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Mittwoch, 12. Oktober 2011
W271II-IV: Ein Wochenende in Prag – Tschechien-Groundhopping in drei Teilen
Fotoalben (Sport):
d) Meteor Praha VIII gegen FK Chmel Blšany (Divize B)
Fotoalben (Sehenswürdigkeiten):
* * * Teil I: Der teuerste Club der Liga ist mal wieder nicht der beste * * *
HC Slavia Praha 1:2 HC Dynamo „ČSOB Pojišťovna“ Pardubice
Datum: Freitag, 7. Oktober 2011 – Anbully: 18.15
Übersetzung: HC Slawen Prag - HC „Staatliche Postbank“ Pardubitz
Wettbewerb: sogenannte „Tipsport“ Extra Liga Hokej (1. Tschechische Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 1:2 nach 60 Min. (3x20) – Drittel: 0:1, 1:1, 0:0
Tore: 0-1 11.39 Martin Bartek, 0-2 23.18 Tomáš Zohorna, 1-2 30.29 Petr Kuboš
Strafzeiten: Jakub Šulc 4, Vladimír Růžička 2, Tomáš Hertl 2, Jiří Vašíček 2, Bankstrafe 2 (Slavia = 12 Minuten); Jan Kolář 2, Václav Benák 2, Jakub Nakládal 2 (Pardubice = 6 Minuten)
Spielort: sogenannte „O2 arena“ (Kap. 17.360 Sitzplätze, davon heute ca. 11.000 freigegeben)
Zuschauer: 4.486 (darunter ca. 500 Gästefans)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Für die tschechische Liga war das nur Mittelmaß, da dem Spiel etwas an Tempo fehlte – dafür fehlte es aber nicht an Spannung, auch wenn Slavia bis zur 45. weitestgehend abgemeldet war)
Photos and English version:
Freitag frühs ging es zum Abschluss der vorlesungsfreien Zeit noch einmal in die Tschechische Republik. Erste Besichtigungen unternahmen wir in Doksany – dort gibt es ein Kloster, dessen Vorbauten zwar verfallen sind, aber dessen barocke Kirche sehr gut restauriert wurde – und dann in Veltrusy: dort ist ein Schloss mit einem riesigen Landschaftspark (ohne größere Highlights allerdings) recht sehenswert. Das war’s dann auch schon mit architektonischen Sehenswürdigkeiten heute, da wir alle anderen architektonischen Sights auf dem Weg nach Prag schon kennen und die Hauptstadt schließlich bis auf einige Sportanlagen und den botanischen Garten nichts wichtiges Unbekanntes mehr für uns bereithält. Ebendiesen botanischen Garten besuchten wir aber auch und wurden in unseren Erwartungen noch übertroffen: für sehr hohe 120 Kronen (=5€, aber Studenten zahlen bei Vorlage des ISIC nur die Hälfte) bekommt man in einem großen Gewächshauskomplex und einer riesigen Freilandanlage nach Themen gestaffelt zehntausende Pflanzen gezeigt. Einige der Pflanzen hatte ich noch nie gesehen und etliche der mir bekannten Arten waren hier besonders schöne Exemplare: so u.a. eine blühende Madagaskarpalme und verzwirbelte Ulmen-Bonsai. Also der botanische Garten in Prag kann problemlos mit den noch teureren deutschen Spitzen-Gärten wie Berlin und Frankfurt mithalten bzw. diese sogar nach an Schönheit der Pflanzen und deren Präsentierung überbieten. Schon allein der „Fata Morgana“ genannte Gewächshauskomplex ist ein echter Knaller und danach kommen gleich ein japanischer Garten, den ich in solcher Korrektheit noch nie in Deutschland gesehen habe, sowie südamerikanische Halbwüstenlandschaften.
Wir checkten noch ins „Brillant“ in der Prosecka ein (30€ pro Doppelzimmer und Nacht + Frühstück ist extrem niedrig für Prag und auch nach dem zweiten Besuch in diesem Hotel kann ich die einfache aber gute Unterkunft nur empfehlen!), aßen in Kobylisi bei einem Chinesen (das war das erste Mal, dass wir in Tschechien mal nicht böhmisch aßen, aber außer Trinklokalen (Pivnica) gab es da nichts anderes und gut sowie preisgünstig war es auch) und gingen schließlich vom Hotel aus die anderthalb Kilometer zur sogenannten O2-World, der größten Mehrzweckhalle Tschechiens.
Heute war dort Eishockey: knapp 5.000 Zuschauer verloren sich auf 17.360 Sitzplätzen von denen die besten (die günstigen im Oberrang) auch noch gesperrt waren. Asoziale 180 Kronen (7,50€!) wurden für eine mittelmäßige Karte auf Torhöhe verlangt. Wahnsinn! Kein Verein der EHL – nicht mal Sparta – ist so krank überteuert wie diese größenwahnsinnigen Arschkrampen von Slavia! Dabei sind die nicht mehr als spielerisches Mittelmaß! Die Halle ist auch noch ziemlicher Dreck: von außen rechts eindrucksvoll aber von Innen eine von O2 verbesserte, aber eben merklich von Saskia dahingekackte, herkömmliche 0815-Scheiße. Die O2-World in Berlin ist farblich schöner gelungen und architektonisch weit höherwertiger, obwohl sie etwas weniger Plätze hat (bei Eishockeyspielen sind es 14.200). Die Sitze wie auch die Tribünenkonstruktionen sind in der Prager O2-Arena einfach nur minderwertiger Dreck. Da sieht man, warum in so vielen Ländern Deutschland für Ingenieurstechnik berühmt ist und nicht etwa Tschechien...
Dafür, dass die Halle schwach gefüllt war – gut: parallel spielte ja auch die tschechische Fußball-N11 gegen Spanien im Stadion von Sparta und verlor leider: in Tschechien gibt es halt ein Überangebot an Sport – war die Stimmung ganz ordentlich. Hinter den Toren feierten Gruppen von jeweils etwa 400 Zuschauern ihre Teams ausdauernd ab. Erstaunlich war die Zahl der Gästefans, bei denen wir gelandet waren, da ich an der Kasse nicht richtig aufgepasst hatte – wollte ja eigentlich auch Karten für den Oberrang, aber der war ja gesperrt, da mal wieder keine fünfstellige Zuschauerzahl zu erwarten gewesen war: so was gibt es bei den „Slawen“ nur in den Play-offs und gegen die „Spartaner“ – die bei rund 500 lag. Die machten auch richtig guten Support, wobei sie außer einer Überziehfahne keine optischen Sachen zeigten wie die Heimfans, die noch zur Überziehfahne ein paar Bänder, Flaggen und Transparente entrollten.
Das Spiel sah in den ersten fünf Minuten keine Torgelegenheit, doch nahm zusehends an Fahrt auf. Das erste Drittel wurde klar von Pardubice bestimmt, die selbst in Unterzahl noch Druck auf die Heimmannschaft ausübten. Völlig verdient erzielten sie auch den ersten Treffer der Partie. Ein Schlagschuss ins lange Eck war dann der zweite Treffer, den die Gäste dann im zweiten Drittel bejubeln konnten. In diesem Spielabschnitt gab es auch die besten Szenen – so auch den strammen Schuss unter die Latte zum 1:2. Erst im dritten Drittel zeigte Slavia mal richtig was: sie gingen richtig auf die Scheibe und setzten Pardubice enorm unter Druck. Da sie erst im letzten Drittel mit ordentlichem Spielen anfingen, kann man den Auswärtssieg aber nur als verdient bezeichnen. Dynamo Pardubice – jetzt ČSOB Pojišťovna Pardubice, letzte Saison Eaton Pardubice, davor Moeller Pardubice, davor was weiß ich Pardubice... – gönne ich diesen Sieg absolut. Wenn man als Hauptstadtclub schon so großkotzig daherkommt wie Slavia, kann man auch mal mehr als 15 Minuten Spitzeneishockey spielen.
Von der Halle bis zum Hotel waren es dann knapp 20 Minuten Bergaufmarsch, u.a. an einer Sommerrodelbahn, die gerade ein Nachtrodeln unter Flutlicht veranstaltete, vorbei.
Statistik:
Grounds: 644 (heute 1 neue; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltungen: 1.375 (heute 1, diese Saison: 61)
Tageskilometer: 330 (330 Auto)
Saisonkilometer: 10.280 (8.840 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 93
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 271
* * * Teil II: Karate in Kostelec und Torflut in Týniště * * *
Shotokan Cup Kostelec nad Orlicí :
Internationales Turnier im Shotokan-Karate in Adlerkosteletz
Datum: Samstag, 8. Oktober 2011 – Beginn: 9.00
Wettkampfklassen: Jugend männlich/ weiblich, Senioren (jeweils Kata/ Kumite), Qualifikation zur tschechischen Meisterschaft
Sieger: werden nachgetragen
Austragungsort: Sportovní hala vyšší odborné školy (Sporthalle der Berufsoberschule/ Kap. 150 Stehplätze)
Zuschauer: ca. 200
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Echt gutes Turnier, auch wenn die Organisation zu wünschen übrig ließ)
SK Týniště nad Orlicí 7:2 TJ Slovan Broumov
Datum: Samstag, 10. Oktober 2011 – Anstoß: 16.00
Übersetzung: SC Tinischt am Adler – TV Slawen Braunau
Wettbewerb: sogenannte „VOTROK“ Krajský přebor královéhradecký kraj (Bezirksliga Königgrätz/ 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 7:2 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 4:2
Tore: 1-0 8. Merganc, 1-1 19. Pohl, 1-2 21. Hušek, 2-2 22. R. Schod, 3-2 25. Vydarený (Foulelfmeter), 4-2 32. R. Schod, 5-2 54. Merganc, 6-2 76. Jedličká, 7-2 90. Novák
Verwarnungen: 3x Týniště; 1x Broumov
Platzverweise: keine
Spielort: Stadion Olšina (Stadion Olschina-Straße/ Kap. 1.200, davon 200 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (Gästefans: ca. 1)
Unterhaltungswert: 9,0/10 (Wirklich geniales Spiel mit Offensivfeuerwerk und bestem Einsatz)
Photos and English version:
Samstag ging es mal wieder um 7 los. Das Frühstück im Hotel war gut, das Wetter nicht, aber die Besichtigungen ließen einen das nasskalte Herbstwetter vergessen. Erst einmal haben wir den Marktplatz und das Schloss von Poděbrady angeguckt, dann hielten wir in Chlumec nad Citlinou für ein paar Fotos des sehr ansehnlichen und von einem schönen Garten umgebenen Barockschlosses. Die nächste Station war dann auch schon Hradec Králové. Wenn man in den Ort rein fährt, sieht es fürchterlich aus: minderwertige und verrottete Architektur überwiegt. Doch hat man den Stadtkern erreicht, bekommt man sehr schönen böhmischen Barock und Renaissance zu sehen. Častolovice ist ein sehr schönes, barockes Schloss mit eindrucksvollem Innenhof und tollem Landschaftspark. Der Nachbarort Kostelec nad Orlicí hat nur eine bessere Villa als Barockschloss zu bieten, aber hier waren wir ja auch wegen Sport gekommen.
Die Informationspolitik im Internet war zwar äußerst unprofessionell und die Organisation insbesondere für Zuschauer mangelhaft (viel zu wenige Plätze, viel zu kleine Halle, kaum ausreichende Kapazitäten für die Sportler), aber trotzdem war es sehr lohnend das Qualifikationsturnier zur tschechischen Meisterschaft im Shotokan-Karate anzuschauen. Wir kamen als die Finals im Kata – das ist der Kampf mit dem imaginären Gegner: ein Kämpfer oder eine Gruppen von Kämpfern führt eine choreographierte Darbietung, in der diverse Techniken präsentiert werden, vor – liefen, in die kleine Schulsporthalle. Die Halle ist ein sanierter sozialistischer Bau in Kastenform.
Interessanter als das an Sporttanzen erinnernde Kata ist der Kumite-Wettbewerb, wo sich zwei Kämpfer gegenüber stehen und nach Trefferpunkten die Fäuste fliegen lassen und auch ordentliche Tritttechniken ausführen. Allerdings wird beim Shotokan nicht volle Kanne durchgezogen – schon gar nicht bei den Junioren, die das Hauptstarterfeld ausmachten. Wem Shotokan da zu lasch ist, muss Kyokushin gucken – oder gleich das verwandte Taekwondo.
Die Kata-Darbietungen lassen sich nicht wirklich weiter beschreiben und dem, der zum ersten Mal Kumite sieht, fehlen da auch etwas die Worte – hat aber klare Ähnlichkeiten mit Kickboxen – sodass ich nur zwei recht interessante Szenen an dieser Stelle beschreibe: zwei etwa 12jährige Jungs treten gegeneinander an, der eine stößt den anderen mit Faust- und Beinarbeit auf die Matte und deutet dann einen Schlag von oben auf den Kopf nur an (bei manchen Kampfsportarten hätte der voll durchzerren dürfen) – und dann war auch noch ein sehr guter Mädchen-Kampf von zwei 14-, 15jährigen Kämpferinnen: die eine setzte mehrere gute aber auch ein paar unsaubere Aktionen und lag in Führung bis 20 Sekunden vor Schluss, die Gegnerin schien unterlegen da sie schmerzverzerrt nach mehreren Tritten vor die Brust und einem, der bestenfalls 10cm unterm Bauchnabel landete, angeschlagen auf der Matte stand, doch sie setzte noch die entscheidenden, überlegten Tritt- und Schlagtechniken um einen Sieg zu erzielen. Mit Weinen fing sie erst an, als sie dem Trainer nach dem Kampf erklärte wo es weh tut...
Wir verließen die Halle nach über drei Stunden um 15.20 und waren dann 15.45 in Týniště nad Orlicí, einem ziemlich gesichtslosen Nest, wo es aber immerhin ein schönes Stadion gibt. Das liegt recht idyllisch am Waldrand und hat vor allem eine herrliche Holztribüne – man sitzt da drei Meter überm Spielfeld und vier Reihen Holzbänke in nicht gerade bundesligatauglichen Zustand laden zum Zugucken ein – zu bieten.
Der einheimische Verein SK Týniště nad Orlicí ist in der höchsten Amateurspielklasse, der krajský přebor (also Bezirksliga), Tabellenzweiter. Für den Gastverein aus Broumov an der Grenze zu Polen, sieht es nicht so gut aus: hinteres Mittelfeld. Broumov wurde früher übrigens manchmal fälschlich als Geburtsort Adolf Hitlers angesehen: die deutsche Namensversion ist nämlich Braunau, sodass es Verwechslungen mit Braunau am Inn gab...
Der einzige Gästefans sah dann auch keineswegs aus wie Hitler, sondern eher wie Karl Marx: ein Rauschebart, allerdings einer der lauten, versoffenen Art – so einer sorgt immer für beste Unterhaltung am Spielfeldrand. Man guckte allerdings kaum an den Spielfeldrand, da auf dem nassen Grün so richtig die Post abging. Von der ersten Minute an lieferten sich Týniště nad Orlicí und Broumov einen extrem offensiven Schlagabtausch mit einigen schönen und fast immer sauberen Zweikämpfen, aber vor allem hervorragenden Torszenen. Ein Schuss aus 15 Metern ins lange Eck sicherte dem Favoriten bereits nach acht Minuten die Führung. Doch innerhalb von zweieinhalb Minuten gingen die Gäste in Führung. Das 1:2 wurde auch nur durch einen haarsträubenden Abwehrfehler von Týniště n/O möglich. Diese ließen sich aber nicht lange Zeit, gingen sofort wieder in die Offensive über und erzielten den Ausgleich. Nur drei Minuten später holten sie einen Elfer raus und gingen so wieder in Führung. Das 4:2 ließ auch nur weitere acht Minuten auf sich warten: dabei ging ein Stürmer im Strafraum dazwischen, als ein Verteidiger den Ball nicht schnell genug wegbekam - so konnte der Torwart mit einer Bogenlampe überrumpelt werden.
Nach der Pause war SK Týniště die deutlich bessere Mannschaft, die in einem weiterhin hervorragenden Spiel noch drei weitere Tore draufgab. 7:2 war der eindrucksvoll hohe Endstand.
Für Essen sorgten wir dann in einem der Motorests der Gegend: das in Týniště nad Orlicí selbst ist eine schöne Holzhütte mit Motel und bietet echt gutes Essen an. Als Suppe des Tages gab es übrigens eine berüchtigte Kuttelsuppe mit viel Knoblauch...
Statistik:
Grounds: 646 (heute 2 neue; diese Saison: 52 neue)
Sportveranstaltungen: 1.378 (heute 2, diese Saison: 64)
Tageskilometer: 270 (270 Auto)
Saisonkilometer: 10.550 (9.110 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 94
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 271
* * * Teil II: Meteore schlagen im Tor von Blšany ein + Frauenfußball im größten Stadion der Welt + Sparta siegt im Penalty-Schießen * * *
FK Meteor Praha VIII 5:0 FK Chmel Blšany
Datum: Sonntag, 9. Oktober 2011 – Anstoß: 10.15
Übersetzung: FC Meteor Prag/ 8. Bezirk – FC Hopfen Flöhau
Wettbewerb: Divize B (4. tschechische Fußballliga, 2. Halbprofiliga)
Ergebnis: 5:0 nach 90 Min. (45/45) – Halbzeit: 1:0
Tore: 1-0 25. Fíček, 2-0 65. Fíček, 3-0 67. Jelínek, 4-0 77. Fíček, 5-0 79. Jelínek
Verwarnungen: Štefan (Meteor); Jelínek, Zinhasovič, Siegl st. (Chmel)
Platzverweise: keine
Spielort: areál Libeň, hlavní stadión FK Meteor Praha VIII (Sportanlage Prag-Lieben, Hauptplatz/ Kap. 3.500, davon 500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 150 (davon zahlende: 135, Gästefans: ca. 15)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (In der ersten Hälfte war Chmel gut und Meteor trotz eines Treffers schwach - in der zweiten Meteor klar besser und Chmel ganz schwach)
AC Sparta Praha (ženy) 1:1 FK Slavia Praha (ženy)
Datum: Sonntag, 9. Oktober 2011 – Anstoß: 14.00
Übersetzung: AC Sparta Prag/ Frauen – FC Slawen Prag (Frauen)
Wettbewerb: I. liga žen (1. tschechische Frauenfußballliga)
Ergebnis: 1:1 nach 94 Min. (46/48) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0-1 2. Petra Divišova, 1-1 70. Irena Martínková
Verwarnungen: Irena Martínková, Petra Vyštejnová, Karolína Nováková, Lucia Ondrušová (Sparta); Andea Budošová, Lucie Voňková, Adéla Odehnálová, Aneta Kulichová (Slavia)
Platzverweise: keine
Spielort: Velký strahovský stadion, hřiště 1 (Großes Strahov-Stadion, Platz 1/ Kapazität des Gesamtstadions: 200.000 [150.000 Sitz- und 50.000 Stehplätze], davon freigegeben: 40.000 Stehplätze, davon entfallen auf Platz 1: 5.000 Stehplätze + 15.000 gesperrte Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 400 (davon Sparta: ca. 300, Slavia: ca. 100)
Unterhaltungswert: 6,5/10 (Wirklich gutes, athletisches und kämpferisch geführtes Spiel – allerdings mit zu wenigen Torszenen)
HC Sparta Praha 3:2 HC Oceláři Třinec
Datum: Freitag, 7. Oktober 2011 – Anbully: 17.00
Übersetzung: EHC Sparta Prag – HC Stahlwerker Trzynietz
Wettbewerb: sogenannte „Tipsport“ Extra Liga Hokej (1. Tschechische Profi-Eishockeyliga)
Ergebnis: 3:2 nach 65 Min. + Penalty-Schießen – Drittel: 1:1, 1:0, 0:1; Verlängerung: 0:0, Penalties: 2:0
Tore: 1-0 9.13 Michal Broš, 1-1 18.50 Stanislav Hudec, 2-1 32.14 Tomáš Rachůnek, 2-2 57.18 Jan Peterek; 3-2 Michal Broš (1. Penalty), 4-2 Petr Ton (2. Penalty)
Vergebener Penalty im Spiel: 17.16 Alex Foster (Sparta) scheitert an Peter Hamerlík (Třinec-Torwart)
Strafzeiten: Alex Foster 2, Troy Milam 2, Michal Sersen 2, Dominik Pacovský 2, Jan Hanzlík 2, Petr Tenkrát 2, Jiří Kučný 2, Jaroslav Kasík 2 (Sparta = 16 Minuten); Lukáš Zíb 10, Bryan McGregor 4, Martin Adamský 4, Patrik Valčák 2, Jan Peterek 2, Josef Hrabal 2, Rostislav Marosz 2, Jiří Polanský 2, Martin Lojek 2, Petr Hořava 2 (Třinec = 32 Minuten)
Spielort: Sportovní hala Sparty/ sog. Tesla „Arena“ (Kap. 13.995 Sitzplätze, davon heute geöffnet: ca. 9.000)
Zuschauer: 3.707 (darunter ca. 80 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und vor allem spannendes Spiel)
Photos and English version:
Am Sonntag waren wir diesmal nur mit Sport gucken beschäftigt. Los ging es im 8. Stadtbezirk beim 10.15-Spiel der Divize B, der vierten tschechischen Fußballliga. Aufgrund der üblichen Konkurse und Neuordnungen, die das tschechische Ligensystem recht unübersichtlich machen, ist auch der 3. der Amateurliga krajský přebor Ustecký kraj, also unser FK Chmel Blšany, in diese halbprofessionelle, mit der deutschen Oberliga vergleichbaren Liga, aufgestiegen. Dass sie besser das Aufstiegsrecht zurückgegeben hätten, sah man heute besonders deutlich.
Beide standen hinten drin: Blšany hatte erst drei Unentschieden in acht Spielen erreicht und war somit Letzter und knapp davor, als 13. von 16, Meteor Praha mit zwei Siegen. Interessanterweise spielte die ersten 45 Minuten nur Blšany, doch die wenigen guten Chancen die sie hatten vergaben sie und die übrigen Angriffe hatten vor allem aus unzulänglicher Schusstechnik keinen Erfolg. Mit einem billigen Konter traf Meteor das erste Mal noch vor der Pause.
Die zweiten 45 Minuten sahen ganz anders aus: Blšany kam kaum noch vor den Kasten des Gegners, während der Gastgeber nun das Tor belagerte. Meistens geschah das ziemlich stümperhaft, aber vor allem der Neuner Fíček (er hatte bereits das 1:0 erzielt), zeigte etliche gute Szenen und traf drei Mal. Das beste Tor war allerdings das 3:0 – ein Heber über den herauseilenden Klíma, der nichts zu den Gegentoren konnte und sich auch bei 5:0 nicht nehmen ließ den Ball bis fast an den Mittelkreis um zwei Gegner herum zu führen – während der dritte Treffer des besten Prager Meteors aus Abseitsposition erzielt wurde. Das 5:0 war schon etwas zu hoch, aber zeigte nur, dass Blšany leider völlig überfordert ist mit dieser 4. Liga. Nachdem aber fast alle Abstiege nur durch Zwangsrelegationen und Lizenzentzüge, die wie so oft in Osteuropa rechtlichen Grundlagen entbehren und mitunter aus reiner Willkür verhängt werden, da sich Vereinsleute auf der einen mit Verbandsangehörigen auf der anderen Seite überworfen haben, wird dieser Abstieg des FK Chmel mal ein sportlicher sein. Aber wenn sie doch noch das Wunder schaffen sollten und mit ein paar Siegen die erforderlichen drei Mannschaften hinter sich lassen sollten, dann wird man schon eine Woche nach dem letzten Spieltag einen Grund finden, dass sie trotzdem absteigen müssen – wie beim letzten Abstieg aus der Divize vor drei Jahren.
Das Beste an dem sinnlosen Aufstieg der Hopfenkicker war natürlich, dass wir einen Grund hatten, ein Spiel bei Meteor zu gucken. Deren Stadion ist wirklich klasse: auf der einen Seite ein hoher Graswall mit Pappeln, hinter dem einen Tor verrottete Wirtschaftsgebäude und eine uralte Anzeigetafel mit 45-Minuten-Uhr, hinter dem anderen Tor eine enge Stehtribüne mit brüchigen Betonstufen und auf der zweiten Längsseite der Knaller: eine große, teilweise grün-weiß gestrichene Holztribüne mit Überdachung, 500 Sitzplätzen die in drei Blöcken unterteilt in Form von Holzbänken zu finden sind, und dahinter 1.500 Stehplätzen (ebenfalls alles Holzplanken) und einer Sprecherkabine.
Wir fuhren dann erstmal zur Eissporthalle von Sparta Praha, der sogenannten Tesla-Arena, die am Messegelände liegt. Die Messe hat einige sehr interessante historistische Gebäude, die teilweise sogar Renaissance nachstellen, was sehr selten ist für den Historismus. An der Halle holten wir erstmal nur Karten. Übrigens deutlich billiger als bei Slavia, obwohl die Halle besser und die Mannschaft meist stärker ist. Auch Studentenermäßigung gab es (nur mit ISIC, aber den sollte ein viel reisender Student eh haben!), wobei man auch sagen muss, dass die Karten immer noch überdurchschnittlich teuer waren.
Eishockey war am Abend, erstmal guckten wir noch ein weiteres Fußballspiel. Das fand in einem noch krasseren Stadion statt: das Velký Strahovský ist mit 200.000 Plätzen das größte der Welt. Ja! Zweihunderttausend! Allerdings sind heutzutage nur noch 40.000 Stehplätze im Unterrang auf der einen Seite vor den Plätzen 1, 2 und 3 freigegeben. Aber die massiven Steinstufen die sich vor noch massiveren, teilweise überdachten Sitzplätzen – verrottete Holzbänke sind das – befinden, machen schon etwas daher. Das Stadion hat nicht nur einen Platz. Vor allem ist die Grundfläche riesig - die Tribünen sind ja nicht so wahnsinnig hoch - sodass neben einer modern gebauten, zweistöckigen Geschäftsstelle von Sparta noch sechs Großfeld- und zwei Kleinfeldplätze hinein passen. Die meisten Spiele finden in diesem verrotten aber sehr eindrucksvollen Stadion auf Platz 1 statt. Neben Jugendfußball kann man auch Frauenfußball sehen.
Die mit Abstand besten tschechischen Frauenfußballmannschaften – beide sind in dieser Saison mit 5 Siegen und sehr deutlichen Torverhältnissen an die Tabellenspitze gestartet und haben eigentlich keine Konkurrenz in der Liga – sind Sparta und Slavia Prag. Die Frauennationalmannschaft ist international bestenfalls Mittelmaß und besteht fast nur aus Spielerinnen dieser beiden Vereinen. In Sachen Frauensport ist Tschechien ohnehin ein Entwicklungsland: bei einer Statistik wie > 1. Liga; Sparta gegen Plzeň 11:0 vor 50 Zuschauern < braucht ich ja eigentlich nicht weiter auszuführen, wieso ich das so schreibe. Ich muss nur noch mal darauf hinweisen, dass während im Männersport Tschechien im Eishockey Weltklasse, im Fußball sehr stark, im Handball gut usw. ist, im Frauensport fast nirgendwo auch nur international zweit- oder drittklassige Leistungen gebracht werden – und das bei dem niedrigeren Konkurrenzdruck in fast jedem Frauensport. Heute gab es übrigens einen weit überdurchschnittlichen Besuch: die Rekordzahl von 400 Zuschauern liegt zwar immer noch unter dem Durchschnitt der Frauenfußballbundesliga, aber war bisher die höchste in der ganzen Saison. Ganz, ganz selten kommen zu meisterschaftsentscheidenden Spielen oder Pokalfinals mal 1.000 oder 1.200 Zuschauer. Dabei sind die Fußballerinnen noch jene Sportlerinnen, die den meisten Zuschauerzuspruch erhalten. Das zeigt aber wiederum nur, dass Tschechinnen recht desinteressiert am Sport sein müssen – auch wenn in unserem östlichen Nachbarland die Meinung noch deutlich verbreiteter ist, dass so Körperertüchtigung wie Fußball oder Kampfsport nicht damenhaft ist, weswegen von Männern kaum Unterstützung kommt – wenn man auch bedenkt, dass von den 400 Zuschauern etwa 300 Männer waren. Bei einem Männerfußballspiel wären dieses Verhältnis auch so ausgefallen. Erstaunlich war es aber, dass man in dieser Liga ein so gutes Spiel sah. Auch wenn die eigentlich in ihrer eigenen Liga spielen, aber gegeneinander muss man erstmal was Ordentliches zeigen. Der Start war schon furios: eine Spielerin von Slavia kämpfte sich durch die Abwehr, grätschte den Ball an der Torhüterin vorbei und netzte so zum 0:1 ein. Kämpfen ist dann auch das richtige Stichwort: grob gefoult wurde zwar nicht und die Schiedsrichterin pfiff viel zu kleinlich – aber das ist natürlich oft ein Problem im Frauenfußball, egal ob in Tschechien, Deutschland oder sonstwo: einige Spielerinnen haben schon echt hohes Niveau erreicht, aber eigentlich kann man nur Männer pfeifen lassen, da es nicht zum aushalten ist, was weibliche Schiedsrichter für eine Scheiße verzapfen (und manche von den Quotenfrauen dürfen sogar Männerspieler pfeifen; Mann, Mann, Mann...) – aber um den Ball gekämpft wurde echt ordentlich. Viele der Spielerinnen waren auch ziemlich athletisch. Wenn da mal der Gegner und nicht der Ball getroffen wurde, fing die Gegnerin nicht gleich an zu flennen, wie ich das in Deutschland unterhalb der Bundesliga mehrfach gesehen habe: da wurde einfach wieder aufgestanden. Das Spiel war insgesamt sehr ausgeglichen, mit etwas wenigen Torszenen. Eine Torszene hätte zum Elfmeter für Slavia führen müssen, aber das Schiedsrichterinnengespannin war ja wie gesagt schwach. Doch ein zweites Tor sollte es trotzdem geben: Angriff Sparta, Abwehrfehler, Torwartfehler, Torhüterin ausgespielt und locker eingeschoben zum Ausgleich. Bei den beiden Toren sah man aber auch woran es haperte: bis auf ganz wenige feuerten selbst bei diesen „Topp“-Mannschaft die Spielerinnen Schüsse ab, die ich manchmal schon bei D-Jugendlichen besser gesehen habe. Und die Spielerinnen, die mehr Kraft haben – eine athletische Spartanerin zum Beispiel: so stramm wie die Nr. 6 schießen auch viele männliche Amateurfußballer nicht – schießen dann zu unplatziert. Wahrscheinlich werden in der Liga generell über 90% der Tore per Abstauber und Schuss aus weniger als 10 Metern erzielt... 
Dann ging es in die Tesla-Arena. Da musste man dann erstmal asoziale 100Kronen (4,25€) Parkgebühr entrichten. Die Halle lohnt aber absolut den Besuch: tolles Tonnengewölbe, innen ziemlich quadratische Tribünenanordnung, diese steigen steil an und sind auf den Längsseiten noch in Logen unterteilt und mit Metall- und Kunststoffbänken bestückt. Nur wenige moderne Schalensitze sind in manchen, besonders teueren Sektoren angebracht. Auf den Plätzen im unteren Tribünenbereich stören die Plexiglasscheiben. Dafür sind die Fangnetz sehr knapp und nur hinterm Tor.
Stimmung kam übrigens nur von einer handvoll Gästeanhänger – u.a. auch einem Prager Oceláři-Fanclub – und dem einen halben Hintertorblock, wo sich mal 200 sangeslustige Spartaner eingefunden hatten. Apropos Spartaner: die Sparta-Leute benennen sich ja selbst nach den Spartanern, sodass es auch wenig wundert, dass auf solche antike Völker wie Spartaner und Römer in der Halle angespielt wurde: ein Gladiator als Maskottchen und zum Einmarsch der Mannschaften ein Video in dem Szenen aus „300“ („This is Sparta“ usw.) mit Eishockeyszenen vermischt werden. Außerdem gibt es auch beim Anzeigen von Strafen Sparta-Eishockey-Sketche auf dem Videowürfel: ein Schwertkämpfer diskutiert aufgerecht mit einem Eishockey-Schiri, der pfeift und zeigt zwei Minuten wegen hohen Stocks an; dann sieht man den Gegner des Schwertkämpfers – ein Gladiator mit Zwei-Meter-Dreizack – der auf die Strafbank muss.
Das Spiel von Sparta gegen die „Stahlwerker“ aus Třinec fing gut an. Sparta ging in einem flotten Duell ziemlich schnell in Führung. Das erste Drittel war aber weitestgehend ausgeglichen, sodass es nicht verwunderte, dass Třinec bald den Ausgleich erzielte. Im zweiten Drittel war Sparta überlegen – allerdings sprang dabei wieder nur ein Tor heraus. Schließlich kam es wie es kommen musste: Třinec glich kurz vor der Schlusssirene noch mal aus. Die Verlängerung war sinnlos, sodass es im Penaltyschießen um den zweiten Punkt ging. Sparta eröffnete den Zweikampf Schütze gegen Torwart und ging in Führung. Spartas Torwart Pöpperle parierte. Dann traf Sparta noch einmal und Pöpperle hielt wieder. So wurde Sparta ein 3:2 gutgeschrieben.
Über tschechische Landstraßen und deutsche Autobahnen brauchten wir für über 300km fast vier Stunden.
Statistik:
Grounds: 649 (heute 3 neue; diese Saison: 55 neue)
Sportveranstaltungen: 1.381 (heute 3, diese Saison: 67)
Tageskilometer: 310 (310 Auto)
Saisonkilometer: 10.860 (9.420 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 96
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 271
Dienstag, 14. Juni 2011
W254II: Langer Wanderweg zur Burg, Randsportart Fußballtennis und Niederlage für Spartas Reserve
TJ Spartak Čelákovice 6:3 Sokol „SDS EXMOST“ Modřice
Datum: Samstag, 11. Juni 2011 – Erste Angabe: 14.00
Wettbewerb: sogenannte „WITTE Automotive“ Extraliga mužů (1. Tschechische Fußballtennisliga der Männer)
Ergebnis: 6:3 Sätze nach 180 Min. (Verlauf: 0:1, 3:1, 3:3, 6:3)
Besondere Vorkommnisse: keine
Spielort: Sportovní Areál Arena Spartak Čelákovice (Sportstätte Arena Spartacus Tschelakowitz, Kap. 120 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 100 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr coole Mischung zweier bekannter Sportarten)
AC Sparta Praha B 1:2 SK Slovan Varnsdorf
Datum: Samstag, 11. Juni 2011 – Anstoß: 18.30
Wettbewerb: 2. Liga/ Druhá Liga (2. Tschechische Profifußballliga)
Ergebnis: 1:2 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 1:1
Tore: 0-1 10. David Procházka, 1-1 42. Petr Putz, 1-2 58. Pavel Rudnydský
Verwarnungen: Vladimir Švec, Jiří Pimpara, Lukas Jakobovský, Miroslav Hozda, Vaclav Ježdík (alle Varnsdorf)
Platzverweise: 89. Radim Breite (Varnsdorf, grobes Foul)
Spielort: Stadion SC Xaverov/ Na Chvalech (Stadion SC Prag-Xaverhof/ Am [ehemaligen Schloss] Chwala, Kap. 2.500 Sitzplätze)
Zuschauer: 320 (davon ca. 7 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Technisch gutes und schnelles Spiel)
Photos and English version:
Der Tag begann mit einem für tschechische Hotel-Verhältnisse sehr guten Frühstück und ging mit einer sehr interessanten Burgbesichtigung weiter. Die Helfenburk beim Dorf Ostré in der Gemeinde Uštĕk ist eine spektakuläre Burgruine, die auf einem Felsen in einer Schlucht, die von allen Seiten kesselförmig von noch höheren Bergzügen umgeben ist, liegt. Entweder nimmt man den ersten Parkplatz, der zwischen den beiden Orten liegt und läuft von dort 3,5km bis zur Burg, oder man benutzt den Parkplatz in Ostré – dort sind es auch 3,5km pro Richtung – oder man fährt den Feldweg östlich vom Ortsausgang von Ostré rein, parkt am Hopfenfeld und läuft der rot-weißen Markierung nach links nach; das sind dann nur 2,5km pro Strecke und man beginnt auch gleich mit dem besten Ausblick auf die in einigen Teilen sehr gut erhaltene Burganlage.
Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Aufenthalt fuhren wir weiter nach Čelákovice, wo der ortsansässige Verein als einziger Sport auf höchster tschechischer Ebene Fußballtennis, tschechisch: nohejbal, zu bieten hat. Diese Spotart wird in Tschechien von einigen hundert Leuten ernsthaft betrieben und im Übrigen auch in der Tschechoslowakei erfunden. Also war es kein Wunder, dass es uns auch mal zu dieser Sportart verschlug. Die Anlage, die unterhalb eines bewaldeten Hangs am östlichen Rande des Fußballkomplexes liegt (nicht die westlich davon gelegenen Tennisplätze aufsuchen!), ist auch ganz nett mit ihren zusammengepfriemelten Holz-und-Stahlrohrtribünen und der kleinen Betontribüne. Hervorragende Klobasa für nur 20 Kronen (0,85€) gibt es auch. Der Eintritt liegt im eigenen Ermessen, aber 20, 30 Kronen pro Person sollte man ruhig geben.
Bei dieser Erstligapartie in Čelákovice war Modřice zu Gast. Diese sind als 2. und punktgleich mit Tabellenführer Karlovy Vary klarer Favorit gegen den 5. von 8, der sich noch Chancen auf die Play-offs ausrechnet, gewesen. Den ersten Satz gewannen die Gäste auch (ein Doppel), doch dann folgten ein weiteres Doppel und zwei Dreierspiele die für den Heimverein erfolgreich verliefen. Zwei weitere Doppel gingen verloren, doch dann sorgten ein Einzel, ein Dreier und ein Doppel für den Erfolg von Čelákovice. Das letzte Doppel schien erst verloren, doch die beiden Spartak-Spieler kämpften sich noch mal zurück und gewannen nach einem 9:10 im ersten Satz und einem mehrfachen Rückstand im zweiten mit 10:6. Im letzten siegten sie mit 10:8, wobei dieser entscheidende Satz schon schnell gewonnen schien, doch wiederum Modřice mehrfach zurückkam.
Man spielt also bis 10 Punkte (wobei im dritten Satz, wenn überhaupt vonnöten da Best-of-Three, bei 5:5 angefangen wird) und kann zu dritt, zu zweit oder alleine gegen gleichviele Gegner Fußballtennis spielen. Was diesen Sport noch auszeichnet ist vor allem eins: hervorragende Ballbehandlung! Wie da mit Scherentritten, Kopfbällen, Volleyschüssen, Brustannahmen und Hackenschüssen von oben (Kopfhöhe) nach unten oder Hackenannahmen in Hüft- bis Brusthöhe gearbeitet wurde, war herrlich. Auf der roten Tennisasche ging richtig schön was ab! Es ist zwar eine recht lange Veranstaltung (unser Spiel war mit neun von 10 möglichen Sätzen zwar besonders lang und das knappst mögliche Einzelergebnis von 10:9 Punkten wurde sechs Mal erzielt) aber aufgrund dessen, dass nicht parallel auf zwei oder gar noch mehr Anlagen mehrere Spiele gleichzeitig ausgetragen werden, sehr zuschauerfreundlich. Die ein oder anderen wie der dauernd Bier saufende 40- bis 50jährige mit Rauschebart und Vokuhila – typisch Tschechien eben – feuerten auch mit einfachen Sprechchören an oder brüllten die Unparteiischen mal wegen Ausball-Entscheidungen an. Dieser in Deutschland so gut wie gar nicht verbreitete Sport weiß also schon zu gefallen!
Aufgrund eines Ankündigungsplakates am benachbarten Fußballstadion (mĕstský stadion, also Stadtstadion) hatten wir schon die Planung, Sparta B in der 2. Männerfußballliga zu gucken, über den Haufen geworfen und beobachteten vom Fußballtennis aus in den Pausen schon das benachbarte Vereinsgelände. Allerdings tat sich da nichts und wir fuhren nach dem Spiel weiter nach Praha 20. Es hätte uns auch gewundert wenn in einer solchen Bruchbude das Frauenfußball Pokalfinale zwischen Sparta und Slavia gestiegen wäre. Das Plakat wies auf das Spiel um 16.30 im Stadion von Union Čelákovice hin – im Internet erfuhren wir dann, dass es tatsächlich ein solches Spiel in einem Stadion in Čelákovice gab (wer soll den ahnen, dass dieses 11.000 Einwohner Nest gleich zwei Stadien hat) zwischen den beiden besten Mannschaften im Frauenfußball statt. Die Bilder offenbarten, dass das Stadion von Union noch kleiner und noch heruntergekommener ist, als das Stadtstadion, wo sich eben auch der Fußballtennisplatz befindet. Die Zuschauerzahl betrug 600, was der Saisonrekord im Frauenfußball war. Außer einem weiteren Fakt, dass es nämlich nur etwas mehr als 50 Frauenfußballmannschaften in der ganzen Tschechischen Republik gibt, braucht man nichts weiter zu sagen zum Stellenwert, den dieser Sport in unserem Nachbarland genießt...
Wir kamen noch rechtzeitig im am östlichen Stadtrand Prags gelegenen Stadion Na Chvalech an. Das thront recht kurios oberhalb von Praha 9 im 20. Stadtteil und ist nur auf drei Seiten ausgebaut: die eine Längsseite ist von Kleingärten und Privathäusern mit Wellblech und Fangnetzen abgeschirmt. Die andere Längsseite hat eine mit rostigem Wellblech überdachte Tribüne, über die schlampig drüber gepinselt wurde. Die massiven Plastesitze sind aber ordentlich angebracht, wobei sie nicht ins sonstige Erscheinungsbild der Tribüne passen. Ziemlich dämlicher Stilbruch also. Hinter den beiden Toren sind die Tribünen auch mit Schalensitzen bestückt, doch weder überdacht noch auf Betonboden aufgebracht; hier genügen Stahlrohrkonstruktionen.
Vorderes gegen hinteres Mittelfeld in der zweiten Liga – und das für nur 2€ Eintritt: Slovan Varnsdorf hatte letztes Wochenende gerade so die Klasse gehalten und die Sparta Reserve (als einziges B-Team, d.h. U-23-Mannschaft, in der professionellen 2. Liga) hatte schon etwas länger den Klassenerhalt geschafft. Besonders viele Fans wollten das Duell erwartungsgemäß nicht sehen, wobei die handvoll Gästefans aus Varnsdorf noch die lautesten waren. In einem schnellen und technisch guten Spiel gingen die Gäste nach nur 10 Minuten in Führung und kassierten erst kurz vor der Pause nach einem bereits parierten Freistoß das 1:1.
In der zweiten Hälfte war Varnsdorf nach wie vor die etwas bessere Mannschaft und erzielte auch die erneute Führung - wieder verging keine Viertelstunde in der Spielhälfte. Danach geriet Slovan aber zunehmend unter Druck, doch die Chancen von Sparta waren nicht zwingend genug. Nur einige Karten für Fouls der Gäste waren zwingend. Der Breite von Varnsdorf war wohl schon breit, als er kurz vor Schluss einen Sparta Spieler von hinten im Mittelfeld umholzte - da zog der Schiri mal glatt rot. Geändert hat das am Ergebnis dieses sehenswerten Spiels allerdings nichts.
Statistik:
Grounds: 576 (heute zwei neue Grounds; diese Saison: 126 neue)
Sportveranstaltungen: 1.293 (heute zwei, diese Saison: 180)
Tageskilometer: 210 (210 Auto)
Saisonkilometer: 42.150 (21.010 Auto/ 10.200 Flugzeug/ 5.600 Bahn, Bus, Tram/ 4.530 Fahrrad/ 810 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 32
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 254
Montag, 18. Oktober 2010
W220II: Blšany wieder erfolgreich, die böhmische Art Handball zu spielen und ein Besuch beim Bayern München der Tschechischen Republik
SK „Mondi“ Štĕtí 1:3 FK Chmel Blšany
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 10.15
Übersetzung: SC „Mondi“ Wegstädtl gegen FC Hopfen Flöhau
Liga: „Fincentrum“ Krajský přebor, Ústecký kraj (Bezirksliga Aussig, 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 1:3 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 38. Stracený, 0:2 70. Čičcek, 1:2 73. Peterka (Elfmeter), 1:3 80. Stracený
Verwarnungen: Nr. 4, Nr. 7 (Štĕtí); Novák, Kolonin, Siegel sen. (FK Chmel)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Městský Stadion Štětí - hřištĕ 2/ Stadtstadion Wegstädtl - Platz 2 (Kap. 1.200 davon 24 Sitzplätze)
Zuschauer: 150 zahlende, insgesamt ca. 200 (davon 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel beider Mannschaften)

Photos and English version:
1) SK Mondi Steti 1-3 FK Chmel Blsany (Krajsky prebor)
2) Palaces of Libochovice, Budyne n. O., Roudnice n. L. & Melnik
Der Tag begann mit einem Frühstück, wie wir es oft in Tschechien essen: Baguettes an der Tanke. Bei der Benzina in Litvínov funktioniert zwar meistens vieles nicht – so ging bei einem Tschechen neben uns die Tankuhr nicht, der Kaffeeautomat war defekt und mit Karte konnte man auch nicht zahlen – aber dafür ist die Chance hier den freundlichen jungen Mitarbeiter zu treffen sehr hoch. Einer der so engagiert arbeitet, ist in Tschechien im Dienstleistungssektor absolute Mangelware.
Von Litvínov aus ging es über Libochovice, wo sich ein ganz ansehnliches Barockschloss am Markplatz befindet, das einen schönen Arkadeninnenhof und einen größeren Park mit Buchsbaumhecken hat, weiter nach Budynĕ nad Ohří. Dort ist eine komplett restaurierte oder rekonstruierte Wasserburg zu sehen; ein sehr eindrucksvoller Bau mit starken Mauern am Wehrgraben und Innen eben diesem geschlossenen Bau mit einem auffälligen Turm.
Nach Überquerung der Elbe erreichten wir die nicht besonders attraktive Industriestadt Štětí. Wir fuhren zügig zum am Süd-Ende der Stadt gelegenen Stadtstadion. Das eigentliche Stadion wird nicht mehr für Wettkämpfe genutzt, da auf der Tribüne die Sitzbänke angegammelt oder zertrümmert sind. Allerdings habe ich schon Spiele höherer Spielklassen in heruntergekommeneren Sportstätten gesehen... Gespielt wird auf dem Platz direkt daneben, der auf einer Seite drei Betonstufen aufweisen kann. Auf der obersten Stufe stehen an dem einen Ende vier Bänke. Gegenüber ist kein Ausbau außer einem Gerüst für einen Kameramann. Am Auffälligsten ist der Sprecherturm mit seiner komischen achteckigen Form.
Der SK Mondi Štětí ist einer der Vereine, der auf sinnlose und dumme Sponsorennamenzusätze hört. Zu diesem Problem habe ich mich noch weiter unten im Bericht vom Spiel zwischen Sparta und Liberec geäußert. Das Industriegebiet des international vertretenen britisch-österreichischen Papier- und Verpackungsmaterialienkonzerns ist in Štětí auch schwer übersehbar wenn man von Westen aus kommend über die kuriose Eisenbahn- und Auto-Brücke fährt.
Warum wir – obwohl wir wussten, dass nicht auf dem Hauptplatz gespielt wird – gerade nach Štětí fuhren, war die Ansetzung: denn unser tschechischer Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – trat dort an. Der Gastgeber und die Hopfenkicker sind dabei punktgleich (15 Zähler, d.h. 6 weniger als Tabellenführer Louny) und als gleich stark einzuschätzen. Nach einer ersten Druckphase der Gastgeber tat sich Blšany allerdings schnell als die technisch bessere, beweglichere und torgefährlichere Mannschaft hervor. Allerdings dauerte es bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, ehe nach Stracenýs starkem Flachschuss aus vollem Lauf ins Eck zwei der 200 Zuschauer jubeln konnten. Während die Heimfans hauptsächlich durch pöbeln auffielen, fielen die Gäste durch Abwesenheit auf. Nur mein Vater und ich unterstützten den „FC Hopfen“, was Kapitän Siegl Senior auch zur Kenntnis nahm.
In der zweiten Halbzeit war anfangs wieder der Gastgeber stärker, doch nutzte seine Chancen nicht und produzierte einen üblen Abwehrfehler – Fehlpass vorm eigenen Sechzehner, den sich Čiček erlief – wodurch Blšany mit 0:2 in Führung ging. Der Schiri war eine ziemliche Flitzpiepe und hatte nicht nur mit Einwurf-, Eckball- und Abstoßentscheidungen so seine Probleme, sondern auch mit dem Einschätzen von Fouls. So gab es einen fragwürdigen Elfmeter, den Peterka gegen Blšanys Ersatztorwart Krabec, der den gesperrten Klíma ansonsten prima vertrat, verwandelte. Allerdings dauerte es nicht lange, ehe der Gast aus dem 900-Einwohner-Dorf seinen dritten Treffer markierte: erneut zieht Stracený von der Strafraumgrenze aus ab und trifft Klasse ins Netz. 1:3 war der Endstand.

Wir fuhren dann nach Roudnice nad Labem zurück, wo wir uns noch das in Renovierung befindliche Lobkowitz-Schloss von außen anguckten, auf dem sehr ansehnlichen Markplatz herumliefen und uns wunderten, warum der kleine Platz zwischen Markt und Wachturm (und auch ebenjener, heute als Aussichtsturm benutzte Wehrbau) in so viel besseren Zustand als die Kirchen sind.
Weiter ging es nach Mĕlnik. Dort darf man sich nicht von der Hässlichkeit des neueren Bereiches der Stadt abschrecken lassen: an der Spitze des Berges oberhalb der Elbe – von Westen aus ein gutes Panorama – befinden sich ein paar sehr schöne Häuser, eine auffällige Kirche und direkt daneben ein bekanntes und auch sehenswertes Schloss. Ansonsten kann man die Altstadt auch statt über die Treppe durch den Weinberg mit ein paar Schritten durch das Prager Tor – der Wehrbau wird derzeit restauriert – betreten. Insgesamt muss ich aber sagen, dass dieser Ort enorm überschätzt wird. Mĕlnik ist keine romantisch-schöne Stadt an der Elbe, sondern ein mieses Kaff bei Prag, das immerhin ein ganz nettes Schloss und ein paar andere alte Häuser, die aber in dieser Form jeder halbwegs zivilisierte tschechische Ort hat, bieten kann.

TJ Avia Čakovice (ženy A) 37:20 TJ Stará Hut’ (ženy B)
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 14.20
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice (Frauen I) gegen TV Alte Hütte (Frauen II)
Liga: 2. liga ženy, Národní házená (2. Liga Frauen, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 37:20 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 20:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: keine (?)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 15 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz flottes Spiel mit den in der Klasse sicher üblichen Mängeln)
TJ „Avia” Čakovice 17:18 TJ Sokol Opatovice nad Labem
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 16.30
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice gegen TV Falke Opatowitz/ Elbe
Liga: 1. liga muži, Národní házená (1. Liga Männer, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 17:18 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 6:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: bis zur Pause keine
Platzverweise: bis zur Pause keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 40 (davon vllt. 3 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Interessante Art Handball zu spielen... da ich den Sport nach EHF-Regeln gut genug kenne und dieses Spiel doch dem üblichen Handballspiel sehr ähnelt, kann ich hier von einem guten Spiel reden)

Photos and English version:
Narodni Hazena (Bohemian Handball): TJ Avia Cakovice (Prague)
Durch Zufall erfuhr ich im Internet von der ausschließlich in Tschechien verbreiteten, 1905 als eine Version des Handballspiels entwickelten Sportart Česká házená. Man belässt es meist bei diesem Namen, wobei die Tschechen ihr als „Böhmisches Handball“ oder „Tschechisches Wurfspiel“ zu übersetzendes Feldhandballspiel als Národní házená bezeichnen. Das heißt dann so viel wie „Staatliches Handball“ oder „Nationales Wurfspiel“. Mittlerweile ist das die 44. Sportart, die wir live kennengelernt haben. Im Gegensatz zum in Deutschland aus der Mode gekommenen und nur selten als modernen Verschnitt aufgeführten Feldhandball – Fußballfeld und -tore bedeuteten lange Laufwege wenige Treffer und geringere Attraktivität, da Handball in seiner jetzt international üblichen Form (in einer Halle auf einer Spielfläche von einem Bruchteil jener eines Fußballfeldes; ja, ein Handballfeld ist kaum größer als ein Strafraum eines Fußballplatzes) von den harten Zweikämpfen auf engem Raum und dem schnellen Hin- und Her zwischen den nur 40m auseinander stehenden Toren lebt – ist diese Art des Feldhandballspiels ziemlich sehenswert. Das Spielfeld beim Národní házená ist kaum größer als in der Halle, die Tore sind recht kurios (höher als breit: 2 x 2,40m) und der Belag reicht auch von Kunstrasen über Asche bis Beton.
Der Gastgeber Avia Čakovice, aus einem Vorort von Prag, spielt auf Kunstrasen und hat noch diverse andere Sportarten – es lief gerade ein Fußballtennis-Turnier; das Fußballstadion wäre auch spielbereit gewesen – im Angebot. Die tschechische Art des Handballs ist dort aber besonders ausgeprägt und als wir um kurz vor 15.00 dort aufkreuzten, waren die Frauen von Avia Čakovice in ihrem Spiel gegen die Reserve von TJ Stará Hut’ gerade noch in der Halbzeitpause. Es stand bereits 20:9, was in einigen Spielen der Endstand nach 60 und nicht der Zwischenstand nach 30 Minuten ist, wobei vor allem durch die beiden überforderten Torhüterinnen – der Gast wechselte zwar auch mal die Torfrau, doch auch die dritte Torhüterin war eine Katastrophe – noch mal so viele Tore in Halbzeit zwei fallen sollten. Was der Gastgeber zeigte, war auch immer wieder sehenswert: locker am Kreis kombinieren und dann mal beherzt aufs Tor geworfen. So siegten sie mit 37:20. Die Kleidung beider Teams passte übrigens zur Spielweise: die Gastgeber hatten richtige Trikots in blau-weiß mit Namen drauf – die Gäste schlabbernde T-Shirts und Hosen ohne jeden Aufdruck außer einer Nummer.
Um 16 Uhr sollten eigentlich der 11. von 12 gegen den 5. der ersten Männerliga auf dem schönen kleinen Platz, der auf beiden Längsseiten je zwei vierreihige Tribünen – die zwei auf der einen Seite sind blaue Schalensitze auf Betonstufen, die zwei auf der anderen komische Metall- und Holzkonstruktionen – und drumherum einige Nadelbäume hat, spielen. Leider kam das Arschloch von Schiedsrichter nicht. Bis man für diesen Vollpfosten Ersatz hatte, war eine halbe Stunde rum. In dieser halben Stunde sollte eigentlich schon die ganze erste Hälfte gespielt sein. Die begann nun 16.30 mit einigen schönen Spielszenen, harten Zweikämpfen – ob die bei den Teams, die noch auf Betonplätzen spielen, auch so die Gegner zu Boden reißen? – guten Treffern und starker Verteidigungsarbeit. Obwohl die Zuschauerzahl katastrophal war – durchschnittliche Zahlen liegen bei 120 und nicht 40 wie hier, Spitzenzahlen sind bei 500 Leuten – kamen auch gute Emotionen auf: Gästespieler wurden nach Fouls lautstark als „Arschloch“ und „Fotze“ beschimpft, die eigene Mannschaft auch immer wieder mit „Macht ein Tor“ und „Vorwärts“ Rufen angefeuert.
Wir mussten wegen der Verzögerung durch den Penner von Schiri leider schon nach dem Pausenpfiff gehen um den sportlichen Höhepunkt des Tages nicht zu verpassen. Bei nächster Gelegenheit werden wir aber wieder so ein Feldhandballspiel in Tschechien wahr nehmen – und dann auch mal 60 Minuten ein Spiel und nicht zwei Spiele nur zur Hälfte!

AC Sparta Praha 0:2 FK Teplice
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 18.20
Übersetzung: AC Sparta Prag gegen FC Teplitz-Schönau
Liga: 1. „Gambrinus“ liga (1. tschechische Profifußballliga)
Ergebnis: 0:2 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 31. Aidin Mahmutovič, 0:2 66. Aidin Mahmutovič
Verwarnungen: Erich Brabec (Sparta); Vlastimil Vidlička, Tomáš Vondrášek, Antonín Rosa, Aidin Mahmutovič (Teplice)
Platzverweise: keine
Sportanlage: sogenannte Generali „Arena“, früher Stadion letná (Kap. 20.854 Sitzplätze)
Zuschauer: 6.942 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel)

Photos and English version:
1st: Sparta Praha 0:2 FK Teplice (1. Liga)
2nd: Older Pictures from Prague:
a) February 2010, b) 2005 and 2007
Ziemlich problemlos steuerte ich – mit meinem Stadtplan lesenden Vater als Navigationsgerät – den Wagen durch halb Prag bis auf den Parkplatz gegenüber des Stadions Letná. Für 50 Kronen (etwas mehr als 2€) darf man dort unbegrenzt parken. Die Karten fürs Spiel holten wir uns natürlich nicht bei dem alten Sack, der unter der Hand damit handeln wollte, sondern an einer der Kassen. Wir bekamen Karten im mittleren Preissegment für 240 Kronen (10€) pro Stück: noch nie haben wir in Tschechien so viel Geld für eine einzige Sportveranstaltung ausgegeben!
Dass die Kommerzialisierung auch vor der Tschechischen Republik nicht halt macht, ist klar. Dass es seit Jahren schon Erscheinungen wie das Verkaufen von Lizenzen und mitunter auch das damit verbundene Verschieben von Spielorten oder das Umbenennen der Vereine – je nach dem wer gerade sponsort – gibt, ist dem Fan bekannt. Wer wie mein Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – nur vier Umbenennungen (von Sokol Blšany (1946) zu TJ Sokol Blšany, dann TJ JZD Blšany und SK Chmel Blšany, 1992 schließlich FK Chmel Blšany) erfahren hat, ist noch echt gut dabei. Der Kultklub Bohemians 1905, der auch immer gern auf Gegen-den-modernen-Fußball macht, wechselte z.B. 11 Mal den Namen. Auch Sparta hieß lange nicht „Sparta“, denn 1893 hießen sie noch AC Královské Vinohrady, ein Jahr später AC Sparta, nach dem zweiten Weltkrieg benannten sie sich in fünf Jahren vier Mal um tragen erst seit 1965 wieder konstant den Namen „Sparta“ in unterschiedlichen Formen. 2003 war die letzte der neun Umbenennungen. Was ein typischeres Anzeichen für übertriebene kommerzielle Interessen diverser Subjekte im tschechischen Sport ist, ist die Menge von Sportanlagen (Generali-Arena ist nur eine von Dutzenden), Ligen (Fincentrum Krajský přebor ist auch nur eine von Dutzenden) und selbst Vereinen (FK BAUMIT Jablonec oder SK Mondi Štětí sind nur zwei von Dutzenden) die nach mehr oder weniger sinnvollen Sponsoren, die in vielen Fällen den Verein schon nach wenigen Jahren nicht mehr unterstützen können/ wollen und ihn so mitunter in den Ruin treiben aber zumindest in mehrschichtige Schwierigkeiten bringen, benannt sind. Aber als deutscher Fan muss man da zuerst vor der eigenen Bude kehren, wenn man sich den SSV Markranstädt/ Rasenball/ Redbull Leipzig, Sparkassen/ Baufirmen/ Energieunternehmen Sponsorennamen-Amateurligen in vielen Bundesländern, die ganzen Brauerei-Landespokale oder LR-Kosmetik Ahlen anguckt.
Was man sich bei der Fußball AG Athletik Club Sparta Prag aber mal vor Augen halten muss, ist das asoziale Preisniveau der Eintrittskarten. Außer Slavia habe ich noch keinen Club gefunden, der derart hohe Preise (ist ja wie in der 3. Bundesliga bei uns!) verlangt. Sicher ist das Einkommen der Tschechen bis auf 75% vom Deutschen Einkommen gestiegen, klar sind die Preise mindestens genauso gestiegen, doch liegen sie in vielen Bereichen weiterhin unter den deutschen Preisen und sind auch für Einheimische meist fair. Gerade Sport ist sehr erschwinglich: vergleicht man mal z.B. mit den kranken Preisen die in Polen verlangt werden (Fußballkarten für die erste Liga erst ab 6€, Basketball ab 8€) wird man über Eintrittskartenpreise für 3€ bis 4€ für ordentliche Sitzplätze in Fußballstadien und Eishockeyhallen erstaunt sein. Aber bei den größenwahnsinnigen Hauptstädtern fängt die Preisspanne da an, wo sie bei den meisten anderen Vereinen aufhört oder gar nicht erst hinkommt: die billigste Sparta-Karte kostet 130 Kronen (5,50€) und die teuerste 435kc/ 18€. Dauerkarten sind zwischen 37€ und 169€ angesiedelt. Für die Verhältnisse in anderen Teilen Tschechiens wie gesagt saumäßig überteuert.

Als wir das Stadion nach sehr laschen Kontrollen über den Ost-Eingang betraten, wurden wir den ersten Eindruck von Fotos im Internet und Außenansichten nicht los: eine 0815-„Arena“, die in Premier League, Bundesliga oder wo auch immer dieser langweilige Baustil gepflegt wird, überall gleich aussieht. Abwechslung bieten in der 1. tschechischen Liga ohnehin nur noch wenige Stadien: geschmackvoll modernisiert wurden zum Beispiel die Spielstätten in Brno und Olomouc, architektonisch nicht doll aber gut in die Landschaft eingepasst ist das Stadion von Slovan Liberec, doch wirklich interessant sind nur die älteren Anlagen von Hradec Králové und natürlich Bohemians Praha. Letztere sind zwar in Sachen Eintrittspreise auch schon bei 6-12€, aber haben ein viel besseres und schöneres Stadion als Stadtrivale Sparta. Die von der Generali-Versicherung namentlich verunzierte Anlage ist nämlich ein stellenweise verbauter Allseater, der auf seltsamen Stahlträgerkonstruktionen am Rande des eigentlichen Stadions die Imbissbuden und ähnliches unterbringt und auf ebenso komischen Stahlträgerkonstruktionen oberhalb des Mittelteils der Haupttribüne Presseplätze angebracht hat. Der obere Teil der Haupttribüne ist teilweise durch Balken verbaut, die Hintertorseiten ragen auch noch seitlich rein, der Vorbereich ist kahlster, hässlichster Beton und außer einem „Sparta“-Schriftzug findet sich auch nichts Auffälliges an den Sitzen.
Apropos Schriftzüge: wenn man an der Stadionmauer die Keltenkreuze und Sparta-Graffiti mit dem „S“ in Runenschrift sieht, weiß man was für asoziale Gestalten mitunter anzutreffen sind. Allerdings hört man bei Sparta auf den Tribünen auch Deutsch, Englisch, Vietnamesisch und Türkisch ohne dass sich diese Leute fürchten müssten, von den eigenen Mit-Fans angegangen zu werden. Für den Rekordmeister ist es aber trotzdem ärgerlich, dass sich auch solche rechtsradikalen Spaste bei ihm einfinden – und das in dreistelligen Zahlen.
Die heutige Zuschauerzahl war mit knapp 7.000 nicht so doll, aber besser als bei den anderen Gambrinus-Ligisten. Die Stimmung war auch bis in die zweite Hälfte hinein für die tschechischen (insbesondere böhmischen) Verhältnisse wirklich gut, da bei den Wechselanfeuerungen zwischen Hintertorbereich und Gegentribüne so viele mitgingen, dass es richtig laut wurde. Emotionen ist man ja in Tschechien gar nicht gewohnt. Höchstens noch von den mitunter ziemlich derb und aggressiv – aber eben auch stimmungsvoll – auftretenden Prager und Mährischen Fans. Ansonsten waren natürlich nur die Ultras anfeuerungsmäßig in Aktion. Alles aber bekannte Melodien und 0815-Texte. Die Gästefans waren kaum zu hören und erst recht nicht so einfallsreich. Die Jungs aus Teplice waren aber auch zahlenmäßig sehr wenige.
Das heutige Spiel war eine Spitzenbegegnung zwischen dem nach einem schlechten Start mittlerweile auf Platz 2 stehenden Rekordmeister (19 tschechoslowakische und 13 tschechische Meistertitel und zahlreiche Pokalsiege) Sparta und dem ebenso schlecht gestarteten aber jetzt auf dem 5. Platz stehenden FK Teplice, der in seiner Vereinsgeschichte drei Pokale gewann. Tabellenführer ist derzeit aber Viktoria Plzeň, was deren erste Meisterschaft wäre. Im Übrigen fallen noch die schlechte Platzierung (13. von 16) von Slavia Praha, die sonst fast so erfolgreich wie Sparta sind, und die gerade einmal drei Siege des Vereins aus Brünn, dem derzeitigen Tabellenletzten auf. Richtig übel fällt aber auf, dass der 1. FC Brno nun „FC Zbrojovka Brno“ heißt: Zbrojovka war zwar schon 1948 bis 1956 Namensbestandteil, somit also eine Rückbenennung, aber das der Industriebetrieb Česká Zbrojovka den Klub sponsort und den Namen gekauft hat ist eine Verhöhnung des Sports und in vielen europäischen Ländern aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem sportlichen Fairplay gar nicht möglich; denn die auch noch stark auf Kundschaft aus den USA orientierte Česká Zbrojovka ist ein Waffen- und Rüstungsbetrieb. So ein Sponsor ist wirklich unpassend für Sportvereine!
Zurück nach Prag, wo die beiden Teams dem Spitzenspiel im positiven Sinne nicht ganz gerecht wurden. Das Spiel war zwar nicht schlecht, hatte aber den ein oder anderen Durchhänger. Über Geschwindigkeit und technische Fertigkeiten konnte man sich zwar nicht beklagen, aber dass die aktivere Mannschaft, Sparta, so derartig dilettantisch vorm Tor agiert, war nicht so toll. So traf Teplice mit einem Glückstreffer, d.h. einem von einem Sparta-Spieler enorm abgefälschten Ball, vor der Pause zum 0:1. Aber egal: Hauptsache kein torloses Unentschieden!
Nach der Pause war wieder das gleiche Bild wie zuvor zu sehen: Teplice zeigte die ein oder andere Attacke, was jedoch selten gefährlich war und auch alles in allem nicht so aktiv aussah wie bei Sparta. Das Tor erzielte aber wieder der Gast: diesmal auch ein schöner Kopfball und kein Murmeltor. Der Endstand betrug somit 0:2.

Nach dem Spiel brauchten wir eine ganze Stunde um zum Hotel zu kommen: selbst mit Stadtplan ist Prag ziemlich unübersichtlich. Gut, dass wir nicht zum ersten Mal dort sind. Als Mehrfachfahrer kann ich nur sagen: wer eine schönere Hauptstadt zu kennen meint, der soll sie mir mal zeigen. So eine herausragend schöne und geschlossene sowie flächenmäßig große Altstadt gibt es kein zweites Mal! Wer Prag nicht gesehen hat ist reisetechnisch nicht mehr als eine Flachzange und kann nicht behaupten, viel von der Welt gesehen zu haben.
Zum Hotel muss man sagen, dass das „Easy Journey“ zwar nicht so einfach zu finden ist, da es in der Straße Plzenska kaum erkenntlich in Hausnummer 22 untergebracht ist, aber für 30€ das Doppelzimmer (kann man wohl auch mit bis zu fünf Leuten belegen) einen fairen Preis macht. Die Zimmer sind einfache, aber saubere und geräumige Buden mit Bad. Auch der Hotelier ist völlig O.K. Beim ihm bezahlt man gleich in bar.
Zum Abschluss des Tages mussten wir noch mal zur Tanke, da das der einzige Ort im zwei Kilometer Umkreis vom Hotel war, der etwas zu essen zu bieten hatte. Dort wurde man dann mal wieder von der Sorte Bedienstete bedient, die in der Tschechischen Republik ein echtes Problem darstellen. Wer etwas von „Servicewüste Deutschland“ faselt, soll sich mal in Tschechien umgucken. Da ist man in Deutschland so was von meilenweit voraus, was Umgang mit Kunden und unter den Mitarbeitern angeht, dass es auch Tschechen mitunter peinlich ist, wie schlecht ihre Kellner, Tankstellenmitarbeiter, Supermarktkassierer etc. sind. Diese Saubande ist so derartig unfreundlich, arrogant und unmotiviert, dass man die eigentlich nur fragen kann: „Wollt ihr Wichser eigentlich was verkaufen oder soll ich wieder gehen?“
Allerdings sollte man sich weder von der oft kühlen Art der Einheimischen, noch der erschreckenden Defizite im Dienstleistungssektor abschrecken lassen. Die ab und an anzutreffenden herzlichen und höflichen Einheimischen zum einen und vor allem die enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten auf annehmbarer, hoher und höchster Qualität machen das wieder um ein Vielfaches wett. Auch wenn ich mindestens ein Land – nämlich Syrien – noch mehr schätze und als Reiseziel auch noch mehr empfehlen kann: Tschechien ist so sehenswert, dass kein Weg dran vorbei führt – denn wo gibt es sonst so viele herrliche Burgruinen, tolle Schlösser und Paläste oder altmodische Sportanlagen auf so engem Raum?!

Statistik:
Ground Nr. 484 (drei neue Grounds; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.156 - 1.159 (diese Saison: 47)
Tageskilometer: 210 (Auto)
Saisonkilometer: 10.780 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 71
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 220
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 10.15
Übersetzung: SC „Mondi“ Wegstädtl gegen FC Hopfen Flöhau
Liga: „Fincentrum“ Krajský přebor, Ústecký kraj (Bezirksliga Aussig, 5. tschechische Fußballliga, 1. Amateurliga)
Ergebnis: 1:3 nach 96 Min. (48/48) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 38. Stracený, 0:2 70. Čičcek, 1:2 73. Peterka (Elfmeter), 1:3 80. Stracený
Verwarnungen: Nr. 4, Nr. 7 (Štĕtí); Novák, Kolonin, Siegel sen. (FK Chmel)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Městský Stadion Štětí - hřištĕ 2/ Stadtstadion Wegstädtl - Platz 2 (Kap. 1.200 davon 24 Sitzplätze)
Zuschauer: 150 zahlende, insgesamt ca. 200 (davon 2 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel beider Mannschaften)
Photos and English version:
1) SK Mondi Steti 1-3 FK Chmel Blsany (Krajsky prebor)
2) Palaces of Libochovice, Budyne n. O., Roudnice n. L. & Melnik
Der Tag begann mit einem Frühstück, wie wir es oft in Tschechien essen: Baguettes an der Tanke. Bei der Benzina in Litvínov funktioniert zwar meistens vieles nicht – so ging bei einem Tschechen neben uns die Tankuhr nicht, der Kaffeeautomat war defekt und mit Karte konnte man auch nicht zahlen – aber dafür ist die Chance hier den freundlichen jungen Mitarbeiter zu treffen sehr hoch. Einer der so engagiert arbeitet, ist in Tschechien im Dienstleistungssektor absolute Mangelware.
Von Litvínov aus ging es über Libochovice, wo sich ein ganz ansehnliches Barockschloss am Markplatz befindet, das einen schönen Arkadeninnenhof und einen größeren Park mit Buchsbaumhecken hat, weiter nach Budynĕ nad Ohří. Dort ist eine komplett restaurierte oder rekonstruierte Wasserburg zu sehen; ein sehr eindrucksvoller Bau mit starken Mauern am Wehrgraben und Innen eben diesem geschlossenen Bau mit einem auffälligen Turm.
Nach Überquerung der Elbe erreichten wir die nicht besonders attraktive Industriestadt Štětí. Wir fuhren zügig zum am Süd-Ende der Stadt gelegenen Stadtstadion. Das eigentliche Stadion wird nicht mehr für Wettkämpfe genutzt, da auf der Tribüne die Sitzbänke angegammelt oder zertrümmert sind. Allerdings habe ich schon Spiele höherer Spielklassen in heruntergekommeneren Sportstätten gesehen... Gespielt wird auf dem Platz direkt daneben, der auf einer Seite drei Betonstufen aufweisen kann. Auf der obersten Stufe stehen an dem einen Ende vier Bänke. Gegenüber ist kein Ausbau außer einem Gerüst für einen Kameramann. Am Auffälligsten ist der Sprecherturm mit seiner komischen achteckigen Form.
Der SK Mondi Štětí ist einer der Vereine, der auf sinnlose und dumme Sponsorennamenzusätze hört. Zu diesem Problem habe ich mich noch weiter unten im Bericht vom Spiel zwischen Sparta und Liberec geäußert. Das Industriegebiet des international vertretenen britisch-österreichischen Papier- und Verpackungsmaterialienkonzerns ist in Štětí auch schwer übersehbar wenn man von Westen aus kommend über die kuriose Eisenbahn- und Auto-Brücke fährt.
Warum wir – obwohl wir wussten, dass nicht auf dem Hauptplatz gespielt wird – gerade nach Štětí fuhren, war die Ansetzung: denn unser tschechischer Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – trat dort an. Der Gastgeber und die Hopfenkicker sind dabei punktgleich (15 Zähler, d.h. 6 weniger als Tabellenführer Louny) und als gleich stark einzuschätzen. Nach einer ersten Druckphase der Gastgeber tat sich Blšany allerdings schnell als die technisch bessere, beweglichere und torgefährlichere Mannschaft hervor. Allerdings dauerte es bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, ehe nach Stracenýs starkem Flachschuss aus vollem Lauf ins Eck zwei der 200 Zuschauer jubeln konnten. Während die Heimfans hauptsächlich durch pöbeln auffielen, fielen die Gäste durch Abwesenheit auf. Nur mein Vater und ich unterstützten den „FC Hopfen“, was Kapitän Siegl Senior auch zur Kenntnis nahm.
In der zweiten Halbzeit war anfangs wieder der Gastgeber stärker, doch nutzte seine Chancen nicht und produzierte einen üblen Abwehrfehler – Fehlpass vorm eigenen Sechzehner, den sich Čiček erlief – wodurch Blšany mit 0:2 in Führung ging. Der Schiri war eine ziemliche Flitzpiepe und hatte nicht nur mit Einwurf-, Eckball- und Abstoßentscheidungen so seine Probleme, sondern auch mit dem Einschätzen von Fouls. So gab es einen fragwürdigen Elfmeter, den Peterka gegen Blšanys Ersatztorwart Krabec, der den gesperrten Klíma ansonsten prima vertrat, verwandelte. Allerdings dauerte es nicht lange, ehe der Gast aus dem 900-Einwohner-Dorf seinen dritten Treffer markierte: erneut zieht Stracený von der Strafraumgrenze aus ab und trifft Klasse ins Netz. 1:3 war der Endstand.
Wir fuhren dann nach Roudnice nad Labem zurück, wo wir uns noch das in Renovierung befindliche Lobkowitz-Schloss von außen anguckten, auf dem sehr ansehnlichen Markplatz herumliefen und uns wunderten, warum der kleine Platz zwischen Markt und Wachturm (und auch ebenjener, heute als Aussichtsturm benutzte Wehrbau) in so viel besseren Zustand als die Kirchen sind.
Weiter ging es nach Mĕlnik. Dort darf man sich nicht von der Hässlichkeit des neueren Bereiches der Stadt abschrecken lassen: an der Spitze des Berges oberhalb der Elbe – von Westen aus ein gutes Panorama – befinden sich ein paar sehr schöne Häuser, eine auffällige Kirche und direkt daneben ein bekanntes und auch sehenswertes Schloss. Ansonsten kann man die Altstadt auch statt über die Treppe durch den Weinberg mit ein paar Schritten durch das Prager Tor – der Wehrbau wird derzeit restauriert – betreten. Insgesamt muss ich aber sagen, dass dieser Ort enorm überschätzt wird. Mĕlnik ist keine romantisch-schöne Stadt an der Elbe, sondern ein mieses Kaff bei Prag, das immerhin ein ganz nettes Schloss und ein paar andere alte Häuser, die aber in dieser Form jeder halbwegs zivilisierte tschechische Ort hat, bieten kann.
TJ Avia Čakovice (ženy A) 37:20 TJ Stará Hut’ (ženy B)
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 14.20
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice (Frauen I) gegen TV Alte Hütte (Frauen II)
Liga: 2. liga ženy, Národní házená (2. Liga Frauen, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 37:20 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 20:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: keine (?)
Platzverweise: keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 15 (keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz flottes Spiel mit den in der Klasse sicher üblichen Mängeln)
TJ „Avia” Čakovice 17:18 TJ Sokol Opatovice nad Labem
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anwurf 16.30
Übersetzung: TV Avia (?) Prag-Čakovice gegen TV Falke Opatowitz/ Elbe
Liga: 1. liga muži, Národní házená (1. Liga Männer, Česká házená bzw. „Böhmisches Wurfspiel/ Handballspiel“)
Ergebnis: 17:18 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 6:9
Tore: Spielernamen unbekannt
Verwarnungen: bis zur Pause keine
Platzverweise: bis zur Pause keine
Sportanlage: Areál TJ Čakovice, hřiště národní házená/ Vereinsgelände TV Prag- Čakovice, Handballplatz (Kap. 300, davon 125 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 40 (davon vllt. 3 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Interessante Art Handball zu spielen... da ich den Sport nach EHF-Regeln gut genug kenne und dieses Spiel doch dem üblichen Handballspiel sehr ähnelt, kann ich hier von einem guten Spiel reden)
Photos and English version:
Narodni Hazena (Bohemian Handball): TJ Avia Cakovice (Prague)
Durch Zufall erfuhr ich im Internet von der ausschließlich in Tschechien verbreiteten, 1905 als eine Version des Handballspiels entwickelten Sportart Česká házená. Man belässt es meist bei diesem Namen, wobei die Tschechen ihr als „Böhmisches Handball“ oder „Tschechisches Wurfspiel“ zu übersetzendes Feldhandballspiel als Národní házená bezeichnen. Das heißt dann so viel wie „Staatliches Handball“ oder „Nationales Wurfspiel“. Mittlerweile ist das die 44. Sportart, die wir live kennengelernt haben. Im Gegensatz zum in Deutschland aus der Mode gekommenen und nur selten als modernen Verschnitt aufgeführten Feldhandball – Fußballfeld und -tore bedeuteten lange Laufwege wenige Treffer und geringere Attraktivität, da Handball in seiner jetzt international üblichen Form (in einer Halle auf einer Spielfläche von einem Bruchteil jener eines Fußballfeldes; ja, ein Handballfeld ist kaum größer als ein Strafraum eines Fußballplatzes) von den harten Zweikämpfen auf engem Raum und dem schnellen Hin- und Her zwischen den nur 40m auseinander stehenden Toren lebt – ist diese Art des Feldhandballspiels ziemlich sehenswert. Das Spielfeld beim Národní házená ist kaum größer als in der Halle, die Tore sind recht kurios (höher als breit: 2 x 2,40m) und der Belag reicht auch von Kunstrasen über Asche bis Beton.
Der Gastgeber Avia Čakovice, aus einem Vorort von Prag, spielt auf Kunstrasen und hat noch diverse andere Sportarten – es lief gerade ein Fußballtennis-Turnier; das Fußballstadion wäre auch spielbereit gewesen – im Angebot. Die tschechische Art des Handballs ist dort aber besonders ausgeprägt und als wir um kurz vor 15.00 dort aufkreuzten, waren die Frauen von Avia Čakovice in ihrem Spiel gegen die Reserve von TJ Stará Hut’ gerade noch in der Halbzeitpause. Es stand bereits 20:9, was in einigen Spielen der Endstand nach 60 und nicht der Zwischenstand nach 30 Minuten ist, wobei vor allem durch die beiden überforderten Torhüterinnen – der Gast wechselte zwar auch mal die Torfrau, doch auch die dritte Torhüterin war eine Katastrophe – noch mal so viele Tore in Halbzeit zwei fallen sollten. Was der Gastgeber zeigte, war auch immer wieder sehenswert: locker am Kreis kombinieren und dann mal beherzt aufs Tor geworfen. So siegten sie mit 37:20. Die Kleidung beider Teams passte übrigens zur Spielweise: die Gastgeber hatten richtige Trikots in blau-weiß mit Namen drauf – die Gäste schlabbernde T-Shirts und Hosen ohne jeden Aufdruck außer einer Nummer.
Um 16 Uhr sollten eigentlich der 11. von 12 gegen den 5. der ersten Männerliga auf dem schönen kleinen Platz, der auf beiden Längsseiten je zwei vierreihige Tribünen – die zwei auf der einen Seite sind blaue Schalensitze auf Betonstufen, die zwei auf der anderen komische Metall- und Holzkonstruktionen – und drumherum einige Nadelbäume hat, spielen. Leider kam das Arschloch von Schiedsrichter nicht. Bis man für diesen Vollpfosten Ersatz hatte, war eine halbe Stunde rum. In dieser halben Stunde sollte eigentlich schon die ganze erste Hälfte gespielt sein. Die begann nun 16.30 mit einigen schönen Spielszenen, harten Zweikämpfen – ob die bei den Teams, die noch auf Betonplätzen spielen, auch so die Gegner zu Boden reißen? – guten Treffern und starker Verteidigungsarbeit. Obwohl die Zuschauerzahl katastrophal war – durchschnittliche Zahlen liegen bei 120 und nicht 40 wie hier, Spitzenzahlen sind bei 500 Leuten – kamen auch gute Emotionen auf: Gästespieler wurden nach Fouls lautstark als „Arschloch“ und „Fotze“ beschimpft, die eigene Mannschaft auch immer wieder mit „Macht ein Tor“ und „Vorwärts“ Rufen angefeuert.
Wir mussten wegen der Verzögerung durch den Penner von Schiri leider schon nach dem Pausenpfiff gehen um den sportlichen Höhepunkt des Tages nicht zu verpassen. Bei nächster Gelegenheit werden wir aber wieder so ein Feldhandballspiel in Tschechien wahr nehmen – und dann auch mal 60 Minuten ein Spiel und nicht zwei Spiele nur zur Hälfte!
AC Sparta Praha 0:2 FK Teplice
Datum: Samstag 16. Oktober 2010 – Anstoß 18.20
Übersetzung: AC Sparta Prag gegen FC Teplitz-Schönau
Liga: 1. „Gambrinus“ liga (1. tschechische Profifußballliga)
Ergebnis: 0:2 nach 92 Min. (45/47) – Halbzeit: 0:1
Tore: 0:1 31. Aidin Mahmutovič, 0:2 66. Aidin Mahmutovič
Verwarnungen: Erich Brabec (Sparta); Vlastimil Vidlička, Tomáš Vondrášek, Antonín Rosa, Aidin Mahmutovič (Teplice)
Platzverweise: keine
Sportanlage: sogenannte Generali „Arena“, früher Stadion letná (Kap. 20.854 Sitzplätze)
Zuschauer: 6.942 (davon ca. 30 Gästefans)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Durchschnittliches Spiel)
Photos and English version:
1st: Sparta Praha 0:2 FK Teplice (1. Liga)
2nd: Older Pictures from Prague:
a) February 2010, b) 2005 and 2007
Ziemlich problemlos steuerte ich – mit meinem Stadtplan lesenden Vater als Navigationsgerät – den Wagen durch halb Prag bis auf den Parkplatz gegenüber des Stadions Letná. Für 50 Kronen (etwas mehr als 2€) darf man dort unbegrenzt parken. Die Karten fürs Spiel holten wir uns natürlich nicht bei dem alten Sack, der unter der Hand damit handeln wollte, sondern an einer der Kassen. Wir bekamen Karten im mittleren Preissegment für 240 Kronen (10€) pro Stück: noch nie haben wir in Tschechien so viel Geld für eine einzige Sportveranstaltung ausgegeben!
Dass die Kommerzialisierung auch vor der Tschechischen Republik nicht halt macht, ist klar. Dass es seit Jahren schon Erscheinungen wie das Verkaufen von Lizenzen und mitunter auch das damit verbundene Verschieben von Spielorten oder das Umbenennen der Vereine – je nach dem wer gerade sponsort – gibt, ist dem Fan bekannt. Wer wie mein Lieblingsklub – FK Chmel Blšany – nur vier Umbenennungen (von Sokol Blšany (1946) zu TJ Sokol Blšany, dann TJ JZD Blšany und SK Chmel Blšany, 1992 schließlich FK Chmel Blšany) erfahren hat, ist noch echt gut dabei. Der Kultklub Bohemians 1905, der auch immer gern auf Gegen-den-modernen-Fußball macht, wechselte z.B. 11 Mal den Namen. Auch Sparta hieß lange nicht „Sparta“, denn 1893 hießen sie noch AC Královské Vinohrady, ein Jahr später AC Sparta, nach dem zweiten Weltkrieg benannten sie sich in fünf Jahren vier Mal um tragen erst seit 1965 wieder konstant den Namen „Sparta“ in unterschiedlichen Formen. 2003 war die letzte der neun Umbenennungen. Was ein typischeres Anzeichen für übertriebene kommerzielle Interessen diverser Subjekte im tschechischen Sport ist, ist die Menge von Sportanlagen (Generali-Arena ist nur eine von Dutzenden), Ligen (Fincentrum Krajský přebor ist auch nur eine von Dutzenden) und selbst Vereinen (FK BAUMIT Jablonec oder SK Mondi Štětí sind nur zwei von Dutzenden) die nach mehr oder weniger sinnvollen Sponsoren, die in vielen Fällen den Verein schon nach wenigen Jahren nicht mehr unterstützen können/ wollen und ihn so mitunter in den Ruin treiben aber zumindest in mehrschichtige Schwierigkeiten bringen, benannt sind. Aber als deutscher Fan muss man da zuerst vor der eigenen Bude kehren, wenn man sich den SSV Markranstädt/ Rasenball/ Redbull Leipzig, Sparkassen/ Baufirmen/ Energieunternehmen Sponsorennamen-Amateurligen in vielen Bundesländern, die ganzen Brauerei-Landespokale oder LR-Kosmetik Ahlen anguckt.
Was man sich bei der Fußball AG Athletik Club Sparta Prag aber mal vor Augen halten muss, ist das asoziale Preisniveau der Eintrittskarten. Außer Slavia habe ich noch keinen Club gefunden, der derart hohe Preise (ist ja wie in der 3. Bundesliga bei uns!) verlangt. Sicher ist das Einkommen der Tschechen bis auf 75% vom Deutschen Einkommen gestiegen, klar sind die Preise mindestens genauso gestiegen, doch liegen sie in vielen Bereichen weiterhin unter den deutschen Preisen und sind auch für Einheimische meist fair. Gerade Sport ist sehr erschwinglich: vergleicht man mal z.B. mit den kranken Preisen die in Polen verlangt werden (Fußballkarten für die erste Liga erst ab 6€, Basketball ab 8€) wird man über Eintrittskartenpreise für 3€ bis 4€ für ordentliche Sitzplätze in Fußballstadien und Eishockeyhallen erstaunt sein. Aber bei den größenwahnsinnigen Hauptstädtern fängt die Preisspanne da an, wo sie bei den meisten anderen Vereinen aufhört oder gar nicht erst hinkommt: die billigste Sparta-Karte kostet 130 Kronen (5,50€) und die teuerste 435kc/ 18€. Dauerkarten sind zwischen 37€ und 169€ angesiedelt. Für die Verhältnisse in anderen Teilen Tschechiens wie gesagt saumäßig überteuert.
Als wir das Stadion nach sehr laschen Kontrollen über den Ost-Eingang betraten, wurden wir den ersten Eindruck von Fotos im Internet und Außenansichten nicht los: eine 0815-„Arena“, die in Premier League, Bundesliga oder wo auch immer dieser langweilige Baustil gepflegt wird, überall gleich aussieht. Abwechslung bieten in der 1. tschechischen Liga ohnehin nur noch wenige Stadien: geschmackvoll modernisiert wurden zum Beispiel die Spielstätten in Brno und Olomouc, architektonisch nicht doll aber gut in die Landschaft eingepasst ist das Stadion von Slovan Liberec, doch wirklich interessant sind nur die älteren Anlagen von Hradec Králové und natürlich Bohemians Praha. Letztere sind zwar in Sachen Eintrittspreise auch schon bei 6-12€, aber haben ein viel besseres und schöneres Stadion als Stadtrivale Sparta. Die von der Generali-Versicherung namentlich verunzierte Anlage ist nämlich ein stellenweise verbauter Allseater, der auf seltsamen Stahlträgerkonstruktionen am Rande des eigentlichen Stadions die Imbissbuden und ähnliches unterbringt und auf ebenso komischen Stahlträgerkonstruktionen oberhalb des Mittelteils der Haupttribüne Presseplätze angebracht hat. Der obere Teil der Haupttribüne ist teilweise durch Balken verbaut, die Hintertorseiten ragen auch noch seitlich rein, der Vorbereich ist kahlster, hässlichster Beton und außer einem „Sparta“-Schriftzug findet sich auch nichts Auffälliges an den Sitzen.
Apropos Schriftzüge: wenn man an der Stadionmauer die Keltenkreuze und Sparta-Graffiti mit dem „S“ in Runenschrift sieht, weiß man was für asoziale Gestalten mitunter anzutreffen sind. Allerdings hört man bei Sparta auf den Tribünen auch Deutsch, Englisch, Vietnamesisch und Türkisch ohne dass sich diese Leute fürchten müssten, von den eigenen Mit-Fans angegangen zu werden. Für den Rekordmeister ist es aber trotzdem ärgerlich, dass sich auch solche rechtsradikalen Spaste bei ihm einfinden – und das in dreistelligen Zahlen.
Die heutige Zuschauerzahl war mit knapp 7.000 nicht so doll, aber besser als bei den anderen Gambrinus-Ligisten. Die Stimmung war auch bis in die zweite Hälfte hinein für die tschechischen (insbesondere böhmischen) Verhältnisse wirklich gut, da bei den Wechselanfeuerungen zwischen Hintertorbereich und Gegentribüne so viele mitgingen, dass es richtig laut wurde. Emotionen ist man ja in Tschechien gar nicht gewohnt. Höchstens noch von den mitunter ziemlich derb und aggressiv – aber eben auch stimmungsvoll – auftretenden Prager und Mährischen Fans. Ansonsten waren natürlich nur die Ultras anfeuerungsmäßig in Aktion. Alles aber bekannte Melodien und 0815-Texte. Die Gästefans waren kaum zu hören und erst recht nicht so einfallsreich. Die Jungs aus Teplice waren aber auch zahlenmäßig sehr wenige.
Das heutige Spiel war eine Spitzenbegegnung zwischen dem nach einem schlechten Start mittlerweile auf Platz 2 stehenden Rekordmeister (19 tschechoslowakische und 13 tschechische Meistertitel und zahlreiche Pokalsiege) Sparta und dem ebenso schlecht gestarteten aber jetzt auf dem 5. Platz stehenden FK Teplice, der in seiner Vereinsgeschichte drei Pokale gewann. Tabellenführer ist derzeit aber Viktoria Plzeň, was deren erste Meisterschaft wäre. Im Übrigen fallen noch die schlechte Platzierung (13. von 16) von Slavia Praha, die sonst fast so erfolgreich wie Sparta sind, und die gerade einmal drei Siege des Vereins aus Brünn, dem derzeitigen Tabellenletzten auf. Richtig übel fällt aber auf, dass der 1. FC Brno nun „FC Zbrojovka Brno“ heißt: Zbrojovka war zwar schon 1948 bis 1956 Namensbestandteil, somit also eine Rückbenennung, aber das der Industriebetrieb Česká Zbrojovka den Klub sponsort und den Namen gekauft hat ist eine Verhöhnung des Sports und in vielen europäischen Ländern aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem sportlichen Fairplay gar nicht möglich; denn die auch noch stark auf Kundschaft aus den USA orientierte Česká Zbrojovka ist ein Waffen- und Rüstungsbetrieb. So ein Sponsor ist wirklich unpassend für Sportvereine!
Zurück nach Prag, wo die beiden Teams dem Spitzenspiel im positiven Sinne nicht ganz gerecht wurden. Das Spiel war zwar nicht schlecht, hatte aber den ein oder anderen Durchhänger. Über Geschwindigkeit und technische Fertigkeiten konnte man sich zwar nicht beklagen, aber dass die aktivere Mannschaft, Sparta, so derartig dilettantisch vorm Tor agiert, war nicht so toll. So traf Teplice mit einem Glückstreffer, d.h. einem von einem Sparta-Spieler enorm abgefälschten Ball, vor der Pause zum 0:1. Aber egal: Hauptsache kein torloses Unentschieden!
Nach der Pause war wieder das gleiche Bild wie zuvor zu sehen: Teplice zeigte die ein oder andere Attacke, was jedoch selten gefährlich war und auch alles in allem nicht so aktiv aussah wie bei Sparta. Das Tor erzielte aber wieder der Gast: diesmal auch ein schöner Kopfball und kein Murmeltor. Der Endstand betrug somit 0:2.
Nach dem Spiel brauchten wir eine ganze Stunde um zum Hotel zu kommen: selbst mit Stadtplan ist Prag ziemlich unübersichtlich. Gut, dass wir nicht zum ersten Mal dort sind. Als Mehrfachfahrer kann ich nur sagen: wer eine schönere Hauptstadt zu kennen meint, der soll sie mir mal zeigen. So eine herausragend schöne und geschlossene sowie flächenmäßig große Altstadt gibt es kein zweites Mal! Wer Prag nicht gesehen hat ist reisetechnisch nicht mehr als eine Flachzange und kann nicht behaupten, viel von der Welt gesehen zu haben.
Zum Hotel muss man sagen, dass das „Easy Journey“ zwar nicht so einfach zu finden ist, da es in der Straße Plzenska kaum erkenntlich in Hausnummer 22 untergebracht ist, aber für 30€ das Doppelzimmer (kann man wohl auch mit bis zu fünf Leuten belegen) einen fairen Preis macht. Die Zimmer sind einfache, aber saubere und geräumige Buden mit Bad. Auch der Hotelier ist völlig O.K. Beim ihm bezahlt man gleich in bar.
Zum Abschluss des Tages mussten wir noch mal zur Tanke, da das der einzige Ort im zwei Kilometer Umkreis vom Hotel war, der etwas zu essen zu bieten hatte. Dort wurde man dann mal wieder von der Sorte Bedienstete bedient, die in der Tschechischen Republik ein echtes Problem darstellen. Wer etwas von „Servicewüste Deutschland“ faselt, soll sich mal in Tschechien umgucken. Da ist man in Deutschland so was von meilenweit voraus, was Umgang mit Kunden und unter den Mitarbeitern angeht, dass es auch Tschechen mitunter peinlich ist, wie schlecht ihre Kellner, Tankstellenmitarbeiter, Supermarktkassierer etc. sind. Diese Saubande ist so derartig unfreundlich, arrogant und unmotiviert, dass man die eigentlich nur fragen kann: „Wollt ihr Wichser eigentlich was verkaufen oder soll ich wieder gehen?“
Allerdings sollte man sich weder von der oft kühlen Art der Einheimischen, noch der erschreckenden Defizite im Dienstleistungssektor abschrecken lassen. Die ab und an anzutreffenden herzlichen und höflichen Einheimischen zum einen und vor allem die enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten auf annehmbarer, hoher und höchster Qualität machen das wieder um ein Vielfaches wett. Auch wenn ich mindestens ein Land – nämlich Syrien – noch mehr schätze und als Reiseziel auch noch mehr empfehlen kann: Tschechien ist so sehenswert, dass kein Weg dran vorbei führt – denn wo gibt es sonst so viele herrliche Burgruinen, tolle Schlösser und Paläste oder altmodische Sportanlagen auf so engem Raum?!
Statistik:
Ground Nr. 484 (drei neue Grounds; diese Saison: 34 neue)
Sportveranstaltungen Nr. 1.156 - 1.159 (diese Saison: 47)
Tageskilometer: 210 (Auto)
Saisonkilometer: 10.780 (7.480 Auto/ 1.440 Fahrrad/ 850 Bahn, Bus, Tram/ 800 Schiff, Fähre/ 0 Flugzeug)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 71
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 220
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