Posts mit dem Label Korce werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Korce werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 14. September 2012

W318VI: Balkantour 2012 – Tag 9 = Bericht (9)

| Länderpunkt Griechenland in der historischen Region Makedonien |

Podosfairikós Athlitikós Enosis Veria ------------------ 0
Panionios Gymnastikos Syllogos Smyrnis (Athina) - 1
Datum: Samstag, 1. September 2012 – Anstoß: 18.15
Wettbewerb: Super League (1. griechische Profifußballliga)
Ergebnis: 0-1 nach 94 Min. (47/47) – Halbzeit: 0-0
Tor: 0-1 50. Kostas Mendrinos
Verwarnungen: Nikos Tsimogiannis, Wayne Thomas, Guillermo Pérez Moreno (Veria); Kostas Mendrinos, Alexandros Kouros, Fanouris Goundoulakis, Kostas Peristeridis (Athen)
Platzverweise: keine
Spielort: Dimotiko Stadio Verias (Kap. 8.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 3.500 (darunter ca. 150 Gästefans)
Unterhaltungswert: 4,5/10 (Typisch griechisches Spiel: Nicht langweilig, aber auch nicht gut und gewonnen hat die weniger aktive Mannschaft mit einem Konter)
IMG_8164  
Photos with English Commentary:
a) Football in Greece: FC Veria vs Panionios Athens 
b) Churches in Northern Greece: Around Veria (Berrhoia)

Dass Korçë nicht nur die albanische Hauptstadt der griechischen Orthodoxie, sondern auch der Vollidioten ist, zeigte sich nach dem Theater um die Fußballkarten noch deutlicher an der Grenze: Wer stellte sich wieder falsch an, blockierte die Spuren und nervte die erstaunlich kompetenten griechischen Zöllner? Die Hirnamputierten aus Korçë natürlich wieder! Demonstrativ ließ ein griechischer Zöllner uns nach Ansehen des Passes und der Fahrzeugpapiere ohne weitere Kontrollen passieren, während der Depp aus Korçë hinter uns, vor dem wir uns reingedrängelt hatten, da der Spinner in der EU-Spur fuhr, den Kofferaum auspacken musste…

Griechenland ist mir aufgrund der politischen und sozialen Entwicklungen – nicht nur jene der letzten Jahre: die neuere griechische Geschichte ist voll von Negativem; ob hemmungsloser Betrug, faschistische Militärdiktaturen oder Pogrome gegen Minderheiten – sehr unsympathisch. Kaum ein Volk oder Staat, das/ der sich so aggressiv gegenüber anderen verhalten hat bzw. verhält, hat noch so ein hohes Ansehen wie Griechenland, dessen längst verblichene Bedeutung für die europäische Kultur maßlos übertrieben wird – ohne die Araber wären das griechische Gedankengut und die ganzen Erfindungen verloren gegangen und nie verbessert worden; da man dieses verbesserte Wissen von den Arabern aufnahm und noch weiter entwickelte sind es also jene so Verachteten, die mehr Lob als die so Geschätzten verdienen.
Doch dass ich nie über mangelnde Höflichkeit in griechischen Restaurants klagen konnte, setzte sich in Griechenland selbst fort. Wie viel näher Griechenland an der Arabischen Welt dran ist, als an West-/ Mitteleuropa, kann man an den erfreulich sympathischen Umgangsformen und der weit verbreiteten Höflichkeit gegenüber Touristen feststellen. Dienstleistungen haben hier ein hohes Niveau: Nicht nur in Restaurants und Geschäften, sogar an den Mautstationen der Autobahn wird man sofort mit einem Lächeln und einer Grußformel begrüßt.

Maut entrichteten wir aber erstmal noch nicht, da wir die Autobahn nur bis Zoodohos Pigi befuhren, wo es eine schöne Kirche an einer wasserreichen Quelle gibt. Spektakulärer ist die Kirche des etwas näher an Veria gelegenen Klosters Panagia Soumalis. Veria selbst ist eine etwas komisch anzusehende mittelgroße Stadt: Die vereinzelten historischen Bauten sind voll umstellt von moderner, primitiver Betonbebauung.
IMG_8194 In Veria gibt es aber ein ganz sehenswertes Stadion: Rote und blaue Sitze auf der überdachten Haupttribüne, die eine schöne Dachform aber dicke Stützbalken hat, sowie der gegenüber liegenden unüberdachten Tribüne, hinter der etliche Anwohner das Spiel ohne Entrichtung der maßlosen 15€ von ihren Balkonen aus verfolgten, und auch auf den Hintertortribünen. Interessant ist auch zu sehen, dass es selbst im Stadion Trinkwasserquellen gibt – so spart man die teuren Getränke am Imbisstand, der baulich immerhin sehr gelungen ist. Also ruhig einen Plastebecher mitbringen, damit sonst das Quellwasser aus den Händen saufen muss.

Das Spiel wusste jetzt nicht so zu überzeugen, zumal beide Fangruppen außer vereinzeltem melodiösem Anfeuern und weniger melodiösem Gepöbel des harten Kerns nichts zu bieten hatten. Veria war auf dem Feld offensiver, aber sehr abschlussschwach und konnte erwartungsgemäß mit ihrer Rumspielerei am Strafraum und den Pässen in der Mitte nichts ausrichten und fing sich einen Konter der technische sichereren Gastmannschaft aus Athen ein. Schön flach aus 15m ins kurze Eck.

Nach dem Spiel fuhren wir für 6€ die komplette Autobahn von Veria nach Igoumenitsa durch, da wir noch eine Nachtfähre nach Korfu kriegen wollten.
IMG_8104 Statistik:
Grounds: 787 (heute 1 neuer; diese Saison: 19 neue)
Sportveranstaltungen: 1.600 (heute 1, diese Saison: 23)
Tageskilometer: 470 (470 Auto)
Saisonkilometer: 7.160 (6.750 Auto/ 510 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 136
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 318

W318V: Balkantour 2012 – Tag 8 = Bericht (8)

| Diesmal kein Abenteuer Straße, aber das Abenteuer Fußball in Albanien |

KF Skënderbeu Korçë -------------------------------- 2
KF Apolonia Fier -------------------------------------- 0
Datum: Freitag, 31. August 2012 – Anstoß: 19.00
Wettbewerb: Kategoria Superiore (1. albanische Profifußballliga)
Ergebnis: 2-0 nach 95 Min. (48/47) – Halbzeit: 0-0
Tore: 1-0 56. Sebino Plaku (Foulelfmeter), 2-0 65. Nurudeen Orelesi
Verwarnungen: Dorian Kërçiku (Skënderbeu); Guido Tepshi, Konstandin Ndoni, Albi Llënga, Emiliano Çela (Apolonia)
Platzverweise: keine
Spielort: Stadiumi Skënderbeu (Kap. 7.500 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 5.000 (darunter keine Gästefans)
Unterhaltungswert: 7,0/10 (Gute Atmosphäre, noch besseres Spiel)
IMG_8008 Photos with English Commentary:
b) Castles of Albania: Berat, Elbasan, Pogradec
 
Die wir heute nur große Straßen fuhren, wurde die Route zwar etwas länger, doch weitere Straßenabenteuer mit 65km unbefestigten Bergpisten oder so was blieben aus. Es ging sogar relativ flott voran, da man z.B. von Elbasan nach Pogradec eine hohe Qualität von Landstraßentyp hat. Bevor wir uns die beiden erwähnten Orte anschauten, besichtigten wir aber natürlich den Ort, in dem wir übernachtet hatten. Berat gilt einigen als die schönste Stadt Albaniens oder zumindest auf Augenhöhe mit Gjirokastra, was wir auslassen mussten. Ich habe ja bis jetzt nur sieben Städte in diesem Land gesehen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass bei Stadtbesichtigung Nr. 4 gleich das absolute Highlight gekommen ist. Schöne Flusstallandschaft zwischen hohen Bergen, auf dem einen Ufer ein dörflicher, christlich geprägter Altstadtbereich im osmanischen Steinhausbaustil mit charakteristischen Erkern und auf dem anderen ein größerer muslimisch geprägter Altstadtteil im gleichen Baustil, aber noch deutlich schöner da sehr enge Gassen. Sehenswert ist außerdem die Burg, die oberhalb des muslimischen Altstadtbereiches thront. Für 100 Lek (0,70€) Eintritt besichtigt man eigentlich keine Burg sondern eine befestigte Kleinstadt. Ganze Kirchen, Wohnhäuser, Geschäftshäuser usw. befinden sich innerhalb der massiven, aber teils recht stark gebröckelten Mauern, die sich auf der Spitze eines von Olivenhainen durchzogenen Berges befinden.

Nach Berat fällt Elbasan natürlich ganz schön ab. Neustadt im Stile Enver Hoxhas Diktatur und mittendrin eine quadratische, mittelalterliche Festungsstadt. Die Mauer ist in weiten Teilen erhalten, innen ist aber alles völlig zugebaut von modernen Bauten. Die drei, vier historischen Gebäude gehen in diesem architektonischen Chaos völlig unter. Was uns am meisten ins Auge fiel war die eine Moschee im Zentrum der Festung: Zu Zeiten des Kommunismus beschädigt – Minarett ab – nun mit noch nicht fertig gebautem und sehr bescheidenem Minarett versehen und bei der Freitagspredigt so was von überfüllt… OK, die Moschee ist ja nicht groß, aber so westlich wie in der Stadt Elbasan (wie in anderen albanischen Städten ja auch) alle rumlaufen, hätte ich keine überfüllte Moschee erwartet.

Wenig lohnend war Pogradec am Ohrid See. Der Sprachkundige wird sofort sagen: Was? Der Ort heißt Pogradec, als „Unter der Festung“ und liegt in Albanien? Klar: Makedonien ist in Sichtweite und so kommen auch schon mal slawische Einflüsse in den albanischen Sprachraum, der ja sprachlich eher in Richtung Griechisch geht, aber am nächsten noch mit Persisch verwandt ist. Pogradec ist jedenfalls ein gesichtsloses Badedorf und von der Festung ist nichts mehr zu sehen. Die Burgstelle befindet sich auf einem steilen Berg, der mit einem Nicht-Allradfahrzeug kaum bis zum Ende befahrbar ist.

Korçë macht da schon mehr daher, obwohl man die Stadt auch nicht als besonderen Knaller darstellen brauch. Ein wüstes Stilmischmasch ganz unterschiedlicher Qualität. Auffällig ist, dass fast nur Kirchen zu finden sind. Muslime sind hier in der Minderheit und auch die sonst in Albanien weit verbreiteten Katholiken stellen nur die zweitgrößte religiöse Gruppierung. Hier finden sich so viele griechisch-orthodoxe Menschen wie sonst nirgendwo in Albanien. Die griechisch-orthodoxe Kirche ist auch das eindruckvollste Bauwerk der 90.000 Einwohner zählenden Stadt.
IMG_7899 Trotz der ethnischen Vielfalt des Ortes – Albaner, Griechen, Slawen, Araumunen u.a. – wird auch hier von 90% der Menschen nur Albanisch gesprochen. Wir konnten trotzdem im guten und empfehlenswerten Hotel „Gold“ ohne Probleme für 21€ einchecken. Verkehrssprache im Hotel mal wieder Italienisch. Am Kartenschalter des Fußballstadions ging es sogar ganz ohne Fremdsprachen: Einfach Handzeichen für „zwei“ geben, da eh alle durcheinander brüllten. Freundlicherweise holte ein albanischer Fan der etwas vor uns am Gitter des Wettbüros, in dem es die Karten gab, stand, für uns gleich zwei Karten mit. So ein Chaos beim Kartenholen habe ich aber selbst in Nordafrika oder Indien noch nicht erlebt: Zu weniges und unfähiges Personal und dann Tumulte weil das Wechselgeld nicht stimmte und zu langsam gearbeitet wurde. Wären kein Gitter vor dem Kassenhäuschen gewesen, hätten sich alle Fans einfach so bedient und nicht nur am Gitter gerüttelt und rumgepöbelt…

Im Stadion von Skënderbeu Korçë – Gjergj Kastrioti, genannt Skënderbeu ist der größte albanische Nationalheld, da der Fürst im 15. Jh. stark gegen die osmanische Vorherschafft kämpfte – ging der Tumult gleich weiter. Zwischen der Büste des Helden vor dem Hintertoreingang und der Hintertortribüne wurde am Eingangstor randaliert, da nicht genug Karten ausgegeben wurden und noch Plätze frei gewesen wären im 7.500 Zuschauer fassenden Stadion. Die Polizei schlichtete die Handgreiflichkeiten aber sehr vernünftig.

Während des guten und schön anzusehenden Spiels gab es auch keine weiteren Auseinandersetzungen, was auch am vorbildlichen Polizeiverhalten lag. Wenn da mal ein paar Feuerwerkskörper abgefackelt wurden, griff niemand ein und bei aufgeladenen Situationen wurde nur Präsenz gezeigt. Das Stadion ist übrigens auch vorbildlich – jedenfalls für Albanien. Die Sitzschalen haben keine Lehnen und sind etwas alt, aber sonst hat man meist nur nackte Betonstufen in den albanischen Stadien und nicht solche „Luxussessel“ in Vereinsfarben. Die Hälfte der längs stehenden Haupttribüne ist auch überdacht und etwas abgehoben von den beiden einfacheren Teilen rechts und links der Mitte. Die meiste Stimmung war übrigens im Fanblock auf der Mitte der Gegentribüne. Gästefans hatten leider keine Zeit/ Lust oder kein Geld um den 200km (d.h. über 3 Stunden) langen Weg von Fier nach Korçë an einem Freitag zu bewältigen.

Für ihre Mannschaft, die recht viele Konter spielte aber sich auch anderweitig gute Chancen spielte, hatte sich das Kommen auch nicht übermäßig gelohnt. Nach einem Spieltag war das die Paarung 1. gegen 4. wobei nur die ersten drei Teams gewonnen hatten. Skënderbeu kam erstmal eine Weile nicht so recht ins Spiel, doch mit zunehmender Zeit nahmen auch die Chancen zu. Aber erst ein harter Elfmeter nach 56 Minuten, der mittig flach verwandelt wurde, lenkte das Spiel in die richtigen Bahnen für die Heimelf und führte den Rekord von meinem Vater und mir weiter: 135 Fußballspiele ohne 0:0! Das 2:0, das neun Minuten später fiel, war ein herrlicher Weitschuss ins lange Eck, den der sich hechtende Torwart einfach nicht erreichte. 2:0 war der Endstand.

Wir gingen unter den immer noch glotzende Kinderaugen – albanische Erwachsene sind zurückhaltend höflich, Kinder wirken hingegen unheimlich doof: glotzen viel, sagen gar nichts; wobei sie wohl auch einfach nichts sagen können, da sie intelligent genug sind, zu wissen, dass der Ausländer sie nicht versteht und umgekehrt auch nicht, aber sie sich andererseits mangels Fremdsprachenkenntnisse auch nicht verständigen können – ins Vereinslokal von Skënderbeu. Zum Fleisch vom Grill mit einem hervorragenden Salat und gutem Schafskäse gab es klassische, südalbanische Livemusik. IMG_8075 Statistik:
Grounds: 786 (heute 1 neuer; diese Saison: 18 neue)
Sportveranstaltungen: 1.599 (heute 1, diese Saison: 22)
Tageskilometer: 260 (260 Auto)
Saisonkilometer: 6.690 (6.280 Auto/ 510 Fahrrad/ 0 Flugzeug/ 0 Bahn, Bus, Tram/ 0 Schiff, Fähre)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 135
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 318