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Sonntag, 19. April 2015

W455III: Hockey auf Irisch in den Niederlanden – oder: der vielleicht älteste Mannschaftssport der Welt

European Hurling and Camogie Championships, Round 1 in The Hague
- Datum: Samstag, 18. April 2015 – Beginn: 10.30
- Wettbewerb: Internationale Meisterschaft im Hurling und Camogie, 1. Spieltag in Den Haag
- Ergebnisse Hurling: Den Haag 0.4:0.2 Belgium, Viking Gaels Copenhagen 5.11:2.1 Dresden/ Köln, Amsterdam 2.8:0.6 Viking Gaels, Belgium 4.8:1.4 Dresden/ Köln, Den Haag 1.4:0.4 Amsterdam, Belgium 4.8:0.6 Viking Gaels, Den Haag 6.7:1.3 Dresden/ Köln, Amsterdam 1.6:0.6 Belgium, Den Haag 7.11:3.6 Viking Gaels, Amsterdam def. Dresden/ Köln; Platz 3: Belgium 8.6:2.1 Viking Gaels, Finale: Den Haag 1.10:0.11 Amsterdam
- Ergebnisse Camogie: Netherlands 1.2:4.7 Belgium, Belgium def. Netherlands
- Spielort: Sportkomplex Beresteinlaan (beide Plätze Kap. je 500 Stehplätze)
- Zuschauer: je nach Spiel zwischen 5 und 20
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Spektakulärer Sport, der allerdings bei diesem Turnier bis auf die beiden niederländischen Hurling-Teams von niedrigem Niveau war)  
Photos with English Commentary:
Hurling & Camogie: European Championships, Tournament in The Hague

Also eine Hochkultur waren die Kelten nicht unbedingt, Architektur oder Erfindungen wie so viele – oftmals noch viel ältere – Völkerschaften des Nahen Ostens, von Babyloniern bis Ägyptern, haben die Kelten jedenfalls nicht der Nachwelt überlassen. Aber dafür einen Mannschaftssport, der mit über 3.000 Jahren der wohl älteste der Welt ist. Und ob er nur zufällig mehreren anderen Sportarten (Lacrosse, Hockey) ähnelt oder tatsächlich mehrfach adaptiert wurde, ist nicht klar. Jedenfalls wurde Hurling (laut Wikipedia, wobei deren Artikel gängige irische Quellen zitiert) „das erste Mal in einer Beschreibung der Schlacht von Moytura erwähnt, die im 14. vorchristlichen Jahrhundert stattgefunden haben soll. Damals besiegten die Túatha Dé Danann die Firbolg erst in einem Spiel und später in einer Schlacht. Auch der altirische Sagenkreis um Cúchulainn liefert die Beschreibung eines Hurlingspiels. Das Spiel findet auch in vielen anderen irischen Quellen Erwähnung, was seine Popularität über die Jahrhunderte beweist. So sahen die Brehon Laws Strafen für das Verletzen oder Töten von Personen durch Hurleys [die Schläger sind aus Holz und kürzer aber viel breiter als Feldhockeyschläger] oder Hurlingbälle [die sehen heutzutage aus wie ein Baseball, nur kleiner und auch leichter] vor. Nach der Ankunft der Engländer im 12. Jahrhundert gab es mehrfach Versuche, das Spiel zu unterdrücken und zu verbieten. So verbot das Parlament von Kilkenny im Jahre 1367 Hurling mit der Begründung, es würde zur Vernachlässigung der militärischen Pflichten führen. Die Statuten von Galway im Jahre 1527 erneuerten dieses Verbot. All diese Verbote taten der Popularität von Hurling aber keinen Abbruch. Aus dem 18. Jahrhundert sind Berichte aus 21 Counties über Hurling-Spiele erhalten. Insbesondere in den ländlichen Regionen Munster und Leinster war Hurling weit verbreitet. Die große Hungersnot in den 1840er Jahren brachte schwere Erschütterungen für die sozialen Strukturen auf dem Land und damit auch für die Verbreitung des Spiels. Dennoch sah der spätere Gründer der Gaelic Athletic Association (GAA), Michael Cusack, in den 1850er Jahren Hurling-Spiele in seiner Heimat Clare. Mit dem aufkommenden Nationalismus in den 1880er Jahren besann man sich in Irland auch wieder mehr auf die traditionellen Sportarten, und mit der Gründung der GAA im Jahre 1884 war auch das Überleben von Hurling als populärer Sportart gesichert.“

Der internationale Arm der GAA, GAA Europe, hatte heute ein Turnier in Den Haag angesetzt: und zwar im Hurling und der Frauenvariante Camogie, deren Regeln sich v.a. im Bereich erlaubter Körperkontakt (eigentlich gar keiner bei den Frauen) so unterscheidet, dass man von zwei unterschiedlichen Sportarten sprechen muss – auch wenn die Ausrüstung die gleiche ist. Ausgetragen wurde es dann zwischen 10.30 und 18 Uhr an der Beresteinlaan, wo zwischen Wasserkanälen und Bäumen vier Wiesen (drei für Fußball, eine für Rugby) und ein Kunstrasenplatz (Fußball) liegen. Alles ausbautenlos, an den beiden Enden der Anlage gibt es Vereinsheime und Umkleiden, aber alles ziemlich primitiv. Fürs Turnier wurden der Fußballplatz Nr. 2 und der Rugbyplatz genutzt, was zur Folge hatte, dass die Tore je nach Platz unterschiedlich groß waren. Aber man musste eh immer variieren: mal wurde 11 gegen 11 gespielt, mal nur 8 gegen 8 oder 10 gegen 10. Manchesmal wurden Spieler untereinander getauscht, die dann als Gastspieler bei den schwach besetzten Teams (v.a. aus Deutschland und Dänemark, die Niederländer und Belgier waren viel besser besetzt) aushalfen. Und eigentlich spielt man ja Hurling wie auch Gaelic Football auf einer etwa 135x80m großen Wiese und zwar mit 15 Leuten pro Team – doch im unteren Amateurbereich, v.a. außerhalb Irlands, muss man halt die Mannschaftsstärke und Spielfeldabmessungen ab und an mal adaptieren...  
In jedem Fall lohnte es sich aber, dieses Turnier besucht zu haben: Hurling ist ein wirklich sehenswerter da spektakulärer Sport mit rasanten Zweikämpfe, eindrucksvoller Ballbehandlung und Schlagtechnik, sowie kuriosen Torszenen. Ist schon sehr viel packender als Feldhockey oder auch Hallenhockey. Nur ob Inlinehockey oder Hurling packender ist, will ich nicht festlegen...

Bei den Männern lief es jedenfalls schon in der Gruppenphase auf ein niederländisches Finale hinaus: die deutsche Spielgemeinschaft aus Dresden und Köln sah erwartungsgemäß keinen Stich, auch die Dänen hatten kaum eine Chance, Belgien gewann zwar gegen diese beiden schwächeren Gegner klar, unterlag dann aber den Teams aus Amsterdam und Den Haag ebenso klar. So gewann Belgien auch das Spiel um Platz 3 gegen Kopenhagen und Den Haag und Amsterdam bestritten ein würdiges Finale. Dieses sollte quasi durch das frühe Tor, dem einzigen Goal der Partie, für Den Haag entschieden werden: außer nach drei Minuten zappelte kein Ball mehr im engmaschigen Netz, nur beim dynamischen Hin und Her fanden viele Bälle ihre Wege über die Latte zwischen die Stangen. Teilweise konnte Amsterdam ausgleichen, doch Den Haag setzte sich dann immer wieder mit ein paar Punkten ab. Am Ende waren es zwei Punkte Unterschied: 1.10 zu 0.11, das heißt 13:11 für Den Haag!

Den regelmäßigen Leser wird es wundern, dass ich nur zwei Sehenswürdigkeitenfotos hochgeladen haben: es war einfach so, dass ich in der Turnierpause (und ich war schon extra noch früher gegangen und habe dadurch drei Spiele versäumt), zwar durch das Verkehrschaos in diese Stadtmitte Den Haags vorgedrungen bin, mir zu Essen gekauft, die internationalen Geschäfte – Marokkaner, Surinamesen, Kariben, Indonesier etc. – ebenso wie die wenige historischen Bauten im Vorbeifahren begutachtet habe; aber dann in Den Haag den Parkplatz nur mit Karte bezahlen konnte, die dann allerdings der scheiß Automat nicht genommen hat. Genau darum gibt es in zivilisierten Ländern die Optionen Karten- UND Barzahlung an Parkscheinautomaten! Aber die Niederlande kotzen mich so wie so an; nicht nur wegen ihrer schwachsinnigen Kartenmaschen, sondern auch wegen schlechtem Preis-Leistungs-Verhältnis, hässlicher Sprache (aber zum Glück können die meisten richtig gut Englisch), eintöniger Landschaft (bis auf Zuid-Limburg flache Ebene die mit Kanälen, auch als Mückenzuchtbecken bekannt, durchzogen ist) und größtenteils hässlicher, zubetonierter Städte.  
Statistik:
- Grounds: 1.345 (2 neue; diese Saison: 190 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.351 (2; diese Saison: 239)
- Tageskilometer: 660 (660km Auto)
- Saisonkilometer: 49.900 (35.160 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 4.760 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.790 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 49 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 455

Montag, 30. März 2015

W452V: Breitgefächertes Sportangebot in Luxemburg; von Fußball über Basketball bis hin zu Rugby und Gaelic Football

BBC Arantia Larochette ............................ 87
BC Résidence Walferdange ........................ 92
- Datum: Samstag, 28. März 2015 – Beginn: 20.30
- Wettbewerb: Basketball Nationaldivisioun bzw. sogenannte „Total Ligue” (1. Spielklasse in Luxemburg, Halbprofi- und Amateurliga)
- Ergebnis: 87-92 nach 40 Minuten (4x10); Viertelergebnisse: 28-22, 23-21, 16-29, 20-20
- Punkte: Jones 25, Evans 17, Kayser 11, Ferreira 10, Hoffmann 9, R. Nunes Jordao 7, P. Nunes Jordao 4, Kirpach 2, Becker 2 (Fiels); Richardson III 36, Moura 25, Vujakovic 14, Dezelski 13, Tomas 3, Schumacher 1 (Walfer)
- Freiwurfquote: Fiels 50% (7 von 14); Walfer 72% (18 von 25)
- Fouls: Hoffmann 5, P. Nunes Jordao 4, R. Nunes Jordao 3, Kayser 3, Becker 2, Kirpach 1, Jones 1 (Fiels = 21); Tomas 4, Dezelski 3, Vujakovic 2, Moura 2, Richardson III 2, Schumacher 1 (Walfer = 14)
- Spielort: Hall Sportif Centre Filano (Kap. 400, davon 300 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und spannendes Spiel)

FC Amis des Sports Porto Luxembourg Res. ..... 4
FC Blue Boys Muhlenbach Res. ........................... 4
- Datum: Samstag, 28. März 2015 – Beginn: 16.30
- Wettbewerb: Réseves Séniors Classe 2 Série 2 (2. Luxemburgische Reserveliga, Staffel 2)
- Ergebnis: 4-4 nach 96 Minuten (47/49); Halbzeitstand: 1-1
- Tore: 1-0 11. (NN), 1-1 26. Nr. 7, 2-1 55. (7), 2-2 66. Nr. 17, 3-2 76. (8), 3-3 78. Nr. 10, 3-4 84. Nr. 7, 4-4 88. (11, Foulelfmeter)
- Verwarnungen: der Schiri schien keine Karten dabei gehabt zu haben...
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boy Konen, Terrain 2 (Luxembourg-Cessange, Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 10 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,5/10 (Schnelles, packendes und torreiches Match)

Rugby Club Luxembourg ...................................... 31
Studentenstadt Rugby München ........................... 18
- Datum: Samstag, 28. März 2015 – Kick-off: 14.00
- Wettbewerb: 2. Rugby-Bundesliga/ DRV Pokal Süd-West (2. Spielklasse im deutschen Rugby)
- Ergebnis: 31-18 nach 84 Min. (42/42) – Halbzeit: 21-6
- Punkte: 0-3 Freekick, 5-3 Try, 7-3 Conversion, 12-3 Try, 14-3 Conversion, 19-3 Try, 21-3 Conversion, 21-6 Freekick, 26-6 Try, 31-6 Try, 31-11 Try, 31-16 Try, 31-18 Conversion
- Verwarnungen: keine
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Boy Konen, Terrain de Rugby (Luxembourg-Cessange, Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 30 (davon keine Gästefans)
- Unterhaltungswert: 8,5/10 (Hervorragendes, sehr kampfbetontes Spiel)

Gaelic Football Benelux Championships 2015, Tournament 1 in Luxembourg
- Datum: Samstag, 28. März 2015 – Beginn: 9.30
- Wettbewerb: Gaelic Football Benelux Championships (Länderübergreifende Meisterschaft im Gaelic Football für Teams aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg)
- Ergebnisse Männer (11er Großfeld): GSC Lëtzebuerg 2.3-0.7 Amsterdam GAC, Belgium A 7.4-0.0 Belgium B, GSC Lëtzebuerg 2.5-1.6 Den Haag GAA, Amstderdam GAC 2.9-1.3 Belgium A, GSC Lëtzebuerg 3.5-0.0 Belgium B, Rest unklar
- Ergebnisse Frauen (7er Kleinfeld): GSC Lëtzebuerg 2.1-5.5 Belgium B, Holland 3.6-5.8 Belgium A, Holland 6.10-0.4 Belgium B, Rest unklar
- Spielorte: Stade Route de Luxembourg (Kap. 1.200, davon 200 Sitzplätze) und Stade Route de Luxembourg, Terrain 2 (Kap. 1.000 Stehplätze)
- Zuschauer: max. 40 bei den Männerspielen und max. 10 bei den Frauenspielen)
- Unterhaltungswert: 8,0/10 (Tolle Sportart, hier natürlich nicht auf Spitzenniveau aber einige gute Spiele dabei, zudem interessante Atmosphäre)  
Photos with English Commentary:
a) GAELIC FOOTBALL: BeNeLux Championships Tournament 1 in Junglinster
b) RUGBY: RC Luxembourg defeat StuSta München in German 2nd Division
c) Football: Porto Luxembourg II and Blue Boys Muhlenbach II draw in Reserves League 2
d) Basketball: Arantia Larochette lost to Residence Walfer in Play-off/Play-out-Round
e) Sightseeing: Betten op der Mess (Palace)

Gaelic Football (Gälischer/ Keltischer Fußball) ist ein seit mindestens 500 Jahren in Irland gespielter Ballsport, der ein Mittelding zwischen Rugby und Fußball und somit ein für die britischen Inseln typischer Ballsport ist. Viele recht ruppige Ballsportarten wurden in Großbritannien und Irland mindestens seit dem frühen Mittelalter erfunden. Während Fußball und Rugby weltweit gut organisiert gespielt werden, sind andere dieser Ballspiele nur regional in GB bekannt oder haben eine geringe Verbreitung, so wie Gaelic Football, das von der GAA (Gaelic Athletic Association) Europe zusammen mit Hurling (einem Hockey-Spiel – im Gegensatz zu Feldhockey nichts für Weicheier, da enorm viel Körperkontakt) und anderen irischen Sportarten auch in einigen europäischen Ländern organisiert wird. Deutschland ist da leider sehr schwach: außer Düsseldorf, Frankfurt und München – und da auch nicht so regelmäßig – gibt es kaum oder keine Wettkämpfe. Doch in BeNeLux gibt es eine funktionierende Meisterschaft im Gaelic Football (und auch Hurling), an der Teams aus dem Großherzogtum, einigen belgischen und niederländischen Großstädten, sowie auch Düsseldorf und Zürich teilnehmen. Da der erste Spieltag (in Turnierform ausgetragen) dieser ausgesprochen interessant klingenden BeNeLux-Liga im Gaelic Football im luxemburgischen Jonglënster ausgetragen werden sollte, ließ ich mich nicht zwei Mal bitten, mal wieder nach Lëtzebuerg zu fahren. Außer dieser kuriosen Randsportart gab es auch noch 15er-Rugby, Fußball und Basketball zu sehen, aber erstmal mehr zum Gaelic Football!  
In Jonglenster (Junglinster) befindet sich am Südende rechts vor der neuen Umfahrung die Sportanlage. Außer Tennisplätzen gibt es auch ein meist für Fußball genutztes Stadion mit einer überdachten Tribüne mit Holzbänken für 200 Zuschauer. Im Rücken der Tribüne und des sehr gepflegten Sportlerheims gibt es einen neuen, sehr guten aber ausbautenlosen Kunstrasen. Heute wurde auf letzterem das Turnier der Frauenmeisterschaft auf Kleinfeld (7 Spielerinnern statt wie üblich 15) und im Stadion des Männerturnier (auch dort eine Reduzierung der Spielerzahl: statt 15 waren es 11, was bei einem ca. 100x60m großen Fußballfeld sinnvoll ist: ein Gaelic Football-Platz in Irland ist gut 135x80m groß) ausgetragen.

Mit zwei älteren irischen Offiziellen kam ich schnell ins Gespräch. Die waren unheimlich bemüht mir die irische Kultur über den Gälischen Sport (Gaelic Football, Hurling) nahe zu bringen, erzählten auch viel von traditioneller Musik, der Küche (im Mittelpunkt natürlich der Irish Pub, der übrigens in irischen Aussprache wirklich „pub“ und nicht „pab“ ausgesprochen wird) und auch der Landessprache (Irisch-Gälisch) und deren Unterdrückung durch die Engländer. Ohnehin ging es auch immer mal um Kriege mit England und die angespannte politische Situation: die Iren schienen mir sehr auf ihre Geschichte bedacht. Immer wieder hörte ich übrigens auch Spieler, die sich auf Irisch unterhielten, was nicht ganz so krass fremd wie Walisisch klingt. Eher dem Walisischen ähnlich ist übrigens das Bretonische – daher ist die Bretagne auch der Hotspot für Gaelic Sports außerhalb Irlands.

Die Spiele die ich von der Männerliga sah, waren allesamt rasant und sehenswert, bis auf die Spiele der schwachen Belgischen B-Mannschaft waren sie auch eng und spannend. Zuerst war der Gastgeber Luxemburg gegen Amsterdam gefragt. Mit einem frühen Goal (Schuss ins Tor wie beim Fußball, das gibt 3 Punkte) und kurz danach mit einem Point (Schuss über die Querlatte zwischen die beiden dort angebrachten Rugby-Stangen, gibt einen Punkt) legten sie den Grundstein zum Sieg. 2 Goals, 3 Points gegen 0 Goals, 7 Points macht einen 9:7 Sieg für Luxemburg. Beim Belgien-internen Match sah es sehr deutlich aus. Die B-Mannschaft traf gar nicht und verlor mit 7.4-0.0 (also 25:0) gegen die A-Mannschaft. Dann traf Luxemburg auf die Favoriten aus Den Haag, die sich mit einigen Spielern des nicht in Mannschaftsstärke angereisten Clubs aus Maastricht verstärkt hatten. Nach langem Rückstand gelangen Luxemburg zwei schöne Tore zum 2.5-1.6 (11:9) Sieg. Gegen Belgien B siegte Luxemburg sogar zu Null bei 3.5 (14) eigenen Punkten. Belgien war generell recht erfolglos, dann auch die A-Mannschaft unterlag Amsterdam mit 2.9-1.3 (15:6).

Beim Frauenturnier sah das anders aus: hier spielten beide Teams ganz gut, die A-Mannschaft auch besser als das niederländische Team und besser als die schwache luxemburgische Mannschaft sowieso. Auch die Frauen spielten keinen schlechten Fußball, profitierten auch etwas vom kleinen Platz – hier wurde dementsprechend auf Kleinfeldtore gespielt. Luxemburg unterlag Belgien II mit 2.1-5.5 (7:20). Außerdem sah ich noch zwei Spiele von Holland: die Niederlage gegen Belgien A (3.6:5.8 = 15:23) und den Sieg gegen Belgien B (6.10:0.4 = 28:4). Bei den Frauenmannschaft war übrigens interessant, dass hier etwas mehr Nicht-Iren auf dem Platz waren als bei den Männern. Vor allem bei Luxemburg und den Niederlanden waren auch je ein, zwei Araberinnen – eine brachte es fertig mit Brille und Kopftuch zu spielen – dabei. Also dass in einigen arabischen Ländern Rugby auch bei Frauen recht beliebt ist, war mit klar – aber wie kommt man mit dem Hintergrund auf Gaelic Football?

Insgesamt gesehen lohnte sich der Besuch absolut und sollte wiederholt werden. Auch Hurling wird einen Besuch wert sein. Was Gaelic Football noch angeht, so erschien das Spiel bei weitem nicht so körperbetont wie Rugby oder gar Aussie Rules, doch zum einen gab es bei Luxemburg – Amsterdam und Amsterdam – Belgien je einen Faustkampf nach unsauberen Tacklings, was von meinen Gesprächspartnern so kommentiert wurde: „Ah, some exchange of opinions...“ oder „Finally it’s getting rough. There weren’t many hard tacklings in the matches up to now, obviously it’s too early in the morning for the young men (ausgesprochen übrigens sehr deutsch: “jung mehn”)“. Zum anderen sieht der Wettkampf in Irland etwas ruppiger aus: https://www.youtube.com/watch?v=RBiDK5NHsIo . Aber es gibt in der Tat strengere Regeln: es ist kein solches Tacklen wie im Rugby (mit beiden Armen um die Hüfte zu Boden reißen) oder Australian Football (voll in den Rücken springen, also eigentlich darf man da eh fast alles, was kein Wunder bei einem Sport ist, der in einer Verbrecherkolonie entwickelt wurde) erlaubt.  
Apropos Rugby: in Cessange (Zeisseng, südwestlicher Rand der Hauptstadt) befindet sich ein weggetretener, mieser Rasenplatz ohne Ausbauten, der der luxemburgischen Rugby Nationalmannschaft und dem wichtigsten Club des Landes, dem RC Luxembourg, als Heimstätte dient. Eine Handvoll Zuschauer, fast alles Männer aus Großbritannien und Frankreich, wollte sich dieses Match im DRV-Pokal zwischen dem Gruppensieger der 2. Liga Südwest – dem RC Luxemburg – und dem 3. der Südstaffel – StuSta München – nicht entgehen lassen.

Es war auch ein sehr sehenswertes und actionreiches Spiel – Luxemburg dürfte wohl in die 1. Bundesliga aufsteigen, was bei deren attraktiver Spielweise auch verdient ist. Hier wurde enorm hart zum Ball gegangen, das Spiel flüssig durchgeführt, enorm viel Laufarbeit geleistet. Das Match war fast nie unterbrochen und Luxemburg verstand es hervorragend die Bayern vom Versuchelegen abzuhalten. Bei Pause deutete sich ein Sieg an, als es 21:6 stand. Luxemburg entschied das Spiel nach der Pause mit zwei weiteren Versuchen. Erst in der Schlussphase kam München noch etwas heran. Am Ende hieß es 31:18.  
Danach gab es auf dem benachbarten Fußballplatz – einem sehr gepflegten Kunstrasen, aber auch ohne Ausbauten – 2. Reserveliga im Fußball. Gastgeber war die überwiegend mit Portugiesen spielende II. Mannschaft vom FC Amis des Sports Porto (FC Sportfreunde Porto), zugast war das mit v.a. Südosteuropäern kickende Reserveteam vom FC Blue Boys Muhlenbach (auch aus einem Ortsteil der Hauptstadt), das noch unter dem Namen „Sandžak“ bekannt ist.

Wie am Freitag in Köln endete das Spiel 4:4, denn beide Teams gaben alles nach vorne, spielten offensiv und ansehnlich, machten etliche amateurtypische Fehler, kamen aber v.a. in der zweiten Hälfte zu vielen Treffern. Packend war v.a. die Schlussphase, als Muhlenbach das Spiel innerhalb von drei Minuten von 3:2 auf 3:4 drehte, doch dann einen Elfmeter verursachte, der den 4:4 Endstand herstellte. Der Schiri sprach übrigens Französisch, Englisch und Portugiesisch mit den Spielern und ließ auch Pöbeleien und Rudelbildung durchgehen: hatte wohl keine Karten dabei...  
Zum Abschluss des Tages – nach einem kurzen Besuch des sehr gepflegten Schlosses in Betten op der Mess – stand noch Basketball in Fiels (Larochette) an. Der Erstligist Arantia Fiels, gesichert auf Platz 2 der Abstiegsrunde, traf hier auf den Aufstiegskandidaten aus Liga 2, Résidence Walfer. Die mussten heute gewinnen, um den Aufstieg einen Spieltag vor Ende perfekt zu machen, wurden aber trotzdem nur von 10 Fans begleitet. Schwach auch die Kulisse der Heimseite: nur knapp 150 Leute und nur die jugendliche Fangruppe „Holy Gäns“ machte Stimmung mit sehr guten Trommelmelodien und ordentlichen Gesängen.

Das Spiel war gut und sehenswert, wobei es in den ersten beiden Vierteln vom Gastgeber bestimmt wurde. Nach der Pause brach Fiels ein, verwandelte kaum noch einen Freiwurf und kassierte immer wieder spektakuläre Dreipunktewürfe und Kontertreffer. Das dritte Viertel ging mit 13 Punkten Unterschied an Walfer. Teilweise bauten sie ihre Fünf-Punkte-Führung auf 11 Treffer im vierten Viertel aus, doch kurz vor Schluss kam Arantia noch mal gefährlich nahe heran. Erst packende Szenen in der Schlussminute und das geschickte Zeitschinden der Gäste ermöglichten einen 87:92 Sieg und den Aufstieg für Walfer, von dem Fiels aber unbehelligt bei.

Ich fuhr den direktesten Weg nach Bonn zurück und kam kurz vor 1 Uhr an.  
Statistik:
- Grounds: 1.328 (heute 5 neue; diese Saison: 173 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.332 (heute 4; diese Saison: 220)
- Tageskilometer: 390 (390km Auto)
- Saisonkilometer: 46.740 (32.250 Auto/ 8.200 Flugzeug/ 4.630 öffentliche Verkehrsmittel/ 1.660 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 36 [letzte Serie: 13, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 452