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Montag, 27. April 2020

MAURETANIEN

LP Nr.: 41, Grounds: 2
 
Nouakchott (2): Stade Cheikha Ould Boidiya (Zweitligisten aus Nouakchott) – 1.000 (1.000/ 0); 7,0
 [Wertung und Angaben vorm Um- und Ausbau]

Nouakchott (1): Stade Olympique (Erstligisten aus Nouakchott, Nationalmannschaft) – 20.000 (20.000/ 0); 7,0

مباراة الودية الدولية بين الموريتانية والنيجير في الملعب الاولومبي في انواكشوط

Mittwoch, 26. März 2014

W398II-399II: Über Marokko zurück nach Europa; Lohnender Umweg über Tafraoute und Taroudant, die Futsal-Falken von Agadir und Hitziges „Beach Soccer Match“ in Lella Mimouna

Association Amal Lella Mimouna (جمعية أمل للا ميمونة)
..................................... 1:3 (1:1) ...................................
Union Nasr Sportive Rabat (اتحاد النصر الرياضي الرباطي)
- Datum: Sonntag, 16. März 2014 – Anstoß: 14.40
- Wettbewerb: Senior 3 Division, Ligue Excellence du Gharb de Football [دوري الهواة القسم الثالث - عصبة الغرب] (Westmarokkanische Bezirksoberliga = 5. Marokkanische Liga, 3. Amateurebene)
- Ergebnis: 1-3 nach 95 Min. (43/52) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 23. 19, 1-1 38. 5, 1-2 65. 2, 1-3 81. 2
- Verwarnungen: 2x Nr. 2, Nr. 11, 18, NN (AALM); Nr. 22-TW (UNSR)
- Platzverweise: 85. Nr. 2 AALM Foul, unsportliches Verhalten
- Spielort: Stade Municipal Lella Mimouna [الملعب البلدي بللاميمونة] (Kap. 1.500, davon 600 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (davon ca. 10 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Wirklich schwierige Platzverhältnisse, trotzdem ein ansehnliches Spiel und Emotionen gab es auch noch!)

Rabita de Casablanca (الرابطة الرياضية البيضاوية)
........................... 32:29 (15:9) ............................
---------- Wydad Smara (وداد السمارة) -------------
Datum: Samstag, 15. März 2012 – Anwurf: 19.30
Wettbewerb: Ligue Excellence du Handball, Poule Sud [بطولة المغربية لكرة اليد القسم الممتاز] (Marokkanische Superliga Süd, d.h. Südstaffel der 1. Marokkanischen Handballliga; Halbprofiliga)
Ergebnis: 32-29 nach 60 Min. (30/30) – Halbzeit: 15-9
Tore: k.A.
Siebenmeterquote: RDB 100% (1 von 1); WS 0% (0 von 2)
Gelbe Karten: k.A.
Zwei-Minuten-Strafen: RDB = 14 Minuten; WS = 6 Minuten
Platzverweise: Nr. 11 in 23., 59. Nr. 77 (RDB); 10. Nr. 10 (WS)
Spielort: Salle du Sport, Complexe Mohamed V [مركب محمد الخامس - القاعة الرياضية] (Kap. 6.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 200 (ca. 10 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes Spiel, das durch die unstete Leistung der Gäste leider zu früh entschieden wurde)

Renaissance Khemis de Zemamra (نهضة خميس الزمامرة)
.................................. 0:0 (0:0) ........................................
--------- Fath Sidi Bennour 1957 (فتح سيدي بنور) ---------
- Datum: Samstag, 15. März 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: GNF Amateur 1, Groupe Sud [بطولة القسم الوطني الأول هواة - شطر الجنوب] (d.h. 3. Marokkanische Fußballliga, 1. Amateurliga)
- Ergebnis: 0-0 nach 98 Min. (48/50) – Halbzeit: 0-0
- Tore: keines
- Verwarnungen: Nr. 2, 20, NN (CRKZ); Nr. 9, 15 (FSB)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Municipal Khemiss des Zemamra [الملعب البلدي بخميس الزمامرة] (Kap. 2.000, davon 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 1.500 (davon ca. 200 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 3,0/10 (Ganz schwaches Gekicke, wenigstens gute Stimmung)

---- AS Falcons Agadir (صقر اكادير) -----
......................... 6:2 (1:0) .......................
Etoile Madagh Berkane (نجم مداغ بركان)
- Datum: Freitag, 14. März 2014 – Anstoß: 19.30
- Wettbewerb: Championnat National du Futsal, Division 1 [بطولة الوطنية القسم الاول لكرة القدم داخل القاعة] (d.h. 1. Marokkanische Futsal-Liga)
- Ergebnis: 6-2 nach 40 Min. (20/20) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 11. (Nr. 8 mit 10m), 2-0 22. 7, 3-0 32. 5m e,pty 4-0 34. 10, 5-0 34. 10, 6-0 34. 10, 6-1 38. 13 10m, 6-2 40. 5
- Gelbe Karten: 6, 11 (Agadir); 13 (Berkane)
- Rote Karten: Trainer von Berkane (15. Min., wg. Schiedsrichterbeleidigung)
- Spielort: Salle Couverte de Inbiaate [قاعة المغاطة الانبعاث] (Kap. 2.500 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 100 (darunter ca. 5 Gästefans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Zwar recht einseitig, aber wirklich gut und phasenweise kurios)  
Photos with English and Arabic Commentary:
Sports Events:
a) Futsal Top Tier: Falcons Agadir v Madagh/ Berkane
b) 3rd Division Derby: Khemis des Zemamra v Sidi Bennour
c) Handball Top Level: Rabita Casablanca v Widad Smara
d) 5th Division “Beach Soccer”: Amal Lella Mimouna v Nasr Union Rabat

Places of Interest:
e) Nouakchott & Nouadhibou, and ADRAR MOUNTAINS 
f) Moroccan/ Western Sahara 
g) Tiznit, Tafraoute, Taroudant 
h) Es-Saouira Old Town 
i) Moulay Bousselham, Bouhachem, Tetouan
j) CEUTA: Spanish Exclave

Video:
Moroccan Musicians Supporting Rabita Casablanca Handball Team

Am Dienstag begann die eigentliche Rückreise nach meinem Auslandssemester. Wir legten auf dem ersten Teilstück nach Deutschland die enorme Strecke vom zentralmauretanischen Atar ins westmauretanische Nouadhibou nahe der marokkanischen Grenze zurück. Man muss erst einmal über 5 Stunden nach Nouakchott zurück fahren (d.h. nach Südwesten; in der Hauptstadt aßen wir noch mal sehr gut beim Italiener „Tafarit“ am Olympiastadion) und dann nach Norden 5,5 Stunden bis zur Grenze Boulanouar zurücklegen. Da wir dort die Herberge nicht fanden, fuhren wir auch noch die knappe Stunde auf die Landzunge nach Nouadhibou raus und übernachteten wieder im Camping Baie du Levrier. Man kann übrigens mittlerweile auch direkt an der Grenze in einer Herberge übernachten (natürlich nur auf der mauretanischen Seite, in Marokko sind die noch nicht auf so eine gute Idee gekommen).

Mittwoch ging es nach dem Frühstück im „Plein Lune“ zügig zur Grenze. Die Passstempelung, die Unterschrift unter das Fahrzeugdokument und die Fahrzeugkontrolle dauerten nur 30 Minuten. Nach der beschwerlichen Fahrt durchs Niemandsland dauerte es bei den Marokkanern natürlich eine volle Stunde, ehe wir alle Stempel und Papiere (bis auf die Versicherung mal wieder) geholt hatten. Wir waren trotzdem noch früh in Dakhla, nachdem wir eine Polizeikontrolle mit einem gut Deutsch sprechenden aber entsprechend hyperkorrekten Polizisten passiert hatten; fragt der doch noch nach dem Warndreieck: Mann, Mann, Mann…
Dort steuerten wir noch vor dem Hotel „Touareg Palace“, das wir ein zweites Mal bezogen, einen Reifenhändler an. Die beiden an der Karkasse beschädigten 800-Dirham-Reifen wurden gegen welche für 750 Dirham ausgetauscht. Mal schauen, ob die besser halten, wie der sehr freundliche Händler mit viel Klopfen und Drücken auf die in der Tat sehr robusten Reifen meinte…

Auch über den Donnerstag gibt es nicht viel zu berichten, denn die Strecke war bekannt. Nur in Laâyoune verfuhren wir uns erst kurz, sodass wir die Kirche von außen sehen konnten, und hatten dann etwas Stress an der einen Kontrolle: ein intelligenter Polizist merkte nämlich dass unsere Versicherung gar nicht gültig ist. Der bestellte mich aber einfach ins Büro, quatschte ein bisschen, schenkte mir Tee ein und ließ sich 100 Dirham (9,30€) geben.
Dann ging es über Sidi Akhfennir, wo wir in einer Fernfahrerkaschemme für zusammen nur 3,50€ Tajine aßen und Tee tranken. Übernachten wollten wir eigentlich in Guelmim, doch die Hotels waren zu teuer und der Hotelier in dem einen, in das wir hineingingen, machte keine Anstalten von den 450 Dirham runter zu gehen. Also fuhren wir noch die zwei Stunden nach Tiznit weiter, wo wir schnell das Hotel Riad fanden, dass mit nur 200 Dirham für die gebotene Qualität sehr günstig ist. Der freundliche Hotelier musste aber natürlich vom Parkwächter aus dem Bett geklingelt werden: es war halt schon 1.45 Uhr…  
Freitag schließlich verließen wir die direkte Route: Tiznit hatten wir schon auf dem Hinweg gesehen, also gleich weiter nach Tafraoute, wo es tolle Felsformationen und eine recht gepflegte und moderne Innenstadt zu sehen gibt. Es fiel auf, dass die Dörfer im Landkreis Tafraoute ebenso gepflegt wie die Kreishauptstadt daherkamen. Für Berberdörfer extrem ungewöhnlich: wie der Kreis Tafraoute so ein Niveau erreichen konnte, ist mir schleierhaft.

Sehr schön sind dann im weitaus weniger ordentlich erscheinenden Nachbarkreis von Tafraoute die befestigten Gehöfte auf den flachen, tischartigen Felsen (arabisch Kasbah, berberisch Igherm), vor allem auf dem Weg nach Ait Baha. Dort geht es übrigens nur auf extrem engen Straßen hin: ohne Leitplanke obwohl es so eng ist, dass kaum zwei Autos aneinander vorbeipassen, am Rande der Schlucht entlang. Bauarbeiten gab es auch noch: sinnvollerweise wird die Straße verbreitert…

In Taroudante waren nicht ganz so viele Camper unterwegs wie in Tafraoute, doch mehr Geschäftemacher. Wir stießen aber gleich auf den freundlichen Schlepper Ibrahim, der hervorragendes Hocharabisch spricht, und gingen mit ihm durch die sehenswerte ummauerte Altstadt. Die Mauern sind insgesamt über 8km lang, hinzu kommen noch die Mauern der Festung am Rande der Altstadt, und das Highlight des Ortes. Ibrahim kassierte immerhin die Provision im ordentlichen Restaurant am Gaukler-Platz: mit Blick auf Folkloremusiker, Spielmänner, Bettler und Schuhputzer gab es sehr gutes Essen zu mittelmäßigen Preisen. In die nette Argan-Kooperative seiner Schwester ließen wir uns auch noch führen, wobei wir dort mit Ausreden die Führung abkürzten, wobei er für selbige am Ende gar kein Geld einstreichen wollte.

Wie auch immer: wir kamen in Agadir fast 10 Minuten zu spät zum Salle Inbiaate, dem direkt neben dem alten Stadion Inbiaate gelegenen, gut 3.000 Zuschauern auf zumeist einfachen Sitzen Platz bietenden, größten Sporthalle der Stadt Agadir an. Die Farbgebung mit blau und rot ist gut gelungen, der Sprecherturm ist schön halbrund gehalten.

Es gab ein Spiel der landesweiten 1. Futsal-Liga zu sehen: die Gastmannschaft aus dem Nordosten des Landes kommt aus Madagh und Berkane; das sind zwei Orte die eine Spielgemeinschaft in dieser halbprofessionellen Liga bilden und insgesamt hatten die Jungs einen Anfahrtsweg von 1.200km. Es lief dann auf dem Feld nicht gut für sie und nach der schnellen Führung für die Falken (Falcons oder Souqour) gab es auch einen Platzverweis für den pöbelnden Trainer, der von einem der Streifenpolizisten nach oben geschickt wurde.

Nach der Pause ging ein Schuss zum 2:0 ins lange Eck und Berkane versucht es mit fliegendem Torwart, was aber nur zu einem Empty-Net und einem Hattrick des Zehners innerhalb von nur 60 Sekunden führte. Erst in der Schlussphase gelangen den Gästen zwei Treffer, sodass am Ende ein deutliches aber nicht zu deutliches 6:2 stand.

Das wirklich gute Spiel suchten leider nur wenige Zuschauer auf, wobei unter den 100 Leuten auffällig viele, insbesondere die Frauen, in klassischen, südmarokkanischen Klamotten gekleidet waren. Auch interessant war die Festtagsband (diese Festtagsbands spielen regionaltypische Folklore auf Hochzeiten, Feiertagszeremonien, Jubiläen etc.), die nach dem Match aufspielte: diese Band war für die Siegerehrung einer erfolgreichen Jugendmannschaft – bei der D-Jugend oder was das war, war auch ein Mädchen dabei – bestellt worden. Als dann zwei Altherrenteams begannen sich aufzuwärmen, gingen wir aus Zeitgründen aber aus der Halle, da wir noch nach Essaouira wollten.

Der sehr aufdringliche und dämliche Parkwächter bekam von mir 6 Dirham mit dem korrekten Hinweis, dass er keine 10 von mir verlangen soll, da Marokkaner selten mehr als 3 entrichten für so eine Parkzeit…Dann ging es schnell auf die Piste, wir fanden aber keine Hotels in Chichaoua oder an der Bundesstraße nach Essaouira, sodass wir in die Stadt einfuhren, aber dort noch 45 Minuten suchen mussten, ehe wir einen rausklingeln konnten. Für 300 Dirham bekamen wir aber ein sehr gutes Zimmer, das normal 400 gekostet hätte.  
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Samstag standen wir entsprechend später auf und verbrachten nur eine Stunde mit der Stadtbesichtigung von Essaouira. In einer Stunde hat man auch das Wichtigste dieser sehr schönen Stadt gesehen: architektonisch und von der landschaftlichen Lage her ist Essaouira wirklich eine der schönsten Städte Marokkos. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch im Oktober zur Zeit des Opferfestes gab es jetzt nur leider mehr Touristen, auch viele Trottel mit kurzen Hosen und Kötern, und durch diese Arschlöcher – zumeist natürlich Franzosen – auch leider höhere Preise (Parken war beim letzten Besuch 2 Dirham die Stunde, jetzt 5) und mehr Geschäftemacherei und Anquatschen – auch in dummer Art und Weise.

Wir fuhren die Hauptstrecke nach Khemiss Zemamra weiter, einer Landstadt im unattraktiven wie auch unbekannten Landkreis Sidi Bennour, der sehr durch Landwirtschaft geprägt ist. Die ordentliche Ortsdurchfahrt wusste schon zu beeindrucken, da in dieser Gegend die Orte oft viel ärmlicher sind. Aber wirklich eindrucksvoll war, dass das Stadion zum Kreisderby Sidi Bennour schon 30 Minuten vorher richtig voll war. Dass das Kreisderby ein großes Ereignis ist, kann man auch in diesem Video sehen, mit dem der Gastgeber wirbt: http://www.adrare.net/sport/clubs/crkz.htm

Das Stadion ist schon fast ein bisschen zu klein für dieses Spiel, da die zwei zehnreihigen Betontribünen etwas eng bemessen sind, der Graswall am Rande der linken Betontribüne nur eine Notlösung ist und man ansonsten direkt am hohen Maschendrahtzaun herumstehen muss. Letzteres machten wir dann auch, direkt schräg hinter dem einen Tor um genauer zu sein, da wir zum einen gute Sicht auf den mit Kassenrollen werfenden und dauernd singenden Heimblock haben wollten und zum anderen, da die rivalisierenden Fans von Sidi Bennour auf der ausbautenlosen Gegenseite mit der Polizei stritten und uns der Hauptkommissar, der besonders freundlich war und uns noch nach dem Abpfiff handschläglich verabschiedete, mit der Bemerkung „letztes Mal haben die Gästefans Steine geworfen, stellt euch mal besser hinter das Tor unter die Bäume“ weiterleitete…

Richtig hitzig wurde es aber leider nicht: das Spiel auf dem holprigen, sandigen Lehmplatz war ausgesprochen unattraktiv. Zwei Treffer ans Gehäuse durch die Heimelf waren zu verzeichnen – traurig, dass sowas mit um den Aufstieg mitspielt. Der Abstiegskandidat Sidi Bennour war mit dem 0:0 zufrieden.

Das Handballspiel war da um Klassen besser: nach zügiger Landstraßen- und schneller Autobahnfahrt erreichten wir durch zu spätes Abbiegen in der Stadt zwar erst zur dritten Minute die Sporthalle hinterm Stadion Mohamed V, aber verpasst hatten wir kaum etwas. Die riesige leere ovale Halle war leider sehr schlecht gefüllt, nur 20% der Deckenlampen waren eingeschaltet, die Tribünenlampen und die Klobeleuchtung abgestellt. Es spielte halt nur der weniger bedeutsame Erstligist Rabita. Dafür wurde die wurfstarke Sieben mit einer klassischen Band mit Trommeln, scheppernden Blechklappern und Flöten bei jedem ihrer Angriffe unterstützt. Die Heimmannschaft zog schnell davon, Widad Smara aus den Tiefen der Westsahara zeigte nur phasenweise sein Können (schließlich sind sie Vizemeister). Nach der Pause gerieten sie mit bis zu 10 Toren in Rückstand, holten am Ende aber noch ein bisschen auf. Das 32:29 war ein verdientes Resultat für Rabita Casablanca. Die Schiris warfen übrigens leider mit überzogenen Karten und Strafen um sich, sodass am Ende drei rote Karten zu zählen waren, die auch recht heftig diskutiert wurden.

Zum mittlerweile dritten Mal steuerte ich das Hotel Cluny an, dass sehr praktisch an der Ausfallstraße aber trotzdem nahe zum Stadtzentrum hin und in Laufweite zum Sportkomplex Mohamed V liegt.  
Die Zeit war zu knapp, um noch meiner Gastfamilie in Fès einen abschließenden Besuch abzustatten, doch Fayza hatte Freizeit – als ich ihr schrieb, dass wir kommen, meinte sie einfach zur Chefin, dass ihre Schwester mit der deutschen Verwandtschaft käme und sie sooooo erschöpft sei vom vielen Arbeiten (OK, bei der 70-Stunden-Woche war wenigstens Letzteres nicht gelogen) sodass sie bis zur Spätschicht frei bekam – und wir konnten uns damit am späten Sonntagvormittag in Larache treffen. Sie lud uns auf zwei große Teller Garnelen, Scholle und Calamaris in eines dieser Restaurants ein, wo man Fleisch oder Fisch auf dem benachbarten Markt einkauft und sich im Restaurant gegen Gebühr zubereiten lässt und Getränke dazu bestellt.

Wir hatten alles Mögliche an Paarungen überlegt und fuhren am Ende mit einem Abstecher nach Moulay Bousselham, wo es besonders schönen Sandstrand mit einer Meeresbucht und Heiligengräbern gibt, nach Lella Mimouna. Das ist ein Kaff mit Wochenmarkt und hässlichen, einfachen Häusern an staubigen und dreckigen Straßen, aber immerhin in grüner und angenehmer Landschaft. Während Fayza schon etwas drängelte, wie wir eigentlich das Spiel erreichen wollen, wenn wir nur 15 Minuten vor Anstoß in Moulay Bousselham losfahren, kalkulierte ich schon ganz cool die Verspätung durch die ganzen Vorspiele im Jugendbereich ein: die war sogar so groß, da ab 8 Uhr lauter aufeinander folgende Spiele angesetzt waren, dass um 14.10 noch das A-Jugend-Match lief und erst mit 40 Minuten Verspätung die Männer anfingen.

Wir wurden für Gästefans gehalten, da in Rabat immer auch Frauen im Stadion anzutreffen und Ausländer im Stadtbild präsent sind, während in einem Kaff wie Lella Mimouna schon mal jemand laut raushauen muss „gugg ma, die da is mit nem Weißen („gauri“ hat eher das Niveau „Bleichgesicht“, bezeichnet eigentlich einen von den Osmanen aus Europa geholten Sklaven, einen Giauren) da“. So einen verärgerten Gesichtsausduck wie nach dieser Bemerkung hab ich bei Fayza aber auch selten gesehen…

Das Stadion kann mit zwei sechsreihigen Betontribünen und einem dazwischenliegenden, großem Eingangstor aufwarten. Drei Seiten sind ausbautenlos, aber locker mit Bäumen bestanden. Das eigentlich Besondere an diesem Stadtstadion von Lella Mimouna ist jedoch der Sandplatz. Da wächst kein Grashalm, doch mit Hartplatz oder Lehmplatz hat das nichts zu tun: das ist ein richtiger Strand! Dass Spieler so tief einsinken wie hier und der Ball so wenig springt, habe ich selbst bei den sandigen Lehmplätzen von Zemamra oder Sidi Slimane nicht so gesehen!

Trotz dieser extremen Platzverhältnisse lieferten die Spieler aber den besten Beweis ab, dass die Spielfläche nebensächlich ist: es wurde ein wirklich ansehnliches Spiel auf dem Sand – besser als etliche Spiele in höheren marokkanischen Ligen auf Kunstrasen! Die Führung wurde natürlich durch einen Weitschuss erzielt, doch interessant war, wie Nasr Rabat als Aufstiegskandidat in Liga 4 dann doch - nachdem sie anfänglich völlig hinten rein gedrängt waren - mit dem Platz zurechtkamen und das Spiel an sich rissen. Der Anfang vom Ende für Amal Lella Mimouna war der vergeigte Elfer in der 29. Spielminute, als der 13er knapp rechts am Kasten vorbei schießt. Kurz vor der Pause erzielte Nasr den Ausgleich: mit einem Kopfball stieß der Stürmer den Ball aus den Händen des Torwarts, da dieser mit seinen kurzen Armen nur die hoch aufs Tor geflogene Pille zwischen den Fingerspitzen halten konnte. Fayzas Bemerkung war mal wieder sehr treffend: „Warum ist einer, der kaum so groß ist wie ich, Torwart?“ – und sie ist ca. 1,70m…

Nach der Pause gab Amal Lella Mimouna das Spiel dann völlig aus der Hand: ein Konter führt zur Führung der Hauptstädter, ein herrlicher Weitschuss aus 30m geht als Bogenlampe über den Schlussmann zum 1:3, es folgt noch ein Abseitstreffer eine Minute nach dem 1:3 und nach einem Foul setzt es in der Schlussphase der immer härter werdenden Partie eine gelb-rote Karte für einen meckernden Spieler von Lella Mimouna. Die Jungs hingen ziemlich die Dorfprolls raus: Rudelbildung, Pöbeleien, Drohungen, einige Jugendliche hinter dem Tor drohten mit Platzsturm und Schlägerei – doch als die Polizeistreife aufs Feld lief, waren die schon wieder hinterm Zaun. Wie üblich bei dem Kindergarten in marokkanischen Stadien…

Die Spieler waren aber nicht so schnell zu beruhigen und die Situation blieb minutenlang aggressiv. Ich bin ja ähnlich wie Hamza, der bei einer unserer Fahrten in den Kurort Moulay Yacoub beim Anblick einer Keilerei unter Jugendlichen stehen blieb und Khadijas Aufforderung weiterzugehen mit der Bemerkung „ich will sehen wie die Spinner sich kloppen, ist doch lustig“ ausschlug. Als mich Fayza also zum Gehen drängte, meinte ich genau das Gleiche zu ihr – aber sie fand die Tumulte auf dem Platz nicht so lustig und meinte, dass sie beim Fußball und nicht bei Schlägereien zugucken will. Wahrscheinlich hat sie nicht trotz, sondern gerade weil sie jahrelang Kampfkunst betrieben hat, so eine Abneigung gegen regelloses Kräftemessen wie Stadionschlägereien… Ich brachte sie also unter den üblichen neugierigen bis aufdringlichen Blicken der ungebildeten Dorfbewohner zum Auto, ging dann gleich wieder rein und schaute mit meinem Vater die nach einigen Minuten Unterbrechung beginnende Schlussphase an. Es fielen keine Tore mehr und Tumulte gab es auch keine weiteren…

Wir fuhren über Mechra Bel Ksiri zu den römischen Ruinen von Banasa, was ich beiden empfohlen hatte. Eigentlich war schon geschlossen, aber der Hintereingang ist nie richtig verriegelt, sodass auch nach den Besuchszeiten noch die Dorfbewohner die ansehnlichen 1.700 Jahre alten Ruinen besuchen.

Wir brachten Fayza noch gerade zum Abendgebet (nach diesem beginnt die Nachtschicht zu der sie aufkreuzen sollte) nach El-Aouamra zurück und versprachen uns gegenseitige Besuche, was für uns in Richtung Marokko natürlich erheblich einfacher ist (nächstes Jahr zur Afrikameisterschaft z.B.) als für sie nach Deutschland.

In Larache beim Kifteh-Essen am späten Abend trafen wir allerdings auf einen Marokkaner der schon oft in Deutschland war: der Alte war sehr freundlich und sprach in gutem Deutsch ohne jeden Geschäftsgedanken über seine in Osnabrück wohnende Verwandtschaft und die langen Fahrten nach Deutschland. Solche Erlebnisse waren leider im Vergleich zu Algerien oder Syrien viel zu selten während meiner Zeit in Marokko.  
Wir hatten günstig im Hotel Cervantes in Larache übernachtet und am Montag die späte Abfahrt nach Rundgang und Frühstück in Larache schon eingeplant. Diese sehr sehenswerte Stadt verließen wir nach der Besichtigung von Lixus, der am Rande des Ortes auf einem Berg liegenden römischen Ruinenstätte. Dort erinnerte sich der Aufseher mit Blick auf den roten Dacia mit Saalekreis-Nummer tatsächlich noch an mich! Er: „Hey, alles klar mein Freund? Du bist doch der Deutsche mit der marokkanischen Frau!“ Ich: „Ähhhmmm, ja genau! “ Im Dezember war ich nämlich schon mal in Lixus, aber mit Fayza und der Aufseher fragte sie blöd und direkt mit Blick auf uns beide ob sie Marokkanerin sei, weswegen sie mich als ihren Ehemann ausgab…

Wir fuhren weiter gen Nordosten, besichtigten den Cromlech von Mzoura (den neolithischen Steinkreis) nur von außen und fuhren in den Bouhachem Nationalpark ein. Dort bogen wir zu früh ab und fuhren nach Süden, aber zwischen Ksar Kbir und Chefchaouen nahmen wir einfach wieder die Strecke nach Norden gen Souk Khemis de Beni Arous in der Mitte des Gebirgszuges. Dort gab es gut und ganz günstig Kiftah (Hackfleisch) – das einfache Restaurant an der Hauptstraße hatte ein lustiges Schild „Gras rauchen verboten“ aufgehängt. Dann ging es durch immer schöner werdende bewaldete Berglandschaft fahrend, rechts ab: das spanische Fort an der Wegekreuzung – die drei Wege führen nach Larache, Chefchaouen bzw. Tetouan – angeguckt und dann den letztgenannten, teils eng an Schluchten vorbeiführenden Weg genommen. In Tetouan guckten wir nur Thamuda, die Grundmauern eines römischen Kastells, an und fuhren zum spanischen Palast, einem riesigen verfallenen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, rauf.

Zur Übernachtung fuhren wir nach Fnideq, wo wir an der Corniche zwischen der Moschee und der spanischen Festung ein Zwei-Sterne-Hotel für 300 Dh. (28,50€) die Nacht bekamen.  
Dienstag verließen wir das ganz ansehnliche Küstenstädtchen, das von sozialen Problemen erstickt zu werden droht – so präsent und aufdringlich sind die Bettler kaum irgendwo in Marokko – gen Ceuta. Wir kamen leider zu so einer blöden Zeit an, dass wir fast zwei Stunden in der Schlange am Grenzzaun standen. Belästigungen durch Arbeitslose, die sich mit dem Verkauf von Ein- bzw. Ausreisezetteln, die an den Passkontrollstellen kostenfrei ausliegen, etwas verdienen wollen, inklusive. Schlecht gelaunt sagte ich nur jedes Mal auf Arabisch „die gibt’s auch kostenlos“...

Auffällig war zum Abschluss meines Marokkoaufenthalts leider wieder, dass so tolle und angenehme Menschen wie die aus meiner Gastfamilie in diesem Land eher die Ausnahme sind. Denn die Drängler an der Grenze waren ausschließlich Marokkaner und auch in Ceuta waren es nur Marokkaner, die einem inoffizielle Geschäfte anboten oder die Wege zumüllten. Genau aus diesem Grund meinte auch mal meine marokkanische Lehrerin, dass Ceuta (Sebta) zwar 100% marokkanisches Territorium sei, Marokko aber weder von den Staatsfinanzen noch vom sozialen Gefüge her in der Lage wäre, Ceuta und Melilla erfolgreich zu führen. Die West-Sahara ist ja ganz gut geführt, da sie so viele Bodenschätze hat, die Geld bringen – die Städte sind modern und sauber, ein Problem sind nur die alten Fischersiedlungen und dass neue Ortschaften ewig nicht bezogen werden trotz hohem Lebensstandard – aber die beiden Exklaven-Orte noch dazu wäre im Moment einfach zu viel.

Nach einer Rundfahrt über die Festungen und einem Rundgang durch die Innenstadt – wir besichtigten auch die arabischen Bäder, die ich beim ersten Besuch nicht gefunden hatte – machten wir beim Lidl einen Großeinkauf und befüllten den Tank unseres Dacias bei der Cepsa am Hafen mit Super Plus 98, das mit 1,16€ genau 35 Cent unter dem Durchschnittspreis auf dem Festland liegt. Dann richteten wir uns schon auf lange Wartezeiten ein, doch am Fährbüro angelangt bekamen wir noch für die 18-Uhr-Fähre Karten: mit 159€ auch nicht nennenswert teurer als bei der unsicheren Onlinereservierung.

Ausnahmsweise war der Kahn auch pünktlich, sodass wir 19.15 aus dem Hafen von Algeciras rollten und gegen 20 Uhr das Hotel in La Línea de la Concepción gefunden hatten. Die Herberge „La Esteponera“ ist ganz nett und preisgünstig (24€ für ordentliche Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad). Hier übernachteten wir aufgrund eines kuriosen Zusatzländerpunktes gleich zwei Mal. Mehr dazu im oben folgenden Bericht!  
Statistik:
- Grounds: 1.087 (Freitag: 1, Samstag: 2, Sonntag: 1; diese Saison: 116 neue)
- Sportveranstaltungen: 2.002 (Freitag: 1, Samstag: 2, Sonntag: 1; diese Saison: 146)
- Tageskilometer: 4.570 (Di: 920km Auto, Mi: 450km Auto, Do: 1.100km Auto, Fr: 670km Auto, Sa: 370km Auto, So: 590km Auto, Mo: 310km Auto, Di: 90km Auto, 40km Fähre)
- Saisonkilometer: 47.680 (46.530 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 80 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 1 [letzte Serie: 10, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 398

Donnerstag, 13. März 2014

W397VII-W398I: Mauretanien 7-8; Oasen, Tafelberge, Felszeichnungen und Karawanenstädte im Adrar

 
Photos with English and Arabic Commentary:
ADRAR RERGION: TERJIT, ATAR, CHINGUETTI, AZOUGUI

Von der Hauptstadt Nouakchott ins nördliche Zentral-Mauretanien, die Region Adrar, sind es nur 5, 6 Stunden über gute, einsame, Asphaltstrecken. Bis Akjoujt, eine Erzbergbausiedlung, kommt 200km lang kein richtiger Ort: nur dornenbewehrte Bäume und Büsche stehen in der Sand- und Felswüste rechts und links der Straße. Danach quert man einen Pass namens Amatil, auf dem ein Denkmal zum anti-französischen Widerstand steht. Ab diesem Punkt ist man richtig im Adrar-Massiv mit seinen dunklen, über hellen Dünen aufragenden, Tafelbergen angekommen.

Die regionale Hauptstadt heißt Atar, doch der vielleicht schönste Platz ist 45km südöstlich gelegen: 35km vor dem Ortseingang zweigt eine Schotterpiste, teils mit sandigen Stellen und nackten Felsen, die sich allerdings im Neubau (wohl sogar Asphaltierung) befindet, ab. Diese führt in ein Rundhüttendorf namens Terjit, das in einer Felsenschlucht mit sandigem Boden und warmen Quellen in einer Palmenoase liegt. In dieser Oase wird im struppigen, vorderen Bereich Nippes verkauft und im saftig grünen hinteren Bereich 1.000 UM (2,50€) Eintritt erhoben. Der ist zwar unverschämt hoch, aber sehr lohnend, da man in den geschichteten Bergen herumklettern und zwischen den Palmen im Schatten spazieren kann. Wir trafen hier auf eine Gruppe griechischer und slowenischer Sahara-Touristen, die von einem sehr freundlichen und perfekt Deutsch sprechenden Slowenen geführt wurde, der Offroad-Touren organisiert.

Wieder zurück auf die Asphaltstrecke und nach Atar, wo wir bei Einbruch der Dunkelheit an die Polizeikontrolle kamen. Der ausgesprochen freundliche Beamte holte sein Handy raus und rief extra bei seinem Kumpel Justus Buma an, einem Niederländer der mit seiner deutschen Frau Cora das „Bab Sahara“ führt. Das ist viel mehr als nur ein schöner Campingplatz, auf dem man mit Wohnmobilen (es gibt tatsächlich ein paar deutsche und französische Camper, die nach Mauretanien reisen!) stehen und in Zelten oder Rundhütten schlafen kann: das ist eine Institution im Ort! Nicht nur bei Touristen ist das Bab Sahara aufgrund des ungewöhnlich guten Preis-Leistungs-Verhältnisses (Übernachtung ab 5€ p.P. im Miet-Zelt) beliebt, sondern auch bei Einheimischen aufgrund der sozialen Projekte (Schulbildung, Umweltschutz) in denen sich die beiden engagieren.  
Am nächsten Morgen kürzten wir das Programm etwas und fuhren nur nach Chinguetti. Da wir mit dem eigenen Auto fuhren, sparten wir den spektakulären Amogjar-Pass aus und fuhren über den landschaftlich schönen aber aufgrund der Asphaltierung sehr einfach zu fahrenden Ebrou-Pass. Davor und danach ist allerdings nach wie vor nur Schotterpiste, die letzten 10km nach Chinguetti sind auch schlecht da sehr wellig und uneben. Auf halbem Weg besichtigten wir aber erstmal die 5.000 Jahre alten Felszeichnungen von Agrou, die Rinder, Giraffen, Elefanten und Löwen zeigen – bis auf Rinder sind diese Tiere alle aus Mauretanien verdrängt worden.

Chinguetti ist die (nach welchen Kriterien auch immer) siebtheilige Stadt des Islam, doch verglichen mit Städten wie Mekka, Medina, Jerusalem und Damaskus (könnte man als die Top 4 bezeichenn) ist Chinguetti das letzten Kaff. Die Neustadt ist ordentlich modernisiert aber klein, die Altstadt verfallen und versandet. Natürlich ist letztere interessanter: Bruchstein- und Lehmhäuser, teilweise 1.000 Jahre alt. Die Karawanenstadt war im Mittelalter mal sehr bedeutsam, für seine Bibliotheken (heute ein erbärmlicher Schatten ihrer selbst, nur die historische Handschriftensammlung taugt etwas) bekannt, eine religiöse Kultstätte (die von Ruinen umgebene und v.a. aus Bruchstein gefertigte Moschee mit dem markanten Minarett ist der einzige wirklich schöne Bau im ganzen Ort) und eine stark besiedelte Oase mit gelehrsamen Menschen. Heute sind die Menschen dort eher geschäftstüchtig: so aufdringlich wie in Atar und Chinguetti sind sonst nur marokkanische Berber, aber immerhin sind die Mauren höflicher. Es ist allerdings schon gut, die nach Geschenken wie Stiften bettelnden Kinder auf Arabisch anschnauzen zu können, dass man nicht ihr Onkel sei, der ihnen einfach so etwas verschenkt und  dass sie (bei allem Verständnis für Arme) überhaupt kein Recht haben, Geschenke zu erbetteln. Am lästigsten sind aber übrigens nicht die Kinder sondern die erwachsenen Frauen, die einen Nippes andrehen wollen: im Gegensatz zu fast allen anderen arabischen Ländern treten maurische Frauen nicht nur selbstbewusst sondern mitunter unverschämt und belästigend auf – dass sie völlig frei geschäftstätig sind, ist dann in Städten wie Chinguetti die Schattenseite der Emanzipation. Kennt man Marokko, findet man es schade, dass in Mauretanien die Männer so zurückhaltend sind und nur die Frauen so dreist ihre Angebote an den Touristen bringen wollen – denn umgekehrt wie in Marokko, fällt es leichter das Angebot auszuschlagen, da man einen unsympathischen, hackfressigen und nervigen Marokkaner viel lieber anschnauzt, dass man den Mist nicht braucht, als eine dauerlabernde aber freundlich lächelnde Mauretanierin…

Auf dem Rückweg fuhren wir noch in Atar weiter nach Azougui. Das ist eine weitere Oase, die historisch viel bedeutender als Terjit ist, da es sich um die Wiege der Almoraviden (Mourabitounes) handelt, doch mangels historischer Bauten und auch vergleichsweise weniger spektakulärer Landschaft, steht sie klar hinter Terjit zurück. Die baugleichen Rundhütten sind sehr viel weiter im sandigen und von Tafelbergen begrenzten Tal verteilt als in Terjit und die Berge sind auch viel weiter auseinander in Azougui.

Nachdem es am Vorabend Kamelfleisch-Tajine auf dem Campingplatz gab, gab es Baguette mit Marmelade zum Frühstück. Dann begannen wir unsere Rückreise nach Deutschland, die im oben [demnächst!] folgenden Bericht beschrieben wird.  
Statistik:
- Tageskilometer: 680 (So: 480km Auto, Mo: 200km Auto)
- Saisonkilometer: 43.160 (42.030 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W397VI: Mauretanien 6; ein Samstag in Nouakchott

ASC Medina 3 Nouakchott (مدينة ٣)
..................... 2:1 (1:1) ......................
------- Gangan FC (اف سي كنكن) -------
- Datum: Samstag, 8. März 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Division 2, Ligue Regionale de Nouakchott (d.h. 2. Mauretanische Fußballliga, 1. Amateurliga; Region Nouakchott)
- Ergebnis: 2-1 nach 99 Min. (47/52) – Halbzeit: 1-1
- Tore: 1-0 9. Nr. 13, 1-1 42. Nr. 8, 2-1 56. Nr. 4
- Verwarnungen: 2x Nr. 10, Nr. 7, 9, TW 30 (Medina 3); Nr. 4, 20 (Gangan)
- Platzverweise: Nr. 10 (Medina 3; 94. wg. Wiederholtem Foul); Nr. 5 (Gangan; 92. wg. Schiedsrichterbeleidigung)
- Spielort: Stade Cheikha Ould Boidiya [ملعب شيخا ولد بويديا ] (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 200 (darunter ca. 30 Gangan-Fans und 20 Medina 3 Fans)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Ordentliches Niveau, spannender Spielverlauf, besonders packende Schlussphase)

FC Nasr Nouakchott - (النصر انواكشوط)
..................... 3:0 (1:0) .......................
FC Noujoum Ain Takh -(نجوم عين تاخ)
- Datum: Samstag, 8. März 2014 – Anstoß: 15.00
- Wettbewerb: Division 2, Ligue Regionale de Nouakchott (d.h. 2. Mauretanische Fußballliga, 1. Amateurliga; Region Nouakchott)
- Ergebnis: 3-0 nach 94 Min. (45/49) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 30. Nr. 15, 2-0 60. Nr. 15, 3-0 85. Nr. 11
- Verwarnungen: Nr. 8, 15, 17 (Nasr); Nr. 3, 6 (Ain Takh)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Cheikha Ould Boidiya [ملعب شيخا ولد بويديا ] (Kap. 1.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 150 (darunter ca. 30 Ain Takh und 15 Nasr Fans)
- Unterhaltungswert: 6,0/10 (Ganz ansehnliches, aber recht einseitiges Spiel)
Photos with English and Arabic Commentary:
a) Football, Second Division at Cheikha O. B. Stadium, Nouakchott: Nasr 3:0 Noujoum Ain Takh, and Medina 3 2:1 Gangan FC
b) Western Mauritania: Nouadhibou, Nouakchott

Das war irgendwie ein typisch mauretanischer Samstag: Geldprobleme, Autoprobleme und am Abend ganz entspannt Fußball gucken…

Als wir morgens nach Rosso los wollten, war jedenfalls das Geld etwas knapp (die 200€ und 2.000 Dirham in bar heben wir sicherheitshalber zum Umtausch auf) und die Banken zu und deren Geldautomaten außer Betrieb. Der freundliche marokkanische Hotelmitarbeiter zeigte uns dann weitere Banken, die dritte hatte dann einen funktionierenden Automaten, doch der akzeptierte nur VISA. Also zum Auto zurück und die auf Seite gelegte DKB-VISA geholt und schrittweise 100€ (40.000 Ougiya) vom Konto geräumt – sollte reichen…

Das nächste Problem war dann überraschend aufgetreten; ein Blick auf den Reifen vorne rechts, eine Frage: „War das schon so und soll die Beule da so sein?“ Natürlich nicht, die Beule ist ein Karkassenschaden! Der Reifen hielt dem Hitze-, Fahrt-, Gepäckgewichts- und Schlaglochdruck nicht Stand. Und hinten rechts sah es auch nicht so gut aus. Aber an Austauschen war aus Kapazitäts- und Kostengründen noch nicht zu denken: also nehmen wir halt doch mal den einen Hinweis aus Fayzas letzter Mail „…und fahrt vorsichtig und nicht so schnell“ ernst – dann zerfetzt es den Reifen auch nicht bis ins an Werkstätten, Ersatzteilen und Dacia-Mechanikern reiche Marokko…

E-Mail ist dann das nächste Stichwort: das Internet im ansonsten sehr guten Hotel ging nur kurzzeitig, sodass ich die Mails lesen und beantworten konnte – dann kackte es ab. Die Stadt gibt auch nichts mehr her an Sehenswürdigkeiten, so dass es vier Stunden auf dem Zimmer rumhängen hieß, ehe wir uns zum Fußball im Cheikha Ould Boidiya Stadion aufmachten.
Nach der Odyssee wegen der Banken hatten wir die drei Stadien der Stadt abgefahren: am Olympiastadion waren Leichtathletiktraining und ein Wachmann, der sich sicher war, dass heute weder Fußball noch Rugby gespielt wird. Am Rigkiby- bzw. Rugby-Stadion war alles ausgestorben. Doch am Cheikha Ould Boidiya gab es Jugendtraining auf den beiden Nebenplätzen und einer der Trainer freute sich sehr über einen Deutschen, der ihn nach Fußballansetzungen fragte. Die Wänster umringten uns natürlich und glotzten neugierig, dass sich ihr Trainer Ibrahim mit einem Ausländer auf Arabisch unterhält…

Die Nebenplätze – einer Kunstrasen, der andere Lehm – sind ausbautenlose, enge Großfeldplätze. Der Hauptplatz ist ebenfalls ein recht kurzer Kunstrasen, doch der hat auf einer Längsseite eine schöne kleine Tribüne zu bieten: blaue und rote Schalensitze auf den Stufen der beiden Außensektoren, Stühle auf den Stufen des überdachten Mittelsektors. Die Flutlichtmasten sind klein und niedrig, die Stadionschilder rostig. Genial sind die beiden benachbarten Gebäude: links der Palast der Zentralverwaltung der Staatssicherheit Mauretaniens, rechts die Hütte des Fußballverbandes mit rundem Dach in Form und Muster eines Fußballs…

Trainer Ibrahim machte uns mit einem Betreuer von Nasr Nouakchott bekannt, der uns auf die Ehrentribüne lockte und besser Englisch als Arabisch sprach und auf Wolof, Arabisch und Französisch unablässig dazwischenrief. Seine Mannschaft bestritt das erste Spiel der beiden Zweitligapartien, die zusammen nur 0,25€ (100 UM) Eintritt kosteten. Der Gegner aus dem Vorort Ain Takh heißt zwar Noujoum (Sterne), aber wie Stars haben sie nicht gerade gespielt. Der Verein aus der Stadtmitte (Centre, Wasat), Nasr (Sieg), machte seinem Namen alle Ehre und drückte von der ersten Minute an auf die Führung. Kaum ein Konter, der Ain Takh entlastet hätte. Das Spiel war erfreulich flott, doch die Schüsse waren leider fast durchweg schlecht. Irgendwie landete aber ein Drehschuss nach einer halben Stunde im Tor von Noujoum. Kurz zuvor waren ein Kopfball an den Pfosten und ein Fallrückzieher an die Latte gegangen – danach gab es wieder so tolle Schussversuche wie „links unten anvisiert und 10m rechts oben am Tor vorbei gezimmert“…
Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild und mit zwei souverän heraus gespielte Treffern gelang Nasr Nouakchott ein überzeugender 3:0 Sieg.

Beim nächsten Spiel füllte sich das Stadion noch etwas stärker. Was bei den Zuschauern wieder auffiel, war dass Kinder zwar dumm glotzten ohne auch mal nur „hallo“ zu sagen, aber Erwachsene uns handschläglich grüßten, außerdem dass die meisten arabischen Mauretanier in klassischen, blauen Gewändern mit dunklem Kopfwickel (Turban mit Mundschutz) bzw. bunten Kleidern mit integriertem Kopftuch (Hijab meist ohne Mundschutz) kamen, während die Schwarzen Größtenteils sehr westliche Kleidung, teils sogar Dumme-Sprüche-Tshirts „Better Blowjob Than No Job“ trugen, und schließlich dass wieder wie beim Länderspiel einige Frauen und Mädchen alleine ins Stadion gingen und auch hier in Ruhe gelassen wurden, was wie gesagt in der ach so strengen Islamischen Republik problemlos geht, aber im angeblich moderneren und westlicheren Marokko nicht funktioniert.

Niedrige zweistellige Zahlen und keine Stimmung außer Zu- und Jubelrufen sind aber das Übliche in dieser höchsten Amateurspielklasse. Unter der zweigleisigen halbprofessionellen Division 1 (Nordwest/ Südost, letzte Saison war die Liga noch eingleisig) gibt es eine sich in sechs oder acht Staffel (die maximal drei Regionen oder Provinzen zusammenfassen) aufgliedernde Division 2, in Nouakchott und wenigen anderen Regionen hat sie noch Unterbau. Die Ligapyramide ist in Mauretanien jedoch erschreckend niedrig und der Aufstieg in die 1. Liga mit großen Schwierigkeiten verbunden: der FC Tidjikja wurde z.B. nach Nouakchott delegiert, da in Tidjikja kein Sportplatz mit den vorgeschriebenen Maßen oder Belägen (Rasen, Kunstrasen, Lehm) vorhanden, sondern nur ein kleiner Sandplatz da ist. Die Spiele von Zouerat sind meist in Atar, da der v.a. für Spiele der Regionalliga Adrar genutzte Ascheplatz im Bergbauort Zouerat im Gegensatz zum Lehmplatz in Atar nicht über asphaltierte Straßen erreichbar ist: ab Atar (440km bzw. 5 Stunden Asphaltstraße von Nouakchott) sind es 250km und damit 6 Stunden Piste.

Das 17-Uhr-Spiel machten die Vereine aus dem Vorort Gangan und der Stadtmitte Medina, Siedlung (Hay) 3. Die 3 ist wie gesagt eine Siedlung bzw. ein Häuserblock – und nicht etwa die 3. Mannschaft des Vereins. Auch hier zeigte sich schnell, wer spielerisch und athletisch besser drauf ist, doch der Spielverlauf sollte bis zum Schluss eng und spannend bleiben: Medina 3 ging schnell mit einem Flachschuss gegen die Laufrichtung des Gangan-Keepers in Führung, doch mit der zweiten Torgelegenheit glich Gangan FC vor dem Seitenwechsel glücklich aus. Nach der Pause beendete Medina 3 den kurzen Leerlauf mit einem 25m-Schuss unter die Latte, der wohl 10cm hinter der Linie aufsprang aber für Diskussionen sorgte. Die hitzige und packende Schlussphase hielt noch mehr Diskussionen parat, es setzte einige Karten, sodass die beiden Teams mit je 10 Mann die Partie beendeten. Da der Medina-Schlussmann zwei Mal glänzend reagierte und zwei Mal der Ball 10cm am Pfosten vorbei trudelte, blieb es trotz einer Druckphase von Gangan zum Ende der Partie hin – Gangan hatte aber auch bis zur 85. kaum eine Tormöglichkeit – beim 2:1 für die Association Sportive et Culturel Medina 3.
Statistik:
- Grounds: 1.083 (heute 1; diese Saison: 112 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.998 (heute: 2; diese Saison: 142)
- Tageskilometer: 30 (30km Auto)
- Saisonkilometer: 42.480 (41.350 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 10 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 397

W397V: Mauretanien 5; Zurück in die Hauptstadt


Photos with English and Arabic Commentary:
a) Tagant Region: Tidjikja, Moudjeria, Tagant Plateau
b) Western Mauritania: Nouakchott, Nouadhibou

Da weder Chinesen noch Kuwaiter es bisher hingekriegt haben, die Straße von Tidjikja nach Atar befahrbar zu machen (mit Allrad kommt man schon irgendwie durch und wären die unasphaltierten Passagen nicht so sandig, wären wir auch durchgefahren), fuhren wir den ganzen Weg von gestern wieder zurück. Tidjikja ist trotz Palmenoase und (geschliffenem) französischen Fort nicht sonderlich sehenswert. Als wir am Morgen dort hinein wollten, warnte uns die Nachbarin des Herbergsbesitzers vor Demonstrationen, bei denen es angeblich auch schon am frühen Morgen die ersten Schlägereien gab. Freitag ist eh der Tag der Kundgebungen, also entspannt zurück über Moudjeria und Sangrafa – in letztgenanntem Ort fanden wir auch endlich Brot, aber keinen vernünftigen Belag dafür, sodass zwei Fleischbüchsen aus meinen marokkanischen Beständen geöffnet werden mussten – und in der Savanne picknicken. Dort war es übrigens knapp 40 Grad, auch im Schatten der Bäume drückend heiß, und Viehtrieb gab es auch zu beobachten. Ziegen, Kamele, Rinder (auch welche mit großen Gabelhörnern), Esel, Maultiere – alles vorhanden! Ab und an endet auch mal ein solches Tier so wie das Kamel bei Sangrafa, das von einem LKW erfasst wurde: Tier tot am Straßenrand, LKW-Anhänger abgerissen und samt Zementsäcke an einem Busch, Fahrer unverletzt aber gestresst an der intakten Zugmaschine; für ihn wird es teuer wegen Anhänger und Kamel…

In Aleg fuhren wir noch am Fußballplatz vorbei, doch weder Fußball noch Boule wurde da gespielt. Es war einfach nichts los. An der Tankstelle dahinter tankte gerade der Türkische Rote Halbmond mit einem Konvoi auf dem Weg nach Mali alles leer. In derselben Straße wie der Sportplatz, ein ausbautenloser und hoch ummauerter Lehmplatz, fanden wir noch ein Sportgeschäft, dass u.a. Trikots der Nationalmannschaft verkaufte. Warum hinten die Nummer 2 draufgeflockt ist und warum das Teil lange Ärmel hat (vom Preis her und in Anbetracht der Ärmel, ist das wohl zweite Hand von der Frauennationalmannschaft übernommen) erschloss sich mir zwar nicht, aber dass auch noch eine farblich und größenmäßig zumindest zu 90% passende Hose (ich sagte ja schon, irgendwie ist das bestimmt alles zweite Hand von offizieller Stelle) für zusammen nur 4.000 UM (= 10€!) dabei war, ist einfach topp. Für 10€ habe ich das letzte Mal in San Marino ein Trikot der dortigen Nationalelf gekauft, aber da war keine Hose dabei und die Qualität keineswegs besser…

Auch in Boutilimit war der Großfeldplatz (genauso ein von Mauern umgebener, ausbautenloser Lehmplatz wie in Aleg) ungenutzt. Was ist das eigentlich für eine islamische Republik, in der mehr Spiele Samstag als Freitag ausgetragen werden?! Die Bolzplätze auf dem Weg nach Nouakchott waren auch erschreckend leer. Und man konnte nicht sagen, dass alle demonstrieren waren, denn nur in einem Ort gut 80km vor Nouakchott waren etwa 20 Schuljungen mit einem Protestbanner und Handzetteln unterwegs, die wir leider nicht mitnehmen konnten, da andere Verkehrsteilnehmer so drängelten. Leider scheint Sport in Mauretanien (v.a. in Dörfern und sehr kleinen Städten) nicht so einen Stellenwert wie z.B. in Marokko zu haben, wo die Sportplätze unablässig belegt sind. So viele ungenutzt in der Landschaft rumstehende Sportplätze habe ich jedenfalls das letzte Mal in unserem überalterten Deutschland gesehen…

So viel chaotisches Fahren wie abends in Nouakchott habe ich übrigens das letzte Mal in Algerien gesehen: wie in Algerien auch, fahren Mauretanier wenigstens erheblich sicherer und intelligenter als Marokkaner, aber keineswegs rücksichtsvoll. Ampel rot? Egal, ich hab trotzdem Vorfahrt! Die Penner vor mir fahren nur 30 zu zweit nebeneinander? Egal, einfach hupend über den sandigen Seitenstreifen rechts und dann scharf links an dem Eselskarren 50m davor vorbei und den Gegenverkehr zum Bremsen zwingen! Nicht die gewünschte Ware in dem Saftladen erhältlich sondern nur in dem Laden 300m zurück? Egal, ich denk ja gar nicht dran bis zur nächsten Kreuzung zu fahren und da zu wenden: einfach gegen die Fahrtrichtung auf dem Seitenstreifen bis zu dem anderen Laden fahren! Wieso ist der Blinker schon wieder kaputt? Egal, halt ich halt den Arm aus dem Fenster – ich biege eh so ab, dass ich lieber den Gegenverkehr behindere als die Abbiegespur zu blockieren…

Wir kamen gut am Hotel „Bema“, das uns beim Stadtrundgang am Mittwoch aufgefallen war, an. Für sehr europäisch teure 70€ gab es sehr große Doppelzimmer mit sehr gutem Bad, Klimatisierung, Kühlschrank, Glotze, Internet… Der schwarze Angestellte sprach zu meiner Überraschung hervorragendes Arabisch – die meisten Schwarzen in Mauretanien können kaum oder gar nicht Arabisch, sondern nur Wolof oder Fulbe und (ein bisschen oder fließend) Französisch – stellte sich aber auch als Marokkaner heraus. Das Essen im Hotelrestaurant war dann Spanisch, die Bedienung Senegalesisch. Der marokkanische Angestellte konnte sich dann nicht verkneifen, noch anzumerken, dass weder sie noch sein Kollege Arabisch können…  
Statistik:
- Tageskilometer: 620 (620km Auto)
- Saisonkilometer: 42.450 (41.320 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W397IV: Mauretanien 4; abwechslungsreiche Landschaften und schwierige Hotel- und Restaurantsuche in Zentral-Mauretanien


Photos with English and Arabic Commentary:
a) Tagant Region: Tidjikja, Moudjeria, Tagant Plateau
b) Western Mauritania: Nouakchott, Nouadhibou

Sehr zäh ging es durch den Berufsverkehr aus Nouakchott raus und durch die belästigenden Polizeikontrollen – auf 1.000km gibt man im Schnitt 20 Kopien seines Ausweises ab, da man mindestens 25 Mal an 30 Checkpoints gestoppt wird – blieb der Verkehr auch bis 50km vor Boutilimit zäh. In diesem staubigen Kaff tankten wir voll (wie üblich in Mauretanien gab es nur verbleites Benzin) und fuhren über die nicht uninteressante, aber recht stressig zu fahrende Route d’Espoir (Hoffnungsstraße), die nach über 1.500km von Nouakchott in den Mali führt und zwischen der Hauptstadt und Sangrafa, wo der Abzweig ins Tagant kommt, durch die Savanne führt: Dünen und Sand wie in der Wüste, aber viele Bäume und Büsche, dazwischen Viehherden und Hirten, sowie viele primitive Siedlungen die um Brunnen herum errichtet wurden.

Das erwähnte Tagant ist die Zentralprovinz Mauretaniens, eine heiße, staubige Hochebene vulkanischen Ursprungs (schwarzes Lavagestein ist hier viel zu finden) inmitten der Sandwüste mit ihren gelben, rötlichen oder gar weißen Dünen. Der erste interessante Ort ist Moudjeria, wo zwei große mehrgeschossige französische Bauten stehen. 1934 wurde der Ort von den Franzosen als Verwaltungsposten für das Tagant gegründet. Danach geht es einen herrlichen Pass hoch aufs eigentliche Plateau und durch die beschriebene Lavawüstenlandschaft gelangt man am Rande des Plateaus nach Tidjikja, die Provinzhauptstadt. Da dort die Polizei besonders lange kontrolliert, kamen wir erst kurz nach Einbruch der Dunkelheit im Ort an: Strom gibt es zwar, aber der reicht nicht für die Straßenbeleuchtung, was das Auffinden einer Herberge erschwert.

Nach etwas Herumfragen fanden wir die recht einfache Herberge „Tintenmel“ mit nettem Besitzer. Abdellah kümmert sich sehr gut um seine wenigen Gäste, bringt zur Begrüßung in die mit 10.000 UM (25€) zu teuren Spitzdachhütten Tee und grobkörnigen Couscous mit Kamelfleisch. Zusammen mit seinen Neffen organisierten wir noch belegte Baguettes und Getränke vom Markt: die beiden Jungs führten uns sicher durch die dunklen, sandigen Gassen. Wer da die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes im Kopf hat, macht sich wahrscheinlich ins Hemd, wenn zwei Jugendliche mit einer Taschenlampe einen quer durch einsame dunkle Gassen führen… aber die beiden wollten nicht mal ein Trinkgeld für ihre Hilfe!  
Statistik:
- Tageskilometer: 620 (620km Auto)
- Saisonkilometer: 41.830 (40.700 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)

W397III: Mauretanien 3; Stadtrundgang, Länderpunkt, Platzsturm und die halbe Herberge „Sahara“ im Stadion

Islamische Republik Mauretanien
---- (الجمهورية الإسلامية الموريتانية) -----
..................... 1:1 (1:0) ....................
----------- Republik Niger -----------
------ (République du Niger) -------
- Datum: Mittwoch, 5. März 2014 – Anstoß: 17.00
- Wettbewerb: Testspiel im Vorfeld der Qualifikationsrunden zur Afrikameisterschaft 2015
- Ergebnis: 1-1 nach 98 Min. (46/52) – Halbzeit: 1-0
- Tore: 1-0 2. Abdulaye Boureima (Eigentor auf Vorlage von Da Silva), 1-1 86. Souleymane Diallo
- Verwarnungen: Da Silva, Nr. ? (RIM); Nr. 11, 12, 16 (NIG)
- Platzverweise: keine
- Spielort: Stade Olympique du Nouakchott [ملعب أولمبي (نواكشوط)] (Kap. 20.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 17.000 (darunter ca. 30 Nigerer und 20 andere Ausländer)
- Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gutes und spannendes Spiel, wobei Mauretanien mehr als das Unentschieden verdient gehabt hätte)  
Photos with English and Arabic Commentary:
a) International Friendly Match: MAURITANIA vs NIGER (OLYMPIC STADIUM NOUAKCHOTT)
b) Western-Mauritania: Nouadhibou, Nouakchott

Spätes Aufstehen, spätes Frühstück (in der Herberge leider viel schlechter als in den Restaurants) – eigentlich gar nicht unsere Art, aber was soll man vor einem Länderspiel in Nouakchott auch groß machen. Strand und Hafen hatten wir am Vortag gesehen und für einen Rundgang durch die Innenstadt braucht man zwei Stunden, wenn man gezielt etwas kaufen will (und von den blauen traditionellen Männergewändern über gebrauchte Handys bis chinesisches Porzellan gibt es natürlich viel zu kaufen) maximal vier Stunden. Die mauretanische Hauptstadt ist städtebaulich nun mal schon Schwarzafrika: hässliche Betonhäuser und Wellblechhütten wechseln sich mit schicken Villen, die aber fast alle nicht fotografiert werden dürfen da dort Botschaften, Ministerien oder Privatgrundstücke der Mächtigen des Landes untergebracht sind, ab. Die Straßen sind dreckig und staubig, die Leute grüßen ab und an mal – teils aus Gastfreundschaft und Freude über ausländischen Besuch und ohne Hintergedanken, teils um inoffizielle Geschäfte (Geldwechsel, Andenkenverkauf, oder gar Autoschieberei) anzubieten.

Wir fuhren zum Stadion, wo die Kassen bereits geöffnet hatten. Es ging erstaunlich geordnet ab und da der Andrang um 12 Uhr noch gering war, hatte ich bereits nach drei Minuten Karten. Ich nahm die zweitbilligste Kategorie: pervers, dass pro Karte (Haupttribüne außen) 5€ zu zahlen waren. Für uns ein Leichtes, in Mauretanien nur den besseren Schichten vorbehalten. Die Karten für 3.000 (Haupttribüne Mitte) und 10.000 Ougiya (VIP-Loge) - d.h. 7,50€ bzw. 25€! - nahmen sich natürlich nur die richtig Reichen. Das Stadion sollte dennoch voll werden und das nicht nur auf den billigen Plätzen für 1,25€ (500 UM).

Wir verbrachten die Zeit bis Stadionöffnung dann vorm langsamen Internet in der Herberge und dem guten italienischen Essen in einem Restaurant in Stadionnähe. So ein Typ wie der ansonsten nette Kellner ärgert mich aber schon etwas: der Senegalese war natürlich Muslim, kann aber kein Arabisch. Ich bin kein Muslim, kann aber besser Arabisch als viele dieser angeblich Rechtgläubigen… Aber mit meinen schlechten Französischkenntnissen, ist Essenbestellen auch nie ganz leicht…  
Am Stadiontor bildeten sich Schlangen, aber die Mauretanier standen disziplinierter als in Europa an. Einer nach dem anderen, nur nicht jeder am richtigen (nach Kartenkategorien getrennten) Eingang – aber auch das wurde schnell (und erstaunlich gelassen) gelöst. Die Kontrollen waren lasch, wir wurden nur freundlich begrüßt obwohl klar war, dass wir keine Offiziellen sind. Das Merchandising war leider etwas dürftig. Viele hatten Trikots, ein paar Leute Basecaps und Seidenschals von Mauretanien, aber wir bekamen nur eine Flagge (1,20x0,80m + 1,20m Flaggstock) für 5€ ab.

Die Getränke waren nicht so extrem teuer: 0,75l Limo (umgefüllt in Wasserflaschen in einer Kühlbox gelagert und von einer Schwarzen verkauft, die selbst Französisch nicht gut konnte) für 1,25€. Einige der Flaschen flogen auch mal nach der Polizei, wenn es Streitereien gab, aber ansonsten ging es recht friedlich zu im weiten Rund. Die gut 17.000 Zuschauer feierten mit den Nigrern ein sehenswertes Spiel ab, aber feuerten nicht besonders viel an. Die anderen Ausländer außer uns gingen nicht mal beim frühen Führungstreffer mit. Unter den Ausländern waren neben uns Deutschen auch mehrere (bestimmt in Nouakchott arbeitende) Chinesen sowie die halbe Herberge „Sahara“: die italienischen Offroadjungs und die französische Familie mit dem Campingwagen waren in Begleitung eines mauretanischen Angestellten zum internationalen Testspiel zwischen Mauretanien und dem Niger gekommen.

Die einheimischen Fans waren noch interessanter zu beobachten; v.a. die ganz vernünftigen aber verdächtig vermummten traditionell gekleideten Mauren (blaues Gewand, Turban mit Mundschleier), die bunt gekleideten Schwarzafrikaner, der eine Araber mit Cowboyhut, Sonnenbrille und Krombacher-Nationalelf-Shirt, die Frauen mit bunten Gewändern und mehr oder weniger strengem Schleier (selbst im Niqab, also sackförmigem Gewand mit Gesichtsschleier der nur die Augen freilässt, gingen manche noch Fußball gucken) bzw. völlig europäischer Mode mit viel Schminke, teuren Schuhen und bunten Haaren. Und letztere wurden nicht blöd angeglotzt wie das in Marokko fast überall passieren würde. Auch im angeblich so westlichen oder modernen Marokko, wo keine Frau alleine ins Stadion geht, undenkbar: kommentarlos setzten sich alleine zum Spiel gekommene Frauen unter die Pulks von ihnen unbekannten männlichen Fans – und das in der angeblich so rückständigen und strengen Islamischen Republik Mauretanien…

Das Spiel fing wie gesagt mit einer frühen Führung der Mauretanier, genannt „Mourabitounes“ (d.h. Bewohner der Wehrdörfer, Anspielung an die Almohaden-Dynastie aus dem heutigen Mauretanien, die u.a. Marokko regierte) an: Sturmlauf über rechts, Flanke und in der Mitte stolpert einer der Gästeverteidiger den Ball ins eigene Tor zum 1:0 nach 60 Sekunden. Die Nigrer (genannt Mena, was in der Hausa-Sprache „Dama Gazelle“ oder „Mhorr Gazelle“ heißt, die es außer wiederangesiedelt in Marokko, in freier Wildbahn nur noch in Tschad, Mali und v.a. eben Niger gibt) liefen dem Rückstand ewig hinterher, waren absolut gleichwertig aber trafen nicht, da Mauretanien überraschend gut in der Abwehr stand und auch die Gäste überraschend wenig kommen ließ, da sie so offensiv eingestellt waren. Nach der Pause waren die Mauretanier sogar die deutlich aktivere und bessere Mannschaft, doch nachdem ihnen ein Abseitstor zu Unrecht von dem senegalesischen Arschloch mit der Fahne aberkannt wurde, kassierten sie per Kopfball flach ins Eck den Ausgleich. Nach einer weiteren Chance für den Niger und mehreren guten Gelegenheiten für Mauretanien wurde das Spiel nach sieben Minuten Nachspielzeit abgepfiffen. Schade, dass es nicht noch das 2:1 für Mauretanien gab! Einige ärgerte dieser Umstand übrigens so, dass sie pöbelnd aufs Feld liefen und die Polizei deshalb mit Schlagstöcken und Ledergürteln herumfuchtelte. Etliche Jugendliche liefen daraufhin nur als Mutprobe, lachend und grölend auf den Platz und quer durch das Stadion auf die andere Tribünenseite.

Das Stadion ist übrigens das größte und modernste des Landes, wobei der Kunstrasen schon etwas gelitten hat und die Nebenplätze alles andere als modern sind: ausbautenlose Lehmplätze für Fußball und Rugby. Die Haupttribüne ist komplett überdacht und bietet 8.000 Leuten in vier Sektoren Platz. Die verglasten VIP- und Presselogen wirken modern, die verrosteten Lautsprecher und Flutlichtmasten eher nicht… Die Gegentribüne ist unüberdacht und symmetrisch und für 12.000 Leute gedacht. Hinter den Toren sind Arkaden angedeutet aber nicht sehr gelungen, Zuschauerkapazitäten sind dort nicht, jedoch steht die riesige Anzeigetafel auf dem einen Umgang. Dass sie in China gefertigt wurde, war deutlich zu erkennen: die Analog-Uhr stand, die Digitaluhr funktionierte nicht und mit Müh und Not und Streifen auf dem Display zeigte sie den Spielstand zwischen „R.I.M“ und „Niger“ an…

Nach dem Spiel gingen wir noch mal im libanesischen Restaurant „Rotanna“ essen. Auch hier war die Anzahl der Ausländer mal wieder verwunderlich: erstmals habe ich auch Briten gesehen und überhaupt; nach Mauretanien reisen ja viel mehr Leute als nach Algerien, was ich so nicht gedacht hätte! Beim Verlassen des Restaurants grüßte mich noch ein voll mit Trikot und Mütze ausgestatteter mauretanischer Fan, da ich ja immer noch die Flagge seines Landes in der Hand hatte und mich so als Spielbesucher zu erkennen gab…  

Statistik:
- Grounds: 1.082 (heute 1; diese Saison: 111 neue)
- Sportveranstaltungen: 1.996 (heute: 1; diese Saison: 140)
- Tageskilometer: 20 (20km Auto)
- Saisonkilometer: 41.210 (40.080 Auto/ 1.080 Fahrrad/ 40 Schiff, Fähre/ 10 öffentliche Verkehrsmittel/ 0 Flugzeug)
- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 8 [letzte Serie: 2, Rekordserie: 178]
- Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 397