Mittwoch, 18. März 2015

W451II: Einer der wenigen Rasenplätze Bonns

FC Eintracht Geislar 1962 FR ............................ 2
FC 1920 Flerzheim FR ......................................... 0
- Datum: Mittwoch, 18. März 2015 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Kreisliga A Frauen, Bonn (7. und unterste Spielklasse im Frauenfußball)
- Ergebnis: 2-0 nach 91 Minuten (45/46); Halbzeitstand: 1-0
- Tore: 1-0 4. Vivienne Nieland, 2-0 80. Britta Halfpap
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportplatz Geislar (Kap. 500 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 20 (davon Gästefans: ca. 8)
- Unterhaltungswert: 4,0/10 (Spiel war ganz OK, aber zweite Halbzeit war schwächer als erste)  
Photos with English Commentary:
Women’s Football: Eintracht Geislar defeat FC Flerzheim

Das ist mal ein richtiger Fußballplatz: kein Kunstrasen, keine Asche, sondern der in Bonn sehr seltene Naturrasen! Natürlich träumt man auch im nach Bonn-Beuel eingemeindeten Kuhkaff Geislar von einem Kunstrasen, aber noch handelt es sich beim Sportplatz Geislar um einen unebenen, an vielen Stellen weggetretenen Naturrasen, der mitten in der Siedlung liegt.

Der Acker ist immerhin von ein paar Baustrahlern an Metallpfählen beleuchtet, sodass man hier unter Flutlicht spielen kann. Das tat auch heute die Frauenmannschaft des FC Eintracht – und zwar gegen die Truppe aus Flerzheim, einem Ortsteil von Rheinbach, der südwestlich von Bonn liegt.

Das Spiel war v.a. in der ersten Halbzeit nicht schlecht und die Gastgeberinnen gingen schnell in Führung. Geislar war klar überlegen, Flerzheim kam kaum zu Chancen. Es dauerte dann bis in die Schlussphase, in einem mittlerweile auch nach der Pause verflachten Spiel, ehe Geislar den verdienten Sieg klar machte. Ein guter Schuss von der Strafraumgrenze ins Eck sorgte für den 2:0 Endstand.  
Statistik:
- Grounds: 1.312 (heute 1 neuer; diese Saison: 158 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.316 (heute 1; diese Saison: 204)
- Tageskilometer: 10 (10km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 45.630 (31.440 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 4.470 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.500 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 28 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 451

Dienstag, 17. März 2015

W451I: Fast geheimes internationales Testspiel

Düsseldorfer TSV Fortuna 1895 B ..................... 2
U17-Nationalmannschaft der Ukraine ............... 1
- Datum: Dienstag, 17. März 2015 – Beginn: 17.00
- Wettbewerb: Internationales Testspiel (Verein gegen Nationalmannschaft, U17-Junioren)
- Ergebnis: 2-1 nach 80 Minuten (40/40); Halbzeitstand: 1-1
- Tore: 1-0 13. (6?), 1-1 33. (4), 2-1 50. (19)
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Paul-Janes-Stadion (Kap. 7.200, davon 2.280 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 45 (davon ca. 10 Ukrainer)
- Unterhaltungswert: 5,5/10 (Mittelmäßiges Spiel)  
Photos with English Commentary:
International Friendly: Fortuna Düsseldorf U17 – Ukrainian National Team U17

Keine Ahnung ob die Ukrainer Angst vor pro-russischen Randalierern hatten – bei der in Deutschland aufgrund von übertriebenem Amerikahass und Geschichtsblindheit um sich greifenden Sympathie für den russischen Aggressor kann man das sogar nachvollziehen – oder ob Fortuna Düsseldorf einfach zu blöd ist, ihre Seite ordentlich zu pflegen: jedenfalls fanden sich außer bei fussball.de keinerlei Information zu diesem internationalen Testspiel zwischen der ukrainischen U17-Nationalmannschaft und der B-Jugend von Fortuna Düsseldorf – weder auf Fußballseiten noch in der Presse.

Ausgetragen wurde der Testkick im Paul Janes Stadion, das mit einer überdachten und mit Fußballgraffitis originell verzierten Sitztribüne sowie primitiven und aufgrund hoher Zäune in der Sicht beeinträchtigte Stehtribünen auf den anderen drei Seiten daherkommt. So etwas richtig Besonderes ist der Ground nicht, aber das Panorama im Hintergrund – die Stadtwerke mit ihrem E-Werk – macht schon was daher...

Das Spiel war auch ganz OK, wobei es jetzt keine überragenden Szenen bereithielt. Beide Teams waren etwa gleich stark. Düsseldorf ging nach einer knappen Viertelstunde in Führung und nach über 30 Minuten gelang den Ukrainern im Nachschuss der Ausgleich. Insgesamt zeigten sich die Ukrainer aber zu harmlos im Sturm – Düsseldorf schaffte es hingegen in Halbzeit zwei noch einen Konter erfolgreich abzuschließen und mit 2:1 als Sieger den Platz zu verlassen.  
Statistik:
- Grounds: 1.311 (heute 1 neuer; diese Saison: 157 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.315 (heute 1; diese Saison: 203)
- Tageskilometer: 140 (140km Auto)
- Saisonkilometer: 45.620 (31.440 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 4.470 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.490 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 27 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 451

Montag, 16. März 2015

W450VII(MOR15;17): Zurück in Bonn, zurück in Marokko

Marokkanischer Sportverein Bonn .................... 4
SV Rot-Weiß Bonn-Röttgen ................................ 2
- Datum: Sonntag, 15. März 2015 – Beginn: 15.15
- Wettbewerb: Kreisliga B Bonn, Staffel 1 (9. Spielklasse, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 4-2 nach 92 Minuten (45/47); Halbzeitstand: 2-0
- Tore: 1-0 15. NN, 2-0 33. NN, 2-1 47. XY, 3-1 60. NN, 4-1 83. NN, 4-2 89. XY
- Verwarnungen: nur Nr. 7, 9, 10, 11 (MSV); Nr. 15 (Röttgen)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportplatz Tannenbusch, Kunstrasenplatz Hohe Straße (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon Gästefans: ca. 5)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz gutes Spiel)  
Photos with English Commentary:
Amateur Football in Bonn, Germany: Moroccan S.C. Bonn v RW Bonn-Röttgen

4 Uhr auf, 5 Uhr los zum Flughafen, da 5.30 an und durch langwierige Kontrollen irgendwann kurz nach 6.30 im Boardingbereich. Um 7.30 hob der Flieger der Ryan-Air dann auch ab und landete pünktlich in Köln. Also Preis-Leistung stimmte hier wirklich bei der Ryan-Air, das muss man schon sagen: außer dass sie einen verlässlich irgendwo (in meist recht abgelegene Flughäfen) hinbringen, leisten die zwar nichts, aber das reicht ja, wenn man für einen Flugreise Weeze – Fès – Stansted – Köln/ Bonn nur 150€ pro Person zahlt! Die scheiß Bahn hingegen war wie immer unpünktlich, sodass ich erst nach 12.30 Uhr an der Wohnung ankam.

Am Nachmittag bin ich dann noch ins größte Asiviertel von Bonn gefahren: der Stadtteil Tannenbusch ist dominiert von ungebildeten nordafrikanischen und osteuropäischen Zuwanderern, sowie genauso ungebildeten einheimischen Bonnern. Besonders gepflegt sieht es nirgendwo aus, schön wohnen ist auch was anderes. Aber immerhin gibt es einen guten Kunstrasenplatz. Der ist nur leider sehr gesichtslos, da nur ein paar Bäume um den ausbautenlosen Platz herumstehen. Nachdem ich die Anlage aufgenommen hatte, sprach mich noch ein junger Mann (wahrscheinlich bei dem anfänglichen Misstrauen wirklich jemand der was zu verbergen hat: ein lokaler Bandenkrimineller oder so) misstrauisch an, ob er und seine Leute auch mit drauf seien, aber als er meine Fotos vom Platz auf dem Display gesehen hatte, entschuldigte er sich richtig freundlich und mit Schulterklopfen, dass er gleich so nachgefragt hatte. Aber das waren schon die letzten Galgenvögel die da abhingen: mit 100 Zuschauern eine wirklich gute Masse für Kreisliga B, aber ich würde gerne mal sehen, wie die Leute abgehen, wenn der Marokkanische SV verschoben wird und dadurch ein wichtiges Spiel verliert: da ist die Clique von dem Typen, der mich angesprochen hatte, garantiert auf dem Platz und randaliert...

Auf dem Sportplatz Tannenbusch spiel übrigens mit Kreisliga A am höchstklassigsten der älteste noch existente türkische Verein (VTA = Verein Türkischer Arbeitnehmer Bonn). In der Kreisliga B ist dann der Marokkanische SV angesiedelt. Den Zuschauergesprächen in meiner Nähe nach zu urteilen, hätten die sich auch „FC Nador“ oder „SV Rifgebirge“ nennen können: hier wurde mehr Berber als Arabisch gequatscht – und natürlich viel flüssiges, hervorragendes, nur im Ausdruck halt nicht immer so gewähltes Deutsch...

Für ein Spiel des MSV gab es sehr wenige Karten: man merkte zwar, dass den überwiegend (berberisch?) marokkanischen Spielern Fairplay unbekannt ist und bei eigenen Fouls der Gegner immer ein Schauspieler ist, während man sich bei jeder normalen Rempelei vom Gegner schreiend fallen lässt als hätte man einen Sprungtritt gegen den Hinterkopf bekommen – aber nur vier Gelbe ist wirklich im Rahmen. Die Gästebank mit ihrem lustigen, aber etwas übertrieben schimpfenden Hilfslinienrichter hatte natürlich dauernd was zu meckern – aber bei denen war ja das andere Extrem: beim MSV nicht ein einziger Deutscher ohne Migrationshintergrund, nur Marokkaner und ein Türke und ein Italiener oder so – bei Rot-Weiß Röttgen ausschließlich Deutsche und ein Türke. So eine Gruppenbildung ist für westdeutsche Großstädte typisch und kotzt mich echt an!

Das Spiel war erfreulicher als die ethnische Verteilung – MSV war in allen Belangen besser, aber profitierte auch vom überforderten Schiedsrichter, der 15 Minuten nach der schnell und sauber erzielten 1:0 Führung einen zweifelhaften indirekten Freistoß (warum auch immer) vorm Strafraum verhängte, der erst in die Mauer, dann bei der ersten Wiederholung durch einen Torwartfehler ins Tor und dann bei der zweiten Wiederholung zu einem MSV-Stürmer geschossen wurde, der dann aus Abseitsstellung den Röttgen-Schlussmann tunnelte. Das 2:1 nach der Pause war der einzige wirklich gute Spielzug der Gäste. Das hoch ins Eck geschossene 3:1 und das durch die Beine der Abwehr gemogelte 4:1 waren angemessene Antworten darauf. In der Schlussphase erzielte Röttgen noch das 4:2, aber mehr war nicht drin.

Ein paar Tage zuvor hieß es noch richtiger marokkanischer Fußball. In Khemisset, Agadir und Marrakesch – aber hier in Bonn war natürlich auch nicht schlecht!  
Statistik:
- Grounds: 1.310 (heute 1 neuer; diese Saison: 156 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.314 (heute 1; diese Saison: 202)
- Tageskilometer: 660 (600km Flugzeug, 40km Bahn, 10km Auto, 10km Fahrrad)
- Saisonkilometer: 45.480 (31.300 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 4.470 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.490 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 26 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 450

W450IV-VI(MOR15;14-16): Zwischenstopp auf der Insel; Rugby-League-Riesen, Premierleague in Wales und United of Manchester statt Manchester United

Halesowen Town FC ........................................... 0
FC United of Manchester ................................... 1
- Datum: Samstag, 14. März 2015 – Beginn: 15.00
- Wettbewerb: Northern Premier League/ Premier Division, sogenannte „EvoStik League” (7. englische Fußballliga, 1. Halbprofiliga)
- Ergebnis: 0-1 nach 93 Minuten (46/47); Halbzeitstand: 0-0
- Tor: 0-1 75. Craig Lindfield
- Verwarnungen: Aaron Daniels (HTFC); Greg Daniels, Thomas Brown, Craig Lindfield (FCUM)
- Platzverweise: keine
- Spielort: The Grove (Kap. 4.000, davon 400 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.000 (davon 1.478 zahlende und ca. 1.400 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Mittelmäßiges Spiel, aber toller Away Support)

Aberyswyth Town Football Club 1881 .............. 2
Port Talbot Town Football Club 1901 ............... 2
- Datum: Freitag, 13. März 2015 – Beginn: 19.45
- Wettbewerb: Welsh Premier League/ Uwch-gynghrair Cymru (1. walisische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 2-2 nach 96 Minuten (47/49); Halbzeitstand: 0-1
- Tore: 0-1 25. Luke Bowen, 0-2 50. Chad Bond, 1-2 53. Craig Williams, 2-2 64. Craig Williams (Foulelfmeter)
- Verwarnungen: TW Steven Cann, Lee Surman, Ashley Evans, Luke Bowen (alle Port Talbot)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Park Avenue (Kap. 1.500, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 600 (davon 463 zahlende und ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Spannendes und gutes Spiel, originelle Stimmung)

Huddersfield Giants ........................................... 22
Castleford Tigers .................................................. 0
- Datum: Donnerstag, 12. März 2015 – Beginn: 20.00
- Wettbewerb: Super League (1. professionelle englische Liga im 13er-Rugby)
- Ergebnis: 22-0 nach 80 Minuten (40/40); Halbzeitstand: 6-0
- Punkte: 4-0 38. Jamie Ellis (Try), 6-0 39. Danny Brough (Conversion), 10-0 44. Ukuma Ta’ai (Try), 12-0 45. Danny Brough (Conversion), 16-0 63. Aaron Murphy (Try), 18-0 66. Danny Brough (Freekick), 22-0 78. Jermaine McGillvary (Try)
- Strafen: keine
- Spielort: The John Smith’s Stadium (Kap. 24.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 8.000 (davon 5.257 zahlende und ca. 1.000 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Hervorragendes Rugby!)  
Photos with English Commentary:
a) Rugby League in Huddersfield, England: Huddersfield Giants defeat Castleford Tigers
b) Non-League Football in Halesowen, England: Halesowen Town FC v FC United of Manchester
c) Premier Division Football in Aberyswyth, Wales: Aberyswyth Town v Port Talbot Town
d): England: Newark Castle, Church & Historic Houses; Conisbrough Castle; Sandal Castle; Ludlow Old Town; Halesowen Town Centre
e): Wales: Rhuddlan Castle, Conwy Castle and Walled Town, Dwygyfylchi Landscape, Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch Village, Caernarfon Castle, Snowdonia Landscape, Machynlleth Clock Tower, Aberyswyth Castle, Cwmbrwyno Landscape

Videos: 
a) FCUM Support: Pre-Match Singing (My Youtube Channel) 
b) FCUM Support: Singing During Match (My Youtube Channel)
c) Yelz TV: Match Highlights (Official HTFC Channel)   
Lange Passkontrolle in Stansted, mit dem Mietwagen erstmal falsch auf die Autobahn abgebogen und dann erst nach 22km wenden können, schließlich noch nach dem Hotel an einer Tanke fragen müssen (in England werden oft keine Hausnummern bei Hoteladressen angeben, was bei einer 4km langen Straße echt intelligent ist...) – so kamen wir erst kurz vor 2 Uhr im Days Inn Bishop’s Stortford an.

Entsprechend spät ging es Donnerstag auf die Piste. Die Besichtigung der Altstadt in Cambridge musste gestrichen werden, aber die Altstadt von Newark (West Yorkshire) mit Burgruine und innen sehr schön gestalteter Kirche sowie einigen typischen Fachwerkhäusern die sich im Baustil von deutschen Fachwerkhäusern unterscheiden, war mindestens genauso sehenswert. Auch Conisbrough lohnte sich, auch wenn man nur um die Burgruine auf dem Hügel mit tief eingeschnittenem Grabensystem herumlaufen konnte, da sie geschlossen war. Sandal Castle war hingegen offen: die Ruine liegt frei zugänglich auf einem Hügel oberhalb von Wakefield.

Nach der Besichtigung übergab ich meinem Vater wieder das Steuer – eigentlich hätte ich eh nicht fahren dürfen, da wir die 50€ für den Zusatzfahrer nicht gezahlt hatten, aber links fahren, rechts sitzen und mit der linken Hand den Schaltknüppel betätigen, wollte ich schon lange mal probieren: klappt auch gut, man gewöhnt sich dran, aber sinnvoll finde ich Linksverkehr trotzdem nicht, da die meisten Menschen Rechtshänder sind und daher das Schalten nervt (und Automatik ist was für Lutscher die nicht richtig Autofahren können) – und wir fuhren von Wakefield, das schon richtig drin in der hässlichen Industrieregion um Manchester ist, nach Huddersfield. Hier in der Ecke sehen Häuser und Straßen oft richtig heruntergekommen aus. Hierhin fährt man auch nicht zum Sightseeing, sondern zum Sport...  
Der ausgesprochen freundliche Ordner vor der Stadionkasse in Huddersfield bemerkte schon passend, dass hier immer mal Deutsche oder Skandinavier zum Fußball kommen, aber zum Rugby eher nicht. Dabei ist Huddersfield der Geburtsort der Variante mit 13 Spielern (Rugby League, Rugby Union mit 15 Akteuren ist gängiger und in England beliebter) und ein Spielbesuch sehr lohnend. Und viel billiger als Premier League bei ManU oder Liverpool auch nicht – nur problemloser in Sachen Karten: die 24 Pfund pro Ticket (37€) zahlt man einfach an der Kasse. Dann kann man sich noch vom Ordner (Steward) den Weg zum Pub erklären lassen. Neben dem Kino bietet ein mit dem Verein verbundener Pub so tolle Sachen wie „Doughnut Burger (ein großer gezuckerter und sehr süßer Donut dient als Burgerbrötchen für dicke Rindfleischscheiben mit Salat und scharfer Soße) with Chips (dicke Pommes) and Onion Rings (gebackene Zwiebelringe)“ an. Dazu kann man z.B. ein Cidre with Strawberry and Lime trinken. Pro Person kommt man nicht unter 12€ raus, aber für englisches Essen ist das wenigstens wirklich gut.

30 Minuten vor Kick-Off betraten wir das sehr schön gestaltete Stadion, das als All-Seater mit blauen und roten Sitzen unter zeltartigen Dächern, die symmetrisch auf die ungewöhnlich geformten Flutlichtmasten zulaufen, konzipiert ist. Dümmliche Schilder weisen u.a. darauf hin, dass man nicht während des Spiels stehen solle. Wie üblich in England wurde man auch noch mehrfach vom Stadionsprecher aufgefordert, vulgäre und beleidigende Sprache zu unterlassen und nicht zu rauchen. Jede Scheiße ist auf der Insel reglementiert – irgendwann wird noch mal die Lautstärke eines Torjubels festgelegt...

Die Heimfans der Huddersfield Giants waren ziemlich schwach und gingen trotz des hervorragenden Spiels ihrer Mannschaft nicht so mit wie die Anhänger der unterlegenen Mannschaft aus Castleford. Die Gästefans der Tigers übertönten mit ihren landestypischen Gesängen regelmäßig die zahlenmäßig stärkeren Heimfans.

Das Spiel wurde wie gesagt von Huddersfield gewonnen. Lange war es so ausgeglichen, dass die starken Abwehrreihen kein Durchkommen ermöglichten, doch kurz vor der Pause sprintete ein Huddersfielder plötzlich an einem Gegenspieler vorbei und passierte mit dem Ball sicher im Arm die letzte Abwehrreihe zum ersten Versuch. Nach erfolgreicher Erhöhung stand es so 6:0. Nach der Pause setzte sich Huddersfield dann kontinuierlich ab, während Castleford chancenlos gegen die Verteidigung agierte. Mit einem 22:0 (2 der Punkte wurden durch einen Straftritt erzielt, der Rest durch Tries und Conversions) setzte sich die Heimmannschaft also ganz überragend durch.

Wir fuhren noch eine halbe Stunde nach Westen an den Rand von Manchester nach Oldham, wo wir in ein gutes Motel („247“ also „Twentyfour Seven“) eincheckten. Aber mal kein weiterer Kommentar dazu, dass in UK 60€ für ein Doppelzimmer als „billig“ bezeichnet werden...  
Trotz mehrerer kleiner Staus waren wir schnell in Wales. Den Grenzübertritt erkennt man daran, dass nun überall Schilder stehen, von denen man die Hälfte nicht versteht, da außer Englisch noch eine Ansammlung von Konsonanten (v.a. W; Ll und Y) mit vereinzelten Vokalen auf die Schilder gedruckt wurden. Diese keltische Sprache namens Walisisch sollte man sich echt mal im Internet anhören: sehr hart mit viel „ch” und gerolltem „rr” wie Arabisch oder Spanisch z.B. und v.a. versteht man so gut wie gar kein Wort.

Wir trafen eine Auswahl an Sehenswürdigkeiten, denn Wales hat ziemlich viel an Burgen und auch Hügel- und Berglandschaften zu bieten. Zu erst besuchten wir Rhuddlan Castle, dass ein ansehnlicher Bau oberhalh eines Flusses ist, aber bis April noch geschlossen ist.

Conwy Castle war dann gegen 9€ Eintritt offen. Die sehr große und eindrucksvolle Burgruine liegt oberhalb der komplett ummauerten Altstadt des Küstenortes. Sehr markant ist in Großbritannien bei solchen mittelalterlichen Burganlagen die Turmform: sechs- oder achteckig oder rund und dann auf dem Turm noch mal ein turmartiger Aufsatz (rund oder wieder achteckig oder so), der dem Baukörper eine ganz eigene Form verleiht.

Beim Dorf Dwygyfylchi fotografierte ich noch etwas die Landschaft – für durchschnittliche 1,70€ pro Liter (Diesel ist mit 1,80€ noch teurer) betankten wir dort auch die Mietkarre – und dann querten wir die riesige Brücke auf die Insel Angelsey, die zu Wales gehört. Dort liegt ein berühmtes Dorf, dass als Llanfairpwll (Lan-faier-puhl gesprochen) abgekürzt wird, aber mit vollem Namen ernsthaft „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch” heißt. Klar, dass im ganzen Ort massenhaft Schilder stehen, die diesen Namen tragen. Ein Gasthaus hatte auch die Englische Übersetzung vom Ortsnamen, die ins Deutsche übertragen lautet: „St. Marien-Kirche in der Mulde der weißen Haselnussbäume nahe der reißenden Stromschnelle von St. Tysilio von der roten Höhle”.

Wieder über die Brücke und dann nach Caernarfon, wo eine ähnlich eindrucksvolle Burg wie in Conwy steht. Auch hier sind die Türme sehr markant und die Schildmauern enorm hoch. Es gab auch diesmal noch ein richtiges Museum, wobei hier berühmte Waliser (v.a. im Militär) im Mittelpunkt der Ausstellung standen. Aus irgendeinem Grund wurde allen Besuchern an diesem Freitag dem Dreizehnten freier Eintritt gewährt. Die Altstadt von Caernarfon ist ebenso sehenswert ummauert und an einer von Hügeln flankierten Bucht gelegen wie jene von Conwy.

Weiter ging es auf engen, von kleinen Steinmauern begrenzten Straßen durch den Snowdonia Nationalpark. Als die schöne Landschafter etwas weniger sehenswert wurde, tauchte dann in Machynlleth ein interessanter viktorianischer Uhrturm auf. Gegen 17Uhr waren wir dann in Aberyswyth, wo wir erst in einem B&B eincheckten und dann die am Irischen Meer gelegene Burgruine (frei zugänglich) besichtigten. Als Ort ansich machte Aberyswyth auch einen guten Eindruck. In einem schönen Fachwerkhaus fanden wir auch was zu essen: mal wieder ein Pub und mal wieder ein großer Burger mit viel Rindfleisch und dazu dicke Pommes und diverse Soßen und als Getränk ein Cidre mit Sirup...  
Fußläufig befindet sich das Stadion von Aberyswyth was ein ganz feiner Ground ist: hinter versifften Werkstattschuppen gelegen, betritt man den Ground für nur 5 Pfund (8€) durch ein typisches enges Kassenhaus mit Drehkreuz. Rechts befinden sich primitive Fressstände und eine hohe, überdachte Tribüne mit Blechverkleidung, Holzbalken und etwa 350 Schalensitzen. Links hinter dem Tor gibt es eine niedrige Wellblechüberdachte Sitztribüne mit etwa 320 Sitzen. Dann weiter links herum um den Platz gibt es vor den Werkstätten noch eine mit etwa 330 Sitzen bestückte unüberdachte Sitztribüne – auch wieder schön in schwarz und grün gehalten. Daneben ein kurios aussehender Sprecherturm mit drei Stockwerken, der auch für Fernsehteams genutzt wird. Hinter dem anderen Tor ist nur noch ein Graswall. Schon ein absolut genialer Amateurground, wobei die 1. Walisische Liga immerhin eine halbprofessionelle Liga ist. Schade, dass da nur dreistellige Zuschauerzahlen kommen!

Die Zuschauer, die heute kamen, waren aber teilweise recht kurios. Typisch britisch irgendwie: hocken immer hinterm Tor, die Gästefans dann immer hinter dem Tor des gegnerischen Torwarts, und grölen sich dann recht melodisch gegenseitig an. Hier gibt es auch kein Gesülze wegen „abusive language“. Da wird auf „you are just a busstop in Swansea“ (Port Talbot ist ein Kaff bei Swansea) mit „shut up you fuckers“ geantwortet oder auf die Gesänge der Gästefans wegen der zur Behandlung aufs Feld gekommenen Aberyswyth-Betreuerin „we want your physio, she’s pretty“ mit „stick it up your arse“ reagiert...

Zuerst hatten nur die 10 mitgereisten Fans aus Port Talbot etwas zu feiern, denn ihr Team war aktiver und besser und spielte nach 25 Minuten den Schlussmann der Heimelf aus um zum 0:1 einzuschieben. Nach einem Rückpass kurz nach der Pause verlor der Schlussmann dann erneut ein Dribbling gegen einen Gästestürmer und es hieß 0:2. Doch kurz darauf erhöhte Aberyswyth den Druck, erzielte das 1:2, holte dann in einem immer besser werdenden Spiel einen Elfer heraus, den sie sicher verwandelten und vergeigten noch Chancen in der Schlussphase, die zum Sieg hätten führen müssen. Aber auch Port Talbot hatte einiges zu bieten: einmal klärte der ATFC-Keeper per Flugkopfball vorm Strafraum. Am Ende also ein sehenswertes 2:2 für den Länderpunkt Wales!  
Samstag bekamen wir in der Unterkunft gutes „Cooked Breakfast“ was auch als „Welsh Breakfast“ bezeichnet wurde, obwohl es sich nicht wirklich vom „English“ oder „British Breakfast“ unterschied... Dann ging es durch die ansehnliche, aber ziemlich kahle walisische Berg- und Hügellandschaft nach England rüber. Dort lag für uns zum Spielbesuch in Halesowen die sehenswerte Kleinstadt Ludlow auf dem Weg, doch da war so ein Verkehrschaos aufgrund des Marktages, dass wir nur kurz die Fachwerkhäuser und die Burganlage von außen besichtigen konnten. In Halesowen bei Birmingham angekommen, parkten wir vor dem sehenswertesten Haus der Stadt: dem Fachwerkbau unterhalb der Kirche in der Ortsmitte. Mehr Baukultur gibt es da nicht – wobei: es gibt ein sehr schönes Stadion!  
Das Stadion nennt sich „Der Hain“ also „The Grove“ und bietet 4.000 Leuten Platz. Man muss sich wie üblich durch ein Drehkreuz (Turnstile) quetschen, nachdem man dort völlig überzogene 10 Pfund (15€) auf den Tisch gelegt hat. Für eine Partie der 7. Liga! Allerdings ist in England die 7. Liga auch die 1. Halbprofiliga und somit mit Regionalliga vergleichbar, für die man auch schon mal 8€-10€ anlegen muss. Es gibt in England je nach Region 19 bis 24 Ligen! Dann hat man die Auswahl, ob man überdacht sitzen will (eine niedrige, wellblechgedeckte Tribüne mit blauen und weißen Sitzen) oder ohne Dach stehen will (entweder hinter dem einen Tor oder auf der einen Längsseite: jeweils bis zu zehn Reihen massive Stehstufen mit einigen blauen Wellenbrechern und natürlich KEINEN Zäunen davor, sondern eine niedrige Bande zum Spielfeld hin) oder wie wir überdacht stehen will (hinter dem zweiten Tor neben den verrottet aussehenden Klos sind sieben Betonstufen mit Wellblech überdacht worden). Insgesamt gesehen ist The Grove in Halesowen ein richtig typisches englisches Non-League Stadion und ein Besuch sehr empfehlenswert.

Besonders empfehlenswert natürlich dann, wenn Horden von Mancunians einfallen, unter die wir uns gleich mal stellten, nachdem wir im angrenzenden Free House noch einen erstaunlich guten „Steak and Ale Pie“ (Rindfleisch in einer Blätterteigtorte mit dunkler Biersoße und dazu Blumenkohl, Erbsen und natürlich dicke Pommes) mit selbstverständlich einem Bier (bin eigentlich kein Biertrinker, aber wenn man vom „Children’s Menu“ eine Cola ordert macht man sich ja lächerlich in Pubs und Free Houses – und so ein Cidre ist ja auch sehr angenehm im Geschmack) eingenommen hatten.

Der FC United of Manchester ist die Attraktion in der 7. Liga. Mittlerweile auf dem Weg in den bezahlten Fußball, hatten sie in der 3. Halbprofiliga (9. Liga, die Amateurligen darunter erfordern keine Lizenz, sodass man als neugegründeter Club auch auf Level 9 oder gar 6 einsteigen kann) angefangen. 2005 wurde der Verein von Fans des Premier League Vereins Manchester United gegründet, da der US-Investor (im Programmheft schön als „größenwahnsinnig“ bezeichnet) den Club kaufte und somit den Fans die Möglichkeit nahm, als Mitglied eines richtigen Vereins Einfluss auf dessen Geschicke zu nehmen. Da ManU eine Franchise wurde, gründete man also bewusst einen Verein, bei dem gilt: jedes Mitglied hat eine Stimme bei Wahlen im Verein. Im von Firmen und Investoren völlig eigensinnig gelenkten englischen Fußball spricht so etwas erfreulich viele Leute an. Dieses Jahr wird übrigens ein eigenes kleines Stadion für den Verein mit den mit weitem Abstand besten Zuschauerzahlen in Liga 7 (im Schnitt knapp 2.000) in Manchester eröffnet. Das Problem der ständigen Untermiete in anderen Stadien der Großstadt wird in dem ersten Video (pre-match) was ich oben hochgeladen habe, besungen.

Die Stimmung durch die Gästefans war herausragend: im Verhältnis von ca. 1.400 FCUM zu 600 Halesowen-Fans sangen mehrere Hundert Aktive das Stadion zusammen. Hier wurde merklich weniger gepöbelt als in Wales, so steril wie in höheren Ligen ist die Stimmung aber nicht. Eindrucksvoll war aber v.a. wie melodiös doch die Engländer ihre Teams anfeuern. Die Texte sind oft ziemlich einfallsreich und geschickt formuliert, die Melodien einprägsam. Ist zwar nicht so flott wie in Südeuropa oder Nordafrika da die Fangesänge auf Kirchenlieder zurückgehen (der erste Fangesang in einem englischen Stadion war wohl um 1900 „Michael row the boat ashore“), aber man kann auch mal einen anderen Gesangsstil und ganz ohne Lärminstrumente (keine Trommeln oder Blasinstrumente, die den Rhythmus vorgeben würden) loben!

Das Spiel war nicht ganz so begeisternd, aber sehr offensiv geführt. Beide Seiten hatten gute Aktionen vorm Tor, aber beide Abwehrreihen hielten den oft zwar sehr schnellen aber technisch nicht sonderlich gut vorgetragenen Angriffen stand. Erst 15 Minuten vor dem Ende landete eine der Flanken dann auf dem Kopf eines FCUM-Stürmers und der netzte dann geschickt ein zum erlösenden 0:1, das auch den Endstand bedeutete.  
Nach dem Spiel fuhren wir direkt nach London Stansted zurück. Am Sonntag mussten wir schon kurz nach 4 Uhr aufstehen und am Flughafen trennten sich unsere Wege: mein Vater flog erst gegen 12 Uhr nach Leipzig, ich schon 7.30 nach Köln-Bonn. Wie immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln: was ich mit einem Auto in 30 Minuten geschafft hätte, dauerte mit Bahn und Straßenbahn 120; zurück zur Wohnung in Bonn zu kommen. Was ich dann noch am Sonntag angestellt habe, ist im obigen Bericht zu lesen...  
Statistik:
- Grounds: 1.309 (Donnerstag 1 neuer, Freitag 1 neuer, Samstag 1 neuer; diese Saison: 155 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.313 (Donnerstag 1, Freitag 1, Samstag 1; diese Saison: 201)
- Tageskilometer: 1.300 (Donnerstag 350km Auto, Freitag 330km Auto, Samstag 420km Auto)
- Saisonkilometer: 44.820 (31.290 Auto/ 7.600 Flugzeug/ 4.430 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.480 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 25 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 450

W450I-III(MOR15;11-13): Phosphatebene, Mittlerer Atlas, Zaer-Gebirge, Zerhoun-Gebirge mit Kasbah und natürlich zurück in Fès

Photos with English Commentary:
a) Phosphate Plain & Zaer Mountains: Khouribga and Surroundings & Moulay Bouazza, Mountains near Oulmes
b) Middle-Atlas: Ifrane, Ras Elma, Sefrou
c) Jebel Zerhoun: Kasbah Nesrani in Spring

Am Montag verließen wir Ben Guerir früh, frühstückten auf einer Autobahnraststätte kurz hinter Ben Guerir und fuhren in Settat ab. Dann ging es auf kleinen, schlechten, nicht oder nur auf Arabisch ausgeschilderten Straßen durch grüne, hügelige Landschaft quer über die Phosphatebene via Sidi Hajjaj nach Khouribga. Dort zeigte ich meinem Vater die Gartenstadt mit ihrem europäischen Erscheinungsbild inklusive Stadion, das praktischerweise offenstand. Erst war der Platzwart zwar nicht begeistert, dass wir einfach durchs Eingangstor latschten, aber Ausländer mit Interesse am marokkanischen Fußball durften dann doch mal ein paar Fotos machen – beim Spiel das ich im Stade du Phosphat guckte, war es nämlich dunkel und die Hintertortribüne und die Sitze waren auch noch nicht fertig.

Wir fuhren dann über Oued Zem den Schildern nach Moulay Bouazza am westlichen Rand des Mittleren Atlas an der Grenze zum Zaer-Gebirge entlang. In Moulay Bouzza gibt es auch ein Stadion – allerdings ein etwas gammliges, staubiges für die unteren Amateurklassen – und diverse einfache Restaurants (Tajine mit Rindfleisch und Gemüse nur 20 Dh.). Der Sicherheitsmann von der einzigen Bank im Ort erklärte uns dann sehr gut den Weg nach Oulmes: der direkteste Weg ist nämlich schwer zu fahren, da er sich – teils ausgewaschen, teils bröckelig und verengt – kurvenreich die malerischen, von Pflanzen durchsetzten Berge entlang schlängelt. Mitunter führt die Straße ohne Leitplanken an tiefen Schluchten in denen gut gefüllte Wadis entlang fließen vorbei.

Ab Oulmes ist die Straße weniger spektakulär, aber die Landschaft bleibt noch viele Kilometer so toll. In Meknes fuhren wir auf die Autobahn und in Fès wieder ab. Dort erwarteten uns bereits Khadija und die Kinder. Zum Abendessen schaute auch noch ein anderer Arabisch-Student, der Kanadier Travis, vorbei. Also wieder einmal eine lustige Runde, die auch nicht durch den Stromausfall im Haus, den erst ein Elektriker beheben konnte, gestört wurde...  
Dienstag hieß es noch mal Kasbah-Klettereien und danach Verwandtschaft in Fès abklappern. Am späten Vormittag fuhren mein Vater und ich den direktesten Weg zum 40km westlich von Fès gelegenen Jebel Zerhoun. Dort schafften wir den oberhalb des Dorfes Sidi Ali beginnenden, schweren Aufstieg zur Kasbah Nesrani in einer knappen Stunde. Jetzt wo ich zum dritten Mal auf dieser Kasbah war (während meines Studienaufenthaltes war ich erst im Herbst mit Khadijas Söhnen hochgeklettert, dann im Winter mit zwei Wuppertaler Groundhoppern), in der Vorwoche eine definitiv von einem aus dem syrischen Raum stammenden Architekten realisierte Kasbah (Kasbah Amergou, 70km von Kasbah Nesrani entfernt) besucht habe und das Hintergrundwissen zu Festungen aus der Almohadenzeit (11., 12./13. Jh.) von einem marokkanischen Archäologen bekommen habe, bin ich mir auch sicher, dass die Erklärung für den Namen der Burg (Kasbah Nesrani = Christen-Festung) geschichtsrevisionistischer Schwachsinn aus der Kolonialzeit ist: von wegen die Portugiesen hätte die Hütte da auf den Berg gesetzt. Die sind wohl nie soweit ins Landesinnere gekommen und v.a. haben die nie in diesem Stil gebaut wie dort auf dem Jebel Zerhoun. Viel sinniger ist die Erklärung, das zuerst die Römer dort auf einem Quellheiligtum (es entspringen etwa sieben Quellen auf dem Berg unter der Festung) eine Festung gebaut haben, die dann nach der Aufgabe von Volubilis (eindrucksvolle Ruinenstadt 20km westlich) verfiel und im Mittelalter unter den Almohaden erneuert wurde. Ungewöhnlich für die Almohaden ist bei genauem Hinsehen allerdings auch hier bei der Kasbah Nesrani der Baustil der Türme: die sind entweder abgerundete Ecktürme oder in einem Fall sogar ein regelmäßig runder Turm und auch das verwendete Material, nämlich mit Mörtel verkleisterte, massive Kalksteine – wie es halt eben in einigen europäischen Ländern und Großsyrien üblich war. Wahrscheinlich zeichnet sich für diese tolle Burganlage also auch ein syrischer Architekt (vllt. derselbe wie in Amergou) verantwortlich. Übrigens ist die Kasbah mit der umliegenden Berg- und Hügellandschaft jetzt im Frühjahr besonders schön, da sehr grün und von blühenden Pflanzen durchzogen.

Zurück in Fès hielten Rita und ich Khadija auf Trab, da die Jungs bei Freunden waren und ich somit mit Rita spielen musste: die wird mit zunehmenden Alter nicht nur immer besser in Fremdsprachen (in dem Jahr in dem ich sie nicht gesehen habe, hat sie richtig ordentlich Englisch und Französisch gelernt; sie ist das einzige von den vier Kindern, das wirklich was in der Schule macht) sondern auch immer sportlicher; den Gummifußball schoss sie dermaßen durch den Innenhof, dass die Holztüren laut krachten – und für ein paar Taekwondo-Übungen sollte ich auch noch herhalten. Dass sie gerade mit diesem Sport in einem der Trainingszentren in Fès-Batha angefangen hat, hat sicher mit ihrer länger in der Sportart aktiven Tante Fayza zu tun, die wir dann am Abend besuchen. Wir trafen uns alle im Haus der Eltern, wo ihr Vater Abdellah und seine Frau uns zum Abendessen einluden. Fayza bedauerte zwar, dass sie an keinem der Wochenenden etwas mit uns unternehmen konnte und auch heute oder am Tag drauf sich nicht auf Arbeit (mittlerweile in Fès-Bensouda und nicht mehr bei der belgischen Drecksfirma in El Aouamra bei Larache) freinehmen konnte, aber freute sich uns jetzt wieder zu sehen. Mittlerweile hat sie sich übrigens mit ihrem Freund, den sie letzten Sommer kennengelernt hatte, verlobt, sodass meine Eltern und ich jetzt eine Hochzeitseinladung für August diesen Jahres bekommen haben, die wir aber wahrscheinlich leider nicht wahrnehmen können. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Marokkanerinnen will sie auch nach Eheschließung Kontakt zu allen in ihrem Freundeskreis halten – viele Frauen brechen mit der Verlobung den Kontakt zu mindestens ihren männlichen Freunden und Bekannten ab – sodass es kein Problem sein sollte, sich mit ihr und ihrem dann Ehemann mal im nächsten oder übernächsten Jahr zu treffen. Ich soll sogar auf ihrer Hochzeit einen Posten übernehmen: nämlich der Fahrer des Wagens des Brautpaares sein, welcher mit einem hochpreisiger Mietwagen an der Spitze der hupend durch die Stadt fahrenden Kolonne fährt! Nur die Gags, dass wir uns nervigen Leuten gegenüber (wenn man als Marokkanerin mit einem Ausländer unterwegs ist, wird man oft angeglotzt oder direkt blöd ausgefragt) als Ehepaar ausgegeben haben, sind jetzt natürlich vorbei...

Auf dem Weg zurück ins Riad von Khadija schafften wir es noch dank Zaki im Marjane-Supermarkt aufzufallen, weil er (wir waren ohne Wagen rein), einem Ehepaar den noch leeren Einkaufswagen klaute, woraufhin sie erstmal die halbe Non-Food-Abteilung absuchen mussten, ehe sie Zaki erwischt hatten...  
Mittwoch stand dann schon wieder der Abschied von Marokko an, doch bevor es nach Deutschland zurückging, reisten wir ersteinmal nach London weiter. Am Vormittag saßen wir noch ein bisschen mit der Gastfamilie und ihren neuen Gästen aus Florida zusammen, bevor Mohammed zur Arbeit ging, schnitt sich der Friseur-Geselle noch an uns warm; sinnvollerweise ließen wir uns bei der Sonneneinstrahlung in Marokko erst am letzten Tag die Haare schneiden – in England holt man sich im März nämlich keinen Sonnenbrand am Kopf...

Khadija machte noch Mittagessen für uns und nachdem wir herzlich verabschiedet wurden, fuhren wir noch ein paar Stunden in Ifrane, Ras Elma und Sefrou herum, ehe wir am Flughafen das Auto zurückgaben – der Hertz-Mitarbeiter war anscheinend nur wegen meinen auf Arabisch vorgebrachten Ausreden so freundlich und erließ uns die 5€ Aufpreis wegen der fälligen Wagenwäsche und Innenreinigung – und ohne Verspätung gen London-Stansted starteten.  
Statistik:
- Tageskilometer: 2.900 (Mo: 520km Auto, Di: 120km Auto, Mi: 260km Auto u. 2.000km Flugzeug)
- Saisonkilometer: 43.740 (29.690 Auto/ 7.600 Flugzeug/ 4.430 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.480 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)

W449VI-VII(MOR15;9-10): Zwei Spiele in den beiden Grand Stades, Platzsperre für El Kolea und Schwarzmarktkartenkauf bei der Polizei

Kawkab Athlétique Club Marrakech الكوكب المراكشي
2:0 (1:0)
Ittihad Zemmouri Khémisset الاتحاد الزموري للخميسات
- Datum: Sonntag, 8. März 2015 – Beginn: 18.30
- Wettbewerb: GNF Botola 1 (البطولة الوطنية الاحترافية = 1. Marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 Minuten (47/49); Halbzeitstand: 1-0
- Tore: 1-0 33. Samba Diallou, 2-0 55. Khaled El Sqat
- Verwarnungen: Nr. 88? (IZK)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Grand Stade Marrakech (ملعب الكبير بمراكش Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (davon ca. 100 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ganz schwaches Spiel aber geniale Stimmung)

Chabab El Kolea شباب القليعة
3:1 (1:0)
Rachad Oulad El Berhili الرشاد البرحيلي
- Datum: Sonntag, 8. März 2015 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: 3eme Division Ligue Sousse بطولة القسم الثالث للعصبة سوس (3. Liga Regionalverband Sousse = 5. Liga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 3-1 nach 94 Minuten (46/48); Halbzeitstand: 1-0
- Tore: 1-0 25. (5), 2-0 63. (13), 3-0 80. (9, Foulelfmeter), 3-1 86. (Nr. 6, Foulelfmeter)
- Verwarnungen: 2x Nr. 21 (ASCK); 2x Nr. 11 (CROB)
- Platzverweise: Nr. 21 von ASCK (85. wg. wiederholtem Foulspiel); Nr. 11 von CROB (79. wg. wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Municipale Azrou (ملعب البلدي لازرو Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (davon ca. 50 El Kolea-Fans und 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Wirklich gutes Spiel von Chabab El Kolea, diesmal nur leider ohne Chaoten auf der Tribüne...)

AS Falcons d’Agadir صقر اكادير
15:3 (4:0)
Club Universitaire Futsal Agadirنادي الجامعة الاكادير
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 20.30
- Wettbewerb: Championnat National de Futsal 2eme Division (بطولة الوطنية لكرة القدم داخل القاعة القسم الثاني = 2. marokkanische Futsalliga)
- Ergebnis: 15-3 nach 40 Minuten (20/20); Halbzeitstand: 4-0
- Tore: 1-0 7. (10), 2-0 10. (5), 3-0 19. (6), 4-0 20. (10), 5-0 21. (5), 6-0 23.(3), 7-0 27. (8), 8-0 28. (8), 9-0 28. (8), 10-0 30. (8), 10-1 31. (Nr. 5), 10-2 33. (Nr. 5, 7m), 11-2 34. (11), 11-3 36. (Nr. 7), 12-3 37. (7), 13-3 37. (10, 10m), 14-3 48. (7), 15-3 40. (6)
- Verwarnungen: Nr. 10 (ASFA); Nr. 9, 10, 13 (CUFA)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Salle Zerktouni/ قاعة زرقطوني (Kap. 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (überweigend Falcon-Fans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Hervorragendes Spiel von Falcons, da konnte Ibn Zohour kaum mithalten!)

Cité Suisse Basket Agadir نادي مدينة سويسرا لاكادير
53:67 (19:35)
Olympique Club de Safi نادي الالومبي الاسفي
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 17.30
- Wettbewerb: بطولة الوطنية القسم الثاني Championnat du Basket, Division 2 (2. marokkanische Basketballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 53-67 nach 40 Minuten (4x10); Viertelergebnisse: 7-16, 12-19, 12-10, 22-22
- Punkte: NN
- Freiwurfquote: Agadir 44% (10 von 23); Safi 39% (10 von 26)
- Fouls: Agadir 19; Safi 22
- Spielort: Salle Al Qods/ قاعة القدس (Kap. 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz unterhaltsames aber eher mittelmäßiges Spiel)

Hassania Union Sport d'Agadir/
الاتحاد الرياضي حسنية أكادير
1:0 (1:0)
Forces Armées Royales du Rabat
الجيش الملكي الرباطي نادي
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: GNF Botola 1 (البطولة الوطنية الاحترافية = 1. Marokkanische Profiliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 98 Minuten (48/50); Halbzeitstand: 1-0
- Tor: 1-0 15. Abdelhafez El Baraki
- Verwarnungen: Nr. 17 (HUSA); Nr. 3, 7 (FAR)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Grand Stade d’Agadir (Kap. 45.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 10.000 (davon ca. 600 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ebbte nach guter erster Hälfte erheblich ab, aber wenigstens gab es in Halbzeit 2 dafür Randale...)

Hassania Union Sport d'Agadir Espoir
فريق الامل الاتحاد الرياضي حسنية أكادير
2:4 (0:2)
Forces Armées Royales du Rabat Espoir
فريق الامل نادي الجيش الملكي الرباطي
- Datum: Samstag, 7. März 2015 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: Championnat Espoir (1. Reserveliga, 1. Spielklasse der U23)
- Ergebnis: 2-4 nach 98 Minuten (48/50); Halbzeitstand: 0-2
- Tore: 0-1 18. (11), 0-2 37. (14), 0-3 64. (19), 1-3 77. (Nr. 7), 2-3 87. (Nr. 7), 2-4 95. (4)
- Verwarnungen: Nr. 3, 21 (HUSA); 2x Nr. 5, Nr. 7, 11 (FAR)
- Platzverweise: Nr. 5 von FAR (70. Min. wg. angeblich wiederholtem Foulspiel)
- Spielort: Stade Bensargao (Kap. 3.000, davon 1.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.000 (davon keine Gästefans?)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Hervorragende erste und ganz ordentliche zweite Hälfte)  
Photos with English Commentary:
a) Moroccan Reserves League: Hassania Agadir U23 v FAR Rabat U23 (Stade Bensargao)
b) Moroccan Professional League: Hassania Agadir v FAR Rabat (Grand Stade d’Agadir)
c) Basketball Division 2: Cite Suisse Agadir v Olympique Safi (Salle Al Qods)
d) Futsal Division 2: Falcons Agadir v University Ibn Zohour Agadir
e) Amateur Football: Chabab El Kolea v Rachad El Berhili (in Agadir-Azrou)
f) Moroccan Professional League: Kawkab Marrakech v Ittihad Zemmouri Khemisset (Grand Stade)
g) Sightseeing: Agadir Fortress and Marrakesh Old Town

Videos:
a) Support at Kawkab Marrakech v IZK (1)
b) Support at Kawkab Marrakech v IZK (2)

In Agadir gibt es nicht viel Architektur zu sehen, aber dafür umso mehr Sport anzugucken. Selbst in den größeren marokkanischen Städten wie Casablanca und Marrakesch schafft man es kaum, an einem Samstag vier Spiele zu sehen. Wir fuhren also nach einem Abstecher zur Festung die hoch über der Stadt thront, in das Viertel Bensargao, wo jede Straße nach Orten in der West-Sahara (Laayoune, Smara etc.) bzw. dem nördlicheren, zweifelsfrei marokkanischen Teil der Sahara (Asa-Zag, Guelmim usw.) heißt.

In Bensargao gibt es zwei Stadien, einen Lehmplatz und einen Kunstrasen mit ordentlicher, in der Mitte sogar überdachter Tribüne mit Betonstufen und mehreren Stehstufen auf der gegenüberliegenden Seite bzw. hinter dem einen Tor. In diesem ansehnlichen Stadion mit unansehnlichen Häusern drumherum spielten die Reservemannschaften von Hassania Agadir und FAR Rabat. Die Zuschauerzahl war mit knapp 1.000 für ein U23-Spiel hervorragend. Ein paar Jugendliche machten auch ab und an Stimmung mit Gesängen.

Das Spiel war anfangs eindeutig von FAR bestimmt. Hassania hatte ein paar gefährliche Angriffe, einmal auch einen Lattentreffer, aber kein Vergleich zu den Offensivaktionen der Gäste. Die gingen nach etwas mehr als einer Viertelstunde, per Abstauber nach einem Lattentreffer der in den Fünfmeterraum zurückprallte, in Führung. Per verlängertem Freistoß hieß es vor der Pause noch 0:2. Nach der Halbzeit schien mit dem 0:3 alles entschieden, doch der einseitig pfeifende Schiedsrichter schickte einen von FAR unberechtigt vom Platz. Agadir holte daraufhin innerhalb von 10 Minuten auf 2:3 auf, doch in der Nachspielzeit erzielten die Königlichen Streitkräfte aus spitzem Winkel aber Nahdistanz das 2:4.  
Das Hauptspiel zwischen den beiden Profiteams von Hassania und FAR fand im großen Stadion Adrar statt. Der Weg daraus ist weit, die Schüssel ist eindrucksvoll, da sehr regelmäßig gebaut, von außen getreppt, innen doppelrangig – wobei der Oberrang höher ist als der Unterrang. Eintrittskarten kosten 20 Dirham für unüberdachte, einfache Schalensitze (alles in grün, nur die Flutlichtmasten und Arkadengänge hinter den Kurven sind in weißem Stein gehalten) oder 50 Dirham für überdachte, leicht gepolsterte Sitze bzw. 200 Dirham für die Logen in der Mitte der überdachten Seite auf luxuriös gepolsterten Sitzen mit Armlehnen. Das Stadion ist also toppmodern und sogar die Anzeigetafel und die Musikanlage funktionieren. Die Stadionsprecherin machte die Durchsagen übrigens auf Hocharabisch und Berber.

Obwohl gut 10.000 Zuschauer kamen, verloren sich die Fans etwas in dem sehr großen Stadion für 45.000 – die Spieler verloren sich auch etwas auf dem großen Platz, lieferten aber ein v.a. in der ersten Halbzeit ansehnliches Spiel ab. Diesmal war Hassania besser als FAR und ging auch früh in Führung. Chancen auf beiden Seiten, teilweise Lattentreffer, und es ging trotzdem nur mit 1:0 in die Pause. Auch nach dem Seitenwechsel gab es einige Torraumszenen, doch jetzt war mehr die Armee am Drücker, während Agadir nur noch verteidigte.

Ab der 75. Minute wurde es den Ultras von Agadir langweilig und mehrere Hundert von beiden Hintertorfangruppen liefen auf die Polizeiketten zwischen ihnen und dem Gästesektor zu. Die Gästefans – Rabat hat beim Sport den größten Abschaum in Marokko, schlimmer als Casa – ließen sich nicht zwei Mal bitten und jagten die wenigen Durchgebrochenen wieder zurück in den Sektor. Highlight bei den weiteren Auseinandersetzungen war dann ein Polizist, der mit einem Feuerlöscher eine Horde Jugendlicher mit Löschschaum über die Arkadengänge trieb. Kurz vor Beginn der wie üblich reichlichen Nachspielzeit kehrte wieder Ruhe ein. Einige der Zuschauer auf den teureren Plätze – dort waren v.a. viele Frauen und offensichtlich Reiche – hatten sich da bereits verzogen, da sie Randale auf dem Parkplatz befürchteten, wenn beide Fangruppen rausströmen. In der Nachspielzeit gab es noch einen Aufreger um ein eventuelles Handspiel im Strafraum von HUSA, doch es gab keinen Elfer und Agadir gewann das Spiel 1:0.  
Wir fuhren dann gleich zur Sporthalle im Stadtviertel „Jerusalem“ – also Al Qods – weiter. Eigentlich war da Handball angesetzt, aber das war wohl 11 Uhr und nicht 17 Uhr; die PDF-Datei auf der Verbandsseite war so undeutlich gedruckt... Aber 17.30 gab es 2. Liga Basketball – das war ein guter Ersatz.

Die Sporthalle Al-Qods ist ein ganz ansehnlicher Bau, der innen eine Sitztribüne mit lehnenlosen Sitzschalen hat. In der Mitte hat die Tribüne eine Art Balkon. Die Beleuchtung ist trotz Tonnendach ohne störende Anbringungen ziemlich schwach. Die Zuschauerzahl war mit 200 jetzt auch nicht gerade überragend.

Gastgeber beim Basketballspiel der 2. Liga war Cite Suisse Agadir, zugast war der Erstliga-Absteiger Olympique Safi. Die Gäste waren von Anfang an die bessere Mannschaft und entschieden das Spiel eigentlich noch vor der Pause. Nach dem Seitenwechsel kam Agadir in einem ganz ordentlichen Spiel mit viel Athletik und nicht immer körperlosen Zweikämpfen aber schwacher Wurfquote (v.a. sehr schwacher Freiwurfquote) ein bisschen heran. Im letzten Viertel, dass das punktreichste, härteste und beste war, hielt Safi den Gastgeber auf Distanz und gewann am Ende mit 67 zu 53.  
Zum Abschluss des Sporttages in Agadir hatten wir uns die 2. Futsal-Liga ausgesucht, die im Salle Zerktouni bei der gleichnamigen Oberschule ausgetragen wurde. Diese Sporthalle sieht fast identisch aus wie jene im Al-Qods-Viertel. Hier kamen aber so viele Zuschauer, dass die Plätze kaum ausreichten.

Von den etwa 300 Besuchern waren fast 100 ultra-orientierte Jugendliche aus dem Viertel zugegen. Die hatten ein paar Flaggen mit, eine Überziehfahne und v.a. krakeelten sie in der ersten Halbzeit sehr ausdauernd in der Halle herum.

Falcons (Saqr) Agadir gab ihnen auch allen Grund zum Feiern, denn sie waren der Universitätsmannschaft von Ibn Zohour in allen Belangen klar überlegen. Durch den beweglichen Torwart wurde das Spiel nicht sofort so klar entschieden; bis zur Halbzeit fielen nur vier Tore. Aber nach der Pause ging es richtig los: im Minutentakt zog Saqr Tor um Tor davon; technisch klar besser, läuferisch schneller, ballsicherer, passsicherer und geniale Torschüsse. Erst nach dem 10:0 gelang dem Uniclub auch mal etwas. Am Ende hieß es aber 15:3!  
Sonntag checkten wir dann aus, fuhren aber erstmal in einen Vorort von Agadir, ehe wir gen Norden reisten. In Azrou (östlich von Agadir in Flughafennähe, nicht mit dem Azrou im Mittleren Atlas südlich von Fés verwechseln) gab es eine interessante Ansetzung in der 3. Amateurliga: Chabab El Kolea hatte eine Platzsperre – mal wieder zu viel randaliert... – und spielte daher 15km weg von zuhause. Leider hatten auch deren Ultras Zutrittsverbot, sodass nur 50 Fans von Chabab erschienen, dazu etwa 90 Neutrale aus dem Ort und 10 Gästefans aus dem 100km entfernten Oued Berhili. Zum Vergleich mit den 150 Fans: bei einem richtigen Heimspiel von El Kolea kommen mindestens 1.000 Zuschauer und bei wichtigen Spielen bis zu 3.000 – siehe Link zu Spiel im Vorjahr !

Trotzdem lohnte sich das Spiel von Kolea mal wieder, da diese Mannschaft einfach ansehnlichen Fußball spielt. Auf dem über eine schmale Straße die rechts hinter der Pharmacie Habiba abgeht zu erreichenden, staubigen, sandigen Lehmplatz in der prallen Sonne – umgeben von hohen Mauern, flankiert von ein paar schönen Nadelbäumen und blühenden Pflanzen (in der Gegend von Azrou sind viele Gärtnereien) – bestimmte El Kolea das Spiel.

Es dauerte allerdings eine Weile ehe sie aus den vielen Chancen einen Treffer machten: der Pass schien schon zu lang geschlagen, doch mit einem langen Schritt lenkte der Stürmer den Ball noch ins Eck. Nach dem Seitenwechsel erzielte El Kolea nach einem ähnlichen Pass mit einem Kopfball das 2:0. Ein Elfmeter führte zur Dezimierung von Oulad Berhili (Gelb-Rot) und dem 3:0 (sicher im Eck verwandelt). Kurz vor dem Ende der Partie schaffte es El Kolea allerdings auch noch sich einen Platzverweis einzuhandeln (diesmal allerdings auch Gelb-Rot, nicht wie bei dem Spiel letzte Saison glatt Rot wegen Tätlichkeit in der Halbzeitpause) und durch einen Elfmeter doch noch ein Tor zu kassieren. Bei dem guten und überlegen geführten Spiel von El Kolea war das Ergebnis noch zu niedrig.  
Wir fuhren dann in Agadir auf die Autobahn und aßen gut an einer Raststätte (die Autobahnraststätten in Marokko sind zwar sehr teuer, aber das Essen ist besser als in Deutschland). In Marrakesch fuhren wir zum Palmarie ab und steuerten das Stadion (Grand Stade) an, das 10km außerhalb des Stadtzentrums in der Brachlandschaft liegt. Eine absolute Frechheit den Fans gegenüber, die Hütte am Arsch der Stadt wo keine Sau wohnt zu errichten! Die Info von der einen Groundhopping- oder Stadion-Seite, dass Kawkab deshalb wieder in ihrem alten Stadion (El Harthi) spielen würde, ist trotzdem Quatsch – denn dort spielen nur Jugend- und Reserveteams von KACM und Amateur- und Frauenteams anderer Clubs.

Eine viel wichtigere Info ist, dass oftmals die Kassen am Stadion unbesetzt bleiben und man die Karten nur im Vereinsbüro in der Stadt bekommt. Allerdings hat die Polizei für Unwissende eine gute Lösung gefunden. Als ich einen höherrangigen Beamten nach der Kasse fragte, deutete er mich in Richtung der Kollegen am anderen Eingang. Der junge Beamte der Hilfskräfte – in der Hierarchie ganz unten – war sofort hilfsbereit, erklärte das Problem mit dem Kartenverkauf in der Stadt und meinte auf meine Frage „kann ich nicht hier zwei Karten kaufen?“ er würde sich darum kümmern. Nach fünf Minuten hatte er in der Tat zwei Karten organisiert (Fanblock für nur je 10 Dirham), die er mir dann für zusammen 70 Dh. hinter dem Einsatzwagen verkaufte. Eigentlich wollte er nur 50, aber ich hatte nur einen 100er und er bloß 30 zum Wechseln in der Tasche. Aber egal, 3,50€ pro Karte sind auch noch im Rahmen. Also schon allein dieses Erlebnis war das Kommen wert: wo sonst wird der Schwarzmarkt für Fußballkarten von der Polizei organisiert?

Das Stadion ist architektonisch sehr ansehnlich, da es ein bisschen einer Kasbah nachempfunden ist und rechteckig mit turmartigen Flutlichtmasten ausgestattet ist. Die blauen Sitzschalen verteilen sich auf Ober- und Unterränge. Allerdings sind die Schalen schon teilweise ziemlich beschädigt. Die Klos sind auch nicht sonderlich gut und weder Anzeigetafel noch Durchsagen funktionierten.

Das Spiel war eigentlich kaum einer Beschreibung wert und das schwächste auf unserer Tour. Kawkab Marrakesch erzielte mit Standfußball und minimalistischen Gekicke zwei schöne Tore gegen Ittihad Zemmouri Khemisset. Warum die Sterne (Kawkab) auf Platz 3 sind, verstehe ich nicht. Während das Spiel das Kommen nicht lohnte, lohnten es die Fans. Wie da knapp 4.000 im Hintertorbereich und noch mal knapp 4.000 auf der preisgünstigeren Längsseite im Unterrang abfeierten, war schon vom Feinsten. Oben habe ich Videos hochgeladen, die Ausschnitte der herrlichen Gesänge zeigen. Luftballonchoreo und ein paar Bengalos gab es auch zu sehen. Irgendjemand wurde dann noch von vier Polizisten aus dem Block getragen, da er einen Sitz herausgerissen hatte, aber ansonsten gab es keinen Stress.

Wir fuhren nach dem Spiel noch mal zu einem kleinen Abendessen eine Raststätte (Sidi Bou Othmane) an. Dann fuhren wir in Ben Guerir ab, wo es leider nur ein Hotel gibt, das eine miese Klitsche (Doppelzimmer zu hohe 200 Dh.) ist. So ein schlechtes Hotel hatte ich in Marokko noch nie: das innen sehr schön gestaltete Haus (Stuckdecken, Marmortreppen im Aufgang) ist richtig herabgewirtschaftet worden.  
Statistik:
- Grounds: 1.306 (Sa: 4 neue, So: 2; diese Saison: 152 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.310 (Sa: 4, So: 2; diese Saison: 198)
- Tageskilometer: 430 (Sa: 60km Auto, So: 370km Auto)
- Saisonkilometer: 40.840 (29.310 Auto/ 5.600 Flugzeug/ 4.430 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.480 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 23 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 449