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Dienstag, 22. März 2016

W503IV-V: Fußball, Handball und Burgen in Pommern

LKS Kamionka Kamień Krajeński ............ 0
SLKS Start Pruszcz ..................................... 0
- Datum: Sonntag, 20. März 2016 – Beginn: 15.30
- Wettbewerb: Klasa A, grupa Bydgoszcz I (Kreisliga Bydgoszcz, Staffel 1: 7. Polnische Fußballliga, 3. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 93 Min. (46/47) – Halbzeit: 0-0
- Tore, Verwarnungen, Platzverweise: keine
- Austragungsort: Stadion Kamionka Kamień Krajeński (Kap. 1.500, davon 800 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (davon ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 0,0/10 (Also sowas Schlechtes hab ich im Ausland noch nie gesehen: und in Marokko und Lichtenstein war schon manche Scheiße dabei…)

Mueller Międzyszkolny Klub Sportowy
Grudziądz ........................................... 23
Niepubliczne Liceum Ogólnokształcące
Szkoła Mistrzostwa Sportowego Związ-
ku Piłki Ręcznej w Polsce Gdańsk ... 35
- Datum: Samstag, 19. März 2016 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: I liga mężczyzn grupa A (1. Liga Männer, Gruppe A: 2. Polnische Handballliga, 1. Halbprofiliga)
- Ergebnis: 23-35 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 10-16
- Tore: Suwisz 6, Janikowski 4, M.Kozłowski 3, Knopik 3, Kruszewski 3, Mrozowicz 1, Ossowski 1, Łangowski 1, Nalaskowski 1 (MKS Grudziądz); Sićko 9, Moryto 9, Jarosiewicz 6, Mauer 5, Gądek 2, Salacz 2, Orpik 1, Harasymek 1 (NLO SMS ZPRP)
- Gelbe Karten: NN (MKS Grudziądz); NN (NLO SMS ZPRP)
- Zeitstrafen: Suwisz, Kozłowski, Łangowski (MKS Grudziądz = 6 Minuten); Salacz, Sićko, Skuciński (NLO SMS ZPRP = 6 Minuten)
- Platzverweise: keine
- Austragungsort: Hala Zespołu Szkół Ogólnokształcących nr 5 na Osiedlu Lotnisko (Sporthalle der Allgemeinbildenden Oberschule Nr. 5 in der Flughafen-Siedlung, Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 300 (davon 263 zahlende und keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,0/10 (Mittelmäßiges und einseitiges Spiel)

Bydgoski Klub Sportowy Chemik .............. 3
Klub Sportowy Chełminianka Chełmno ... 0
- Datum: Samstag, 19. März 2016 – Beginn: 11.00
- Wettbewerb: IV liga, grupa: kujawsko-pomorska (4. Liga, Gruppe Kujawien-Pommern: 5. Polnische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 3-0 nach 95 Min. (47/48) – Halbzeit: 2-0
- Tore: 1-0 10. Robert Kawałek (Foulelfmeter), 2-0 21. Robert Kawałek, 3-0 56. Szymon Maziarz
- Verwarnungen: Sikora (Chełm)
- Platzverweise: keine
- Austragungsort: Stadion im. Czesława Kobusa (Kap. 15.000, davon 5.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 60 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel) Chemik Bydgoszcz 3:0 Chełminianka Chełmno (IV Liga/ 5th Polish Football Division) Photos with English Commentary:
a) Amateur Football I: Chemik Bydgoszcz v Chełminianka Chełmno
b) Handball 2nd Division: MKS Grudziądz v NLO SMS ZPRP Gdańsk
c) Amateur Football II: Kamionka Kamień Krajeński v Start Pruszcz
d) POMERANIA (POLAND): Rynarzewo and Ciele Rural Scenes, Bydgoszcz Old Town, Świecie Castle & Church, Chełmno Old Town, Wabcz Church, Radzyn Chełmiński Castle, Grudziądz Old Town, Kwidzyn Castle & Cathedral, Sztum Palace, MALBORK CASTLE, Wielki Buczek & Tarnówka Half-Timbered Churches

Tag 1: Dörfer und Städte in Kujawien-Pommern, Amateurfußball in monumentaler Bruchbude und Handballländerpunkt Polen
Übers Wochenende sollte es mal in einen noch nicht besuchten Teil Polens gehen. Wir fuhren von Rostock aus schon kurz nach 2 Uhr morgens los und kamen nach schnellerAutobahnfahrt bis Szczecin zügig auf guten Landstraßen bis Rynarzewo bei Bydgoszcz. Dort und im nahegelegenen Dorf Ciele schauten wir uns an, was aus den Heimatorten einiger Verwandter meiner Mutter geworden ist... Sehen eigentlich nicht so schlecht aus, aber auch in dieser Ecke Polens merkte man: die großen Städte boomen und werden immer westeuropäischer und lebenswerter – Dörfer und Kleinstädte kommen hingegen herunter und veröden. Die beiden Dörfer Rynarzewo und Ciele haben allerdings durch die direkte Nähe zu Bydgoszcz noch einige Chancen: die Innenstadt von Bydgoszcz wurde weitestgehend saniert – besonders die Kathedrale ist toll – und auch die Wohnviertel schienen weitestgehend OK. Chemik Bydgoszcz 3:0 Chełminianka Chełmno (IV Liga/ 5th Polish Football Division) Nicht ganz so OK war der Zustand des Czesław-Kobus-Stadions in der Siedlung Glinki. Allerdings sind wir gerade deshalb zu diesem Spiel der 1. Amateurliga gegangen: Chemik Bydgoszcz hat ein echt geniales Stadion mit monumentalem Eingangsportal und interessanten halbrunden Tribünen: Tribüne A wurde in der Mitte mit blauen und weißen Sitzen auf neuem Beton saniert, doch rechts und links sind mehr oder weniger intakte Kunststoffbänke. Gegenüber kann Tribüne B nicht mehr mit Sitzen dienen: die vermüllte und verfallene Tribüne bietet aber einen tollen Blick aufs Spielfeld.

Nur wenige Zuschauer, darunter Jugendfußballer und etliche Säufer die vorm Anpfiff noch vorm benachbarten ALDI standen, wollten dieses Spiel sehen. Es lohnte aber absolut das Kommen: Chemik Bydgoszcz ging mit einem Elfmeter nach nur 10 Minuten in Führung, der Gast aus Chełmno hielt gegen, kassierte aber schnell mit einem Konter das 2:0. Nach der Pause ein Freistoß zum 3:0 und ein bis zum Ende gutes Spiel, das aber dann doch nach weniger als 60 Minuten entschieden war. Radzyn Chełmiński Die Besichtigungstour ging weiter in der Kleinstadt Świecie, die eine Kirche, Stadtmauern und eine Burg (der Fußballplatz davor wird leider nicht vom III.Liga-Team genutzt) zu bieten hat. Auf dem anderen Flussufer liegt das noch sehenswertere Chełmno – deren Mannschaft hatten wir ja in Bydgoszcz gesehen – mit diversen historischen Backsteinkirchen und Stadtmauern. In Wabcz gibt es eine sehr ungewöhnlich proportionierte Dorfkirche zu sehen. Radzyn Chełmiński hatte mal den besten Platz der Kreisliga mit tollem Burgpanorama: jetzt wird unweit der Kirche gekickt. Schließlich ging es nch nach Grudziądz, wo es zwar eine spektakulär gelegene Wehrmauer gibt, aber so wie man sie betritt und in Richtung Burgturm hoch geht, nur auf vermoderte sozialistische Bauten stößt. MKS Grudziądz 23:35 NLO SMS ZPRP Gdańsk (I. Liga)) Auf den nur 1,40€ kostenden Handball-Eintrittskarten und den Klatschpappen ist ein tolles Panorama von Grudziądz abgebildet worden, dass die Stadtmauer angestrahlt bei Nacht vom gegenüberliegenden Ufer aus zeigt – naja, es nicht verwunderlich, dass die keine Aufnahmen von innerhalb der Mauer haben...

Der Handball-Zweitligist (bzw. nächste Saison Drittligist) Międzyszkolny Klub Sportowy (Sportverein der Mittelschule) Grudziądz, der den Sponsorenzusatznamen „Mueller” trägt, hat hingegen eine Halle, die außen verfallen aber innen top-saniert ist: ungewöhnlich ist die Konstruktion mit steiler Längstribüne und balkonartiger Hintertortribüne.

Der heutige Gegner kam aus Danzig angefahren, ist ebenfalls noch in Abstiegsgefahr und heißt ernsthaft mit vollem Namen: Niepubliczne Liceum Ogólnokształcące Szkoła Mistrzostwa Sportowego Związku Piłki Ręcznej w Polsce Gdańsk. Auch die Abkürzung NLO SMS ZPRP ist etwas sperrig… Der Verein ist zu übersetzen mit: Nicht-Öffentliche Allgemeinbildende Oberschule und Sportschule für Handball in Polen zu Danzig

Die Danziger waren ab der 10. Minute überlegen und ab der 20. ziemlich dominant. Das Spiel war wirklich nicht herausragend. Die Halbprofis sollten eigentlich auf Niveau 3. Deutsche Liga sein, zeigten aber irgendwas zwischen Ober- und Verbandsliga – mit Ausnahme einiger Gästespieler. Aber man merkte schon, dass die polnischen Spitzenhandballer alle im Ausland aktiv sind… Am Ende siegte SMS ZPRP und so weiter mit 23:35.

Wir checkten in einem Hotel Karczma Czarci Młyn (Gasthof Teufelsmühle) am Südende der Stadt ein: für nur 25€ gab es ordentliche Zimmer und für um die 7€ ganz annehmbares Essen. Typisch hier: ohne meine Kenntnisse slawischer Sprachen (und die sind jetzt auch nicht so gut) wären wir wieder aufgeschmissen gewesen, denn außer in der Sterne-Hotelerie sind Fremdsprachen auch im Tourismussektor für Polen ein böhmisches Dorf… MKS Grudziądz 23:35 NLO SMS ZPRP Gdańsk (I. Liga)) Tag 2: Polens sehenswerteste Burg und das erste 0-0 in dieser Saison
Am Sonntagmorgen stand erstmal Kwidzyn auf dem Besichtigungsprogramm: die Stadtmauer mit Festung und integrierter Kathedrale ist wirklich spektakulär.

Sztum mit seinem versifften Schloss war jetzt nicht so der Bringer, lag aber auf dem direkten Weg nach Malbork.

Und Malbork schließlich, ist die sehenswertes Burg Polens. Spektakulärer als alle Burgen, die ich in Deutschland oder Westeuropa (von Nord- und Südeuropa mal ganz zu schweigen) gesehen habe. Da können nur manche Burgen in Tschechien und Slowakei mithalten, bei der Größe auch noch etliches aus dem Nahen Osten – aber dafür ist die Ordensburg Malbork (Marienburg) innen ganz außergewöhnlich detailreich und geschmackvoll (teilweise natürlich in Kitsch übergehend) gestaltet. Da man für die 7,50€ (5€ erm.) Eintritt fast jeden Raum zu sehen bekommt, brauchten wir für die Besichtigung auch knapp 3 Stunden. Man könnte noch länger dort zubringen. Malbork Wir kamen durch die lange Burgbesichtigung nur zu einem Spiel und zwar im schönen kleinen Stadion des Ludowy Klub Sportowy (Mannschaftssportverein) Kamionka Kamień Krajeński. Das hat vier Reihen Holzbänke, zur Hälfte auch unter einem schicken Dach vorm Sozialtrakt und hinter der Tribüne einen schönen Blick zur Dorfkirche. Der Gegner heute war Stowarzyszeniu Ludowy Klub Sportowy Start Pruszcz (der Vereinigte Mannschaftssportverein Start aus Prust in Kujawien-Pommern) und konnte genauso wenig vor den Ball treten wie Kamionka. In der an sich sehr torreichen Liga lieferten diese zwei Scheißmannschaften einen Dreckskick ab, der so schlecht war, so voller Fehlpässe, Kullerschüsse und Querschläger, dass ich hier nur vom schlechtesten Spiel seit einem 0:0 in Lichtenstein reden kann. Selbst in Marokko war kein Spiel so schlecht. Nur zwei, drei Spiele in Deutschland waren mal noch schlechter. Leider ging das Publikum überhaupt nicht mit – so wie das Bruchvolk da teilweise aussah, wären die sonst schon für Bierbüchsenwerfen und Platzsturm zu haben… LKS Kamionka Kamień Krajeński 0:0 SLKS Start Pruszcz (A Klasa) Auf der Rückfahrt guckten wir noch zwei Fachwerkkirchen – eine in Wielki Buczek und die andere in Tarnówka – an, aßen bei Szczecin zu abend, passierten die Grenze wieder völlig unbehelligt und bretterten dann bis Schmölln durch. Ab da ging es auf den Landstraßen aber kaum langsamer voran und kurz vor 1 Uhr waren wir dann auch schon in Rostock angekommen. LKS Kamionka Kamień Krajeński 0:0 SLKS Start Pruszcz (A Klasa) Statistik:
- Grounds: 1.585 (Sa: 2, So: 1 neuer; diese Saison: 170 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.630 (Sa: 2, So: 1; diese Saison: 194)
- Tageskilometer: 1.360 (Sa: 660, So: 700km Auto)
- Saisonkilometer: 43.410 (29.190 Auto, davon 4.630 Mietwagen/ 6.620 Flugzeug/ 5.680 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 1.720 Fahrrad/ 200 Schiff, Fähre)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0 [letzte Serie: 97, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 503.

Montag, 28. Januar 2013

W339I: Zum ersten Mal Volleyball im Ausland – die Pokalhalbfinals in Częstochowa

„Zaksa“ Kędzierzyn-Koźle ------------------------------------ 3
Klub Sportowy Jastrzębski „Węgiel” ----------------------- 1
- Datum: Samstag, 26. Januar 2012 – Beginn: 14.30
- Wettbewerb: Puchar Polski 2013, półfinał (Halbfinale des polnischen Volleyballpokals; beide Teams aus „PlusLiga“, 1. Profi-Volleyball-Liga Polens)
- Ergebnis: 3-1 nach 114 Min.
- Satzergebnisse: 25:21, 25:19, 20:25, 25:20
- Spielort: Wielofunkcyjna hala sportowa w Częstochowie (Kap. 5.813 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.800 (darunter ca. 150 aus K.-Koźle und ca. 150 aus Węgiel)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Starkes Spiel zweier guter Mannschaften, wobei K.-Koźle doch stets den Tick besser war)

„Delecta“ Łuczniczka Bydgoszcz ---------------------------- 2
„Asseco“ Resovia Rzeszów ------------------------------------ 3
- Datum: Samstag, 26. Januar 2012 – Beginn: 18.00
- Wettbewerb: Puchar Polski 2013, półfinał (Halbfinale des polnischen Volleyballpokals; beide Teams aus „PlusLiga“, 1. Profi-Volleyball-Liga Polens)
- Ergebnis: 2-3 nach 156 Min.
- Satzergebnisse: 19:25, 25:23, 21:25, 25:23, 14:16
- Spielort: Wielofunkcyjna hala sportowa w Częstochowie (Kap. 5.813 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.800; darunter ca. 50 aus Bydgoszcz und ca. 250 aus Rzeszów)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Sehr spannendes Spiel mit einigen Durchhängern: der Favorit aus Rzeszów tat sich ab 2. Satz sehr schwer)
DSC02798 Photos with English Commentary:

Videos on Myvideo.De:
a) Support and Match Scenes: Kędzierzyn-Koźle v Jastrzębie Zdrój
b) Support and Match Scenes: Łuczniczka Bydgoszcz v Resovia Rzeszów

Beim letzten Volleyballspiel in Spergau hatten wir schon rumerzählt, dass wir uns Karten für die Final-Four des polnischen Volleyballpokals gesichert hatten. Bei der Kartenbestellung gab es durch den Secure Code – das System ist der letzte Dreck! – doch einige Probleme, allerdings gelang es uns zwei Tickets zu je 6€ (die niedrigste Kategorie kostete umgerechnet 4€, die teuerste 9€) innerhalb von einer knappen Stunde zu bestellen. Die Preise waren natürlich nicht so doll billig wie das für die Leute bei Spergau klang. Die dachten wohl, in Polen könne man noch mehr als bei Spergau (6€ bis 9€) verlangen... Allerdings sollte man den Anstieg des polnischen Durchschnittseinkommens und die Stärke der Liga mit ihren international renommierten Teams nicht vernachlässigen. Da kann es halt nicht wie in Tschechien nur 3€ Eintritt kosten – selbst wenn man in so einem komischen Kaff wie Częstochowa spielt...

Częstochowa liegt am Nordwestrand einer der schönsten Ecken Polens, dem Krakau-Tschenstochauer Jura, den wir vor anderthalb Jahren recht ausführlich besuchten. Berühmt ist Tschenstochau als Wallfahrtsort und das Kloster ist auch sehr eindrucksvoll (siehe oben verlinktes Fotoalbum) – doch ansonsten ist die Stadt extrem hässlich. So hässlich wie sie ist, so funktional ist sie allerdings auch. An der östlichen Ausfallstraße befinden sich riesige Einkaufszentren mit hervorragend sortierten Supermärkten, kleinen Läden, Restaurants, Imbissen und sogar Hotels. In einem Sporthotel namens „Scout“ checkten wir für 32€ ein. Das Doppelzimmer war sehr gut. Der Einkauf ließ sich auch sehen: bei den Mengen an Lebensmitteln zahlt man in Deutschland weit mehr als 15,50€. Nur der türkische Imbiss, den wir nach dem Volleyball besuchten, war nicht so doll: Es ist auch mal wieder typisch, denn wohl nirgendwo sonst findet man so viele ausländische Lokale, die von Einheimischen betrieben werden, wie in Polen; Chinarestaurants, Mexikaner, Kebabimbisse – und immer werden sie von Polen geleitet...

Auch beim Volleyball war die Ausländerquote ungewohnt niedrig. In der wenigen Monate alten Multifunktionssporthalle Tschenstochau, also: Wielofunkcyjna hala sportowa w Częstochowie, die 5.813 Zuschauer fasst, waren nur vereinzelt Südamerikaner auf der Platte und ansonsten Polen, die teilweise auch in der Nationalmannschaft unseres Nachbarlandes antreten.
Leider war die Mannschaft von „Wkręt-met“ Akademickiego Związku Sportowego Częstochowa im Viertelfinale ausgeschieden. Die Stimmung wäre sicher besser gewesen, denn die ganzen Częstochowa-Fans gingen nicht so mit bei den Spielen wie die jeweiligen Fanclubs der vier Halbfinalisten.

Das erste Spiel in der außen aschgrauen und innen kitschig bunten, sehr praktischen aber trotz interessanter Deckenkonstruktionen (bunte, symmetrische Schallbrecher) eher langweiligen Halle, bestritten „Zaksa“ Kędzierzyn-Koźle (mit vollem Namen Zakłady Azotowe Kędzierzyn spółka akcyjna) und Klub Sportowy Jastrzębski „Węgiel“ (aus Jastrzębie Zdrój). Beide Teams sind aus dem südlichen Schlesien und gute Erstligisten. DSC02881 In einem wirklich starken Spiel hatte Kędzierzyn-Koźle irgendwie stets die Nase vorn. Bei allem Kampf der Mannschaft aus Jastrzębie Zdrój waren sie dann doch der Sieger am Ende langer Ballwechsel oder hatten bei den Annahmen und Aufgaben das größere Glück und Geschick. Nur im dritten Satz schaffte es Jastrzębie Zdrój die Niederlage noch etwas aufzuschieben. Im vierten Satz war dann aber eher die Luft draußen, was wiederum Kędzierzyn-Koźle gut zu nutzen wusste.
Leider quatschte der Sprecher ähnlich viel wie in Deutschland, sonst wären die Anfeuerungen noch besser rübergekommen. Beide Teams, Jastrzębie Zdrój auch noch von Fans aus Rzeszów unterstützt, feuerten mehr mit Sprechchören als mit Trommeln an, was um Klassen besser als in Spergau, Leipzig oder den allermeisten anderen Bundesligastandorten klingt. Die Stimmung war also doch besser als bei uns, obwohl die Frauenquote (und fast keine der Frauen feuerte an) für polnische Verhältnisse extrem hoch lag. Beim Volleyball waren es 50-60% - beim Fußball in Polen sind es oft keine 10% weibliche Zuschauer.

Fantechnisch hatte sich im zweiten Spiel des Samstages dann der kleine Anhang aus dem relativ weit entfernten Bromberg gegen die Übermacht an Rzeszów-Fans durchzusetzen, was ihnen in den besten Phasen ihres Teams aus gelang. Doch Rzeszów war nicht nur auf den Rängen zahlenmäßig und akustisch überlegen. Bei allen Schwierigkeiten: am Ende siegte Resovia mit 3:2 nach Sätzen.
„Delecta“ Łuczniczka Bydgoszcz war im ersten Satz sehr unterlegen gegen „Asseco“ Resovia Rzeszów, was uns schon ein zackiges 0:3 erwarten ließ. Dass dachten sich die von Resovia wohl auch und prompt verloren sie einen umkämpften zweiten Satz – auch aufgrund von Fehlentscheidungen der streckenweise etwas überforderten Unparteiischen – mit 25:23. Nach einem zweiten erfolgreichen Satz erkämpfte sich Bydgoszcz mit einem wahren Comeback den Tiebreak.
Dass man für das Ausspielen eines fünften Satzes eine ganze halbe Stunde braucht, habe ich übrigens auch noch nicht erlebt. Mit 16:14 siegte Rzeszów, die es sich ab Satz 2 mit ihrer Fehlerquote selber schwer gemacht hatten, verdient im Tiebreak. Es war aber schon dreist wie beide Teams dieses Spiel ab dem ersten Satz verzögerten: Besonders Bydgoszcz spielte sich dauernd über die Schiris auf – in der Bundesliga hätten die längst mal einen Strafpunkt bekommen – aber der polnische Volleyballverband unterstützt so affiges Verhalten mit dauerndem Lamentieren und Meckern auch noch in dem er Videoaufnahmen zulässt, die vom jeweiligen Kapitän des Teams gefordert werden können.

Hoffentlich kommt die Bundesliga nicht auf so hirnrissige Ideen wie Videobeweis... In Sachen Spielqualität stehen sie der polnischen Liga ja nicht weit nach, wobei eine Mannschaft wie Rseszów sicherlich auch die Berliner Müllabfuhr besiegen kann. Nur bei den Anfeuerungen könnte man sich ruhig mehr an Polen orientieren. Allerdings wird das kein deutscher Volleyballfan machen, da die Volleyballfans fast durchweg (Handballfans übrigens genauso schlimm!) zu blöd sind, mal über ihren beschränkten sportlichen Tellerrand zu schauen. Das war die erste Sportveranstaltung in Polen und Tschechien auf hohem Level, bei der ich keine deutschen Fans bemerkt oder deutsche Autos gesehen habe. Kein Wunder bei der dürftigen Fanszene im Volleyball: Wenn nicht mal der Rekordmeister Fangruppen hat, die samstags mal die knapp 500km nach Spergau fahren, dann hat auch keiner so was wie Groundhopper. Und das bei dem eher überdurchschnittlichen Einkommen der Volleyballfans, was Groundhopping ja bequemer und einfacher macht! Aber Volleyballfans kommen wohl nicht mal bei einer Urlaubsreise auf die Idee, ihren Lieblingssport im Ausland zu gucken... DSC02846 Statistik:
- Grounds: 849 (heute 1 neue; diese Saison: 81 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.697 (heute 2, diese Saison: 120)
- Tageskilometer: 610 (610km Auto)
- Saisonkilometer: 27.480 (25.780 Auto/ 1.570 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 50 Bahn, Bus, Tram/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 13 [Letzte Serie: 6, Rekord: 141]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 339