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Mittwoch, 8. März 2017

INDIEN

LP Nr.: 31, Grounds: 10 (5+5)
 

Fußballstadien:
Coimbatore/ Kovai (2):
Nehru Stadium (u.a. Amateurfußballteams aus Coimbatore) – 30.000 (30.000/ 0); 7,5

Kochi/ Cochin (1): Jawaharlal Nehru Stadium/ Kaloor International Stadium (u.a. United FC Kerala) – 60.000 (30.000/ 30.000); 10!
Kochi/ Cochin (1): Maharaja's College Ground (u.a. Amateurteams aus Kochi) – 8.000 (6.500/ 1.500); 7,5
Kozhikode/ Calicut (1): Municipal Corporation Stadium (u.a. Amateurteams aus Kozhikode) – 35.000 (35.000/ 0); 7,0
Palakkad/ Palghat (4): Indira Gandhi Municipal Stadium (Fußballvereine Palakads: District Police u.a.) – 4.000 (0/ 4.000); 4,0

Andere Sportanlagen:
Bangalore/ Bengaluru (1): M Chinnaswamy Stadium (Royal Challengers Bangalore Cricket) – 40.000 (40.000/ 0); 8,5
Bangalore/ Bengaluru (2): Sree Kanteerava Stadium/ Basketball Court 1(Amateur- und Jugendbasketballturniere) – 150 (150/ 0); 7,0
Kochi/ Cochin (4): Rajiv Gandhi Indoor Stadium (u.a. Basketball Customs Kochi) – 10.000 (10.000/ 0); 9,0
Palakkad/ Palghat (1): Kotta Maidan/ Fort Maidan (Cricketvereine Palakads: Chancellors Club, Victoria College u.a.) – 3.000 (0/ 3.000); 4,0
Perinthalmanna (1): Cricket Stadium Perinthalmanna (u.a. Jolley Rovers Cricket Club Perinthalmanna) – 3.000 (0/ 3.000); 6,5
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Freitag, 20. April 2012

IND-XXXII: Praktikum in Indien, Zusammenfassung

Was bei einer Reise nach Indien zu beachten ist:
Indien hat 28 Bundesstaaten, die sich nicht wie Sachsen und Schleswig-Holstein, sondern wie ganze Staaten (z.B. Deutschland und Russland) unterscheiden. Ob Landschaft, Sehenswürdigkeiten oder Auftreten und Sprache der Menschen. Ich kann wegen meinem Aufenthalt im Süden nur für die drei Staaten Kerala, Karnataka und Tamil Nadu sprechen.
Bevor man nach Indien reist, sollte man sich bewusst sein, dass dieses Land möglicherweise das Abschreckenste ist, was man je gesehen hat: es ist unglaublich dreckig und unordentlich, bis auf das Bussystem und die rassistische Segregation nach Ethnie, Religion, Schicht (Kaste: gilt auch für Nicht-Hindus) funktioniert gar nichts so wie es sollte, in vielen Gegenden ist die Sehenswürdigkeitendichte eher gering, wobei man wenigstens nach langer Fahrt die ein oder andere richtig schöne Sehenswürdigkeit zu sehen bekommt – und wer nun hofft, dass die Menschen einem den Aufenthalt mit all seinen Unzulänglichkeiten verschönern, wird sich in den meisten Bundesstaaten erschrocken mit der Realität konfrontiert sehen: die Mehrheit der Inder lebt zwar ziemlich hinterm Mond, überschätzt sich und sein Land aber maßlos und tritt entsprechend unfreundlich und arrogant auf. Ehrlichkeit und Gastfreundlichkeit zählt in den meisten Staaten nicht zu den Tugenden. Eine positive Ausnahme bildete da nur Tamil Nadu und nach Aussage verlässlicher Mitstudenten von mir auch Punjab.
Besichtigungstipps:
Folgende Sehenswürdigkeiten habe ich mir angesehen. Die Wertung erfolgt wie bei Sportveranstaltungen, also 10 Punkte sind maximal zu erreichen!
1. Platz: Bangalore, Karnataka (7,0/10)
Richtig schönes englisches Schloss mit interessantem Museum, Eintritt aber überhöht. Festung ganz ansehnlich. Sehr schöner botanischer Garten. Englische und islamische Architektur in der Innenstadt sehenswert. Alles in allem eine sehr sehenswerte Stadt, aber die Menschen dort sind abartig unfreundlich, unehrlich und unsympathisch.
1. Platz: Ooty, Tamil Nadu (7,0/10)
Viele besonders freundliche Menschen, angenehmes Klima mit viel Sonne aber kühler Bergluft, starke Berglandschaft, toller botanischer Garten (allerdings fehlen oft Beschilderungen), nette englische Architektur.
3. Platz: Kochi, Kerala (6,0/10)
Vor allem Fort Kochi ist architektonisch ansehnlich, Vypeen hat noch mit dem Fort und zwei Kirchen etwas zu bieten. Am Rande der Stadt gibt es noch einen netten Palast mit Garten (Hill Palace). Insgesamt wohl die sehenswerteste Stadt in Kerala.
4. Platz: Palakkad (3,5/10)
Ganz sicher die sympathischste Stadt in Kerala, wobei das wohl am tamilischen Einfluss liegt. Die Festung ist ganz ansehnlich, eine interessante Kirche gibt es, im Umland ist es landschaftlich sehr schön, also besser als anderswo in Kerala.
5. Platz: Guruvayur (3,0/10)
Außer dem Elefantenpalast und einem nur für Hindus zugänglichen Tempel gibt es nichts zu sehen. Aber die Viecher im Palast sind schon recht eindrucksvoll.
6. Platz Kottayam (3,0/10)
Kottayams Kirchen sind teilweise einen Blick wert, ansonsten ein ziemlich langweiliges Nest.
7. Trichur (1,5/10)
Abartig dreckige und hässliche Stadt. Aber ein Tempel und eine Kirche sind ganz ansehnlich.
7. Kozhikode (1,5/10)
Ein paar ordentliche Strände, ein paar nette Sakralbauten. Aber nichts wirklich Sehenswertes.
9. Coimbatore (1,0/10)
Sehr hässliche Stadt ohne richtige Sehenswürdigkeiten, aber ein halbwegs ordentlicher Zoo und richtig nette Menschen.
Fortbewegung:
Man nimmt am besten den Bus: die fahren sehr zuverlässig, relativ schnell (also 40km sind in Kerala in einer Stunde zu schaffen, in manchen Bundesstaaten mehr), man geht einfach am Busbahnhof fragen welcher Bus nach dem gewünschten Ziel fährt und erhält Auskunft; meist muss man nur wenige Minuten warten bis der gewünschte Bus kommt, in den man einsteigt (teilweise ist zu beachten, dass bestimmte Sitze vorne für Frauen reserviert sind und hinten für Rentner gedacht sind) und beim Schaffner einen Fahrpreis von ca. 1€ pro 100km entrichtet. Langstreckenbusse müssen mitunter reserviert werden. Dabei sollen Internetanbieter unzuverlässig sein und nur am Schalter wirklich zuverlässig ein Platz zu kriegen sein. Nach einer Weile wird man sich an das Busfahren gewöhnen, sich nicht mehr über fehlende Fenster wundern und die Fahrer sehr zu schätzen wissen. Busfahrer bei einer staatlichen Gesellschaft ist für einen einfachen Inder ein richtig cooler Job! Wenn ich das Pech hätte, in Indien, z.B. in Tamil Nadu, in eine einfache Schicht geboren worden zu sein, wäre ich sicher Busfahrer beim TNSRTC...
Ein Mietwagen ist zwar sicher ein schönes Abenteuer und als erfahrener und guter Fahrer bekommt man das Chaos schon gemeistert, aber es ist unverhältnismäßig teuer ein Auto zu mieten: zur Grundmiete kommen Gebühren, Maut, Versicherung usw. hinzu. Alle anderen Verkehrsmittel funktionieren unzulänglich bis gar nicht: Finger weg von Inlandsflügen von Kingfisher, Indigo und dem ganzen Gesindel – und Finger weg von den beschissenen Zügen!
Groundhopping in Indien:
Es gibt eine ganze Menge schöne Stadien in Indien. OK. Aber gute Sportler? Auweia! Außer erste Cricketliga, die auch sauteuer ist (aber ebenso schöne Stadien zu bieten hat, wie die Fußballliga, und oft enthusiastischere Stimmung), ist das Niveau meist grauenhaft. Und Cricket ist ja nun nichts für den „normalen“ Groundhopper...
Also in Indien ist in Sachen Fußball mal ganz knapp gesagt eines der letzten Länder wo man hinmuss. Vielleicht lohnt sich das Derby von Kalkutta oder ein Spiel der Nationalmannschaft, aber unter sportlichen Gesichtspunkten reicht ein Transitvisum: bloß weiterfliegen nach irgendwo in die Nachbarstaaten, wo es vielleicht etwas ansehnlicher ist...

Fazit:
Im Rahmen so eines Universitäts-Praktikums hat sich der Indienaufenthalt richtig gelohnt, aber wenn man nur nach Indien privat verreist und dieses Land nicht als Sprungbrett in Nachbarstaaten nutzt, wird man wahrscheinlich enttäuscht sein. Ich kann Indien niemandem empfehlen!

Montag, 16. April 2012

IND-XXXI: Bundesstaat Nr. 3 – Tamil Nadu (Teil 3)

* Altherrenfußball und Zoobesuch in Coimbatore *

Kallimadai Veterans FC 1:1 Coimbatore Veterans FC
Datum: Sonntag, 15. April 2012 – Anstoß: 8.00
Wettbewerb: Coimbatore District Veterans Football Association League (Pokalwettbewerb für Altherrenfußballmannschaften des Stadtkreises Coimbatore)
Ergebnis: 1:1 nach 45 Min. (22,5/22,5) – Halbzeit: 1:0
Tore: 1-0 xx. (?), 1-1 37. (Nr. ?)
Verwarnungen: keine?
Platzverweise: keine
Spielort: Nehru Stadium Coimbatore (Kap. 30.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 30 Neutrale
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Ein paar schöne Spielzüge und ein geniales Tor: insgesamt ganz ansehnliches Spiel)

Kovaipudur FC Veterans 1:1 Challenger’s Veterans FC
Datum: Sonntag, 15. April 2012 – Anstoß: 9.00
Wettbewerb: Coimbatore District Veterans Football Association League (Pokalwettbewerb für Altherrenfußballmannschaften des Stadtkreises Coimbatore)
Ergebnis: 1:1 nach 45 Min. (22,5/22,5) – Halbzeit: 1:0
Tore: 1-0 1. (Nr. 10), 1-1 34. (Nr. 7)
Verwarnungen: keine, Platzverweise: keine
Spielort: Nehru Stadium Coimbatore (Kap. 30.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 40 (darunter ca. 5 Challenger’s Fans)
Unterhaltungswert: 2,5/10 (Unterirdisch schlechtes Spiel, aber wenigstens zwei Tore und eine Streiterei auf dem Platz)
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Photos with English Commentary:

Am Sonntagmorgen gab es dann auch an diesem Wochenende endlich eine Sportveranstaltung zu sehen. Wir sahen zwei Spiele des Altherrenfußballturniers im weitläufigen Nehru Stadionkomplex von Coimbatore. Dieses Stadion bietet Platz für 30.000 Zuschauer auf der umlaufenden Tribüne, die mit drei überdachten Bereichen (die meisten Plätze haben aber keinen Regenschutz), und dutzende Geschäfte in der Rückwand bestückt ist. Für ein indisches Stadion ist es sehr sauber und auch der Zustand der Betonstufen ist gar nicht so schlecht.

Das erste Spiel zwischen Kallimadai Veterans Football Club (KMVFC) und Coimbatore Veterans FC war ganz ansehnlich. Es kamen ein paar gute Spielzüge und Kombinationen zustande, wobei weder Technik noch Zusammenspiel (typisch indischer Egoismus halt) auf dem Stand von einer besseren deutschen Altherrenmannschaft wie IMO Merseburg oder TSV Leuna waren. Vor allem aber gab es ein tolles Tor zum Ausgleich für Coimbatore VFC: aus 35 Metern schoss einfach mal einer über den 15m vor seinem Kasten stehenden Torhüter von KMVFC – der Ball sprang im Fünfmeterraum noch mal auf und flog ins Tor. Ein herrlicher Treffer!

Das zweite Spiel – Kovaipudur FC gegen Challenger’s VFC – sollte so etwas nicht bieten können. Allerdings landete hier schon der erste Angriff von Kovaipudur im Tor. Danach war aber sehr viel Leerlauf und beide Mannschaften bewiesen, dass sie nicht zusammenspielen können: Fehlpässe und Fehler aus Eigensinnigkeiten ohne Ende! Die Challenger’s glichen noch weit in der zweiten Hälfte aus, sodass auch dieses Spiel mit einem 1:1 endete.
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Nach diesem Kick gingen wir in den hinterm Stadion gelegenen Zoo. Für 3 Rupien (0,04€) Eintritt hätte ich Schlimmes erwartet, aber der Zoo war gar nicht so schlecht. Sehr viele Vögel und Flughunde, aber auch Affen, Schlangen, Krokodile, ein Kamel, ein paar Wildhunde und Schildkröten gab es zu sehen. Der sehr freundliche und über unseren Besuch sehr angetane Zoodirektor ließ Anja einen der Makaken füttern. Diese waren übrigens normal ernährt, im Gegensatz zu der Schwabbel-Makake die im Institut in Kottayam als Maskottchen gehalten wird... Ansonsten schienen die Tiere auch gesund zu sein, nur waren die Käfige sehr kahl. Das größte Problem des Zoos von Coimbatore ist einfach der Geldmangel, durch den keine Bepflanzung oder Spielgeräte für die Tiere in den ansonsten ausreichenden Gehegen angeschafft werden können. Einzig die Vogelvoliere ist auf so einem modernen Stand: Pelikane und andere Wasservögel haben hier ausreichend Platz sich im Schilf zu verstecken, das um einen Teich herum angepflanzt wurde, der groß genug für Tiefflugübungen ist.

Mit dem Bus ging es dann nach Palakkad weiter, wo wir zu Mittag aßen, und via Thrissur kamen wir am Abend in Kottayam an. Dieses letzte Wochenende hier in Indien war doch noch mal ein schöner Abschluss. Tamil Nadu ist erheblich sympathischer als Kerala oder Karnataka! Wenn die Leute in allen indischen Bundesstaaten so wären wie in Tamil Nadu, würde es sich viel mehr lohnen, die beschwerlichen langen Fahrten durch das unsaubere und oft eintönige Indien auf sich zu nehmen!
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Statistik:
Grounds: 722 (heute 1 neuer; diese Saison: 128 neue)
Sportveranstaltungen: 1.497 (heute 2, diese Saison: 183)
Tageskilometer: 250 (250 Bus)
Saisonkilometer: 44.850 (25.020 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.980 Bahn, Bus, Tram/ 2.010 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 46
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 298

IND-XXX: Bundesstaat Nr. 3 – Tamil Nadu (Teil 2)

* In die Berge von Ooty *

Photos with English Commentary:

Samstagfrüh steuerten wir erst den falschen Busstand, der fußläufig von unserem Hotel aus liegt, an. Dort fahren keine Busse mehr nach Ooty, sodass wir eine Rikscha nahmen, die uns zum 4km nördlich gelegenen New Bus Stand brachte. Der Fahrtpreis ist mit 100 Rupien (1,30€) zehnmal so hoch wie eine Busfahrt zwischen den beiden Stationen. Das stellten wir aber erst auf der Rückfahrt fest.
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Die Busse des TNSRTC sind nicht so überragend: auf jeden Fall schlechter als die vom KSRTC (Kerala). Aber trotz schwachem Motor schaffte es der Bus bis nach Ooty. Dort angekommen herrscht ein völlig anderes Klima. Man denkt, man sei noch mal in einem anderen Land: die Luft ist kühl und klar wobei trotzdem die Sonne brennt und Ooty ist auch die erste indische Stadt die ich gesehen habe, die weitestgehend sauber ist. Viele britische Kolonialbauten, nette Kirchen, ein paar ganz ansehnliche Hindutempel...
Auf der Pferderennbahn waren leider schon alle Samstagsrennen gelaufen worden, aber die Bahn war natürlich auch ziemlich britisch. Alle Wettsüchtigen hingen noch herum und holten sich Informationen über andere Rennen, einige grüßten uns auch und freuten sich über ausländischen Besuch, obwohl nach Ooty gar nicht mal so wenige Touris kommen.
Man wird aber hier trotzdem immer wieder von Einheimischen gegrüßt und vor allem bei einem Besuch im botanischen Garten trifft man viele nette Leute. Der botanische Garten selbst ist auch sehr ansehnlich. 20 Rupien Eintritt (und 30 Fotogebühr), dafür gepflegte englische Gärten, ein Bergpark mit eindrucksvollen Bäumen in toller Berglandschaft, ein paar Glashäuser mit europäischen und amerikanischen Pflanzen. Auch einen italienischen Garten mit symmetrischen Rabatten gibt es. Die Leute, die wir trafen, waren natürlich auch interessant: ein Zahnarztehepaar aus Coimbatore, Jugendliche aus Chennai, eine Gruppe junger Männer, die mit uns Fotos machten aus Coonoor...

Zurück ging es dann etwas schneller mit dem Bus. Bergab durch die tolle Berglandschaft mit den Serpentinenstraßen: herrlich! Dieser Samstag hat sich auch ohne Sport wirklich gelohnt!
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Statistik:
Tageskilometer: 200 (190 Bus, 10 Autorikscha)
Saisonkilometer: 44.600 (25.020 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.730 Bahn, Bus, Tram/ 2.010 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)

IND-XXIX: Bundesstaat Nr. 3 – Tamil Nadu (Teil 1)

* Wie in einem anderen Land *

Photos with English Commentary:

Am letzten Wochenende in Indien besuchten wir dann den dritten Bundesstaat im Süden. Wir hatten zwei Tage in der Region Western Ghats in Tamil Nadu eingeplant.

Über die Tamilen hört man viel Schlechtes: von wegen Tamilentiger (Verbrecher und Terroristen, die schon lange vor den islamischen Terroristen das Prinzip der Selbstmordattentäter eingeführt haben) oder asoziale Proleten die sich als Gastarbeiter in Nachbarbundesstaaten daneben benehmen. Es sollte sich aber zeigen, dass die meisten Inder einfach nur keine Ahnung haben von ihrem jeweiligen Nachbarn. Natürlich gibt es viele Binnenkonflikte, an denen auch tamilische Gruppen massiv beitragen – es gibt auch einige fanatische Hindu-Tamilen, die ihre zum Islam oder Christentum konvertierten Landsleute als Verräter ansehen und diese attackieren – aber trotzdem waren jegliche Warnungen von Indern vor Tamil Nadu und seinen Bewohnern absoluter Schwachsinn! Die Tamilen waren viel freundlicher, ehrlicher und hilfsbereiter, als das dumme Gesindel in Bangalore und auch viel gastfreundlicher und netter als die kühlen Fatzken in Kerala. Ich habe mich in Tamil Nadu wie in der arabischen Welt – also zum zweiten Mal in Indien nach Palakkad quasi wie zu Hause – gefühlt. Das mit Palakkad war aber so wie so kein Wunder, denn die netten Leute waren fast alle muslimische Tamilen, die einfach nur von Tamil Nadu weggezogen sind – wie Schiedsrichter Fasil aus Erode zum Beispiel.
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Schon während der Busfahrt stiegen meine Sympathien für die Tamilen erheblich: als wir von Kottayam nach Thrissur fuhren, waren nur kühle Malayali im Bus, die einen doof anglotzten aber nie die Gusche aufkriegten, und in Thrissur waren dann nur unfreundliche Malayali-Schaffner. Aber bereits in diesem Busbahnhof trafen wir jemanden aus Palakkad: einen tamilischen Kellner, der sich an unseren Besuch in seinem Restaurant erinnerte und handschläglich begrüßte. In den Thrissur-Coimbatore-Bus stieg in Palakkad dann ein besonders freundlicher Mann ein: Sajjad, ein muslimischer Tamile, Literaturdozent an der Uni Calicut, spricht fließend Hocharabisch. Richtiges Hocharabisch mit kaum Akzent! Wir unterhielten uns im Bus auf Arabisch, Email- und Facebookadressen wurde auch ausgetauscht.

In Coimbatore besuchte Sajjad Freunde und wir suchten ein Hotel auf. Die Absteige war preislich und von der Qualität her wie in Kerala. Die Leute an der Rezeption freundliche Hindu-Tamilen. OK, ich fange auch schon wie die Inder an und mache jetzt auch dauernd Unterschiede, aber es war auffällig, wie viel freundlicher die Tamilen waren und wie es aber auch innerhalb der Volksgruppe Unterschiede gab und sich die Muslime stets als die noch viel freundlicheren hervorgetan haben. Auch dann, wenn ich ihnen nicht meine Arabischkenntnisse vorgeführt habe...

Im Restaurant im Fußballstadion waren natürlich auch wieder Muslime die fleißige und freundliche Bedienung. Uns begrüßte sogar extra der Besitzer des Ladens, der u.a. prima Chicken Noodles (auch „Chiken Nuudles“ geschrieben) anbot. Im Stadion selbst war an diesem Abend nur Training. Sonntag sollten wir da aber zwei Spiele gucken. Dazu siehe den Bericht „Altherrenfußball und Zoobesuch in Coimbatore“.

Statistik:
Tageskilometer: 250 (250 Bus)
Saisonkilometer: 44.400 (25.020 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.530 Bahn, Bus, Tram/ 2.010 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)

IND-XXVIII: Praktikum Indien – Notizen (10)

* Neues aus dem Institut *

Seit dem Ende des Osterwochenendes hat sich am SEERI-Institut manches Interessante zugetragen. So kamen ein paar neue Studenten und Lehrende ans SEERI, die alle mindestens halbwegs freundlich waren. Besonders gut ins Gespräch kam man mit Jibin aus Bhopal und Father Francis. Letzterer hat in Rom studiert und mehrere Jahre im Rahmen von Kirchenpartnerschaften zwischen Italien, Indien und Deutschland, in Süddeutschland verbracht. Sein Deutsch ist noch ziemlich gut, sodass er sich lieber in Deutsch als in Englisch mit uns unterhielt. Ersterer ist für einen streng Religiösen sehr ungewöhnlich: normalerweise sprechen die strengen Christen Frauen nicht direkt an. Aber Jibin ist wenigstens in dieser Hinsicht lockerer und kam gleich mit Anja ins Gespräch. Später lernte ich ihn auch kennen: er war ganz begeistert mit Ausländern reden zu können, da er bisher nie welche kennengelernt hat. Mit ihm waren die Unterhaltungen natürlich besonders interessant: Francis kannte sich ja gut aus in Europa, aber für Jibin war es wichtig, möglichst viel über Deutschland zu erfahren. Wir surften ein bisschen durch meine deutschen Flickr-Bilder und die vielen Unterschiede zu Indien machten ihn sehr interessiert an unserem Land: andere Landschaft, ganz anderer Baustil (Burgenlandkreis, Schloss Merseburg, Fachwerk in Quedlinburg usw.), saubere Plätze...

Manche Fragen, die auf einen Deutschen dumm wirken, erklären sich ganz leicht aus den Umständen die in Indien herrschen: Jibin fragte mich zum Beispiel, ob ich als Deutscher denn Deutsch spreche und welche anderen Sprachen ich in Deutschland noch benutze. Ich hätte fast herausgehauen: „also ich kann zwar ein bisschen Türkisch, aber mit den Türken in Berlin kann man sich auch Deutsch verständigen“ – dann fiel mir ein, wie die sprachliche Situation in Indien ist. Für einen Inder ist es etwas seltsam, dass man in einem Land nur eine einzige offizielle Sprache hat und die Leute dann in jeder Ecke des Landes mit dieser Sprache (die sich nur in Form von Dialekten unterscheidet) kommunizieren.

Nach wie vor unverständlich bleibt aber natürlich die ständige Fragerei nach der Religion. Ich habe schon in mehreren Berichten deutlich geschrieben, wie rassistisch die indische Gesellschaft ist: alles und jedes wird getrennt und separiert, ob nach Ethnie, Religion, Geschlecht oder was auch immer, und jeder legt übersteigerten Wert darauf, wo er hingehört. Auch Jibin fand (als erster Inder mit dem ich gesprochen habe übrigens) es sehr kritisch, wie „selbstsüchtig und rücksichtslos“ die meisten Inder sind. Er wolle seine eigene Selbstsüchtigkeit natürlich vollkommen abstellen, da sie zum monastischen Leben nicht dazugehören darf. Die Frage nach Religionszugehörigkeit ist allerdings auch für ihn immer das zweite oder dritte nach Namen und Herkunft. Das ist eine rein christlich-indische Unart. Die Hindus oder Muslime fragen einen nie danach. Selbst wenn man einem Muslim erzählt, dass man Arabisch studiert: denen ist sofort klar, dass man Arabisch nicht wie sie als heilige Sprache, der Sprache des offenbarten Wort Gottes (Koran), ansieht. Aber von Christen wird man dauernd so etwas wie „Du bist doch ganz bestimmt auch Christ! Welcher Kirche gehörst du an?“ gefragt. Da viele Inder absolut intolerant sind und nie über ihren Tellerrand hinausschauen, kann man schnell ein Gespräch abwürgen, indem man dem meist katholischen oder orthodoxen Gegenüber „I’m Protestant“ an den Kopf knallt. Da die meisten Inder nie im Ausland waren (finanziell verständlich, aber man kann sich auch mal informieren und so auch ohne dagewesen zu sein über Länder etwas Bescheid wissen), wird man als Protestant sofort mit der asozialen Pentecostal-Bewegung gleichgesetzt. Da Jibin nicht blöd ist, hat er aber sofort verstanden, dass ein deutscher Protestant mit schwedischen Wurzeln ganz anders als so ein Pentecostal-Ami ist. Es wunderte aber selbst ihn, als ich Leute aus meinem Freundeskreis aufgezählt habe und darauf hingewiesen habe, dass sich darunter Protestanten, Katholiken, Muslime und Atheisten befinden. Er hat natürlich nur orthodoxe Freunde.

Indien bildet in Sachen über „den Tellerrand schauen“ einen besonders starken Gegensatz zu Europa oder dem Nahen Osten, wo die Leute oft Freunde und Bekannte aus anderen ethnischen und religiösen Gruppierungen ganz selbstverständlich haben... Aber immerhin habe ich den letzten beiden Tagen am Institut erfahren, dass es auch außerhalb Palakkads freundliche Inder gibt, die sich über Besuch aus dem Ausland sehr freuen. Am Wochenende sollte ich feststellen, wie unpassend Bemerkungen über ganz Indien sind, da in den wenigstens Dingen alle indischen Bundesstaaten gleich sind. Besonders in Sachen Gastfreundlichkeit sollte sich dann Tamil Nadu nämlich erheblich von Kerala (eher kühl gegenüber Fremden) oder gar Karnataka (richtig unfreundlich) abheben.

Dienstag, 10. April 2012

IND-XXVII: Endlich mal raus aus Kerala – Ostern in Bangalore, Karnataka State (Teil 3)

Photos with English Commentary:

Zum Abschluss des Aufenthaltes in Bangalore guckten wir uns die Festung und den Palast an. Außerdem sahen wir noch das Sommerschloss von Tipu Sultan von außen. Die Festung kostet keinen Eintritt, ist aber ein sehr interessanter Bau. Von minderwertiger modernerer Architektur umstellt, weiß die Festung aus dem 18. Jahrhundert aber trotzdem zu gefallen: die massiven Mauern sind vielfach verziert – nicht nur mit islamischen Blumenmustern, sondern auch mit indischen Tierdarstellungen (unter anderem auch bei der Fortpflanzung) und Götterbildern, die aber wohl erst angebracht wurden, als die Hindus wieder die Stadt regierten.
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Der Palast von Bangalore hat einen ganz anderen Baustil: Elemente der Neogotik, des viktorianischen Stils und des Tudor-Stils mischen sich. Man merkt den englischen Einfluss leider auch an den Eintrittspreisen: indische Oberschicht und Touristen sind bei Preisen von 200 bis 400 Rupien (plus 600 Fotogebühr: 3€, 6€ bzw. 9€) willkommen – der Rest darf sich kaum dem Eingangstor zum Park nähern. In west-asiatischen Ländern wäre es undenkbar, dass durch die Preispolitik z.B. Schulklassen ausgesperrt werden. Aber der Besitzer des Schlosses, der Maharaja von Mysore, nutzt seine Macht natürlich gerne aus. Viel mehr Macht, als das Diktieren von Eintrittspreisen zu seinem Privatbesitz, ist ihm ja nicht geblieben.
Innen ist der Palast richtig feiner Kitsch und ein herrliches Bild für die Hochstapelei und Zweischneidigkeit des nach außen hin konservativen Adligen: die Familienmitglieder leben nach strengen Regeln miteinander (arrangierte Ehen, Geschlechtertrennung etc.) – aber der Chef sammelt alle mögliche europäische Kunst: von nordischen Kriegerstatuen bis Aktporträts, die teilweise mit orientalischen Sitten spielen: auf einem Bild trägt z.B. eine Frau mit Kopftuch ein durchsichtiges Seitengewand, was den Blick auf ihre Brüste freigibt.
Während die Fassade und der Vorgarten des Schlosses englisch sind, sind die Deckenbemalungen oft eher orientalisch. Decken und Säulen sind farbenfroh und tragen weitestgehend Pflanzenmotive.

Auf dem Rückweg zum Hotel stellten wir fest, dass man selbst den lizenzierten Rikschafahrern teilweise mit der Polizei drohen muss, damit sie einen dahin bringen, wo man hin will und nicht dahin, wo der Bruder seinen Ramschladen hat. Selbst in Tunesien klappt dieses System der Lizenzierung (dort Taxifahrer) reibungslos: aber was vergleiche ich auch wieder dieses scheiß Indien mit einem arabischen Land? Indien hat so wie so keine Chance gut auszusehen im Vergleich! Die Lizenzierten Rikschaheinis haben jedenfalls innen einen Führerscheinaufkleber, wobei man sicherlich keinen Erfolg haben wird, wenn man so einen der vielen Kleinkriminellen wegen zu hoher Fahrtpreise oder versuchten Betrügereien mit befreundeten Händlern anzeigt. Aber wir sind ja schließlich doch in der MG-Road gelandet und konnten dort auschecken. Ich war schon fast überrascht, dass die Hotelrechnung nicht doch höher war, als vorher aufgeschrieben, so unehrlich wie viele Dienstleister in Bangalore sind. Verglichen mit dem schon bis auf ganz wenige Ausnahmen recht kühlen und wenig sympathischen Volk in Kerala, sind die Leute in Bangalore wirklich fast durchweg unsympathische, unfreundliche Zeitgenossen.

Insgesamt gesehen hat sich diese Wochenendfahrt mit all ihren negativen Facetten (hohe Kosten, großer Aufwand, unsympathische Leute) natürlich doch sehr gelohnt. Denn die Sportveranstaltungen waren interessant bzw. sehr sehenswert und die Sehenswürdigkeiten haben sich richtig gelohnt. Da ärgert man sich gar nicht so sehr darüber, wie schwer es ist, in der 6-Millionen-Einwohner-Metropole ein Restaurant zu finden: lauter vegetarischer Mist, doppelt so teuer wie in Kerala und dann findet man fünf Kinos, 20 Ramschläden aber nur ein Restaurant in einer Hauptstraße. Nicht nur das Wetter (trocken heiß statt feucht warm: unglaublich, wie viel schöner doch 35 Grad und 8% Luftfeuchtigkeit gegenüber 25 Grad und 70% Luftfeuchte sind) war viel angenehmer als in Kerala, sondern auch die Sehenswürdigkeitendichte im Stadtgebiet: mehrere Festungen bzw. Schlösser, viele Parks, Kirchen, Tempel, Moscheen...

Montagmorgen zurück in Kottayam: kein Laden offen obwohl schon alle auf den Beinen sind, Strom im Institut wieder für eine Stunde weg, nichts Vernünftiges zu Essen im Institut, LAN-Internet geht ungewöhnlich langsam und das verseuchte WLAN kann man vergessen – nun ja, Kerala hat uns wieder...
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Statistik:
Tageskilometer (8./9.4.): 580 (570 Bus, 10 Autorikscha)
Saisonkilometer: 44.150 (25.020 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.280 Bahn, Bus, Tram/ 2.010 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)

IND-XXVI: Endlich mal raus aus Kerala – Ostern in Bangalore, Karnataka State (Teil 2)

Royal Challengers Bangalore 157/8
Delhi Daredevils 137/7
Datum: Samstag, 7. April 2012 – Beginn: 16.00
Wettbewerb: „DLF“ Indian Premier League (1. indische Cricketliga, Profiliga)
Spielformat: Twenty-20 (= 20 Overs je Team)
Resultat: Bangalore schlägt Delhi mit 20 Runs, bei 157 Runs für 8 Wickets
Münzwurf: Delhi gewann Seitenwahl und begann als Feldmannschaft
Schlagmänner-Statistiken Bangalore: Mc Donald (30 Runs [R] bei 19 Bällen [B] = 157.89er Schlagrate [SR], davon 4 Vierer [4s] und 2 Sechser [6s] – ausgeschieden durch Bracewell per gefangenem Ball [c] bei Wurf von Morkel [b]), de Velliers (64 R, 42 B = 152.38 SR, 6x4s, 2x6s – nicht ausgeschieden), Vinay Kumar (18 R, 16 B = 112.50 SR, 1x4s – Morkel (c), Bracewell (b)), Agarwal (16 R, 15 B = 106.66 SR, 1x4s, 1x6s – Nagar (c), Nadeem (b)), Kohli (8 R, 8 B = 100 SR, 1x 4s – Nagar (c), Bracewell (b)), Pujara (11 R, 12 B = 91.66 SR, 1x 4s – Pathan (c), Morkel (b)), Vettori (3 R, 4 B = 75 SR – run out* durch Bracewell und Maxwell), Tiwary (1 R, 3 B = 33.33 SR – leg before wicket**, Maxwell (b)), Patel (0 R, 1 B = 0 SR – Bracewell (b))
Schlagmänner-Statistiken Delhi: Pathan (24 R, 15 B = 160 SR, 2x4s, 1x6s – run out* durch Patel/ de Velliers), Bracewell (12 R, 9 B = 133.33 SR, 1x4s – nicht ausgeschieden), Ojha (33 R, 26 B = 126.92 SR, 4x4s, 1x6s – Kohli (c), Muralitharan (b)), Nagar (16 R, 15 B = 106.66 SR, 2x4s – Patel (c), Vettori (b)), Finch (25 R, 24 B = 104.16 SR, 3x4s – leg before wicket**, Muralitharan (b)), Rao (18 R, 23 B = 78.26 SR, 1x4s – Agarwal (c), McDonald (b)), Maxwell (3 R, 4 B = 75 SR – Khan (c), Muralitharan (b)), Morkel (2 R, 3 B = 66.66 SR – nicht ausgeschieden), Sehwag (0 R, 1 B = 0 SR – Pujara (c), Zaheer (b))
Werfer-Statistiken (Bangalore): Pathan 4 Over - 0 Maidens - 47 abgegebene Runs - 0 Wickets, Bracewell 4-0-32-3, Morkel 4-0-30-2, Yadav 2-0-8-0, Nadeem 4-0-26-1, Maxwell 2-0-10-1
Werfer-Statistiken (Delhi): Zaheer 4-0-36-1, Vinay Kumar 4-0-25-0, Mc Donald 2-0-11-1, Vettori 4-0-28-1, Muralitharan 4-0-25-3, Patel 2-0-10-0
Spielort: M Chinnaswamy Stadium (Kap. 40.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 30.000 (davon ca. 250 Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Auf diesem hohen Niveau ist Cricket ein sehenswerter Sport, T20 als Format ist auch gut, ebenso wusste die Cricketbegeisterung der Fans zu überzeugen – aber Show, Kommerz und restliches Drumherum sind in der IPL so was von pervers, dass mehr als ein einziger Spielbesuch nicht erstrebenswert ist!)
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Am Samstag sollten nicht nur die sauteuren Cricketkarten, die ich am Vortag gekauft hatte, zum Einsatz kommen, sondern auch kontrolliert werden, in wie weit der Name „Gartenstadt Bangalore“ berechtigt ist. Bangalore heißt ja wörtlich eigentlich „Bohnenstadt“, doch bekannt ist sie seit mehreren Hundert Jahren durch ihre Garten- und Parkanlagen. Die wichtigste derartige Anlage ist der botanische Garten Lalbagh, der im 18. Jahrhundert vom muslimischen Sultan Hyder Ali und seinem berüchtigten Sohn Tipu Sultan nach persischem Vorbild als Rosarium (deshalb auch der Name Lalbagh, was „roter Garten“ - wegen der berühmten roten Rosen - heißt) angelegt wurde. Mittlerweile gibt es dort viel mehr als Rosen, so zum Beispiel eine schöne Bonsaisammlung, Palmenhaine, in Form geschnittene Hecken, ein paar Sukkulenten und eindrucksvolle süd- und zentralasiatische Bäume – und das eigentlich Rosarium ist für Besucher nur über einen Zaun hinweg einsehbar, da die bescheuerten Besucher dauernd Rosen gepflückt haben. Die meisten indischen Parks sind aufgrund der Unfähigkeit der Mehrheit der Einheimischen, sich (so hart das klingt) zivilisiert zu verhalten, stark bewacht oder ganz geschlossen. Auch im botanischen Garten waren Horden von Wächtern dauernd damit beschäftigt, Inder aller Schichten zurechtzuweisen, dass man Papierkörbe benutzen muss, die freilebenden Tiere nicht ärgern darf und die Toiletten benutzen statt gegen den nächstbesten Baum pissen soll.

Nach dem Mittagessen ging es zum Cricket. Die IPL (Indian Premier League) ist eine der bekanntesten Cricketligen der Welt und die mit Abstand umstrittenste. Das fernsehgerechte T20-Format ist an sich schon bei Konservativen Cricketleuten insbesondere in England umstritten, hat aber den Vorteil, dass man nur vier Stunden im Stadion sitzt und nicht wie bei den klassischen Spielformen locker acht oder neun Stunden. Warum ich als Fazit leider sagen muss, dass die Liga zwar sportlich sehr interessant, aber ansonsten ein Spiegelbild der perversen Gesellschaft des Subkontinents ist, muss ich im Folgenden ausführlicher erklären, als das Spiel zwischen Royal Challengers Bangalore und Delhi Daredevils selbst.
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Die Perversion fing schon an der Kasse an: ich hatte Glück, noch zwei Karten für die zweitniedrigste Kategorie zu bekommen. Karten mit Sichtbeeinträchtigung kosten 330 Rupien (5,00€) und sind nur auf eine niedrige dreistellige Zahl konzipiert. Auf diesem Plätzen hockt die Mittelschicht. Gute Sicht kann sich nur die Oberschicht leisten. Im Oberrang, zweitbilligste Kategorie, habe ich pro Karte wahnsinnige 1.100 Rupien (also 16,90€) hingelegt. Die normalen Karten gehen bis zu einem Preis von 5.500 Rp. (84,60€) hoch. VIP-Karten kosten je nach Logenplatz bis zu 55.000 Rp. Das sind 846€!

Dabei ist Cricket keineswegs ein reiner Oberschichtensport in Indien: dort interessiert sich ein genauso hoher Prozentsatz der Bevölkerung für Cricket, wie in Deutschland für Fußball. Dumm und feige wie viele aber sind, kommen sie nicht einmal auf die Idee, für billigere Eintrittspreise zu demonstrieren. Die Mittelschicht und die die einfachen Leute lassen sich einfach aussperren und überlassen Spitzen-Cricket der Oberschicht. Es gibt ja schließlich Fernsehübertragungen. Toll! Bei der Einstellung ist es kein Wunder, dass sich in Indien nie etwas in der Gesellschaft ändert.

Noch ein Grund, warum Indien völlig hinterm Mond ist, ist die Unfähigkeit, bei Gesetzen zwischen sinnvoll und sinnlos unterscheiden zu können: dieselben Leute, die ihren Müll neben einen Mülleimer in ein Blumenbeet werfen, halten sich an das Verbot ein IPL-Spiel zu filmen oder zu fotografieren. Unsympathisch wie Inder mehrheitlich leider sind, wollten mich die Ordner mit der Kamera nicht reinlassen. Aber halb so schlimm: dann geht halt Anja mit ihrer Kamera einfach durch die Kontrollen durch, da niemand eine Frau kontrolliert! Nachdem ich die Kamera zurück ins Hotel gebracht und wieder gekommen war, bemerkte ich im Stadion, wie viele andere wenigstens auch Handys rein geschmuggelt hatten. Die IPL-Bonzen haben den Schuss echt noch nicht gehört: in den wenigen Staaten, in denen Bildaufnahmen der Zuschauer reglementiert werden, wurden die Regeln in den letzten Jahren immer mehr gelockert und immer mehr Verbote fielen weg. Aber in Indien kommen neue hinzu! Wer sich so verblöden lässt von einer Firma, die eine Liga organisiert, dem ist echt nicht mehr zu helfen: schon bevor das Spiel begann zeigte sich mal wieder, dass Indien besonders in Sachen Sport wirklich das Dümmste ist, was einem unterkommen kann.

Dafür, dass man während der vier Stunden wirklich guten Sports dann aber auch noch ohne Ende Show drum herum hat, fehlt nicht nur konservativen Fans Verständnis. Die Bosse der Liga toppen die Fußball-Premier-League in England oder die DFB- und DFL-Heinis noch um Längen in allen negativen Kommerz- und Showerscheinungen, da man versucht, den US-amerikanischen Klamauk von Football, Baseball und Co. eins zu eins ins Cricket zu übernehmen. Also in eine Sportart, die sich vom Baseball vor allem dadurch unterscheidet, dass sie traditionsreich und stilvoll ist – Baseball ist nämlich nur ein vereinfachter Abklatsch des mittelalterlichen englischen Spiels. Während man im Stadion wenigstens nur von Bandenwerbung optisch erschlagen wird und nicht dauernd Spots wie im Fernsehen zwischen den Overn hat, fragt man sich, wie die IPL-Vereine trotzdem dauernd Schulden erwirtschaften können. Riesige Werbeeinnahmen, Fernsehgelder und anderer Medienrummel – aber trotzdem viele lakhs Schulden.
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Richtig krank ist die Show mit den Cheerleadern. Meint da jemand vielleicht, man würde in Indien indische Cheerleader sehen wollen? Nein: da werden Cheerleader aus Europa und Südafrika (aber bloß keine Schwarzen!) eingeflogen, die auch allesamt weiß sein müssen. Von den Bemerkungen der Zuschauer vor mir, war klar zu verstehen, dass diese weißen Cheerleader (der Name der Gruppe war auch noch eindeutig: „White Mischief Girls“ – Betonung auf „White“) gut genug sind um sich daran aufzugeilen. Rassistisch wie die meisten Inder sind, würden sie aber nie eine Beziehung und schon gar keine Ehe mit einer Frau außerhalb ihres engen ethnischen und religiösen Kreises eingehen. Aber die Frauen aus ihrem Bereich sind dann nicht geil genug für Cheerleading – obwohl es genug gäbe, die das auch für Geld machen würden.

Der eine RCB-Fan direkt vor mir war natürlich der Knaller: wenigstens feuerte er auch die Mannschaft an, aber beim albernen Johlen gegenüber den Cheerleadern war er der größte - und dann hatte der ein Bild vom Führer als Hintergrundmotiv auf dem Smartphone...

So dumm wie abweisend aber auch die ganzen Fans um mich herum waren, so interessant war es auch ihre Cricketbegeisterung zu erleben. Das einzig positive am Drumherum des Spiels war ja, wie die Leute bei jedem geworfenen Ball und jedem Schlag des Batsman mitgingen und frenetisch feierten, wenn ein Schlagmann vier oder gar sechs Punkte erzielte (also den Ball indirekt oder direkt ins Aus beförderte) oder ein Feldspieler mit einem Hechtsprung den Ball aus der Luft griff um so den Schlagmann zum Ausscheiden zu bringen. Bei so einem „Catch“ für Bangalore sprang fast jeder Fan schreiend auf und schwenkte die roten Fahnen mit den gold-blauen Symbolen des Heimvereins. Überraschend viele Bonzen hatten sich auch aus der Hauptstadt aufgemacht, um ihre Daredevils zu unterstützen. Die Gästefans saßen wild verteilt im ganzen Stadion, sodass nicht ganz klar war, ob wirklich nur 250 die Gäste unterstützten. Es könnten auch 400 gewesen sein.

Während in Sachen Umfeld die negativen Gesichtspunkte überwogen, war unter sportlichen Aspekten das Spiel nur positiv zu bewerten. Das einzig wirklich gute an der IPL ist das hohe Spielniveau. Wenn man sich wie ich ein bisschen im Cricket auskennt, erkennt man sofort die Unterschiede zu den meist langweiligen Amateurspielen. Man muss sich zwar auch fragen, warum man mit einem Sport, bei dem man so wenig körperliche Anstrengungen hat, Millionen (und zwar Millionen von Euro!) verdienen kann, aber so ein Spiel der IPL (oder eben auch ein internationales Spiel) hat schon was! Die aufwendigen Würfe der Bowler, die geschickten Schläge der Batsmen und die spektakulären Sprünge zum Fangen der Bälle durch die Feldspieler sind schon sehenswert. Der Spielverlauf ist auch oft spannend, da man bis kurz vor Schluss fast nie sagen kann, wer gewinnt.

Der erste Spielabschnitt – heute war es so, dass Bangalore zuerst am Schlag war – ist natürlich noch nicht so spannend. Für die Schlagmannschaft geht es darum möglichst viele Punkte vorzulegen. Delhi konnte das heute nicht ganz so gut verhindern, wodurch ein beachtlicher aber keineswegs uneinholbarer Vorsprung von 157 Runs nach 20 Overn (so ein Spielabschnitt umfasst 6 Würfe, also insgesamt 120 Würfe bis zum Seitenwechsel) entstand. Für Delhi galt es dann nach der Pause zwischen den beiden Innings (also quasi der Halbzeit) die ganzen Punkte aufzuholen. Erst als der viertletzte Ball geworfen war, stand wirklich fest, dass sie nicht mehr aufholen können. Mit 20 Runs – kein ganz knapper Erfolg, doch auch nicht gerade ein hoher Sieg: man könnte das Ergebnis mit einem 4:2 beim Fußball oder 29:25 beim Handball vergleichen – gewann Bangalore gegen Delhi.

# Anmerkung zur Statistik: * Run out = Die Feldmannschaft brachte (hier durch die Spieler Bracewell und Maxwell) den Ball zum Ziel zurück, während die Schlagmänner noch die Positionen wechselten. ** Leg before wicket = Der Schlagmann stand vorm Ziel und fing den Ball statt regelgerecht mit dem Schläger, irregulär mit den Beinen ab.
Die Statistiken, die ich hier dem Leser an den Kopf geknallt habe, sind nur die wichtigsten: ansonsten wird noch festgehalten, bei welchem Wurf die Zielstäbe getroffen wurden (fall of wicket), wie viele Würfe ungültig waren und in welcher Art (no balls, wides) oder wie viele Catches (ein Spieler der Feldmannschaft fängt einen vom Schlagmann parierten Ball aus der Luft wodurch der Schlagmann ausscheidet) insgesamt und wann und durch wen erzielt wurden, und noch viel mehr Kram. Statistiken sind im Cricket wirklich etwas sehr Wichtiges und für den Laien sicher kaum nachvollziehbar... #
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Statistik:
Grounds: 721 (heute 1 neuer; diese Saison: 127 neue)
Sportveranstaltungen: 1.495 (heute 1, diese Saison: 181)
Tageskilometer: - (nur zu Fuß unterwegs)
Saisonkilometer: 43.570 (25.020 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.280 Bahn, Bus, Tram/ 2.010 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 44
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 297

IND-XXV: Endlich mal raus aus Kerala – Ostern in Bangalore, Karnataka State (Teil 1)

Bangalore City (U13) 25:22 Nationals Bangalore (U13)
Datum: Freitag, 6. April 2012 – Beginn: 16.15
Wettbewerb: State Sub-Junior Championship for the BS Narayan Memorial Trophy (Basketballturnier für U13-Mannschaften aus dem Bundesstaat Karnataka)
Ergebnis: 25:22 nach 28Min. (4x7) – Viertelergebnisse: 11:2, 4:11 (= 15:13 Halbzeit), 6:5, 4:4
Punkte: k.A. (City); k.a. (Nationals)
Fouls: k.A. (City); k.a. (Nationals)
Spielort: Bangalore, Sree Kanteerava Stadium/ Basketball Court 1 (Kap. 150 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 100 (je ca. 10 Fans jeder Mannschaft + 80 Neutrale)
Unterhaltungswert: 4,0/10 (Beide Mannschaften haben sich gut geschlagen, mehr kann man von Basketballern dieser Altersklasse nicht erwarten)

PPC Bangalore (U13) 27:24 S.A.I. Dharwad (U13)
Datum: Freitag, 6. April 2012 – Beginn: 17.15
Wettbewerb: State Sub-Junior Championship for the BS Narayan Memorial Trophy (Basketballturnier für U13-Mannschaften aus dem Bundesstaat Karnataka)
Ergebnis: 27:24 nach 28Min. (4x7) – Viertelergebnisse: 3:8, 10:2 (= 13:10 Halbzeit), 8:5, 6:9
Punkte: k.A. (PPC); k.a. (S.A.I.)
Fouls: k.A. (PPC); k.a. (S.A.I.)
Spielort: Bangalore, Sree Kanteerava Stadium/ Basketball Court 1 (Kap. 150 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 120 (je ca. 10 Fans jeder Mannschaft + 100 Neutrale)
Unterhaltungswert: 5,0/10 (Beide Mannschaften haben eine überdurchschnittliche Leistung gebracht: gut für diese Altersklasse!)
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Photos with English Commentary:

Über Ostern ergab sich endlich mal die Möglichkeit, in einen anderen Bundesstaat zu fahren. Wir hatten schon ein paar Wochen vorher Plätze im Fernbus nach Bangalore gebucht. Mit über 1.000 Rupien (mehr als 15€) für eine Strecke von nicht ganz 600km, war der Preis pro Kilometer um etwa 15-20% höher, als bei den normalen KSRTC-Bussen, die nur innerhalb Keralas herumfahren. Daran ist vor allem die Mautabzocke schuld: fährt ein staatlicher Bus aus z.B. Kerala nach Tamil Nadu und dann nach Karnataka weiter, muss er zwei Mal Maut abdrücken, nur weil er den Bundesstaat gewechselt hat. Wieder einmal fühlt man sich in Indien ans Mittelalter erinnert: diese Art der offiziellen Wegelagerei hatten wir auch vor vielen Jahrhunderten im Gebiet des heutigen Deutschlands... Was aber noch kranker ist, sind die enormen Gebühren auf Autobahnbenutzung (ein, zwei Rupien pro Kilometer bei diesen Kackstrecken!) und dass man sogar an manchen Brücken zweistellige Rupienbeträge bezahlen muss!

Nach fast 14 Stunden (davon etwas mehr als eine Stunde Pausen) Fahrt hielt der Bus am Satellite Town Stand. Ganz klasse: die Endstelle ist natürlich nicht der Zentralbusstand Kempegowda. Zu diesem muss man erst noch einen Shuttlebus für 7 Rupien (0,11€) nehmen. Am Kempegowda Bushof angekommen, grüßte uns gleich ein Schild, dass vor „Touts“, also Kleinkriminellen, die Touristen bei Dienstleistungen und Handel abzocken, warnte. Bangalore ist aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten recht gut von Touris frequentiert, was solche Touts natürlich in Scharen auftreten lässt. Wir schafften es aber ohne abgezockt zu werden durch das Wochenende. Leider war es selbst ohne betrogen zu werden das teuerste Wochenende während des ganzen Indienaufenthaltes: die Preise in Bangalore schwanken zwischen „geringfügig teurer als Kerala“ und „genauso überteuert wie in Deutschland“. Nicht nur deshalb lautete mein Fazit am Sonntagabend: Bangalore ist eine sehenswerte aber sehr unsympathische Stadt.

Den ersten Sehenswürdigkeiten konnten wir uns bereits auf dem Weg zum Hotel widmen. Der Cubbon Park ist ein ganz netter öffentlicher Park mit wenig Müll: man merkte, dass in der selbsternannten „Garden City“ doch etwas mehr auf Sauberkeit geachtet wird, als in Kerala. Flankiert wird dieser Park von Straßen mit englischer Kolonialarchitektur. Vor allem Prunkbauten im viktorianischen Stil sind zu finden. In diesen Palästen sind der Landtag, der Gerichtshof, Bibliotheken und andere öffentliche Einrichtungen untergebracht. Das Stadtbild um den Cubbon Park herum wirkt nicht sonderlich indisch. Aber diese fremden Einflüsse sind freilich auch ein Merkmal Indiens. In Bangalore merkt man an den Leuten und am Baustil noch einmal stärker, dass es in keinsterweise eine „indische Kultur“ gibt, sondern nur „indische Kulturen“.

Wir stellten in der Mahatma Gandhi Road, auf der gerade eine kleine Prozession von Hindus mit Maskentänzen und geschmückten Reitern stattfand, angelangt fest, dass es doch keine so gute Idee war, unbedingt so nah an den Sportanlagen der Stadt übernachten zu wollen. Am Busbahnhof hat man mehr Auswahl, nur sind die Sportanlagen weiter weg und die Hotels schlechter – aber sie haben wenigstens indische Preise: hier fanden wir nach zwei Stunden Suche mit Hilfe eines Rikschafahrers in einer Seitenstraße der MG-Road ein ordentliches, modernes, sauberes Hotel – also eine gute Absteige die auf dem Stand von Kerala war – für fast den dreifachen Preis von Kerala. Gleiche gute Qualität wie in Palakkad, Kochi oder Kozhikode auch – und statt den üblichen 500 Rupien ganze 1.400 (21,50€)!
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Nachdem wir kurz eine sehr ansehnliche Kirche in eher südeuropäischem Stil und wegen des Schnitzwerkes interessante Hindutempel von außen begutachtet hatten, machten wir uns auf dem Weg zum Sree Kanteerava Stadion, das für Leichathletik, selten noch für Fußball, genutzt wird. Das eigentliche Stadion war erwartungsgemäß geschlossen, doch wir waren ja auch wegen Basketball hier. Allerdings war auch die Halle wegen Renovierungsarbeiten zu, sodass wir zum ersten Mal Basketball unter freiem Himmel erlebten. Auf den Courts, die keineswegs als Streetballplätze verunglimpft werden dürfen – die Maße sind völlig korrekt, der Belag ist halt recht hart... – spielten zwar nur zwei Teams der U-13, die auch erst nach über einer Stunde Verspätung wegen zu spät erschienener Gegner und Schiedsrichter anfingen, doch es lohnte sich allein wegen der Atmosphäre dort zu gucken. Auf den Steinstufen der kleinen Tribüne fanden sich dutzende Schüler, die mit anderen Schulmannschaften an diesem landesweiten Turnier teilnahmen, sowie auch etliche Eltern ein. Die Mädchen von der einen Sportschule unterhielten sich etwas mit Anja – natürlich nur mit Anja: eigentlich verwunderlich, dass man in Indien doch nicht so weit geht und die Turniere für Jungen und Mädchen getrennt abhält, damit die Geschlechtertrennung strenger eingehalten werden kann – und einige Jungen und Eltern waren doch sehr begeisterungsfähig, wenn die Mannschaften Treffer erzielten.

Im ersten Spiel erzielte anfangs nur Bangalore City Treffer. Bei dieser Mannschaft waren schon gute Ansätze in Dribbling und Korbwurf vorhanden. Doch nach 8:0 und einem ersten Viertel (hier nur 7 Minuten) von 11:2 für City, kämpfte sich National Bangalore zurück. Die Nationalen glichen einmal aus (13:13) und waren bei Halbzeit nur 15:13 hinten. Sie hielten das Spiel bis zur Schlussminute offen, wobei sie trotz allem Kampfgeist nie näher als auf zwei Punkte herankamen. City war technisch einfach besser und konnte so einen 25:22 Sieg einfahren.

Im zweiten Spiel, das insgesamt besser war als das erste, schien nach dem starken ersten Viertel alles für Dharawad zu laufen, doch die PPC kam nach 3:8-Rückstand im Laufe des zweiten Viertels noch auf 9:9 heran und drehte das Ergebnis in den letzten anderthalb Minuten der ersten Hälfte auf 13:10. Von da an lag PPC immer vorne und konnte schließlich einen 27:24 Sieg feiern.

Da das Mädchenteam von der Sportschule mangels Gegner nicht spielen konnte, machten sich Anja und ich auf die Suche nach einem Restaurant. In der Museum Road gab es ein gutes indisches Restaurant, bei dem man mit Trinkgeld bei 500 Rupien (7,50€) zu zweit bei großen Portionen und mehreren Getränken raus kam. Für Bangalore ist das noch günstig – in Kochi oder Kozhikode hätten wir kaum 350 Rupien bei gleicher Qualität gezahlt. Im Hotel guckten wir dann noch etwas indische Cricketliga (IPL). Das Spiel von Bangalore erlebten wir dann Samstag auch live im Stadion, wobei es eines der seltsamsten Sporterlebnisse in meiner Groundhopping-Laufbahn war und sich trotz etlicher negativer Aspekte sehr lohnte...
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Statistik:
Grounds: 720 (heute 1 neuer; diese Saison: 126 neue)
Sportveranstaltungen: 1.494 (heute 2, diese Saison: 180)
Tageskilometer (5./6.4.): 580 (570 Bus, 10 Autorikscha)
Saisonkilometer: 43.570 (25.020 Auto/ 14.820 Flugzeug/ 2.280 Bahn, Bus, Tram/ 2.010 Fahrrad/ 20 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 44
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 297

Mittwoch, 4. April 2012

IND-XXIV: Praktikum in Indien – Notizen (9)

* Fußball in Indien *

Von den 31 Ländern, in denen ich bisher außerhalb Deutschlands Fußball geguckt habe, war Indien das mit Abstand unattraktivste. Noch hinter Liechtenstein. 1,2 Milliarden Einwohner – nur wenig mehr als 10.000 Fußballmannschaften – nicht ein einziger Profi im Ausland – an einer WM nicht teilgenommen, da man unbedingt ohne Schuhe kicken wollte und die FIFA es unterband – eine Profiliga, in der fast alle Mannschaften kaum Niveau der Landesliga haben und Zuschauerzahlen, die nur in absoluten Ausnahmefällen den höheren vierstelligen oder gar fünfstelligen Bereich (bei einem Land von wie gesagt 1,2 Milliarden Menschen und Spielorten, die Millionen von Einwohnern haben) erreichen... Bei einer Gesellschaft wie der indischen, kann man aber auch nichts im Fußball erreichen. Fußball ist für viele Inder aus unterschiedlichen Gründen unattraktiv. In einer Nation mehrheitlich falsch- und mangelernährter Menschen, in der man so gut wie gar nicht von einer unteren sozialen Schicht in eine obere aufsteigen kann, und in der Individualität (meist ist es sogar mehr Egoismus) so übertrieben groß geschrieben wird, kann ein anstrengender Teamsport wie Fußball auch nicht erfolgreich sein. Der in den meisten Ländern der Welt beliebteste Sport hat nur eine geringe Bedeutung im Schatten des Cricket.

Warum Cricket, fragen sich natürlich manche? Ganz einfach: da die überwältigende Mehrheit der Inder auch gar nicht fähig ist, einen körperlich anspruchsvollen Sport wie Fußball auszuüben! Warum ist denn wohl nicht Fußball oder Rugby der beliebteste Sport in der britischen Ex-Kolonie, wie es z.B. auf den Fidschi-Inseln der Fall ist, wo Rugby vor Fußball und weit vor Cricket rangiert? Beim Cricket muss man geschickt werfen und geschickt mit einem Schläger umgehen können, kann aber auch in höheren Ligen ein unterernährter Vegetarier oder Veganer sein, da es kaum Laufaufwand gibt. Das Problem der enormen Länge eines Cricketspiels hat sich schnell mit den vielen kurzen und längeren Pausen erledigt. Hinzu kommt die Einstellung der absoluten Mehrheit der Inder, lieber für sich zu spielen und nicht für den Erfolg eines Teams. Wie Raju schon meinte, spielte er früher immer lieber Cricket, da alle Ergebnisse, die man als Schlagmann oder Werfer erreicht, genauesten vermerkt werden. Der eigene Erfolg rückt in den Vordergrund, während der Erfolg des Teams marginalisiert wird: Hauptsache man hat sein Century oder wenigstens so 50 Runs geschafft – ob das Team nun mit 8 Wickets verloren hat, ist halb so wichtig.

Es gibt natürlich auch positive Ausnahmen. Wenn man sich Kalkutta anschaut und die 100.000 Zuschauer sieht, die wenigstens bei Derbyspielen und internationalen Duellen ins riesige Saltlake Stadium gehen, zum Beispiel. Die beiden Teams, die diese Massen an Fans haben, heißen Mohun Bagan und East Bengal. Dort gibt es alles, was zu einem wichtigen Fußballspiel dazugehört: wenigstens halbwegs talentierte und gute Spiele (die entsprechend auch relativ hoch bezahlt werden), viele Fans die ihr Team anfeuern und auch schnell ausrasten (normalerweise gibt es beim Fußball in Indien keine Krawalle: aber man möchte fast sagen, Kalkutta ist nicht Indien), Medienaufmerksamkeit, Merchandising...

Doch Kalkutta ist eine absolute Ausnahme. Das ist eine größere Stadt in einem riesigen Land. Dieser Post im „Indian Football Forum“ trifft die Situation ganz gut: „Because of these Kolkata fans still football is alive in Kolkata. Kolkata shows that 1 lakh fan in Mohunbagan East Bengal match and few thousand( not even 5 figure) in International cricket matches in Eden Garden. When all over India Cricket has eaten all other games, only in Kolkata, Goa and NorthEastern Region football is becoming more and more popular.”
Goa kann man im kleinen auch noch so akzeptieren und im Nordosten Indiens wird sich Fußball vielleicht auch noch entwickeln, aber in den meisten Landesteilen nimmt man Fußball viel eher durch negative Zwischenfälle war: in Bangalore starb vor wenigen Wochen ein Viertligaspieler an Herzversagen – schlecht trainiert, körperlich nicht für diesen Sport geeignet… OK, passiert überall. Fußball ist schließlich für alle da: sonst würde es Tennis oder Hockey heißen. Aber wenn ein Spieler stirbt, weil es keinen Mannschaftsarzt gibt, kein Krankenwagen in der Nähe ist und ein Krankenhaus nur zwei Kilometer entfernt liegt aber nicht rechtzeitig angesteuert werden kann, da man erst eine Rikscha rufen musste um den Zusammengebrochenen abzutransportieren, wirft das ein deutliches Licht auf diese Nation.

In Anbetracht der Realität des indischen Sports, insbesondere Fußballs, wirken Artikel wie „Indien, der schlafende Fußballriese“ von Martin Krauss in der TAZ wie ein schlechter Witz. Aber eigentlich zeigt nur, wie unfähig der Journalist ist, dass er derartig an den Haaren herbeigezogene Sachen – das ist selbst für die TAZ unter aller Sau – schreibt.
Den größten Unfug habe ich hier mal herausgestrichen:
1. „In 16 Jahren, aber wem sage ich das, findet wieder eine Fußball-WM statt. Und zwar, wenn alles gut geht, 2026 in Indien. Das fordert zumindest Suresh Kalmadi, der erst jüngst erfolgreich die Commonwealth-Spiele organisiert hatte.“ Quatsch! Wenn man Ahnung hat, kommentiert man diesen Absatz mit dem Hinweis auf die kranke Selbstüberschätzung vieler vor allem hindu-nationalistischer Inder. So eine Anmerkung gehört auch in einen Zeitungsartikel, wenn man eine solche Schwachsinnsaussage als Journalist vorgesetzt bekommt.
2. „Fußball ist trotz Kricket und Hockey der Volkssport Nummer eins. Es ist der Sport der Unter- und Mittelschicht Indiens, also der großen Masse.“ Quatsch! Schon ist der Autor auf die nächste Lüge eines indischen Interviewpartners hereingefallen. Auch die unteren Schichten spielen Cricket – freilich landet ein Bauernkind nie in der IPL oder der Nationalmannschaft.
3. „In Kalkutta steht mit dem Yuba Bharati Krirangan das zweitgrößte Stadion der Welt; nicht selten sind, wenn dort I-League-Spiele der indischen Profiteams ausgetragen werden, alle 120.000 Plätze besetzt.“ Totaler Quatsch! Selbst beim Derby kommen selten mehr als 100.000 und bei einem normalen Ligaspiel meist weit unter 50.000!
4. „anders als europäische Beobachter es vielleicht vermuten würden, verdienen die besten indischen Fußballprofis mehr als ihre Kollegen aus dem Kricket.“ Was ein Quatsch! Vergleich mal die Einkünfte der IPL-Spieler (v.a. inklusive Werbeverträge und dergleichen mehr: in Deutschland wird Nutella von Fußballprofis beworben – in Indien Nahrungsergänzungsmittel von Cricketprofis) mit denen der I-League-Kicker. Logischerweise kriegt man für hervorragendes Cricket mehr Kohle, als für minderwertigen Fußball!
5. „So viel Anschluss an Weltfußball und Weltmarkt - beides nicht ganz unwesentlich von einer fränkischen Firma mit drei Streifen geprägt - wollte man in Indien damals nicht. Und wurde prompt abgehängt.“ Ach Quatsch! Selbst wenn die gleich auf den Zug aufgesprungen wären, wäre Indien wieder runtergefallen, da es sich in den wenigstens Bereichen wirklich nach vorne entwickelt. Eine rein gesellschaftliche Sache – keine wirtschaftliche. Da braucht man nur mal mit offenen Augen in diesem Land unterwegs gewesen sein!
6. „Bei der Erschließung des Fußballweltmarkts fehlen nur noch China und Indien.“ Das ganze Fazit des Autors ist totaler Müll. Schon allein dieser Satz im Schlussabschnitt. In China gibt es eine ganz andere Sportszene als in Indien: wenn man Weltklasseleute in Tischtennis, verschiedenen Kampfsportarten, Turnen u.a. hat, macht es doch nichts, wenn man den mittelmäßigen Fußball (den mittelmäßigen! Indien ist weit hinter China im Leistungsvermögen!) nur gemächlich ausbaut. Man ist trotzdem – wie immer – vor Indien. Nicht nur im Fußball zieht Indien immer den Kürzeren gegen China: so unsauber und unsympathisch China auch zu seinen Erfolgen kommt – diese Nation ist in einigen Dingen wenigstens wirklich fähig und tönt nicht nur arrogant herum wie Indien!

Übrigens: All diese Fakten waren einfach nachzurecherchieren. Einen schlechteren Artikel als Krauss im Sportteil kann man kaum verfassen!

Meine Prognose geht aufgrund der vorliegenden Fakten in die Richtung, dass sich der Fußball in Indien in 10, 20 oder 100 Jahren genauso entwickeln wird, wie das gesamte Land mit aller Wirtschaft, Infrastruktur und sozialem System: nämlich gar nicht oder fast nicht. Da hilft auch keine Ausländerliga auf indischem Boden – in der I-League sind sowieso schon viele ausländische Spieler, die trotz ihrer mangelhaften Qualitäten Geld verdienen und die meisten Tore schießen (siehe Scorerliste bei soccerway!) – wie das neue Schwachsinnsprojekt gestörter Wirtschaftsbonzen: dieser Artikel auf der Seite des „Telegraph“ ist lesenswert – aber eigentlich verbietet sich jeder Kommentar zu diesem Schwachsinn: Indian Soccer League.
Doch die gute Nachricht ist ohnehin, dass es zu dieser Liga ganz sicher nicht kommen wird: nicht genügend Spielstätten, heißt “Verschiebung” des Saisonstarts: Link zu The Guardian.

Also nicht dass jetzt jemand denkt, ich will einfach nur Schlechtes über Indien schreiben. Ich habe nicht prinzipiell etwas gegen diese Nation. Nur was soll ich denn Gutes schreiben! Man kann meinen Artikeln ja entnehmen, wie hier die Realität ist. Oder um Clints Bemerkung über eine französische Studentin, die ihr Praktikum in Kottayam nach einem knappen Monat abbrach, zu zitieren: “Damn, I think she thought India is a Bollywood-movie! She didn’t come clear with reality…“