Morski Klub Sportowy Pogoń Szczecin |
1 : 0 (1:0) |
Morski Związkowy Klub Sportowy Arka Gdynia |
- Datum: Sonntag, 15. Februar 2026 – Beginn: 14.45 - Tor: 1-0 5. Mukairu - Verwarnungen: Pozo, Acosta, Mendy (Stettin); Navarro, Gaprindashvili, Jakupczyk, Abramowicz (Gdingen) - Platzverweise: keine - Austragungsort: Stadion Miejski im. Floriana Krygiera (Kap. 21.163 Sitzplätze) |
King Wilki Morskie Szczecin |
84 : 74 (38:29) |
Włocławskie Towarzystwo Koszykówki Anwil Włocławek |
- Datum: Samstag, 14. Februar 2026 – Beginn: 17.30 - Statistiken: siehe Website der PLK - Austragungsort: Arena Szczecin (sog. Enea Arena; Kap. 5.055 Sitzplätze) |
Photos with English commentary: |
Beryls Schwester kennt einen länger in Kenia aufhältigen Polen aus Gdańsk (Danzig), sodass sie mal ins Spiel brachte, nach Polen zu fahren. Dass meine Freundin - anders als der Pole in Kenia - als Kenianerin in Polen im Allgemeinen nicht willkommen ist, war ihr und uns im Vorfeld bewusst. Danzig war ohnehin zu weit, aber da ich seit 2009 nicht mehr Pogoń gesehen hatte und 2020 zuletzt in Stettin und überhaupt in Polen war, schlug ich einen Besuch in Szczecin vor. Da die Warschauer Allee (A2) mal wieder durch einen - natürlich von Polen verursachten - Unfall gesperrt war, fuhren wir über die Bundesstraßen via Stendal und Nauen auf die Autobahnen um Berlin herum und dann durch Ucker- und Oderbruch via Pomellen nach Szczecin. Der polnische Grenzschutz ließ uns unkontrolliert passieren. Bei einer ING in Gumience (Stettin-Scheune) hob ich 450 Złoty ab, da die polnischen “Goldstücke” komplett alle waren und man auch im städtischen Stettin nicht immer alles mit Karte bezahlen kann. Da ich als erfahrener Reisender die Option “Belastung in Złoty” wählte, wurden mir nur die regulären 111€ vom DKB-Konto abgezogen - die Idioten von der ING haben natürlich erstmal vorgeschlagen, das Konto in Euro zu belasten; das wären aber 124€ oder so gewesen. Eine üble Touristenabzocke! |
Keinerlei Abzocke hingegen in der Innenstadt: Samstag und Sonntag ist das Parken auf allen öffentlichen Parkplätzen und Straßen kostenlos, auch da, wo von Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr (auch noch recht zivilisierte Zeiträume!) mindestens 1,20€ die Stunde fällig werden. Falschparken wird übrigens seit Kurzem - wie alle Verkehrsverstöße - zunehmend teuer sanktioniert: Da sind schnell mal 50€ (Euro, nicht Złoty) weg! Wir parkten also kostenlos am Neuen (Roten) Rathaus, oberhalb des Polenmarktes “Tobruk” - ich habe leider nicht herausgefunden, warum der Markt scheinbar nach einer Hafenstadt in Libyen heißt. Besichtigungspunkte waren der Heumarkt (Rynek), das Schloss und die Kathedrale, sowie dazwischenliegende Straßenzüge. In einem Café in einem ehemaligen Stadttor gingen wir bei gutem und freundlichen Service (aber entsprechend hohen Preisen) Essen und Tee trinken. Hier waren auch mal noch andere außereuropäische Ausländer zu sehen und die Bedienung wollte gleich auf mein holpriges Polnisch mit gutem Englisch helfen. Sonst war leider bezeichnend, dass Polen mehrfach (wie erwartet) unfreundlich auftraten. Im Supermarkt hatte ich stärker als sonst den Eindruck, eine Zumutung für die Mitarbeiter zu sein, nur weil wir ganz normal einkaufen und zahlen wollen (die sind ja sonst auch immer faul, unwillig und unhöflich, aber heute fiel es noch schlimmer auf) und ein Polacke laberte im Vorbeigehen am Heumarkt auch was mit “Neger”. Jedenfalls verstand Beryl, warum ich mich vorher schon negativ über Slawen, v.a. Russen, Polen und Tschechen geäußert habe. Leider glaubt sie mir nun nicht mehr, dass sich eine Tour nach Jugoslawien trotzdem lohnt und will nun lieber mal nach Schweden. Na gut, mal schauen, ob die paar Tage, an denen sich unser Jahresurlaub überschneidet, wirklich mit einer solchen Tour nach Schweden genutzt wird oder vielleicht doch Slowenien/Kroatien… |
Beim Basketball in der Arena Szczecin, einem modernen und architektonisch ganz ansprechenden Oval mit Multifunktionsfläche und Fraktalarchitektur im Eingangsbereich, hatten wir für 12€ ganz gute Karten gegenüber des Fanblocks “Wataha” (Rudel). Wie auch in Rostock, heißt der Club “Seewölfe” (also in Rostock “Seawolves” und in Stettin “Wilki Morskie”) und spielt mit dem Logo und Namen auf Wölfe von der Küste an, obwohl der Seawolf bzw. Seewolf tatsächlich ein Beiname des Orca bzw. der Trivialname der sehr hässlichen aalartigen Anarhichadidae ist. Das Spiel war ganz gut, die Stimmung keineswegs besser als in der BBL. Dafür, dass Wilki Morskie Szczecin Tabellenführer ist und 2023 Meister und Supercupsieger war, ist auch ein Besuch von nicht mal 3.000 Zuschauern in etwas mehr als halbvoller Halle schwach. Stettin ist halt keine Basketballstadt und der Club noch nicht sonderlich etabliert. Eine Busladung, die jedoch kaum zu vernehmen war, kam auch aus der südlich von Danzig liegenden Mittelstadt namens Włocławek angefahren. Ganz kurios war das Namenssponsoring: Der Zigarettengroßhandel “King” sponsert die Stettiner, die Gäste werden wiederum gesponsert von “Anwil”, einer Orlen-Tochter die u.a. Düngemittel herstellt. Industrie ist ja OK, aber Kippen beim Profisport - meine Fresse! In einem ausgeglichenen ersten Viertel gelang Stettin ein Dreier mit dem letzten Wurf zum 20:17. In den folgenden Vierteln bauten sie ihren Vorsprung aus bzw. hielten ihn auf am Ende 10 Punkte und einem 84:74. Nicht schlecht, der Besuch beim Basketball hat sich auf jeden Fall gelohnt! Beim Einkauf in der Mall wurde dann bei Kartenzahlung auch überall versucht, durch Umrechnung Geld zu machen. Eigentlich wollte ich eh bar zahlen, doch das ging nur im Action, wo Beryl u.a. Küchenmesser fand, die - typisch für Osteuropa - mit “deutscher Qualität” werben, aber irgendwo klein einen Aufdruck “Made in China” besitzen... Bei Carrefour waren dann nur zwei von den 10 oder 12 normalen Kassen besetzt und gerade mit dumm aus der Wäsche guckenden Trullas, die einen Fehler oder Reklamationen beheben mussten und jedem folgenden Kunden klarmachten, weiterzugehen, bemannt. Da Polen sich ja um die Digitalisierung rühmt, gibt es zahlreiche Selbstbedienungskassen. Manche können mit Bargeld, die meisten nur mit Karte bedient werden. Wir mussten natürlich an eine nur mit Kartenzahlung, wo ich wieder extra drücken musste, um nicht 10 % mehr zu bezahlen durch Umrechnung. Drei Mal musste vor Bezahlung eine unfreundliche Tante angewackelt kommen, die mit einem Chip einen Fehler zurücksetzte, damit ich weiter den Einkauf Scannen kann. Es lag nicht an uns, denn die Alte gondelte mit langgezogener Fresse von einer SB-Kasse zur nächsten, da ständig überall irgendwo “Fehler” aufleuchtete. Im Übrigen war die Checkout-Seite nach zuvor verständlicher (aber nicht durchweg korrekter) deutscher Übersetzung nur noch auf Polnisch, was ich zum Glück halbwegs verstand. Also bei Digitalisierung brauchen die auch nicht so zu tönen da in Polen… Im Appartementblock in der Południowa 23 funktionierte die Hauseingangstür auch erst nach Handanlegen von einem polnischen Monteur. Immerhin funktionierte dann der Türcode zum für den Preis guten Appartement… |
Sonntag gingen wir in zwei Orten spazieren, die ich auch noch nicht besucht hatte. Zuerst im Dorf Moczyły an der zugefrorenen Oder, wo es einige kleine Kunstwerke und eine in der Volksrepublik verfallene Kirche gibt. Das würde heute eher nicht mehr passieren. Unter der PiS wurde der Einfluss der Katholen noch mal stärker, sodass nun seit einigen Jahren auch wie in Deutschland die Supermärkte Sonntag schließen müssen. Für ein kleines, überaltertes polnisches Dorf sah das doch recht gepflegt aus, Beryl fand es aber ebenso wie die Stadt Stettin so unattraktiv, dass sie nicht nachvollziehen konnte, dass Deutsche nach Polen ziehen. Bei allem Gelaber sind es aber eh nur einzelne Verwirrte und Menschen mit entsprechenden Wurzeln, die von DE nach PL ziehen. Punkt zwei war der Arkonia-Wald mit dem höchsten Hügel Stettins, auf dem die Ruine eines deutschen Aussichtsturms steht. Dort ballerten gerade Kinder mit Plastekugeln aus Anscheinswaffen herum. Normale Freizeitbeschäftigung halt, es wird schon mal geübt, falls die Russen wieder einfallen… Ebenfalls in Ruinen ein nahegelegenes Forsthaus (Eckerberg). Teils waren entsprechende Tafeln angebracht, teils suchte ich uns historische Fotos aus dem Internet heraus, um ihr zu zeigen, wie diese Trümmer im Wald vor dem Krieg aussahen. |
Dann den gewünschten Parkplatz in der Wojciecha Korfankiego Ecke Henryka Sinkiewicza bekommen und das Stück zu Fuß zum Stadion. Eingang für den Heimbereich ist in der Mieczysława Karłowicza, auch für die Haupttribüne und VIP. Wir hatten für 22€ gute Plätze im unteren Bereich der Haupttribüne. Auch auf die schwache polnische Kaufkraft gerechnet - bis auf IT-Sektor verdient man in PL nur etwas mehr als halb so viel wie in Deutschland - ist das preislich OK. Ich finde es auch schön, dass Spiele vor niedrig vierstelligen Zuschauerzahlen in der Ekstraklasa der Vergangenheit angehören; so waren auch hier über 16.000 Plätze belegt und aufgrund der Sektorensperrungen hätte man wohl auch nur 17.500 Karten bekommen (abzüglich 1.500 Gästekarten, die wohl zur Hälfte weggingen). Aber eigentlich muss man sagen, dass die 22€ in diesem mittlerweile baulich verhunzten Florian-Krygier-Stadion noch zu viel sind. Abstiegskampf in der 1. polnischen Liga ist ja maximal deutsches Drittliganiveau. International reißt sowieso kein Polenclub irgendwas auch nur ansatzweise. Dass Mannschaften wie Pogoń oder Arka als Erstligisten (13. gegen 16. von 18) zur Spitze im Fußball eines so bevölkerungsreichen europäischen Landes zählen und dann so ein Niveau haben, ist schon richtig schwach. Die Zusammenfassung des Spiels sagt eigentlich alles. Zum Glück traf einer von neun Ausländern der Startelf (!), der Nigerianer Mukairu, schon nach fünf Minuten mit seinem fünften Saisontor. Von den Polacken brachte ja keiner was zustande, also musste es wieder ein drittklassiger Afrikaner, der in Dänemark kein Bein auf den Boden bekam und für seine Heimatnationalmannschaft nie in Frage käme, richten… Außer in den jeweiligen Fanblocks kam kaum Stimmung auf. Immer wieder wurden Bandansagen eingespielt, da u.a. judenfeindliche Gesänge von der ganzen Kurve kamen. Laut Springerpresse fühlen sich Juden in Osteuropa ja total wohl, da es im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich kaum Muslime in z. B. Polen gibt - wird in diesen Artikeln nur nie erwähnt, wie die Stimmung bei den Slawen so gegenüber den Juden ist… Mittlerweile werden übrigens auch Bandansagen eingespielt, wenn Pyro brennt. Die Choreo nach der Pause samt doppelter Pyroeinlage war schon schön anzusehen. Alles auch sehr kontrolliert! Allerdings finde ich es traurig, dass die polnisch-deutsche Fanverbindung zwischen Pogoń Szczecin und dem Berliner FC Dynamo existiert. Irgendwie ist mir der Verein aus Stettin ja doch sympathisch - und dann arbeiten dessen Hools und Ultras mit der weinrot-weißen ostberliner Scheiße zusammen, diesem dreckigen Schiebermeister. Ich fürchte, da waren wieder die Neonazi-Connections ausschlaggebend - denn politisch passen beide Szenen super zusammen. Dennoch war auch für Beryl der Stadionbesuch interessant und angenehm. Wir hatten ja vernünftige Plätze. Insgesamt war aber der Eindruck von Polen für sie so negativ, dass sie keine Lust auf eine Wiederholung hat. Ich wusste nach dem Kick von Pogoń halt auch wieder, warum ich mich in den letzten Jahren kaum noch in Polen oder Tschechien aufgehalten habe. Es ist dürftig, auf welchem Niveau da Profifußball gespielt wird - und in Deutschland kann man auch bei vielen Profispielen Pyro und Randale haben, wenn man da Bock drauf hat. Also wozu (regelmäßig) nach Polen, wenn man nicht grenznah wohnt? Bevor der Heimweg richtig angetreten wurde, tankte ich natürlich noch voll. 1,50€ der Liter - und zwar Premiumdiesel mit Additiven, also nur etwa 80% der Preise in Deutschland… |
Statistik: - Grounds: 3.944 (Sa 1; diese Saison: 102 neue) - Sportveranstaltungen: 5.575 (Sa 1, So 1; diese Saison: 149) - Tourkilometer: 750 km Auto (Sa 350, So 400) - Saisonkilometer: 48.190 (27.100 Flugzeug / 19.170 Auto, davon 5.330 Mietwagen/ 1.920 Fahrrad/ 0 Bus, Bahn, Straßenbahn/ 0 Schiff, Fähre) - Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 70 [letzte Serie: 57, Rekordserie ohne 0-0: 178] - Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 2 des Jahres 2021 (04.-10.01.), d.h. seit 268 Wochen in Folge [letzte Serie: 30 Wochen von KW22/2020-51/2020; Rekordserie: 711 Wochen von KW 31/2006 bis KW 11/2020] |
Mittwoch, 18. Februar 2026
Montag, 6. April 2009
WE140I: Tagesausflug nach Stettin; Futsal und Fußball
Früh aufstehen, früh frühstücken - wie immer eigentlich. Diesmal begaben sich mein Vater und ich auf einen Tagesausflug nach Szczecin von Rostock aus. Die Autobahn von Rostock nach Szczecin ist fast komplett in sehr gutem Zustand und frei von Geschwindigkeitsbeschränkungen. Da konnte ich also mal ausprobieren, wie der Mietwagen Opel Vectra Kombi ins Flattern gerät, wenn man die Kurve bei 220 nimmt... Oder auch, wie er ausschwenkt, wenn man in einem der dreispurigen Stettiner Kreisverkehre wild rüberzieht, um noch vor dem Lkw rechts daneben die Ausfahrt zu erwischen. Der erste Besichtigungspunkt in Szczecin war der enorm große Zentralfriedhof. Da hätte man stundenlang rumlaufen können, bis mal alles gesehen hätte, doch das Westportal, die Kapelle und die Windmühle - leider ohne Flügel - sind die drei Hauptsehenswürdigkeiten dort. Weiter ging es durch den chaotischen Stadtverkehr gen nördliches Zentrum. Dort fotografierte ich das neue Rathaus. Im angrenzenden Park mit dem überlebensgroßen Denkmal für Johannes Paul II. war reger Betrieb ob dem schönen Wetter.
Weiter nach Norden. In den nördlichen Nachbargemeinden war freie Fahrt: die 50km/h-Zonen in den Straßendörfern wurden von allen Fahrern als 80- oder 100er-Zonen ausgelegt. Wir kamen so noch rechtzeitig vorm Spiel in Police an. KP Chemik Police war Gastgeber in der Drittligapartie 16. gegen 9. (von 18). Zu Gast: Zagłębie Sosnowiec. Fantechnisch ist dieses Spiel normalerweise ruhig, da Pogoń genauso wie Zagłębie eine Fanfreundschaft mit Legia Warszawa pflegt. Bepöbelt haben sich die beiden Gruppen trotzdem und wären nicht so viele Polizisten da gewesen, hätte es bestimmt Stress gegeben. Natürlich waren etliche interessante Zuschauertypen da: an der Kasse stand z.B. ein Hool mit festem Schuhwerk, Tarnhose, Pogoń Szczecin Kapuzenshirt und Schal vorm Mund vor uns. Als ich mich bei Ankunft der Gäste in einen Pulk von Fans stellte, die offensichtlich auf Stress aus waren, bemerkte ich ua. einen kahlköpfigen Schlägertypen, der auf dem Unterarm etwas Arabisches eintätowiert hatte. Bis kurz nach Anpfiff waren etwa 1.000 Zuschauer im Stadion, doch als sich die 40 Gästefans im Gästesektor kurz vor der Halbzeit - warum auch immer - geschlossen in den Bus setzten (sie hatten bis dahin nur einen Sprechchor zustande gekriegt), leerte sich die Hütte. Die Polizei brachte sich schon mit Hunden und Gewehren mit Gummimunition in Stellung, doch die vermummten Milizionäre mussten nicht eingreifen. Einige der Pogoń-Fans kamen auch wieder zurück und sahen sich dann auch die zweite Halbzeit an. Die erste Halbzeit war ja torlos geblieben, allerdings nicht unbedingt langweilig verlaufen. Aber das Spiel war doch wirklich nicht mehr als Durchschnitt. Was überdurchschnittlich war, waren die Chancen für Sosnowiec: aber sie vergaben sie alle. Die deutlich schwächere Mannschaft - Chemik Police - erzielte erst einen Abseitstreffer und dann drei Minuten später den entscheidenden regulären Treffer.
Wir bewegten uns dann zügig aus dem wirklich schönen Stadion dieser wirklich hässlichen Kleinstadt Police heraus und fuhren wieder nach Szczecin hinein. Mit einmal verfahren schafften wir es zum hervorragenden niederländischen Restaurant am Heumarkt (Altes Rathaus unterhalb des Schlosses). Diese Prunkstücke der Altstadt sahen wir uns - wir kennen sie natürlich schon längst ausführlich - nur im Vorbeigehen an. Auch die Kathedrale sahen wir nur im Vorbeigehen, doch es entging uns nicht, dass eine neue Turmhaube darauf gebaut wurde. Nach den Pfannekuchen mit Schinken, Zwiebeln, Lauch, Käse und Paprikasoße, leitete mich mein Vater weiter per Karte durch den hektischen, aber erstaunlich zügigen Verkehr. Selbst in der City kann man streckenweise 70 fahren. Die Sportanlagen von Pogoń sind recht gut auffindbar. Diesmal suchten wir allerdings nicht gleich das Stadion auf, sondern gingen erst einmal in die Betonverkleidete Halle mit den schönen, sozialistischen Mosaiken. Dort fand - bei freiem Eintritt - ein Spiel der höchsten polnischen Futsal Liga statt. Futsal - kurz fürs portugiesische futebol de salão oder dem spanischen fútbol sala ist eine Variante des Hallenfußballs die auf einem Handballfeld mit Handballtoren ausgetragen wird. Dass Futsal in Polen recht interessant ist und um ein Vielfaches sehenswerter als Hallenfußball in Deutschland, stellten wir schnell fest. Vorm Spiel wurden wir erst einmal von einem netten Mädchen von einer der Tanzgruppen, das für Pogon Parfüm in der Halle verkauft, angesprochen. Dass sie ordentliche Gymnasialbildung erhalten hat, zeigte sie übrigens damit, dass sie uns ihr Anliegen aus dem Stehgreif in gut verständlichem Deutsch darlegen konnte - doch eher die Ausnahme in Polen -, dann gab es eine qualitativ hochwertige Darbietung von Cheerleadern - dass so etwas neben dem optischen Wert auch sportlichen Wert hat, ist ja bei weitem nicht immer der Fall - dann beim Einmarsch der beiden Teams - 9. gegen 8. von 12. - wurde die Spielfläche erst einmal mit Kassenrollen zugemüllt und dann machten einige der jungen Ultras doch recht ausdauernd Lärm. Noch mehr als von der Atmosphäre war dieser Besuch allerdings von der spielerischen Qualität her lohnend. Hervorragende technische Feinheiten: geniale Pässe, Hackentricks, mit der Sohle stoppen, mitnehmen und dann ein feiner Heber zum Mitspieler. Auch spektakuläre Fouls und waghalsige Aktionen des Stettiner Torwarts wie mit dem Kopf in Hüfthöhe den Ball vor dem Strafraum vorm anrennenden Gästespieler wegköpfen will, der daraufhin über die Hüfte des Torwarts fliegt. Und Tore gab es natürlich auch noch. Pogon Szczecin war den Gaszynscy überraschenderweise in allen Belangen klar überlegen. Das 6:1 also nur gerecht.
Keine Tore gab es dann im Stadion von Pogon. Dort kamen wir gerade noch rechtszeitig zum Einmarsch der Mannschaften - auch dort wurde fleißig mit Kassenrollen geworfen - auf unsere Plätze im überdachten Sektor 5. Die besten Plätze neben Sektor 4! Aber dann solche tollen Kommentare wie „Immer und überall: wir ficken die Polizei!“ von meinem Sitznachbar. Der brachte auch die genialen Bemerkungen gegen die Gästefans mit ihren Sprechchören: „Tychy gól!“ - „Schwanz in den Arsch*!“ - „Tychy gól! - „Schwanz noch mal in den Arsch!“ woraufhin die ganze Tribüne einen anderen derben Sprechchor anstimmte. (*wörtlich von „chuj w dupe“ - man würde in Deutschland wohl eher „fick(t) dich/ euch“ sagen). Mit solchen Leuten um einen herum, legt man sich natürlich auch selbst ordentlich ins Zeug - soweit man die Texte kennt - die Stettiner anzufeuern bzw. die Gäste, Polizei und Verbandsleute zu belappen. In der Kurve war natürlich noch mehr Action: vor allem in der 30. Minute als erst die weinrot-marineblau Überziehfahne mit goldenem Vereinswappen und -schriftzug hochgezogen, dann Flaggen und Doppelhalter in den gleichen Farben mit gelben und weißen Pluszeichen bzw. Vereinswappen entrollt und schließlich dazu dutzende rote Bengalfackeln und zwei orange Rauchbomben entzündet wurden. Natürlich kein Gewimmer vom Stadionsprecher, keine Spielunterbrechung vom verängstigten Schiedsrichter. Applaus von den Fans auf Haupt- und Gegentribüne für die Einlage in der Kurve. Drei in Deutschland leider undenkbare Dinge, die in Polen dann doch positiv auffallen. Bei diesem Spiel fiel allerdings eine Sache negativ auf; nämlich die, dass Pogon trotz Feldüberlegenheit und zweitem Tabellenplatz kaum etwas zu Wege brachte. Chancen hatten sie vor allem in der Mitte bis zum Ende der zweiten Halbzeit zur Genüge, aber ein guter Torwart auf der einen und versagende Stürmer auf der anderen Seite versauten den Torerfolg. Tychy hatte auch die ein oder andere Chance, doch die verstolperten sie zum Ärger der rund 300 Gästefans. Also innerhalb von sechs Tagen das zweite 0:0. Zurück fuhr dann mal wieder mein Vater, doch nicht lange ohne sich ärgern zu müssen, denn kurz nach der Grenze fuhr eine Streife der Bundespolizei an uns vorbei. Das hässliche blinkende Schild „Bitte folgen!“ im Blick, fuhren wir hinterher. Natürlich war es nur eine Stichprobenkontrolle. Zwei Kilometer weiter hatten sie übrigens schon den nächsten am Wickel... In Rostock waren wir dann - da Spielende ja erst 21.00 Uhr - gegen Mitternacht.
Statistik: Ground Nr. 292 (zwei neue Grounds; diese Saison: 62 neue) Sportveranstaltung Nr. 777, 778 & 779 (diese Saison: 146) Tageskilometer: 630 (Auto) Saisonkilometer: 20.940 (11.510 Auto/ 3.440 Fahrrad/ 3.030 Bahn/ 2.960 Flugzeug) Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 0 Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 140 Fotos unter: Ein paar Bilder aus der Stadt Szczecin Chemik Police 1:0 Zagłębie Sosnowiec Pogoń 04 Szczecin 6:1 Gaszynscy Kraków MKS Pogoń Szczecin 0:0 GKS Tychy






