortes (der Gutshof und die Schule) auf recht eindrucksvolle Art und Weise. Kurz vor Trakai hatten wir auch Brazuolis, einen gewaltigen aber ziemlich zugewachsenen Burghügel bestiegen. Diese Burghügel gibt es zu Dutzenden oder gar Hunderten in ganz Litauen. Wenn da auf allen noch wenigstens die Ruinen der Burgen, die da mal draufstanden, stünden, wäre Litauen ein Burgenland auf dem Niveau von Deutschland oder gar Tschechien. Aber so sind die meisten der litauischen Burgen und Schlösser Bodendenkmale und die sehr an die Siedlungs- und Festungshügel des Nahen Ostens erinnernden litauischen Burghügel nicht unbedingt interessant. Selbst bei Archäologen hält sich die Begeisterung in Grenzen, denn die Hügel in Litauen sind als Fundstätten weit weniger ergiebig als z.B. in Syrien, Irak oder Jordanien, da das Baltikum nie derart hochentwickelten Kulturen wie Assyrer oder Eblaiten, die spektakuläre Hügel aufschütteten und mit steinernen (und nicht wie in Europa hölzernen) Festungen sicherten, hervorgebracht hat.  
In Šakliškių guckten wir uns trotzdem noch einen weiteren Burghügel an, da dieser besonders schön in der Landschaft herumsteht. Vorher hatten wir noch am Stanka-See eine Rast eingelegt und uns die Holzkirche von Aukštadvaris angeschaut.

In Marijampolė fiel die Nähe zu Polen auf. Chaotischerer Straßenverkehr als sonst im Baltikum, kahle sozialistische Plätze im Zentrum und schicke, weiß gestrichene, katholische Kirchen.

Auch sehr polnisch war die Organisation beim Fußball. Wenigstens gab es überhaupt wie angesetzt ein Spiel. Aber das fand dann entgegen der Behauptungen auf der Website auf dem ausbautenlosen Nebenplatz hinter der eher gesichtslosen „Arena“ statt. Wir hockten uns vor die Plattenbauten auf den Hügel außerhalb des Zaunes, da man von dort auch ganz gut sah. Die meisten anderen Zuschauer setzten sich schräg hinters Tor vor den Metallzaun.

Für ein Spiel der höchsten A-Junioren-Liga waren natürlich nur sehr wenige Fans da (nicht mehr als 25) und leider war das Spiel auch nicht sonderlich gut. Beide Teams zeigten was am Ball, aber blockierten sich gegenseitig. Der zweite Torschuss – nach 15 Minuten – kam auf den Kasten der Gäste, einer Spielgemeinschaft aus Taurage und Spyris Kaunas, und ging gleich rein. Mitte der ersten Halbzeit landete dann der erste gut vorgetragene Angriff der Gastmannschaft im Kasten, doch postwendend ging Suduva Marijampole erneut in Führung: ein haltbarer Kopfball fand seinen Weg ins Netz. Nach dem Seitenwechsel gab es hier und da ein paar Chancen und ab und an mal ein gröberes Einsteigen, was das souveräne Schiedsrichtergespann auch ahndete, doch nichts Zählbares mehr.

Wir fuhren dann zu unserem Ausgangspunkt, Kaunas, zurück. Dort schauten wir uns die schöne, aber recht kleine Altstadt an. Eine Burgruine mit einem typischen runden Eckturm aus roten Backsteinen, vier Kirchen unterschiedlichen Alters in wenigen Metern Abstand (davon eine mit schlossartigen Klostergebäuden) und ein kirchenartiges Rathaus stechen hier hervor. Preis/ Leistung in der Pizzeria in der Straße östlich der großen Backsteinkirche stachen ebenfalls hervor: eine große (32cm Durchmesser), reichlich belegte Pizza für weniger als 4€ ist natürlich topp!  
Statistik:
- Grounds: 1.170 (heute 1 neuer; diese Saison: 16 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.138 (heute 1; diese Saison: 26)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 6.320 (4.130 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 118 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422

W422I (Baltikum 3/10): Dritter Länderpunkt am Dritten Reisetag

FK Kruoja Pakruojis - 2 ................................................... 6
Vilniaus miesto futbolo draugija Žalgiris - 2 .................. 0
- Datum: Montag, 25. August 2014 – Anstoß: 14.00
- Wettbewerb: sogenannte "SMScredit.lt A lygos" dubleriai (Litauische Liga für Reserven der Profimannschaften)
- Ergebnis: 6-0 nach 91 Min. (45/46) – Halbzeit: 3-0
- Tore: 1-0 11. Arlauskas, 2-0 18. Arlauskas, 3-0 30. Birškys (Handelfmeter), 4-0 50. Birškys, 5-0 65. Kriukas, 6-0 90. al-Mahrana
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Pakruojo miesto stadionas (Pakruojis; Kap. 2.010 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 40 (keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ordentliches Niveau, aber sehr einseitiges Spiel)  
Photos with English Commentary:
a) Latvia: Bauska Castle Ruin, Mežotne Palace and Church Ruin, Pilsrundāle Baroque Palace
b) Lithuania: Geručiai Border Crossing, Lauksodis Wooden Church, Bardiškiai Wooden Houses, Pakruojis Manor and Church, HILL OF CROSSES and Cathedral of Šiauliai, Alėjai Wooden Church, Kaunas Castle and Old Town
b) Lithuanian Reserves League: Kruoja Pakruojis 2 v Zalgiris Vilnius 2

Am dritten Tag der Reise hatten wir das Kreuzen des dritten Länderpunktes geplant. Bevor wir jedoch zur ausgesprochen bescheuerten Zeit von 14 Uhr an einem Montag ins Stadion gingen, schauten wir uns einige Baudenkmale in Lettland und Litauen an. Auf der lettischen Seite fingen wir in Mežotne an. Das Kaff erreicht man vom Motel Brencis aus am schnellsten und direktesten über einen geschotterten (und bei dem Dauerregen ziemlich von Pfützen übersäten) Nebenweg. Der ist allerdings nicht mit einem deutschen Feldweg zu vergleichen, sondern breit wie manche Bundesstraße nicht. Nach der 14km langen Pistenanfahrt steht man dann plötzlich vor einem perfekt hergerichteten und absolut symmetrischen klassizistischen Schloss in Weiß und Gelb. Drumherum ein in die leicht hügelige Flusslandschaft eingepasster Garten und mehrere, teils sanierte Nebengebäude.

In Bauska gibt es dann eine andere Art von Schloss: eine Mischung aus Burgruine und Renaissanceschloss steht da auf einem mächtigen Hügel zwischen zwei Flüssen. Der Eintritt kostet etwas überzogene 4,23€ pro Person, wobei man nur in die Hälfte der Räumlichkeiten kann, da die Anlage eine einzige Baustelle ist.

Wir fuhren dann noch mal nach Mežotne, allerdings dem Teil des Ortes, der unbewohnt auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt. Dort stehen nur noch die Ruine einer Kirche aus dem 17. Jahrhundert (zwei Mal von den Deutschen zerstört: im 1. und nach dem Wiederaufbau gleich im 2. Weltkrieg) und die Wallreste einer semgallischen Festung.

Im benachbarten Pilsrundāle befindet sich das größte Barockschloss Lettlands: ein absolut symmetrischer, gelb-weißer Bau mit ebenso symmetrisch in die Sichtachse gestellten, meist rötlichen Nebenbauten. Der Palastgarten wurde nach französischem Vorbild angelegt.

Wir waren zwar etwas skeptisch, als uns das Navi nicht über die 20km längeren Hauptstraßen, sondern ganz direkt über die Nebenwege nach Litauen schicken wollte, fuhren aber trotzdem die direkt nach Süden führende Schotterpiste von Pilsrundāle nach Süden. Tatsächlich gibt es da einen offiziellen Grenzübergang nach Litauen: irgendwo im Nichts, wo es nur Felder, Waldstücke, vereinzelte Bauerngehöfte und holprige Schotterwege gibt.

Litauen präsentierte sich gleich recht gut: denn so wie die richtige Bebauung anfing, sah man schon gleich viele Kirchen. Von den drei baltischen Staaten ist Litauen der religiöseste, was sich positiv auf die Baukunst ausgewirkt hat. Bereits im kleinen Dorf Lauksodis konnte man eine tolle, rotgestrichene Holzkirche mit abstehendem Turm und Kreuzweg auf der Friedhofsmauer bestaunen.

In fast allen litauischen Orten gibt es eingeschossige Holzhäuser mit hohem Dach und wintergartenähnlich eingeschalten Fensterfronten. In Bardiškiai gab es ein paar bessere Exemplare. Aber auch da gab es viel Verfall und aufgrund der Landflucht auch Leerstand. Im Spielort Pakruojis kann man ein tolles Landgut mit neobarockem Palast und toll sanierten Nebengebäuden und Ställen sowie Landschaftspark mit natürlich belassenem Flusslauf und kunstvollen Brücken über ebendiesen, besichtigten. Der Ort selber ist eher unspektakulär, sodass wir nach dem Geldabheben (Litauen ist das einzige der baltischen Länder, das noch keinen Euro hat) auf der Tribüne des am Stadtrand gelegenen Stadions unsere estnischen Lebensmittel aßen...  
Das nächste Spiel der Ersten Mannschaft von Kruoja (ein Fluss der durch die Stadt fließt) Pakruojis (der Ortsname bezieht sich ebenfalls auf den Fluss Kruoja: „am Fluss Kruoja gelegen“) war auf der Tafel zur Straße hin angekündigt. Heute spielten aber die Reservemannschaften. In Litauen haben die U23 oder Zweiten Mannschaften der Proficlubs eine eigene Liga, die teilweise zu etwas hirnrissigen (aber für uns heute sehr günstigen!) Zeiten kicken. Also zogen wir uns hier am Montag um 14 Uhr mit entsprechend nur knapp 40 weiteren Fans eine Partie zwischen Kruoja Pakruojis und Žalgiris Vilnius (der Name der Gastmannschaft aus der Hauptstadt bezieht sich auf die Schlacht bei Tannenberg; Polen-Litauen gegen Deutscher Orden, 1410) rein.

Das Stadion hat – bei dem Dreckwetter heute mal wieder sehr passend – eine halbschalenförmig überdachte Haupttribüne mit genau 1.010 gelben und blauen Sitzen. Vier unüberdachte Tribünen mit Sitzen gleicher Bauart und Farbe gibt es hinter den beiden Toren auf den Graswällen und rechts und links des Containerbaus (Umkleiden und VIP-Raum befinden sich dort) auf der Gegenseite. Im Eingangsbereich fielen die Blumenrabatten wieder positiv auf.

Das Spielniveau war auch eher positiv zu vermerken: auch wenn es hier jetzt kein Knaller war, aber Pakruojis II spielte technisch richtig guten Fußball und schnell war das Spiel auch. Die II. von Žalgiris kam damit aber nicht so richtig klar und stand nur hinten drin. Die vereinzelten Entlastungsangriffe verhallten schnell. Man merkte sehr deutlich, dass die Reserve des Rekordmeisters nur auf dem vorletzten Platz der Reserveliga steht und die besten Spieler, die an den Profibereich herangeführt werden sollen, in der regulären 2. litauischen Liga (einer Halbprofiliga) fürs Žalgiris-Farmteam Žalgieritis spielen: denn hier spielte eigentlich die A-Jugend.

Dementsprechend wurden flott Kombinationen im Strafraum vorgetragen und noch einem Gästespieler so an die Hand geschossen, dass es Elfer geben musste, der auch noch souverän verwandelt wurde – und schon stand es bei Halbzeit 3:0. Die zweite Hälfte lief zwar etwas lahm an, aber nach dem 4:0 wurde die Abwehr noch zweimal flott überlaufen und locker aus Nahdistanz abgeschlossen, sodass ein verdientes 6:0 am Ende stand. Das letzte Tor erzielte übrigens einer der gar nicht mal so wenigen ausländischen Spieler – ein Ägypter – während eines brutalen Gewitterschauers.  
Nach dem Spiel fuhren wir zügig zum Hügel der Kreuze, dem religiösen Nationalmonument der Litauer: auf einem natürlichen Hügel wurden gut 200.000 Kreuze unterschiedlichster Größen und Macharten aufgestellt (oder teils wild ineinander verkeilt auf Haufen geworfen) um Litauen als christliches Land (nicht atheistisch-kommunistischen wie zu Zeiten der sowjetischen Unterdrückung) zu präsentieren. Ein wirklich eindrucksvolles Monument, das seinesgleichen sucht!

Im benachbarten Šiauliai gibt es nicht so viel zu sehen: die Kathedrale ist außen durch die runde Form des Turmes auffällig, aber innen etwas kahl und einfarbig weiß.

Wir fuhren dann nach Schildern und schauten in Kelmė an der eher unspektakulären Kirche vorbei und in Alėjai an der sehr schönen Holzkirche, deren Turm drei Turmhauben hat. Die Kirche liegt idyllisch an einem See, der sonst nur in lockerer Bebauung von den typischen einfachen Holzhäusern der litauischen Provinz umgeben ist.

In Kaunas bezogen wir dann ein gutes und trotzdem recht preisgünstiges Hotel am Rande der Altstadt namens „Apple Economy“ und gingen ein paar Straßen weiter bei einem guten russischen Lokal (Preise noch im Rahmen, aber bei Vor- und Hauptspeise plus großem Getränk muss man mit 12-15€ (40-50 Litas) pro Person rechnen.  
Statistik:
- Grounds: 1.169 (heute 1 neuer; diese Saison: 15 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.137 (heute 1; diese Saison: 25)
- Tageskilometer: 330 (330km Auto)
- Saisonkilometer: 5.990 (3.800 Auto/ 1.800 Flugzeug/ 350 Fahrrad/ 40 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 117 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 422