Dienstag, 11. Februar 2014

W393I: Ein bunter Sport-Tag in der Hauptstadt; Dorffußball im Umland, Handballpokal in der Stadtmitte und Eishockey im Einkaufszentrum

Association Sportive de Salé (السلاوية الرياضية الجمعية)
................................ 26:31 (17:15) ..............................
---- Renaissance Sportif Tanger (نادي النهدة طنجة) ----
Datum: Samstag, 8. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Coupe du Trône de Handball [كاس العرش لكرة اليد] (dritte Runde des Handball-Pokals des Thrones; 2. Liga West [دوري القسم الاول المجموعة الغربية], 1. Amateurliga gegen 1. Liga Nord [دوري الممتاز المجموعة الشمالية], Halbprofiliga)
Ergebnis: 26-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 17-15
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: ASS 100% (6 von 6); RST 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: Nr. 7, 14, 20 (ASS); Nr. 3, 13, 20 (RST)
Zwei-Minuten-Strafen: Nr. 6, 14, 34 (ASS = 6 Minuten); 2x Nr. 20, Nr. 3 (RST = 6 Minuten)
Platzverweise: keine
Spielort: Salle Olympique Ibn Yassine [القاعة المغطاة ابن ياسين] (Kap. 3.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel mit hervorragender erster Halbzeit)

Black Lions Rabat 4:7 White Lions Rabat
Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anbully: 13.20
Wettbewerb: Freundschaftsspiel anlässlich der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014
Ergebnis: 2-4 nach 60 Min. (3x20) – Drittelergebnisse: 3-1, 0-3, 1-3
Torfolge: 1-0, 2-0, 2-1, 3-1; 3-2, 3-3, 3-4; 4-4, 4-5, 4-6, 4-7
Strafminuten: keine
Spielort: Patinoire Mega Mall Rabat (Kap. 400 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 30
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Weitestgehend sehr niedriges Niveau, aber flott und ganz nett anzusehen)

Association Renaissance Sportive Ain Aouda
------ (نادي جمعية النهضة الرياضية عين عودة) ---------
............................. 2:1 (1:0) ...............................
----- Association Sportive Anwal de Salé ------
--------- (نادي جمعية انوال الرياضية السلاوية) ----------
- Datum: Samstag, 8. Februar 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Championnat Régional 1ere Goupe A, Ligue du Gharb de Football [A البطولة الجهوية الأولى المجموعة] (Westmarokkanische Kreisoberliga = 6. Marokkanische Liga, 4. Amateurebene)
- Ergebnis: 2-1 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 31. (12), 1-1 87. (7), 2-1 88. (10)
- Verwarnungen: 2x Nr. 4, Nr. 1, 8, 9 (ARSA); 2x Nr. 12, 5, 13 (ASASF)
- Platzverweise: Nr. 4 von ARSA (86. wegen wiederholtem Handspiel), Nr. 12 von ASASF (69. wg. wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Municipal de Ain Aouda [الملعب البلدي بعين عودة] (Kap. 1.500, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (davon mind. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Mittelmäßiges Spiel mit genialer Schlussphase)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football in Rabat Region: Nahda Ain Aouda v Anwal Sale
b) Ice Hockey Friendly Match at Rabat Mall: Black Lions v White Lions
c) Handball Cup at Ibn Yassine Sports Hall: AS Sale v Nahda Tanger
d) Rabat: The Capital City of Morocco

An diesem Samstag war das Sportprogramm so abwechslungsreich wie das Essen in der gesamten Woche. Meist ist es bei meiner Gastfamilie aus Kostengründen sehr gemüselastig und Fleisch gibt es nur vom Hammel oder Huhn, doch diesmal gab es unter anderem Schnecken, die man gekocht in einer Brühe direkt aus der Schale mit einer Nadel heraus stochert. Als Proviant auf die Fahrt nahm ich das neueste Angebot der Koutoubia-Fleischerei aus dem Carrefour mit: Mortadella aus Kamelfleisch, die sehr gut schmeckt aber nicht ganz so hervorragend ist wie Kamelhackfleisch. Und in Sachen Kulinarisches schoss meine Lehrerin Malika den Vogel ab: Einer ihrer Brüder ist Förster und hatte in letzter Zeit Stress wegen Wilddieben. Die haben Schiss vor ihrem Bruder und als ein Duo von diesen Gaunern beim Hasenschießen von einem Nachbarn Malikas erwischt wurde, drückten sie ihm ein gehäutetes hasengroßes Tier in die Hand. Die Bestechung nahm der Nachbar aber nur zum Schein an und lieferte das Tier samt Personenbeschreibung der Wilderer bei ihrem Bruder ab. Der guckte nur flüchtig drauf in seinem Ärger über den erneuten Gesetzesverstoß in seinem Waldstück und meinte beiläufig auf dem Weg zur Arbeit: „Frau, koch den Hasen fürs Abendessen!“ Weder dem Nachbarn noch Malikas Bruder fiel auf, dass es sich bei dem Vieh nicht um einen Hasen handelte. Dass der ewig nicht gar wurde, kam der Ehefrau aber komisch vor und bevor das Tier auf dem Tisch landete bekam es der Bruder aus den gefassten Wilderern heraus: sie hatten außer drei Hasen auch eine Katze abgeschossen – und diese dem einfältigen Nachbarn angedreht. Der Bruder jedenfalls rief hektisch zuhause an: „Habt ihr das Tier schon zubereitet? Ich glaube das ist nicht halal [nach islamischen Vorschriften zum Verzehr geeignet]!“ Frau: „Wieso ist doch ein Hase?“ Bruder: „Nein! Die Schweine haben uns eine Katze angedreht!“ Frau: „Oh Gott, kein Wunder, dass ich das Tier sechs Stunden lang kochen musste…“

Samstagfrüh ging es, diesmal komplett über Bundesstraßen, nach Rabat. Zwischen Meknes und Ain Orma gibt es eine Polizeikontrolle, die mir schon letzten Monat negativ aufgefallen war. Ein Fetter niedrigen Ranges hielt mich auch an, fragte erst nach den Wagenpapieren und dann nach Kippen, wobei ich ihm stets auf Arabisch antwortete, was ihn so wunderte, dass er anfing mich auszufragen. Als er noch fragte, wo genau in Fès ich wohne und ob ich alleine oder mit den Eltern lebe, meinte ich, dass ich mit einer marokkanischen Familie in der Altstadt wohne. Doof wie der ist, verstand er es so, dass ich in eine marokkanische Familie eingeheiratet habe, sodass ich bei der folgenden Ausfragerei angab, keine Kinder zu haben, da ich erst fünf Monate verheiratet bin – und wer die anderen Marokkoberichte gelesen hat, dem ist klar, wen ich als meine Frau ausgegeben habe…
Jedenfalls ließ mich der Spinner dann ohne Bestechung weiterfahren und über Khemisset, Tiflet und Sidi Allal Bahraoui fuhr ich nach Ain Aouda.  
Ain Aouda liegt 20km südlich der Hauptstadt in recht bergiger und grüner Landschaft. Der Ort ist in einigen Teilen sehr heruntergekommen und dreckig. Sehenswert ist die ehemalige französische Kirche links der Hauptstraße: der Dorfkirchenbau aus groben Quadersteinen mit Storchennest auf dem geziegelten Turmdach könnte auch überall in Deutschland so stehen und wird nun als Kulturverein und Frauenclub genutzt, weswegen er besser aussieht, als viele andere architektonische Hinterlassenschaften der Besatzer, die einfach vor sich hin verfallen.

Das in derselben Straße liegende Stadion ist eher neueren Datums: ein schöner, sandiger Lehmplatz, flankiert von zwei rotgestrichenen kleinen, steilen Betontribünen; eine bietet 400 Personen, die andere 200 Personen Platz. In der Sportanlage stehen viele Laubbäume, die für das Zaer-Gebirge (ein Mittelgebirge, das gleich hinter Rabat beginnt und sich zwischen Benslimane, Khemisset und Oulmes ausbreitet) typisch sind. Auffällig war, dass im Stadion einiges ausgebessert wurde, und zwar offensichtlich von einem schwarzafrikanischen Bauarbeiter, der sich neben der Tribüne häuslich eingerichtet hat: in einem Zelt aus Planen und Brettern. In Marokko ist es seit einigen Jahren zu einem Problem geworden, dass kriminelle Firmenbesitzer (und das sind leider sehr viele) die schwarzafrikanischen Flüchtlinge, die durch Marokko nach Europa wollen und hier hängen bleiben, als Schwarzarbeiter arbeiten lassen. Das ist kein Wortspiel mit Schwarz – das ist halt so. Ein Marokkaner würde z.B. 2.000 Dirham im Monat für dieselbe Arbeit verdienen, für die ein malischer Flüchtling 1.000 Dirham unter der Hand bekommt. Da das Problem Schwarzarbeit ebenso gewachsen ist, wie die Bettelei und Tagelöhnerei von schwarzen Flüchtlingen, wird die Stimmung gegen Schwarze in Marokko, insbesondere in berberischen Gebieten, zunehmend aggressiver.

Die Stimmung beim Spiel zwischen Nahda (Renaissance) Ain Aouda und Anwal (BSG Webereien) Sale, die einen sehr deutsch anmutenden Fanblock von fünf Meckerrentnern mit Vereinskappen mitbrachten, war teilweise auch etwas aggressiv. Unter anderen deshalb, da der Schiedsrichter recht unsicher war. In diesem ganz ansehnlichen Spiel ging jedenfalls Ain Aouda nach einer halben Stunde mit einem Konter in Führung. Der Gastgeber war etwas besser und aktiver, verpasste es aber v.a. in Hälfte zwei nachzulegen. Ab der 69. waren sie ja auch noch in Überzahl, da ein Anwal-Spieler wegen wiederholten Fouls vom Platz geschickt wurde, aber in einer tollen Schlussphase verursachten sie einen Handelfmeter – den Anwal allerdings über das Tor schoss – und vor dem Ausgleich in der 87. bekam der Trottel, der den Handelfmeter verursacht hatte, wegen eines weiteren Handspiels die Gelb-Rote Karte. In Unterzahl gelang es Nahda Ain Aouda aber gleich nach dem unglücklich kassierten Ausgleich mit einem 25m-Schuss ins Eck gegen den mittlerweile eingewechselten Ersatztorwart zum 2:1 Siegtreffer einzunetzen.  
Fährt man die Hauptstraße von Ain Aouda nach Rabat, kommt man nach Kreuzung der Rochade und 25km sturem Geradeausfahren an der Megamall vorbei. Die ist nicht so groß wie der Namen vermuten lässt, aber auf drei Stockwerken verteilte werden in einem modernen Einkaufszentrum in schicken Boutiquen teure Sachen vertickt. Hier trifft man neben Ausländern v.a. einheimische Oberschichtler an: die sind natürlich gebildet und überwiegend höflich im Auftreten, aber teilweise ist es wirklich lächerlich zu erleben, dass solche Leute bevorzugt (selbst untereinander) Französisch statt Arabisch reden. Die Oberschicht in Fès findet so etwas zum Kotzen…

Ach so, einige fragen sich jetzt sicher, was ich in der teuren Megamall mit den Gucci- und Rolex-Boutiquen will. Ganz einfach: Eishockey gucken! Im Erdgeschoss zur Hauptstraße hin gibt es eine Eisbahn (französisch „Patinoire“) die von den Rabat Lions für ihre beiden Eishockeymannschaften, ein Eiskunstlauf- und ein Eistanzteam genutzt werden. Die Stehränge bieten gut 400 Leuten Platz, werden bei Bedarf auch mit Tischen und Stühlen zugestellt und oftmals stehen Zuschauer auch direkt an der Bande zur etwas zu klein geratenen Eisfläche.

Die Liga mit den vier Mannschaften ist wohl erstmal auf Eis gelegt, sodass es nur ein Freundschaftsspiel (so etwas wird immer auf der Facebookseite der Rabat Lions angekündigt) zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft der Lions – Black und White – gab. Als Anlass wurden diesmal speziell die an diesem Tag beginnenden olympischen Winterspiele genannt.

Wie auch immer: erwartungsgemäß war die Qualität sehr niedrig – was will man auch erwarten, wenn im ganzen Land nur ein Verein und eine Spielstätte vorhanden sind?! – doch obwohl nur ein Torwart gekommen war und deshalb das andere Tor mit einer Torwand verhängt wurde und die Mannschaften gemischt spielten – alle paar Minuten wurde komplett durchgewechselt: die Erwachsenen runter und die Jugend rauf aus Eis und dann wieder umgekehrt – es kam ein recht flottes Spiel mit vielen Toren zustande. Nach anfänglicher Dominanz der Black Lions, drehten die White Lions im zweiten Drittel das Spiel und bauten den Vorsprung im Schlussdrittel auf drei Tore zum 7:4 aus. Icehopping in Marokko mag verwundern, aber mich verwunderte eher, dass die Mehrheit der Spieler, unter denen sich übrigens auch zwei jugendliche Mädchen befanden, Einheimische waren – ich hatte mit mehr Expats gerechnet. Letztere waren übrigens neben Amis auch Deutsche und Italiener.

Eigentlich wollte ich dann noch das Fußballchampionsleaguespiel zwischen FAR Rabat und Real Bamako sehen, doch 15 Minuten vor Spielbeginn musste ich feststellen, dass nur zwei Kassen geöffnet waren: eigentlich müssten es mehr sein, doch FAR bezahlte nur zwei Kassenwarte. In dieser Situation ist dann natürlich die Polizei gefragt, doch die hatte keine Absperrgitter dabei, sodass es Tumulte am Kassenhäuschen gab. Nach 30 Minuten warten und drängeln reichte es dann und ich versuchte einen Trick, der in jedem arabischen Land funktioniert – außer halt in Marokko, da Ausländer nirgendwo in der Arabischen Welt so wenig respektiert werden, wie dort – und quatschte einen Polizisten an, ob er mit mal die Karte holen kann. Woanders hätte er – schon mehrfach von Groundhoppern die in Ägypten, Jordanien, Algerien etc. waren und dort ähnliche Probleme hatten (wobei ich solche fast schwarzafrikanisch wirkenden Zustände in Marokko zum ersten Mal gesehen habe: meist ist das besser organisiert) gelesen – mir ohne zu zögern mit kurzen Durchdrängeln zum Schalter in zwei Minuten das Ticket geholt und das Wechselgeld wahrscheinlich nicht mal behalten wollen, doch hier meinte er einfach, dass er das nicht machen könne, und ließ sich nicht mal darauf ein, die 30 Dirham Rückgeld, die er bekommen hätte, einzustecken.  
Dann leckt mich halt am Arsch, ihr scheiß Hauptstädter – FAR ist eh ein asozialer Scheißverein – dann geh ich halt zum Abschluss dieses sehr bunten und hauptstädtischen Sporttages zum Handball. Hinterm Bahnhof sind einige schöne Sportanlagen, u.a. das Stadion von Stade Marocain (3. Liga) und der Fußballschule von Maroc Telecom sowie die Sporthalle Ibn Yassine, in der v.a. Handball gespielt wird. Der Bau ist sehr wuchtig mit olympischen Stelen und Ringen vorm Eingang und innen zwar schlecht beleuchtet, aber eindrucksvoll symmetrisch in vier Tribünen geteilt. Die Kunststoffbänke sind weitestgehend in gutem Zustand, aber alles ist irgendwie angestaubt und viele Fenster sind eingeschlagen.

Wenn man weiß, dass es in Marokko beim Handball auch so zugehen kann, wie bei Ittihad Tanger mit Choreo vorm Anpfiff und Bengalos in der voll belegten Halle, ärgert man sich schon über so schwachen Besuch wie heute, aber AS Salé ist auch nur 2. Liga und kam in Runde 2 des Pokals nur dadurch weiter, da Jeunesse Tabriques Casablanca in der 44. Minute beim Spielstand von 20:17 das Feld verließ, da sie die Tumulte in der Halle am fehlenden Ordnungsdienst, den die Heimseite zu stellen hat, festmachten: der Ordnungsdienst war aber nach Ansicht das Spielleiters ausreichend, also 20:17-Wertung für AS Salé.

In der ersten Halbzeit bekamen die rund 65, teils ziemlich gut mitgehenden Zuschauer, ein hervorragendes Spiel geboten, in dem es stets unentschieden stand oder ASS mit bis zu vier Toren vorne lag. Dann brach der Zweitligist leider ein und Nahda Tanger konnte den 17:15-Halbzeitstand auf 17:18 (32.30) drehen und nach dem 18:18 lag nur noch Tanger vorne; das 18:23 innerhalb von 3 Minuten und der folgende Tempoanzug der Gäste führte zu bis zu 8 Toren Vorsprung (19-27, 22-30). Am Ende siegte Nahda Tanger mit 26:31 und ist eine Runde weiter.

Nach dem Spiel fuhr ich zügig und ohne Stress über die Autobahn zurück nach Fès.  
Statistik:
- Grounds: 1.071 (heute 3; diese Saison: 100 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.982 (heute 3; diese Saison: 126)
- Tageskilometer: 540 (540km Auto)
- Saisonkilometer: 35.000 (33.870 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 393

Montag, 3. Februar 2014

W392II: Noch mal Groundhopping in Fès

- Wafae Club Fès - (الوفاء الرياضي الفاسي) -
.......................... 0:0 (0:0) .........................
Hasania Lazari Oujda (حسنية لازاري وجدة)
- Datum: Sonntag, 2. Februar 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Amateur 2, Groupe Nord-Est [شطر الشمال الشرقي - بطولة القسم الوطني الثاني هواة] (d.h. 4. Marokkanische Fußballliga, 2. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: nur ein Abseitstor
- Verwarnungen: Nr. 7 (WRF); Nr. 11, 21 (HAL)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Hassan II [ملعب الحسن الثاني بفاس] (Kap. 7.500, davon 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Wafae spielte gut aber völlig unfähig, Hassania war einfach nur anwesend…)

Chabab Taqaddom Riadi Fassi U15 (شباب التقدم الفاسي)
.......................................... 2:3 ........................................
--- Union Sportive de Fès U15 (الاتحاد الرياضي الفاسي) ---
- Datum: Sonntag, 2. Februar 2014 – Anstoß: 12.15
- Wettbewerb: Leistungsvergleich von C-Junioren-Mannschaften auf Stadtebene (3. und unterste Liga)
- Ergebnis: 2-3 nach 60 Min. (1x60) – Halbzeit: -
- Tore: 0-1 13. Ohne Nummer, 1-1 19. Nr. 6, 1-2 26. Ohne Nummer, 2-2 38. Nr. 15, 2-3 48. Ohne Nummer
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Bab Ftouh [ملعب باب الفتوح] (Kap. 1.500, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 überwiegend neutrale
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr gutes Niveau für die Spiel- und Altersklasse!)

Fath Athlétique de Fès U15 - (الفتح الرياضي الفاسي)
...................................... 1:3 ....................................
Association Rajae Zouagha U15 (جمعية رجاء زواغة
- Datum: Sonntag, 2. Februar 2014 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Leistungsvergleich von C-Junioren-Mannschaften auf Stadtebene (3. und unterste Liga)
- Ergebnis: 1-3 nach 70 Min. (2x35) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 35. 7, 0-2 60. 17, 1-2 65. NN, 1-3 70. (13)
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Bab Ftouh [ملعب باب الفتوح] (Kap. 1.500, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 überwiegend neutrale
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Niveau für die Spiel- und Altersklasse!)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) 2nd Amateur Tier in Hassan II Stadium: Wafae Fes v Hassania Lazari Oujda
b) Under-Aged Football in Bab Ftouh Stadium: Chabab Taqaddom v Tihad & Fath v Raja Zouagha

Diesen Sonntag nutzte ich mangels sinnvoller Alternativen erneut zum Fahrrad-Groundhopping innerhalb von Fès. Ich klapperte erst mal die Stadien im Bereich Mernissi ab, dann fuhr ich doch schon über Borj Sud nach Bab Ftouh hoch. Dort leben die ärmsten Leute von Fès, aber nicht unbedingt die unangenehmsten. Niemand bettelte, niemand pöbelte rum, keiner machte Stress und alle unterhielten sich mit mir Arabisch und versuchten erst gar nicht auf Französisch zu wechseln...

Die Spiele der Männer-Stadtliga wurden unter die Woche verlegt, aber auf dem matschigen Lehmplatz von Bab Ftouh (Tor der Eroberungen), der von massiven und hohen Tribünen, von denen aus man einen weiten Blick in die gebirgige Landschaft hat, flankiert ist, fanden den Tag über Freundschaftsspiele im Jugendbereich statt. Hier fiel sehr stark auf, wie schlecht die Infrastruktur ist: keine Tornetze, nur die Trikots einheitlich, Torhüter ohne Handschuhe, keine Markierungen oder Eckfahnen… doch gute Fußballer können auch auf schlechten Plätzen gut spielen ohne blöd daherzulabern!

Dieses Meckern über den Platz ist in Marokko noch verbreiteter als in Deutschland, da man mangelndes Talent und Faulheit im Training mit Ausreden entschuldigen muss, doch das Niveau war bei beiden Spielen wirklich gut: zuerst unterlag Fath Fès (Triumph) Raja Fès-Zouagha (Hoffnung) mit 1:3, dann auch Chabab Taqaddom (Jugend des Fortschritts) Ittihad Fassi (Fesser Eintracht) mit 2:3. Beide Spiele waren von guten und meist sauberen Zweikämpfen und vielen Torchancen geprägt. Alle Mannschaften waren so gleichwertig, dass die Partien auch 1:1 oder 4:3 hätten enden können.  
Weiter ging es zum Stade Hassan II und damit zum letzten Stadion mit sehenswerten Ausbauten in der Stadt Fès, das ich noch nicht besucht hatte. Hier gibt es vier Tribünen, davon drei mit weißgestrichenen Stehstufen und eine mit überdachtem Mittelteil und ursprünglich durchgängig angebrachten aber heute teilweise fehlenden oder beschädigten Holzbänken. Die Gesamtanlage ist mit Palmen und Nadelbäumen begrünt, es gibt auch zwei Bolzplätze, ein Schwimmstadion und eine Sporthalle (11 Janvier). Dieses ausgesprochen schöne Stadion wurde von den Franzosen erbaut und diente bis zur Errichtung des Sportkomplexes an der Sefrouer Straße Maghreb Fès als Heimspielstätte. Dass dieses schönste Stadion der Stadt Fès nach einem der größten Idioten, die je den marokkanischen Thron bestiegen haben, heißt, ist natürlich blöd…

Auch dass Spiele von Wafae Fassi, die in Anwesenheit deutscher Groundhopper ausgetragen werden, irgendwie immer 0:0 ausgehen ist natürlich blöd. Die Kollegen aus Wuppertal hatten auch schon ein 0:0 gesehen während ich in Bernoussi war – jetzt erwischte es mich mal wieder beim Kick gegen einen der kleinen Clubs aus Oujda. Dabei war das ein ganz gutes Spiel! Nach 20 Minuten kam es in Schwung und die wenigen Zuschauer, die aber teils gut mitgingen, bekamen viele Torszenen auf Seiten der Hausherren geboten. Doch Wafae war einfach zu blöd da etwas draus zu machen! Und als sie doch etwas draus machten, nämlich nach 67 Minuten aus sieben Metern den Ball ins Eck versenkten, wurde es wegen Abseits aberkannt. Mit Recht wurde der Linienrichter beleidigt – der Hurensohn hatte nämlich die Fahne unrechtmäßigerweise bei gleicher Höhe gehoben!

In den letzten vier Wochen die ich noch in Marokko bin, werde ich keinen Samstag oder Sonntag mehr in Fès verbringen. Aber was genau – außer einem Spielbesuch in Houara und einem in Mellila, da ich dorthin noch ausreisen muss, sowie Handball in Tanger – ansteht, ist noch unklar.  
Statistik:
- Grounds: 1.068 (heute 2; diese Saison: 97 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.979 (heute 3; diese Saison: 123)
- Tageskilometer: 40 (40km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 34.460 (33.330 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 392

W392I: 5. Liga auf einem Rasenplatz im Wald und einem Reitplatz vor der Kasbah

Ittihad Ouled El Ghadbane (نادي اتحاد اولاد الغضبان)
................................ 0:0 (0:0) ..................................
Club Real Moulay Abdellah (نادي ريال مولاي عبد الله)
- Datum: Samstag, 1. Februar 2014 – Anstoß: 15.15
- Wettbewerb: Championnat régional de Ligue Doukkala Abda [عصبة دكالة عبدة البطولة الجهوية] (Bezirksklasse Mittlere Atlantikküste, d.h. 5. Marokkanische Fußballliga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 97 Min. (45/52) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine
- Verwarnungen: Nr. 4, 9, 11, 12 (Ghadhbane); Nr. 5 (RMA)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal Moulay Abdellah [الملعب البلدي بمولاي عبد الله] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (davon mind. 30 Ghadhbane, der Rest Moulay Abdellah)
- Unterhaltungswert: 1,5/10 (Darum also gilt Doukkala Abda als der spielschwächste Bezirk des ganzen Landes…)

Green Association Football Benslimane
- (جمعية الخضراء الرياضية لكرة القدم بنسليمان) -
......................... 0:1 (0:1) .........................
------ Union Nasr Sportif de Rabat ------
-------- (اتحاد النصر الرياضي الرباطي) ----------
- Datum: Samstag, 1. Februar 2014 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Senior 3 Division, Ligue Excellence du Gharb de Football [دوري الهواة القسم الثالث - عصبة الغرب] (Westmarokkanische Bezirksoberliga = 5. Marokkanische Liga, 3. Amateurebene)
- Ergebnis: 0-1 nach 93 Min. (44/49) – Halbzeit: 0-1
- Tore: 0-1 43. Nr. 8
- Verwarnungen: Nr. 9? (GAFB); Nr. 18, 20, NN (UNSR)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Benslimane [الملعب البلدي ببن سليمان ] (Kap. 2.000, davon 1.400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 65 (davon ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz gutes Spiel mit sehr glücklichem Sieg für den Gast)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Green City Benslimane: Green Association Football Benslimane v Nasr Rabat
b) Moulay Abdellah Derby: Ittihad Ouled Ghadbane v Real Moulay Abdellah
c) Zaer: From Dayet Er-Roumi via Rommani to Ben Slimane
d) El-Jedida: El-Jedida and Azzemour Old Towns

Im staatlichen Sportfernsehen läuft zwei Mal die Woche eine Sendung, die sich mit den Amateurvereinen im ganzen Land – von Liga 3 bis Liga 7 – befasst. Sport 1 hatte Vergleichbares mal, weniger niveauvoll und weniger akzeptiert – in Marokko läuft das seit 8 Jahren gut – als „Helden der Kreisklasse“. Dienstag hatte ich das mit Hamza geguckt und bin auf Stadien aufmerksam geworden, die absolut topp sind und sich nach den Ansetzungen von Adrare.Net und den jeweiligen Vereinsseiten auf Facebook auch an einem Tag kombinieren ließen: 11 Uhr in der Grünen Stadt Benslimane zwischen Rabat und Casablanca im gebirgigen Hinterland des Zaer gelegen – und 15 Uhr im nach El-Jedida eingemeindeten Moulay Abdellah direkt am Meer.

Nun war eigentlich nur die Frage, wer mitkommt: Hamza und Zaki gefielen die Stadien doch als es ums Schule schwänzen ging, war Khadija natürlich dagegen. Scheiß Samstagsunterricht halt! Darum findet man auch samstags vor Schulschluss (12 Uhr) kaum Partien! Khadija selber und Driss hatten im Haus in Ain Chgag zu tun – und Fayza, die wieder mal das größte Interesse an einer Tour hatte, bekam nicht das Wochenende, nicht einmal den Sonntag frei, da Montag und Dienstag so schlechtes Wetter war, dass niemand aufs Feld konnte und sie somit im Labor nichts zu tun hatte: und den Rückstand musste die Firma dann am Wochenende aufholen. Schlechtes Wetter heißt in den meisten Gegenden Marokkos auch im Winter nicht Schnee, aber dafür Regen und das ohne Ende! Montagvormittag bis Sonntagmorgen regnete es im Norden und Westen fast ohne Unterbrechung, sodass die Jungs nicht dazu kamen mit mir gegen die amerikanischen Studenten dieses Freizeitfußballspiel (5 gegen 5 in Ain Sliten) auszurichten. Dass trotzdem kaum Spiele abgesagt wurden, bzw. dass ich diesen Umstand hier so deutlich erwähne, zeigt nur, wie verweichlicht und verblödet man in Deutschland mittlerweile ist: regnet oder schneit es mal ein bisschen und ist kein Kunstrasenplatz da, wird alles abgesetzt…

Statt eines Umwegs über Larache nahm ich also am Samstagmorgen eine Abkürzung über Dayet er-Roumi, einem idyllisch gelegenen See südlich der Autobahn bei Khemisset, und Rommani nach Benslimane. Die Orte in dieser Gegend sind extrem heruntergekommen. Vor allem Maaziz ist sehr dreckig und verfallen: die bäuerliche Bevölkerung treibt fleißig ihr Vieh durch die Gegend, verdient mit den Viechern aber natürlich nicht genug um sich eine Renovierung ihrer Häuser leisten zu können. Das Highlight auf dem Weg nach Benslimane sind zweifelsfrei die Berglandschaften des Zaer, die um Benslimane herum auch stark bewaldet sind. Die „Grüne Stadt“ ist sehr gepflegt, wenn auch architektonisch absolut langweilig, und gilt zurecht als die grüne Lunge zwischen den Großstädten Rabat und Casablanca.  
Das Fußballstadion von Benslimane liegt, flankiert von einem Leichtathletikstadion und mehreren Bildungs- und Verwaltungseinrichtung, am Stadtrand, der in den Wald übergeht. Auch im Stadion grünt es ziemlich: einige Fans suchten in der Halbzeit Pilze und Kräuter, die v.a. hinter der Haupttribüne und dem einen Tor wachsen. Die Haupttribüne ist sehr klein aber überdacht und grün-weiß gestrichen, rechts und links sind zwei Tribünen mit bis zu sechs Sitzstufen angebracht, an deren rechten Ende auch zwei Bäume herauswachsen. Die ausbautenlose Gegenseite hat einen von Bäumen umgebenen Sprecherturm zu bieten. Die Sportanlage macht durch die Landschaft einen eher osteuropäischen Eindruck.

Wenn Hassania hier 4. Liga spielt kommen mitunter vierstellige Zuschauerzahlen zusammen, aber aus Zeitgründen schaute ich mir ein sehr dürftig besuchtes Spiel des kleineren Stadtrivalen Green Association an. Die spielten sinnigerweise in blau gegen die in grün antretenden „Eintracht Sieger“ (Ittihad Nasr) aus der Hauptstadt. Da es sich um das Vorspiel zu Hassania gegen was weiß ich wen handelte und für Sonntag noch vier weitere Spiele auf diesem ganz guten aber matschigen und teils mit Pfützen verunstalteten Rasenplatz angesetzt waren, noch mal ein Vergleich zu Deutschland: dieses Spiel wäre überall in unserem Land abgesagt worden!

Beide Teams lieferten ein recht ansehnliches Match mit ein paar Leerlaufphasen und schwachem Abschluss ab. Es gab aber viel Bewegung, viele Zweikämpfe und nicht zuletzt auch viele Torchancen. Dass die mehrheitlich von Benslimane ausgingen, am Ende jedoch nur der Gast aus Rabat traf, war natürlich ärgerlich. Aber was soll’s: immerhin ein 35m-Schuss der sich in den Winkel senkte und das Spiel entschied! Im Moment ist nach drei torreichen Monaten in Marokko seit dem neuen Jahr der Wurm drin was 0:0 angeht…  
Weiter ging es über die vierspurige Landesstraße nach Mohammedia, dort auf die Autobahn und für 43 Dirham Maut nach El-Jedida. Die löchrige innerörtliche Tangente führt einen auf die genauso löchrige Bundesstraße El-Jedida – Es-Saouira, und die nach 5km an Moulay Abdellah vorbei. Dieser Ort ist nicht völlig unbekannt, da er – nett am Meer gelegen – jedes Jahr Schauplatz eines großen Mousim ist: salopp beschrieben ist das ein muslimisches Volksfest (streng genommen ein Verstoß gegen Vorschriften aus dem Koran) zu Ehren eines weisen Mannes (diese Verehrung ist auch ein solcher Verstoß, aber in Marokko sehr populär) der in einem Kuppelgrab neben einer sehr ansehnlichen Moschee begraben liegt.

Bei diesem Volksfest wird eine wilde Reiterparade (Fantasia) veranstaltet: und zwar neben der Moschee und vor den Wehrmauern der Kasbah im dazu erbauten und direkt vorm Meer liegenden Reitstadion. Doch die zwei fünfreihigen Tribünen die hufeisenförmig zu dem Festzelt zusammenlaufen, werden weniger von Pferdefans und Touristen als vielmehr jedes Wochenende von einheimischen Fußballfans aufgesucht. Denn hier spielen auch Ittihad Ouled El-Ghedbane (das Nachbardorf 5km den Strand runter) und Real Moulay Abdellah. Manchmal auch gegeneinander, so wie heute…

Das Spiel stellte leider unter Beweis, dass der Bezirk Doukkala Abda der spielerisch schwächste von ganz Marokko ist. Sogar in einer Comedyserie wurde das thematisiert: diese spielt ohnehin an der Küste zwischen Casa und Essaouria, und in einer Folge ging es um die durchgeknallten Dörfler in einem (in Wirklichkeit nicht existenten) Kaff bei Oualidia und ihre Fußballmannschaft, die eine Karikatur des Sportes ablieferte, wobei natürlich der Schiedsrichter mit einem Festtagshammel bestochen wurde und der x-beinige Buchhalter mit Brille die beiden entscheidenden Tore erzielte. So in etwa sah das auch heute aus, wobei wohl weder der Schiri bestochen noch ein Buchhalter in der Mannschaft war. Es wurde fleißig vor den Ball getreten und immer wieder das Ziel knapp verfehlt, aber alles in allem stellten sich beide Teams – v.a. die aktivere Mannschaft, Real Moulay Abdellah – unheimlich dämlich an, sodass es auf dem steinigen und sandigen Lehmboden torlos enden musste.

Die Fans waren leider alles andere als zahlreich – 150 sind ganz ganz schwach: es gibt ja Derbys vor über 2.000 Zuschauern in dieser Spielklasse und ich habe bei Agadir ein ganz normales 5. Liga Spiel vor 1.000 Fans gesehen – aber wie bei der Ortsdurchfahrt zu erwarten war: wenn man in ein Kaff fährt und dort alles vermüllt ist, nach Abwasser stinkt und vor den ärmlichen Häusern Kinder in dreckigen Sachen spielen, geht es im Stadion mindestens verbal zur Sache. Es waren immer nur einzelne Zuschauer und Spieler beider Teams die sich hier belöffelten, aber da war von „halt die Fresse“ über „steh auf und schauspielere nicht du Hurensohn“ bis „fick deine Mutter, die fette Hure“ alles dabei. Ein Jugendlicher wollte sich vor seinen Kumpels cool machen und laberte ein paar Meter neben mir englische Schimpfworte vor sich her. Als ich ihn anguckte, drehte er sich weg, fing aber noch mal mit „fucking bitch“ an, woraufhin ich auf Arabisch zu ihm meinte: „Ich weiß, dass deine Mutter eine Hure ist. Gibt es noch ein anderes Problem?“ Er: „Non, non, Madame. [leise zu seinen lachenden Kumpels] Scheiße, der kann Arabisch.“ Ich: „Sicher, ich hab dich verstanden. Sag nicht nochmal „fuck Madame“ zu mir! Klar?“
War anscheinend klar, da er sich mit den anderen etwas wegsetzte und nun nur noch die Spieler blöd zutextete. Dass umstehende Erwachsene über unser gegenseitiges Belappen nur grinsten, zeigt wie scheiße dieses asoziale Kaff ist. In anständigen Orten hätten, bevor ich überhaupt die Antwort parat gehabt hätte, mehrere Erwachsene den Jungs sofort mit Schlägen gedroht. Ich möchte nicht wissen, wie sich diese hirnlosen Fischköppe gegenüber den Touristen, die zu diesem Mousim mit Fantasia-Reiten in dieses Drecknest kommen, verhalten, wenn man schon beim Fußball – wo sonst in Marokko immer alle mindestens höflich distanziert wenn nicht sogar sehr herzlich sind – in Streitereien rein gerät.

Auf der unspektakulären Rückfahrt sparte ich etwas Maut, nahm aber nach der lahmen Fahrt über die völlig überfüllte Bundesstraße El-Jedida – Casablanca wieder die Autobahn bis Fès. War natürlich nicht so die super gelungene Tour bei den Ergebnissen – aber zwei wirklich geniale Grounds miteinander kombiniert!  
Statistik:
- Grounds: 1.066 (heute 2; diese Saison: 95 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.976 (heute 2; diese Saison: 120)
- Tageskilometer: 860 (860km Auto)
- Saisonkilometer: 34.420 (33.330 Auto/ 1.040 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 392

Dienstag, 28. Januar 2014

W391II: Groundhopping in Fès

Association Raja Sportif Bensouda (جمعية رجاء بنسودة)
...................................... 2:2 (2:0) ..................................
Association Sportif de Jerada - (الجمعية الرياضية لجرادة)
- Datum: Sonntag, 26. Januar 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Amateur 2, Groupe Nord-Est [طولة القسم الوطني الثاني هواة - شطر الشمال الشرقي] (2. Amateurliga Nord-Ost, d.h. 4. Marokkanische Fußballliga, 2. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-2 nach 97 Min. (48/49) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 5. NN, 2-0 45. + 2 Nr. 31, 2-1 48. Nr. 19, 2-2 83. Nr. 19
- Verwarnungen: Nr. 28 (ARBS); Nr. 20, 23 (ASJ)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Bensouda [ملعب بنسودة بفاس] (Kap. 1.400, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 750 (keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und spannendes Spiel)

Association Chourouk Sportif Fassi (الشروق الفاسي)
.................................. 0:0 (0:0) ..................................
--- Club Ittihad Moulay Abdellah (اتحاد م عبد الله) ---
- Datum: Sonntag, 26. Januar 2014 – Anstoß: 10.30
- Wettbewerb: Quatrième Division Groupe E [E القسم الرابع المجموعة] (Stadtliga Fès, d.h. 7. und unterste marokkanische Fußballliga, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine
- Verwarnungen: Nr. 4, 15 (ACSF); Nr. 11, 27 (CIMA)
- Platzverweise: Nr. 19 ACSF (84. wg. Schiedsrichterbeleidigung); Nr. 14 CIMA (87. wg. unsportlichen Verhaltens)
- Spielort: Stade Saadienne, Terrain 6 [ملعب السعديين6] (Kap. 1.200, davon 200 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 überwiegend neutrale
- Unterhaltungswert: 2,5/10 (Mieses Gekicke mit einigen guten Szenen in Hälfte zwei aber keinen Toren)
  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football in Fès: Chourouk v Moulay Abdellah (City Division at Saadienne Stadium, Pitch 6)
b) Amateur Football in Fès: Raja Ben Souda v AS Jerada (North-East Division at Ben Souda Stadium)

Der Sonntag war zwar auch sportlich, aber vergleichsweise ruhig, denn es wurde nur innerhalb der Stadt Fès etwas unternommen. Mit Zaki fuhr ich zum Saadier-Stadion, wo auf allen 6 Plätzen und den zwei Bolzplätzen seit 9 Uhr Hochbetrieb war. Wir suchten blöderweise das beschissenste Spiel aus, da es auf dem schönsten Platz ausgetragen wurde. Neben dem Leichtathletikstadion Platz 3, wo ab 10 Uhr Laufwettbewerbe für Schüler und Kadetten ausgetragen wurden, lohnt sich Platz 6 am meisten: ein Fußballstadion mit fast völlig weggetretenem Rasenplatz und lehmiger Laufbahn sowie rostigem Maschendrahtzaun drumherum, das eine kleine, vierreihige, hochgebaute Tribüne zu bieten hat.

Auf dem Feld gab es einen Grottenkick in der Stadtliga zwischen Chourouk (Horizonte) Fès – auch Zaki wusste nicht, aus welchem Stadtteil die sind – und Ittihad Moulay Abdellah – die sind aus der Mellah und Fans von WAF – zu sehen. In der zweiten Hälfte wurde das Match besser, da es Chancen im Minutentakt gab, doch beide Teams waren völlig unfähig den Kasten zu treffen. In der Schlussphase gab es noch Pöbeleien, die zu zwei Platzverweisen führten. Zaki konnte es nicht fassen, auf welchem Niveau diese beiden Drecksmannschaften waren. Den ersten Platzverweis erklärte er mir so:
„Der von My Abdellah hat ,ich fick deine Mutter‘ gesagt und der andere hat zum Schiri gesagt ,ey Alter, der hat ich fick deine Mutter zu mir gesagt! Hast du das nicht gehört, Schiri? Ey, der hat meine Mutter beleidigt‘ und als der Schiri nicht reagiert hat, hat der ,ach scheiße, fick deine Mutter‘ zu dem gesagt und deswegen hat der die Rote gekriegt.“
Ich meinte nur: „du hast jetzt drei Mal ,fick deine Mutter‘ gesagt – rede mal zuhause auf dem Niveau, mal sehen was Khadija sagt…“
Er daraufhin: „Besser nicht, die klatscht mir eine, wenn ich auch nur einmal ,fick‘ ohne ,deine Mutter‘ dahinter sage…“
Diese gute Erziehung haben die Spieler der beiden sich torlos trennenden Teams aber offensichtlich nicht genossen. Ich übrigens auch nicht in der Form, deshalb habe ich auch kein Problem in diesem Bericht fünf – nein, jetzt sechs Mal – unzensiert „fick“ zu schreiben…  
Nach dem Mittagessen fuhr ich alleine ein zweites Mal los, in die Siedlung 10 in Ben Souda, die nach Siedlung 45 angeblich die übelste Ecke der Stadt ist. Die Häuser entlang der Bahnlinie sind auch angegraut und dreckig, davor streunen hässliche Hunde und zerzauste Kinder spielen in völlig verdreckten Klamotten Fußball auf löchrigen, vermüllten Straßen. Das sind die Viertel in denen man sich als Tourist besser nicht blicken lässt und die die Leute vom Tourismusministerium gerne leugnen wollen. Andererseits belästigte mich niemand und mehrere Typen grüßten mich, da ich die Trainingsjacke von Maghreb Fès anhatte. Und ich konnte auch in Erfahrung bringen, dass das Stadion in der Nachbarsiedlung, der Sportkomplex El Hajj Tajmouati, aufgrund des Bankrottes des privaten Trägers vor sich hin verfällt. Sieht schon kurios aus: zwei Tribünen mit Schalensitzen, eine ordentliche Sporthalle und alles verfällt und wuchert zu…

Das Stadion von Ben Souda ist hingegen in gutem Zustand: allerdings ist der Lehmplatz nicht so toll und etwas dreckig ist es auch und das Stadion sowie die umstehenden, teilweise ganz guten Mehrfamilienhäuser, werden übel von der Bahnlinie beschallt: wenn so ein Zug durchfährt, wackelt es auch auf den Felsen und der achtreihigen Betontribüne. Viele der über 750 Zuschauer platzierten sich übrigens nicht auf der zu kleinen Tribüne, sondern entweder wie ich auf den Felsen oder den vier Meter hohen Mauern.

Stimmung kam leider nur bei den Toren auf, gepöbelt wurde nicht mehr als üblich, aber es entwickelte sich ein gutes Spiel mit vielen Chancen auf der Heimseite: Raja Bensouda konnte eine davon auch per Kopf nach nur fünf Minuten nutzen. Kurz vor der Pause wurde die Abwehr von AS Jerada (Jerada heißt Heuschrecke; ob der Ortsname nicht doch eine andere Bedeutung hat, weiß ich nicht, aber vielleicht haben die Dreckviecher den Ort in der Umgebung von Oujda dauernd heimgesucht) ein weiteres Mal überrumpelt und mit einem Schuss ins lange Eck stand es 2:0.

Die scheinbar einseitige Partie gab Fès-Bensouda in der zweiten Hälfte aus der Hand: ein schneller Anschlusstreffer und ein ausgeglichenes Spiel, in dem der Gast aus Jerada 10 Minuten vor dem Abpfiff noch zum 2:2 kam, folgte. Beide Mannschaften spielten übrigens fair und verhielten sich weitestgehend zurückhaltend: außer gelegentlichem Meckern gab es kaum Regelverstöße.

  
Statistik:
- Grounds: 1.064 (heute 2; diese Saison: 93 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.974 (heute 2; diese Saison: 118)
- Tageskilometer: 40 (40km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 33.560 (32.470 Auto/ 1.040 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 1, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 391

W391I: Chabab Mrirt v Fath Nador und Neues aus Fès

Club Jeunesse Mrirt (نادي شباب مريرت)
....................... 3:1 (1:1) .......................
Fath Riadi Nador (الفتح الرياضي الناظور)
- Datum: Samstag, 25. Januar 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Amateur 1, Groupe Nord [بطولة القسم الوطني الأول هواة - شطر الشمال] (Amateurliga Nord, d.h. 3. Marokkanische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-1 nach 96 Min. (46/50) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 39. (11), 1-1 44. (4), 2-1 47. (21), 3-1 60. (3)
- Verwarnungen: Nr. 11, NN (Mrirt); Nr. 5, 15 (FRN)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Mrirt [الملعب البلدي بمريرت] (Kap. 1.500, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 750 (darunter ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football Top Flight: Chabab Mrirt v Fath Riadi Nador (Stade Municipal Mrirt)
b) Middle Atlas: Agourai Kasbah, Oulmes and Mrirt Mountainous Landscape

Es gibt wieder neue Gäste im Haus: ein US-Amerikaner, der in Fès Arabisch lernt und, da sehr sportlich, gleich am zweiten Tag seines Aufenthaltes einen morgendlichen 8km-Lauf mit mir, Mohammed und Zaki ansetzte. Am Freitag trafen wir uns dann mit dem Nachwuchsmetzger Driss, der die Strecke unbedingt noch auf 10km ausdehnen musste. Da ich über das stupide Laufen meckerte, setzten wir für nächste Woche ein Freizeitfußballspiel an – aber dazu später mehr. Bei der Runde am Freitag war v.a. lustig, dass wir die Mellah meiden mussten, da ich mit dem Maghreb-Fes-Trainingsanzug unterwegs war und im ehemaligen Judenviertel (von den vormals mehr als 95% jüdischen Bewohnenern sind nur noch 5% geblieben und nicht in die USA oder Israel ausgewandert) das Islamistenpack von Wydad Fes wohnt. Selbst Muslime behaupten mitunter, dass es ärgerlich ist, dass die mehrheitlich zahlungskräftige jüdische Elite weggezogen ist, da das Viertel seit Jahrzehnten immer mehr herunterkommt. Im Nachbarviertel Batha sieht es besser aus und vor einem der Verwaltungsgebäude lief uns der zur Arbeit hetzende Boss der Ultras Maghreb Fès „Fatal Tigers“ – Najib – über den Weg und feierte mich erstmal ab, da er mich schon mal im Fanblock gesehen hatte (gegen Khouribga) und ihm zuvor noch kein Ausländer mit einem Trainingsanzug des Vereins untergekommen ist. Er ist außerdem ein Kumpel von Mohammed und erstaunlich respektiert, da er die Macht über den Kindergarten in der Fankurve nicht missbraucht, sondern lieber zwischen Fans auf der einen und Sicherheitskräften und Management auf der anderen vermittelt. Das Choreo- und Pyromaterial kommt trotzdem nicht zu kurz… Aber selbst Khadija kennt und schätzt ihn, da er einer von den „1% Vernünftigen in der Siedlung 45 ist“. Wenn ich diese Siedlung mal sehen wollte, die nach Sidi Moumin in Casablanca eine der höchsten Kriminalitätsraten des ganzen Landes hat, solle ich mal mit ihm da hingehen; da kommt mir keiner dumm...

Die anderen Besucher, nach Eric, waren zum Glück nur sehr kurz da, da es in einem Fall um die weniger beliebte Verwandtschaft aus Rish ging und im anderen nur ums Geschäftemachen (Computerverkauf) mit Mohammed. Khadijas Cousin hat in eine Chleuh-Familie eingeheiratet: nicht dass die ein Problem damit hätte, dass dadurch Berber in die ansonsten sehr arabische Familie reingekommen sind – aber die berberische Seite ist typischerweise die konservativste Fraktion in der ganzen Familie. Mohammeds gegelten Haare gefielen nicht und dass ausländischer Besuch da war stieß zwar auf Interesse, aber auf diese nervige Art von verwundertem und verständnislosen Interesse: Ist das denn kein Problem mit der fremden Kultur? Gefällt es ihm wirklich hier? Wieso lernt der eigentlich Arabisch? Als dann auch noch die Frage der berberischen Schwiegermutter von Khadijas Cousin kam: „Ist er Muslim? Nein? Dann lad ihn ein (d.h. bekehre ihn)!“ meinte Khadija nur noch zu ihr: „Hör auf depperte Fragen zu stellen!“ Khadija entschuldigte sich noch bei mir für die peinliche Verwandtschaft „in Rish und Rissani haben die halt keine Ahnung“ – aber das ist mir schon klar, dass ich mich nicht über den schlechten Bildungsstand der Leute dort aufregen muss; das ist halt leider so – und zwar ohne erkennbare Chance auf Verbesserung.

Was den Computerverkauf anging: keinem in der Familie gefielen diese Geschäftspartner; 1. hatte meine Lehrerin Fatima den Computer erstehen wollen, und 2. handelte es sich bei den Mehrbietenden um zwei polizeibekannte Salafisten – und das kommt bei einer anständigen marokkanischen Familie so rüber, wie wenn in einer anständigen deutschen Familie zwei polizeibekannte Neonazis zum Bequatschen eines Verkaufs vorbeikommen. Den Zuschlag für den PC bekam schließlich doch Fatima, wahrscheinlich auch, da Mohammed mit den beiden schon nach einem Tee aus dem Haus ging, da wir drohten, ihn vor den beiden lächerlich zu machen: er solle doch mal das Bild einer befreundeten Kollegin auf seinem Iphone zeigen – eine Marokkanerin mit kurzem Rock würde bei den beiden Salafisten gleich Skandalgeschrei auslösen…
Khadija setzte noch einen drauf und meinte: „Simo! Wenn die nicht nach einem Glas Tee weg sind, schocke ich die richtig und erzähle, wie gut ich das finde, dass unser deutscher Gaststudent und Freund letzten Sonntag mit meiner Schwester zum Fußball gefahren ist und die nicht zum ersten Mal etwas zu zweit unternommen haben…“
Leider bekam Khadija keine Gelegenheit zu diesem Gag, da Simo die zwei Bartgeier schnell wieder nach draußen begleitete: so eine Konfrontation wäre der Knaller gewesen, da die zwei bei der Begrüßung schon demonstrativ an Khadija vorbeiguckten, da sie „nur“ Kopftuch (Hijab) und nicht etwa Gesichtsschleier (Niqab) trägt – und wenn sie dann auch noch gehört hätten, dass ein „Fräulein“ aus der Familie in Begleitung eines nicht-muslimischen Ausländers verreisen und Fußballgucken darf, hätten die sich nicht mehr zurückhalten können, der Familie den „rechten Glauben“ abzusprechen. Denn viele Salafis sind der Meinung, dass selbst Freundschaften zwischen männlichen Muslimen und einem z.B. Christ gegen das verstoßen, was sie „marokkanische islamische Kultur“ nennen. Dass die Salafia eigentlich nur einen Abklatsch einer saudi-arabischen Kultur bildet, die ein stärkerer Fremdkörper in Marokko ist als die französische Kultur, ist solchem Abschaum nicht einmal bewusst, da sie zu dumm sind, einzusehen, dass auch die Salafia den erstrebten Lebensstil des Propheten Mohammeds (der übrigens sehr wohl Kontakte zu Christen und Juden gepflegt haben muss) aufgrund der zeitlichen Distanz und veränderten sozialen und politischen Situation nicht nachbilden kann.  
Samstag fuhr ich mit einigen aus der Familie nach Ain Chgag, wo sich jetzt dank Driss‘ algerischer Kohle endlich etwas am Familienhaus tut. Ich fuhr alleine weiter, da sich die Kinder gegenüber Khadija zu blöd verhalten hatten im Laufe dieser Woche, sodass sie ein Reiseverbot für alle vier verhängte.

Von Ain Chgag ging es nach Westen über El-Hajeb in das mittelgroße Dorf Agourai, wo es eine stattliche Kasbah mit verziertem Haupttor, fast mittig platzierter Moschee, aber völlig schmucklosen Wohnhäusern im Inneren gibt. Von dort bis Ras Jerry waren die Straßen durch Bauarbeiten schwierig zu fahren, aber nach Erreichen der Landesstraße nach Oulmes wurde es eine sehr schöne Fahrt. Die Straßen sind zwar eng und anspruchsvoll, aber fast völlig leer und v.a. schlängeln sie sich durch herrliche Landschaft. Tiefe Täler und Schluchten, Gebirgsbäche, Nadelwälder, hoch aufragendes Mittelgebirge und ab und an sieht man im Hintergrund die Spitzen des Hochgebirges. Mittlerweile ist auch die Straße von Oulmes nach Mrirt (bis auf die letzten 500m zur Landesstraße Meknes – Mrirt) asphaltiert und führt (noch enger) durch fast gleichermaßen schöne Landschaft.

Mrirt erreichte ich schon nach 5 Stunden Fahrt, sodass ich lässig in eines der beiden Restaurants der Stadt einkehren konnte: gute Ziegen-Tajine (inklusive Wasser) für 40 Dirham. Der Ort ist absolut gesichtslos und hässlich. Am Rande expandiert das Kaff, da Beduinen sesshaft werden und Dorfbewohner der Umgebung zuziehen. Entsprechend ist auch die Atmosphäre im Stadion. Ständig derbe Beleidigungen gegen die nicht einmal anwesenden Mütter der Spieler - untereinander mehrere kleine Schlägereien - zwei Versiffte betteltenden mich an „Haste ma ‘n Dirham“ woraufhin ich sie auf die Bonzen vom Vorstand auf der Ehrentribüne verwies, was für Gelächter bei den Umsitzenden sorgte, die es aber natürlich nicht für nötig hielten, die beiden von sich aus wegzuschicken…

Vom Stadion aus hat man einen netten Blick in die gebirgige Landschaft. Die besagte Ehrentribüne ist ganz ordentlich geworden und auf den Sozialtrakt gebaut. Die beiden anderen Tribünen sind baugleich und vierreihig, leicht erhöht, gegenüber aufgestellt. Hinter den Toren und rechts und links des Sozialgebäudes kann man sich noch ebenirdisch hinstellen, was v.a. in der zweiten Hälfte viele Zuschauer machten. Insgesamt waren gut 750 anwesend, die erschreckend wenig Stimmung machten. Nur eine Handvoll Dorfjugendlicher ging gut ab.

Das Spiel an sich war recht sehenswert, wobei nach einer frühen Drangphase der Gäste, der Gastgeber das Heft in die Hand nahm. Es dauerte aber bis kurz vor den Seitenwechsel, ehe eine weite Flanke einen Abnehmer fand und zum 1:0 eingeschoben wurde. Fünf Minuten später fiel fast mit dem Pausenpfiff das flach eingeschossene 1:1. Nach der Halbzeit war fast nur noch Mrirt am Drücker und der Gast aus Nador konterte ab und an erfolglos. Schon nach 15 Minuten in Spielabschnitt zwei mussten sie die Entscheidung hinnehmen. 3:1 für Mrirt und außer einem sinnlosen Flaschenwurf von den Heimfans und der entsprechenden Show der ohnehin viel zu oft reklamierenden Rif-Kabylen aus Nador gab es keinen Zwischenfall auf dem Feld.

Die Rückfahrt gestaltete ich natürlich weniger spektakulär als die Hinfahrt: die sehr gut ausgebaute aber nicht allzu interessante Landesstraße Mrirt – Meknes fuhr ich bis zum Abzweig nach El-Hajeb, wo sich die Rundfahrt um diesen Bereich des Mittleren Atlas (ab Rommani bzw. Maaziz schließt er dort an das kleinere Mittelgebirge Zaer an) schloss. In Ain Chgag, das ich über kleine Umwege anfuhr um noch weitere Strecke zu sehen, gab es dann Abendessen.  
Statistik:
- Grounds: 1.062 (heute 1; diese Saison: 91 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.972 (heute 1; diese Saison: 116)
- Tageskilometer: 440 (440km Auto)
- Saisonkilometer: 33.520 (32.470 Auto/ 1.000 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 4, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 391

Dienstag, 21. Januar 2014

W390I-II: Fußball-Winter in Marokko; 2:0 bei Minus 2 Grad in Boulemane und Torlose Rutschpartie in Chefchaouen

Football Club Bab Taza (نادي إف سي باب تازة)
............................ 0:0 (0:0) ............................
----- Club Wifaq Amsa (نادي وفاق أمسا) ------
- Datum: Sonntag, 19. Januar 2014 – Anstoß: 14.50
- Wettbewerb: Ligue du Nord, 4ème Division d'honneur; Groupe A [A القسم الشرفي الرابع المجموعة] (Kreisunionsliga Chefchaouen/ Tetouan/ Larache; d.h. 6. Marokkanische Fußballliga, 4. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 93 Min. (46/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine
- Verwarnungen: Nr. 6, 14 (beide Amsa)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Chefchaouen [الملعب البلدي بالشاون] (Kap. 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 75 (darunter ca. 35 für Bab Taza und 10 für Amsa)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Also die gaben ja wirklich ihr Bestes, sodass es nicht langweilig wurde – aber sowas von unfähig vorm Kasten, alle 22 Flaschen…)

Association Union Guigou (جمعية اتحاد كيكو)
.......................... 2:0 (1:0) ............................
-- Club Ittihad Tandite (نادي اتحاد تانديت) --
- Datum: Samstag, 18. Januar 2014 – Anstoß: 14.15
- Wettbewerb: Ligue du Centre Nord, Quatrième Division Groupe A [A القسم الرابع المجموعة - عصبة وسط الشمال] (Kreisunionsklasse Boulemane/ Sefrou; d.h. 7. Marokkanische Fußballliga, 5. und unterste Amateurliga)
- Ergebnis: 2-0 nach 95 Min. (45/50) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 12. (7), 2-0 91. (11)
- Verwarnungen: Nr. 1, 2, 5, 6, NN (alle Tandite)
- Platzverweise: Ersatztorwart auf der Wechselbank von Tandite (85. Min., Schiedsrichterbeleidigung)
- Spielort: Stade Municipal de Boulemane [الملعب البلدي ببولمان] (Kap. 1.500, davon 750 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 50 (darunter ca. 25 aus Guigou und 3 aus Tandite)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Erwartet niedriges Niveau – war ja auch unterste Liga und schwierige Bedingungen – aber wirklich unterhaltsam)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Amateur Football, 7th Level at Boulemane Stadium: Ittihad Guigou v Ittihad Tanadite
b) Amateur Football, 6th Level at Chefchaouen Stadium: FC Bab Taza v Wifak Amsa
c) Middle Atlas: Sefrou, Boulemane, Tichoukt Valley (Taferdoust, Skoura)
d) Rif-Mountain Range: Chefchaouen, Oued El Makhazin, Bouhachem Natural Reserve

Wintereinbruch mit Sturmfluten, sintflutartigen Regenfällen in weiten Teilen Marokkos und Schneefall in den Höhenlagen. Klingt nach deutschem Wetter und in Sachen Fußball nach einer Flut von Absagen und Ausfällen – doch natürlich nicht in Marokko! Das Wetter war zwar wirklich so scheiße wie bei uns, doch beide anvisierten Fußballspiele fanden statt!

Kurz vor diesem Winterwochenende und nach 18.000km in 11 Wochen ist Driss, der Vater meiner Gastfamilie, wieder aus Algerien zurückgekehrt, wo er als Kunsthandwerker Aufträge für algerische Häuslebauer und Ämter, die z.B. ihre Türstürze mit Steinmetzarbeiten oder ihre Innenhöfe mit bunten, historischen Fliesenmustern haben wollen, ausgeführt hatte. Außer den üblichen Problemen bei der Ein- und Ausreise mit den verkommenen algerischen Behörden (erst langwierige Visabeschaffung und dann musste er seine Bezahlung in bar außer Landes schaffen, da Geldtransfers verboten sind) konnte er nur Gutes berichten. Da er erstmal Ruhe brauchte, war die Motivation der gesamten Gastfamilie bei den Wochenendtouren mitzumachen sehr gering. Als dann auch noch ein heftiges Regengebiet hereinzog, ging sie gegen Null, da viele Marokkaner bei Regen lieber zuhause bleiben. Bei Schnee rennen alle begeistert raus, aber bei Regen – der auch nicht viel häufiger ist als Schnee – wird nur Verpflichtungen nachgegangen und wenig dem Vergnügen. Allerdings jammern Marokkaner nie über Niederschlag, da er (selbst im Norden) doch sehr viel seltener als bei uns in Deutschland vorkommt…

Also alleine zu einer Partie der siebten und untersten Fußballspielklasse! Bei Adrare.Net findet man unter der Rubrik „Sport“ selbst die Ansetzungen der meisten unteren Spielklassen und da ich noch nie am Südende des Bundeslandes (Region, Djiha) Fès-Boulemane, nämlich dem Landkreis (Province, Iqlim) Boulemane war, entschied ich mich, dort ein Spiel zu gucken.

Bis Sefrou geht es über eine sehr gut ausgebaute Bundesstraße zügig voran, dann wird die N13 eng und schlecht. Durch kahle Hochebenen und kleine Waldstücke geht es recht abwechslungsreich voran. Die Idee über Mischliffen, Timahdite und Guigou nach Boulemane zu fahren musste ich am Tizi-n-Tretten aufgeben: ich hatte es befürchtet, da kurz hinter Sefrou Schneeregen einsetzte, was ordentlichen Schneefall in Ifrane bedeutet. Der Räumdienst war zwar fleißig mit französischen Material unterwegs, aber die Schneeverwehungen am Pass Tizi-n-Tretten bekamen sie nicht weg. Also wieder zurück und im wenig sehenswerten Boulemane, das aber auf 1.700m von umso sehenswerteren Bergformationen umgeben liegt, am Stadion vorbei in eine extrem enge und schlechte Nebenstraße rein. Bis Skoura sind es hin und wieder zurück 54km. Das Tichoukt-Massiv weiß durch tolle Felsformationen und tief eingeschnittene Wadis zu gefallen. Vereinzelt tauchen berberische Bergdörfer auf: Lehmhäuser in braun und Betonbauten in grau, die spektakulär in den Berg – oft knapp oberhalb stattlicher Schluchten – geknallt wurden. Besonders schön ist das auf halben Weg zwischen Boulemane und Skoura auf einem Mäander gelegene Taferdoust. Auch besagtes Skoura (Skoura M’daz, nicht Skoura bei Ouarzazate) liegt toll auf einer Hangkante oberhalb der Flussschlucht.  
In Boulemane zurückgekommen ging es gleich zum Stadion. Ein bisschen mit den Betreuern der Gastgeber gequatscht und dann auf die blau-rot gestrichene und sehr steile Betontribüne. Die Mannschaft aus Boulemane spielte erst Sonntag, doch der Siebtligist aus dem 25km entfernten Alm-Dorf Guigou hat nur einen Kleinfeldplatz auf der Kuhweide – Boulemane hingegen einen Lehmplatz mit ordentlichen Großfeldmaßen, der mittlerweile auch von einer ordentlichen Tribüne flankiert ist. Heute war leider nicht das Wetter für eine Aufnahme vom gegenüberliegenden Berg wie diese

Im Stadtstadion von Boulemane (Buhlmahn oder auch Pullman gesprochen) fanden sich erwartungsgemäß nur 50 Zuschauer ein, die bei 2 Grad unter null unterklassigen Fußball sehen wollten. In Deutschland hätte bei den Temperaturen, dem scharfen Wind und dem Schneeregen wahrscheinlich niemand gekickt – aber die 22 Amateure, die in Ermangelung eines zweiten Trikotsatzes bis auf die Torhüter durchweg kurzärmlig und ohne lange Hosen unter den Shorts spielten, schlugen sich wacker auf dem knochentrockenen und von kleinen Steinen übersäten Lehmplatz. Viele Lehmplätze in Marokko sind ja angenehm sandig, sodass die Verletzungsgefahr geringer als auf Kunstrasen ist – aber der Acker ist einfach mal das Letzte!

Das Almdorf Guigou trat jedenfalls gegen die Elf aus dem Oasendorf Tandite (auch Tanadite, Tanedite oder Tandit geschrieben: neben der Bundesstraße N15 von Midelt nach Oujda zwischen Missour und Guercif gelegen) an, die eine komplizierte 120km lange Anfahrt über Outat El-Haj und abenteuerliche Bergstraße nach Boulemane hinter sich gebracht hatte. Ittihad Tandite ist eigentlich die zweite Mannschaft von Wifaq Tandite, die eine Liga höher erfolgreicher kickt und aufgrund eines Heimspiels den Mannschaftsbus (klappriger 20-Sitzer) zur Verfügung stellte.

Ittihad war vor dem Spiel Vorletzter und Guigou Letzter mit 0 Punkten – doch Veränderungen deuteten sich von Beginn an an. Guigou war offensiver und konnte schnell in Führung gehen, die Mehrzahl der Chancen gehörte ihnen, die Fehlpassquote und die Querschläger waren nicht ganz so schlimm wie bei Tandite. Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild. In der Schlussphase, als das Spiel drohte langweilig zu werden, fing der Gast dann an, den Scheiß-Verlierer rauszuhängen: Pöbeleien zwischen der Dorfjugend und Gästespielern auf dem üblichen Niveau der strohdummen Landjugend, bei denen es immer um das Ficken von nahen Verwandten gehen muss… Der Ersatztorwart der Gäste bekam jedenfalls auf der Ersatzbank hockend die rote Karte gezeigt und nachdem in der Nachspielzeit das 2:0 ins lange Eck gelegt wurde, gab es noch vier gelbe Karten gegen die meckernden und pöbelnden Gäste…

Eigentlich wäre ich nach dem Spiel noch gerne beim Handball in Sefrou aufgekreuzt, aber aufgrund der Afrikameisterschaft – an der auch die marokkanische Nationalmannschaft teilnimmt – wurden alle Pokalspiele des Wochenendes auf das nächste oder übernächste verlegt. Na ja: ich wollte eh lieber mal in Fès oder Tanger wegen der guten Stimmung gucken und man muss dem Verband immerhin lassen, dass er es trotz seines katastrophalen Zustandes (Präsidiumsrücktritt, Korruptionsfälle und dadurch extrem später Saisonstart etc.) geschafft hat, diesen Pokalspieltag zwei Tage im Voraus zu verlegen, sodass ich an der an der Hauptstraße gelegenen Sporthalle von Sefrou locker vorbei fahren konnte und ohne Stress gegen 18 Uhr in Fès war. Bei den Eltern von Khadija zum Essen eingeladen, lernte ich dann auch mal ihren ältesten Bruder Abdallah und dessen Frau kennen.  
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Am Sonntag regnete es immer noch und am Abend hatte sich Besuch aus den USA angekündigt, sodass mich auch nach Larache/ El-Aouamra niemand aus der Familie begleitete, obwohl es für Fayza erst der zweite freie Tag in sieben Wochen war (was selbst in Marokko, obschon üblich in vielen Firmen, nicht wirklich gesetzeskonform ist) und sie deshalb mit mehr Besuchern rechnete. Die 210km lange Strecke benötigte aufgrund der gefährlichen regennassen bzw. teilweise gefluteten Fahrbahn und des Dauerregens etwas mehr Zeit als letztes Mal, obwohl ich die Route schon auswendig kenne, sodass ich keine fünf Minuten nach 9 Uhr eine dieser typischen besorgt-drängelnden SMS einer pünktlichen Marokkanerin (und es sind gar nicht so wenige Marokkaner strikt pünktlich wenn sie sich mit Europäern treffen!) auf dem Handy hatte…

Wir fuhren über Ksar El-Kebir am Stausee Oued El Makhazine, der spektakulär zwischen steil aber nicht senkrecht abfallenden Bergen liegt, vorbei nach Chefchaouen. Die blaue Stadt ist nicht nur ziemlich von Touristen frequentiert, sondern auch bei Marokkanern sehr beliebt, wobei sie dort zum ersten Mal war. Ich nutzte den zweiten Besuch v.a. um neue Ecken der Kleinstadt in spektakulärer Berglage (der Ortsname bedeutet: „Schau dir die Berggipfel an“) zu besuchen: einen Teil der Altstadt mit ihren charakteristischen blau-weißen Häusern, die Oberstadt mit der zur Abwechslung mal braunen Stadtmauer, und die Festung (Kasbah) von innen; dort kann man sich für 10 Dirham ein kleines ethnologisches Museum angucken, in einem sehr gepflegten Garten im inneren der Festungsmauern herumlaufen und auf den Wehrturm steigen, der die ganze Altstadt überblickt.  
Es gibt auch so etwas wie eine Neustadt, die wir von unserem Picknickplatz in der Nähe des Hotels „Atlas“ gut sehen konnten: auch dort sind die meisten Häuser in blau gehalten und auch das Stadion (der Kleinfeldplatz am Rande der Altstadt bei der Quelle Ras El Ma wird nicht für den Spielbetrieb genutzt!) befindet sich dort. Im Malaab al-Balady (Stadtstadion) sind natürlich auch die Tribünen, Mauern und Eckfahnen blau und weiß. Allerdings nicht in so kräftigem blau wie die Altstadthäuser, denn von allen Tribünen blättert die Farbe ab. Alle Tribünen – der überdachte Mittelbereich der Hauptseite, die rechts und links davon abgetrennten unüberdachten Sektoren und die zwei Tribünen der Gegenseite – haben sechs Reihen massive Betonstufen die im Wechsel blau und weiß gestrichen sind. Auf dem teilweise etwas überwucherten und von blauen sowie mehreren stadttorähnlichen Eingängen versehenen Mauern umgebenen Sportgelände befindet sich auch noch ein Bolzplatz (heißt in Marokko „Minifoot“) mit Handballtoren und kleiner Tribüne.

Leider spielte nicht die Heimmannschaft Ittihad Chaoueni in ihrer 5. Liga sondern eine Liga tiefer der FC Bab Taza, ein Dorf im Landkreis Chefchaouen, knapp 25km südlich der Kreishauptstadt. Der Gegner war heute eines der drei Teams aus Amsa, einem Ortsteil von Tetouan und gut 75km bzw. zweieinhalb Stunden über enge Gebirgsstraßen weg. Die Trikotfarben der Gäste gingen ja noch mit gelb und grün, doch bei der Farbwahl der nominellen Heimelf konnte sich selbst Fayza einen Spruch nicht verkneifen: „Also ich bin für Bab Taza, weil das eine Mädchenmannschaft ist: rosa Trikots und hellblaue Stutzen habe ich bisher nur beim Frauenfußball gesehen…“

Das Spiel fing mit 20 Minuten Verspätung an, da der Unparteiische anordnete, die größten Pfützen auf dem matschigen, fast völlig weggetretenen Rasenplatz mit Besen zu verteilen, sodass der Ball nicht so stark gebremst wird. Der Platz war schwer bespielbar, aber eine Verlegung stand nicht zur Debatte. Es gab nur noch ganz geringen Niederschlag und Bab Taza wie auch Amsa hätten auch bei besserem Wetter kein besseres Spiel abgeliefert…

So schlecht war es insgesamt gesehen aber nicht: beide spielten schnell und offensiv, zeigten vollen Einsatz sodass sich fünf Mal jemand packte und durchnässt aus einer der Pfützen aufstand; nur gleichwertig wie sie waren, kamen sie wenig in die Strafraum und die Distanzschüsse aus 20 und mehr Metern gingen alle weit daneben. Die Schüsse von innerhalb des Strafraums wurden abgeblockt oder an den Pfosten oder das Außennetz gesetzt. Amsa erzielte auch schon nach 15 Minuten ein Abseitstor. Am Ende traf aber niemand regulär den Kasten, sodass es 0:0 hieß, was in Marokko leider deutlich häufiger als in Deutschland vorkommt. In den Amateurligen (v.a. auf Kreisebene) fallen jedoch mehr Treffer und in den drei Staffeln der 6. Liga Nord war es das einzige torlose Unentschieden dieses Wochenende, was von Fayza passend kommentiert wurde: „Also wenn hier in den oberen Ligen keine Tore fallen, dann kommt das durch die defensive Spielweise, weil die Angst vor der Niederlage haben. Aber wenn auf der Amateurebene keine Treffer erzielt werden, dann kommt das, weil die so ungeschickt den Ball behandeln wie ich…“

Dass hier zwei hauptsächlich aus Berbern bestehende Dorfmannschaften kickten, merkte man übrigens nicht am Verhalten auf dem Platz – es wurde zwar bei jedem noch so klaren Regelverstoß „wa l-hakam“ (boah, Schiri) gerufen, aber es gab keine derben Beleidigungen – sondern nur auf den Rängen. Dass außer Fayza keine einzige Frau unter den über 70 Zuschauern im Stadion war, ist ungewöhnlich – aber in so einer konservativen Ecke wie dem Rif vielleicht doch eher üblicher als in den arabischen Städten (Fes, Rabat, Meknes etc.) oder auch den berberischen Atlas-Orten (v.a. Khenifra und Beni Mellal wo mehr Frauen als sonst in Marokko ins Stadion gehen). Blöd zu quatschen wagte keiner, aber dass wir - wie es in vergleichbaren Orten überall in Deutschland auch passieren würde - dämlich und deutlich angeglotzt wurden, ist auch nicht typisch für Marokko. Selbst Bab Taza-Spieler auf der Wechselbank drehten sich auffällig nach ihr um und tauschten Kopfbewegungen aus die nicht nur in Marokko „guck dir die mal an“ heißen. Fast alle auf der Tribüne guckten ihr hinterher als sie sich zum Nachmittagsgebet kurz vor der Halbzeit etwas entfernt von den vereinzelten betenden Männern hinter den Parkplatz zum Beten begab. Und einige Alte schräg hinter mir hörte ich nur mit Blick auf mich tuscheln „… huwa ma kiysallish [der betet nicht]...“ – obwohl sie selber nicht mal in der Pause ihr Gebet verrichteten…  
Die Rückfahrt legte ich anders: über El-Hamra durch den Naturpark Bouhachem nach El-Ayisha, wo die Straße nach Larache zurückführt. Schon kurz vor El-Hamra gab es den üblichen Stress mit dem Polizei aus dem Rif, wobei uns wohl nur ein Übereifriger mit frischem Abschluss von der Polizeischule anhielt, der gar nicht auf Bestechung aus war, sondern wirklich nur ganz korrekt die Dokumente kontrollieren wollte:
Polizist: Friede und Gottes Segen sei mit euch. Die Fahrzeugpapiere bitte!
Ich [gebe ihm Fahrzeugschein und Zolldokument]: Auch mit Ihnen sei Gottes Segen!
Polizist [liest ordentlich durch]: Du bist Deutscher, ja? Wer ist die Dame neben dir?
Ich [gucke zu Fayza, deren Gesichtsausdruck mir sagt: „bring jetzt bloß keinen Gag mit Ehefrau“]: Meine Freundin. Wieso?
Polizist: Kein Problem. Aber ich muss deinen Reisepass, internationalen Führerschein und Versicherung sehen.
Ich [gebe nur Pass und Führerschein hin]: Bitte sehr.
Polizist [kurzer Blick in die Dokumente]: OK, nur noch die Versicherung, bitte.
Ich [werde langsam unruhig während Fayza neben mir schon kreidebleich wird, da wir beide selbst zusammen kein Geld für das Benzin für meine Rückfahrt hätten, wenn er uns jetzt einen Strafzettel ausstellen würde]: Moment. Die ist hier. Irgendwo. Weiß nicht… Das hier glaube ich. [Ich reiche ihm die ungültige Grüne Karte, die meine beschissene deutsche Versicherung nicht für Marokko validieren wollte]
Polizist: Ja, genau. Die Grüne Karte meinte ich. [Guckt etwas drauf herum, dreht sie noch mal um und nickt]. Alles klar. Gute Fahrt!
Ich: Auf Wiedersehen! [Fahre an, biege gen Bouhachem ab]. Fayza [nach einer Minute Sprachlosigkeit über mein breites Grinsen]: Kein Gott außer dem Herrn… Was hast du mir denn erzählt? Du hast ja doch eine Versicherung! Und was lachst du denn so?!
Ich: Ich habe eine Versicherung, die ist aber nicht in Marokko gültig, es ist auch erst das zweite Mal in 20.000km in Marokko, dass einer die Versicherung sehen will und ich habe dir auch schon gesagt, dass ich nicht die marokkanische Versicherung für ausländische Fahrzeuge löse, da sie reiner Betrug ist [kostet das Vierfache einer deutschen Teilkasko und nutzt eigentlich nichts, da bei einem Unfall alle Beteiligten der Gegenseite die Schuld auf den Ausländer schieben, was jeder Polizist für ein bisschen Bestechung so eidesstattlich versichern würde].
Fayza [lacht los]: Gott sei Dank, dass er nie Deutsch gelernt hat und deine Dokumente nicht richtig verstehen kann!

Der Schreck an der Straßenkontrolle lohnte sich, denn der Naturpark Bouhachem, den wir mit dem letzten Licht des Tages noch durchfuhren, ist eine der schönsten Ecken Marokkos. Der Westrand des Rifgebirges ist fast gänzlich unbesiedelt zwischen der Stadt Chefchaouen und dem Umland von Larache. Hier winden sich enge Asphaltstraßen und Schotterwege durch ruhige Bergtäler, über kleine Gebirgsbäche und bewaldete Höhenzüge. Hier sind auch nicht nur Nadelbäume vorzufinden, sondern auch etliche Laubbäume wie Buchen und Birken, die dem ganzen Gebirge einen europäischen Anschein – irgendwas zwischen Böhmen und Balkan – geben.

Ich brachte Fayza noch zur Firmenwohnung und fuhr dann nach Fès zurück, wo ich Mitternacht ankam. Wahrscheinlich gehen an einigen Sonntagen im Februar noch mal Groundhoppingtouren zum Fußball und auch endlich mal Handball im Nordwesten Marokkos mit ihr: wenn die Firma frei gibt, ist sie nämlich auch sehr gerne auf Sportstätten unterwegs. Und auch wenn Sportbegeisterung unter Frauen in Marokko mindestens genauso oft wie in Deutschland zu finden ist und Fayza sogar mehr Ahnung vom Sport hat als die meisten deutschen Frauen die ich kenne, ist es für sie ungleich schwieriger, mal einfach zum Fußballgucken irgendwo ins Stadion zu gehen: es ist zwar keineswegs verboten, aber selbst sie geht nicht ohne einen ihrer Brüder (die wohnen jetzt aber alle zu weit weg) oder eben mich zu einem Männerspiel, da sie nicht nur (v.a. in Stadien in kleineren Orten) ziemlich schief angesehen werden würde, sondern sogar blöd angelabert...  
Statistik:
- Grounds: 1.061 (Samstag 1 neuer, Sonntag 1; diese Saison: 90 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.971 (Samstag 1, Sonntag 1; diese Saison: 115)
- Tageskilometer: 1.080 (Samstag 350km Auto, Sonntag 730km Auto)
- Saisonkilometer: 33.080 (32.030 Auto/ 1.000 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: keines [letzte Serie: 4, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 390