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Dienstag, 26. November 2013

W382I-II: Ein sehenswertes 128. Derby und ein kurioses Altherrenspiel – oder: von einem islamistischen Vegetarier und einem saufenden Sahrawi...

Raja Club Athletic de Casablanca (الرجاء البيضاوي)
................................... 1:1 (0:1) ................................
Wydad Athletic Club de Casablanca -- (نادي الوداد)
- Datum: Sonntag, 24. November 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (Erste  Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 1-1 nach 100 Min. (51/49) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 0-1 25. Bakary Koné, 1-1 89. Coco
- Verwarnungen: Mohcen Moutaouali (RCA); Saeed Ftah, Bakary Koné (WAC)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Mohamed V (Kap. 67.000, davon 40.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 63.000 (in etwa 33.000 Rajawy und 30.000 Wydady)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Tolle Atmosphäre, ordentliches Niveau und spannendes Spiel)

Tihad Ramas/ Veterans (الاتحاد رماس)
...................... 6:6 (4:5) .......................
Tihad Touaba/ Veterans - (الاتحاد توبة)
- Datum: Samstag, 23. November 2013 – Anstoß: 15.30
- Wettbewerb: Ligue Veterans de Grand Casablanca [بطولة الدار البيضاء الكبرى اكبر من 40 سنة] (Altherrenliga von Casablanca/ Stadt und Umland)
- Ergebnis: 6-6 nach 95 Min. (49/46) – Halbzeit: 4-5
- Tore: 1-0 5. (14), 1-1 10. (10), 1-2 13. (15), 2-2 23. (8), 2-3 30. (7), 3-3 33. (6), 3-4 40. (2), 3-5 43. (10), 4-5 45. (15), 4-6 56. (14), 5-6 74. (Foulelfmeter, 17), 6-6 91. (8)
- Verschossener Elfmeter: 56. Min., Nr. 9 von Ramas schießt Foulelfmeter übers Tor
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Omar Ibn Khattab [ملعب عمار ابن خطاب] (Kap. 1.500, davon 800 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 20 (darunter ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Sehr lustiges und gnadenlos offensives Spiel, bei dem aber keinerlei technische Feinheiten wie sonst beim Altherrenfußball zu sehen waren) .الرجاء البيضاوي والوداد البيضاوي - اهم مباراة البطولة المغربية Photos with English and Arabic Commentary:
a) RAJA CASABLANCA v WYDAD CASABLANCA: 128th DERBY 
b) Tihad Ramas v Tihad Twaba (Veterans Football at Stade Omar b. Khattab) 
c) Casablanca: Square Mohamed V and Mosque Hassan II 

Videos on MyVideo.De:
a) Raja v Wydad: support some 30 minutes prior kick-off 
b) Raja v Wydad: support during the match 
c) Raja v Wydad: smoke bombs are lit up 
d) Raja v Wydad: support in the final phase of the game 

Montag ging es im Unterricht in der marokkanischen Umgangssprache v.a. um Sprichwörter und Bräuche zum Tod. Dass dann am darauffolgenden Dienstag die 90jährige Nachbarin zwei Häuser weiter stirbt, war natürlich sehr passend… Khadija ging rüber und sprach allen ihr Beileid aus und wir beobachteten noch, wie die jüngeren Männer der Familie die zugedeckte Tote auf einer Bahre durch die engen Gassen balancierten. An einer Stelle ist es so schmal, dass ein Nachbar seine Tür öffnen musste und die Leiche halb in sein Haus getragen wurde um sie um die Spitzkehre zu bekommen… Am 2,5km langen Marsch zum Friedhof beteiligten wir uns aber nicht, da wir keine Verwandten und auch keine engeren Freunde dieser Nachbarn sind.

Ansonsten gibt es noch zu sagen, dass in einer gut funktionierenden Familie ab und zu mal der Haussegen schiefhängt: kaum war die Sache mit Zakariya geklärt, hat Muhammed Stress. Als er diese Woche zum zweiten Mal zu spät zur Arbeit erschien, meinte der Schuhmachermeister: „Du bist fast ne Stunde zu spät dran! Dir hamse wohl ins Hirn g’schissen?! Nächstes Mal biste fällig, Bub!“ Khadija hatte schnell die Ursache gefunden: sie war am Tag darauf aufgewacht, bemerkte dann das Licht aus Mohammeds Zimmer und er hockte um 2 Uhr immer noch vorm Computer – und zwar mit Hamza, obwohl beide um 7.30 Uhr raus müssen… Das gab erstmal Internetverbot bis Sonntag und die Alternative Glotze gucken bis Mitternacht konnten sie auch stecken, denn Khadija schläft jetzt immer im Fernsehzimmer…

Ohnehin wird über den Tag verteilt genug ferngesehen, wobei das zumindest für mich sehr hilfreich ist. Diese Woche gab es nicht nur die Niederlage von Maghreb Fès bei Fath Rabat im Mittwochsspiel zu sehen, sondern auch eine Parlamentssitzung, bei der u.a. die Forderung von einem in Frankreich ausgebildeten Parlamentarier, die seit den 70ern auf Hocharabisch unterrichteten naturwissenschaftlichen Fächer wieder auf Französisch zu lehren und die anderen Fächer (bis auf Hocharabischunterricht selbst) auf marokkanischem Dialekt, diskutiert wurde. Das beste Zitat war dabei jenes eines Ministers, der dem gegen diesen Vorschlag argumentierenden Bildungsminister beipflichtete: „Sie haben völlig Recht, verehrter Herr Bildungsminister. Aber Sie sind ja selber das beste Beispiel, dass wir Hocharabisch noch mehr fördern müssen! Hören sie sich doch selber ihre primitive Grammatik an!“

Khadija ist übrigens wie auch die klare Mehrheit im Parlament gegen den genannten Vorschlag: „Der Mann erzählt doch Unsinn, wir brauchen nicht noch mehr Französisch in der Schule, nur weil er besser Französisch als Arabisch kann.“
Ich daraufhin: „Der ist kein richtiger Marokkaner, diese Affe. Das ist scheiße, dass so viel Französisch hier benutzt wird. Wieso wird hier die verdammte Besatzersprache gesprochen?! Als Marokkaner würde ich lieber Englisch lernen wollen!“
Khadija lachend: „Mensch, du bist ja ein richtiger arabischer Nationalist! Bravo! Aber wo hast du die Schimpfworte gelernt? Bringen dir das die Jungs bei?“
Mohammed: „Ach was, das lernt der im Stadion!
.الرجاء البيضاوي والوداد البيضاوي - اهم مباراة البطولة المغربية In der Tat kann man beim Sport einiges lernen, da man dort öfter von anderen Fans nach Herkunft, Studium, Interessen etc. gefragt wird und außerdem natürlich auch tolle Begriffe bei den Gesprächen der anderen Fans oder der Spieler hört. Besonders bei Derbys kann man auch Schimpfworte lernen und das wichtigste aller Derbys stand am Sonntag in Casa an. Da die Verwandtschaft dort wieder fit war, ging es Samstagmorgen auf die Piste. Eigentlich hatten wir 5 Uhr Start ausgemacht, aber Mohammed war so aufgeregt, dass er alle schon weit vor 4 Uhr weckte und wir 4.30 starteten.

Hamza war leider schlecht, sodass sein Gequängel „ich will aber trotzdem mit“ von Khadija lautstark beendet werden musste: „Du bleibst hier! Wir halten nicht alle paar Kilometer an damit du kotzen kannst! Was ist, wenn du ins Auto kotzen musst?! Du bleibst hier und keine Wiederrede!“ Auch Zakariya blieb wegen seines Nachsitzens in der Schule in Fès.
Khadija, Mohammed und Rita passten problemlos in meinen Dacia, der allerdings aufgrund der Kälte der letzten Tage erstmal Startschwierigkeiten hatte und den Anstieg zum Sahat al-Muqawama nur mit 40 im zweiten Gang hochkam und oben dann auf 20 zurückfiel. Bis wir bei Khadijas Eltern in der Neustadt waren, war der Wagen aber warm und Fayza stieg noch hinten zu.

Aufgrund der leeren Strecke verlief die Fahrt sehr unspektakulär und wir kamen noch vor dem üblichen Verkehrschaos in Casablanca, genauer in der Arbeitersiedlung Idrissia 1, an. Dort lebt ein Teil der Verwandtschaft, Khadijas Cousin Abdellah mit seiner recht kleinen Familie in einer sehr ordentlichen aber auch sehr kleinen Wohnung. Die tischten jedenfalls ein tolles Frühstück auf und zu siebt ging es weiter nach Maarif, wo der Rest der Verwandtschaft wohnt. Die wohnen in Stadionnähe, sodass wir erstmal Karten im Vorverkauf holten: Mohammed legte schon für seinen Freund Alae aus, der mit dem Nachtbus von Fès nur fürs Spiel anreisen sollte, sodass jeder von uns dreien 40 Dirham plus 1 Dirham Vorverkaufsgebühr bezahlen musste. Insgesamt sind das nur 3,70€ und Wafae, die eine Nichte von Khadija, wunderte sich auch, warum ich nicht bessere Plätze genommen habe und nur die anderen die Billigkarten – aber erstens sind 40 Dh. für freie Platzwahl im unüberdachten Steh- und Sitzplatzbereich teuer und zweitens will ich mit meinen Kumpels nah dran sein an der Action...

Warum auch immer, aber Abdellah kann seinen Bruder nicht leiden und dessen Frau erstrecht nicht (komisch, denn alle in der Verwandtschaft machten einen sehr netten Eindruck und dass sich Geschwister hier nicht verstehen ist selten), sodass Abdellah mit seinem Sohn und mir in ein Kaffeehaus ging, während die anderen dort zu Besuch waren. Abdellah war Ingenieur und Techniker bei der Marine, jetzt ist er Taxifahrer, weswegen er meinen Fahrstil in Casablanca sehr wohlwollend kommentierte: „Falls du keinen Job findest, mach es wie ich: fahr Taxi oder Kurierdienste – du hast mit 24 schon so eine fahrerische Sicherheit, da nimmt dich jeder Fahrdienst!“ الاتحاد رماس و الاتحاد توبة - كرة القدم الهواة في الدار البيضاء Das Mittagessen bei Abdellahs Familie wurde mir dann aufbewahrt, weil ich zu einem Spiel in Bernoussi wollte. Dort angekommen wurde nur auf dem Nebenplatz gekickt da der Hauptplatz für das Sonntagsspiel der Halbprofimannschaft vorbereitet wurde, sodass ich zurück nach Idrissia fuhr und da nach zigmal abbiegen auf der Straße zwischen Idrissia 4 und Derb Milan parkte. Im Stadtteil Derb Milan steht nämlich direkt zwischen Stadtautobahn und dem Idrissia-Boulevard ein nettes kleines Stadion in der Siedlung Hay Omar Ibn Khattab und entsprechend heißt auch das Stadion nach dem zweiten rechtgeleiteten Kalifen Omar (Regierungszeit 634-44).

Die Sportanlage ist sehr platzsparend angelegt: ein 90x50m kurzer Kunstrasenplatz, der fast an die hohe Böschung hinter dem einen Tor aneckt und auf einer Längsseite mit einer zehnreihigen, roten Betontribüne begrenzt ist; hinter dem anderen Tor eine Sporthalle und Wildwuchs, und schließlich auf der anderen Längsseite die Wechselbänke, Gestrüpp, Palmen und ein angrenzender Basketballplatz, der nur von einer Mauer von der stets vollen Stadtautobahn getrennt ist. Sogar Flutlicht hat die Anlage, also was will man mehr? OK, Tornetze ohne Löcher wäre nicht schlecht und Eckfahnen gibt es auch keine, aber für Alte Herren, Frauenfußball und die Stadtligen reicht das. Höherklassiges spielt hier nicht.

Die in den Stadtteilen Idrissia und Beni M’sick liegenden Siedlungen Ramas und Touaba (deren Ü40-Teams, die sich beide „Ittihad“ bzw. im Dialekt „Tihad“ d.h. „Eintracht“ oder „Union“ nennen, heute aufeinandertrafen) sind nicht unbedingt die besten Viertel der Stadt, aber 1. nicht so schlimm wie Sidi Moumen und 2. waren die Spieler fair, meckerten nicht, foulten wenig und machten keinen Stress. Sie spielten einfach mit Elan und Spaß Fußball, während um sie herum fast nur Bekloppte waren.

Da gab es Wänster, die andere Wänster mit Steinen bewarfen und sich auf dem Streetballplatz kloppten. Jugendliche liefen immer wieder aufs Spielfeld oder bolzten am Rand, was aber keinen der Spieler aufregte. Als ein Ball über den Zaun geschossen wurde, wollte ihn ein junger Mann klauen, aber ein Zuschauer lief ihm die Straße bis Idrissia 1 hinterher und brachte die Pille wieder zurück (vier Minuten Nachspielzeit wegen der Aktion!) und der Knaller war Amin, der Depperte aus ad-Dakhla, der mir zwar schön die Namen der Teams aufschrieb, aber während seiner Erzählungen, wie es ihn 2.000km nach Norden verschlagen hat, andauernd eine Plasteflasche unter der Jacke hervorholte, in der sich nicht die Zitronenlimo befand, die laut Etikett drin sein sollte… Ich stellte mich nach einer Weile zu zwei älteren Männern, da der Sahraoui anfing dumme Sprüche zu klopfen: „Siehste den mit der 10 von Touaba? Dem seine Schwester kenn ich! Meine Nachbarn ham nämlich nen Puff! Da arbeitet die… Stimmt’s Zehner?! Und sein Bruder geht da auch arbeiten… Richtig Zehner?!“

Der Zehner ließ sich nicht beirren, nur ein Wechselspieler rief mal ein freundliches „shidd khalqak“ (Mach’n Kopp zu), und es ging munter hin und her und rauf und runter auf dem Feld. Technik Fehlanzeige, es wurde einfach locker nach vorne geflankt und kreuz und quer gebolzt, aber die Abwehrreihen wurden im Minutentakt durch die schnellen Stürmer durchbrochen, die mit erfreulich vielen langen Flanken und blinden Pässen etwas anfangen konnten: schon nach fünf Minuten traf der Gast zum 0:1, dann drehte Ramas mal kurzzeitig das Spiel, ehe Touaba wieder in Front ging. Kurz vor der Pause stand es durch den bepöbelten 10er 3:5, wobei fast mit dem Pausenpfiff noch ein Heber zum 4:5 versenkt wurde.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Match etwas ruhiger und Touaba kam nach dem 4:6 lange nicht heran. Einen Elfmeter verschossen sie auch noch und brauchten einen zweiten um auf 5:6 aufzuschließen. Erst in der allerletzten Spielminute war es wieder ein Heber, der zum 6:6 im Kasten versenkt wurde. Shake-Hands der Kicker und die Bescheuerten – der besoffene Sahraoui, die steinewerfenden Dreckwänster, die Jugendlichen am Spielfeldrand… – gingen langsam in ihre Siedlungen zurück, da es dunkel wurde. الاتحاد رماس و الاتحاد توبة - كرة القدم الهواة في الدار البيضاء Nach diesem sehr unterhaltsamen Match machte ich mich auch in die Siedlung zu Abdellah und den anderen zurück, bekam dort ein prima Essen aufgetischt und schaute mit ihnen das Dortmund-Bayern-Spiel im Fernsehen und die Zusammenfassung von RB Leipzig gegen Hansa Rostock auf MDR online.

Danach folgte die übliche wort- und gestenreiche Verabschiedung und wir fünf fuhren nochmal nach Maarif, wo uns der andere Teil der Familie beherbergte. Deren Bude ist wirklich groß, topp eingerichtet, auch von außen OK und dazu noch in Stadionnähe, sodass schon vorher klar war, dass wir noch mal das Quartier wechseln würden. Was nicht klar war, war dass sie um 21 Uhr noch mal voll auftischen mit gefüllten Hähnchen, riesigen Salaten, Suppen und Obst. Aber die haben es halt ganz gut geschafft, denn Familienoberhaupt Amar konnte von Reisen nach Griechenland, Deutschland, Italien und den Emiraten erzählen und auf seine geräumige Bude und sein Auto (der Renault ist allerdings 20 Jahre und 300.000km alt, sodass eigentlich jedes Einzelteil schon mal ausgetauscht wurde) ist er natürlich auch stolz. Wer in Maarif wohnt, gehört auch wenigstens zur oberen Mittelschicht.

Am nächsten Morgen verpennten alle, sodass Mohammed und ich auf das Reserveligaspiel auf dem ohnehin hässlichen Oasis-Ground verzichteten und uns statt dort direkt im Stadion Mohamed V mit Alae trafen. Bevor es aber so weit war, gab es erstmal ein tolles Frühstück und eine kleine Stadtrundfahrt – denn Mohammed und Rita waren noch nie in Casa. An der Moschee Hassan II kamen wir gerade zu den Touristenzeiten an. Erst wollten wir alle rein, aber ich winkte aufgrund der hohen Preise für Nicht-Muslime ab. Mohammeds Vorschlag „spiel doch wieder den guten Muslim“ scheiterte dann daran, dass selbst von Muslimen während der Touristenzeiten 30-60 Dirham verlangt werden. So einen Schwachsinn gibt es in der gesamten arabischen Welt doch echt nur in Marokko: das müssen die von Spanien und Frankreich aus den Kirchgemeinden, die v.a. in Spanien sehr aufdringlich Geld verlangen, übernommen haben!

Wir fuhren dann zum Place Mohammed V, der von Tauben völlig überfüllt ist. Dieser von Bäumen und französischen Gebäuden gesäumte Platz ist einer der wenigen schönen in der Stadt. Hier halten sich aber natürlich unheimlich viele Kleingewerbetreiber auf: der Parkplatzwächter wollte von mir 5 Dirham statt nur 2 wie von Amar, doch Wafae und Fayza wiesen ihn gleich zurecht und am Ende zahlte Amar für uns beide. Der Preis für die Maiskörner zum Taubenanlocken musste auch verhandelt werden und besonders dreist war die eine Oma, die Rita zulaberte, sie hätte ein Geschenk für sie – doch natürlich verlangte sie dann von Khadija Geld für das Henna, wobei die Verhandlungen gute fünf Minuten dauerten…

Jedenfalls ist Taubenfüttern – meist hält man die Maiskörner so in der Hand, dass die Viecher einem direkt aus der Hand fressen – recht beliebt in Marokko und die Vögel haben auch einen viel besseren Ruf als in Deutschland oder vielen anderen europäischen Ländern. .الرجاء البيضاوي والوداد البيضاوي - اهم مباراة البطولة المغربية Mohammed und ich hetzten beim Mittagessen, während alle anderen gemütlich aßen und dann die Glotze schon mal auf den Sportsender justierten. Denn alle wollten das Derby sehen, was ich mir natürlich im Stadion Mohamed V ansah. Man merkte, dass Mohammed nicht derbyerfahren ist und sehr aufgeregt war. Besonders beim Gedränge am Einlass zeigte sich, dass er kein so Draufgänger wie Hamza ist, der uns vor der Abfahrt allen Ernstes vorschlug, Böller und Rauchbomben, die ein Kumpel von ihm (Ultra von Maghreb Fes) zuhause hortet, mitzunehmen. Er: „Unser deutscher Freund, den kontrolliert keiner!“ Mohammed: „Bist du bekloppt, zieh ihn nicht mit rein. Außerdem: Ich zünde kein Feuerwerk, Mann! Ist mir zu gefährlich! Du weißt doch, dass man sich da die Hand übelst verbrennen kann?!“ Ich: „Du redest wie Fayza [die guckt Fußball nur im Fernsehen weil sie vor Pyro Angst hat]. Sei ein Mann! Nach dem Spiel machen wir Randale!“ Hamza feiert sich: „Genau! Du bist ein richtiger Fan! Aber sag im Stadion bloß nicht, dass du eigentlich für Maghreb Fès bist, sonst gibt’s von allen Seiten was auf die Gusche…“

Jedenfalls: Alae gabelten wir im vollen Block 10 auf und wechselten dann in den Block 13 in die oberste Reihe. Nicht weil Wafae mich darum gebeten hat, in die letzte Reihe zu gehen um nicht Gegenstände von hinten abzukriegen, sondern weil die Übersicht topp ist. Außerdem war ohnehin kaum noch was frei, weil wir nur 90 Minuten vor Anpfiff aufgekreuzt waren.

Die Fans sangen sich aber schon seit mehreren Stunden für das 128. Aufeinandertreffen dieser beiden Teams (das 115. in der Liga) warm. Wenn wir schon bei der Statistik zum Spiel sind: das höchste Ergebnis und torreichste Spiel war 1996 ein 5:1 für Raja, von den 128 Spielen konnten die Grünen auch 40 gewinnen, während Wydad nur 32 Mal siegte. Das sagt uns, dass die anderen 55 Spiele unentschieden ausgingen, was ich fürs heutige Duell auch korrekt vorhersagte. Der Zuschauerrekord ist übrigens etwas unklar, aber auf jeden Fall war die Hütte (auf 67.000 zugelassen) immer mal mit mehr als 80.000 überfüllt. Heute waren es leider „nur“ etwas mehr als 60.000, aber das reichte auch schon...

Diesmal gab es keine Komplett-Stadion-Choreo, aber die Kurven von Eckfahne zu Eckfahne hantierten mit guten Papptafelmotiven, Fahnen und Folien. Beide Kurven wechselten sogar ihre Tafeln auf Kommando von Vorder- auf Rückseite. Spruchbänder in Arabisch und Französisch – teils anfeuernd, teils beleidigend, teils einfach unverständlich (inhaltlich nicht sprachlich, da man kein Insider ist) – wurden das ganze Spiel über gezeigt. Die Gesänge waren auf der Seite von Raja noch besser, aber auch Wydad agierte sehr eindrucksvoll. Allerdings sangen nur die Kurven ununterbrochen durch, die Gegen- und Haupttribünenseiten stimmten nur immer wieder mit ein und reagierten auf Wechselgesänge.

Hervorragend war die Pyroshow mit viel buntem Rauch der Wydad Ultras. Auch Bengalos und dutzende Böller gab es zu bewundern. Raja hantierte mit weniger Rauch, gleichvielen Bengalos und schoss mehrere Raketen in den Himmel. Nach der Pause war das Spielfeld einmal völlig eingenebelt, wobei es keine Unterbrechung gab und selbst zum Derby funktionierten weder Sprecheranlage noch Anzeigetafel.

Das Spiel war auf ordentlichem aber nicht gerade überragendem Niveau. Für ein solches Derby wurde aber noch relativ offensiv gespielt. Die Anzahl der Fouls war recht hoch, da im hohen Tempo in die Laufduelle gegangen wurde. Aber Karten gab es kaum. Es führte dann jedoch ein Freistoß nach nur 24 Minuten zum ersten Treffer der Partie: Wydad verwandelte aus 20m direkt hoch ins kurze Eck. In einem ausgeglichenen Spiel mit Chancen auf beiden Seiten, aber mehr Chancen und Spielanteilen für Wydad, gelang dann kurz vor dem Ende ein Kopfballtreffer für Raja. Es flogen bereits die ersten Flaschen in Richtung Spielfeld, sodass man sagen muss, dass dieser Ausgleich größere Auseinandersetzungen verhinderte. Einige Wydadspieler tobten nach Abpfiff zwar rum und einige der Fans ärgerten sich ziemlich, aber außer etwas Vandalismus und dem vereinzelten Werfen von Stöcken und Flaschen in Richtung Polizei war nichts los nach Abpfiff. Hätte Raja verloren, hätte es schlimmer ausgesehen…

Eine Zusammenfassung des Spiels inklusive Tifo-Video kann man sich unter Sport-Maroc.Com angucken! .الرجاء البيضاوي والوداد البيضاوي - اهم مباراة البطولة المغربية Nach dem Spiel gab es Kaffee und Kuchen (naja, marokkanische Teigwaren, aber so ähnlich wie Kuchen…) und wir brachen mit Alae als sechsten Mitfahrer gen Fès auf. Eigentlich wollte er nur zum Busbahnhof gebracht werden und von dort nach Fès fahren, aber Mohammed und ich schlugen ihm vor mitzufahren. Hinten wurde es dann eng, sodass Fayza auf den Beifahrersitz wechselte. Das ist mir ja auch recht, da sie eine wunderbare Gesprächspartnerin ist, aber da sie auch eine typische marokkanische Autofahrerin ist, gab es unablässig lustige Dialoge:
* Auf der Stadtautobahn von Casa; ich überhole dauernd rechts und wechsle die Spuren so rücksichtlos wie ein Dacia aus Rabat vor mir:
Sie: „Entschuldige, dass ich die Unterhaltung unterbreche, aber wieso überholst du rechts?“
Ich: „Die links fahren nur 70, hier darf man aber 80 fahren“
Khadija: „Siehst du, er kennt die Regeln!“
Sie: „Aber rechts überholen ist auch verboten und wir fahren 90!“
Ich: „Ich kenne die Regeln, aber wir sind hier in Casa, da muss man so fahren!“
* Die einzige Tanke direkt an der Rochade de Rabat; nach dem Tanken fahr ich (wie ein anderer Kunde kurz zuvor auch) entgegen einer Einbahnstraße raus um zum Kreisverkehr auf der Rochade zu kommen, da ich sonst 1km + eine Ampel Umweg fahren müsste um wieder in Richtung Fès zu gelangen:
Sie: „Hhhhhh! Da ist Einfahrt verboten!“
Ich: „Ich weiß, ich will nur zum Kreisverkehr…“
Sie: „Aber das ist gefährlich gegen die Fahrtrichtung zu fahren!“
Alae: „Lass ihn, der fährt wie ein marokkanischer Taxifahrer, der weiß Bescheid!“
* Bundesstraße Meknés – Fès: ich fahr die erlaubten 100 und überhole einen LKW (erlaubt, aber eng):
Sie: „Fahr bitte langsamer, Khadija und ich haben Angst.“
Ich: „Kein Problem, keine Angst! Ich fahr nur 100.“
Sie: „Kennst du die Strecke gut? Also wirklich gut?!“
Ich: „Drei Mal gefahren, das reicht. Außerdem hab ich viel Fahrerfahrung.“
Sie: „Ich hab auch Erfahrung und hier gibt es viele Unfälle. Also sei bitte vorsichtig! Khadija will nach Hause und nicht erst ins Krankenhaus…“
Alae: „Hör nicht auf sie, Kumpel! Sie fährt viel seltener als du und vertraut dir deswegen nicht!“
Sie: „Klar vertraue ich ihm! Aber ich fahr zurückhaltender und rücksichtsvoller. … Und ich hab die Fahrprüfung mit voller Punktzahl bestanden!“
Mohammed: „Yooohoho… Und Karim hat volle Punktzahl im Verkehrsregister!“

Das hab ich natürlich nicht und bisher auch nur 750 Dirham bezahlen müssen – OK, wären regulär 1.900 gewesen zusammengenommen, aber egal: im Ausland wird man einfach schneller erwischt aber mitunter freundlicher behandelt – und Fayza und Khadija wurden zum Ende hin auch ruhiger.

In Meknés waren wir übrigens zum Abendessen bei Maryam und Abdelghani eingeladen, die gefüllte Tauben mit Salat und Pommes auftischten. Der einzige, der nur die Beilagen futterte, war Alae, was sehr seltsam ist, da man einen Vegetarier eher in der weltlichen und gemäßigten Oberschicht in Marokko erwarten kann, und nicht im Bereich der Mittelschicht-Konservativen zu denen er gehört. Wie der andere streng gläubige Typ, den ich hier kennengelernt habe, ist Alae auch sehr höflich im Umgang und nicht aggressiv oder missionierend, aber er eckte eigentlich nicht wegen dem „sorry, ich esse kein Fleisch“ an, sondern weil er meinen Spitznamen Karim verbessern wollte. Nach Auffassung etlicher Strenggläubiger ist es nämlich unverschämt, Kurzformen der Diener-Gottes-Namen zu nutzen: Karim heißt eigentlich Abd al-Karim (Diener des Gütigen (Gottes)). Doch so ein Klugscheißerhinweis kommt bei vielen nicht gut an: Fayza - die tolerant und moderat aber sehr gläubig ist, sich z.B. nie ohne Kopftuch zeigt und während der Übertragung des Gebetsrufes im Radio nie den Sender wechselt sondern erst wenn dieser vorbei ist - wies ihn gleich schroff zurecht, dass er nicht übertreiben und mir keinen Unsinn einreden solle – und Khadija kommentierte einfach lässig: „Lass meinen Jungen in Ruhe, der heißt Karim! Iss die gefüllte Taube, dann erzählst du nicht so viel Mist!“ الرجاء البيضاوي والوداد البيضاوي - اهم مباراة البطولة المغربية Statistik:
- Grounds: 1.036 (1 neuer; diese Saison: 65 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.943 (2 dieses Wochenende, diese Saison: 87)
- Tageskilometer: 720 (Samstag: 380km Auto, Sonntag: 340km Auto)
- Saisonkilometer: 23.930 (22.890 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 2 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 382

Montag, 18. November 2013

W381I: Torloses Unentschieden bei den Islamisten

Wydad Athletic de Fès (نادي الوداد الرياضي الفاسي)
................................ 0:0 (0:0) ..............................
Chabab Rif Al-Hoceima (نادي شباب الريف الحسيمي)
- Datum: Freitag, 15. November 2013 – Anstoß: 19.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (= 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 0-0 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine
- Verwarnungen: 14, 17, 20 (WAF); 4, 14 (CRH)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 450 (darunter ca. 35 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 2,0/10 (Zwei scheiß Vereine lieferten eine scheiß Leistung ab) البطولة المغربية - وداد الفاسي و الشباب الريف الحسيمي Photos with English and Arabic Commentary:
Wydad Athletic Fès v Chabab Rif Hoceima (Moroccan Professional League)

Video on MyVideo.De:
Supporters’ Songs and Islamists’ Chants during Wydad v Chabab Rif

Mit meiner Gastfamilie Nachrichten zu gucken gehört seit Beginn des Aufenthaltes zum Standard – das schult ja auch die Sprachkenntnisse und führt oft zu interessanten Unterhaltungen. Anfang der Woche war es besonders interessant, denn in den Sportnachrichten ging es u.a. um das Trainerchaos bei Maghreb Fès: Rössli ist schon der neue Trainer, aber Skitioui darf nun doch bleiben, da das die Spieler so verlangt haben und daher macht Rössli eigentlich nur den Co. Und wie auch immer; alle wollen Banani, den Präsidenten der wohl so dämlich ist wie sein Nachname, weg haben, da er den Verein nicht mehr führen kann. Überall in der Stadt sind Graffitis „Inqadhu Maghreb al-Fasy“ (Rettet Maghreb Fès) und „Irhal Banani“ (Banani raus)angebracht worden in den letzten Tagen. Das Hauptproblem des Clubs: die Spielergehälter wurden seit fünf Monaten nicht mehr vollständig gezahlt, nur der Trainerstab kassiert normal, es gibt Streit mit Sponsoren und mit den Fans so wie so.

Ums Geld ging es dann auch im Gespräch mit Khadija und Zakariya. Viele Araber sind ja sehr offen im Umgang mit diesem Gesprächsthema, aber in der Gastfamilie wird wohl aufgrund ihrer Erfahrung mit Ausländern etwas zurückhaltender über Geld geredet. Nur Zakariya fing laut an zu erzählen, denn er ist jetzt ganz stolz, dass er einen dreistelligen Dirham-Betrag pro Woche verdient. Er hat mit seinen 14 Jahren die Schule geschmissen und den Verkäuferjob im Großmarkt in der Neustadt angenommen, den ein Kumpel zugunsten einer anderen Stelle aufgegeben hatte. Malika fand das unmöglich – „Mit 14 die Schule abbrechen? Der Junge hat doch keine Zukunft! Der wird wie mein Neffe sein bisschen Geld für Kaffeehausbesuche und Zigaretten ausgeben…“

Als Ende der Woche noch mal das Thema aufkam, wartete Khadija ehe die fleißig lernende Rita aus dem Raum war, und meinte dann merklich leiser zu mir: „Weißt du, eigentlich finde ich es ja nicht schön, dass Zaki die Schule geschmissen hat. Aber er verdient Geld. Nicht viel, aber er kann jetzt ein Konto eröffnen und er lernt bei dem Verkäuferjob auch etwas für später. Das Schlimme ist nämlich, dass man hier in Marokko oft jahrelang zur Schule und zur Uni geht, die Prüfungen besteht, die Zeugnisse sammelt und dann doch in der Arbeitslosigkeit landet oder Berufe weit unter seinem Niveau ausübt. Du kennst doch Amin? Der ist studierter Pharmazeut und arbeitet seit kurz nach seinem Studienabschluss in der Stadtbibliothek! Und du hast doch gestern wieder so lange mit Fayza gechattet? Sie hat dir doch bestimmt gesagt, dass ihre Bewerbung in Meknes abgelehnt wurde. Jetzt hat sie den Master und schon parallel zum MA-Studium nach BA-Abschluss hat sie drei Jahre lang einen Job in ihrem Ingenieursbereich gesucht – vergeblich. Und jetzt sieht es auch nicht besser aus! Oh Herr (Ya Rabb)… Ich weiß manchmal echt nicht, warum ich Rita zum Lernen dränge… vielleicht weil sie es, wenn sie mal in 10 Jahren ein Studium anfängt, so Gott will, einfacher hat und es dann mehr Möglichkeiten gibt, in dem mühsam erlernten Berufsfeld zu arbeiten. Aber Gott weiß es am besten, was die Zukunft bringt – wir können nur hoffen, dass sich die wirtschaftliche und Bildungs-Lage verbessert…“

Also nicht, dass es solche Probleme in Deutschland nicht auch (in weitaus schwächerer Form allerdings) gäbe, aber dass die einheimischen Firmen zum Beispiel nur 10% der Ingenieurswesen-Absolventen übernehmen, so wie das in Marokko der Fall ist - und so selbst die Hälfte der im Ausland studierten marokkanischen Ingenieure nicht ihren gelernten Beruf ausüben können - ist bei uns nun wirklich nicht der Fall.

Der Oberknaller war dann allerdings am Montag, als ihm der Chef auf die Schliche gekommen ist, dass er falsche Angaben zu Alter und Schulausbildung gemacht hat: „du beendest die Schule [vorgesehen mit 16] sonst gibt’s was auf de Goschn!“ Und schon war das Thema Job erledigt und Zakariya am Dienstag wieder in der Schule… البطولة المغربية - وداد الفاسي و الشباب الريف الحسيمي Zurück zum Freitag: dort ging es zum anderen von Finanzproblemen gebeutelten Verein aus Fès. Wydad ist der kleinere Club, der eher die bürgerlichen Schichten anlockt, aber auch da klemmt es bei den Finanzen. Letzte Saison hätten sie ja fast zurückziehen müssen, wenn nicht ein weiterer Sponsor eingesprungen wäre und diese Saison sind mehrere Spieler aus Finanzgründen gegangen und mit dem schwachen Kader mit vielen unerfahrenen Jugendspielern steht WAF auf dem letzten Platz mit nur 2 Punkten aus 8 Spielen.

Für 30 Dirham holte ich mir eine Karte für die Pelouse: im Kassenhäuschen ging das Licht nicht, sodass der Kassenwart eine Kerze auf dem Tisch stehen hatte. Das Stadion war gähnend leer. Irgendwie war der Gästeblock heute auf der Mitte der Gegentribüne und zuerst ging die Stimmung auch nur von den Kabylen aus. Neben mir setzte sich ein sehr freundlicher junger Mann namens Mohcen, der sich auch nur auf Arabisch mit mir unterhielt. Wir wechselten dann nach einer halben Stunde, da die Ultras von WAF in die Hintertorkurve unter der Anzeigetafel stürmten, in diesen Sektor, denn Mohcen ist WAF-Fan und hatte nur den falschen Eingang genommen. Das Wechseln hatte den Vorteil, dass ich nun im Stadion einmal rum bin und in jedem Sektor gesessen habe… Und außerdem konnte ich dann aus nächster Nähe erfahren, was bei WAF für Typen unterwegs sind.

Im WAF-Block angekommen wurde ein Banner hochgehalten: „WAF li-r-ridjâl faqat“ (WAF nur für Männer) – erst als mir wieder einfiel, dass marokkanische Vereine Fördergelder bekommen, wenn sie Frauensport unter ihrem Dach fördern, wusste ich wieder, dass das auf die Pläne der Vereinsführung, wie Maghreb und Wyfaq Fès halt auch, eine Frauenfußballmannschaft aufzubauen, abzielt. Mohcen ist wie die Vereinsführung moderat islamistisch oder einfach religiös konservativ. Aber unter den Ultras sind, obwohl sie durchweg westlich gekleidet und teilweise „unislamisch“ gestylt sind, einige Hardliner und unter den Normalos auch. Also dass das Glaubensbekenntnis durchs Stadion hallt oder Allahu Akbar gerufen wird ist ja gar kein Problem, aber Forderungen nach einem islamischen Staat und Parolen gegen Israel (Judenstaat) müssen nun wirklich nicht sein. Wie Khadija schon richtig meinte, als ich ihr vom Spiel erzählte: „Darf doch nicht wahr sein, so was! Das ist doch kein politischer Debattierklub so ein Stadion – die sollen die Mannschaft anfeuern!“

Das Spiel war sehr dürftig: beide Mannschaft versuchten alles aber konnten nichts. Torchancen wurde kläglich vergeben, Abspielfehler, technische Unsicherheiten, billige Fouls – dass die beiden da erste Liga sind, ist eine Schande! Hoffentlich steigen die beide ab, denn die anderen Abstiegskandidaten sind allesamt besser als die zwei Scheißmannschaften!

Bei der Rückfahrt stellte ich durch den Rückenwind einen neuen Zeitrekord auf: 28 Minuten vom Stadion zur Wohnungstür mit dem Fahrrad…
Dort angekommen war der Besuch aus den USA schon da und neben ihren Reiseberichten sorgten auch meine Erzählungen vom Spiel für gute Unterhaltung. Die größten Lacher erntete aber Rita: als Hamza mir eine grammatikalisch völlig verquere Frage zu meinen Reiseplänen stellte („ila aina mal’ab turid safarta ghada?“), meinte Fayza zu mir: „Mein Gott, soll das Fusha sein?! Hast du ihn verstanden? Weißt du was er falsch gemacht hat?“ Ich schaffte es in der Tat den Satz richtig zu formulieren (ila ayya mal’ab turîdu an tusâfira ghadan?) und während mich Fayza lobte und meinte „Super! Du kannst wirklich schon richtig gut Arabisch“, fing Rita an Hamza auszulachen und meinte: „Hamza, du Depp! Er ist Deutscher und kann besseres Arabisch als du als Marokkaner…“ البطولة المغربية - وداد الفاسي و الشباب الريف الحسيمي Statistik:
- Grounds: 1.033 (kein neuer; diese Saison: 62 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.938 (heute 1, diese Saison: 82)
- Tageskilometer: 40 (40km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 22.410 (21.370 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0 [letzte Serie: 8, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 381

Sonntag, 6. Oktober 2013

W375II: Der andere Kunstrasen im Saadier-Stadion, überraschende Klatsche für CODM und immer Ärger mit den Bullen und der Kasbah Nesrani

Club Omnisport De Meknès
---- (النادي الرياضي المكناسي) -----
...................... 1:5 ....................
--- Chabab Atlas Khénifra --
---- (نادي شباب أطلس خنيفرة) -----
- Datum: Samstag, 5. Oktober 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-5 nach 99 Min. (46/53) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 20. (25?), 0-2 45. (5), 1-2 58. (11, Foulelfmeter), 1-3 85. (30), 1-4 87. (7, Foulelfmeter), 1-5 96. (?)
- Verwarnungen: mindestens Nr. 9, 25, 40 ETW, 93 (alle CODM)
- Platzverweise: Nr. 1 TW von CODM (86. Notbremse)
- Spielort: Stade de Honneur [الملعب الشرفي لمدينة مكناس] (Kap. 12.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.500 (davon ca. 400 Gäste)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Tolle zweite Halbzeit von Chabab Atlas, nachdem die erste Hälfte mehr von der Atmosphäre lebte)

Wydad Athletic de Fès (Espoirs)
------ (نادي الوداد الرياضي الفاسي) ------
.......................... 0:2.........................
Olympique Club de Safi (Espoirs)
---------- (نادي أولمبيك أسفي) -----------
- Datum: Samstag, 5. Oktober 2013 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 0-2 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 30. (10), 0-2 45. (5)
- Verwarnungen: Nr. 6, 13 (beide OCS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Terrain Saadienne, El Mernissi, WAF [ملعب المرنسي - السعديين الرياضي المركب] (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 2 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz ordentliches Spiel) الملعب الشرفي لمدينة مكناس Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: Wydad Fès v Olympique de Safi
b) Moroccan Second Level (Botola 2): Olympique de Meknès v Chabab Atlas Khenifra
c) Meknès Region: Jabal Zerhoun Landscape

Der Samstag begann wie der letzte auch, nämlich mit einem U23 Spiel auf einem Kunstrasenplatz im Saadienne-Komplex, der nach der Dynastie der Saadier benannt ist und dementsprechend auch die Mauern des gegenüberliegenden Königspalastes kopiert. Jim erzählte mir noch die Anekdote zu der Bauruine am Golfplatz hinter dem Saadienne: „Der Sportkomplex von Fes, wo Maghreb Fes jetzt u.a. spielt, sollte eigentlich vor 10 Jahren dort hinterm Golfplatz hochgezogen werden, da innenstadtnah. Aber der König wollte nicht, dass man von der Tribüne in den Garten von seinem Palast gucken kann. Zum einen wegen Privatsphäre, zum anderen wegen Anschlagsgefahr…“

Von der Tribüne des Kunstrasens „El Mernessi/ Wydad Athletic Fès“ kann man aber nicht mal über die auf mittelalterlich gemachte Stadionmauer gucken. Mit Müh und Not schaut man über den grünen Zaun aufs Spielfeld. Ein freundlicher Alter WAF-Mitarbeiter brachte mir mit der Bemerkung „Kursi maroccaine, sahibi“ (ein marokkanischer Stuhl, mein Kumpel) einige große Pflastersteine mit Zeitung drüber zum Sitzen… Eigentlich hätte er „kursi maghrebi“ sagen müssen, aber die Leute sprachen hier meist ein französisch-arabisch Kreol. Der U19-Spieler mit dem ich mich eine Weile unterhielt, schoss den Vogel mit seiner Frage ob ich ein gutes Leben in Deutschland habe, ab: „la vie dyälak mizyan fy germany?“ Klingt so bescheuert wie in Deutsch: „Dein Life in Allemagne ist toll, wa?“

Die U23-Liga wird als „Elite 1 Espoirs“ bezeichnet, wobei Espoirs die Kurzform von „Jeunesse Espoirs“ ist, was „Junge Hoffnungen“ (gemeint sind „Nachwuchstalente“) bedeutet. Vor allem der Gast aus Safi (Asfi am Atlantik südlich von Casablanca) hat einige gute Talente, die vor der Pause zwei Mal die Abwehr von Wydad Fès austanzten. Die Fans von Wydad sind oft der Oberschicht zuzuordnen, doch bei der Espoir hingen auch die einfachen Leute herum, da die Fußballschule für einige ein Sprungbrett ins bessere Sportlerleben ist und mit 1.500 Dirham (140€) pro Jahr auch für die untere Mittelschicht erschwinglich ist. So war es typisch, dass einige in Arbeitsklamotten ihren Nachwuchs in der Form unterstützten, dass sie den Gegner dummmachten. Schon letzten Samstag im Saadienne gab es hinter noch gute Pöbeleien – und dem siegreichen Gast, der in den letzten 20 Minuten hinten reingedrängt wurde aber stark verteidigte, wollte man doch noch eins mitgeben, nachdem die Partie so ausgesprochen fair geführt wurde von den jungen Akteuren… ملعب السعديين او المرنسي في فاس Weiter ging es nach Meknès, von Königsstadt zu Königsstadt also. Wobei mir Meknès eh überschätzt vorkam und nach dem zweiten Besuch bin ich noch negativer gegenüber Meknès eingestellt. Am Stadion gab es als einzige Verpflegungsmöglichkeit einen Carrefour, in dem die angestellten von nichts ne Ahnung hatten (einer der Kunden wurde auch etwas laut gegenüber dem dämlichen jungen Verkäufer), aber wenigstens konnte man davor kostenlos parken. Die Offiziellen von CODM hatten nur eine einzige Kassenreihe geöffnet, was für die Gästefans blöd war. Noch blöder als die Anmache beim Kartenkaufen war aber der Punkt, dass sie beschissen wurden: die drei Kategorien sind schon eine Frechheit: als Erstligaabsteiger nimmt man sich bei CODM raus, Karten zu je 20, 40 bzw. 50 Dirham zu verkaufen – und die Gäste, die als solche erkennbar waren, wurden auf die 40Dh (3,80€) Plätze geschickt. Ich bestand auf Pelouse für 1,90€ und saß dann neben einem neutral wirkenden jungen Mann, der mir irgendwann mal sagte, dass er aus Khenifra ist und nur nicht doppelt so viel zahlen wollte wie für ein Heimspiel seiner Atlasjugend (Chabab Atlas)… Er war im Übrigen der einzige wirkliche freundliche im Stadion der sich für den ausländischen Groundhopper interessierte. Ich wurde auch erstmals von der Polizei kontrolliert, die sich wenigstens halbwegs höflich verhielt, aber ziemlich asozial gegenüber den normalen Fans: Getränke wurden konfisziert und diese dann hinter der Tribüne konsumiert. Da im Stadion Limettenbäume wachsen, pflückten einige daraufhin Früchte zur Erfrischung…

Wenigstens ist das Stadion der Stadthonoratioren ein sehr sehenswerter Bau mit Steinbänken die in neun Reihen rundherum laufen und auf der Haupttribüne, die in der Mitte ein Dach hat und auch Logen, bis zu 30 Reihen zählen. Die altmodische Anzeigetafel funktioniert nicht mehr, die Sprecheranlage ebenso wenig. Dafür funktioniert der Support der Fans, vor allem jener der Ultras hinter dem Tor vor den Plattenbauten. Guter Gesang, Hüpf- und Klatscheinlagen. Pyro gab es nur im Gästeblock, der auf deutlich über 300 anschwoll und nach und nach ebenbürtig in der Stimmung wurde. Interessant war auch, dass dort die Kabylenflagge gehisst wurde aber keine Lieder auf Tamazight gegrölt wurden. Die Stimmung zwischen den Fangruppen war übrigens recht freundschaftlich und v.a. bei „ACAB“ waren sich alle einig… Schon toll, wenn da ein 10jähriger quer übers Feld rennt und erfolgreich vor der Polizei auf die Capo-Plattform zum erstaunlich alten Ultra-Boss flieht und ein anderer 10jähriger mit einem „ACAB“-Tshirt jubelnd rumgrölt - haben bestimmt echt vorbildliche Eltern, wobei die wenigsten der marokkanischen Polizisten diesen dummen Spruch ACAB verstehen werden… Derzeit ist übrigens eine gewisse Offensive gegen die Polizei im Land im Rollen, da sich die Kollegen in Nador mal wieder einen Skandal erlaubt haben, der so von vielen (vor allem von vielen jungen Leuten) nicht hingenommen wird und nur zu gut beweist, dass die marokkanische Polizei das große Problem hat, dass dort zu viele ungebildete Vollidioten mit nur vier Jahren Schulbildung arbeiten.

Zum Spiel muss man sagen, dass es erst gut wurde, als alle Gästefans im Block angekommen waren, was gleich mit dem 0:1 – einem Flachschuss von der Strafraumgrenze – belohnt wurde. Kurz vor der Pause schien die immer besser werdende Partie mit dem 0:2 entschieden, doch ein Foulelfmeter nach dem Seitenwechsel schien sie noch mal offen zu gestalten. Als in der 85. – nach einer guten und schnellen zweiten Hälfte – das gut heraus gespielte 1:3 fiel, verging nur eine Minute bis der Meknes-Keeper nach einer Notbremse vom Feld musste. Dann wurde es hektisch und Chabab Atlas führte die Heimelf vor. Ein Elfmeter der vom Feldspieler, der nun als Ersatztorhüter fungieren musste, verursacht wurde, saß zum 1:4. In der ewig langen Nachspielzeit liefen dann nicht nur mehrere junge Rowdys aufs Feld, sondern schoss Khenifra noch das 1:5.

Nach Spielschluss waren es dann übrigens größtenteils die Ultras von CODM, die die Gastmannschaft mit Applaus bedachten. Die mit den teureren Karten gingen schweigend nach Hause. Außer natürlich der Gästefanblock, der nun richtig gut feierte… جماهير نادي مكناس Nach Spielschluss bekam ich dann auch noch Ärger mit der Polizei, da ich einem rasenden Lieferwagenfahrer hinterhergefahren bin, der mit 80 im 60er-Bereich bei Oued Jdid unterwegs war. Ein bisschen auf Arabisch diskutiert, sehr freundlich behandelt worden und für meine Arabischkenntnisse und Interessen gelobt, aber trotzdem zu 500 Dh. (47€) wie der Typ mit dem Lieferwagen auch, der natürlich sehr herablassend angeschnauzt wurde, verdonnert worden. Natürlich waren die superkorrekten Klugscheißer, die mir sogar die komplett ausgefüllte Quittung mitgaben, von der Direktion in Meknes. Zwei von der Direktion Ouarzarzate haben mir mal 700 Dh. einfach so erlassen und mich handschläglich verabschiedet, nachdem ich mich auf Arabisch herausgeredet habe…

Danach versuchte ich zum mittlerweile zweiten Mal diese verdammte Festung Kasbah Nesrani (der Name bedeutet „Christenburg“, da sie wohl von den Portugiesen erbaut wurde) im Zerhoun Gebirge zu finden. Aber die Straße bei Oulad Slim war gesperrt. Ich guckte noch kurz bei dem Dorffest zu, wo es eine Hengstparade gab, und fuhr dann nach Fès zurück. طبيعة قريب من مكناس Statistik:
- Grounds: 1.022 (2 neue; diese Saison: 51 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.920 (heute 2, diese Saison: 64)
- Tageskilometer: 160 (160km Auto)
- Saisonkilometer: 16.380 (15.330 Auto/ 820 Fahrrad/ / 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 6 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 375

Sonntag, 13. November 2011

W276II: Klare Angelegenheit in Baumersroda & Schwacher Tabellenführer in Reinsdorf

Baumersrodaer SV II 0:5 SV Molau “90“
Datum: Samstag, 12. November 2011 – Anstoß: 12.00
Wettbewerb: 1. Kreisklasse Burgenland, Staffel 1 (11. und unterste Spielklasse, 6. Amateurliga)
Ergebnis: 0:5 nach 91 Min. (44/47) – Halbzeit: 0:4
Tore: 0-1 7. (9), 0-2 18. (11), 0-3 19. (11), 0-4 38. (10), 0-5 73. (10)
Vergebener Elfmeter: 50. Molau-Torwart wehrt „Hand“-Elfer von Nr. 14 (BSV) ab
Verwarnungen: Nr. 9 (BSV), Trainer (Molau)
Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz Baumersroda (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 20 (davon Gästefans: ca. 5)
Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ordentliches Spiel, Molau war sehr deutlich überlegen)

Reinsdorfer SV 2:1 Gleinaer SV
Datum: Samstag, 12. November 2011 – Anstoß: 14.00
Wettbewerb: 1. Kreisklasse Burgenland, Staffel 1 (11. und unterste Spielklasse, 6. Amateurliga)
Ergebnis: 2:1 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 1:1
Tore: 0-1 25. (12), 1-1 45. (9), 2-1 60. (2)
Verwarnungen: Nr. 2 (RSV), Nr. 3, Nr. 4, Nr. 11 (GSV)
Platzverweise: keine
Spielort: Sportplatz Am Umspannwerk, Reinsdorf (Kap. 1.000 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 20 (davon Gästefans: ca. 5)
Unterhaltungswert: 3,0/10 (Wieder mal ein fürchterlicher Duselsieg für Reinsdorf)
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Photos and English version:
b) Sightseeing in Burgenland District: Reinsdorf Church, Baumersroda Church and Estate

Heute standen zwei Spiele im Burgenlandkreis an. Zuerst ging es nach Baumersroda, wo wir vorher noch die romanische Kirche und das Gutshaus mit der im Anbau befindlichen historistischen Burg anguckten. Auf dem von Bäumen umgebenen Acker (aha, deshalb also BAUMersroda...) gab es das Kreisklassespiel zwischen dem 4. und dem 2. (nur die ersten drei er Staffel 1 kämpfen noch realistisch um den Aufstieg) zu sehen. Das Spiel war derartig einseitig, dass man sich wunderte, wie Baumersroda bisher ihre Punkte geholt hatte. Entsprechend waren sie auch dauernd am meckern. Molau spielte aber auch wirklich gut und erzielte nach und nach ganz souverän vier Tore bis zur Pause.

Nach der Pause bekam Baumersroda einen unberechtigten Handelfmeter zugesprochen. Der Torwart reagierte gut, sodass die Heimelf nicht einmal mit dieser Situation einen Ehrentreffer erzielte. Die starke Chancenverwertung der Molauer hielt leider nicht bis in die zweite Halbzeit an. Aber knapp 20 Minuten vor Abpfiff erzielte ein Spieler der Gastmannschaft noch einen schönen Treffer ins lange Eck mit Innenpfostenberührung. Der Molauer Sieg war insgesamt noch zu niedrig ausgefallen, da sie mit weitestgehend sicherem Passspiel und starkem Offensivspiel dem Gegner sehr klar überlegen waren, sodass dieser kaum zu Torszenen kam.
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Weiter ging es zu einer weiteren Kreisklassepaarung ins nahe Reinsdorf (das bei Nebra natürlich). Der Platz liegt dort ganz „idyllisch“ am Umspannwerk. Die Felder der weiten Tallandschaft sind auch nicht so die Idylle, die man aus anderen Ecken des Burgenlandkreises so kennt. Auf zwei Seiten des Platzes sind ganz beachtliche Graswälle geschoben worden, aber ansonsten sieht der nach sehr wenig aus, dieser kahle Platz.

Sah man dem Treiben dort auf dem Feld zwischen dem Tabellenführer und dem Sechsten von 12 zu, fragte man sich, ob Reinsdorf wirklich Tabellenführer ist und wenn ja, wie sie es geschafft haben, 9 von 10 Spielen zu gewinnen. Sie haben bereits in der Vorwoche in Burgscheidungen enttäuscht und mit Dusel gewonnen – und diesmal dasselbe! Können die eigentlich auch einmal überzeugend gewinnen? Auch in Molau siegten sie 1:2 – wie sie gegen so ein gutes Team gewinnen konnten, frage ich mich wirklich. Wahrscheinlich auch nur Dusel gehabt. Auf dem Platz heute war Gleina nämlich lange Zeit die bessere Mannschaft und ging auch mit einem schönen Weitschuss (hoch ins Eck) in Führung.

Nachdem Reinsdorf den Ball kurz vor dem Seitenwechsel über die Linie stocherte, wurde das Spiel immer schwächer. Bei Gleina war die Luft langsam draußen – die zweite Hälfte war generell schwach. Irgendwie bekam Reinsdorf dann den Ball mit mehr Glück als alles anderem im Tor unter und Gleina vergab die wenigen Chancen, die sie noch hatten, leider alle (und meist nicht sonderlich knapp). So blieb es eben beim anscheinend Lieblingsresultat vom Reinsdorfer SV: 2-1.
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Nach dem Spiel schauten wir noch an der sehenswerten Dorfkirche vorbei, die einen auf die Vierung aufgesetzten Turm und somit ein symmetrisch gebautes Kirchenschiff hat. Das Gotteshaus ist zumindest von außen in einem sehr guten Zustand.

Nachdem wir wieder zuhause angekommen waren, hockte ich mich gleich vor den Livestream mäßiger Qualität, der ein Championsleaguefinale höchster Qualität zeigte. Nämlich das der afrikanischen Championsleague. Wenn mal wieder Taraji Tunisy (Esperance Tunis) und Wydad Dar Bayda (Casablanca) aufeinandertreffen, dann ist das wie FC Barcelona gegen Bayern München. Nur etwas hitziger und bessere Stimmung auf den Rängen. Mein Lieblingsteam Taraji Tunis zeigte es den Marokkanern mal wieder, dass der beste Clubfußball auf dem schwarzen Kontinent in Tunesien gespielt wird: und zwar von Taraji, Esperance! Das goldene Tor war ein Linksschuss von halb rechts aus einiger Entfernung in den langen Winkel von Harrison Afful (aus Ghana), der zuvor zwei Gegner narrte. Die Ballsicherheit der Esperantistes war über die kompletten 100 Minuten (ja 100: unter 10 Minuten Nachspielzeit geht bei einem solchen Spiel im Maghreb nicht!) wieder einmal unglaublich. Das ist Profi-Fußball wie er sein sollte!
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Statistik:
Grounds: 664 (heute 2 neue; diese Saison: 70 neue)
Sportveranstaltungen: 1.406 (heute 2, diese Saison: 92)
Tageskilometer: 90 (90 Auto)
Saisonkilometer: 13.060 (11.220 Auto/ 1.830 Fahrrad/ 10 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 9
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 276

Donnerstag, 21. Mai 2009

Kommentar VI: Ruhiger Vatertag und vorgezogenes Elfmeterschießen in der Arabischen Championsleague

Ob man es nun Vatertag, Männertag oder Christi Himmelfahrt nennt: es ist ein Tag, an dem man entweder viel zu viel säuft - wie die Freunde unserer einen Nachbarsfamilie, die schon um 20.15 Uhr hackedicht auf der Umfriedung des Kellereingangs lagen - oder viel zu normale Sachen macht. Ich entschied mich für Letzteres und beschäftigte mich - mangels Sportveranstaltungen an diesem Tag - hauptsächlich mit Lernen, im Internet surfen und schließlich dem Gucken der Übertragung des Arabischen Championsleaguefinales. Taraji Tunisy (Espérance de Tunis) stand Wydad Casablanca (Wydad Dar Al-Bayda) gegenüber. Die Hoffnung gegen die Liebe, wobei die Namensgebung des marokkanischen Clubs deshalb so ausgefallen sein soll, da ein Gründungsmitglied zu spät zur Versammlung erschien, weil er noch den Film "Wydad" mit Umm Kulthoum im Kino ansah. Das Hinspiel ging 1:0 an die Tunesier, nun erwartete ich natürlich aufgrund der hervorragenden Ausgangslage einen Sieg im Heimspiel. Oder zumindest ein Unentschieden.
Letzteres wurde es dann auch, doch stand dies lange auf der Kippe. Nachdem die ersten 15 Minuten wenig zu sehen gaben für die 60.000 Zuschauer (5.000 Plätze Pufferzone, 5.000 Karten wurden nicht verkauft, Donnerstagabend ist nicht der günstigste Termin in Tunesien) die oftmals so extrem lärmten, dass der Reporter akustisch nicht zu verstehen war, kam Taraji immer mehr zum Zug. Wydad hatte kaum eine Chance in der ersten Halbzeit und Mikael Eneramo verschoss sogar einen Elfmeter für Tunis.
In Halbzeit zwei legte wieder Espérance los, jedoch ohne ein Tor zu erzielen. Auch die Fans legten nun richtig los. Während die Tunesier mit einer guten Choreo vor dem Anpfiff der 1. Hälfte mit Überziehflagge vom Ober- in den Unterrang und Spruchbändern "Vergleiche nicht die Unvergleichlichen" glänzen konnten, gingen die Marokkaner nun mit Bengalfackeln ab. Heimfans zündeten Rauchbomben. In der 50. rannte auch ein Jugendlicher mit nacktem Oberkörper aufs Feld um Nationalelf- und Espérance-Torwart Hamdi Kassroaui zu feiern.
Das Spiel wurde nun selbst für arabische Verhältnisse richtig hart - wobei fast nur Wydad faulte - und folgerichtig gab es einen zweiten Elfmeter; allerdings für Wydad. Was der Kongolese Janvier Bessala da in der 65. machte, war natürlich totale Scheiße, sodass der Schiri, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommend, nur Elfmeter pfeiffen konnte. Sicher und unspektakulär verwandelte Abd As-Samad Rafik den Strafstoß zum 0:1. Gleichstand. Da müsste die Verlängerung oder das Elfmeterschießen her.
Nun wurde es hitzig: das Spiel wurde für eine Minute unterbrochen, da die komplette Gästebank unter dem Hagel von Plasteflaschen und ähnlichen Sachen aufs Spielfeld gelaufen war. Wydad foulte nun immer mehr. In der 75. gab es dann auch endlich den ersten Platzverweis, was nicht ohne eine kleine Auseinandersetzung abging.
In der 86. dann ein spektakuläres Foul: irgendein Volldepp von Wydad springt Bienvenu mit dem Knie voraus in den Rücken, als dieser mittig 14m vorm Tor stehend abziehen will. Elfmeter Nummer 3. Diesmal läuft Oussama Darragi an und knallt den Ball so an den Innenpfosten, dass er für den Gästetorwart unerreichbar ins gegenüberliegende Innennetz sprang. 1:1!
Die Wydadspieler kamen jetzt gar nicht mehr klar. Bei einem übertrieben harten Reingehen reagierte aber auch ein Taraji-Spieler einmal falsch und kloppte zurück, was zu einer handfesten Auseinandersetzung führte. In der 94. gab es dann noch mal eine richtige Massenschlägerei zwischen vielen Spielern, Wechselspielern und Betreuern. Auch Polizei- und Ordnungsdienst waren dabei. Nach 97 Minuten - der Schiri hatte zum Schluss verständlicherweise den Überblick verloren: es sollte eigentlich 10 gegen 8 gespielt werden, meines Erachtens spielte man 10 gegen 9, und eigentlich hätte noch ein Vierter von Casablanca runter gemusst - war Schluss. Aber egal. Taraji holte sich mit dem 1:1 Dank dem Hinspielsieg das Double: Tunesische Meisterschaft und Arabische Championsleague!
Mit lustigen Abschlussbildern endete die Übertragung auf ART-Sports 3: alle Tarajispieler rennen ins Tornetz vor der Kurve, Besala und Oussama Darragi und noch ein paar andere holen sich Bengalfackeln von den Taraji Ultras und rennen damit vor der Virage rum, etliche Spieler steigen auf die Torlatte und schließlich hüpfen alle mehr aufs Siegerpodest, als das sie gehen. Dort verteilen dann die in traditionelle Kleidung (Djallaba) gehüllten saudischen Sponsoren die Medaillen, den Pokal und den Siegerscheck über 1 Million US-Dollar, die ihnen auf Tabletts von hübschen Tunesierinnen in hochhackigen Schuhen, knielangen Röcken und leichten Blusen überreicht werden. Die Medallien dürfen sich dann die mit Sicherheit besten arabischen Fußballer umhängen. Taraji war der klar verdiente Sieger mit einem technisch und athletisch wieder einmal wunderbaren Fußball. Im Hintergrund läuft standesgemäß "We are the Champions" über die Stadionlautsprecher...
ألف مبروك يا ترجي