Mittwoch, 18. Februar 2026

W3.0268II-III: Ein Wochenende in Stettin

Morski Klub Sportowy Pogoń Szczecin

1 : 0 (1:0)

Morski Związkowy Klub Sportowy Arka Gdynia

- Datum: Sonntag, 15. Februar 2026 – Beginn: 14.45
- Wettbewerb: Ekstraklasa (1. polnische Profifußballliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 96 (46/50) Minuten - Halbzeit: 1-0

- Tor: 1-0 5. Mukairu

- Verwarnungen: Pozo, Acosta, Mendy (Stettin); Navarro, Gaprindashvili, Jakupczyk, Abramowicz (Gdingen)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Stadion Miejski im. Floriana Krygiera (Kap. 21.163 Sitzplätze)
- Zuschauer: 16.221 (davon ca. 700 Gästefans)
- Spielbewertung: 5,0/10

King Wilki Morskie Szczecin

84 : 74 (38:29)

Włocławskie Towarzystwo Koszykówki Anwil Włocławek

- Datum: Samstag, 14. Februar 2026 – Beginn: 17.30
- Wettbewerb: Polska Liga Koszykówki (PLK; 1. polnische Profibasketballliga)
- Ergebnis: 84-74 nach 40 (4x10) Minuten - Viertelstände: 20-17, 18-12, 24-23, 22-22

- Statistiken: siehe Website der PLK

- Austragungsort: Arena Szczecin (sog. Enea Arena; Kap. 5.055 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 2.800 (davon ca. 60 Gästefans)
- Spielbewertung: 6,5/10

Szczecin

Photos with English commentary: 

  1. Polish Football Ekstraklasa: Pogoń Szczecin vs. Arka Gdynia

  2. Polish Basketball League: Wilki Morskie Szczecin vs. Anwil Włocławek

  3. Western Pomerania: Szczecin (Palace, Old Town, Ruins in the Arkonia Woods), Moczyły (Church Ruin and Frozen Odra River) 

Beryls Schwester kennt einen länger in Kenia aufhältigen Polen aus Gdańsk (Danzig), sodass sie mal ins Spiel brachte, nach Polen zu fahren. Dass meine Freundin - anders als der Pole in Kenia - als Kenianerin in Polen im Allgemeinen nicht willkommen ist, war ihr und uns im Vorfeld bewusst. Danzig war ohnehin zu weit, aber da ich seit 2009 nicht mehr Pogoń gesehen hatte und 2020 zuletzt in Stettin und überhaupt in Polen war, schlug ich einen Besuch in Szczecin vor. 

Da die Warschauer Allee (A2) mal wieder durch einen - natürlich von Polen verursachten - Unfall gesperrt war, fuhren wir über die Bundesstraßen via Stendal und Nauen auf die Autobahnen um Berlin herum und dann durch Ucker- und Oderbruch via Pomellen nach Szczecin. Der polnische Grenzschutz ließ uns unkontrolliert passieren. Bei einer ING in Gumience (Stettin-Scheune) hob ich 450 Złoty ab, da die polnischen “Goldstücke” komplett alle waren und man auch im städtischen Stettin nicht immer alles mit Karte bezahlen kann. Da ich als erfahrener Reisender die Option “Belastung in Złoty” wählte, wurden mir nur die regulären 111€ vom DKB-Konto abgezogen - die Idioten von der ING haben natürlich erstmal vorgeschlagen, das Konto in Euro zu belasten; das wären aber 124€ oder so gewesen. Eine üble Touristenabzocke!

Wilki Morskie Szczecin 84:74 Anwil Włocławek

Keinerlei Abzocke hingegen in der Innenstadt: Samstag und Sonntag ist das Parken auf allen öffentlichen Parkplätzen und Straßen kostenlos, auch da, wo von Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr (auch noch recht zivilisierte Zeiträume!) mindestens 1,20€ die Stunde fällig werden. Falschparken wird übrigens seit Kurzem - wie alle Verkehrsverstöße - zunehmend teuer sanktioniert: Da sind schnell mal 50€ (Euro, nicht Złoty) weg! Wir parkten also kostenlos am Neuen (Roten) Rathaus, oberhalb des Polenmarktes “Tobruk” - ich habe leider nicht herausgefunden, warum der Markt scheinbar nach einer Hafenstadt in Libyen heißt. Besichtigungspunkte waren der Heumarkt (Rynek), das Schloss und die Kathedrale, sowie dazwischenliegende Straßenzüge. In einem Café in einem ehemaligen Stadttor gingen wir bei gutem und freundlichen Service (aber entsprechend hohen Preisen) Essen und Tee trinken. Hier waren auch mal noch andere außereuropäische Ausländer zu sehen und die Bedienung wollte gleich auf mein holpriges Polnisch mit gutem Englisch helfen. 

Sonst war leider bezeichnend, dass Polen mehrfach (wie erwartet) unfreundlich auftraten. Im Supermarkt hatte ich stärker als sonst den Eindruck, eine Zumutung für die Mitarbeiter zu sein, nur weil wir ganz normal einkaufen und zahlen wollen (die sind ja sonst auch immer faul, unwillig und unhöflich, aber heute fiel es noch schlimmer auf) und ein Polacke laberte im Vorbeigehen am Heumarkt auch was mit “Neger”. Jedenfalls verstand Beryl, warum ich mich vorher schon negativ über Slawen, v.a. Russen, Polen und Tschechen geäußert habe. Leider glaubt sie mir nun nicht mehr, dass sich eine Tour nach Jugoslawien trotzdem lohnt und will nun lieber mal nach Schweden. Na gut, mal schauen, ob die paar Tage, an denen sich unser Jahresurlaub überschneidet, wirklich mit einer solchen Tour nach Schweden genutzt wird oder vielleicht doch Slowenien/Kroatien…

Wilki Morskie Szczecin 84:74 Anwil Włocławek

Beim Basketball in der Arena Szczecin, einem modernen und architektonisch ganz ansprechenden Oval mit Multifunktionsfläche und Fraktalarchitektur im Eingangsbereich, hatten wir für 12€ ganz gute Karten gegenüber des Fanblocks “Wataha” (Rudel). Wie auch in Rostock, heißt der Club “Seewölfe” (also in Rostock “Seawolves” und in Stettin “Wilki Morskie”) und spielt mit dem Logo und Namen auf Wölfe von der Küste an, obwohl der Seawolf bzw. Seewolf tatsächlich ein Beiname des Orca bzw. der Trivialname der sehr hässlichen aalartigen Anarhichadidae ist. 

Das Spiel war ganz gut, die Stimmung keineswegs besser als in der BBL. Dafür, dass Wilki Morskie Szczecin Tabellenführer ist und 2023 Meister und Supercupsieger war, ist auch ein Besuch von nicht mal 3.000 Zuschauern in etwas mehr als halbvoller Halle schwach. Stettin ist halt keine Basketballstadt und der Club noch nicht sonderlich etabliert. Eine Busladung, die jedoch kaum zu vernehmen war, kam auch aus der südlich von Danzig liegenden Mittelstadt namens Włocławek angefahren. Ganz kurios war das Namenssponsoring: Der Zigarettengroßhandel “King” sponsert die Stettiner, die Gäste werden wiederum gesponsert von “Anwil”, einer Orlen-Tochter die u.a. Düngemittel herstellt. Industrie ist ja OK, aber Kippen beim Profisport - meine Fresse! 

In einem ausgeglichenen ersten Viertel gelang Stettin ein Dreier mit dem letzten Wurf zum 20:17. In den folgenden Vierteln bauten sie ihren Vorsprung aus bzw. hielten ihn auf am Ende 10 Punkte und einem 84:74. Nicht schlecht, der Besuch beim Basketball hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Beim Einkauf in der Mall wurde dann bei Kartenzahlung auch überall versucht, durch Umrechnung Geld zu machen. Eigentlich wollte ich eh bar zahlen, doch das ging nur im Action, wo Beryl u.a. Küchenmesser fand, die - typisch für Osteuropa - mit “deutscher Qualität” werben, aber irgendwo klein einen Aufdruck “Made in China” besitzen... Bei Carrefour waren dann nur zwei von den 10 oder 12 normalen Kassen besetzt und gerade mit dumm aus der Wäsche guckenden Trullas, die einen Fehler oder Reklamationen beheben mussten und jedem folgenden Kunden klarmachten, weiterzugehen, bemannt. Da Polen sich ja um die Digitalisierung rühmt, gibt es zahlreiche Selbstbedienungskassen. Manche können mit Bargeld, die meisten nur mit Karte bedient werden. Wir mussten natürlich an eine nur mit Kartenzahlung, wo ich wieder extra drücken musste, um nicht 10 % mehr zu bezahlen durch Umrechnung. Drei Mal musste vor Bezahlung eine unfreundliche Tante angewackelt kommen, die mit einem Chip einen Fehler zurücksetzte, damit ich weiter den Einkauf Scannen kann. Es lag nicht an uns, denn die Alte gondelte mit langgezogener Fresse von einer SB-Kasse zur nächsten, da ständig überall irgendwo “Fehler” aufleuchtete. Im Übrigen war die Checkout-Seite nach zuvor verständlicher (aber nicht durchweg korrekter) deutscher Übersetzung nur noch auf Polnisch, was ich zum Glück halbwegs verstand. Also bei Digitalisierung brauchen die auch nicht so zu tönen da in Polen…

Im Appartementblock in der Południowa 23 funktionierte die Hauseingangstür auch erst nach Handanlegen von einem polnischen Monteur. Immerhin funktionierte dann der Türcode zum für den Preis guten Appartement… 

Moczyły

Sonntag gingen wir in zwei Orten spazieren, die ich auch noch nicht besucht hatte. Zuerst im Dorf Moczyły an der zugefrorenen Oder, wo es einige kleine Kunstwerke und eine in der Volksrepublik verfallene Kirche gibt. Das würde heute eher nicht mehr passieren. Unter der PiS wurde der Einfluss der Katholen noch mal stärker, sodass nun seit einigen Jahren auch wie in Deutschland die Supermärkte Sonntag schließen müssen. Für ein kleines, überaltertes polnisches Dorf sah das doch recht gepflegt aus, Beryl fand es aber ebenso wie die Stadt Stettin so unattraktiv, dass sie nicht nachvollziehen konnte, dass Deutsche nach Polen ziehen. Bei allem Gelaber sind es aber eh nur einzelne Verwirrte und Menschen mit entsprechenden Wurzeln, die von DE nach PL ziehen.

Punkt zwei war der Arkonia-Wald mit dem höchsten Hügel Stettins, auf dem die Ruine eines deutschen Aussichtsturms steht. Dort ballerten gerade Kinder mit Plastekugeln aus Anscheinswaffen herum. Normale Freizeitbeschäftigung halt, es wird schon mal geübt, falls die Russen wieder einfallen… 

Ebenfalls in Ruinen ein nahegelegenes Forsthaus (Eckerberg). Teils waren entsprechende Tafeln angebracht, teils suchte ich uns historische Fotos aus dem Internet heraus, um ihr zu zeigen, wie diese Trümmer im Wald vor dem Krieg aussahen.

MKS Pogoń Szczecin 1:0 MZKS Arka Gdynia

Dann den gewünschten Parkplatz in der Wojciecha Korfankiego Ecke Henryka Sinkiewicza bekommen und das Stück zu Fuß zum Stadion. Eingang für den Heimbereich ist in der Mieczysława Karłowicza, auch für die Haupttribüne und VIP. Wir hatten für 22€ gute Plätze im unteren Bereich der Haupttribüne. Auch auf die schwache polnische Kaufkraft gerechnet - bis auf IT-Sektor verdient man in PL nur etwas mehr als halb so viel wie in Deutschland - ist das preislich OK. Ich finde es auch schön, dass Spiele vor niedrig vierstelligen Zuschauerzahlen in der Ekstraklasa der Vergangenheit angehören; so waren auch hier über 16.000 Plätze belegt und aufgrund der Sektorensperrungen hätte man wohl auch nur 17.500 Karten bekommen (abzüglich 1.500 Gästekarten, die wohl zur Hälfte weggingen). Aber eigentlich muss man sagen, dass die 22€ in diesem mittlerweile baulich verhunzten Florian-Krygier-Stadion noch zu viel sind. Abstiegskampf in der 1. polnischen Liga ist ja maximal deutsches Drittliganiveau. International reißt sowieso kein Polenclub irgendwas auch nur ansatzweise. Dass Mannschaften wie Pogoń oder Arka als Erstligisten (13. gegen 16. von 18) zur Spitze im Fußball eines so bevölkerungsreichen europäischen Landes zählen und dann so ein Niveau haben, ist schon richtig schwach. Die Zusammenfassung des Spiels sagt eigentlich alles.

Zum Glück traf einer von neun Ausländern der Startelf (!), der Nigerianer Mukairu, schon nach fünf Minuten mit seinem fünften Saisontor. Von den Polacken brachte ja keiner was zustande, also musste es wieder ein drittklassiger Afrikaner, der in Dänemark kein Bein auf den Boden bekam und für seine Heimatnationalmannschaft nie in Frage käme, richten…

Außer in den jeweiligen Fanblocks kam kaum Stimmung auf. Immer wieder wurden Bandansagen eingespielt, da u.a. judenfeindliche Gesänge von der ganzen Kurve kamen. Laut Springerpresse fühlen sich Juden in Osteuropa ja total wohl, da es im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich kaum Muslime in z. B. Polen gibt - wird in diesen Artikeln nur nie erwähnt, wie die Stimmung bei den Slawen so gegenüber den Juden ist… Mittlerweile werden übrigens auch Bandansagen eingespielt, wenn Pyro brennt. Die Choreo nach der Pause samt doppelter Pyroeinlage war schon schön anzusehen. Alles auch sehr kontrolliert! Allerdings finde ich es traurig, dass die polnisch-deutsche Fanverbindung zwischen Pogoń Szczecin und dem Berliner FC Dynamo existiert. Irgendwie ist mir der Verein aus Stettin ja doch sympathisch - und dann arbeiten dessen Hools und Ultras mit der weinrot-weißen ostberliner Scheiße zusammen, diesem dreckigen Schiebermeister. Ich fürchte, da waren wieder die Neonazi-Connections ausschlaggebend - denn politisch passen beide Szenen super zusammen.

Dennoch war auch für Beryl der Stadionbesuch interessant und angenehm. Wir hatten ja vernünftige Plätze. Insgesamt war aber der Eindruck von Polen für sie so negativ, dass sie keine Lust auf eine Wiederholung hat. Ich wusste nach dem Kick von Pogoń halt auch wieder, warum ich mich in den letzten Jahren kaum noch in Polen oder Tschechien aufgehalten habe. Es ist dürftig, auf welchem Niveau da Profifußball gespielt wird - und in Deutschland kann man auch bei vielen Profispielen Pyro und Randale haben, wenn man da Bock drauf hat. Also wozu (regelmäßig) nach Polen, wenn man nicht grenznah wohnt?  

Bevor der Heimweg richtig angetreten wurde, tankte ich natürlich noch voll. 1,50€ der Liter - und zwar Premiumdiesel mit Additiven, also nur etwa 80% der Preise in Deutschland…

MKS Pogoń Szczecin 1:0 MZKS Arka Gdynia

Statistik:

- Grounds: 3.944 (Sa 1; diese Saison: 102 neue) 

- Sportveranstaltungen: 5.575 (Sa 1, So 1; diese Saison: 149) 

- Tourkilometer: 750 km Auto (Sa 350, So 400)

- Saisonkilometer: 48.190 (27.100 Flugzeug / 19.170 Auto, davon 5.330 Mietwagen/ 1.920 Fahrrad/ 0 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 0 Schiff, Fähre)

- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 70 [letzte Serie: 57, Rekordserie ohne 0-0: 178]

- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 2 des Jahres 2021 (04.-10.01.), d.h. seit 268 Wochen in Folge [letzte Serie: 30 Wochen von KW22/2020-51/2020; Rekordserie: 711 Wochen von KW 31/2006 bis KW 11/2020]


Keine Kommentare: