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Montag, 17. Februar 2014

W394I: Deutlicher hätten die Hinweise auf die Sportkrise in Fès nicht sein können; offensichtliche Verschieberei beim Fußballderby und Unfähigkeit beim Handball

Maghreb Association Sportive de Fès (المغرب الفاسي)
................................... 0:0 (0:0) ...................................
-- Wydad Athletic de Fès (نادي الوداد الرياضي الفاسي) --
- Datum: Samstag, 15. Februar 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (= 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 0-0 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0-0
- Tore: Entsprechend der Wettquoten
- Verwarnungen: 2x Nr. 6, Nr. 3, Nr. 9 (MAS); Nr. 4, Nr. 5, Nr. 80 (WAF)
- Platzverweise: Nr. 6 von MAS (55. wg. wdh. Fouls)
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 5.000 (in etwa 4.750 zu 250 für Maghreb Fès)
- Unterhaltungswert: 1,0/10 (Wurde bereits kurz nach Abpfiff als beschissenstes Derbyspiel aller Zeiten zwischen diesen beiden Teams bezeichnet…)

Maghreb Association Sportive de Fès (المغرب الفاسي)
.................................. 21:31 (7:14) ..............................
---------------- Hilal Nador (هلال الناضور) ----------------
Datum: Samstag, 15. Februar 2012 – Anwurf: 17.00
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Nord [طولةب المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Nord, d.h. Nordstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 21-31 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 7-14
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: MAS 0% (0 von 2); HAN 100% (2 von 2)
Gelbe Karten: k.A. (MAS); mindestens Nr. 8 und Bank (HAN)
Zwei-Minuten-Strafen: MAS mindestens 16 Minuten; HAN mindestens 12 Minuten)
Platzverweise: keine?
Spielort: Salle 11 Janvier [11 قاعة يناير] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 110 (davon keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Nicht einmal mittelmäßiges Spiel, das wenige Minuten nach unserem verspäteten Erscheinen quasi entschieden wurde)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Football Derby of Fès: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157641030349543/
b) Handball in Fès: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157641030349493/
c) Fès City: http://www.flickr.com/photos/fchmksfkcb/sets/72157636027123773/

Gut dass sich bei der sinnfreien Terminierung an diesem Wochenende die Tour zu Chabab Houara nach Ouled Taima schon am Montag mit einem Blick ins Internet erledigt hatte: das Stadion wird renoviert, sodass in Taroudant gespielt wird und der Ground in Ouled Taima aus der Wertung fällt. So fehlt in den ersten beiden Ligen von den regulär genutzten 26 Spielstätten nur noch eine – und zwar die in Laayoune. Dass Chabab Houara seine Heimspiele nun in 40km Entfernung austragen muss, hat übrigens nichts mit dem spektakulären Brandstiftungsfall in der nahe des Stadions befindlichen Grundschule zu tun, der durch die einheimischen Medien ging: Ein Schüler hatte die Klassenarbeit vergeigt und wollte diese vernichten, ehe der Lehrer sie am nächsten Tag aus dem Spind im Lehrerzimmer zum Kontrollieren holt; dazu stieg er mit drei älteren Kumpels nachts in die Schule ein und entfachte ein Feuerchen im Lehrerzimmer, das das Chaotenquartett nicht richtig löschte, sodass es kurz nach deren Abhauen richtig losloderte und die Schule fast komplett abfackelte…

Nicht ganz so brandgefährlich, aber doch streckenweise recht feurig, ging es beim Stadtderby von Fès zur Sache. Leider nur auf den Rängen bzw. hinterm Stadion: auf dem Feld gab es nur durch den kleinlichen Schiedsrichter viele Farbe und offensichtlich verschoben wurde der Dreckskick auch…  
Gut 90 Minuten vor Anpfiff traf ich mit den Jungs meiner Gastfamilie auf deren Freunde Hamza und Mehdi Chahed sowie Driss Mohtadi. Khadija und Rita verzichteten auf das Spiel, da die drei ahnungslosen Jungs ihnen Blödsinn erzählt hatten, dass es Randale geben würde und 20.000 Zuschauer kämen. Die Zeiten sind leider vorbei. Gerade einmal 5.000 kamen – die Ultras von Widad Fès boykottierten die Partie. Aber auch mit den Ultras währen es nicht einmal 10.000 geworden.

Am Einlass hatten wir trotzdem den üblichen Ärger: asoziale Sicherheitskräfte brüllten Zakaria an, ob er in Begleitung eines Erwachsenen hier sei obwohl wir alle direkt neben ihm liefen, alle wurden vier Mal kontrolliert – ich immer noch drei Mal – und das teilweise recht unfreundlich; und Polizei und Hilfskräfte fühlte sich offensichtlich angesprochen, als die Ultras Fatal Tigers (Maghreb Fès) ein Anti-Korruptions-Banner entrollten, das Teil der Choreo werden sollte, und rissen dieses ab, woraufhin alle Handzettel und Banner der Choreo zusammen mit mehreren Sitzschalen aus Protest durch die Gegend geworfen wurden…

Also nicht mal eine Choreo, nur etwas Rauchbomben bei diesem Derby. Entsprechend sah es dann auch auf dem Feld aus, bzw. es sah eigentlich noch anders aus, denn die 22 Kicker offenbarten das dringendste Problem der beiden Vereine: die korrupte und unfähige Vereinsführung zahlt seit Monaten keine vollen Gehälter. Gut, sowas ist Normalzustand in Marokko: z.B. Driss wurde für seinen Auftrag in Meknes von der Baufirma das Gehalt zum 10.2. versprochen, am 10.2. hieß es 14.2. und heute ist es immer noch nicht da, und Fayza wurde erst dieses Woche zum ersten Mal bezahlt und zwar nur für Februar und nicht wie im Firmenvertrag stehend schon für Dezember und Januar. Aber Fußballspieler werden dadurch natürlich anfällig für Korruption: die Wettmafia ist in Marokko aktiver als in vielen anderen arabischen Ländern, da hier Sportwetten legal sind. Ist zwar gegen islamische Sitten, aber so bigott ist man nun mal in Marokko… Und spätestens nach dem von WAF einen vollen Meter übers Tor geschossenen Foulelfmeter in der 84. Minute war klar, dass das Spiel so Höhepunkt- und Torchancenarm war, da es 0:0 ausgehen sollte. Das Hinspiel ging übrigens 4:3 an Maghreb Fès – kein Wunder also, dass es nach dem Spiel in der angrenzenden Siedlung Auseinandersetzungen auf offener Straße gab und bei dem Zuschauerminusrekord und der offensichtlichen Verschiebung dieses Derby gleich nach Spielschluss als das beschissenste Fesser Derby aller Zeiten bezeichnet wurde.  
Beim Handball war das Niveau nicht so scheiße, aber auch deutlich schwächer als in Rabat in der Vorwoche. Wir fuhren also zu siebt wieder gen Innenstadt und kamen zur 16. Spielminute beim Stand von 6:7 zum Spiel von der Handballabteilung von Maghreb Fès gegen Hilal Nador in die Halle 11. Januar. Der 11. Januar ist ein nationaler Feiertag der an die Unabhängigkeitserklärung (Taqdeem Wathiqat al-Istiqlal 1944 von Frankreich) erinnert. Die Sporthalle selbst ist wohl noch von den Franzosen gebaut und nur in den 90ern mal renoviert worden, doch nach mehreren hitzigen Handball-, Volleyball- und Basketballspielen ist die Hälfte der blauen und weißen Sitzschalen nicht mehr an ihrem Platz, sodass selbst die wenigen Zuschauer heute genau suchen mussten, wo sie sich hinsetzten…

Unter den nur etwas mehr als 100 Zuschauern befanden sich mehrere Bekannte meiner Begleiter: Mehdi war eh am interessiertesten an diesem Spiel, da sein Kumpel mit der Rückennummer 7 fast komplett durchspielte, Hamza belöffelte sich beim Reingehen mit einem unfreundlichen Klassenkameraden der neben dem Tribünenaufgang saß und Driss traf eine Freundin die er gleich mal mitten auf der Tribüne umarmte, was ihm einige Kilometer weiter nördlich böse Bemerkungen eingebracht hätte – aber hier im städtischen Fès interessierte das erfreulicherweise keinen. Ohnehin waren hier ungewöhnlich viele Frauen zugegen - etwa die Hälfte des Publikums - was sich in sportlich fairem Verhalten aber mangelnder Stimmung niederschlug…

Kaum waren wir gekommen, zog Hilal Nador davon: in einem relativen langsamen und technisch dürftigen Spiel waren es der sehr gute Gästetorwart und der Kreisläufer, der immer wieder durch die Verteidigung von MAS brach und wuchtige Torwürfe unterbrachte, die den Gästen zu einem klaren und schon vor der Pause absehbaren Sieg verhalfen. Mit 7:14 ging es in die Halbzeit und nach der Pause festigte sich bis zur 50. ein Abstand von um die 10 Tore. Teilweise lag Nador mit 12 in Front. Am Ende gab es noch mal schöne Tempogegenstöße der Fesser, doch das 21:31 sprach eine deutliche Sprache…  
Statistik:
- Grounds: 1.073 (heute 1; diese Saison: 102 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.985 (heute 2; diese Saison: 129)
- Tageskilometer: 30 (30km Auto)
- Saisonkilometer: 35.360 (34.230 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: - [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 394

Mittwoch, 1. Januar 2014

W387II-III: Die letzten fehlenden Grounds der 1. Liga, zwei Treffer in der Nachspielzeit bei USMAM und die Krawalljugend von El Kolea

------ Union Sportive Municipale Ait Melloul -----
------------- (الاتحاد الرياضي البلدي لآيت ملول) --------------
................................. 2:2 (1:0) ..................................
Club Omnisport De Meknès (النادي الرياضي المكناسي)
- Datum: Sonntag, 29. Dezember 2013 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (d.h. 2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 2-2 nach 100 Min. (46/54) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 22. NN, 1-1 83. NN, 1-2 94. NN, 2-2 99. NN
- Verwarnungen: Nr. 22 (USMAM); Nr. 20 (CODM)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal „Aboukar“ d’Ait Melloul [الملعب البلدي بآيت ملول] (Kap. 3.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.000 (darunter ca. 150 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Packendes Spiel, starke Stimmung)

------- Association Sportive Chabab el Kolea --------
---------------- (الجمعية الرياضية شباب القليعة) ----------------
................................... 2:1 (1:1) ...................................
---- Union Jeunesse Sportive Taroudante 1937 -----
-------------- (اتحاد الشبيبة الرياضية لتارودانت) ----------------
- Datum: Sonntag, 29. Dezember 2013 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Ligue du Sousse, 3ème division honneur [القسم الشرفي الثالث - صبة سوس] (Dritte Ehrendivision, Südmarokkanische Bezirksoberliga: d.h. 5. Marokkanische Liga; 3. Amateurfußballiga)
- Ergebnis: 2-1 nach 99 Min. (49/50) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 0-1 20. NN, 1-1 45.+3 Nr. 8 („Hand“elfmeter), 2-1 84. NN
- Verwarnungen: Nr. 18, 21 (ASCK); Nr. 3, 10, 15, NN (UJST)
- Platzverweise: Nr. 3 von ASCK wegen unsportlichen Verhaltens in der Halbzeitpause
- Spielort: Stade Municipal El Kolea, Laqliyaa [الملعب البلدي بالقليعة] (Kap. 3.100, davon 100 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.000 (darunter ca. 50 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Mittelmäßiges Spiel, aber der Hammer was die Fans da abgezogen haben!)

Hassania Union Sportive Agadir - (حسنية أكادير)
............................... 4:3 (1:2) ...............................
Wydad Athletic de Fès (نادي الوداد الرياضي الفاسي)
- Datum: Samstag, 28. Dezember 2013 – Anstoß: 16.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (d.h. 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 4-3 nach 99 Min. (50/49) – Halbzeit: 1-2
- Tore: 1-0 19. Adel Matouni (Elfmeter), 1-1 34. Redallah Al-Mazoufi (Elfmeter), 1-2 38. Youssef Skitioui, 1-3 47. Abdelkebir El-Ouedi, 2-3 54. Mehdi El Mousayyif, 3-3 64. Coco Patrick (Elfmeter), 4-3 75. Ahmed El Fathi
- Verwarnungen: k.A. (HUSA); k.A. (WAF)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Inbiaâte [ملعب الانبعاث] (Kap. 14.250, davon 250 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 3.500 (darunter ca. 20 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Schön offensiv geführtes, wirklich gutes Spiel)

Kawkab Athlétique Club Marrakech/ Espoirs
----------- (فريق الامل - الكوكب المراكشي) ---------------
............................... 0:1 (0:0) ................................
-- Forces Armeés Royales de Rabat/ Espoirs --
------------ (فريق الامل - الجيش الملكي الرباطي) ----------
- Datum: Samstag, 28. Dezember 2013 – Anstoß: 11.20
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs [لبطولة الوطنية لفرق الامل (اقل من 23 سنة)] (d.h. 1. Marokkanische U23-Reserve-Liga)
- Ergebnis: 0-1 nach 99 Min. (47/52) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 0-1 46. Nr. 9
- Verwarnungen: Nr. 4, 23 (KACM); 2x Nr. 7, Nr. 6, 9, 18 (FAR)
- Platzverweise: Nr. 9 von FAR (89. Min., wdh. Foul)
- Spielort: Stade El Harthi [ملعب الحارثي] (Kap. 15.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (darunter ca. 3 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 2,5/10 (Höhepunktarmes Spiel zweier gleichschwacher Teams) Photos with English and Arabic Commentary:
a) Under-23 League: Kawkab Marrakesh v FAR Rabat (Stade El Harthi)
b) Professional League: Hassania Agadir v Wydad Fès (Stade Inbiaâte)
c) AMATEUR LEAGUE AGADIR REGION: CHABAB LAQLIYAA DEFEAT TIHAD CHABAB TAROUDANT!
d) 2nd Division: USM Ait Melloul v CODM Meknes (Stade Municipal)
e) Marrakesh: The Red City and City of Gardens
f) Agadir: The City of Resorts and Tourism

Videos:
a) One minute of Madness in Laqliyaa
b) Support of USMAM and CODM

An diesem Wochenende stand eine Gewalttour zu den letzten beiden fehlenden Grounds der 1. Liga an: das Stade El Harti in Marrakesh und das Stade Inbiaâte in Agadir. Beide Stadien sind mittlerweile ergänzt (nicht ersetzt, daher nur Zusatz!) worden durch Neubauten, die ich wohl erst zur Afrikameisterschaft 2015 (ich plane zu diesem Zeitpunkt für Besuche und Groundhopping wiederzukommen) kreuzen werde: denn während Kawkab Marrakesh so jedes dritte Heimspiel im Grand Stade austrägt, hat Hassania Agadir erst ein einziges Match in ihrem neuen Grand Stade gemacht…

Wie auch immer, die beiden fehlenden Erstliga-Grounds konnte ich trotz 200km Entfernung zwischen beiden in einem Tag abhaken. In den Tagen vor der Abfahrt musste ich noch Sachen erledigen die mich fast so viel kosteten wie alle Aktivitäten, Essen, Fahrtkosten an diesem Wochenende zusammen: erst ein Ölwechsel für 30€ bei dem lustigen Vogel bei der Total und dann mit Abdelhadis Hilfe nicht nur einen neuen Reifen gekauft sondern gleich zwei (beide Vorderreifen waren halt stark abgefahren und einen hatte ich ja wie gesagt in der Nähe von Ouzoud gegen das Notrad wechseln müssen) was satte 160€ machte; wie üblich bar ohne Rechnung. Abdelhadi hatte sogar mit bis zu 200€ gerechnet, aber der Händler gab mir einen Nachlass von 20€ da ich zwei Reifen aufziehen ließ.

So ging es jedenfalls gut ausgerüstet in den frühesten Morgenstunden des Samstages los. Khadija hatte leider Gäste zu bewirtschaften und Abdelhadi Arbeit fürs Institut zu lange aufgeschoben, sonst hätte ich Mitfahrer gehabt. Nachts kann man auch 150 und mehr auf der Autobahn fahren, sodass ich bis Berrechid durchbretterte um dort auf der Raststätte zu frühstücken. Von dort waren es bis Marrakesch noch 2 Stunden. Die Altstadt von Marrakesch hatte ich schon 2011 ausreichend besichtigt. Jedem Besucher der Stadt würde ich empfehlen, das Stade El Harti aufgrund der kostenlosen Parkmöglichkeiten in der Straße davor aufzusuchen. Von dort aus kann man schön durch den angrenzenden Park, der sogar eine Kakteensammlung hat, zur französischen Kirche laufen. Dahinter beginnen auch schon die Altstadtmauern neben der Koutoubia-Moschee.

Ob Altstadtmauern oder Vorstadtplatte: in Marrakesch ist alles in hellen Rottönen gehalten: auch das Stadion! Also jetzt nicht die Asphaltstraßen oder die Flutlichtmasten – Rotlicht passt eh besser zum Rivalen aus Agadir – aber alle Fassaden. So sind die recht asymmetrischen Tribünen des El Harti in rotem Stein gehalten. Die Haupttribüne ist in drei Sektoren unterteilt und ebenso wie das Mittelsegment der Gegenseite überdacht. Die Gästekurve ist nicht höher als die beiden Längstribünen, aber die Heimkurve fast doppelt so hoch. Von dort sieht man auch schön die Koutoubia und andere Türme der näheren Umgebung. Außerdem sieht man in den Harti-Park, doch der wird eigentlich eh direkt im Stadion fortgesetzt: hinter der Haupttribüne hat man einen richtig schönen Garten mit einer geschlossenen Allee! Das ist halt die rote Gartenstadt Marrakesch!

Das Spiel war nicht so begeisternd wie das Stadion. Knapp 100 Leute wollten sich das Gekicke der U23-Mannschaften von Kawkab (Stern) Marrakesch und Forces Armées Royales (Al-Jaish Al-Malaky, Königliche Streitkräfte) angucken. Beide waren gleichermaßen schwach, blockierten sich zwischen den Strafräumen und brachten kaum einen Ball aufs Tor. Ein einziger Ball ging unhaltbar für den Torwart dann nach 46 Minuten genau in den Kasten, sodass es wenigstens nicht 0:0 ausging. Dadurch dass der Depp von Schiedsrichter nicht nur 20 Minuten zu spät erschien, sondern auch 20 Minuten Halbzeit machte und fast 10 Minuten nachspielen ließ, wurde es knapp Richtung Agadir... Eine teilweise wirklich interessante Autobahnstrecke (schroffe, teils sehr kahle Berge und Lehmhüttendörfer, die teilweise aufgegeben sind, ziehen sich entlang der Strecke) verbindet die beiden südlichsten Erstligisten miteinander. Von Sportanlage zu Sportanlage braucht man gut 2 Stunden – durch die Verzögerung kreuzte ich dort erst in der 25. Spielminute an der Kasse auf. Der Kassenwart war Araber und ausgesprochen freundlich, da ich mit ihm Arabisch sprach. Die berberischen Polizisten hingegen wenig freundlich, streng und kleinlich. Einer brauchte einen Stift und wollte meinen Kuli für den Statistikblock mit der Begründung „spitze Gegenstände dürfen nicht ins Stadion“ einsacken, was der höherrangige Kollege daneben aber aufgrund meiner Herkunft verhinderte und mich einfach durchwinkte nachdem er selber noch mal einen Blick in meine (wirklich kleine!) Kameratasche geworfen hatte. Also kleinlicher als in Agadir waren die wirklich nirgendwo in Marokko, aber so schlimm wie in Tetouan ist es auch wieder nicht.

Als ich das ganz ansehnliche Stadion Inbiaâte betrat, bekam ich gleich gesagt, dass Hassania fünf Minuten zuvor das 1:0 gemacht hat. Ich stellte mich für meine 20 Dirham erstmal in die letzte Reihe links von der überdachten Haupttribüne auf Strafraumhöhe. Die Gegentribüne ist übrigens nicht überdacht, aber wenn man sich hinter die engen Stufen auf die letzte Reihe stellt, kann man bei Regen unter den Bäumen Schutz finden. Regnen tut es aber eh nicht viel in Agadir und heute bei knapp 20 Grad und kaum Wolken erstrecht nicht. Die meisten Fans standen also in der Heimkurve hinter dem einen Tor. Die Gästekurve war mit knapp 20 Islamisten besetzt.

Kaum war ich drin, riss die schwarz-weiße Scheiße aus Fès auch plötzlich das offensiv geführte Spiel an sich: mit einem Elfmeter glichen sie aus und einen erfolgreichen Schuss aus Nahdistanz gab es gleich hinterher. Nach der Pause war dann die vermeidliche Endscheidung ein wuchtiger Schuss aufs kurze Eck zum 1:3. Doch Hassania kämpfte sich mit vollem Offensiveinsatz zurück. Ein Nachschuss hoch unter die Latte, ein Elfmeter der allerdings kritisch stark verzögert wurde und einmal geschickt quergelegt und vom Mitspieler eingeschoben und schon stand es 4:3. Schön wie WAF wieder abgekackt hat – und schön, dass die ungewohnt offensive Spielweise von Hassania mit einem 4:3 Sieg belohnt wurde!

Von den Fans bin ich allerdings nicht so begeistert: die sind zwar viel zahlreicher als WAF und keine Islamisten-Spinner, aber was die sich in drei Gruppen aufteilen müssen, die dauernd was anderes anstimmen, weiß ich nicht – und was die auch dauernd irgendwelchen Berberquatsch raushauen müssen: von wegen „dima imazighen“ – „dima ârab (Immer Araber)“ habe ich jedenfalls noch nirgendwo in Marokko gehört. Und diese Imazighen sind die „freien Menschen“ also Berber, die mit dieser Eigenbezeichnung sehr schön auf ihre Vergangenheit als Sklaventreiber aufmerksam machen. Einer der drei Vorsänger war allerdings ein schwarzer Marokkaner und somit Nachfahr von Sklaven... Der ist auch das beste Beispiel dafür, dass nicht alle Schwarzen von Berbern aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden (wie in einer Fernsehdiskussion zum marokkanischen Rassismus letzthin schön direkt und auch nicht völlig übertrieben von einem arabischen Studiogast rausgehauen wurde).

Eine Truppe Berberjungs laberte mich noch vorm Auto zu, aber als ich den Anführer auf Arabisch anmeckerte, weil er zusammenhanglosen Unsinn in Englisch und Französisch laberte: „Kannst du kein Arabisch? Du bist wohl bescheuert?! Was ist das für eine Sprache du Depp?“ schubsten ihn die anderen drei laut auslachend weiter, sodass ich mich in Ruhe auf Hotelsuche begeben konnte. Im Radio hatte ich schon gehört, dass aufgrund der Schulferien v.a. Hotels in Marrakesch und Agadir im unteren Preissegment ausgebucht seien, aber schon das zweite Hotel hatte noch ein paar Zimmer frei.
Einer der wenigen Vorzüge Marokkos vor seinem Nachbarland Algerien ist, dass es zahlreichere Herbergen und mehr Hotels mit eher besserem Preis-Leistungs-Verhältnis gibt. Man wird auch nie erleben, dass ein Hotel nur für Einheimische zugelassen ist: viel eher ist es so, dass man in den marokkanischen Herbergen, Fernfahrerabsteigen etc. freundlicher aufgenommen wird als in Touristenhotels. Zwischen dem Stadion Inbiaâte und dem öffentlichen Park Jardin Olhao befinden sich etwa 10 preisgünstige Hotels, von denen ich dann halt im „Excelsior“ landete: einfache, sehr kleine Zimmer mit zwei Betten und einem Tisch gruppieren sich um einen Innenhof herum, Klo und Dusche auf dem Gang. Ich bekam, ohne danach gefragt zu haben, da mir die 80 Dirham (7,50€) schon sehr niedrig vorkamen, nur weil ich alles auf Arabisch abmachte, 10 Dirham Rabatt. Also so preisgünstig habe ich glaube ich noch nie in einem Hotel übernachtet…  
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * Nach dem Auschecken fuhr ich zur einzigen historischen Sehenswürdigkeit Agadirs hoch: der Festung. Die Ruinen mit ihren stattlichen Mauern aber kahlen Innenbereich bieten einen prima Blick auf die Betonwüste von Stadt. Allerdings nicht am Morgen, dann da blickt man in die Sonne… Und belagert wird die Festung auch andauernd, nämlich von dümmlichen Händlern.

Ich hatte die Amateuransetzungen durchgesehen und war gleich auf den Verein aus der benachbarten Landgemeinde Laqliyaa (El Kolea, zu Deutsch: Kleine Burg) gestoßen. Die haben eine tolle Facebookseite auf der sie auch mit ihrer durchgeknallten Fanszene prahlen. Als ich gegen 11 Uhr die staubige Straße zwischen den halbfertigen Häusern aufs Stadion zufuhr, pogten schon Hunderte auf der Hintertortribüne! Als ich das Stadion, ein regelmäßiger einfacher kleiner Betonbau mit Ausbau auf allen vier Seiten um einen kleinen sandigen Lehmplatz, zum Anstoß betrat, ging es stimmungsmäßig richtig los: unter den Stoffbannern in den Vereinsfarben wurde gehüpft, getrommelt, Fahnen geschwungen und gesungen.
Zur Erinnerung: es handelte sich hier um ein Spiel der fünften Liga, also so was wie die Kreisoberliga Saalekreis, wo Sportring Mücheln und Merseburg 99 II gegeneinander spielen und 100 Zuschauer als ordentlichen Besuch bezeichnen würden. Doch in Laqliyaa ist ein ordentlicher Besuch nicht weniger als 1.000 Zuschauer!

Das Spiel war nur mittelmäßig und der Gast, der Tabellenführer aus dem 70km entfernten Taroudant (Ittihad Chabab ist dort auch nur Club zwei oder drei von fünfen), ging erwartungsgemäß nach einem Abstimmungsfehler in der Abwehr in Führung. Die Gästefans feierten, doch hatten schon 15 Minuten später nicht mehr viel zu lachen: eine Kopfballabwehr wurde vom mäßigen Schiedsrichtergespann als Handspiel im Strafraum gewertet und der unberechtigte Elfer unter die Latte gezimmert. Die Gästefans traten vor den Zaun und die Spieler diskutierten lautstark mit dem Schiri. Der pfiff zur Pause und auf dem Weg in die Kabinen, die sich unter der kleinen überdachten Ehrentribüne befinden, machte sich ein Gästeakteur unbeliebt da er ohne dafür bestraft zu werden mit einem Stuhl das Fenster der Gästekabine zertrümmerte. Der Dreier wollte ihm deswegen aufs Maul hauen, fuchtelte mit einer Absperrstange herum und legte dem Gästespieler Geschlechtsverkehr mit dessen Mutter nahe (hwi mouk)… Der Unparteiische zeigte ihm daraufhin die Rote Karte, was mehrere Zuschauer zu einem Platzsturm animierte. Während einige den Schiri aufforderten wenigstens auch den Vandalen im Taroudant-Trikot Rot zu zeigen, nutzten andere die Aufregung um den Gäste-Ultras die Zaunfahne zu klauen. Zwei kamen hinterher was zu einer Schlägerei führte, die die Ordner – Leibchen von der Stadtverwaltung bzw. Jogginganzug, dazu Holzknüppel bzw. ein Campingstuhl – schnell auflösten. Die Zaunfahne wurde schließlich auf der Wechselbank von Taroudant verwahrt.

Mit 10 gegen 11 spielte Laqliyaa bald besser als mit voller Mannschaftsstärke. In einem nun völlig ausgeglichenen Match gelang es nicht nur das Ergebnis zu halten, sondern dem bis dahin ungeschlagenen Ittihad Chabab Taroudant die erste Niederlage zuzufügen: in der 84. wurde ein Kicker in Rot-Weiß herrlich freigespielt im Strafraum, was er mit einem Kopfball gegen die Laufrichtung des Keepers in den Kasten umzusetzen wusste.

In der Zwischenzeit hatte es übrigens eine unglaubliche Pyroshow gegeben: die 400 jugendlichen Ultras hatten 20 Minuten lang Rauchbomben gezündet was das Zeug hielt. Das Spiel wurde nie angehalten! Auch im Gästeblock, der nach einem versuchten Blocksturm auf die Hauptseite verlegt wurde, und auf der Hauptseite wurde gekokelt. Nach dem Tor qualmte es wieder kräftig und die Gesänge wurden noch mal lauter. Außerdem löste ein aufs Feld gelaufener Zuschauer eine Schlägerei aus, da er von den Ordnern und der Polizeistreife grob angepackt wurde, was mehrere Jugendliche und sogar Spieler der Heimelf auf den Plan rief, die recht aggressiv gegenüber den Sicherheitskräften wurden…

Nach dem Abpfiff rannten die rot-weißen Sieger von Laqliyaa jubelnd vor die Kurve, die kurz darauf fast geschlossen das sandige Feld stürmte. Auf meine Frage hin, ob es hier immer so zugehe, meinte der ältere Fan neben mir: „ja, ja… immer! Das ist unsere Krawalljugend hier in El Kolea: Rauch, Schlägereien und aufs Feld rennen!“
Also wirklich unglaublich was da abgeht: Laqliyaa ist der Insidertipp schlechthin in der Ecke! In der zweiten Liga bei USM Ait Melloul, einer anderen mit Agadir verwachsenen Kleinstadt, waren nicht mehr Zuschauer und darunter auch noch mehr Gästefans als in El Kolea. Das Stadion ist sehr verbaut in einem Industriegebiet gelegen und nur auf zwei Seiten ausgebaut. Die Hintertortribüne ist höher als die Hauptseite und von Fangnetzen zugehängt. Hier halten sich die heimischen Ultras auf. Die Haupttribüne ist durch Zäune ziemlich zugebaut und ebenso überdacht. Hier ist aber alles flacher und auch die Ehrentribüne mit Holzbänken in Vereinsfarben ist nicht wirklich luxuriös.

Die Heimfans gingen gut ab: einige Musikanten mit Tröten und Trommeln, außerdem gut 150 Ultras mit den üblichen rhythmischen Gesängen. Eindrucksvoller aber noch die Gäste aus Meknés: 9 Stunden Bus- und Transporterfahrt, 150 Leute und dann melodiöses Dauergesinge für die Mannschaft, die lange nicht gut spielte!

Ait Melloul ging überraschend in Führung und bestimmte dann bis zur Pause das Spiel. Nach der Pause war Meknes wieder mehr am Drücker, doch die Chancen wurden oft kläglich vergeben. Erst in der Schlussphase landete ein Kopfball hoch im Eck – die darauffolgende Tor-Pogo versetzte die Polizei ziemlich in Aufregung da eines ihrer sinnfreien Absperrgitter umgetreten wurde. In der Nachspielzeit (94.) gelang CODM der verdiente zweite Treffer nach einem Abstimmungsfehler in der Verteidigung von USMAM, doch eine Minute vor dem Ende, in der achten Minute der Nachspielzeit, glich Ait Melloul mit einem Flachschuss aus. Ein wirklich packendes Spiel, v.a. zum Ende hin!

Ich machte mich gleich auf und fuhr mit nur einer 45minütigen Essenspause in Bouznika die 750km bis Fès in nur knapp 7 Stunden zurück.
Fazit: zu wenig Sightseeing aufgrund der begrenzten Zeit, aber das östliche Umland von Agadir mit seinen Festungen und Oasenstädten im Rücken des Atlas werde ich noch zu einem anderen Zeitpunkt etwas besuchen können, und v.a. waren das echt geniale Spielbesuche an diesem Wochenende für zusammen nur 3,60€ Eintritt.

Wenn wir aber schon bei der Kohle sind, mal eine kleine Rechnung: ich habe an Benzin 190€ und für Maut 41€ ausgegeben. Das Hotel noch mal knapp 7€ und Essen fast doppelt so viel – das macht zusammen 250€. Damit ist das meine teuerste Hoppingtour des Marokkoaufenthaltes gewesen. Um das einordnen zu können, sei hier erwähnt, dass Fayza als Lebensmittelprüferin 280€ im Monat verdient. Und das ist immerhin ein durchschnittliches marokkanisches Monatsgehalt!

Nach dem Vergleich mit dem Durchschnittsgehalt versteht glaube ich jeder, warum von den Gästefans aus Meknes niemand mit dem eigenen Auto (oder auch mit teuren öffentlichen Verkehrsmitteln: hin und zurück per Bus und/ oder Zug = 45€ pro Person) runtergegurkt ist. Die sind v.a. in Lieferwagen gefahren: 3 auf den Kabinensitzen und 9 auf der Ladefläche, denn das rechnet sich schon anders; 55€ Maut (mehr als mein Auto, da Kategorie 2), ca. 195€ Diesel, macht pro Person 20€ + Essen und Eintritt, übernachtet wird ein, zwei Tage lang in eigenen Zelten und Decken am Strand und das nennen die Jungs (und paar Mädels die da mitgefahren sind) dann Neujahrsurlaub...

Unübertroffen in der Hinsicht ist aber die Story die ich von Tanger-Fans gehört habe, die mit dem Lieferwagen zu zehnt die 2.500km nach Laayoune in zwei Tagen auf der Landstraße runtergefahren sind, dort am berühmten Plage Laayoune kampiert und gebadet, zum Spiel und danach zwei Tage zurückgereist sind…
Auch nicht schlecht: der eine Kumpel von Hamza, der als Nicht-Mitglied mit einem Fanbus, dessen Fahrer er nur Geld für die Hinstrecke gezahlt hatte, zum Auswärtsspiel von Maghreb Fès nach Marrakesch ist, mit den anderen durch die Stadt gebummelt, das Sonntagabendspiel reingezogen und nach dem Abpfiff dann feststellen musste, dass die Kohle nicht mehr reichte um die Rückfahrt zuzahlen. Zumal schon ein anderer seinen Platz im Bus eingenommen hatte und alle anderen Fans per Bahn oder überfüllten Autos gekommen waren, hieß es per Anhalter zurück. Bis Mitternacht war er in Beni Mellal wo er in einem Park übernachtete, am nächsten Morgen schaffte er es mithilfe von LKW-Fahrern und Transporterfahrern bis zum Abend in Fès an der Südumfahrung zu stehen von wo aus er die 5km nach Hause lief. Da gab es erstmal Stress, da er ja die Schule geschwänzt hatte durch die gut 20stündige Rückreise…
Wie auch immer: man muss doch sehr staunen, wie gut Fußballfans in Marokko organisieren und umprovisieren können – wer in einer Fangruppe organisiert ist, ist keineswegs vermögender aber trotzdem viel mobiler als der Durchschnittsmarokkaner… Statistik:
- Grounds: 1.054 (insgesamt 4 neue; diese Saison: 83 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.963 (insgesamt 4, diese Saison: 107)
- Tageskilometer: 1.660 (Sa: 850km, So: 810km Auto)
- Saisonkilometer: 30.410 (29.370 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 21 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 387

Montag, 18. November 2013

W381I: Torloses Unentschieden bei den Islamisten

Wydad Athletic de Fès (نادي الوداد الرياضي الفاسي)
................................ 0:0 (0:0) ..............................
Chabab Rif Al-Hoceima (نادي شباب الريف الحسيمي)
- Datum: Freitag, 15. November 2013 – Anstoß: 19.00
- Wettbewerb: GNF Botola 1 [لبطولة الوطنية الاحترافية] (= 1. Marokkanische Liga; Profifußballiga)
- Ergebnis: 0-0 nach 97 Min. (47/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keine
- Verwarnungen: 14, 17, 20 (WAF); 4, 14 (CRH)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Complexe sportif de Fès [لفاس الرياضي المركب] (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 450 (darunter ca. 35 Gäste-Fans)
- Unterhaltungswert: 2,0/10 (Zwei scheiß Vereine lieferten eine scheiß Leistung ab) البطولة المغربية - وداد الفاسي و الشباب الريف الحسيمي Photos with English and Arabic Commentary:
Wydad Athletic Fès v Chabab Rif Hoceima (Moroccan Professional League)

Video on MyVideo.De:
Supporters’ Songs and Islamists’ Chants during Wydad v Chabab Rif

Mit meiner Gastfamilie Nachrichten zu gucken gehört seit Beginn des Aufenthaltes zum Standard – das schult ja auch die Sprachkenntnisse und führt oft zu interessanten Unterhaltungen. Anfang der Woche war es besonders interessant, denn in den Sportnachrichten ging es u.a. um das Trainerchaos bei Maghreb Fès: Rössli ist schon der neue Trainer, aber Skitioui darf nun doch bleiben, da das die Spieler so verlangt haben und daher macht Rössli eigentlich nur den Co. Und wie auch immer; alle wollen Banani, den Präsidenten der wohl so dämlich ist wie sein Nachname, weg haben, da er den Verein nicht mehr führen kann. Überall in der Stadt sind Graffitis „Inqadhu Maghreb al-Fasy“ (Rettet Maghreb Fès) und „Irhal Banani“ (Banani raus)angebracht worden in den letzten Tagen. Das Hauptproblem des Clubs: die Spielergehälter wurden seit fünf Monaten nicht mehr vollständig gezahlt, nur der Trainerstab kassiert normal, es gibt Streit mit Sponsoren und mit den Fans so wie so.

Ums Geld ging es dann auch im Gespräch mit Khadija und Zakariya. Viele Araber sind ja sehr offen im Umgang mit diesem Gesprächsthema, aber in der Gastfamilie wird wohl aufgrund ihrer Erfahrung mit Ausländern etwas zurückhaltender über Geld geredet. Nur Zakariya fing laut an zu erzählen, denn er ist jetzt ganz stolz, dass er einen dreistelligen Dirham-Betrag pro Woche verdient. Er hat mit seinen 14 Jahren die Schule geschmissen und den Verkäuferjob im Großmarkt in der Neustadt angenommen, den ein Kumpel zugunsten einer anderen Stelle aufgegeben hatte. Malika fand das unmöglich – „Mit 14 die Schule abbrechen? Der Junge hat doch keine Zukunft! Der wird wie mein Neffe sein bisschen Geld für Kaffeehausbesuche und Zigaretten ausgeben…“

Als Ende der Woche noch mal das Thema aufkam, wartete Khadija ehe die fleißig lernende Rita aus dem Raum war, und meinte dann merklich leiser zu mir: „Weißt du, eigentlich finde ich es ja nicht schön, dass Zaki die Schule geschmissen hat. Aber er verdient Geld. Nicht viel, aber er kann jetzt ein Konto eröffnen und er lernt bei dem Verkäuferjob auch etwas für später. Das Schlimme ist nämlich, dass man hier in Marokko oft jahrelang zur Schule und zur Uni geht, die Prüfungen besteht, die Zeugnisse sammelt und dann doch in der Arbeitslosigkeit landet oder Berufe weit unter seinem Niveau ausübt. Du kennst doch Amin? Der ist studierter Pharmazeut und arbeitet seit kurz nach seinem Studienabschluss in der Stadtbibliothek! Und du hast doch gestern wieder so lange mit Fayza gechattet? Sie hat dir doch bestimmt gesagt, dass ihre Bewerbung in Meknes abgelehnt wurde. Jetzt hat sie den Master und schon parallel zum MA-Studium nach BA-Abschluss hat sie drei Jahre lang einen Job in ihrem Ingenieursbereich gesucht – vergeblich. Und jetzt sieht es auch nicht besser aus! Oh Herr (Ya Rabb)… Ich weiß manchmal echt nicht, warum ich Rita zum Lernen dränge… vielleicht weil sie es, wenn sie mal in 10 Jahren ein Studium anfängt, so Gott will, einfacher hat und es dann mehr Möglichkeiten gibt, in dem mühsam erlernten Berufsfeld zu arbeiten. Aber Gott weiß es am besten, was die Zukunft bringt – wir können nur hoffen, dass sich die wirtschaftliche und Bildungs-Lage verbessert…“

Also nicht, dass es solche Probleme in Deutschland nicht auch (in weitaus schwächerer Form allerdings) gäbe, aber dass die einheimischen Firmen zum Beispiel nur 10% der Ingenieurswesen-Absolventen übernehmen, so wie das in Marokko der Fall ist - und so selbst die Hälfte der im Ausland studierten marokkanischen Ingenieure nicht ihren gelernten Beruf ausüben können - ist bei uns nun wirklich nicht der Fall.

Der Oberknaller war dann allerdings am Montag, als ihm der Chef auf die Schliche gekommen ist, dass er falsche Angaben zu Alter und Schulausbildung gemacht hat: „du beendest die Schule [vorgesehen mit 16] sonst gibt’s was auf de Goschn!“ Und schon war das Thema Job erledigt und Zakariya am Dienstag wieder in der Schule… البطولة المغربية - وداد الفاسي و الشباب الريف الحسيمي Zurück zum Freitag: dort ging es zum anderen von Finanzproblemen gebeutelten Verein aus Fès. Wydad ist der kleinere Club, der eher die bürgerlichen Schichten anlockt, aber auch da klemmt es bei den Finanzen. Letzte Saison hätten sie ja fast zurückziehen müssen, wenn nicht ein weiterer Sponsor eingesprungen wäre und diese Saison sind mehrere Spieler aus Finanzgründen gegangen und mit dem schwachen Kader mit vielen unerfahrenen Jugendspielern steht WAF auf dem letzten Platz mit nur 2 Punkten aus 8 Spielen.

Für 30 Dirham holte ich mir eine Karte für die Pelouse: im Kassenhäuschen ging das Licht nicht, sodass der Kassenwart eine Kerze auf dem Tisch stehen hatte. Das Stadion war gähnend leer. Irgendwie war der Gästeblock heute auf der Mitte der Gegentribüne und zuerst ging die Stimmung auch nur von den Kabylen aus. Neben mir setzte sich ein sehr freundlicher junger Mann namens Mohcen, der sich auch nur auf Arabisch mit mir unterhielt. Wir wechselten dann nach einer halben Stunde, da die Ultras von WAF in die Hintertorkurve unter der Anzeigetafel stürmten, in diesen Sektor, denn Mohcen ist WAF-Fan und hatte nur den falschen Eingang genommen. Das Wechseln hatte den Vorteil, dass ich nun im Stadion einmal rum bin und in jedem Sektor gesessen habe… Und außerdem konnte ich dann aus nächster Nähe erfahren, was bei WAF für Typen unterwegs sind.

Im WAF-Block angekommen wurde ein Banner hochgehalten: „WAF li-r-ridjâl faqat“ (WAF nur für Männer) – erst als mir wieder einfiel, dass marokkanische Vereine Fördergelder bekommen, wenn sie Frauensport unter ihrem Dach fördern, wusste ich wieder, dass das auf die Pläne der Vereinsführung, wie Maghreb und Wyfaq Fès halt auch, eine Frauenfußballmannschaft aufzubauen, abzielt. Mohcen ist wie die Vereinsführung moderat islamistisch oder einfach religiös konservativ. Aber unter den Ultras sind, obwohl sie durchweg westlich gekleidet und teilweise „unislamisch“ gestylt sind, einige Hardliner und unter den Normalos auch. Also dass das Glaubensbekenntnis durchs Stadion hallt oder Allahu Akbar gerufen wird ist ja gar kein Problem, aber Forderungen nach einem islamischen Staat und Parolen gegen Israel (Judenstaat) müssen nun wirklich nicht sein. Wie Khadija schon richtig meinte, als ich ihr vom Spiel erzählte: „Darf doch nicht wahr sein, so was! Das ist doch kein politischer Debattierklub so ein Stadion – die sollen die Mannschaft anfeuern!“

Das Spiel war sehr dürftig: beide Mannschaft versuchten alles aber konnten nichts. Torchancen wurde kläglich vergeben, Abspielfehler, technische Unsicherheiten, billige Fouls – dass die beiden da erste Liga sind, ist eine Schande! Hoffentlich steigen die beide ab, denn die anderen Abstiegskandidaten sind allesamt besser als die zwei Scheißmannschaften!

Bei der Rückfahrt stellte ich durch den Rückenwind einen neuen Zeitrekord auf: 28 Minuten vom Stadion zur Wohnungstür mit dem Fahrrad…
Dort angekommen war der Besuch aus den USA schon da und neben ihren Reiseberichten sorgten auch meine Erzählungen vom Spiel für gute Unterhaltung. Die größten Lacher erntete aber Rita: als Hamza mir eine grammatikalisch völlig verquere Frage zu meinen Reiseplänen stellte („ila aina mal’ab turid safarta ghada?“), meinte Fayza zu mir: „Mein Gott, soll das Fusha sein?! Hast du ihn verstanden? Weißt du was er falsch gemacht hat?“ Ich schaffte es in der Tat den Satz richtig zu formulieren (ila ayya mal’ab turîdu an tusâfira ghadan?) und während mich Fayza lobte und meinte „Super! Du kannst wirklich schon richtig gut Arabisch“, fing Rita an Hamza auszulachen und meinte: „Hamza, du Depp! Er ist Deutscher und kann besseres Arabisch als du als Marokkaner…“ البطولة المغربية - وداد الفاسي و الشباب الريف الحسيمي Statistik:
- Grounds: 1.033 (kein neuer; diese Saison: 62 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.938 (heute 1, diese Saison: 82)
- Tageskilometer: 40 (40km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 22.410 (21.370 Auto/ 990 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0 [letzte Serie: 8, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 381

Dienstag, 15. Oktober 2013

W376II: Zu sechst im Dacia nach Marrakesch und Außenseitersieg in der 89. Minute

Raja Beni Mellal 1956
--- (نادي رجاء بني ملال) ---
............... 1:0 ................
Wydad Athletic de Fès
---- (نادي الوداد الفاسي) ---
- Datum: Samstag, 12. Oktober 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Coupe du Trône [كأس العرش] (Pokal des Thrones; Viertelfinale des Pokals des marokkanischen Fußballverbandes, GNF Botola 2 = 2. Marokkanische Liga/ Halbprofiliga gegen GNF Botola 1 = 1. Marokkanische Liga/ Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 99 Min. (47/52) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 1-0 89. Djawad Aziz
- Verwarnungen: al-Mudghary (RBM); Brikal, Akhmis (WAF)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal de Beni Mellal [ملعب البلدي ببني ملال] (Kap. 8.000, davon 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 6.000 (darunter ca. 80 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ausgesprochen spannendes, aber qualitativ nicht sonderlich hochwertiges Spiel) رجاء بني ملال و وداد الفاسي -ربع النهائي الكاس العرش في الملعب البلدي ببني ملال Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Football Cup Quarterfinals: Raja Beni Mellal eliminate Wydad Fès
b) Central Atlas Region: Beni Mellal, Oued Oum

In arabischen Ländern erörtert man oft auch mit flüchtigen Bekannten relativ persönliche Sachen und mit besseren Bekannten, wie seinen Lehrern im Institut, natürlich noch viel mehr. Man erzählt hat auch immer was von der Familie und Freunden und natürlich auch was man am letzten Wochenende gemacht hat und am nächsten (inshallah, wie hier meist angefügt wird) vorhat. Als ich Beni Mellal, Marrakech und Safi erwähnte, war der aus Agadir stammende Lehrer Abdelhadi gleich begeistert. Der Deal: ich bringe ihn und seine Familie (Mutter, Ehefrau, zwei Kleinkinder) Samstag mit dem Auto nach Marrakesch zu Freuden, übernachte dann dort kostenlos mit ihnen und bekomme gratis Essen.

Treffpunkt 8.30 vorm McDonalds am Sahat l-Muqawama. Ein korrekter Lehrer wie Abdelhadi steht natürlich schon 10 Minuten vorher da – also von wegen die Araber könnten keine Zeiten einhalten… Gut, eigentlich ist er Berber, aber egal... Seine Mutter und seine Ehefrau waren übrigens – entgegen der Behauptungen die ich oft gehört habe, Berber seien (auch äußerlich) weniger streng islamisch und wie alle Berberinnen die ich hier bisher kennengelernt habe – sehr konservativ gekleidet mit langen, farbigen Gewändern und Kopftuch. Gegrüßt wird mit Handgeste zur eigenen Brust, nicht etwa Handschlag mit der Gegenüber. Jedenfalls wurde das Auto hinten mit Taschen vollgeladen und die Frauen gingen mit den beiden drei- bzw. fünfjährigen Kindern auf dem Schoß auf die Rückbank, von wo aus sie ziemlich wenig zu mir und dem auf dem Beifahrersitz erzählenden und Fahrtrichtung anzeigenden Abdelhadi sagten. Das lag weniger an der konservativen Einstellung, sondern viel mehr daran, dass ich mich mit Abdelhadi nur Hocharabisch unterhielt, was sie zwar verstehen, aber nicht richtig sprechen…

Nach vier Stunden Fahrt machten wir mal eine Pause an einem Stausee, der recht spektakulär in der schönen Gebirgslandschaft des mittleren Atlas liegt, nach dem Nationalisten El Hansali benannt ist und vom Oued Oum gespeist wird. Eine weitere Stunde dauerte es, ehe wir Beni Mellal erreichten. Der größtenteils von Berbern bewohnte Ort („Söhne des Weisen“) ist eigentlich völlig monoton von Neubauten durchzogen, aber am Rande recht sehenswert: fährt man den Berg hoch, findet man am Stadtrand einen schön angelegten Park der von kanalisierten Bächen durchflossen ist, die von einer landesweit bekannten Quelle (Ain Azzerdoun) gespeist werden. Oberhalb der Anlage thront die rekonstruierte Kasbah, die wir auch noch besichtigten. Nur der Kernbereich wurde wieder aufgebaut und ist absolut quadratisch und weitestgehend symmetrisch. Der Blick von oben auf den von Gärten umgebenen Ort ist prima. قصبة بني ملال Mit zwei Kindern unterwegs zu sein, bedeutet natürlich dass man ziemlich bummeln muss. Mit Mutter und Ehefrau, die keinen Bock auf Fußball haben zu verreisen ist noch schlimmer… Abdelhadi konnte mich also nicht begleiten, da die anderen nicht ins Stadion aber auch nicht allein durch die Innenstadt bummeln wollten. Also holte ich nur für mich die 20 Dirham (1,80€) Tickets (die für alle Plätze außer die überdachte Haupttribüne gelten) am Schalter geholt, in die Schlange gestellt, etwas an der berittenen Polizei vorbeigedrängelt, an der kleinen Schlägerei vorbei geschoben und genau zum Anstoß durch das im Stile der Windtürme der mittelalterlichen Burgen (Kasbah) gebaute Eingangstor gequetscht. Rechts vom rechten Windturm befindet sich die Gegentribüne mit ihren Stehstufen, die direkt in die Hintertorkurve übergeht. Links vom linken Windturm befindet sich eine weitere, etwas kleinere Kurve die von den Heimfans (Ultras „Star Boys“) belegt wird. Die Haupttribüne ist in zwei unüberdachte Teile (der von den Türmen aus rechte Teil ist für die Gästefans) und einen überdachten Teil mit grünen Schalensitzen getrennt.

Die wenigen Gästefans waren nie zu hören, aber die Heimkurve ging gut ab. Selten so viele Mädchen und Frauen wie hier bei Raja in einem marokkanischen Stadion gesehen – und selbst die pogten hier in der Ultra-Kurve mit. Die Lieder stimmten allerdings die Jungen und jungen Männer an. Die grünen Rauchbomben zündeten natürlich auch nur die Kerle. Die Gegen- und Haupttribüne ging bei jeder Szene mit, sprang teilweise kollektiv und wild gestikulierend auf.

Das Spiel war eher mittelmäßig. Wydad kickte nach dem Motto „1. Liga – keiner weiß warum“ – Beni Mellal hatte die deutlich besseren und zahlreicheren Torchancen. Die nach Raja Casablanca benannten Gastgeber versäumten es aber immer zu treffen, was auch am guten WAF-Torwart lag. Der RBM-Keeper hielt aber auch mehrfach gut und sehenswert den Kasten sauber. Ich fürchtete schon, Abdelhadi anrufen zu müssen und überlegte, was „Verlängerung“ auf Arabisch heißt, doch dann gab es Freistoß knapp 18m vorm Kasten von Wydad. Ich fürchtete einen Schuss in die Mauer, da sich zwei Spieler ewig den Ball hin und her legten. Doch dann zirkelt die Nummer 10, Aziz, den Ball genau über die Köpfe der Abwehrmauer direkt oben ins kurze Eck! Eins zu Null für den Außenseiter in der neunundachtzigsten Minute!!! Die sieben Minuten Nachspielzeit wurden dann souverän vom Zweitligisten heruntergespielt, was zu stehenden Ovationen führte.

Noch ein Sandwich gegriffen (noch nie so gutes Catering in Marokko gesehen wie bei RBM: Sandwiches, Baguettes, sechs verschiedene Arten von Süßigkeiten, Wasser, Kaffee, Tee – und natürlich nicht wie in Deutschland an Fressbuden sondern auf Tabletts von privaten Bäckern/ Ladenbesitzern etc. durchs Stadion getragen und zu Centbeträgen leicht über den Ladenpreisen verkauft) und ich verließ auch das Stadion. Der Weg nach Marrakesch dauerte noch mal drei Stunden, da wir uns mangels Beschilderung etwas verfuhren. Das waren nur 10km mehr, aber 40 Minuten Zeitverlust durch schlechte Nebenstraßen. Immerhin konnte ich dort die Familie mit meiner Fahrweise beeindrucken: „Du fährst ja selbst durch Suqs [Märkte] und auf den halb-asphaltierten Landstraßen sicher wie ein Marokkaner…“

Bei Abderrahmane (einem Freund von Abdelhadi) angekommen, konnte ich dann mal eine Junggesellen-Arbeiterbude von innen sehen: ordentlicher Mehrfamilienbau aber total kahle Zimmer mit kaum einem Möbelstück sondern nur Teppichen und Kissen (auf einem Lager von Teppichen und Kissen wurde auch geschlafen) und v.a. ein leerer Kühlschrank. Wir gingen dann alle, ehe Abderrahmane zur Nachtschicht in der Molkerei/ Käserei musste, in einem kleinen Restaurant essen wo keines der Gerichte mehr als 2,50€ kostete. Besonders sauber war es dort nicht und viele Europäer hätte es gestört, dass Abdelhadi zig Sachen orderte, damit sich alle mit allen das Essen teilen – es wird einfach mit der bloßen Hand oder einem Stück Brot auf den Tellern rumgefuchtelt – aber mich stört hier gar nichts und schockieren tut mich erst recht nichts. Höchstens wundern, zum Beispiel dass ich hier niemals Magenprobleme, nicht mal vom Leitungswasser, bekomme… رجاء بني ملال و وداد الفاسي -ربع النهائي الكاس العرش في الملعب البلدي ببني ملال Statistik:
- Grounds: 1.025 (1 neuer; diese Saison: 54 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.923 (heute 1, diese Saison: 67)
- Tageskilometer: 470 (470km Auto)
- Saisonkilometer: 17.350 (16.230 Auto/ 870 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 8 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 376

Sonntag, 6. Oktober 2013

W375II: Der andere Kunstrasen im Saadier-Stadion, überraschende Klatsche für CODM und immer Ärger mit den Bullen und der Kasbah Nesrani

Club Omnisport De Meknès
---- (النادي الرياضي المكناسي) -----
...................... 1:5 ....................
--- Chabab Atlas Khénifra --
---- (نادي شباب أطلس خنيفرة) -----
- Datum: Samstag, 5. Oktober 2013 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 1-5 nach 99 Min. (46/53) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 20. (25?), 0-2 45. (5), 1-2 58. (11, Foulelfmeter), 1-3 85. (30), 1-4 87. (7, Foulelfmeter), 1-5 96. (?)
- Verwarnungen: mindestens Nr. 9, 25, 40 ETW, 93 (alle CODM)
- Platzverweise: Nr. 1 TW von CODM (86. Notbremse)
- Spielort: Stade de Honneur [الملعب الشرفي لمدينة مكناس] (Kap. 12.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.500 (davon ca. 400 Gäste)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Tolle zweite Halbzeit von Chabab Atlas, nachdem die erste Hälfte mehr von der Atmosphäre lebte)

Wydad Athletic de Fès (Espoirs)
------ (نادي الوداد الرياضي الفاسي) ------
.......................... 0:2.........................
Olympique Club de Safi (Espoirs)
---------- (نادي أولمبيك أسفي) -----------
- Datum: Samstag, 5. Oktober 2013 – Anstoß: 11.00
- Wettbewerb: Elite 1 Espoirs (1. U23-Liga Marokkos)
- Ergebnis: 0-2 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0-2
- Tore: 0-1 30. (10), 0-2 45. (5)
- Verwarnungen: Nr. 6, 13 (beide OCS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Terrain Saadienne, El Mernissi, WAF [ملعب المرنسي - السعديين الرياضي المركب] (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 2 Gäste)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz ordentliches Spiel) الملعب الشرفي لمدينة مكناس Photos with English and Arabic Commentary:
a) Moroccan Under-23 League: Wydad Fès v Olympique de Safi
b) Moroccan Second Level (Botola 2): Olympique de Meknès v Chabab Atlas Khenifra
c) Meknès Region: Jabal Zerhoun Landscape

Der Samstag begann wie der letzte auch, nämlich mit einem U23 Spiel auf einem Kunstrasenplatz im Saadienne-Komplex, der nach der Dynastie der Saadier benannt ist und dementsprechend auch die Mauern des gegenüberliegenden Königspalastes kopiert. Jim erzählte mir noch die Anekdote zu der Bauruine am Golfplatz hinter dem Saadienne: „Der Sportkomplex von Fes, wo Maghreb Fes jetzt u.a. spielt, sollte eigentlich vor 10 Jahren dort hinterm Golfplatz hochgezogen werden, da innenstadtnah. Aber der König wollte nicht, dass man von der Tribüne in den Garten von seinem Palast gucken kann. Zum einen wegen Privatsphäre, zum anderen wegen Anschlagsgefahr…“

Von der Tribüne des Kunstrasens „El Mernessi/ Wydad Athletic Fès“ kann man aber nicht mal über die auf mittelalterlich gemachte Stadionmauer gucken. Mit Müh und Not schaut man über den grünen Zaun aufs Spielfeld. Ein freundlicher Alter WAF-Mitarbeiter brachte mir mit der Bemerkung „Kursi maroccaine, sahibi“ (ein marokkanischer Stuhl, mein Kumpel) einige große Pflastersteine mit Zeitung drüber zum Sitzen… Eigentlich hätte er „kursi maghrebi“ sagen müssen, aber die Leute sprachen hier meist ein französisch-arabisch Kreol. Der U19-Spieler mit dem ich mich eine Weile unterhielt, schoss den Vogel mit seiner Frage ob ich ein gutes Leben in Deutschland habe, ab: „la vie dyälak mizyan fy germany?“ Klingt so bescheuert wie in Deutsch: „Dein Life in Allemagne ist toll, wa?“

Die U23-Liga wird als „Elite 1 Espoirs“ bezeichnet, wobei Espoirs die Kurzform von „Jeunesse Espoirs“ ist, was „Junge Hoffnungen“ (gemeint sind „Nachwuchstalente“) bedeutet. Vor allem der Gast aus Safi (Asfi am Atlantik südlich von Casablanca) hat einige gute Talente, die vor der Pause zwei Mal die Abwehr von Wydad Fès austanzten. Die Fans von Wydad sind oft der Oberschicht zuzuordnen, doch bei der Espoir hingen auch die einfachen Leute herum, da die Fußballschule für einige ein Sprungbrett ins bessere Sportlerleben ist und mit 1.500 Dirham (140€) pro Jahr auch für die untere Mittelschicht erschwinglich ist. So war es typisch, dass einige in Arbeitsklamotten ihren Nachwuchs in der Form unterstützten, dass sie den Gegner dummmachten. Schon letzten Samstag im Saadienne gab es hinter noch gute Pöbeleien – und dem siegreichen Gast, der in den letzten 20 Minuten hinten reingedrängt wurde aber stark verteidigte, wollte man doch noch eins mitgeben, nachdem die Partie so ausgesprochen fair geführt wurde von den jungen Akteuren… ملعب السعديين او المرنسي في فاس Weiter ging es nach Meknès, von Königsstadt zu Königsstadt also. Wobei mir Meknès eh überschätzt vorkam und nach dem zweiten Besuch bin ich noch negativer gegenüber Meknès eingestellt. Am Stadion gab es als einzige Verpflegungsmöglichkeit einen Carrefour, in dem die angestellten von nichts ne Ahnung hatten (einer der Kunden wurde auch etwas laut gegenüber dem dämlichen jungen Verkäufer), aber wenigstens konnte man davor kostenlos parken. Die Offiziellen von CODM hatten nur eine einzige Kassenreihe geöffnet, was für die Gästefans blöd war. Noch blöder als die Anmache beim Kartenkaufen war aber der Punkt, dass sie beschissen wurden: die drei Kategorien sind schon eine Frechheit: als Erstligaabsteiger nimmt man sich bei CODM raus, Karten zu je 20, 40 bzw. 50 Dirham zu verkaufen – und die Gäste, die als solche erkennbar waren, wurden auf die 40Dh (3,80€) Plätze geschickt. Ich bestand auf Pelouse für 1,90€ und saß dann neben einem neutral wirkenden jungen Mann, der mir irgendwann mal sagte, dass er aus Khenifra ist und nur nicht doppelt so viel zahlen wollte wie für ein Heimspiel seiner Atlasjugend (Chabab Atlas)… Er war im Übrigen der einzige wirkliche freundliche im Stadion der sich für den ausländischen Groundhopper interessierte. Ich wurde auch erstmals von der Polizei kontrolliert, die sich wenigstens halbwegs höflich verhielt, aber ziemlich asozial gegenüber den normalen Fans: Getränke wurden konfisziert und diese dann hinter der Tribüne konsumiert. Da im Stadion Limettenbäume wachsen, pflückten einige daraufhin Früchte zur Erfrischung…

Wenigstens ist das Stadion der Stadthonoratioren ein sehr sehenswerter Bau mit Steinbänken die in neun Reihen rundherum laufen und auf der Haupttribüne, die in der Mitte ein Dach hat und auch Logen, bis zu 30 Reihen zählen. Die altmodische Anzeigetafel funktioniert nicht mehr, die Sprecheranlage ebenso wenig. Dafür funktioniert der Support der Fans, vor allem jener der Ultras hinter dem Tor vor den Plattenbauten. Guter Gesang, Hüpf- und Klatscheinlagen. Pyro gab es nur im Gästeblock, der auf deutlich über 300 anschwoll und nach und nach ebenbürtig in der Stimmung wurde. Interessant war auch, dass dort die Kabylenflagge gehisst wurde aber keine Lieder auf Tamazight gegrölt wurden. Die Stimmung zwischen den Fangruppen war übrigens recht freundschaftlich und v.a. bei „ACAB“ waren sich alle einig… Schon toll, wenn da ein 10jähriger quer übers Feld rennt und erfolgreich vor der Polizei auf die Capo-Plattform zum erstaunlich alten Ultra-Boss flieht und ein anderer 10jähriger mit einem „ACAB“-Tshirt jubelnd rumgrölt - haben bestimmt echt vorbildliche Eltern, wobei die wenigsten der marokkanischen Polizisten diesen dummen Spruch ACAB verstehen werden… Derzeit ist übrigens eine gewisse Offensive gegen die Polizei im Land im Rollen, da sich die Kollegen in Nador mal wieder einen Skandal erlaubt haben, der so von vielen (vor allem von vielen jungen Leuten) nicht hingenommen wird und nur zu gut beweist, dass die marokkanische Polizei das große Problem hat, dass dort zu viele ungebildete Vollidioten mit nur vier Jahren Schulbildung arbeiten.

Zum Spiel muss man sagen, dass es erst gut wurde, als alle Gästefans im Block angekommen waren, was gleich mit dem 0:1 – einem Flachschuss von der Strafraumgrenze – belohnt wurde. Kurz vor der Pause schien die immer besser werdende Partie mit dem 0:2 entschieden, doch ein Foulelfmeter nach dem Seitenwechsel schien sie noch mal offen zu gestalten. Als in der 85. – nach einer guten und schnellen zweiten Hälfte – das gut heraus gespielte 1:3 fiel, verging nur eine Minute bis der Meknes-Keeper nach einer Notbremse vom Feld musste. Dann wurde es hektisch und Chabab Atlas führte die Heimelf vor. Ein Elfmeter der vom Feldspieler, der nun als Ersatztorhüter fungieren musste, verursacht wurde, saß zum 1:4. In der ewig langen Nachspielzeit liefen dann nicht nur mehrere junge Rowdys aufs Feld, sondern schoss Khenifra noch das 1:5.

Nach Spielschluss waren es dann übrigens größtenteils die Ultras von CODM, die die Gastmannschaft mit Applaus bedachten. Die mit den teureren Karten gingen schweigend nach Hause. Außer natürlich der Gästefanblock, der nun richtig gut feierte… جماهير نادي مكناس Nach Spielschluss bekam ich dann auch noch Ärger mit der Polizei, da ich einem rasenden Lieferwagenfahrer hinterhergefahren bin, der mit 80 im 60er-Bereich bei Oued Jdid unterwegs war. Ein bisschen auf Arabisch diskutiert, sehr freundlich behandelt worden und für meine Arabischkenntnisse und Interessen gelobt, aber trotzdem zu 500 Dh. (47€) wie der Typ mit dem Lieferwagen auch, der natürlich sehr herablassend angeschnauzt wurde, verdonnert worden. Natürlich waren die superkorrekten Klugscheißer, die mir sogar die komplett ausgefüllte Quittung mitgaben, von der Direktion in Meknes. Zwei von der Direktion Ouarzarzate haben mir mal 700 Dh. einfach so erlassen und mich handschläglich verabschiedet, nachdem ich mich auf Arabisch herausgeredet habe…

Danach versuchte ich zum mittlerweile zweiten Mal diese verdammte Festung Kasbah Nesrani (der Name bedeutet „Christenburg“, da sie wohl von den Portugiesen erbaut wurde) im Zerhoun Gebirge zu finden. Aber die Straße bei Oulad Slim war gesperrt. Ich guckte noch kurz bei dem Dorffest zu, wo es eine Hengstparade gab, und fuhr dann nach Fès zurück. طبيعة قريب من مكناس Statistik:
- Grounds: 1.022 (2 neue; diese Saison: 51 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.920 (heute 2, diese Saison: 64)
- Tageskilometer: 160 (160km Auto)
- Saisonkilometer: 16.380 (15.330 Auto/ 820 Fahrrad/ / 40 Schiff, Fähre/10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 6 [letzte Serie: 178, Rekordserie: 178; davor 141, 106, 101 bzw. 88]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 375