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Sonntag, 12. April 2015

W454II: Zwei Freitagsspiele in der Rureifel

Kaller Sport Club 1922 ...................................... 0
FC Viktoria 1908 Arnoldsweiler II ................... 4
- Datum: Freitag, 10. April 2015 – Beginn: 19.45
- Wettbewerb: Bezirksliga Mittelrhein, Staffel 3 (7. Spielklasse, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-4 nach 93 Minuten (47/46); Halbzeitstand: 0-2
- Tore: 0-1 2. Marcel Reisgies, 0-2 45. Dominik Klepgen, 0-3 70. Fabian Becker, 0-4 88. Dominik Locker
- Verwarnungen: TW Timo Dümmer, Dominik Peiffer, Marcel Blum (Kall); Marcel Demircan (Arnoldsweiler)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Grenzlandstadion Kall, Aschenplatz (Kap. 2.050, davon 50 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 3 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 6,5/10 (Ganz gutes aber sehr einseitiges Spiel)

SV Sötenich 1919 II .................................................. 2
SG Sportfreunde 1969 Marmagen/ Nettersheim II 0
- Datum: Freitag, 10. April 2015 – Beginn: 18.30
- Wettbewerb: Kreisliga B, Euskirchen/ Staffel 3 (9. Spielklasse, 5. Amateurliga)
- Ergebnis: 2-0 nach 92 Minuten (45/47); Halbzeitstand: 1-0
- Tore: 1-0 21. Tobias Samson, 2-0 70. Andreas Malsbenden/ Stephan Sistig
- Verwarnungen: Sebastian Müller, Dennis Jäckel (Sötenich)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Sportplatz Sötenich (Kap. 1.560, davon 60 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 70 (davon ca. 3 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 3,5/10 (Sportanlage topp, Kulisse überdurchschnittlich, Wetter prima – und dann so ein Kick als würden da Letzter und Vorletzter der Kreisliga D gegeneinander spielen)  
Photos with English Commentary:
a) Amateur Football, Division 9: SV Sötenich Reserves defeat Sportfreunde Marmagen/ Nettersheim Reserves
b) Amateur Football, Division 8: SC Kall lost to FC Arnoldsweiler Reserves
c) Rureifel Region: Bad Münstereifel Town Fortifications, Roman Ruins in Pesch and Vussem, Palace in Holzheim

Eigentlich war das als Tour mit Bahn und Fahrrad gedacht, aber zum einen wurde es recht spät beim Mittagessen mit Conny - einer guten Freundin, die an diesem Freitag dienstlich in Bonn weilte - und zum anderen bin ich doch nicht bescheuert und nehme eine Bahnverbindung, die mich nach dem Spiel in Kall vom Bahnhof Kall nach Euskirchen bringt und von dort angeblich nach 3 Minuten Umsteigezeit nach Bonn. Drei Minuten?! Und danach fährt da nichts mehr bis um 5 Uhr früh!

So blieb nur das Auto, was mir natürlich noch mehr Möglichkeiten beim Sightseeing verschaffte. In diesem Teil NRWs, der sich Rureifel nennt, hatte ich noch gar nichts angeguckt. Doch die Eifel ist natürlich ein sehenswerter Teil Deutschlands, und da macht auch der Nordteil, der sich in NRW (südlich von Aachen und Bonn im Landkreis Euskirchen) befindet, keine Ausnahme. Man fragt sich nur, warum dieses Gebiet an das überwiegend hässliche und architektonisch sowie landschaftlich anders geartete NRW gegeben wurde. Eigentlich wähnt man sich schon längst hinter Euskirchen in Rheinland-Pfalz. Wahrscheinlich wollte man bei der Schaffung der Bundesländer dem sonst bis auf das Bergische Land sehr unattraktive NRW mal schöne Berglandschaft plus historische Gebäude als Abwechslung verschaffen...

Der erste Punkt war Bad Münstereifel. Mit den Stadtmauern, dem Schloss, der angrenzenden Burgruine und zwei sehenswerten Kirchen – und das alles in landschaftlich schöner Lage – stellte sich der Ort als das sehenswerteste in NRW neben Warburg und Bonn heraus. Weniger sehenswert waren das Wasserschloss in Holzheim bei Mechernich und die römischen Ruinen in Pesch, Vussem und Kallmuth. Die römischen Ruinen – in der Rureifel gibt es enorm viel davon, aber eine Anlage mickriger als die andere – sind nur geringfügig erhalten und lediglich in Teilen rekonstruiert. Außerdem sind das keine spektakulären Säulenstraßen oder Amphitheater, sondern mit Zement fixierte Tempelüberreste (wie der Heidentempel bei Pesch, der in der Tat noch Anziehungspunkt für esoterische Spacken, die sich „Neue Heiden“ nennen, ist) oder abgesicherte Brunnenfassungen (wie in Kallmuth) bzw. authentisch zugeschüttete Reste von Wasserleitungen und wiederaufgebaute Aquäduktfragmente (das war in Vussem hinterm Sportplatz der Fall). Sehenswert ist in der Rureifel neben der Kleinstadt Bad Münstereifel halt v.a. die Landschaft, die aus größeren Hügeln bzw. sanften Bergzügen mit viel Wald und kleinen Bächen besteht. Außerdem sollen auch einige Burgen sehenswert sein, die ich bei der nächsten Tour (wahrscheinlich mal im Mai) auf jeden Fall ansteuern werde.  
Heute ging es erstmal in Sötenich zum Fußball. Das idyllisch gelegene aber gesichtslose Kaff hat einen landschaftlich sehr schönen Platz. Der klebt am Hang mit hohen Grashängen an den Längsseiten, einem hohen Hügel in Sichtweite hinter dem einen Tor und dem Blick in den Talkessel auf den Kernort mit der Kirche hinter dem anderen Tor. Ein Vereinsheim, ein Unterstand mit Vereinsnamen und auch etliche Holzbänke wurden von den gar nicht mal so wenigen Zuschauern gut genutzt.

Das Spiel war leider nicht so gut, dafür dass der 4. gegen den 7. der Kreisliga B – es gibt noch eine in vier Staffeln eingeteilte Kreisliga C darunter – spielte, war das Niveau extrem niedrig: also in Städten wie Köln und Bonn sind selbst die Mannschaften, die im hinteren Bereich der D-Kreisligen stehen, besser. Das ziemlich langweilige Spiel entschied die bessere Mannschaft, SV Sötenich II, mit einem Schuss von der Strafraumgrenze der als leichter Aufsetzer ins Eck ging und einer Flanke vors Tor, die auf der Linie von einem Sötenicher, der sich zwischen zwei Verteidigern und dem Torwart von Sportfreunde Marmagen/ Nettersheim II durchkämpfte, ins Tor gelenkt wurde, für sich.

Seltsam war übrigens die Disziplin: wie auch im benachbarten Rheinland-Pfalz waren fast nur Eingeborene aus den ländlichen Gegenden wie der Eifel im Aufgebot, aber im Gegensatz zu RPL wo es oft eine Kartenflut und viele Pöbeleien gibt, gab es hier nur zwei Gelbe und eine einzige intelligente Frage nach einem Foul „Ey hast du n Knall, du Hurensohn?!“  
Um 19.45 war im benachbarten Kall das Spiel zwischen dem KSC und der Reserve von Viktoria Arnoldsweiler angepfiffen worden. Ich kam genau in der 35. Minute am Sportplatz an und merkte, dass meine Jacke (jetzt bei Einbruch der Dunkelheit notwendig) noch im Zimmer in Bonn rumliegt, aber andererseits zwei freie Parkplätze neben der Tribüne – einer fünfstufigen Konstruktion mit ein paar Kunststoffbänken auf einem Graswall – einen Blick durch den Zaun aufs gesamte Spielfeld aus dem Auto heraus gewähren. So sah ich noch das 0:2 kurz vor dem Pausenpfiff.

Dafür, dass hier der 7. und der 4. aufeinandertrafen, war die Partie sehr einseitig. Kall war klar unterlegen und Arnoldsweiler machte auch in der zweiten Hälfte viel mehr Druck. In der 65. betrat ich das Stadion dann doch noch – wenn die auch die unbewachte Einfahrt offen stehen lassen... – und sah die sehr schönen Weitschüsse zum 0:3 und 0:4.  
Statistik:
- Grounds: 1.335 (heute 2 neue; diese Saison: 180 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.340 (heute 2; diese Saison: 228)
- Tageskilometer: 130 (130km Auto)
- Saisonkilometer: 49.040 (34.500 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 4.680 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.670 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 42 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 454

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Freitag, 26.12.08: Von antiken römische Orten bei Tunis, mediterranem Flair im äußersten Norden und arabischer Hilfsbereitschaft

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081226a%20Zaghouane%20-%20Roemische%20Quelle%20in%20den%20Bergen/ http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081226b%20Thuburbo%20Majus%20-%20Roemische%20Stadt/ http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081226c%20Hadrians%20Aquaedukt%20bei%20Tunis/ http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081226d%20Ghar%20El-Melh%20-%20Fischerort%20im%20Norden/ Das schon mehrfach in den ersten Tagen der Reise gegessene „kleine Frühstück“ im Hotel Tej gab es auch an diesem Morgen, der uns zuerst gen Süden führte. Mal wieder etwas chaotisch der Verkehr in Tunis, doch wir kämpften uns bis Oudna durch. Fotografierverbot, aber 4 Dinar fürs Amphitheater verlangen... Wir wendeten und fuhren einfach weiter nach Zaghouane. Dort befindet sich die Hauptsehenswürdigkeit frei zugänglich in einem öffentlichen Park. Kein Wächter und kein Guide wird aufdringlich. Ein kleiner Junge räumte für uns sogar die Absperrung, auf der kaum leserlich auf Arabisch „betreten verboten“ stand, weg, sodass wir direkt in die Quelle gucken konnten, die von einem beachtlichen römischen Tempel umgeben ist. Weiter ging es dann nach einem Tankstopp - der Fiat Punto verbraucht wirklich sehr wenig und beim Tankstopp ist immer wieder interessant, wie die Bezahlung ohne Quittung beim Tankwart, der einen den Wagen betankt, abläuft - nach Thuburbo Majus. Diese Römerstadt ist noch von einem ganz anderen Kaliber als der Wassertempel in Zaghouane und ihre 4 Dinar + 1 Dinar Fotogebühr wirklich wert. Drei Stadttore, ein halbwegs erhaltenes Kapitol, Thermen, Aquäduktüberreste, ein schlecht erhaltenes Amphitheater, Bäder, etliche Tempel und Grundmauern von Profanbauten. Zwischen den Gebäuden finden sich etliche Mosaiken, die abgesperrt wurden, damit niemand darauf herumläuft. Die Stadt liegt im Übrigen zwischen bewirtschafteten Hügeln und recht hohen Bergen. Besonders der Blick vom Amphitheater oder dem einen Tempel daneben auf den Hauptbereich mit dem Kapitol und dem Eingangsbereich ist sehr eindrucksvoll. Weiter ging es gen Norden auf Tunis zu. Die Landstraße im Governorat Ben Arous säumt auf drei Kilometern das bis zu 10m hohe Aquädukt. Immer wieder toll, wie viele römische Ruinen in Tunesien stehen. Das mediterrane Klima verlangsamt den Verfall doch erheblich. Wir fuhren immer weiter nördlich, bis wir in Ghar El-Melh, der Salzgrotte, ankamen. Dieser Fischerort steht für Mittelmeerfeeling schlechthin. Hohe, grüne Berge mit ein paar kahlen Stellen, blaues Wasser, bunte Boote darin, blauer Himmel und mit Palmen und Zypressen gesäumte, enge Straßen. Drei arabische Forts - perfekt restauriert, mit einem ungesicherten 10m tiefen Brunnenschacht und Burggräben, die als improvisierte Fußballplätze für die Dorfjugend genutzt werden - gibt es in Ghar El-Melh, aber in der Nebensaison ist das Dorf doch sehr lahm. Wir fuhren via El Alia, wo ich den genialsten Hauseingang Tunesiens entdeckte: das Haus noch im Bau und ein einfacher Flachdach Betonbau, doch ein mit bunten arabischen Kacheln verzierter Hauseingang, eine gelb-rot karierte Tür, darüber ein großes Schild, das auf den Espérance Fanclub El Alia hinweist, zur linken ein großen Vereinswappen von Espérance de Tunis, zur rechten etliche weitere Embleme, ua. von den Kollegen von AS Roma und der Ultragruppe „Ultras L’emkachkhine“ und natürlich das gesamte Erdgeschoss in gelb und rot gestrichen - so muss das Haus eines echten Fans aussehen! -, in die nördlichste Stadt Tunesiens: Bizerte. Dort reichte es nur noch zu einem guten Hähnchenessen bis Sonnenuntergang. Wir brauchten dann geschlagenen zwei Stunden um ein Hotel zu finden. Nachdem wir bis Menzel Bourguiba gefahren waren, fragten wir in dieser nach Habib Bourguiba benannten Kleinstadt in einem der wenigen Supermärkte die Kassierer, die uns sagen konnten, dass es nur in Bizerte selbst Hotels gibt und wir für billige Hotels den Platz mit dem Uhrturm aufsuchen sollten. Den fanden wir nicht auf Anhieb, also fragten wir im Restaurant, in dem wir zuvor gegessen hatten, nach. Der Küchenchef fackelte nicht lange, setzte sich zu uns ins Auto und dirigierte meinen Vater, welchen Weg er nehmen musste. Sicher am Hotel El-Fatah angekommen, wartete er, bis der Hotelbesitzer auftauchte und verabschiedete sich von uns. Er lief sogar den Weg zum Restaurant zurück, anstatt sich von uns noch zurückfahren zu lassen und Trinkgeld wollte er auch nicht, sodass man hier von einen typischen Fall der arabischen Gastfreundschaft bzw. Hilfsbereitschaft sprechen muss: da mag es noch so viele Guides und Händler geben, die nur auf das auch nicht immer so reichliche Geld der Touristen aus sein mögen und einen Mist andrehen zu völlig überhöhten Preisen, doch die meisten Leute sind sehr darauf aus einen helfend zur Seite stehen zu können und sind ehrlich freundlich.

Donnerstag, 25.12.08: Morgens Blick nach Algerien, mittags Essen mit Blick auf Plattenbauten, nachmittags Römerruinen, abends Tunis

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081225a%20TABLEAU%20DE%20JUGURTHA/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081225b%20Musti%20-%20Kleine%20Roemerstadt/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081225c%20DOUGGA-%20GROESSTE%20ROEMERSTADT%20TUNESIENS/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081225d%20Thiganica%20-%20Roemer%20und%20Byzantiner/

Wieder einmal wurden wir durch den 6.00Uhr Gebetsruf wach. Um 7.00 hieß es auf zum Felstisch Tableau de Jugurtha. Erst einmal musste aber die Windschutzscheibe von Eis befreit werden. Ja: Eis! Nachtfrost ist nicht ungewöhnlich zu der Zeit in Nordtunesien.
Wir jagten unseren Fiat Mietwagen bis kurz unter den Felstisch, also bis der unbefestigte Weg einfach zu matschig wurde. Die Sonne ging gerade auf und mit ihr machten wir uns auf den Weg um den 1.251m hohen und 20-50m aus der Landschaft herausragenden Tisch herum. Am Aufstieg, von den Byzantinern in den Fels gehauene Treppen, trafen wir eine italienische Offroad-Touristengruppe. Die war aber schon oben, zelten auf dem Felstisch war da Programm, also gingen wir alleine hoch, obwohl uns beinahe ein Stein erschlug, den eine Ziege losgetreten hatte.
Diese unangenehmen Tiere gingen uns nicht weiter auf die Nerven, wobei es überhaupt schon unverschämt ist, dass irgend so ein ungebildeter Bauer seine dreckigen Tiere in historischen Gemäuern unterbringen kann. Auf dem absolut spektakulär gelegenen Felstisch befinden sich nämlich noch Mauerreste der byzantinischen Festung. Der sehenswerteste Mauerrest ist die Kirche, in der noch ein paar verzierte Säulen stehen. Interessant sind auch die Zisternen und die Unterkellerungen, sowie einige der natürlichen Gesteinsstrukturen. Wir umrundeten den Felstisch noch komplett auf dem Feldweg und fuhren 10.30 weiter.
In El Kef, einer recht interessanten Stadt mit einer Burg in der Ortsmitte und vielen blankweißen Plattenbauten und sozialistischen Monumenten, holten wir uns Hähnchen mit Gewürzen und Fladenbrot und aßen das ganze in einem Park in dessen Mitte natürlich ein solches oben angesprochenes Monument stand.
Den Abzweig nach Bulla Regia verpassten wir, sodass wir geradewegs nach Musti fuhren. Im Eintritt war gleich eine Führung inbegriffen, sodass wir sachkundig durch die römische Stadt, die zu einer byzantinischen Festung ausgebaut wurde, geführt wurden. Highlights: der Triumphbogen und der Puff.
Weiter gen Dougga, ein Ort, der schon 10km hinter Musti kommt. Dazwischen liegt noch ein dritter Ort; Agbia, danach fährt man noch mal 10km bis Thiganica, aber dazu später mehr. Erst einmal stand die ausgedehnteste römische Stadt Tunesiens auf dem Plan. Wirklich hervorragend erhalten sind das libysch-punische Grabmonument, das Theater, ein Triumphbogen, ein öffentliches Scheißhaus - um mal im Jargon des einen Fremdenführers zu bleiben - und das Kapitol.
Dazwischen stehen massenhaft Mauerreste von teils 10m Höhe, die eine absolut beeindruckende Kulisse in den mit Olivenbäumen übersäten Bergen bilden.
2km westlich steht von der Festung Agbia nicht mehr viel. Da auch noch irgendeine verblödete Bauernfamilie ihr hässliches Haus direkt an die byzantinischen Ruinen gestellt hat, lohnt es sich nicht, diese Ruinen bei einem Besuch in Dougga noch anzuschauen.
Im 10km östlich liegenden Ain Tounga lohnt es sich aber auf jeden Fall Tunesiens besterhaltenstes Byzantiner-Fort, errichtet auf der Römerstadt Thiganica, zu besichtigen. Zwei Türmen sind noch erkennbar, die quadratische Form auch, die dahinter liegenden Thermen und das römische Theater sind ebenfalls sehenswert.
Es wurde nun dunkel, sodass man wieder auf die unbeleuchteten Dreckschleudern aufpassen musste und immer mal wieder von der Polizei gestoppt wurde. Diese allgemeinen Verkehrskontrollen sind für Ausländer aber spätesten nach der ersten Frage, nämlich der nach der Nationalität, vorbei. Dann wird man nämlich sofort zum weiterfahren aufgefordert. Allerdings ist die Anzahl der Polizisten in diesem Land erstaunlich. Für manche - für engstirnig-strenge Muslime genauso wie für wenig gebildete Europäer - ist es sicherlich erstaunlich, dass es auch etliche Polizistinnen gibt, die meist mit männlichen Kollegen unterwegs sind.
Wir fuhren, da kein Hotel auf dem Weg lag, bis nach Tunis, wobei 1. anzumerken ist, dass die Mautautobahn unerfindlicherweise kostenlos zu benutzen war, und 2. der Verkehr in Tunis mal wieder völlig chaotisch war, sodass man ständig am hupen war und auch noch aufpassen musste, dass keiner der Mopedfahrer, der ohne Licht auf der Gegenfahrbahn fuhr - teilweise gleich mit zwei Mitfahrern beladen - in einen herein krachte.

Dienstag, 23.12.08: Vom Kap Afrika zum größten Amphitheater Afrikas und via Sfax in die Wüste

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081223a%20MAHDIA%20-%20HAFEN%20AM%20CAP%20AFRIQUE/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081223b%20EL%20JEM%20-%20AMPHITHEATER%20THYSDRUS/

http://s181.photobucket.com/albums/x68/fchmksfkcb/081223c%20Sfax%20-%20Zweitgroesste%20Stadt%20Tunesiens/

Nach einem wirklich kleinen Frühstück verabschiedeten wir uns aus dem Hotel Corniche, wobei auffiel, dass der ältere Mann mein „ma*a s-salameh“ sehr erfreut zur Kenntnis nahm: mal endlich ein Europäer, der nicht „au revoir“ sagt...
Es ging sofort die enge Straße am Rande der Medina zum Matrosenfriedhof unterhalb des Leuchtturmes. Am Kap Afrika, also Cap Afrique, befindet sich ein fatimidischer Hafen, von dem noch ein paar Mauerreste stehen, ein kleiner Leuchtturm und ein riesiger Friedhof. Dazwischen liegt malerisch ein Kleinfeldfußballplatz mit Sandbelag und Holztoren. In Sichtweite ist die klotzige Festung zu finden. Wir fuhren noch zum einzigen erhaltenen Stadttor und bewegten dann den Wagen gen Südwesten.
Erstaunlich schnell kamen wir in El Jem, römisch: Thysdrus, an. Dort waren wir schnell knapp 8€ für Eintritts- und Fotografiergebühren los, aber dieses Geld lohnt sich wirklich anzulegen. El Jem besitzt als einzige Sehenswürdigkeit das größte Amphitheater Afrikas und das zweitgrößte der Welt nach dem Coliseum in Rom. Zwar nicht so perfekt erhalten wie Bosra in Syrien oder die Arena in Verona, doch schon allein wegen seiner Größe ein Muss für Kulturreisende. Aber auch die bierbäuchigen Pauschaltouristen in Unterhemd und Shorts fanden sich im Oval ein. Nicht zuletzt auch wieder einmal arabische Schülergruppen - einige der Jungen bewegten sich auf abgesperrte Vorsprünge, was man nur als leichtsinnig bezeichnen kann, denn diese befanden sich 15m überm Arena-Umgang - sorgten schon am Morgen für Auftrieb. Ehe ich dieses unbeschreiblich eindrucksvolle Gebäude großartig beschreibe, verweise ich lieber auf die unten verlinkten Bilder und beschreibe Sfax, die zweitgrößte Stadt Tunesiens nach Tunis.
Je mehr wir uns nach etlichen Kilometern auf gut asphaltierten Landstraßen und einem kurzen Stopp am Stadtrand zum Obst kaufen in Richtung Innenstadt bewegten, desto chaotischer wurde es. Unbehelmte Mopedfahrer überholten einem im Kreisverkehr rechts und links, die Vorfahrtsregeln „links vor rechts“ und „das größere Fahrzeug hat Vorrang“ wurden streng eingehalten, hupend und die Ampelfarbe ignorierend wurde jede Kreuzung passiert. Wir fanden unbeschadet einen Parkplatz vorm SRS Stadion und guckten, da gerade die Spieler des Drittligisten Sfax Railway Service trainierten, einmal hinein. Nach fünf Minuten gingen wir wieder aus dem beengten, zwischen Güterbahnhof und Altstadt gebauten Stadion heraus, da die Spieler immer noch beim Aufwärmen und nicht bei der Torschuss- oder Spieleinheit waren und wir außerdem anderes vorhatten. Als erstes gingen wir in die mit einer 100% geschlossenen und auffällig hohen Stadtmauer umringten Altstadt. Die Kasbah hob sich nicht wirklich von den Wehrmauern ab und die Privathäuser waren größtenteils sehr heruntergekommen, doch was hier auffiel war 1. einige grüßten anerkennend wegen meinem Trikot der tunesischen Nationalmannschaft und 2. es wurde niemand aufdringlich. Keiner laberte einen zu „Nice Price!“ oder „Taxi, Taxi!“ Selbst auf dem dichtesten Teil des Souqs wurde nur die Ware ausgerufen, ohne direkt jemanden anzusprechen. Im Gegenteil musste ich den Händler ansprechen, um das Trikot von Espérance anprobieren zu können. Original gefälscht, ziemlich ausgewaschen, also wahrscheinlich Second- oder Third-Hand, aber Espérance und nur 10 Dinar (5,30€ - für ein Fußballtrikot!!!). Nach fünf gelaufenen Metern zog ich es aber schon wieder aus um es zusammengeknüllt unterm Arm zu tragen, da die ersten beiden Händler stichelten „CSS alléz“ und „Ssssssss Taraji“. Als auf dem Fischmarkt dann mehrere Händler anfingen pro CS Sfaxien und anti Espérance Sprüche zu skandieren, packte ich das Trikot bei nächster Gelegenheit in die Fototasche. Besser die Kamera offen um den Hals tragen, als das Trikot des falschen Vereins. Der in Sfax ansässige Club CS Sfaxien hegt nämlich eine heftige Feindschaft zu Espérance de Tunis.
Nach einem recht teuren Restaurantbesuch - das Preisverhältnis in Sfax ist wegen der vielen Geschäftsleute verdorben, wobei 16€ für zwei Leute; Merguez, Salat und Fisch nicht so der Wahnsinn ist und das Essen auch echt gut war - ging es stur West/ Südwest.
Die Landschaft wurde kahler, die Straßen immer schlechter. Nach 100km und einem Stopp wegen der tollen Berglandschaft wurde der Asphalt allerdings schlagartig besser. Wir waren im Governorat Gafsa angekommen. Die 70.000 Einwohner Oasenstadt, dessen Fußballverein wir zwei Tage zuvor in Tunis haben Spielen sehen, war dann nicht mehr weit entfernt. Es war schon längst dunkel, als wir dort ankamen und die Straßen waren erschreckend verstopft, doch wir hatten keine großen Probleme ein Hotel zu finden. Nur 14€ für uns beide im Doppelzimmer mit Frühstück.
Ein Restaurant zu finden war schon schwieriger. Die Speisekarte des Schnellimbisses, den wir schließlich aufsuchten, zu verstehen, noch schwieriger. Schon seltsam, wenn Worte, die man eigentlich nur auf Deutsch oder Englisch kennt, auf Arabisch umgeschrieben sind, denn „Coca Cola“ kann man als „Kuka Kula“, „Kauka Kola“ oder sonstewas lesen und auch „Friykassiy“ muss man erstmal als „Frikassee“ entziffern. Es wurden dann schließlich zwei „Sentwitch Shauwarma“ bei uns. Sehr gut mit „Friyds“ und „Salata“.
Im Hotel gingen wir noch die Route für morgen durch und ich bearbeitete noch die Bilder.