Donnerstag, 13. März 2014

W397VI: Mauretanien 6; ein Samstag in Nouakchott

ASC Medina 3 Nouakchott (مدينة ٣)
..................... 2:1 (1:1) ......................
------- Gangan FC (اف سي كنكن) -------
- Datum: Samstag, 8. März 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Division 2, Ligue Regionale de Nouakchott (d.h. 2. Mauretanische Fußballliga, 1. Amateurliga; Region Nouakchott)
- Ergebnis: 2-1 nach 99 Min. (47/52) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 9. Nr. 13, 1-1 42. Nr. 8, 2-1 56. Nr. 4
- Verwarnungen: 2x Nr. 10, Nr. 7, 9, TW 30 (Medina 3); Nr. 4, 20 (Gangan)
- Platzverweise: Nr. 10 (Medina 3; 94. wg. Wiederholtem Foul); Nr. 5 (Gangan; 92. wg. Schiedsrichterbeleidigung)
- Spielort: Stade Cheikha Ould Boidiya [ملعب شيخا ولد بويديا ] (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (darunter ca. 30 Gangan-Fans und 20 Medina 3 Fans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Ordentliches Niveau, spannender Spielverlauf, besonders packende Schlussphase)

FC Nasr Nouakchott - (النصر انواكشوط)
..................... 3:0 (1:0) .......................
FC Noujoum Ain Takh -(نجوم عين تاخ)
- Datum: Samstag, 8. März 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Division 2, Ligue Regionale de Nouakchott (d.h. 2. Mauretanische Fußballliga, 1. Amateurliga; Region Nouakchott)
- Ergebnis: 3-0 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 30. Nr. 15, 2-0 60. Nr. 15, 3-0 85. Nr. 11
- Verwarnungen: Nr. 8, 15, 17 (Nasr); Nr. 3, 6 (Ain Takh)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Cheikha Ould Boidiya [ملعب شيخا ولد بويديا ] (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (darunter ca. 30 Ain Takh und 15 Nasr Fans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz ansehnliches, aber recht einseitiges Spiel)
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Football, Second Division at Cheikha O. B. Stadium, Nouakchott: Nasr 3:0 Noujoum Ain Takh, and Medina 3 2:1 Gangan FC
b) Western Mauritania: Nouadhibou, Nouakchott

Das war irgendwie ein typisch mauretanischer Samstag: Geldprobleme, Autoprobleme und am Abend ganz entspannt Fußball gucken…

Als wir morgens nach Rosso los wollten, war jedenfalls das Geld etwas knapp (die 200€ und 2.000 Dirham in bar heben wir sicherheitshalber zum Umtausch auf) und die Banken zu und deren Geldautomaten außer Betrieb. Der freundliche marokkanische Hotelmitarbeiter zeigte uns dann weitere Banken, die dritte hatte dann einen funktionierenden Automaten, doch der akzeptierte nur VISA. Also zum Auto zurück und die auf Seite gelegte DKB-VISA geholt und schrittweise 100€ (40.000 Ougiya) vom Konto geräumt – sollte reichen…

Das nächste Problem war dann überraschend aufgetreten; ein Blick auf den Reifen vorne rechts, eine Frage: „War das schon so und soll die Beule da so sein?“ Natürlich nicht, die Beule ist ein Karkassenschaden! Der Reifen hielt dem Hitze-, Fahrt-, Gepäckgewichts- und Schlaglochdruck nicht Stand. Und hinten rechts sah es auch nicht so gut aus. Aber an Austauschen war aus Kapazitäts- und Kostengründen noch nicht zu denken: also nehmen wir halt doch mal den einen Hinweis aus Fayzas letzter Mail „…und fahrt vorsichtig und nicht so schnell“ ernst – dann zerfetzt es den Reifen auch nicht bis ins an Werkstätten, Ersatzteilen und Dacia-Mechanikern reiche Marokko…

E-Mail ist dann das nächste Stichwort: das Internet im ansonsten sehr guten Hotel ging nur kurzzeitig, sodass ich die Mails lesen und beantworten konnte – dann kackte es ab. Die Stadt gibt auch nichts mehr her an Sehenswürdigkeiten, so dass es vier Stunden auf dem Zimmer rumhängen hieß, ehe wir uns zum Fußball im Cheikha Ould Boidiya Stadion aufmachten.
Nach der Odyssee wegen der Banken hatten wir die drei Stadien der Stadt abgefahren: am Olympiastadion waren Leichtathletiktraining und ein Wachmann, der sich sicher war, dass heute weder Fußball noch Rugby gespielt wird. Am Rigkiby- bzw. Rugby-Stadion war alles ausgestorben. Doch am Cheikha Ould Boidiya gab es Jugendtraining auf den beiden Nebenplätzen und einer der Trainer freute sich sehr über einen Deutschen, der ihn nach Fußballansetzungen fragte. Die Wänster umringten uns natürlich und glotzten neugierig, dass sich ihr Trainer Ibrahim mit einem Ausländer auf Arabisch unterhält…

Die Nebenplätze – einer Kunstrasen, der andere Lehm – sind ausbautenlose, enge Großfeldplätze. Der Hauptplatz ist ebenfalls ein recht kurzer Kunstrasen, doch der hat auf einer Längsseite eine schöne kleine Tribüne zu bieten: blaue und rote Schalensitze auf den Stufen der beiden Außensektoren, Stühle auf den Stufen des überdachten Mittelsektors. Die Flutlichtmasten sind klein und niedrig, die Stadionschilder rostig. Genial sind die beiden benachbarten Gebäude: links der Palast der Zentralverwaltung der Staatssicherheit Mauretaniens, rechts die Hütte des Fußballverbandes mit rundem Dach in Form und Muster eines Fußballs…

Trainer Ibrahim machte uns mit einem Betreuer von Nasr Nouakchott bekannt, der uns auf die Ehrentribüne lockte und besser Englisch als Arabisch sprach und auf Wolof, Arabisch und Französisch unablässig dazwischenrief. Seine Mannschaft bestritt das erste Spiel der beiden Zweitligapartien, die zusammen nur 0,25€ (100 UM) Eintritt kosteten. Der Gegner aus dem Vorort Ain Takh heißt zwar Noujoum (Sterne), aber wie Stars haben sie nicht gerade gespielt. Der Verein aus der Stadtmitte (Centre, Wasat), Nasr (Sieg), machte seinem Namen alle Ehre und drückte von der ersten Minute an auf die Führung. Kaum ein Konter, der Ain Takh entlastet hätte. Das Spiel war erfreulich flott, doch die Schüsse waren leider fast durchweg schlecht. Irgendwie landete aber ein Drehschuss nach einer halben Stunde im Tor von Noujoum. Kurz zuvor waren ein Kopfball an den Pfosten und ein Fallrückzieher an die Latte gegangen – danach gab es wieder so tolle Schussversuche wie „links unten anvisiert und 10m rechts oben am Tor vorbei gezimmert“…
Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild und mit zwei souverän heraus gespielte Treffern gelang Nasr Nouakchott ein überzeugender 3:0 Sieg.

Beim nächsten Spiel füllte sich das Stadion noch etwas stärker. Was bei den Zuschauern wieder auffiel, war dass Kinder zwar dumm glotzten ohne auch mal nur „hallo“ zu sagen, aber Erwachsene uns handschläglich grüßten, außerdem dass die meisten arabischen Mauretanier in klassischen, blauen Gewändern mit dunklem Kopfwickel (Turban mit Mundschutz) bzw. bunten Kleidern mit integriertem Kopftuch (Hijab meist ohne Mundschutz) kamen, während die Schwarzen Größtenteils sehr westliche Kleidung, teils sogar Dumme-Sprüche-Tshirts „Better Blowjob Than No Job“ trugen, und schließlich dass wieder wie beim Länderspiel einige Frauen und Mädchen alleine ins Stadion gingen und auch hier in Ruhe gelassen wurden, was wie gesagt in der ach so strengen Islamischen Republik problemlos geht, aber im angeblich moderneren und westlicheren Marokko nicht funktioniert.

Niedrige zweistellige Zahlen und keine Stimmung außer Zu- und Jubelrufen sind aber das Übliche in dieser höchsten Amateurspielklasse. Unter der zweigleisigen halbprofessionellen Division 1 (Nordwest/ Südost, letzte Saison war die Liga noch eingleisig) gibt es eine sich in sechs oder acht Staffel (die maximal drei Regionen oder Provinzen zusammenfassen) aufgliedernde Division 2, in Nouakchott und wenigen anderen Regionen hat sie noch Unterbau. Die Ligapyramide ist in Mauretanien jedoch erschreckend niedrig und der Aufstieg in die 1. Liga mit großen Schwierigkeiten verbunden: der FC Tidjikja wurde z.B. nach Nouakchott delegiert, da in Tidjikja kein Sportplatz mit den vorgeschriebenen Maßen oder Belägen (Rasen, Kunstrasen, Lehm) vorhanden, sondern nur ein kleiner Sandplatz da ist. Die Spiele von Zouerat sind meist in Atar, da der v.a. für Spiele der Regionalliga Adrar genutzte Ascheplatz im Bergbauort Zouerat im Gegensatz zum Lehmplatz in Atar nicht über asphaltierte Straßen erreichbar ist: ab Atar (440km bzw. 5 Stunden Asphaltstraße von Nouakchott) sind es 250km und damit 6 Stunden Piste.

Das 17-Uhr-Spiel machten die Vereine aus dem Vorort Gangan und der Stadtmitte Medina, Siedlung (Hay) 3. Die 3 ist wie gesagt eine Siedlung bzw. ein Häuserblock – und nicht etwa die 3. Mannschaft des Vereins. Auch hier zeigte sich schnell, wer spielerisch und athletisch besser drauf ist, doch der Spielverlauf sollte bis zum Schluss eng und spannend bleiben: Medina 3 ging schnell mit einem Flachschuss gegen die Laufrichtung des Gangan-Keepers in Führung, doch mit der zweiten Torgelegenheit glich Gangan FC vor dem Seitenwechsel glücklich aus. Nach der Pause beendete Medina 3 den kurzen Leerlauf mit einem 25m-Schuss unter die Latte, der wohl 10cm hinter der Linie aufsprang aber für Diskussionen sorgte. Die hitzige und packende Schlussphase hielt noch mehr Diskussionen parat, es setzte einige Karten, sodass die beiden Teams mit je 10 Mann die Partie beendeten. Da der Medina-Schlussmann zwei Mal glänzend reagierte und zwei Mal der Ball 10cm am Pfosten vorbei trudelte, blieb es trotz einer Druckphase von Gangan zum Ende der Partie hin – Gangan hatte aber auch bis zur 85. kaum eine Tormöglichkeit – beim 2:1 für die Association Sportive et Culturel Medina 3.
Statistik:
- Grounds: 1.083 (heute 1; diese Saison: 112 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.998 (heute: 2; diese Saison: 142)
- Tageskilometer: 30 (30km Auto)
- Saisonkilometer: 42.480 (41.350 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 10 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 397

W397V: Mauretanien 5; Zurück in die Hauptstadt


Photos with English and Arabic Commentary:
a) Tagant Region: Tidjikja, Moudjeria, Tagant Plateau
b) Western Mauritania: Nouakchott, Nouadhibou

Da weder Chinesen noch Kuwaiter es bisher hingekriegt haben, die Straße von Tidjikja nach Atar befahrbar zu machen (mit Allrad kommt man schon irgendwie durch und wären die unasphaltierten Passagen nicht so sandig, wären wir auch durchgefahren), fuhren wir den ganzen Weg von gestern wieder zurück. Tidjikja ist trotz Palmenoase und (geschliffenem) französischen Fort nicht sonderlich sehenswert. Als wir am Morgen dort hinein wollten, warnte uns die Nachbarin des Herbergsbesitzers vor Demonstrationen, bei denen es angeblich auch schon am frühen Morgen die ersten Schlägereien gab. Freitag ist eh der Tag der Kundgebungen, also entspannt zurück über Moudjeria und Sangrafa – in letztgenanntem Ort fanden wir auch endlich Brot, aber keinen vernünftigen Belag dafür, sodass zwei Fleischbüchsen aus meinen marokkanischen Beständen geöffnet werden mussten – und in der Savanne picknicken. Dort war es übrigens knapp 40 Grad, auch im Schatten der Bäume drückend heiß, und Viehtrieb gab es auch zu beobachten. Ziegen, Kamele, Rinder (auch welche mit großen Gabelhörnern), Esel, Maultiere – alles vorhanden! Ab und an endet auch mal ein solches Tier so wie das Kamel bei Sangrafa, das von einem LKW erfasst wurde: Tier tot am Straßenrand, LKW-Anhänger abgerissen und samt Zementsäcke an einem Busch, Fahrer unverletzt aber gestresst an der intakten Zugmaschine; für ihn wird es teuer wegen Anhänger und Kamel…

In Aleg fuhren wir noch am Fußballplatz vorbei, doch weder Fußball noch Boule wurde da gespielt. Es war einfach nichts los. An der Tankstelle dahinter tankte gerade der Türkische Rote Halbmond mit einem Konvoi auf dem Weg nach Mali alles leer. In derselben Straße wie der Sportplatz, ein ausbautenloser und hoch ummauerter Lehmplatz, fanden wir noch ein Sportgeschäft, dass u.a. Trikots der Nationalmannschaft verkaufte. Warum hinten die Nummer 2 draufgeflockt ist und warum das Teil lange Ärmel hat (vom Preis her und in Anbetracht der Ärmel, ist das wohl zweite Hand von der Frauennationalmannschaft übernommen) erschloss sich mir zwar nicht, aber dass auch noch eine farblich und größenmäßig zumindest zu 90% passende Hose (ich sagte ja schon, irgendwie ist das bestimmt alles zweite Hand von offizieller Stelle) für zusammen nur 4.000 UM (= 10€!) dabei war, ist einfach topp. Für 10€ habe ich das letzte Mal in San Marino ein Trikot der dortigen Nationalelf gekauft, aber da war keine Hose dabei und die Qualität keineswegs besser…

Auch in Boutilimit war der Großfeldplatz (genauso ein von Mauern umgebener, ausbautenloser Lehmplatz wie in Aleg) ungenutzt. Was ist das eigentlich für eine islamische Republik, in der mehr Spiele Samstag als Freitag ausgetragen werden?! Die Bolzplätze auf dem Weg nach Nouakchott waren auch erschreckend leer. Und man konnte nicht sagen, dass alle demonstrieren waren, denn nur in einem Ort gut 80km vor Nouakchott waren etwa 20 Schuljungen mit einem Protestbanner und Handzetteln unterwegs, die wir leider nicht mitnehmen konnten, da andere Verkehrsteilnehmer so drängelten. Leider scheint Sport in Mauretanien (v.a. in Dörfern und sehr kleinen Städten) nicht so einen Stellenwert wie z.B. in Marokko zu haben, wo die Sportplätze unablässig belegt sind. So viele ungenutzt in der Landschaft rumstehende Sportplätze habe ich jedenfalls das letzte Mal in unserem überalterten Deutschland gesehen…

So viel chaotisches Fahren wie abends in Nouakchott habe ich übrigens das letzte Mal in Algerien gesehen: wie in Algerien auch, fahren Mauretanier wenigstens erheblich sicherer und intelligenter als Marokkaner, aber keineswegs rücksichtsvoll. Ampel rot? Egal, ich hab trotzdem Vorfahrt! Die Penner vor mir fahren nur 30 zu zweit nebeneinander? Egal, einfach hupend über den sandigen Seitenstreifen rechts und dann scharf links an dem Eselskarren 50m davor vorbei und den Gegenverkehr zum Bremsen zwingen! Nicht die gewünschte Ware in dem Saftladen erhältlich sondern nur in dem Laden 300m zurück? Egal, ich denk ja gar nicht dran bis zur nächsten Kreuzung zu fahren und da zu wenden: einfach gegen die Fahrtrichtung auf dem Seitenstreifen bis zu dem anderen Laden fahren! Wieso ist der Blinker schon wieder kaputt? Egal, halt ich halt den Arm aus dem Fenster – ich biege eh so ab, dass ich lieber den Gegenverkehr behindere als die Abbiegespur zu blockieren…

Wir kamen gut am Hotel „Bema“, das uns beim Stadtrundgang am Mittwoch aufgefallen war, an. Für sehr europäisch teure 70€ gab es sehr große Doppelzimmer mit sehr gutem Bad, Klimatisierung, Kühlschrank, Glotze, Internet… Der schwarze Angestellte sprach zu meiner Überraschung hervorragendes Arabisch – die meisten Schwarzen in Mauretanien können kaum oder gar nicht Arabisch, sondern nur Wolof oder Fulbe und (ein bisschen oder fließend) Französisch – stellte sich aber auch als Marokkaner heraus. Das Essen im Hotelrestaurant war dann Spanisch, die Bedienung Senegalesisch. Der marokkanische Angestellte konnte sich dann nicht verkneifen, noch anzumerken, dass weder sie noch sein Kollege Arabisch können…  
Statistik:
- Tageskilometer: 620 (620km Auto)
- Saisonkilometer: 42.450 (41.320 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W397IV: Mauretanien 4; abwechslungsreiche Landschaften und schwierige Hotel- und Restaurantsuche in Zentral-Mauretanien


Photos with English and Arabic Commentary:
a) Tagant Region: Tidjikja, Moudjeria, Tagant Plateau
b) Western Mauritania: Nouakchott, Nouadhibou

Sehr zäh ging es durch den Berufsverkehr aus Nouakchott raus und durch die belästigenden Polizeikontrollen – auf 1.000km gibt man im Schnitt 20 Kopien seines Ausweises ab, da man mindestens 25 Mal an 30 Checkpoints gestoppt wird – blieb der Verkehr auch bis 50km vor Boutilimit zäh. In diesem staubigen Kaff tankten wir voll (wie üblich in Mauretanien gab es nur verbleites Benzin) und fuhren über die nicht uninteressante, aber recht stressig zu fahrende Route d’Espoir (Hoffnungsstraße), die nach über 1.500km von Nouakchott in den Mali führt und zwischen der Hauptstadt und Sangrafa, wo der Abzweig ins Tagant kommt, durch die Savanne führt: Dünen und Sand wie in der Wüste, aber viele Bäume und Büsche, dazwischen Viehherden und Hirten, sowie viele primitive Siedlungen die um Brunnen herum errichtet wurden.

Das erwähnte Tagant ist die Zentralprovinz Mauretaniens, eine heiße, staubige Hochebene vulkanischen Ursprungs (schwarzes Lavagestein ist hier viel zu finden) inmitten der Sandwüste mit ihren gelben, rötlichen oder gar weißen Dünen. Der erste interessante Ort ist Moudjeria, wo zwei große mehrgeschossige französische Bauten stehen. 1934 wurde der Ort von den Franzosen als Verwaltungsposten für das Tagant gegründet. Danach geht es einen herrlichen Pass hoch aufs eigentliche Plateau und durch die beschriebene Lavawüstenlandschaft gelangt man am Rande des Plateaus nach Tidjikja, die Provinzhauptstadt. Da dort die Polizei besonders lange kontrolliert, kamen wir erst kurz nach Einbruch der Dunkelheit im Ort an: Strom gibt es zwar, aber der reicht nicht für die Straßenbeleuchtung, was das Auffinden einer Herberge erschwert.

Nach etwas Herumfragen fanden wir die recht einfache Herberge „Tintenmel“ mit nettem Besitzer. Abdellah kümmert sich sehr gut um seine wenigen Gäste, bringt zur Begrüßung in die mit 10.000 UM (25€) zu teuren Spitzdachhütten Tee und grobkörnigen Couscous mit Kamelfleisch. Zusammen mit seinen Neffen organisierten wir noch belegte Baguettes und Getränke vom Markt: die beiden Jungs führten uns sicher durch die dunklen, sandigen Gassen. Wer da die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes im Kopf hat, macht sich wahrscheinlich ins Hemd, wenn zwei Jugendliche mit einer Taschenlampe einen quer durch einsame dunkle Gassen führen… aber die beiden wollten nicht mal ein Trinkgeld für ihre Hilfe!  
Statistik:
- Tageskilometer: 620 (620km Auto)
- Saisonkilometer: 41.830 (40.700 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W397III: Mauretanien 3; Stadtrundgang, Länderpunkt, Platzsturm und die halbe Herberge „Sahara“ im Stadion

Islamische Republik Mauretanien
---- (الجمهورية الإسلامية الموريتانية) -----
..................... 1:1 (1:0) ....................
----------- Republik Niger -----------
------ (République du Niger) -------
- Datum: Mittwoch, 5. März 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Testspiel im Vorfeld der Qualifikationsrunden zur Afrikameisterschaft 2015
- Ergebnis: 1-1 nach 98 Min. (46/52) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 2. Abdulaye Boureima (Eigentor auf Vorlage von Da Silva), 1-1 86. Souleymane Diallo
- Verwarnungen: Da Silva, Nr. ? (RIM); Nr. 11, 12, 16 (NIG)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Olympique du Nouakchott [ملعب أولمبي (نواكشوط)] (Kap. 20.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 17.000 (darunter ca. 30 Nigerer und 20 andere Ausländer)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und spannendes Spiel, wobei Mauretanien mehr als das Unentschieden verdient gehabt hätte)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) International Friendly Match: MAURITANIA vs NIGER (OLYMPIC STADIUM NOUAKCHOTT)
b) Western-Mauritania: Nouadhibou, Nouakchott

Spätes Aufstehen, spätes Frühstück (in der Herberge leider viel schlechter als in den Restaurants) – eigentlich gar nicht unsere Art, aber was soll man vor einem Länderspiel in Nouakchott auch groß machen. Strand und Hafen hatten wir am Vortag gesehen und für einen Rundgang durch die Innenstadt braucht man zwei Stunden, wenn man gezielt etwas kaufen will (und von den blauen traditionellen Männergewändern über gebrauchte Handys bis chinesisches Porzellan gibt es natürlich viel zu kaufen) maximal vier Stunden. Die mauretanische Hauptstadt ist städtebaulich nun mal schon Schwarzafrika: hässliche Betonhäuser und Wellblechhütten wechseln sich mit schicken Villen, die aber fast alle nicht fotografiert werden dürfen da dort Botschaften, Ministerien oder Privatgrundstücke der Mächtigen des Landes untergebracht sind, ab. Die Straßen sind dreckig und staubig, die Leute grüßen ab und an mal – teils aus Gastfreundschaft und Freude über ausländischen Besuch und ohne Hintergedanken, teils um inoffizielle Geschäfte (Geldwechsel, Andenkenverkauf, oder gar Autoschieberei) anzubieten.

Wir fuhren zum Stadion, wo die Kassen bereits geöffnet hatten. Es ging erstaunlich geordnet ab und da der Andrang um 12 Uhr noch gering war, hatte ich bereits nach drei Minuten Karten. Ich nahm die zweitbilligste Kategorie: pervers, dass pro Karte (Haupttribüne außen) 5€ zu zahlen waren. Für uns ein Leichtes, in Mauretanien nur den besseren Schichten vorbehalten. Die Karten für 3.000 (Haupttribüne Mitte) und 10.000 Ougiya (VIP-Loge) - d.h. 7,50€ bzw. 25€! - nahmen sich natürlich nur die richtig Reichen. Das Stadion sollte dennoch voll werden und das nicht nur auf den billigen Plätzen für 1,25€ (500 UM).

Wir verbrachten die Zeit bis Stadionöffnung dann vorm langsamen Internet in der Herberge und dem guten italienischen Essen in einem Restaurant in Stadionnähe. So ein Typ wie der ansonsten nette Kellner ärgert mich aber schon etwas: der Senegalese war natürlich Muslim, kann aber kein Arabisch. Ich bin kein Muslim, kann aber besser Arabisch als viele dieser angeblich Rechtgläubigen… Aber mit meinen schlechten Französischkenntnissen, ist Essenbestellen auch nie ganz leicht…  
Am Stadiontor bildeten sich Schlangen, aber die Mauretanier standen disziplinierter als in Europa an. Einer nach dem anderen, nur nicht jeder am richtigen (nach Kartenkategorien getrennten) Eingang – aber auch das wurde schnell (und erstaunlich gelassen) gelöst. Die Kontrollen waren lasch, wir wurden nur freundlich begrüßt obwohl klar war, dass wir keine Offiziellen sind. Das Merchandising war leider etwas dürftig. Viele hatten Trikots, ein paar Leute Basecaps und Seidenschals von Mauretanien, aber wir bekamen nur eine Flagge (1,20x0,80m + 1,20m Flaggstock) für 5€ ab.

Die Getränke waren nicht so extrem teuer: 0,75l Limo (umgefüllt in Wasserflaschen in einer Kühlbox gelagert und von einer Schwarzen verkauft, die selbst Französisch nicht gut konnte) für 1,25€. Einige der Flaschen flogen auch mal nach der Polizei, wenn es Streitereien gab, aber ansonsten ging es recht friedlich zu im weiten Rund. Die gut 17.000 Zuschauer feierten mit den Nigrern ein sehenswertes Spiel ab, aber feuerten nicht besonders viel an. Die anderen Ausländer außer uns gingen nicht mal beim frühen Führungstreffer mit. Unter den Ausländern waren neben uns Deutschen auch mehrere (bestimmt in Nouakchott arbeitende) Chinesen sowie die halbe Herberge „Sahara“: die italienischen Offroadjungs und die französische Familie mit dem Campingwagen waren in Begleitung eines mauretanischen Angestellten zum internationalen Testspiel zwischen Mauretanien und dem Niger gekommen.

Die einheimischen Fans waren noch interessanter zu beobachten; v.a. die ganz vernünftigen aber verdächtig vermummten traditionell gekleideten Mauren (blaues Gewand, Turban mit Mundschleier), die bunt gekleideten Schwarzafrikaner, der eine Araber mit Cowboyhut, Sonnenbrille und Krombacher-Nationalelf-Shirt, die Frauen mit bunten Gewändern und mehr oder weniger strengem Schleier (selbst im Niqab, also sackförmigem Gewand mit Gesichtsschleier der nur die Augen freilässt, gingen manche noch Fußball gucken) bzw. völlig europäischer Mode mit viel Schminke, teuren Schuhen und bunten Haaren. Und letztere wurden nicht blöd angeglotzt wie das in Marokko fast überall passieren würde. Auch im angeblich so westlichen oder modernen Marokko, wo keine Frau alleine ins Stadion geht, undenkbar: kommentarlos setzten sich alleine zum Spiel gekommene Frauen unter die Pulks von ihnen unbekannten männlichen Fans – und das in der angeblich so rückständigen und strengen Islamischen Republik Mauretanien…

Das Spiel fing wie gesagt mit einer frühen Führung der Mauretanier, genannt „Mourabitounes“ (d.h. Bewohner der Wehrdörfer, Anspielung an die Almohaden-Dynastie aus dem heutigen Mauretanien, die u.a. Marokko regierte) an: Sturmlauf über rechts, Flanke und in der Mitte stolpert einer der Gästeverteidiger den Ball ins eigene Tor zum 1:0 nach 60 Sekunden. Die Nigrer (genannt Mena, was in der Hausa-Sprache „Dama Gazelle“ oder „Mhorr Gazelle“ heißt, die es außer wiederangesiedelt in Marokko, in freier Wildbahn nur noch in Tschad, Mali und v.a. eben Niger gibt) liefen dem Rückstand ewig hinterher, waren absolut gleichwertig aber trafen nicht, da Mauretanien überraschend gut in der Abwehr stand und auch die Gäste überraschend wenig kommen ließ, da sie so offensiv eingestellt waren. Nach der Pause waren die Mauretanier sogar die deutlich aktivere und bessere Mannschaft, doch nachdem ihnen ein Abseitstor zu Unrecht von dem senegalesischen Arschloch mit der Fahne aberkannt wurde, kassierten sie per Kopfball flach ins Eck den Ausgleich. Nach einer weiteren Chance für den Niger und mehreren guten Gelegenheiten für Mauretanien wurde das Spiel nach sieben Minuten Nachspielzeit abgepfiffen. Schade, dass es nicht noch das 2:1 für Mauretanien gab! Einige ärgerte dieser Umstand übrigens so, dass sie pöbelnd aufs Feld liefen und die Polizei deshalb mit Schlagstöcken und Ledergürteln herumfuchtelte. Etliche Jugendliche liefen daraufhin nur als Mutprobe, lachend und grölend auf den Platz und quer durch das Stadion auf die andere Tribünenseite.

Das Stadion ist übrigens das größte und modernste des Landes, wobei der Kunstrasen schon etwas gelitten hat und die Nebenplätze alles andere als modern sind: ausbautenlose Lehmplätze für Fußball und Rugby. Die Haupttribüne ist komplett überdacht und bietet 8.000 Leuten in vier Sektoren Platz. Die verglasten VIP- und Presselogen wirken modern, die verrosteten Lautsprecher und Flutlichtmasten eher nicht… Die Gegentribüne ist unüberdacht und symmetrisch und für 12.000 Leute gedacht. Hinter den Toren sind Arkaden angedeutet aber nicht sehr gelungen, Zuschauerkapazitäten sind dort nicht, jedoch steht die riesige Anzeigetafel auf dem einen Umgang. Dass sie in China gefertigt wurde, war deutlich zu erkennen: die Analog-Uhr stand, die Digitaluhr funktionierte nicht und mit Müh und Not und Streifen auf dem Display zeigte sie den Spielstand zwischen „R.I.M“ und „Niger“ an…

Nach dem Spiel gingen wir noch mal im libanesischen Restaurant „Rotanna“ essen. Auch hier war die Anzahl der Ausländer mal wieder verwunderlich: erstmals habe ich auch Briten gesehen und überhaupt; nach Mauretanien reisen ja viel mehr Leute als nach Algerien, was ich so nicht gedacht hätte! Beim Verlassen des Restaurants grüßte mich noch ein voll mit Trikot und Mütze ausgestatteter mauretanischer Fan, da ich ja immer noch die Flagge seines Landes in der Hand hatte und mich so als Spielbesucher zu erkennen gab…  

Statistik:
- Grounds: 1.082 (heute 1; diese Saison: 111 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.996 (heute: 1; diese Saison: 140)
- Tageskilometer: 20 (20km Auto)
- Saisonkilometer: 41.210 (40.080 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 8 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 397

W397II: Mauretanien 2; Endlose Wüstenstrecken, Benzintanken auf den letzten Drücker und luxuriöses Essen

 
Photos with English and Arabic Commentary:
Western Mauritania: Nouadhibou, Nouakchott

Wir verließen den Campingplatz erst kurz vor 9 Uhr und gingen richtig gut im Plain Lune frühstücken. Der Preis für ein Frühstück wirkte erst überteuert, doch wir hatten für die 5,50€ (2.200 Ougiya) ein französisches Frühstück befürchtet. Außer Baguette mit Marmelade, Croissant, Schokohörnchen und Milchkaffe beinhaltete das aber noch ein großes Omelette mit Ketchup und Mayo, einheimisches Mineral(oasen)wasser und frischen Orangensaft. Der Service ist auch höflich und kompetent (und wie üblich in Mauretanien in schwarzafrikanischer Hand). Manche Gäste, oft sogar Frauen, grüßten uns als Ausländer freundlich.

Wir fuhren auf den Hauptstraßen durch die Stadt Nouadhibou: die staubigen Teeradern sind rechts und links von niedrigen, hässlichen und sehr einfachen Betonbauten gesäumt. Eselskarren, schrottreife alte Wagen und einige wenige schicke, teure, neue Autos drängen sich durch den kaum regulierten Verkehr. Wir schauten noch am Stadion, das in der Hotelstraße liegt, vorbei – dort trainierte gerade FC Nouadhibou, doch Fotografieren ist dort nur beim Wettkampf erwünscht – und machten uns dann auf die Piste.

Bis Nouakchott sind es 500km gute Teerstraße (10km Unterbrechung durch Baustelle, die Umleitung ist eine parallel verlaufende gut fahrbare Sandpiste) mit gut 15 Polizeikontrollen, von denen etwa 10 die vollen Personendaten aufnehmen. Die meisten Polizisten sind aber unglaublich freundlich, grüßen und verabschieden einen handschläglich, und halten einen nicht unnötig auf. Man darf sich auch nicht erschrecken darüber, dass die oft so vermummt sind, dass man nur die Augen sieht: das ist bei dem Sandstaub der Wüste praktisch und hat nichts Gefährliches an sich, auch wenn die Uniformierten dann irgendwie nach Wegelagerern oder Rebellenmilizen aussehen... Nur zwei, drei unmotivierte waren sehr mundfaul und ein Trottel fragte nach einem „Geschenk“ (Bestechung ohne Gegenleistung), was ich mit „ma ‘andnash“ (ham wa nich) erfolgreich abwürgte.

Die 500km Straße von Nouadhibou nach Nouakchott sind schnell zu fahren (oft 120 km/h) und führen durch verschiedene Formen von Wüste. Mal flach und vegetationslos, mal blass gelbe Wanderdünen, mal hügelige rötliche Dünenlandschaften mit vereinzelten Bäumchen. Orte gibt es keine, Autos nur ganz wenige. Die Bretterbudensiedlungen und Zeltlager, die ab und an rechts und links der Straße, die ab Kilometer 25 hinter Nouadhibou bis nach Nouakchott nie mehr einen Blick auf den Atlantischen Ozean freigibt, auftauchen, kann man nicht als Orte bezeichnen. Die Infrastruktur entlang dieser Nationalstraße Nr. 4 ist eher dürftig. Wer einen Benziner fährt, sollte in Nouadhibou volltanken. Wir fuhren mit 70% vollem Tank los und kamen geradeso bis Nouakchott (also mehr als 60km hätten wir mit dem dann fast leeren Tank nicht mehr fahren können), da alle Tankstellen zwischen den beiden größten Städten des Landes nur Diesel – teils aus Fässern direkt am Straßenrand angeboten und mit Handpumpe eingefüllt – führten.  
Nouakchott zeigte sich dann recht großstädtisch: viele Menschen auf und neben der Straße, dichter und chaotischer Autoverkehr (Ampeln und Schilder interessieren nicht: Taxis und teure Autos haben Vorfahrt, die rollenden Wracks mit riesigen Rostschäden, eiernden Rädern und kaputten Fenstern sind als Letztes dran), teilweise richtig luxuriöse Einfamilienhäuser, bald darauf aber schon wieder Bretterbuden und Wellblechhütten…

Nachdem wir in der ganz netten Auberge Sahara (die Zimmer sind aber mit 18€ zu teuer für die dürftige Qualität und es hängen unheimlich viele französische Camper herum, die nur Französisch können) eincheckten, fuhren wir noch durch das chaotische Treiben am Hafen – selten so unaufdringliche Händler erlebt: obwohl wir auf die Waren guckten, plärrte keiner auch nur „Monsieur, bon prix“ oder sonst was: es wurde einfach nur gegrüßt und so grüßten wir gerne zurück! – zum Strand. Der ist sehr schön sandig, doch neben zahlreichen Muscheln liegt auch viel Müll herum.

Zum Abschluss des Tages gingen wir in ein libanesisches Restaurant („Rotanna“, direkt an der Hauptstraße von Nouadhibou kommend noch vorm großen Kreisverkehr Ecke Gamal-Abdel-Nasser-Allee) wo natürlich wieder nur Schwarzafrikaner bedienten. Aber so stellt man sich als unwissender Europäer sicherlich kein Restaurant in Mauretanien vor: es glänzt vor Sauberkeit, der Service ist nicht nur nett sondern auch schnell, alle auf der Karte stehenden Speisen sind verfügbar und für die enorm hohen Preise (Hauptgericht + Nachtisch + Getränk für 2 Personen über 20€) bekommt man unglaublich gute Qualität. Wir hatten hervorragendes Shawarma (Röstfleisch ähnlich wie Gyros) mit Pommes und Salat und danach spitzenmäßige fleisch- und olivengefüllte und käseüberbackene Crêpes mit anderem Salat. Und das an einer staubigen, überfüllten Straße in der hässlichen Hauptstadt eines bitterarmen Entwicklungslandes…  
Statistik:
- Tageskilometer: 510 (510km Auto)
- Saisonkilometer: 41.190 (40.060 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W397I: Mauretanien 1; Erste Eindrücke aus der Islamischen Republik

 
Photos with English and Arabic Commentary:
Western Mauritania: Nouadhibou, Nouakchott

Wir verließen Dakhla gegen 9 Uhr und kamen enorm schnell voran. Ab und an eine Polizeikontrolle, doch alle waren sehr höflich und unkompliziert – einer rezitierte mal was aus dem Koran um mir die Bedeutung des Arabischen zu erklären, ein anderer erkannte uns aus dem Stadion von Dakhla wieder. Erst nach 380km durch kahle Sand- und Geröllflächen, von winzigen Büschen bewachsenen Sand- und Geröllflächen bzw. von kleinen erodierten Tafelbergen durchsetzten Sand- und Geröllflächen, hieß es länger warten und sich von den nicht immer freundlichen Zöllnern nerven lassen. Das Plus für den Grenzübergang in Guergerat: die Mehrheit der Beamten ist höflich und recht gut gelaunt (im Gegensatz zu Fnideq oder Nador). Das Minus: man wird dauernd von einem Schalter zum anderen geschickt, da man dauernd sich widersprechende Hinweise bekommt. Nachdem ich am Passschalter 1 war, sollte ich zu Zollschalter 2, dann zur Polizeiwache, wieder zum Passschalter 1, dann Zollschalter 1, dann wieder Polizeiwache, dann fehlte was am Zollschalter 1 was ich laut einem Beamten gar nicht gebraucht hätte, also wieder zu Schalter 2… So vergehen gut anderthalb Stunden!

Das Tor zu Marokko ist von mauretanischen Schleppern umlagert, was keinen guten Eindruck macht – den ganzen Rest des Tages und auch des Folgeages laberte uns keiner nervig an und alle Mauretanier mit denen wir ab dem eigentlichen Staatsgebiet redeten, waren sehr höflich: nur an der Grenze waren solche Knalltüten unterwegs... Aber wenn man deutlich und laut die Guides, Einreisezettelschreiber, Geld-Unter-Der-Hand-Wechsler und Schieber abweist, kann man in Ruhe das Abenteuer Niemandsland angehen. Bis zum mauretanischen Grenzposten sind es nämlich 4km üble Piste: nackter Fels und Sand, flankiert von Altreifen, Schrottautos, weggeworfenen Fernsehern und anderem Müll. Man empfängt langsam wieder Radio, doch mauretanische Sender kriegt man mit einem normalen Radio erst 30km vor Nouadhibou rein: die Musik ist sehr gewöhnungsbedürftig; schrilles Saitengezupfe, scheppernde und klirrende Schlaginstrumente und v.a. (auch für Leute mit soliden Arabischkenntnissen weitestgehend) unverständliches Gegröle und Gekreische.

Der mauretanische Grenzposten Boulanouar ist hervorragend ausgebaut und unglaublich gut organisiert. Besser als jeder marokkanischer Grenzübergang! Hinterm Tor wird rechts geparkt, die Schieber abgewiesen und ins erste Büro links zur Registrierung gegangen, dann Gepäckkontrolle (die wurde sehr viel lascher als in den ersten zwei Minuten, nachdem der Zöllner mein Arabischlehrbuch gefunden hatte), danach lässt man im Büro eins weiter Passbilder per Webcam (!) anfertigen und Fingerabdrücke nehmen und danach 50€ rüberwachsen um ein frisch gedrucktes Visum in Empfang zu nehmen. Am dritten Posten nahm ich dann doch gegen 10€ Trinkgeld einen (sehr freundlichen und angenehmen) Schieber, da ich die französischen Dokumente zur Fahrzeugdeklaration nur halb verstand und es keine arabische oder englische Version gab. Die Ehrenerklärung (Akzeptierung des Verkaufsverbotes) kostet 10€, die Versicherung 50€. Zahlt man in marokkanischen Dirham (nur Versicherung und Ehrenerklärung dürfen auch in Dirham bezahlt werden) spart man etwas. Versicherung und Geldwechsel ist aber in Nouadhibou in den Büros zwischen den beiden größten Campingplätzen in der Stadtmitte prinzipiell billiger – man kann also auch bis dorthin weiterfahren. Im Gegensatz zu Marokko sollte man die Versicherung auch lösen!

An der Grenze kam ich schnell nicht mehr mit beim Zählen, wie oft wir handschläglich oder mit Schulterklopfen begrüßt oder verabschiedet wurden. Auch die Polizeikontrollen auf dem Weg nach Nouadhibou (wenn sie uns überhaupt anhielten) waren enorm freundlich. Dass es einige wunderte, dass ein Ausländer Arabisch spricht und dann kein Muslim ist, ist natürlich etwas dämlich (in einigen arabischen Ländern, v.a. da wo arabische Christen leben, gilt so eine Frage wie „wieso hast du Arabisch gelernt, wenn du nicht den Islam annehmen willst“ als unhöflich; in Marokko und in geringerem Maße auch Mauretanien ist das aber normal) aber erstens fragten nicht alle blöd und zweitens wurde man trotzdem handschläglich verabschiedet und zigmal willkommen geheißen.

Angenehm war auch, dass niemand stresste oder bettelte: nachdem wir die Schienen des gewaltigen Erz-Zuges kreuzten, rasteten wir in der Nähe der Lagune unter Bäumen - in der Nähe von bewohnten Häusern aber völlig ungestört - und selbst als wir in Nouadhibou einmal falsch abbogen und durch einen Slum fuhren, nervte keiner. Auf der Hauptstraße nach Nouadhibou rein gab es nur etwas Chaos, da die Polizei gerade die Spuren einer öffentlichen Unruhe beseitigte: bei einer Auseinandersetzung kamen Steine und Holzlatten zum Einsatz…

Die besagte (asphaltierte) Hauptstraße ist staubig und sandig, gesäumt von einfachsten Betonhäusern und Wellblechhütten. Der Verkehr ist recht dicht, die meisten Autos unheimlich alt und rostig. Die Leute tragen fast alle traditionelle Kleidung mit bunten (Frauen) oder einfarbigen (Männer) Gewändern und leichtem aber das Gesicht halb verdeckenden Kopftuch bzw. einer Art Turban der ebenfalls das Gesicht halb verdeckt – es staubt halt gewaltig in Mauretanien; mit Islam hat diese Kleiderordnung herzlich wenig zu tun.

Wir suchten den Campingplatz Baie de Levriers auf, wo man in einem herrlichen Innenhof mit Baum und drumherum gruppierten Räumlichkeiten gut übernachten kann. Das Auto parkt direkt vor der Zimmertür, die allerdings fast so breit ist wie das Zimmer, obwohl sie echt keine Überbreite hat… Für dieses Matratzenlager 6.000 Ouguia (15€) für zwei Leute zu verlangen ist schon eine Frechheit. Aber Mauretanien ist leider generell teuer: in vielen armen Ländern ist die Lebenshaltung ja extrem. Wer im nahgelegenen „Plein Lune“ Restaurant Essen geht, hat es auch echt geschafft: Hauptgerichte zwischen 3€ und 12€, die Pizza die ich nahm 4€. Und natürlich gab es nur ganz elitär europäische Küche mit Pizza, Pommes, Hähnchenkeulen, Fischtellern mit bunten Salaten und Softdrinks – statt Kamelfleisch, Datteln und Ziegenmilch…  
Statistik:
- Tageskilometer: 460 (460km Auto)
- Saisonkilometer: 40.680 (39.550 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

Montag, 3. März 2014

W396I-VI: Fußball in der West-Sahara; Geheimpolizei im Stadion von Laâyoune und entscheidendes Eigentor im südlichsten und abgelegensten Ground Marokkos

---------- Club Mouloudia Dakhla (مولودية الداخلة) ----------
........................................ 1:0 (1:0) ......................................
Club Amal Souk Sebt/ Oulad Nemma (نادي أمل سوق السبت)
- Datum: Sonntag, 2. März 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: GNF Amateur 1, Groupe Sud [بطولة القسم الوطني الأول هواة] (d.h. 3. Marokkanische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 1-0 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 10. Eigentor Nr. 6 CASS (Vorlage Nr. 9 CMD)
- Verwarnungen: Nr. 12 (CMD); Nr. 8, 20 (CASS)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Massira [ملعب المسيرة بالداخلة] (Kap. 2.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.000 (darunter ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 5,5/10 (Flachte ziemlich ab nach einer guten ersten Hälfte…)

Jeunesse Sportive Massira Laâyoune (شباب المسيرة العيون)
...................................... 0:1 (0:0) .......................................
-- Club Omnisport De Meknès - (النادي الرياضي المكناسي) --
- Datum: Samstag, 1. März 2014 – Anstoß: 14.30
- Wettbewerb: Botola 2/ GNF 2 [2 البطولة الوطنية المغربية] (d.h. 2. Marokkanische Fußballliga, Halbprofiliga)
- Ergebnis: 0-1 nach 100 Min. (51/49) – Halbzeit: 0-0
- Tor: 0-1 47. Abdelkarim Ghaly
- Vergebener Elfmeter: 29. Min., Nr. 6 von JSM (übers Tor)
- Verwarnungen: Nr. 23 (JSM); Nr. 10 (CODM)
- Platzverweise: Nr. 18 von CODM (28. wg. Notbremse)
- Spielort: Stade Moulay Rachid [ملعب مولاي رشيد] (Kap. 2.000 Stehplätze)
- Zuschauer: ca. 1.300 (davon ca. 200 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Ganz ordentliches Niveau, spannend bis zum Schluss und sehr gute Stimmung)
Photos with English and Arabic Commentary:
Sports:
a) Football in Western Sahara: JSM Laâyoune vs CODM Meknés (2nd Division at Moulay Rachid Stadium)
b) Amateur Football in West-Sahara: Mouloudia Dakhla v Amal Souk Sebt (3rd Division, Southern Morocco)
Sightseeing:
a) Between Ouarzazate and Marrakech: Ait Ben Haddou, Telouet and Kasbahs in between the two
b) Tafilalt & Ziz: Midelt Old Town and Ahouli Mining Ghost Town; Rissani, Erfoud, Maadid Kasbahs; Merzouga Erg Chebbi Dunes 
c) Todhra Valley: Kasbahs and Gorges between Erfoud and Ouarzazate 
d) Agadir Region: Tiznit Old Town and Sidi Ifni Town and Surroundings 
e) Moroccan/ Western/ Spanish Sahara: Tantan, El-Ouatiya, Tarfaya, Laayoune, Dakhla  
Nach Ende des Semesters in Fès fehlte nur noch ein Ground der 1. und 2. Ligen Marokkos, nämlich der des Zweitligisten JSM Laayoune in der West-Sahara. Da noch ausreichend Zeit war und der Anreiz auf einen exotischen Länderpunkt hoch, war ich mir schnell mit meinem Vater einig, einfach über die West-Sahara nach Mauretanien zu reisen und dann wieder hoch nach Marokko und zurück nach Deutschland. Am Dienstag den 25. Februar begann diese mehr als 20.000km lange und knapp vier Wochen dauernde Reise mit dem Abschied von meiner Gastfamilie, die mich wirklich wie ein Familienmitglied bei sich aufnahm. Der angehende Friseur Mohammed verpasste mir noch einen militärischen Kurzhaarschnitt, beim Frühstück blödelten die anderen drei Kinder noch ein letztes Mal mit mir rum und dann kam auch schon ein Bekannter mit einer Sackkarre der meine Sachen zum Auto brachte, wo wir uns voneinander verabschiedeten. Ich gab natürlich ein ganz Groundhoppertypisches Versprechen zu Wiedersehen: spätestens zur Afrikameisterschaft 2015 in Marokko…

Dann ging es auf die Piste: die Strecke bis Boulemane war mir bereits bekannt, gleich nach dem Ort kommt ein toller Tunnel der durch einen Felsüberhang gebohrt wurde. Danach ist die Strecke zwar immer noch kaum befahren und schnell, aber teils zu eng. Einige Einheimische schockte ich auch gut mit meiner rücksichtslosen Fahrweise: dass ein Ausländer wie ein einheimischer Taxifahrer stur draufhält bei Gegenverkehr hätten die nicht gedacht... Ein unsicherer Fahrer streifte dann mit seinem Renault-Kangoo-Außenspiegel meinen Dacia-Sandero-Stepway-Außenspiegel – meiner ist noch dran und nicht gesprungen; seiner lag auf der Straße… Ich passte mich natürlich den landestypischen Gepflogenheiten an und gestikulierte nur mit der flachen Hand fünf Mal mit der Handkante hoch und runter aus dem Fenster (diese Geste heißt: „auf’s Maul?!“) und fuhr weiter.

In Midelt traf ich auf einen Marokkaner, der genauso gut fährt wie ich – er ist schließlich Taxifahrer in Casablanca. Khadijas Cousin Abdellah zeigte mir die kleine, recht unspektakuläre und aus Lehm- und Betonbauten bestehende ummauerte Altstadt und fuhr noch mit mir und seinem ältesten Sohn Yousef nach Ahouli raus. 25km nordöstlich der 45.000-Einwohner-Stadt Midelt liegt dieser ehemals bedeutsame Bergbauort: ordentliche französische Arbeiterhäuser und einfach gemauerte berberische Bauernhütten stehen hier dicht an dicht und boten von 1926 bis Ende der 1970er gut 10.000 Menschen Platz. Dann waren die Minen der Umgebung erschöpft und so gut wie gar niemand verblieb im Ort. Diese Geisterstadt kann frei besichtigt werden, selbst in die ungesicherten Stollen kann man reinsteigen oder in die aufgegebene Moschee latschen. Die tolle Berglandschaft und die (nun natürlich hoffnungslos verfallene) ehemals moderne Infrastruktur machen diesen Ort richtig interessant. Die Bergarbeiterstadt hatte echt alles, was eine Stadt so braucht! Außer einem Fußballstadion – die Mannschaft der Minenarbeiter spielte laut Abdellah immer in Midelt, wo nun fast alle der ehemaligen Kumpel mitsamt Familien hingezogen sind…

Nachdem ich noch weitere Verwandtschaft durch die Essenseinladung von Abdellah kennenlernte, setzte ich meine Fahrt gen Süden fort. Auf dem Weg nach Rachidia gibt es schöne Berglandschaft, ab Rachidia (einer sehr gepflegten aber nicht unbedingt sehenswerten Kreishauptstadt) fangen Palmenhaine an in den Schluchten von saisonalen Flüssen zu gedeihen. Kurz vor Maadid bei Erfoud wurde es dann dunkel, doch bis zu dieser Stelle wollte ich ohnehin am folgenden Tag zurückkehren um nach Ouarzazate zu gelangen. Durch die Dunkelheit fuhr ich also, den Erg Chebbi nur erahnend, bis Merzouga durch. In dieser Gegend günstige Herbergen zu finden ist fast unmöglich, da völlig von reichen marokkanischen und allen möglichen ausländischen Touristen überlaufen. Aber gerade jetzt in der Nebensaison kann man Sonderangebote herausholen: da nur zwei weitere Gäste außer mir da waren, bekam ich für 160 Dh. (15€) in der Kasbah-Pension „Chez Julia“, die von einer österreichischen Künstlerin und Restauratorin geführt wird, ein Zimmer. Genau beim Einchecken rief mich Khadija an, sodass sich alle Blicke der Angestellten und Gäste vielsagend auf mich richteten: „boah, ein Ausländer telefoniert Arabisch…“ Die 15€ verstehen sich übrigens inklusive Begrüßungstee, kleinem Frühstück am Abreisetag und Terrassenblick zu den Dünen des Erg Chebbi. Die letzten drei Dinge rechtfertigen auch den Preis, denn die primitiven Zimmer (Wüstendeko soll dabei über den niedrigen Standard hinwegtäuschen) mit gemeinschaftlichen Sanitäranlagen würden in den meisten marokkanischen Städten für 60-120 Dh. angeboten werden, da man keinen mit dieser Authentizität (die Restauratorin Julia hat da wirklich ganze Arbeit geleistet!) locken kann. Dafür sind Hotelangestellte aber auch selten so gesprächig (und trotzdem höflich und unaufdringlich) wie die Tifilalt-Berber im Chez Julia.  
Kurz vorm Sonnenaufgang hieß es aufstehen, denn bei Sonnenauf- oder -untergang sind die Farben der Dünen besonders schön. Der Erg Chebbi ist schon sehr eindrucksvoll, aber die Sandberge sind nervtötend überlaufen. Touristen halten es wohl für ein Abenteuer wenn man 1km weg von der Stadt ganz „wüstenromantisch“ campiert und schon um 7 Uhr sind die Kamelkarawanen und Händler unterwegs: die lassen aber einen schnell in Ruhe, wenn man wie ein Marokkaner reagiert; „Wa Malek sohbi?! Sabah hada“ (Was willste, Alter? Es ist früh am Morgen!)…

Ich guckte jeweils nur kurz die historischen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg ins Todhra-Tal an: in Rissani gibt es eine ummauerte Altstadt und die Ruinen aus Stampflehm von Sijilmassa, der ehemaligen Hauptstadt eines berberischen Königreiches. In El-Jorf (dort stehen auch eindrucksvolle Klippen, sonst würde der Ort wohl kaum „Die Klippe“ heißen), Ksar Touroug und Tinejdad stehen ansehnliche Kasbahs. In Tinejdad leider auch Verkehrspolizei am Ortsausgang, sodass ich um 300 Dirham wegen 71km/h statt den erlaubten 60 gebeten wurde. Natürlich musste ich keine 300 zahlen, sondern nur 100 (knapp 10€) ohne Quittung, wobei der junge Mann seine Korruptheit sogar entschuldigte: „Guck mal Kumpel, ich habe erst angefangen mit dem Polizeidienst und 3.000 Dirham im Monat sind echt nicht viel. Ich will meine Freundin heiraten und naja, wir brauchen ja alle Geld... Gib mir einfach 100 Dirham und dann gute Fahrt!“

In Tinghir (Tinerhir), einem herrlich gelegenen, mit Lehmburgen befestigten und Palmgärten übersäten Oasendorf beginnt die Todhra-Schlucht die bis zu 300m hohe Steilwände hat. Entsprechend touristisch ist diese wirklich sehr schöne Gegend: man hat nirgendwo Ruhe, soll immer etwas kaufen oder spenden und wenn man höflich ablehnt, sind die asozialen Berber auch noch unfreundlich, aber so wie ich es noch nirgendwo in Marokko erlebt habe. In dieser Gegend ist auch die Hochburg der berberischen Aggressionen gegen arabische Marokkaner. Auf dem Fußballplatz von Tinghir lief gerade ein Freizeitturnier, also guckte ich zu, bis das erste Turnierspiel abgepfiffen wurde. Aus guten Gründen stellte ich mich zu einem der Ordner, denn die Menschen in diesem Kaff sind leider echt daneben. Nachdem mir mehrere Jugendliche Nippes andrehen wollte und nach freundlichem Ablehnen nicht Ruhe gaben entwickelte sich folgender Dialog auf Arabisch:
Ich: „Lass mich in Ruhe zugucken!“
Ordner: „Genau, jetzt lass ihn…“
Junge: „Oh, du sprichst ja richtig Arabisch! Was bist du denn für einer?“
Ich: „Gibt’s ein Problem?“
Junge: „Ja, Araber stinken!“
Ich: „Was ist dein Problem?“
Junge: „Wir sind Berber und keine scheiß Araber.“
Ordner [lacht]: „Gut jetzt! Weißt du, Monsieur, wir sind Berber vom Stamm [hab ich nicht verstanden]. Aber wir können auch Arabisch, kein Problem.“
Anderer Junge: „Doch ist ein Problem! Araber, fickt eure Mütter!“

Auch in jedem der anderen Berberdörfer bis Agoudal traf ich nur unsympathische, aggressive und unhöfliche Menschen. Man kann das natürlich nett entschuldigen, dass die armen Berber einfach immer die reichen Touristen in ihren völlig verarmten Orten sehen und sich deshalb so feindselig verhalten – diese Gegend zählt in der Tat zu den ärmsten des Landes: wenn man Kinder in dreckigen Klamotten durch die staubigen Straßen rennen sieht, die nichts anderes machen, als den ganzen Tag Touristen anzubetteln (sieht man sich die Bettelkinder näher an, entdeckt man bei vielen Infektionen im Gesicht, verfaulte Zähne oder andere Krankheiten) tun einem die Leute schon Leid; aber andererseits ist der Rassismus gegen Araber, Schwarze und auch Europäer bei Berbern einfach so weit verbreitet – selbst bei denen, die es in gute Ämter und zu ordentlichem bis hohem Einkommen geschafft haben – dass man einfach selber rassistisch denkt. Hier gibt Eines das Andere: die berberische Landbevölkerung auf der einen und die Touristen aus den marokkanischen Städten und allen Ländern der Welt auf der anderen Seite, passen einfach nicht zusammen.

In diesem abartigen Kaff Agoudal führt eine tolle Piste nach Boumalne am Ende der Dades-Schlucht ab, die im Sommer auch für alle ordentlichen Autos befahrbar ist, doch jetzt bei der Schneeschmelze nur für Allradfahrzeuge machbar ist. Ich kämpfte mich bis zum zweiten Pass auf 2.800m Höhe, 20km südlich von Agoudal durch und drehte dann vor einem Schneefeld um, das so halb geschmolzen war und mich auf die Hangkante hin zu drängen drohte. So eine Passage ist einfach zu gefährlich, zumal in diesem Bereich so gut wie niemand wohnt und Hilfe über Handy nicht geholt werden kann, da kein Funkempfang in diesem Tal besteht.

Ich drehte also um und fuhr bis zum Ausgangspunkt Tinghir zurück, wo sich wieder die gehirnamputierten Touristen in für diese Strecke zu großen und sperrigen Fahrzeugen drängten. Dann ging es nach Ouarzazate, wo ich 20.30 Uhr ankam und im Hotel Saghro einen Sonderpreis von 150 Dirham (Frühstück und schnelles Inet inklusive) herausholte. 14,20€ sind nicht unbedingt niedrig, aber keinesfalls zu hoch für die gebotene Qualität.  
Von Ouarzazate brach ich nach dem guten Frühstück im Hotel gen Ait Ben Haddou auf. Da ich das befestigte Berberdorf aber bereits 2011 ausführlich besuchte, ließ ich den überlaufenen Ort rechts liegen und fuhr die mittlerweile asphaltierte Bergstraße nach Telouet hoch. Auf dem Weg zu dieser spektakulären Kasbah reiht sich in einer fruchtbaren Flussschucht, die rechts und links von völlig kahlen Bergen begrenzt wird, Wehrdorf an Wehrdorf. Die Bauten sind alle aus braunem Stampflehm und schön anzusehen. Im Sommer schützen sie durch ihr geschickt genutztes Material gegen die gröbste Wärme und im Winter gegen die härteste Kälte – doch trotz Stromanschluss ist das Leben dort ziemlich hart. Die verarmten Bauernfamilien schicken ihre Kinder also statt zur Schule lieber zum Touristen-Anbetteln.

Telouet ist architektonisch am herausragendsten nach Ait Benhaddou: die wuchtige, aber zum Großteil verfallene Kasbah hat einen museal genutzten Teil der für 20 Dihram besichtigt werden kann. In den Räumen befinden sich keine Ausstellungsgegenstände, aber dafür feinste Mosaikkunst an den Wänden und Steinmetzarbeiten über Türen und Fenstern. Vor der Kasbah befinden sich zwei Bolzplätze, auf denen oftmals das Spiel unterbrochen wird, wenn neue Touristen ankommen, die man um Geld, Stifte oder am besten einen neuen Fußball anbetteln kann…

Da der eigentliche Flug von meinem Vater gecancelt wurde, war ich viel zu früh am Flughafen von Marrakesch. Der macht schon mehr daher, als dieser Dorflandeplatz in Fès – aber dort sieben Stunden rumzuhängen, bis diese Drecksmaschine ihren Weg von München über Casablanca nach Marrakesch gefunden hat, ist natürlich auch scheiße und die Planung mit Übernachtung in Taroudant, Besichtigung dieser Stadt und Fahrt über Tafraoute nach Tiznit und weiter nach El-Ouatiya war natürlich auch für den Arsch!

Nachdem mein Vater endlich gelandet und durch die Passkontrolle war, bretterten wir mit einem Halt auf der Raststätte bei Chichaoua gleich nach Agadir durch, wo wir ein preisgünstiges Hotel hinter der großen Moschee zwischen Inbiate-Stadion und Festung fanden: da wir erst um 2.15 Uhr dort aufkreuzten, gab uns der freundliche Hotelier sogar noch 40 Dirham Rabat (140 Dh. DZ = 13,25€).  
Tiznit wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen und fuhren am Freitag gegen 10 Uhr von Agadir aus direkt dorthin. Wie in Salé oder Neubrandenburg macht die historische Stadtmitte außerhalb der Mauern mehr her als innerhalb: eintönige, hässliche und relativ neue Bebauung umgeben von schön anzusehenden, massiven und historischen Stadtmauern.

Von dort fuhren wir nach Sidi Ifni, das in herrlich von Kakteen und anderen kleineren Pflanzen bewachsenem, recht bergigem Küstenhinterland liegt. Das Küstenstädtchen ist sehr gepflegt und von blau-weißen spanischen Bauten durchzogen. Touristen frequentieren den hübschen Ort ziemlich stark, trotzdem geht es sehr entspannt zu. Wir fuhren über erst kürzlich asphaltierte Nebenstraßen nach Guelmim, einer staubigen und überlaufenen Garnisonsstadt. Drei Mal mussten wir nach dem Weg nach Laayoune fragen, da Straßenschilder kaum vorhanden sind. Kurz nach dem Ort fängt dann aber so tolle Beschilderung an, von wegen: Dakhla 1.000km – dafür ist die Bundesstraße N1 (Tanger bis zur mauretanischen Grenze, d.h. fast 3.000km immer die Atlantikküste entlang) die nächsten 80km weniger toll da recht eng und alt, und v.a. fangen jetzt die Polizeikontrollen an.

Ab Guelmim bis zur mauretanischen Grenzen wird man mindestens alle 50km gestoppt und nach der Route oder den Wagenpapieren gefragt. Die ersten sind unfreundlich, insbesondere Berber verhalten sich wenig höflich wenn man Arabisch mit ihnen spricht, erst dann in Tantan war ein sehr freundlicher junger Beamter, dem es Spaß machte sich mit einem Ausländer auf Arabisch zu unterhalten. Als Sinn der Kontrollen wird angegeben, dass man um die Sicherheit der ausländischen Reisenden bemüht sei, da man ihre Routen wegen der Gefahr von Überfällen und Entführungen zur Lokalisation nachvollziehen will – tatsächlich sind die Sicherheitsrisiken in diesem äußersten Süden Marokkos nicht höher, da dieses Gebiet weniger touristisch ist vielleicht sogar geringer als im Rest des Landes, und in erster Linie sind diese Polizeikontrollen einfach nur belästigend, da eine Kennzeichenerfassung im Vorbeifahren völlig ausreichen würde!

Über recht eintönige, weite, kahle und von ganz vereinzelten ärmlichen Gehöften durchsetzte Bergtäler ging es wieder auf den Atlantik zu, den wir 25km nach Passieren des berühmten Kamelstandbildes im ersten Kreisverkehr von Tantan, in El-Ouatia zu Gesicht bekamen. Da es dunkel wurde und wir die Steilküste vor Sidi Akhfenir sehen wollten, fuhren wir nicht bis in diesen Ort, der das Steuerfreigebiet „Marokkanische Sahara“ markiert, sondern nahmen uns ein Hotel im ziemlich ausgestorbenen El-Ouatia. „Vue France“ heißt der Schuppen gegenüber eines Campingplatzes am Strand: 250 Dirham für akzeptable Doppelzimmer und Frühstück sind eher der obere Preisbereich für diese Hotelklasse.  
Bevor wir am Samstag meinen letzten Zweitligaground abhakten, gab es einiges an schöner Küstenlandschaft zu sehen. Nach dem ordentlichen Frühstück fuhren wir bis Sidi Akhfenir wo wir günstig tankten (0,90€ für Superbenzin statt den sonst üblichen 1,20€), wobei wir auf dem Weg dahin drei in den Atlantik mündende Wadis passierten und an zwei Stellen an die Abbruchkanten der Steilküste heran gingen. Nach Akhfenir fuhren wir an einer Salzpfanne vorbei und über die stark von Sandverwehungen verengte Zufahrtsstraße ins Küstenstädtchen Tarfaya. Dort arbeitete Antoine de Saint-Exupéry Ende der 1920er als Leiter des Landeplatzes (und schrieb nebenbei natürlich Bücher), weswegen ein Museum an ihn erinnert. Aus seiner Zeit steht noch die Ruine des Forts, ansonsten ist der Ort weitestgehend neu errichtet und bietet gute Versorgungsmöglichkeiten für Reisende: die Dirhams, die man an den drei, vier Geldautomaten der Kleinstadt abheben kann, werden hier aber nicht so schnell alle wie in den meisten anderen Orten Marokkos, da zwischen El-Ouatia und Akhfennir bereits die Grenze zur „Marokkanischen Sahara“ verläuft, die eine Steuerfreizone ist.

Die Grenze zur „Spanischen Sahara“ verläuft beim Dorf Tah, wo ein entsprechendes Denkmal steht. Laâyoune ist danach recht schnell erreicht, nur ab dort dauert die Erfassung an den Kontrollposten bis zu 10 Minuten. So belästigend diese Kontrollen (alle 50 bis 150km) auch sind, so angenehm ist der Umgangston der Polizei: die sind nicht nur freundlich, weil ich immer Arabisch mit denen rede – dadurch dass hier v.a. städtische Araber aus Nord- und Westmarokko leben, ist der Bildungsstand höher und damit einhergehend auch das Benehmen besser. Der Staat lockt mit höheren Löhnen und billigeren Lebenshaltungskosten immer mehr halbwegs bis sehr gut ausgebildete Marokkaner (bevorzugt Araber, aber die sind ohnehin meist viel besser ausgebildet als Berber) in die West-Sahara um den Sahraoui-Separatisten jeglichen Wind aus den Segeln zu nehmen, wo sie doch jetzt schon nur noch eine Minderheit von höchstens 30% in dieser West-Sahara sind.

Nicht nur die Polizei ist freundlicher als sonst, auch die Normalbevölkerung fällt hier recht positiv auf: das Einkommen stellt die meisten zufrieden, die Bildung ist durchweg besser – da ist es auch kein Wunder, dass man nicht wie in vielen anderen Gegenden Marokkos angebettelt, zugelabert oder ums Kaufen von Unfug gebeten wird. Vor allem Kinder grüßen immer wieder freundlich ohne Profitgedanken – ansonsten hat man einfach nur Ruhe. Selbst beim Fußball ist der Umgang der Fans miteinander besser als sonst: es gibt zwar auch mal Randale, aber bei einem Spiel wie heute wird der Gästeanhang freudig begrüßt, da er mit 200 Leuten ganze 1.500km per Bus zurückgelegt hat (und dann nochmal 1.500 zurück).

Zünftig angefeuert wurde trotzdem: die Sahraoui Ultras mit ihrem 200-Mann-Block auf der linken Tribünenseite sangen herrliche Melodien mit teils stark spanischsprachigen Texten – und von rechts tönte es, teils noch lauter, von ebenfalls gut 200 Anhängern immer wieder auf dem üblichen Arabisch-Französisch-Spanisch-Italienisch-Englisch Mix wirklich gute Melodien. Beide Lager zündeten auch ab und an kleine Fackeln und Nebelkerzen.

Interessant war, dass man das Stadion nur gegen Vorzeigen des Personalausweises aber kostenlos betreten durfte. Wir wurden aus Freundlichkeit durchgewunken, aber der Einsatzleiter schickte dann noch vorm Anpfiff eine Zivilstreife der Geheimpolizei zu uns hoch, dass die mal unsere Personalien aufnimmt und fragt wo wir hinreisen, übernachten und warum wir eigentlich im Urlaub Fußball in Laâyoune gucken… Bei allem freundlichen Auftreten konnte sich der Eine dann auch nicht verkneifen das Algerien-Visum im Pass missbilligend anzugucken und direkt nachzufragen, ob ich in Algerien gearbeitet hätte. Bei diesen fragwürdigen Fragen, die mitunter auch bei anderen Kontrollen in der Sahara kamen, habe ich mich dann gefragt, wie die Polizisten wohl aufgetreten wären, wenn ich mit meiner Gastfamilie, einem der minderjährigen Söhne von Khadija oder gar alleine mit Fayza hier herunter gereist wäre. Zumindest bei letzterer Kombination hätte es garantiert auch von diesen sehr umgänglichen Sicherheitskräften richtig unverschämte und dumme Fragen gegeben…

Das Stadion Moulay Rachid dient als Ersatz für das im Umbau befindliche Cheikh Laghdaf und ist mit einer zehnreihigen überdachten Stehtribüne und Stehmöglichkeiten hinter den Toren eigentlich viel zu klein. Auf den umliegenden Häusern machten es sich auch gut 50 Leute bequem. Auf dem Feld ging es gar nicht bequem zu in den ersten 20 Minuten: da ging es zügig hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Nach kurzem Leerlauf köpfte ein Meknesser Verteidiger den Ball zu kurz zum Torwart zurück und riss einen dazwischen sprintenden Stürmer von Laâyoune um. Notbremse, Rot und Elfmeter – doch der unfähige schwarzafrikanische Kapitän zimmerte den Ball gut 50cm über die Querlatte. 0:0 ging es in die Pause, doch nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff eine ähnliche Szene im Heimstrafraum und per Kopf aus nächster Nähe am Torwart vorbei netzte Meknés zum Goldenen Tor des Nachmittags ein. Angetrieben – ob von ihren abfeiernden Fans oder dem mutmachenden 1:0 Vorsprung sei mal dahingestellt – drängte Meknés den Gastgeber mit 10 Mann hinten rein. Nur drei gute Szenen hatte JSM noch: zwei Mal knapp daneben aus vollem Lauf und einmal kommt eine Ecke von links, die wird von allen verpasst, der zweite Ball erneut herein gebracht, per Kopfball an die Latte verlängert und von dort per Kopf aufs Tor gebracht aber vom Gästekeeper im Sprung gefangen. Wäre der Schlussmann von CODM nicht so stark gewesen (selten so eine sichere Torwartleistung in Marokko gesehen!) hätte JSM Laâyoune diesen recht unterhaltsamen Kick garantiert noch auf 2:1 gedreht. So blieb es aber bei der 0:1 Pleite, die nun die letzten Aufstiegshoffnungen zerstört haben dürfte, während Meknès wieder an den Aufstiegsrang 2 heranrückt.

Nach dem Spiel fuhren wir noch kurz auf den Meshwar-Platz mit den vier Pylonen und der Hauptmoschee, am im Umbau befindlichen 30.000er-Stadion Cheikh Laghdaf und der älteren der beiden Sporthallen vorbei, und schauten noch in die Saguia El-Hamra („Das Rote Flussbett“ oder auch Bewässerungskanal) hinein. Nach Passieren einer etwas langen Kontrolle mit einem Polizisten der mir beim Warten auf die Pässe von seinem abgebrochenen Studium und ungebrochenen Begeisterung für klassische arabische Poesie – enorm, auf was für einem hohen Niveau er Hocharabisch sprach! – erzählte, ging es auf recht eintöniger Strecke mit nur einem Ort (Lemsid: dort sind mehrere Häuserblocks bezugsfertig aber unbewohnt) und einer weiteren freundlichen Kontrolle nach Boujdour. Die Kontrolle am Ortseingang war die allerfreundlichste der Fahrt, da der Polizist aus Fès stammte. Boujdour hat zwei markante Straußenfiguren am Ortseingang stehen und unheimliche breite Straßen. Wir fanden schnell ein Hotel – mittlerweile dürfte es ein halbes Dutzend dort geben – wobei man ein so gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wie im „GOS“ (150 Dirham für ein gutes, sauberes Zimmer mit Bad, Glotze und WiFi) und so einen freundlichen Besitzer selten finden dürfte.  
In einem Cafehaus in Boujdour frühstückten wir für gerade einmal 2€ und fuhren dann ohne Behelligung durch die Polizei über die ziemlich leere Straße nach Dakhla. Ab und an hielten wir für schöne Aufnahmen der abbröckelnden Steilküste oder der erodierten Tafelberge (oder Tafelhügel). Nach passieren einer Geistersiedlung namens Bir Anzarane Centre (nicht identisch mit dem Garnisonsstützpunkt Bir Anzarane im Hinterland, wo 300 marokkanische Soldaten 3.000 angreifende Polisario-Kämpfer in den 1970ern vernichtend schlugen - früher hieß das Straßendorf wohl Echtoucan) fuhren wir durch eine weitere Geistersiedlung (in N’tireft sind allerdings schon einige Häuser bezogen) und wurden tatsächlich geblitzt. Da die Polizei in der West-Sahara nicht nur freundlicher sondern auch korrekter und viel weniger korrupt als im restlichen Marokko ist, wurden wir in aller Höflichkeit und mit Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten zur Zahlung von 300 Dirham aufgefordert, da 9km/h zu schnell im Ort. Keine Spielchen mit 100 Dirham ohne Quittung, sondern korrektes Ausfüllen des Strafzettels und vollständiges Bezahlen.

Nach Abbiegen auf die Landzunge von Dakhla dauerte die Personalienfeststellung mit gut 15 Minuten etwas länger als normal, sodass wir gleich in den Stadtteil Massira fuhren, wo sich das größte Stadion der Stadt befindet. Sehr guter Kunstrasen, weiträumige Pflasterflächen, zwei Tribünen mit 6 bis 11 Reihen lehnenloser Schalensitze in marokkanischen Staatsfarben grün und rot und überdachtem Mittelsektor. Daneben ein Bolzplatz mit Kunstrasen und Tennisplätze. Dafür dass es sich um die abgelegenste und südlichste Fußballsportanlage Marokkos handelt, ist die Anlage wirklich sehr gepflegt. Um sich die extremen Ausmaße vor Augen zu halten: der nächste Sportplatz mit Spielbetrieb ist jener im 360km nördlich gelegenen Boujdour (mit 180km deutlich näher und daher eigentlich noch abgelegener ist nur das Stadion von Awserd, doch im UN-Lager ist kein Spielbetrieb) und der Gastverein aus Souk Sebt bei Marrakesch reiste 1.500km an (und 1.500km wieder zurück und zwar per Bus mit Spielern, Trainerstab und fünf Fans) um ein Spiel der 3. Marokkanischen Liga, der 1. Amateurliga des Landes, zu bestreiten.

Der Zuschauerzuspruch war mit knapp 1.000 Leuten nur durchschnittlich – könnte mehr sein, bei der Lage – und außer dem Raja Fanclub Dakhla machte kaum jemand Stimmung. Vielleicht schreckt auch das extreme Polizeiaufgebot vor Stimmung ab. Diesmal nervte uns aber niemand von der Geheimpolizei im Stadion.

Das Spiel begann sehr flott und nach nur 10 Minuten schlug Dakhla eine Flanke in den Strafraum, die ein Verteidiger von Souk Sebt noch vor dem Stürmer der Heimelf erwischte und spektakulär gegen die Laufrichtung des eigenen Schlussmannes zum 1:0 versenkte. Danach gab es Chancen auf beiden Seiten, die aber nicht nur bis zur Pause ungenutzt blieben. Die Erwartungen an die zweite Hälfte waren dann etwas zu hoch: dort war viel Kampf und Krampf zu beobachten. Dakhla verteidigte den 1:0 Vorsprung gut und sicher.

Wir fuhren nach dem Spiel noch in die Lagune von Dakhla raus, die landschaftlich wirklich herausragend ist mit weißem Sand und türkis bis dunkelblauem Meer. Vorgelagert ist eine gezackte Felsinsel, klettert man auf eine der Anhöhen sieht man hervorragend über die sandigen und salzigen Ebenen zu den nächsten kahlen Kalkbergen, Sanddünen und Steilküsten.

Bei Rückkehr in die Stadt wurden wir nicht mehr kontrolliert und suchten nach einem Hotel. Wir gönnten uns angesichts des Mauretanienaufenthaltes ein wirklich gutes staatlich zertifiziertes an der Corniche. Normalerweise ist uns 350 Dh. (32€) zu viel, aber das „Touareg“ wartet mit sehr guten Zimmern mit sehr ordentlichem Bad und Meerblick (bzw. Lagunen- und Steilküstenblick) und auch hervorragendem Internet und Gratisgetränk auf, sodass das Geld gut angelegt ist. Auch das nicht ganz billige Restaurant Samarkand hat sich gelohnt: den Tipps aus dem Reiseführer gehe ich in Sachen Gastronomie selten nach, aber „sehr gute einheimische Küche zu mittleren Preisen“ klingt so gut wie es dann auch wirklich war. Usbekisches Essen gab es aber nicht…

Am darauffolgenden Montag steht das Abenteuer Mauretanien auf dem Programm… Mehr dazu im Laufe des Monats!  
Statistik:
- Grounds: 1.081 (Sa: 1, So: 1; diese Saison: 110 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.995 (Sa: 1, So: 1; diese Saison: 139)
- Tageskilometer: 2.920 (Di: 550km, Mi: 580km, Do: 520, Fr: 430, Sa: 490, So: 450km Auto)
- Saisonkilometer: 40.220 (39.090 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 7 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 396