Montag, 30. Januar 2023

W3.0105II-108I: Nicht zur Pilgerfahrt, sondern zum Fußball nach Mekka und Medina – 16 Tage Rundreise durch Saudi-Arabien

Photos with English Commentary:

a) Pro League in Majmaah: Al-Fayha vs. Hafar Al-Batin

b) Pro-League in Riyadh: Al-Shabab vs. Ittihad Jeddah

c) Video: Ittihad Support

d) Under-17 Premier in Majmaah: Al-Fayha vs. Al-Nassr

e) Pro-League in Buraydah: Al-Raed vs. Al-Hilal

f) Video: Hilal Support

g) First Division in Al-Rass: Al-Hazm vs. Al-Araby

h) Video: Al-Hazm support

i) Under-19 Premier in Medina: Al-Ansar vs. Al-Hilal

j) Second Division in Mekka: Weg Taif vs. Al-Ansar Medina

k) Third Division in Al-Bahah: Hejaz Beljourashy vs.Afif Club

l) Under-19 Second Division Championship Round in Rijal Almaa: RIJAL ALMAA VS. AL-TIHAMI JAZAN

m) First Division in Najran: Najran SC vs. Al-Akhdood Najran

n) Video: Akhdood Support 

o) Third Division in Howtat Beni Tamim: Al-Selmiya vs. Al-Ula

p) Video: Al-Ula Support

q) Under-17 Premier Division in Al-Ahsa: Al-Jeel vs.Al-Ourubah

r) Handball in Al-Ahsa (First Division): Al-Adalah vs. Al-Thuqbah & Al-Rawdah vs. Al-Jeel

s) Third Division in Al-Qatif: Al-Thuqbah vs.Al-Khaldi

t) Video: Al-Thuqbah Support

u) Pro League in Riyadh: Hilal vs. Abha

v) NAJD REGION: Riyadh, Majmaah, Harmah, Buraydah,Qasr Lodhan, Unayzah, Al-Rass (Shinanah), Layla

w) HEJAZ REGION: Medina, Hifr Kashab Crater, Souq Okaz (Forts of Marwan and Arafah), Mekka Suburbs (Ju'ranah, Al Shara'i), Taif (Old Town, Palaces Kaaki and Jabra, Bedaiwi Castle)

x) ASIR, JAZAN & NAJRAN: Al-Qissamah, Al-Bahah, DHEE AIN, fortifications near Al-Makhwah, Bani Rzam Fortifications in Souq Al-Sabt, Abha (City, Jabal Nahran), Abu Sarrah, Jabal Sawda, Al-Aous, RIJAL ALMAA, JAMANAH HISTORIC VILLAGE, REYAA, FAYFA, Aal Selmi Village: Al-Unqah, Muthrara and Hanfah (Fortifications and Flowermen), DHAHRAN AL-JANOUB (Al-Hoza, Al-Haydan), NAJRAN (Al-Aan Palace, Ra'oum Castle, Emarah Palace, Akhdood Archeological Site)

y) Al-Sharqiyyah (Eastern Province): Al-Ahsa (Ibrahim Palace, Mehaires Fort, Qarah Mountain),Uqayr, Al-Qatif, Tarout Island

 

Weg Taif 1:1 Al-Ansar Medina

 

Einleitung und Anreise

Und noch ein Länderpunkt in der Arabischen Welt. Saudi-Arabien ist natürlich ein sehr interessantes - wenn auch (aus nachvollziehbaren Gründen) eher verrufenes - Reiseziel, weswegen ich gleich mal knapp 3 Wochen einplante. Mein Vater und ein Groundhopping-Kumpel aus der Koblenzer Ecke fuhren mit. Es gab noch mehrere andere Interessenten, denen aber die Daten oder die Dauer nicht passten. Um von diesem interessanten Land genug zu sehen, sollte man aber schon 2-4 Wochen einplanen. Auf Arbeit rief die Reiseplanung natürlich gewisse Belustigung hervor: Von wegen kleine Pilgerfahrt nach Mekka - keiner von unserer Gruppe ist muslimisch, so sahen wir außer dem Stadion nicht wirklich was von Mekka...

 

Unser Mitfahrer reiste wegen der Flugverbindungen aus seiner Region einen Tag vorher an und machte schon mal den Länderpunkt - wegen Starkregens wurde eine Partie nach 60 Minuten abgebrochen und für die zweite Partie bekam er eine Einladung von einem Einheimischen auf die Karten.

 

Mein Vater und ich fuhren nach Hannover und flogen von da via Istanbul mit Pegasus nach Riad. Hannover machte als Flughafen einen ganz guten Eindruck, der Parkservice Drive&Park ist jedoch unter aller Sau (preisgünstig, aber inkompetent, unprofessionell und unseriös). Wenn dieser Flughafen mit der DrecksBahn gescheit angeschlossen wäre von Braunschweig aus, hätten wir auch die Bahn und nicht das Auto genommen. Für zwei Personen oder drei und mehr lohnt sich aber kaum bzw. gar nicht mehr die Bahn zu benutzen, da fast genauso bzw. noch teurer als mit dem Auto dort hinzufahren und zu parken.

 

Majmaah

 

Tag 1: Länderpunkt Saudi-Arabien mit spontanem Erstligabesuch

 

Nach wenig Schlaf ging es zum Frühstück in ein typisches Restaurant, wo man ein warmes Frühstück serviert bekommt. Eier, Gehacktes, gegrillte Leber, Bohnen... Gegessen wird mit den Händen bzw. Brot (das Fladenbrot wird in kleine handliche Stücke gerupft und dann nimmt man damit die Fleisch- bzw. Gemüsestücke auf). Ich fragte für meinen Kumpel, ob die einen Löffel bringen könnten, doch in so einer einfachen einheimischen Gaststätte haben die kein Besteck... Zu dritt zahlten wir aber auch nur 7€ inklusive Wasser und Tee (hier wird ein Teebeutel gemäß sudanesischer Art in heiße Milch gehängt).

 

Die erste Sportveranstaltung sollte eigentlich eine Landwirtschaftsmesse mit Kamelrennen in Al-Rumahiyah 100km außerhalb von Riad werden. Dort angekommen, klärte sich leider, warum ich heute morgen keine Onlinetickets bekam: Rennen ausverkauft.

 

In Saudi-Arabien werden im Zuge der Modernisierungskampagne Vision2030 sehr viele Sachen digitalisiert und modernisiert usw. Für Ausländer eher nervig ist aber, dass man erstmal eine saudische SIM-Card (im Monat zwischen 20 und 60€, letztere Option bedeutet aber unbegrenzt Datenvolumen usw.) erwerben muss, sich dann erst bei entsprechenden Ticketdiensten registrieren muss und auch wenn man z. B. am Stadion ankommt, es noch Karten gibt, vom Ordner dann erklärt bekommt, wie man die Tickets auf dem Handy kauft (es gibt normalerweise keine Tageskasse in dem Sinne mehr!) und diese dann halt online mit Kreditkarte zahlt - das ist unpraktischer als z. B. das ähnliche System aus den großen US-Ligen und nervt kolossal!

 

Die Fußballtickets fürs nächstbeste Erstligaspiel konnte ich aber binnen Minuten aufs Handy laden und dann ging es ab nach Majmaah.

 

Al-Fayha Club Majmaah 2:2 Hafar Al-Batin FC

- Datum: Samstag, 7. Januar 2023 – Beginn: 15.30
- Wettbewerb: sog. Rosh Saudi League (1. saudi-arabische Profifußballliga)
- Ergebnis: 2-2 nach 96 (47/49) Minuten – Halbzeit: 2-1

- Tore: 1-0 15. Paulinho, 1-1 22. Yousef Al-Shammari, 2-1 38. Paulinho, 2-2 82. Andres Roa

- Gelbe Karten: Paulinho, Moslem Freej (Al-Fayha); Mohamad Bassam Alhurayji, Bader Nasser Howaidy Al-Shammari, Yousef Al-Shammari (Al-Batin)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Medina Majmaah Al-Riyadhiya (Majmaah Sports City; Kap. 10.000 Sitzplätze)
- Zuschauer: ca. 3.000 (davon ca. 25 Gästefans)
- Spielbewertung: 7,5/10

 

Majmaah ist eine der typischen Städte des zentralen Nadschd (Najd); es gibt eine Altstadt mit großen Lehmhäusern und hier auch einer Höhenburg mit schicken Türmen.

Nach Besichtigung der Altstadt ging es gleich zum  Stadion. Die Hütte war kein schlechter Ersatz für die ursprüngliche Planung. Sehr hohe doppelrangige überdachte Haupttribüne, gegenüber eine einfache Untertribüne, hinter den Toren kein Ausbau (Kamerapodest, Anzeigetafel - aber keine Zuschauerplätze). Die Haupttribüne bietet einen schönen Blick in die kahle Hügellandschaft.

Zuschauertechnisch fiel auf, dass viele Frauen da waren (bestimmt 25% Zuschauerinnen), die überwiegend auf der Gegenseite in einem speziellen Bereich nur für Kinder, Frauen und Familien Platz nahmen. Will eine einheimische Frau alleine zum Fußball oder nicht mit einem männlichen Verwandten sondern einer Freundin, dann nehmen die Frauen (in einem konservativen Kaff wie Majmaah stets verschleiert) in diesem Bereich Platz und setzen sich nicht etwa irgendwo auf die Haupttibüne oder gar in einen der zwei Stimmungsblöcke. Hier machten v.a. einige Dutzend Heimfans mit einem gewaltigen Megafon und Handtrommeln Stimmung, auch ein paar Dutzend Gästefans hatten die 330km (einfacher Weg) für den Tabellenletzten zurückgelegt und ein Megafon am Start. Beide Seiten sangen sich melodiös nieder - für ungeübte Ohren ist das aber eine ziemliche Lärmbelästigung... Interessant waren die Wechselgesänge zwischen Heimblock und Frauensektor. Man merkte, dass viele einheimische Frauen doch Interesse an Fußball haben.

Es war auch eine packende Partie, aber 13. gegen 16. und Letzter, somit erwartungsgemäß nicht auf höchstem Niveau. Al-Fayha ging zwei Mal in Führung, doch Hafar Al-Batin glich zwei Mal aus. Diese flotte Partie endete gerechtermaßen 2:2.

 

Nach dem Spiel gingen wir noch mal zur Burg (die hat 16 bis 23 Uhr offen, damit man da in der Dunkelheit die angestrahlten Mauern bestaunen kann; solche Quatschzeiten gibt es in KSA öfter) und steuerten das nächstbeste Hotel an. Die Rezeptionistin war auch mit Niqab verschleiert und froh, dass ich alles auf Arabisch klärte. Für 3 Leute zahlten wir keine 90€ für eine Art Ferienwohnung: solche Appartments sind der Standard in Saudi-Arabien; viel Platz, gute Möbel, jedoch stest komische Nasszellen als Bad...

 

Tagesstatistik: 380 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Al-Fayha Majmaah 2:2 Hafar Al-Batin FC

 

Tag 2: Unfall auf der Autobahn

 

Der zweite Reisetag war eine absolute Vollkatastrophe, v. a. für unseren Mitreisenden. Ihm war erst schlecht, dann rafften wir uns auf, nach Dammam zu fahren - er natürlich bequem auf der Rückbank - doch in Howtat Sudayr kam der Verkehr wegen eines defekten Fahrzeugs, um das sich die Polizei gerade kümmerte, zum Stillstand. Irgendein scheiß Gastarbeiter fuhr aber mit seinem Lieferwagen ungebremst auf das warnblinkende Stauende auf. Ich konnte den Wagen noch leicht zur Seite bewegen, trotzdem wurden wir so im Heck getroffen, dass Jonas hinten mit mehreren Brüchen ins Krankenhaus nach Tumayr und von dort nach Riad transportiert wurde. Mein Vater auf dem Beifahrersitz erlitt Prellungen, ich hab nur nen leicht verstauchten Daumen.

Polizei und Krankenwagen sofort da, verwunderlich nur, wie ich hier alles auf Arabisch klären musste. Auch im Krankenhaus konnte fast niemand richtig Englisch, das wurde erst in Riad besser. Avis bekam es nicht auf die Reihe, für meinen Vater und mich einen Ersatzwagen von Riad da hoch zu schicken. Da es in diesem Kaff Tumayr unmöglich war, einen Fahrer aufzutreiben, machte ein Medizinisch-Technischer-Assistent den Taxifahrer und zudem den Mittelsmann. Abdallah kümmerte sich für seine Bezahlung wirklich um alles, inklusive Essen und dem kostenlosen Ersatzwagen. Für meinen Vater und mich sollte die Reise bis zum Ende weitergehen - für Jonas war heute leider Schluss: ein Krankenrückholtransport musste her.

Das war wirklich das mit Abstand beschissenste Reiseerlebnis aller Zeiten!

 

Tagesstatistik: 300km Mietwagen/ Privatauto

 

Our accident between Majmaah and Riyadh

 

Tag 3: Spitzenspiel in Riad

 

Den Montag konnten wenigstens mein Vater und ich weitestgehend wie geplant verbringen.

Erst spätes Frühstück bei dem sudanesischen Restaurant in der Uthman bin Affan Branch Road, wobei wir mit einem sudanesischen Luftfahrtlogistiker namens Azam ins Gespräch kamen und der darauf bestand, unser Frühstück (gebratene Kalbsleber mit Gemüse und Fladenbrot - ja, das gibt es dort zum Frühstück...) auszugeben. Die Gastfreundschaft ist wohl nirgendwo so stark ausgeprägt, wie in arabischen Ländern - auch wenn ich immer wieder auch in nicht-arabischen Ländern sehr freundliche Menschen getroffen habe, aber so eine Geste macht wohl einfach niemand in einem anderen Kulturkreis.

 

Wir besichtigten dann Diriyah, was leider eine ziemliche Baustelle ist. Diese ehemalige Hauptstadt eines ersten saudischen Staates besteht u. a. aus den eindrucksvollen und gut gesicherten Ruinen eines Komplexes aus Wohnburgen und anderen Lehmgebäuden, die von den Osmanen zerstört wurden. Man kann die Museen kostenlos besuchen und hat sehr freundliches Personal - die Frauen tragen hier auch nur Kopftuch (Hijab) keinen Gesichtsschleier (Niqab) und machen etwa die Hälfte des Personals aus. Außerhalb der Altstadt (Turayf) sind im alten Stil errichtete Neubauten für Restaurants, Boutiken (mir alles zu teuer...) zu sehen. Benachbarte befestigte Orte, die sich in derselben Oase befinden und ebenfalls aus Lehmbauten bestehen bzw. bestanden, werden derzeit noch saniert. Daher ist das auch so eine Baustelle. Also Stand jetzt: versucht erst gar nicht euren Mietwagen auf einem der normalen Parkplätze abzustellen; alles verrammelt, mit Valet Parking oder Baufahrzeugen zugestellt. Parkt in der Siedlung hinter dem "Museum of Bygone Times"...

 

In der Innenstadt von Riad war es besser mit dem Parken. Ich verzichtete sogar, den kostenpflichtigen Parkplatz direkt vor der Festung zu nutzen und nahm einen kostenfreien Parallel-Parkstreifen beim wiedererrichteten Stadttor Bab Ath-Thumayri. Auch Bab Ad-Dakhnah am anderen Ende der Alstadt wurde rekonstruiert. Schon dämlich gewesen, in den 50ern die Stadtmauer abzureißen... Herausragend ist aber die sanierte Festung Masmak, die beim Kampf zwischen dem Haus Saud und den osmanischen Statthaltern um die Herrschaft im heutigen Saudi-Arabien eine wichtige Rolle spielte. Das informative Museum innen kann kostenlos besichtigt werden. Die Mauern von außen sind auch sehr schick.

Bevor wir reingingen, noch eine lustige Szene: Ein junger Restaurantmitarbeiter kommt auf mich zu, begrüßt mich und fragt nach der Herkunft und wo ich meine Jacke herhabe. Es ist eine Trainingsjacke von Maghreb Fes. Ich erkläre, dass ich dort Freunde habe, da ich dort 6 Monate Arabischkurse belegt habe. Der junge Mann war tatsächlich auch Fan des Vereins und stammte direkt aus Fes. Ihn beeindruckte auch, dass ich die Unterhaltung auf Arabisch fortsetzen konnte und dabei auch typische marokkanische Floskeln verwendete "ah nta maghrébi? labas, kol chi mzyen?" Für vorbeigehende Saudis sicher auch lustig, klingt nämlich, wie wenn in Berlin ein Marokkaner, der in der Schweiz studiert hat, einen Schweizer auf seinen FC Basel-Anzug anspricht: "Ach bischt Schwyzer? Wie häsches?"

 

Ansonsten gibt es in der Innenstadt viel 0815-Bauweise, klotzige auf alte Lehmarchitektur gemachte Betonbauten. Es gibt ein paar  Justizgebäude um einen kahlen Platz, den Safah oder Deera Square (Platz, Maydan). Der heißt so, da in Saudi-Arabien nach wie vor öffentliche Hinrichtungen vorgenommen werden. Freitagnachmittag kann es also schon mal vorkommen, dass der Platz von der Polizei gesperrt und ein zum Tode Verurteilter dort enthauptet wird. Teilweise wird im Internet behauptet, der Platz sei "früher" für Hinrichtungen genutzt worden - die Todesstrafe wird in Saudi-Arabien aber 1. noch fleißig angewandt und 2. zumindest teilweise nach wie vor öffentlich vollzogen. Ich bin mir relativ sicher, dass auch auf diesem Platz noch sowas ab und an durchgezogen wird. Wer Schnappatmung bekommt deswegen, sollte sich mal über die Todesstrafe in unseren Breiten informieren: Das war auch bis weit nach dem Mittelalter noch Gang und Gäbe bei uns. Bei Wikipedia heißt es: „Die letzte öffentliche Hinrichtung in der Stadt Würzburg fand am 2. November 1850 statt. „Vor einer zahllosen Menschenmenge“ wurde der 30-jährige Raubmörder Heinrich Schuhmann aus Hofstetten mit dem Schwert enthauptet. Seit 1851 wurde in allen deutschen Staaten die öffentliche Hinrichtung aufgehoben. Die letzten beiden öffentlichen Hinrichtungen fanden dennoch am 14. Oktober 1864 in Marburg und am 21. Oktober 1864 in Greiz statt.“ Und bei welt.de findet man zu anderen deutschsprachigen Regionen Ähnliches: Schweiz  bzw. Österreich  - und richtig interessant wird es erst, wenn man weiß, dass die Franzosen erst 1939 nach Eskapaden bei einer öffentlichen Enthauptung diese Art der Bestrafung abgeschafft haben. Die nicht-öffentlich vollzogene Todesstrafe wurde in Frankreich letztmalig 1977 vollstreckt – und kurios finde ich ja vor allem: in Saudi-Arabien gehen solche Hinrichtungen ja anscheinend viel disziplinierter über die Bühne, als im Europa des 19./20. Jahrhunderts...

Friedlicherer Natur war dann das neugebaute Schloss Murabaa (Viereck) mit Park und ein paar alten Wehrtürmen außerhalb. Dieses befand sich stets außerhalb der Stadtmauern Riads, doch wo heute Häuserblocks und wenige Parks und Sportanlagen stehen, waren bis vor einem Jahrhundert bzw. bis vor sechs, sieben Jahrzenten viele Palmenhaine.

 

Al-Shabab Riyadh 1:1 Al-Ittihad Jiddah

- Datum: Montag, 9. Januar 2023 – Beginn: 21.15

- Wettbewerb: sog. Rosh Saudi League (1. saudi-arabische Profifußballliga)

- Ergebnis: 1-1 nach 99 (50/49) Minuten – Halbzeit: 1-1

- Tore: 1-0 22. Christian Guanca (Elfmeter), 1-1 24. Ahmed Hegazy

- Gelbe Karten: Iago dos Santos (Shabab); Ahmed Hegazy, Muhannad Shanqeety (Ittihad)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Istad Amir Faisal bin Fahd bin Abdulaziz (Prince Faisal bin Fahd bin Abdulaziz Stadium; Kap. 28.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: 6.361 (davon ca. 2.500 Gästefans)

- Spielbewertung: 7,0/10

 

Wir fuhren dann ein paar Kilometer weiter in ein gutes Viertel (Malaz), wo wir in einem jordanischen Restaurant essen gingen. Das war nicht ganz billig, aber 1. hervorragend und 2. immer noch deutlich unter deutschen Preisen. Echt unverschämt waren hingegen die Eintrittspreise beim Fußball. Zwischen 37€ und 50€ für das Spitzenspiel zwischen Shabab und Ittihad. Viele Beschwerden im Internet bei den Fans, wir hatten demonstrativ für den Ittihad-Gästeblock Karten geholt. Wieder online, Handyticket.

Typisch für ein Land wie Saudi-Arabien: Steh mal 15 Sekunden blöd vor einem Eingangsbereich rum mit wechselndem Blick vom Handy auf die Hinweisschilder am Eingang, schon kommt jemand und will deine Karte sehen, damit er dir den Weg erklären kann...

Das architektonisch ansprechende, etwas ältere Stadion war nur zu einem Viertel gefüllt. Auch wenn wir abseits des harten Kerns saßen - die Stimmung wurde offenbar von den Gästefans, die zwar z. T. auch aus der Region Riad stammen, aber zum anderen Teil auch eben die 700km einfache Fahrt von Jiddah angereist kamen, bestimmt. Wir wurden von etlichen Leuten freundlich gegrüßt, ich hatte ja auch demonstrativ den schwarz-gelben Trainingsanzug von Maghreb Fes an, der nach Ittihad aussieht... Eine Fahne bekamen wir dann auch noch geschenkt von einem jungen Mann.

 

Die Partie war gut und spannend, Shabab Riyadh (Jugend Palmenhain) war aktiver und gefährlicher, ging auch 1:0 in Führung, doch Ittihad Jidda (Eintracht Großmutterstadt) glich nur wenige Minuten danach im dritten Nachschuss aus. Es sollte bis zum Ende beim Unentschieden bleiben, denn die etwas weniger werdenden Chancen in der zweiten Hälfte wurden alle nicht verwandelt. Ein etwas glücklicher Punktgewinn für den Gast.

 

Tagesstatistik: 80km Mietwagen

 

Al-Shabab Riyadh 1:1 Al-Ittihad Jiddah

 

Tag 4: Doppler im nördlichen Nadschd – Hilal-Faninvasion in Buraydah

 

Wir frühstückten wieder bei den Sudanesen und mussten dann wegen des Unfalls Verwaltungsscheiße in Hotat Sudayr erledigen. Ein Mühsiggang und eine Inkompetenz da bei der Verkehrspolizei und Abdallah strich immer wieder Gebühren ein. Nach drei Stunden waren wir endlich fertig und hatten alle Unterlagen für Versicherung, Avis, Krankenhaus, Botschaft usw. zusammen.

 

In Al-Majmaah fuhren wir noch mal von der Autobahn ab. Im benachbarten Harmah befindet sich eine schöne Altstadt mit besonders schicken Lehmbauten, die von ausgesprochen gastfreundlichen Einheimischen bei kostenlosem Tee und Gebäck vorgestellt wurden.

 

Al-Fayha Club Majmaah U17 2:2 Al-Nassr FC Riyadh U17

- Datum: Dienstag, 10. Januar 2023 – Beginn: 15.30

- Wettbewerb: Saudi Under-17 Premier League (1. saudi-arabische B-Jugend-Fußballliga)

- Ergebnis: 2-2 nach 99 (49/50) Minuten – Halbzeit: 1-1

- Tore: NN

- Gelbe Karten: NN

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Al-Fayha Club Stadium (Kap. 400, davon 175 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 70 (davon ca. 6 Gästefans)

- Spielbewertung: 6,5/10

 

Erstes Spiel heute: Im Vereinsgelände von Al-Fayha. Dort gibt es mehrere Groß- und Kleinfelder. Auf dem Hauptplatz - umgeben von eher hässlichen Gebäuden und auch nur von mit ein paar Sitzen bestückten und segeltuchüberdachten Tribünen flankiert - gab es ein spannendes und lohnendes B-Juniorenspiel zwischen Al-Fayha und Al-Nassr zu sehen.  Es hatte einen überraschenden Spielverlauf und ging - ebenso wie das Spiel der Ersten Mannschaft von Fayha vor ein paar Tagen - 2:2 aus.

 

Al-Raed Buraydah 1:1 Al-Hilal Riyadh

- Datum: Dienstag, 10. Januar 2023 – Beginn: 20.30

- Wettbewerb: sog. Roshn Saudi League (1. saudi-arabische Profifußballliga)

- Ergebnis: 1-1 nach 98 (47/51) Minuten – Halbzeit: 0-1

- Tore: 0-1 24. Hamad Al-Tohaifin, 1-1 76. Yahya Sunbul Mubarak

- Gelbe Karten: Mansor Al-Beshe, Mohammed Salem, Ahmed Al-Ruhaili (Raed); Gustavo Cuellar (Hilal)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: King Abdullah Sport City Stadium (Kap. 25.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: 19.992 (davon ca. 12.000 Gästefans)

- Spielbewertung: 7,0/10

 

In Buraydah haben wir dann eingecheckt und machten uns zum Stadion auf. Ohne Ende Auftrieb, Parkplätze gerammelt voll. Vor der Abteilung für Beweismittelerhebung der Kripo geparkt (freundlicherweise extra geöffnet für Fans), 15 Minuten gelaufen und erst 5 Minuten vor Beginn auf den Plätzen. Auf dem Weg dahin trotzdem noch Schals von Al-Hilal gekauft (nur je 2,50€ für die inoffiziellen Fanartikel). Es war eine Invasion in blau und weiß, Stimmung gab es fast nur von Hilal Fans - klar waren das v.a. Fans aus der Provinz Qassim, aber da sind auch einige die 4, 5 Stunden aus Riad angereist für das Spiel. Rund 20.000 Zuschauer, davon 12 bis 13 Tausend Hilal Fans!

 

Die Blau-Weißen dominierten die erste Hälfte, aber gingen nur 0:1 im dritten Nachschuss in Führung. Ein weiteres Tor wurde wegen angeblichen Stürmerfouls aberkannt. Nach der Pause kam dann auch mal Raed (Pionier) und der Torwart von Hilal (Halbmond) musste erstmalig eingreifen. Dann noch der glückliche Ausgleich, doch Hilal daraufhin wieder druckvoll. Den Sieg verpassten sie dennoch. Viertes Spiel in Saudi-Arabien, viertes Unentschieden.

 

Im Imbiss unweit des Hotels waren einige Hilal-Fans. Wie so oft in der Arabischen Welt wurde hier nach Gilden sortiert, d.h. diverse Fastfood-Schuppen (McDonalds, KFC, Dunkin Donuts und eben auch einheimische Ketten bzw. lokale Fastfood-Gaststätten mit Shawarma usw.) waren hier auf einem Fleck.

 

Tagesstatistik: 410 km Mietwagen, 2 Spiele, 2 neue Grounds

 

Al-Raed Buraydah 1:1 Al-Hilal Riyadh

 

Tag 5: Qassem-Provinzderby in der 2. Liga

 

Stressiger Tag, spät ins Bett - da strichen wir mal eine Besichtigung, gingen erst nach 10 Uhr zum Frühstück (diesmal ein Syrer, der Fatayer, eine Art Pizza, anbot) und ich kauft noch ein USB-Kabel für meine kleine Kamera. Keine Ahnung wieso das wohl noch Heeme rumlag, sonst habe ich nichts vergessen. Aber es ist schon ein Segen, wenn man Kartendienste wie google maps benutzen kann, ohne langwierig herumzufragen, wo man so ein Kabel findet. Einfach nach einem Elektronikartikelladen suchen, die ballen sich ja auch immer zu mehreren auf einer Ecke und schon wird man fündig...

 

Dann folgten ein paar typische Besichtigungen: wiedererrichtete Schlösser oder Gutshöfe aus Lehm und Holz in Buraydah und Unayzah.  Innen mit schönen Exponaten zugestellt und eine kostenlose Führung von sehr freundlichen Einheimischen gibt es noch dazu. Teilweise können diese aber nur Arabisch, sind dann erfreut, dass ich trotzdem mit denen kommunizieren kann. Hier wird aber auch mal nach der Religion gefragt, was nicht unbedingt für ganz Saudi-Arabien aber für die sehr von Fundamentalisten geprägte Region Qassem typisch ist. Gerade Buraydah ist eine Hochburg der Wahhabiten, jener fundamentalistischer Reformbewegung, die schon so manchen Terroristen (z. B. Bin Laden) hervorgebracht hat und die im Erscheinungsbild gerne mit Rauschebärten bei Männern und Gesichtsschleiern bei Frauen aufwarten...

Außerdem besichtigten wir noch ein zerfallenes Exemplar eines Gutshofes: Qasr Lodhan. Und einen kuriosen Turm von 1699 im Dorf Shenaniyah bei Al-Rass; eine Warte die nach oben immer schlanker wird und deren Mauerwerk aus Lehm und Kamelhaar besteht. Daneben eine Moschee und ein neugebauter Gutshof.

 

Al-Hazem Al-Rass 3:0 Al-Araby Unayzah

- Datum: Mittwoch, 11. Januar 2023 – Beginn: 15.25

- Wettbewerb: sog. Yelo League First Division (2. saudi-arabische Profifußballliga)

- Ergebnis: 3-0 nach 104 (52/52) Minuten – Halbzeit: 2-0

- Tore: 1-0 9. Ola John (Elfmeter), 2-0 29. Basil Yousef Al-Sayali, 3-0 55. Thaer Al-Otayby

- Gelbe Karten: NN

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Al-Hazem Club Stadium (Kap. 4.500 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 1.500 (davon ca. 400 Gästefans)

- Spielbewertung: 7,0/10

 

Al-Rass klingt zwar alt, da auf Deutsch „Alter Brunnen“, ist aber ein gesichtsloser Ort. Geplant war die Partie zwischen Sonnenuntergangs- und Abendgebet, doch wurde das Zweitligaspiel wegen der niedrigen Temperaturen auf die Nachmittagszeit vor dem Sonnenuntergang gelegt - mitten in der Woche. Starke Stimmung im Heimblock mit Gesang, Megafon, Fahnen, Schals und Pyro. Von den mehreren Hundert Gästen aus Unayzah war dadurch nichts zu hören.

Die Gastgeber gingen früh per Foulelfmeter in Führung, noch vor der Halbzeit ein toller Weitschuss, der aufsetzte und ins kurze Eck zum 2:0 für Al-Hazem ging. Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild, der Gastgeber kontrollierte die Partie, die vereinzelten Angriffe der Gäste brachten nichts ein. 3:0 am Ende. Die Nachspielzeit mit 7 Minuten je Halbzeit war so lange, dass beim Abpfiff schon die benachbarte Moschee zum Sonnenuntergangsgebet rief... In Saudi-Arabien spielt das so eine Rolle, dass man ständig zu so komischen Anstoßzeiten wie 15.55 oder 18.20 kommt, die auch fast immer sehr genau eingehalten werden...

 

Nach dem Spiel haben wir ins Hotel eingecheckt, mussten da leider ein teureres Zimmer mit Sitzklo nehmen (mein Vater kommt normalerweise auch mit den Hockklos zurecht, aber im Moment nicht mit der Prellungs-Problematik nach dem Unfall, da ist der Bewegungsapparat leicht eingeschränkt). Allerdings war das auch ein sehr großes Zimmer für nur 55€. In Deutschland würde man so eine Wohnfläche nirgendwo zu dem Preis bekommen! Preis-Leistung in Saudi-Arabien ist schon gut und viel besser als in Deutschland! Einzig negativ anzumerken ist, dass manche Hotels bzw. Appartments schlecht ausgestattet sind oder schon abgewohnt.

Da das Hotel etwas abseits liegt, blieb dann nur ein einfacher Shawarma-Imbiss fußläufig zum Essen. Aber war auch gut und wie heute morgen das Lokal wieder von Syrern geführt.

 

Tagesstatistik: 170 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Al-Hazem Al-Rass 3:0 Al-Araby Unayzah

 

Tag 6: Fußball und Besichtigungen in Medina

 

Wir brachen schon gegen 7 Uhr auf, aßen einen Teller gebratene Leber mit Paprika und Fladenbrot in einer einheimischen Gaststätte in Al-Rass und fuhren dann die 4 Stunden nach Medina. Medina ist eine der heiligsten Ortschaften im Islam, insbesondere der Bezirk Haram mit der Prophetenmoschee (Masjid Al-Nabawy) ist von Bedeutung. Anders als in manchen anderen islamischen Ländern (Syrien oder Jordanien z. B.), ist man als Nicht-Muslim in Saudi-Arabien bei solchen heiligen Orten nicht erwünscht. Allerdings darf man sich in Medina außerhalb des Haram aufhalten. Alle Sportstätten sind übrigens auch Nicht-Muslimen zugänglich, da man in diesem heiligen Haram nicht unheilig herumbrüllen darf. Und so sind moderne Ballsportarten ebenso wie die Jagd mit Falken oder Bogenschießen im Haram verboten.

 

Wir besuchten erstmal den Berg Uhud, auf bzw. an dem im Jahr 625 eine bedeutende Schlacht stattfand. Dann ging es auf die osmanische Festung Khashm Al-Dheeb, die früher den Pilgerweg von Norden absicherte und derzeit restauriert wird. Man kann zu Fuß hochlaufen. Interessant war dann v.a. der steile Aufstieg auf den Berg Jabal Jamaa Umm Khalid wa Ghuraba, von wo aus man über die Stadt blicken kann.

 

Al-Ansar Medina U19 2:4 Al-Hilal Riyadh U19

- Datum: Donnerstag, 12. Januar 2023 – Beginn: 15.55

- Wettbewerb: Saudi Under-19 Premier League (1. saudi-arabische A-Junioren-Fußballliga)

- Ergebnis: 2-4 nach 100 (48/52) Minuten – Halbzeit: 0-2

- Tore: 0-1 33. Suhaib Al-Zaid, 0-2 40. Kream Ashraf, 1-2 60. Basem Al-Hujaily, 2-2 70. Faisal Abu Mosalem, 2-3 85. Mohammad Mutan, 2-4 91. NN

- Gelbe Karten: NN

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Al-Ansar Club Stadium (Kap. 4.000, davon 3.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 50 (davon ca. 4 Gästefans)

- Spielbewertung: 6,5/10

 

Nach einem Imbiss gingen wir bei Al-Ansar aufs Vereinsgelände. Der Verein heißt nach den Unterstützern Mohammeds, welche er in Medina (damals hieß die Stadt noch Yathrib) um sich scharte bzw. welche ihn 622 (nachdem er in Mekka von den Machthabern rausgeschmissen wurde) in Medina freundlich aufnahmen – und das Vereinsgelände ist sehr gepflegt und schön gelegen. Die im Raum Medina typischen, vulkanischen, kahlen Berge sind direkt in Sichtweite und es gibt auf einer Längsseite drei überdachte Tribünen mit Bänken und viel Begrünung.

 

Der Partie der obersten U19-Liga war durchwachsen, wurde aber in der zweiten Hälfte immer besser. Kurios: Der mit nur 4 Punkten am Tabellenende stehende Gastgeber glich gegen den Dritten einen 0:2 Rückstand aus. Doch in der Schlussphase erzielte Hilal zwei weitere Treffer und gewann auch am Ende insgesamt gesehen verdient mit 2:4. Fast alle Zuschauer waren Juniorenspieler und gingen recht emotional mit. Es gab auch etwas Streit auf dem Platz. Aber insgesamt verhalten sich Saudis doch sehr fair beim Fußball. Auf der Arabischen Halbinsel wird generell kaum Randale gemacht - ist halt nicht Nordafrika...

 

Wir fuhren noch die über 2 Stunden nach Mahd Al-Dhahab, einen Bergbauort, der logistisch günstig liegt, aber beschissene Hotels hat. Das war das schlechteste Preis-Leistungs-Niveau auf der ganzen Tour! Wenigstens war das jemenitische Restaurant gut; dort sitzt man auf Teppichen auf dem Boden und isst aus einer Metallschüssel mit der Hand. Diese Restaurantkategorie nennt sich dann „mataam shaaby“, volkstümliche Gaststätte...

 

Tagesstatistik: 680 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Al-Ansar Medina U19 2:4 Al-Hilal Riyadh U19

 

Tag 7: Fußball nun auch in Mekka

 

Nachdem wir Donnerstag in Medina, der zweitheiligsten Stadt, Fußball geschaut hatten, gab es am heutigen Freitag ein Spiel in Mekka, der heiligsten islamischen Stadt. Bevor wir aber dahin kamen, frühstückten wir für nur 6,50€ Arikah (Hackfleisch mit eingedickter Milch, Jogurt und Käse: das war so reichhaltig, dass wir zwei Drittel einpacken ließen und dann mittags ein weiteres Drittel und das letzte Drittel am Abend im Hotel in Al-Hada aßen).

 

Dann ging es zu einem spektakulären Vulkankrater bei der Gemarkung Hifr Al-Kashab, wo man einen tollen Blick vom Kraterrand hat.

 

Danach fuhren wir nach Souq Okaz. Der Markt ist seit Jahrhunderten dafür bekannt, dass dort Dichter (Männer wie Frauen) aus dem Stehgreif ihre Gedichte rezitieren. Heute war aber nichts los dort und von den vier Festungen und Schlössern im Ort konnten wir auch nur zwei (Marwan und Arafah) besichtigen, da die beiden anderen wegen Restaurierung bzw. Straßenbauarbeiten nicht erreichbar waren. Die Festungen bestehen aber alle aus dunklem Vulkangestein mit quadratischen Räumlichkeiten sowie Rundtürmen.

 

Die Landschaft des Hidschaz wird hier nun immer spektakulärer: von Sandwüsten durchzogene vulkanische Gebirge mit schroffen Felsformationen, dazwischen immer wieder Oasen oder andere grüne Punkte!

 

Nady Weg Al-Riyadhi Taif 1:1 Al-Ansar Medina

- Datum: Freitag, 13. Januar 2023 – Beginn: 15.55

- Wettbewerb: Saudi Second Division (3. saudi-arabische Fußballliga; Halbprofiliga)

- Ergebnis: 1-1 nach 102 (49/53) Minuten – Halbzeit: 0-1

- Tore: 0-1 19. Mohammed Abbes, 1-1 65. Mourad Al-Rashidi

- Gelbe Karten: Mourad Al-Rashidi, Ghassan Al-Qurashi, Hazem Mbarak, Ibrahim Al-Jadaani (Weg); Rayan Al-Sarrani, Mohammed Al-Jahni (Ansar)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Istad Malik Abdelaziz bi-Makkah al-Mukarramah (Mekka; Kap. 35.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 15 (davon keine Gästefans)

- Spielbewertung: 5,5/10

 

Am Rand von Mekka befinden sich ein paar Sportanlagen - im ausgedehnten Heiligen Bereich (Haram) sind nicht nur Nicht-Muslime unerwünscht, sondern auch die Jagd auf Wild, Bogenschießen und unflätiges Herumschreien; ein Fußballspiel da auszutragen, wäre also unzumutbar... Daher befinden sich alle Sportanlagen Mekkas auch für "Ungläubige" zugänglich außerhalb des Haram, darunter auch das 35.000 Zuschauer fassende King Abdelaziz Stadium, das eine spektakuläre Dachkonstruktion und tolle Flutlichter vorweisen kann. Eine super Anlage! Wenn nicht gerade Wahda Mekka 1. Liga spielt, ist da aber wenig los und man muss erstmal an der Schranke auf der Zufahrt dem Ordner erklären, was man hier will. Alle Offiziellen waren aber freundlich, nur wunderten die sich eher, dass wir uns zu den gerade einmal 13 anderen Zuschauern gesellten. Der Verein namens Wajj (gesprochen Wadsch, oder eben im lokalen Dialekt statt in Hochsprache: Weg, mit kurzem e gesprochen) aus dem fast 100km entfernten Taif war Gastgeber gegen Al-Ansar aus Medina. Die halbprofessionelle 3. Liga rief...

 

Das Spiel war durchschnittlich, sah nach 20 Minuten die zu dem Zeitpunkt verdiente Gästeführung, doch nach der Pause glich Weg aus und hatte sogar die besseren Chancen, ehe nach 102 Minuten bei 1:1 der Schlusspfiff ertönte.

 

Wir fuhren dann noch über 70km durch teilweise Nebel und Wolken nach Al-Hada, einem Kurort auf 2.000 Metern Höhe, wo wir eine ganz gute Unterkunft fanden. Man sollte dort aber genau sein Budget wissen. Doppelzimmer in einfachen Unterkünften kosten 35, 40, 50€ - es gibt aber auch Spa-Resorts für 150€ aufwärts pro Nacht...

 

Tagesstatistik: 550 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Souk Okaz

 

Tag 8: Das erste schlechte Spiel der Reise

 

Morgens in Al-Hada fanden wir nur ein Frühstücksrestaurant, wo man die Speisen mitnehmen muss. Bei dieser Ladenzeile war es dann auch so, dass man zuerst in der Gaststätte seine Shakshouka (arabisches Omelette) bestellte und da 4€ für beide Portionen zahlte, dann direkt daneben Brot orderte (großes flaches Fladenbrot 0,25€) und schließlich noch für je 1€ Tee mit Milch im dritten Laden mitnahm. Wir haben das dann auf einem Parkplatz am Ortsrand mit schönem Blick in die abwechslungsreiche aber recht stark besiedelte Berglandschaft gegessen.

 

Die Besichtigungen in Taif waren ganz interessant, doch die Stadt wurde von den saudischen Städteplanern verschandelt und – sehr zum Ärger einiger Einheimischer – verfallen historische Baudenkmale. Es gibt mehrere Schlösser in einer Art arabischen Jugendstil – und die meisten dieser Bauten verfallen. Zum Beispiel das Qasr Al-Kaaki und das Qasr Jabrah, wobei man letzteres dennoch innen besichtigen kann. Besser saniert hingegen war die Burg Bedaiwi mit ihrem markanten Bergfried auf einem Felsen, der oben schwarz-weiß gemauerte Zinnen hat.

 

Bereits in Taif war die historische Steinarchitektur auffällig, doch nun auf wieder 2.000m Höhe waren weit und breit keine Lehmbauten mehr zu sehen. In Al-Qissamah besichtigten wir ein aus dunklem Schiefergestein erbautes Wehrdorf. Auch hier wieder überall Plaketten der zuständigen Behörde dran, doch die QR-Codes funktionierten nicht ordentlich...

 

Al-Hijaz Baljourashy 0:0 Nady Afif

- Datum: Samstag, 14. Januar 2023 – Beginn: 15.55

- Wettbewerb: Saudi Third Division (4. saudi-arabische Fußballliga; 1. Amateurliga)

- Ergebnis: 0-0 nach 97 (47/50) Minuten – Halbzeit: 0-0

- Tore: null

- Gelbe Karten: Tahar Matar (Hijaz); Hatim Rozaig Marzouq (Afif)

- Platzverweise: Mourad Al-Qaissi von Hijaz (89. Min. – Rot, grobes Foul)

- Austragungsort: Istad Malik Saud bin Abdelaziz

(Al-Bahah; Kap. 7.500 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 30 (davon keine Gästefans)

- Spielbewertung: 1,5/10

 

In Al-Bahah gab es dann Viertligafußball auf neutralem Platz, da das Stadion im 30km entfernten Baljourashy für die 1. Amateurliga unzureichend ist. Die Hütte in Al-Bahah ist hingegen sehr geräumig und auf bestem Stand. Besonders sehenswert ist das Stadion aber nicht nur wegen der ungleich gebauten Tribüne mit zwei Rängen, sondern wegen seiner Lage in der felsigen Landschaft.

 

Das Spiel zwischen Hijaz Baljourashy und dem Afif Club, der über 500km einfache Fahrt Anreise hatte, war leider scheiße. Zu ungenaue Pässe, Chancen verstolpert, Schiedsrichter teilweise auch mit Problemen - das erste schlechte Spiel der Reise und folgerichtig ein 0:0.

 

Wir kauften noch was ein in einer Mall am Stadion und suchten dann unsere vorgebuchte Unterkunft "Murjanah Serviced Apartments" auf; für nur 35€ echt gut! Gegenüber gab es dann auch einen guten Shawarma-Imbiss, nicht so ganz idyllisch zwischen Autowerkstätten gelegen...

 

Tagesstatistik: 280 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Al-Hijaz Baljourashy 0:0 Nady Afif

 

Tag 9: Gebirge der Tausendundeins Wehrbauten

 

Heute mal kein Sport - ganz ungewohnt, war es doch ein Sonntag, aber bei der Wocheneinteilung in Saudi-Arabien mit dem freien Freitag auch nicht verwunderlich, dass sonntags die wenigstens Spiele sind. Im Arabischen heißt der Sonntag ja auch "erster Wochentag" (yawm al-ahad)...

 

Dafür gab es im Asir-Gebirge tolle Sehenswürdigkeiten. Das 1.500 bis 3.000 Meter hohe Gebirge im Südwesten Saudi-Arabiens setzt sich in den Jemen fort. Hier im nördlichen Asir fängt es auch an mit den ganzen Wehrbauten (Warten, Burgen, ganze Wehrdörfer) aus Schiefer oder anderem massiven Gestein, die z. B. Oasen beschützten und nun als touristische Sehenswürdigkeiten unübertrieben alle 2 Kilometer in jedem Kaff stehen.

 

Wir besuchten zwei kleine und zwei große Anlagen auf 300km und sahen auf die Distanz noch dutzende weitere, teils sehr schwer zugängliche Bauten. In manchen Orten gab es auch fünf oder mehr unabhängig voneinander im Abstand von Hundert Metern stehende Wehrbauten. Die Region war bis in die 1980er für Ausländer nur mit Sondergenehmigungen und Begleitschutz zu bereisen - in den letzten 30 Jahren wurde sie aber gänzlich befriedet. Unruhen gibt es hier so gut wie gar nicht mehr. Aber die Wehrbauten erfüllten bis ins 20. Jahrhundert ihren Zweck...

 

Besonders sehenswerte Wehrbauten sind Dhee Ain (topp saniert, 40 Gebäude spektakulär auf einem steilen Berghang gelegen und tolle Oase) und die Burgen des Stammes Banu Rzam in der Ortschaft Souq Al-Sabt (Samstagsmarkt). Von dort waren es auch nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Tagesziel Abha. Der größte Ort im Asirgebirge liegt über 2.000 Meter hoch und hat viele besonders günstige Hotels. Die Verschleierte an der Rezeption wollte z. B. nur 70 Rial (17,50€) für unser Doppelzimmer, was allerdings auch diverse Gebrauchsspuren aufwies... 

 

Tagesstatistik: 370 km Mietwagen

 

Dhee Ain

 

Tag 10: Fußball im Asir-Gebirge

 

Die landschaftlich geilsten Grounds Saudi-Arabiens liegen im Asir-Gebirge. Ob große Anlagen wie in Al-Bahah (siehe vor zwei Tagen) oder kleine wie bei Rijal Almaa.

 

Zuerst besichtigten wir aber Abha, wo wir übernachtet hatten. Die Festung aus osmanischer Zeit (Shamsan) wird derzeit renoviert - da waren auch viele Pakistani und andere Bauarbeiter zugange. Aber von außen sieht man auch was. In der Stadt gibt es auch einige schöne neuere Bauwerke (Moscheen, Parks etc.) und es gibt etliche Aussichtspunkte über die Berglandschaft oder den Ort, welcher um die 2.300 Meter hoch liegt und enorm steile Straßen hat.

 

Im Dorf Abu Sarrah schauten wir von außen interessante Wohntürme aus Lehm und festen Steinen an. Im benachbarten Jabal Sawda (Schwarzer Berg) steht die mit 3.000 Metern höchste Erhebung Saudi-Arabiens. Hier ist es erstaunlich grün, überwiegend sind Nadelgehölze dafür verantwortlich.

 

Dann nahmen wir die von fast 3.000 Metern binnen kürzester Zeit auf 1.500 Meter hinabführende Serpentinenstraße über Al-Aous. Bei dem scheiß Kia Pegas fingen die Bremsen an zu glühen und zu stinken. Aber bergan die 25% Steigung kriecht der dann trotz Vollgas nur mit 20, 25km/h hoch. Dreckskarre...

 

In Al-Aous gibt es am Ortseingang einen schönen Kunstrasenplatz. Im Dorf sind eine ehemalige Kaserne (Kasbah-Baustil) mit bunten Wänden und diverse Privatgehöfte sehenswert.

 

Nady Rijal Almaa U19 1:2 Al-Tehami Jazan U19

- Datum: Montag, 16. Januar 2023 – Beginn: 15.45

- Wettbewerb: Saudi Second Division Under-19 (3. saudi-arabische A-Junioren-Fußballliga)

- Ergebnis: 1-2 nach 102 (48/54) Minuten – Halbzeit: 1-1

- Tore: 0-1 29. Almuataz, 1-1 42. Khaled Hezazy, 1-2 50. Almuataz

- Gelbe Karten: NN

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Malaab Nady Almaa

(Kap. 1.000, davon 500 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 80 (davon ca. 10 Gästefans)

- Spielbewertung: 6,5/10

 

In Rijal Almaa („Dorf der schlausten Männer“) gibt es unglaublich spektakuläre Steinhäuser und Wohntürme aus den letzten Jahrhunderten. Viele stehen leer, andere werden museal genutzt, wieder andere dienen noch als Privathaus oder Unterkunft. Die Häuser sind aus schwarzem Vulkanstein errichtet und werden mit weißem Quarz sowie geschnitztem Holz verziert. Hier muss man mal ausnahmsweise Eintritt entrichten (20 Riyal bzw. 5€). Nachdem wir in Diriyah bei Riad schon ein paar ausländischen Touristen gesehen hatten, trafen wir hier mal eine beruflich anwesende Deutsche. Die bestätigte aber auch, dass wir uns 1. ein ungewöhnliches Reiseland ausgesucht haben und 2. auch noch eine Route, die kaum ein Tourist so wählt...

 

Was natürlich gar niemand so gewählt hat - und ich glaube kaum, dass hier schon mal ein Hopper war - ist die Partie auf dem Platz vom Almaa Club. Der Kunstrasenplatz ist auf einer Längsseite von einer steilen Steintribüne mit Kabinengebäude flankiert und liegt fantastisch in der herausragend schönen Berglandschaft, umgeben von teils sandigem Grünland. Einige Dutzend Zuschauer fanden sich ein, um die A-Jugend in einer Zwischenrunde der 3. Liga gegen eine 190km entfernt spielende Mannschaft (Al-Tihami aus der Küstenstadt Jazan, Al-Tihami bezeichnet die Leute bzw. den Verein aus der heißen Tihama-Küstenebene in der Jazan liegt) zu sehen. Die Schlauen Männer von Almaa waren zwar gleichwertig, kassierten aber per Seitfallzieher das 0:1 und stellten sich in der zweiten Hälfte in der Abwehr wenig schlau an, sodass der Gast nach dem Ausgleich per Kopf vorm Seitenwechsel, dann in der 60. Minute erneut in Führung ging. Trotz endloser Nachspielzeit blieb es beim 1:2. 

 

Wir quälten den Kia dann wieder die steile Straße nach Al-Sawda hoch, fuhren an Abha vorbei und aßen in Sarat Al-Abida zu Abend. In heißen Töpfen wurde kleingeschnittenes Fleisch mit Gemüse serviert - gegessen wurde wieder mit Brot statt Besteck. Wir übernachteten auch dort.

 

Tagesstatistik: 250 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Rijal Almaa U19 1:2 Al-Tihami Jazan U19

 

Tag 11: Sightseeing in den Stammesgebieten des Asir-Gebirges

 

Schon beim Frühstück in Sarat Al-Abida waren einige typische Angehörige von Stämmen zugegen. Wenn einem im südwestlichen Saudi-Arabien Typen in Gewändern entgegenkommen, die einen in einem verzierten Schaft steckenden Dolch um einen ebenfalls kunstvollen breiten Gürtel tragen, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Das ist hier halt traditioneller Kleidungsstil...

 

Erster Besichtigungspunkt war mit Jamanah ein in Teilen verlassenes Dorf mit herausragender Architektur. Die Wohntürme bestehen aus Lehm, festen Steinen, Holz und Schilf und sind in ihrer Bauform sehr ungewöhnlich. Die gebirgige Landschaft drumherum ist auch ausgesprochen sehenswert. Die Lehm- und Steinarchitektur hier auf der arabischen Halbinsel kann man schon in bestimmte Regionen einteilen (nördliches, mittleres und südliches Asir-Gebirge, Hadramaut oder Nord-Jemen, Oman oder Qassim-Provinz usw.) und wenn man den Vergleich vornimmt mit ähnlichen Regionen bzw. Ländern, in denen ähnliche Architektur zu finden ist, sieht man erstrecht, wie vielfältig schon allein diese Art der Architektur ist. Mitteldeutsches und süddeutsches Fachwerk sind ja auch nicht gleich und das englische, französische oder osmanisch-türkische Fachwerk sieht auch wieder anders aus. Da ich abends in Hotels aber mehrfach über Whats-App mit Ghita von meiner marokkanischen Gastfamilie chattete und sie immer wieder Bilder sehen wollte, kamen wir beide auch schnell darauf: Irgendwie sehen sich z. B. Diriyah bei Riad auf der einen und Tinghir oder andere Zentralatlas-Berberdörfer in Marokko auf der anderen Seite enorm ähnlich. Die Berber und die Südaraber haben sich aber wohl kaum ausgetauscht in Sachen Architektur, sondern sind auf die gleichen natürlichen Voraussetzungen und Ressourcen gestoßen und gleichermaßen auf dieselben Ideen gekommen, wie man am sinnigsten mit Lehm und Vulkangestein sowie lokalen Pflanzen eine schicke und wehrhafte Bude baut...

 

Je tiefer man in die Berge fährt, desto mehr kurios gekleidete Männer trifft man. Frauen sind hier wenig in der Öffentlichkeit unterwegs, allerdings sieht man auch hier welche von bestimmten Stämmen wie den Fayfi, die aus dem Gebiet in und um Fayfa herum stammen und neben Arabisch noch eine neusüdarabische Sprache sprechen (Fayfi ist kein arabischer Dialekt, das ist eine eigene Sprache, die mit Arabisch so verwandt ist wie Niederländisch mit Deutsch), die ihren schwarzen Niqab mit Blumengirlanden schmücken. Je nach Stamm tragen hier Männer Grünzeug mit oder ohne Blüten um den Kopf. Ein paar junge Leute mit besonders schönem Kopfschmuck quatschten uns in einem Wehrdorf freundlich an, ob wir aus Italien kämen. Calcio und so... Die machten auch schon selber den Vorschlag, sich gegenseitig zu fotografieren. Ansonsten sollte man in dieser sehr rückständigen Ecke Saudi-Arabiens noch vorsichtiger als woanders in diesem Land sein, wenn man außerhalb von Sport- oder anderen Veranstaltungen Leute aufnimmt. Die jungen Blumenmänner luden uns auch noch zum Qat-Kauen ein – diese berauschende Pflanze darf nur von Angehörigen bestimmter Stämme angebaut und konsumiert werden. Außerhalb der Gebiete, die dieses Stammesrecht anwenden dürfen, ist Qat von der islamisch-fundamentalistischen Regierung Saudi-Arabiens strengstens und bei Gefängnisstrafe verboten. Wenn ich allerdings sehe, wie chaotisch im Bergland Auto gefahren wird, sind die strengen Anti-Drogen-Gesetze im restlichen Saudi-Arabien wohl doch nicht so falsch...

 

Das erwähnte Fayfa und auch das 30km weg liegende Reyaa haben unglaubliche Fußballplätze zu bieten, die für unterklassige Spiele im wildesten Bergland angelegt wurden. Leider hatten beide Vereine auf unserer Tour keine Heimspiele. Um zu diesen Plätzen zu kommen, mussten wir die Karre von Kia über dutzende Serpentinen rauf und runter schicken. Immer wieder bis zu 25% steile Steigungen und Gefälle.

 

Auch die historischen Ortschaften mit ihren runden mehrgeschossigen Wehrtürmen wie in Al-Unqah und Al-Hanfah waren nur über unglaublich steile Straßen erreichbar. Gegenüber von Al-Hanfah sahen wir dann noch weitere Wehrdörfer, teils so abgelegen, dass sie nur mit längeren Fußmärschen erreichbar sind. Eine so unglaubliche Landschaft mit dieser irren Architektur und Besiedelungsform ist mir in den ganzen anderen 74 bereisten Ländern noch nicht untergekommen!

 

Wir fuhren dann eine schöne Nebenstrecke nach Dhahran Al-Janoub. Ab und an wurde man mal angehalten, einmal musste ich mich auch ausweisen – aber meistens winken einen die Polizei- und Grenzschutzkontrollen durch oder grüßen nur. Und wenn die doch mal den Pass sehen wollen, sind sie freundlich. Denen auf Arabisch kurz erklären zu können, dass man Tourist auf dem Weg nach z. B. Dhahran Al-Janoub ist, ist aber schon vorteilhaft...

 

In Dhahran Al-Janoub waren wir bei einem Ägypter essen, checkten für nur 35€ in ein ganz ordentliches von Pakistanis geführtes Hotel ein und kauften noch was in einem Laden ein, wo ein sehr freundlicher Jemenit kassierte. Also mit Saudis hatten wir in dieser Grenzstadt zum Jemen irgendwie kaum zu tun...

 

Tagesstatistik: 340 km Mietwagen

 

Aal Selmi Village: Hanfah

 

Tag 12: Derby in der Oase Nadschran

 

Nach dem Auschecken und dem üblichen warmen Frühstück (Omelette bzw. Shakshouka mit Fladenbrot gegessen), besichtigten wir die herausragende historische Lehmarchitektur in Dhahran Al-Janoub. Ein Teil der Altstadt (es gibt mehrere eigenständige historische Ortsteile) ist bereits saniert, dazwischen gibt es aber immer wieder Verfall. In jedem Fall aber sind die hoch aufragenden Wohntürme aus Lehm mit teils bunten Fensterrahmen in dieser Form ziemlich einzigartig.

 

Herausragend ist auch die Stadt Najran. Die Oasenstadt zieht sich auf 50km Länge West-Ost parallel zur jemenitischen Grenze. Das ganze ist sehr problematisch, da sich das sunnitisch-fundamentalistische saudische Regime und das schiitisch-fundamentalistische iranische Regime dort einen Stellvertreterkrieg liefern. Der ist aber auch in keinem Vakuum oder zufällig dort entstanden, denn verschiedene Gruppierungen im Jemen bekämpfen sich aus politischen Gründen seit Jahren. Saudi-Arabien hat mit Luftangriffen und Blockaden große Schäden im Jemen angerichtet, wobei diese Verbrechen ab und an Beachtung im Westen finden. Keinerlei Beachtung findet hingegen der iranische Terror in Jemen und gegen Saudi-Arabien. Wegen der Terrorgefahr wird man ab und an auf dem Weg in die Stadt Najran kontrolliert. Najran wurde schon mehrfach von den schiitischen Terroristen im Jemen, also den vom Iran gesponserten und über Iran mit russischen Waffen versorgten Houthis, beschossen. Traditionell ist die Lage zwischen der ismaelitisch (eine schiitische Gruppierung mit Geheimlehren, in Syrien ziemlich liberale Leute, hier in Saudi-Arabien nur teilweise, sonst eher konservativ und rückständig) geprägten Oase und der fundamentalistisch-islamistischen Regierung in Riad angespannt. Immer wieder wurden vom Königshaus für Najran Gouverneure eingesetzt, die die ismaelitischen Traditionen (für die Wahhabiten sind das Irrlehren) unterdrücken sollten. Aber seit dem Houthi-Terror und der Einsetzung eines vernünftigeren Gouverneurs, ist das Verhältnis Najran-Zentralstaat sehr viel besser geworden.

 

Ich sagte ja oben, die Stadt sei herausragend: nicht nur wegen der Fläche, auf der nur 200.000 Menschen leben, sondern auch wegen der tollen Landschaft (Vulkangebirge mit Wüste und Oasen) und der irren Architektur. Mehrgeschossige Lehmtürme und Paläste aus Lehm, jeweils schön verziert und teilweise museal aufbereitet. Eintritt stets frei. Krass auch die steinerne Burgruine Ra'um, die exponiert auf einer vulkanischen Felskuppe thront. Eine knappe Stunde kann man schon einplanen, um die endlosen Treppen da hoch zusteigen. Ebenfalls interessant ist die (natürlich auch kostenlos zugängliche) Ruinenstätte Akhdood. Akhdood bezeichnet das alte Najran, den Westen der heutigen Oase. In Akhdood sieht man v. a. Grundmauern und verfallene Steingebäude, doch es gibt auch ein sehr gut gemachtes Visitors Center. Akhdood wird sowohl in christlichen Quellen aus Syrien, als auch im Koran und weiteren Quellen erwähnt, da dort wohl im 6. Jahrhundert von einem jüdischen König ein Massaker an den Christen der Stadt verübt wurde. Auch im Koran werden die Märtyrer, die bei der Frage dem Christentum abschwören oder sterben, den Tod gewählt haben, positiv dargestellt.

 

 Najran Sports Club 0:4 Nady Al-Akhdood (Najran)

- Datum: Mittwoch, 18. Januar 2023 – Beginn: 18.25

- Wettbewerb: Saudi First Division League, sog. Yelo League First Division (2. saudi-arabische Profifußballliga)

- Ergebnis: 0-4 nach 110 (58/52) Minuten – Halbzeit: 0-2

- Tore: 0-1 12. Elhajj Ousmane Barry, 0-2 45. Saleh Mussad Al-Harthy, 0-3 53. Saleh Mussad Al-Harthy, 0-4 74. Kaka Mendes (Elfmeter)

- Gelbe Karten: NN

- Platzverweise: Reinaldo Dutra von Akhood (60. Min. – Rot, angebliche Tätlichkeit)

- Austragungsort: Madinat Al-Amir Hathloul bin Abdulaziz Al-Riyadhiyah

(Prince Hathloul b. Abdulaziz Sports City, Najran East; Kap. 10.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 3.000 (Fanverteilung ca. 50:50)

- Spielbewertung: 7,5/10

 

Die Ruinenstätte Al-Akhdood ist auch Namensgeber eines aus dem Westteil der Oase stammenden Sportvereins. Die Fußballabteilung kämpft in Liga 2 um den Aufstieg. Der Konkurrent aus dem Ostteil Najrans hingegen gegen den Abstieg. Heute kämpften sie im abgelegen außerhalb des Ostteils liegenden Prinz-Hadhloul-Stadion um den Sieg im Ortsderby.

 

Da das Online-Ticketing-System bei diesem Schrottverein Najran SC nicht so funktionierte, wie die sich das vorgestellt hatten, gab es Karten - wie auch vor der Digitalisierungskampagne - am Stadion. Ich kaufte zwar bei der Frau, die für die Najran-Fans die Tickets verkaufte, aber wir gingen dann zu den Al-Akhdood-Fans rüber. Die Ordner störte das nicht... Bei Al-Akhdood wurden freundlicherweise Schals und Fahnen kostenlos verteilt. Da nahmen wir was mit, da das Vereinswappen dreisprachig beschriftet ist: Al-Akhdood steht einmal auf Arabisch in arabischer Schrift, einmal auf Englisch in Lateinschrift und schließlich noch in der kurios anzuschauen altsüdarabischen Schrift, die sich aufgrund des Karawanenhandels aus dem phönizischen Alphabet entwickelte. Heute wird diese Schrift nicht mehr verwendet, aber da die Schrift in Al-Akhdood genutzt wurde, ist sie vor Ort als historisches Erbe berühmt. Ob es irgendeinen norddeutschen Verein mit Runen im Wappen gibt? Das wäre jedenfalls vergleichbar...

 

Beide Fanblöcke gingen gut mit, wir hörten vom Heimblock aufgrund unserer Plätze aber kaum was. Das Spiel entwickelte sich mit der Zeit zu einem echten Derby mit Getrete, Geholze, krassen Fouls, Rudelbildungen und Tumulten. Najran versuchte immer wieder was nach vorne, doch Akhdood war klar besser, nutzte Fehlpässe zu zwei Treffern bei Pause aus, verwandelte einen tollen Spielzug zum 3:0 und trotz Unterzahl nach einer umstrittenen roten Karte (angebliche Tätlichkeit im Tumult) holten sie einen Elfer raus, den sie zum 4:0 Endstand verwandelten. Durch diesen Sieg und die gleichzeitige Niederlage von Alhazem in Jiddah ist Al-Akhdood nun wieder auf einem Aufstiegsplatz.

 

Wir hatten noch vor dem Kartenkauf in ein nahegelegenes und recht preisgünstiges Hotel eingecheckt. Nach dem Spiel gingen wir noch in einem Imbiss essen. Dann ging es früh ins Bett, da die längste Fahrt der Reise am Folgetag anstand...

 

Tagesstatistik: 180 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Najran SC 0:4 Al-Akhdood Najran

 

Tag 13: 1.200km Anfahrtsweg für 4. Liga – und dann 300 Fans mit dabei...

 

Heute ging es um große Distanzen. Najran verließen wir kurz nach 6 Uhr und somit noch vor Sonnenaufgang. Die Gebirgszüge erkannte man aber in der frühen Dämmerung. Je heller es wurde, desto deutlicher sah man Wüste. Bei Wadi Aldawaser dann erste Landwirtschaftsbetriebe, die die Wüste ergrünen lassen. Saudi-Arabien hat in einigen Landesteilen modernste Landwirtschaft mit besten Bewässerungsmethoden aufgebaut – das Land exportiert mehr, als es importieren muss und das trotz der widrigen klimatischen Bedingungen. Diese Landwirtschaftsflächen sehen von oben extrem spektakulär aus: https://www.atlasobscura.com/places/wadi-al-dawasir - oder einfach bei google maps auf Satellitenbild stellen und diesen Ort suchen!

 

Es ging dann fast 600km durch die Wüste, ehe endlich wieder eine Sehenswürdigkeit direkt am Weg war: In der alten Karawanenstadt Layla (Nacht) zerfallen die historischen Lehmbauten, ein Teil wird allerdings saniert bzw. noch genutzt. Die vormals eigenständigen Ortsteile sind sehr ausgedehnt und trotz des Verfalls ausgesprochen ansehenswert. Wir wurden mehrfach von Einheimischen freundlich angesprochen, wo wir her seien, dass wir uns diese weniger bekannte Sehenswürdigkeit anschauen und ob wir irgendwelche Infos oder sonstige Hilfe bräuchten.

 

 Nady Al-Selmiya (Muhafazat al-Kharj) 0:2 Nady Alula Al-Riyadhy

- Datum: Donnerstag, 19. Januar 2023 – Beginn: 15.30

- Wettbewerb: Saudi Third Division League, Group 1 (4. saudi-arabische Fußballliga, 1. Amateurliga)

- Ergebnis: 0-2 nach 98 (48/50) Minuten – Halbzeit: 0-2

- Tore: 0-1 18. Emad Al-Kanani, 0-2 23. Emad Al-Kanani

- Gelbe Karten: Fahad Saad Al-Qahtani, Nasar Khaybari (Selmiya); Abdulrahman Nshili (Alula)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Al-Anwar Club Stadium (Hotat Beni Tamim; Kap. 5.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 375 (davon ca. 300 Gästefans)

- Spielbewertung: 7,0/10

 

Fußball gab es auch. Nach 760km Fahrt in Hotat Beni Tamim. Die Stadt ist sehr gepflegt und aufgeräumt, hat aber keine historischen Sights und ist daher eher langweilig. Aber das Stadion von Al-Anwar macht etwas daher. Zwei Sporthallen rechts und links der mit Segeltuch überdachten Haupttribüne. Hinter der sterilen Gegentribüne sieht man die hügelige Wüstenlandschaft, es befindet sich auch ein zweiter Kunstrasen direkt hinter der Gegentribüne.

 

Absolut irre war der Fakt, dass nur eine handvoll Leute Al-Selmiya sehen wollten, noch ein paar Neutrale von anderen Vereinen aus dem Ort (u.a. Platzherr Al-Anwar) sich aufs Stadion verteilten, aber der Gast aus dem berühmten Al-Ula - dort befindet sich mit Madain Salih eine nabatäische Ruinenstadt - 300 stimmgewaltige Fans mit mehreren Bussen ankarrte. Die sind 1.200 km einfache Richtung gefahren!!!

 

Immerhin lohnte sich der Ausflug für diese flotte Viertligapartie. Nach einer Ecke traf Alula im zweiten Nachschuss volley und einige Minuten später schon gab es einen Heber über den Torwart zum 0:2. Die zweite Hälfte war noch ansehnlich, aber nicht mehr so gut wie die erste. Alula gewann völlig verdient mit 0:2. Freundlicherweise wurde uns im Gästeblock je ein Schal geschenkt. Ein Offizieller beschenkte auch noch andere Leute, z. B. vollverschleierten Frauen von Al-Anwar oder Biesh FC...

 

Nach diesem originellen und lohnenden Spielbesuch fuhren wir über eine Stunde nach Al-Kharj, wo wir dann 850 Kilometer auf dem Kilometerzähler ablasen, preisgünstig in einem richtig guten Hotel unterkamen ("Marahel", 160 Riyal bzw. 40€ für DZ/Nacht und sehr freundliches Personal) und extrem preisgünstig saudisches Abendessen bekamen (ein Reisgericht mit Hähnchen; Showaya bzw. Kebseh mit Getränken nur 6€).

 

Tagesstatistik: 850 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Al-Selmiya 0:2 Al-Ula

 

Tag 14: In der sportlichen Oase Al-Ahsa

 

Bevor die Reise wieder in Riad endete, machten wir noch einen zweitägigen Abstecher in den Osten des Landes. Auf den Autobahnschildern wurden bereits Bahrain, Katar und die Emirate ausgeschildert. Wir machten aber Station in Al-Ahsa, einer ausgedehnten Oase, in der mehrere Städte mit zig Ortsteilen durchzogen von Palmenhainen liegen. Die ganze Oase hat mindestens 1,5 Millionen Einwohner, von denen die Mehrheit Schiiten sind. Das heißt, dass die Mehrheit der Frauen keinen Gesichtsschleier trägt, das heißt aber auch, dass es in dem Ort immer wieder Konflikte mit der Zentralregierung im 400km entfernten Riad gibt: https://en.wikipedia.org/wiki/Qatif_conflict

 

An diesem Freitag blieb es aber friedlich und wir schauten uns erst zwei Festungen von außen an (v.a. Qasr Ibrahim sieht super aus, ist aber ebenso wie Qasr al-Muheiris wegen Sanierung innen geschlossen) und besuchten dann den Berg Qarah. Das Museum samt Höhle und Besteigung des Berges ist zwar sehr teuer (etwa 12,50€ pro Person), aber lohnt sich. Geschenke wie Weihrauchbrenner und Koranübersetzungen sind sogar inklusive für ausländische Touristen; damit man eine gute Meinung vom Land bekommt... Alle Leute waren ausgenommen freundlich, v.a. die Guides für die Ausstellung. Für meinen Vater sprachen die auch prima Englisch, einer sogar etwas Deutsch. In Al-Ahsa haben die schon kapiert, wie man den saudischen Tourismus für nicht-muslimische Ausländer aufbereitet. Die Regierungslinie freundlich durch sympathische junge Männer und Frauen in flüssigem Englisch präsentieren, professionell die Ausstellungen aufbereiten und recht hohen Eintritt nehmen...

 

 Nady Al-Jeel (Al-Ahsa) U17 1:0 Nady Al-Ourubah Sakaka U17

- Datum: Freitag, 20. Januar 2023 – Beginn: 15.20

- Wettbewerb: Saudi Under-17 Premier League (1. saudi-arabische B-Junioren-Fußballliga)

- Ergebnis: 1-0 nach 101 (48/53) Minuten – Halbzeit: 0-0

- Tore: 1-0 88. NN

- Gelbe Karten: NN

- Platzverweise: NN von Ourubah (80. Min. – Gelb-Rot wg. wdh. Foulspiels)

- Austragungsort: Reserve Stadium Prince Mohammad bin Jalawy Sports City (Kap. 600 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 25 (davon keine Gästefans)

- Spielbewertung: 2,5/10

 

Gar kein Eintritt wurde mal wieder beim Sport fällig. Auf der Anlage von Prinz Mohammad bin Jalawy gab es gleich drei Spiele hintereinander zu sehen, zuerst Fußball auf dem Nebenplatz, der drei unterschiedliche jeweils zweifach vorhandene Tribünen hat: Obertribüne aus Steinstufen, Untertribüne aus Aluminium und weitere Untertribünen mit Plastesitzen.

Die Partie Letzter gegen Vorletzter der ersten B-Jugendliga war totaler Schrott. In der besseren zweiten Hälfte kam Al-Jeel zu einigen Chancen, von denen wenigstens eine verwandelt wurde. Al-Ourubah sah auch noch Gelb-Rot, weswegen der vom Feld Verwiesene eine Mülltonne umkippte... Für die Truppe haben sich die 1.300km Anfahrtsweg ja echt gelohnt...

 

Nady Al-Adalah (Al-Ahsa) 31:22 Nady Al-Thuqbah (Al-Qatif)

- Datum: Freitag, 20. Januar 2023 – Beginn: 18.30

- Wettbewerb: Saudi Handball First Division League (Dawry Al-Daraja Al-Oula; 2. saudi-arabische Handballliga, 1. Amateurliga)

- Ergebnis: 31-22 nach 60 (30/30) Minuten – Halbzeit: 16-10

- Tore: NN

- Gelbe Karten: keine?

- Zeitstrafen: 16 Strafminuten Al-Adalah, 4 Strafminuten Al-Thuqbah

- Platzverweise: verwunderlicherweise keine...

- Austragungsort: Sports Hall Prince Mohammad bin Jalawy Sports City (Sala Al-Ahsa; Kap. 750, davon 650 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 150 (davon vllt. 2, 3 Gästefans)

- Spielbewertung: 6,5/10

 

Die Sporthalle ist ganz ansehnlich mit den grünen Sitzen, die Nummerierungen in indisch-arabischen Ziffern tragen, aber die Halle ist zu eng gebaut, weswegen die Verletzungsgefahr nicht unerheblich ist.

Die scheiß Basketballer von Hajer und Abha brauchten mehr als zwei Stunden für ihr grottenschlechtes Zweitligaspiel, sodass wir zu Beginn des vierten Viertels eintrafen und die Handballer mit 30 Minuten Verspätung begannen. Nur etwa 50 Zuschauer verloren sich für den Basketball-Schrott in der Halle. Schon beim ersten Handballspiel waren es gut 150.

 

Es war ebenfalls eine Zweitligapartie, die erst mal einseitig startete, da der Gast aus dem 250km entfernten Al-Thuqbah (ein Ortsteil von Al-Khobar, der übersetzt Loch, Pinge oder Englisch Sink Hole heißt) völlig neben sich stand. In der zweiten Hälfte holten die aber kräftig auf, doch das 31:22 war am Ende ja deutlich. Die Partie war guter Durchschnitt, wie man ihn bei einer solchen Amateurliga erwarten kann.

 

 Nady Al-Rawdah (Al-Ahsa) 30:29 Nady Al-Jeel (Al-Ahsa)

- Datum: Freitag, 20. Januar 2023 – Beginn: 20.20

- Wettbewerb: Saudi Handball First Division League (Dawry Al-Daraja Al-Oula; 2. saudi-arabische Handballliga, 1. Amateurliga)

- Ergebnis: 30-29 nach 60 (30/30) Minuten – Halbzeit: 16-14

- Tore: NN

- Gelbe Karten: keine?

- Zeitstrafen: 14 Strafminuten Al-Rawdah, 10 Strafminuten Al-Jeel

- Platzverweise: 1x Rot gegen Al-Rawdah (angeblich grobes Foul, 33. Min.)

- Austragungsort: Sports Hall Prince Mohammad bin Jalawy Sports City (Sala Al-Ahsa; Kap. 750, davon 650 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 400 (davon ca. 50 Jeel-Fans, aber überwiegend Al-Rawda)

- Spielbewertung: 8,0/10

 

Das zweite Handballspiel war dann eine der besten Sportveranstaltungen auf unserer Tour: Der Tabellenführer Al-Rawdah will zurück in die halbprofessionelle 1. Liga, doch tat sich sehr schwer gegen die auf Rang 10 noch in Abstiegsgefahr befindliche Mannschaft von Al-Jeel. Nun knapp 400 Zuschauer in der Halle, darunter auch ein paar Stimmungsmacher von Al-Rawdah, aber leider ohne Megafon...

 

Al-Jeel führte mit bis zu drei Toren in den ersten zwanzig Minuten, geriet dann aber mit bis zu drei Toren ins Hintertreffen. Nach der Pause hielt Al-Rawdah den Gast mühsam mit stets nur ein, zwei Toren auf Distanz. Das Spiel wurde zunehmend härter. Waren die Schiedsrichter in der ersten Partie ziemlich schlecht, da sie einseitig für Al-Thuqbah pfiffen, hatte man nun mittelmäßige, die in beide Richtungen die ein oder andere Fehlentscheidung fabrizierten. In einer packenden Schlussphase erzielte Al-Jeel den 30:29 Anschlusstreffer 30 Sekunden vor dem Ende. Im darauffolgenden Hin- und Her traf Al-Rawdah noch einmal, was allerdings – der Handballwillkürregelung entsprechend – nicht mehr zählte. Aber ob ein oder zwei Tore Differenz: Al-Rawdah freute sich über den Sieg in dieser packenden Partie.

 

Handball ist in Saudi-Arabien übrigens fest in ostarabischer Hand. 8 der 12 Erstligisten und 10 der 12 Zweitligisten kommen aus der Region Al-Sharqiyyah (Ost-Provinz); v. a. Al-Ahsa, Dammam, Khobar und Al-Qatif. Laut der Zeitung Al-Watan war da maßgeblich die Jugendförderung der letzten Jahrzehnte verantwortlich. Handball wurde an Schulen stark gefördert – deutlich mehr als z. B. in Riad oder Jiddah. Wobei Al-Ahli Jiddah und Al-Wahda Mekka noch die besten nicht aus dem Osten stammenden Vereine sind.

 

Wir checkten in der für 180 Riyal (45€) sehr guten Unterkunft Dhuq Al-Khayyal Serviced Appartments bei dem freundlichen Ägypter an der Rezeption ein und gingen dann auf dem gegenüberliegenden Markt Abendessen.

 

Tagesstatistik: 420 km Mietwagen, 3 Spiele, 2 neue Grounds

 

Al-Rawdah 30:29 Al-Jeel

 

Tag 15: Wieder 4. Liga, diesmal Ost- gegen Westküste und 1.600km Anfahrtsweg für die Gastmannschaft mit ihren beiden Fans...

 

In Al-Ahsa fanden wir unweit des Hotels ein von Afghanen geführtes Frühstücksrestaurant, das prima Omelette (Shakshouka) und den in heißer Milch gemachten Tee (Shay Halib) servierte.

 

Wir schauten kurz in Uqayr vorbei: Schön an den Sandstränden des Arabisch-Persischen Golfs gelegen, einige historische Festungsgebäude – aber alle wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.

 

Auch in Al-Qatif bzw. auf der Insel Tarout eine krude Mischung aus Verfall und Sanierung – dadurch auch wieder alles mögliche geschlossen, u.a. die Burg Tarout. Schön anzusehen sind die schiitischen Moscheen mit ihren auffälligen Kuppeln und Minaretten. Interessant war die Innenbesichtigung vom Hammam Abu Louza, einem 450 Jahre alten Bad (Hammam), das über einer schwefel- bzw. phosphathaltigen heißen Quelle errichtet wurde. Für die Innenbesichtigung muss man beim angrenzenden Landwirtschaftsbetrieb klingeln, bzw. das Glück haben, zur richtigen Zeit zu kommen, sodass man sich anderen anschließen kann. Der Landwirt  hat übrigens lange bei Shell gearbeitet und spricht daher gut Englisch. 

 

Nady Al-Thuqbah Al-Khobar 3:3 Nady Al-Khaldy Al-Wajh

- Datum: Samstag, 21. Januar 2023 – Beginn: 15.15

- Wettbewerb: Saudi Third Division League, Group 3 (4. saudi-arabische Fußballliga, 1. Amateurliga)

- Ergebnis: 3-3 nach 101 (48/53) Minuten – Halbzeit: 0-1

- Tore: 0-1 41. Nawaf Al-Muselmani, 1-1 56. NN, 2-1 63. Shaher Zaidi, 2-2 66. Faisal Salem, 2-3 82. Mokhtar Rawas, 3-3 90.+5 Hatem Najeh

- Gelbe Karten: Hussain Saad Al-Yamy (Thuqbah); 2x Musaed Rasheed, 2x Meshari Mohammad Al-Balwei, Khaled Rashed, Kayed Saeed Al-Balwei, Ahmad Al-Shamrani (Khaldy)

- Platzverweise: 2x Musaed Rasheed (77. Min. Gelb-Rot wg. Foul und Reklamierens), 2x Meshari Mohammad Al-Balwei (90.+4. Gelb-Rot wg. Foul und Meckern), jeweils von Khaldy

- Austragungsort: Prince Nayef bin Abdulaziz Sports City (Al-Qatif; Kap. 7.500 Sitzplätze)

- Zuschauer: ca. 60 (davon ca. 2 Gästefans)

- Spielbewertung: 8,0/10

 

Wir fuhren dann zum Istad Amir Nayef bin Abdulaziz. Die Sports City hat v.a. eine gewaltige Sporthalle zu bieten, aber das Stadion mit 7.500 blauen und weißen Schalensitzen – saudischer Standardbau, oval, Haupttribüne doppelt so hoch wie die anderen drei Seiten und oben überdacht, aber die Rückfront mit arabesken Zierelementen teils offen – ist auch echt nicht schlecht.

 

Schwach war der Zuschauerzuspruch. Nur knapp 60 Fans von Al-Thuqbah aus dem benachbarten Khobar, darunter aber 9 Stimmungsmacher mit Trommeln und Megafon, und 2 mit der Gastmannschaft mitgereiste VIPs; die hatten aber auch 1.600km einfache Richtung von Wajh an der Westküste bis nach Al-Qatif an der Ostküste anzureisen.

 

Dafür war das Spiel wirklich klasse: Eine flotte Partie wurde beim Stand von 0:1 für Al-Khaldy in die Pause abgepfiffen und nach dem Seitenwechsel wurde das ein offener Schlagabtausch mit 2:1 Führung für Al-Thuqbah, dem Ausgleich, der erneuten Gästeführung trotz Unterzahl nach gelb-roter Karte und dem 3:3 Ausgleich mit einem umstrittenen Elfer in der fünften Minute der Nachspielzeit, der einen zweiten Platzverweis für den Gast nach sich zog. Nach Abpfiff noch Handgreiflichkeiten zwischen einigen Spielern – hier wurde echt was geboten!

 

Auch das Hotel "Qasr Khobar / Khobar Palace" und das jemenitische Restaurant "Liwa Al-Akhdar / Green Brigade" konnten gut was bieten für den Preis. Ein schöner Abschluss des Tages mit tollem Spiel und gutem Essen und Hotel, wobei ich diesmal das Sightseeing nicht so überzeugend fand.

 

Tagesstatistik: 280 km Mietwagen, 1 Spiel, 1 neuer Ground

 

Al-Thuqbah Al-Khobar 3:3 Al-Khaldy Al-Wajh

 

Tag 16: Zum Abschluss ein Heimspiel von Hilal

 

Am letzten Tag in Saudi-Arabien fuhren wir von Khobar aus nach Riad. Über 400km durch die Wüste, immer wieder durchsetzt von Industrieanlagen (nicht nur Erdöl und Erdgas, sondern auch Bergbau und Landwirtschaft).

 

In Riad besuchten wir Jonas im Krankenhaus. Er wurde ein paar Stunden nach uns ausgeflogen. Details gehören hier nicht hin, aber an alle Leser: Wenn ihr Auslandskrankenversicherungen mit Krankenrückholtransport abschließt, nehmt nicht Signal Iduna... Ein Lob möchte der Patient hingegen der Deutschen Botschaft Riad und den Pflegern im Prince Mohammed bin Abdulaziz Hospital aussprechen!

 

Nach Ende der Besuchszeit von anderthalb Stunden, ging mit Einkauf und Essen und ein bisschen in Malaz, einem besseren Viertel, herumlaufen, die Zeit bis zum Spiel auch schon rum. Jonas hatte - was soll man auch sonst tun, außer am Internet hängen, wenn man zwei Wochen im Krankenhaus rumliegen muss? - einen Kontakt zu zwei Hoppern (Robert und Olli) hergestellt. Die hatten sich Diriyah angeschaut und kamen nun mit Uber vor den Eingang gefahren, wo ich mit meinem Vater samt Karten für uns alle 4 auf dem Handy wartete...

 

 Nady Al-Hilal Al-Riyadh 2:1 Nady Abha

- Datum: Sonntag, 22. Januar 2023 – Beginn: 18.00

- Wettbewerb: sog. Roshn Saudi League (1. saudi-arabische Profifußballliga)

- Ergebnis: 2-1 nach 106 (48/58) Minuten – Halbzeit: 1-1

- Tore: 1-0 21. Jang Hyun-Soo, 2-2 29. Abdulfattah Mohammad Adam, 2-1 54. Salem Al-Dowsari (Elfmeter)

- Gelbe Karten: Gustavo Cuellar, Saleh Al-Shehri, Abdullah Alhamdan, Saud Abdulhamid (Hilal); Saeed Al-Hamsal, Felipa Caicedo, Amine Attouchi (Abha)

- Platzverweise: keine

- Austragungsort: Istad Amir Faisal bin Fahd bin Abdulaziz (Prince Faisal bin Fahd bin Abdulaziz Stadium; Kap. 28.000 Sitzplätze)

- Zuschauer: 5.000 (davon 3.741 zahlende und ca. 4 Gästefans)

- Spielbewertung: 7,0/10

 

Bei Hilal holt man die Karten über die App „Blu“, die man runterladen muss. Die hing natürlich am Einlass, nachdem gerademal die erste Karte gescannt wurde. Ich gab korrekt an, vier Karten zu je 30 Riyal (7,50€) gekauft zu haben und der Ordner glaubte mir das sofort und ließ uns alle vier nach schlampiger Taschenkontrolle rein.

 

Wir saßen ganz am Rand des Hilal-Fanblocks, der wieder einmal gut abging. Mit rund 5.000 Zuschauern war der Besuch aber echt schwach. Abha brachte immerhin 4 Hardcore-Fans mit, die wohl die 1.000km gefahren oder geflogen sind. Auffällig bei Al-Hilal war der mit bestimmt bei 15% liegende Frauenanteil im Publikum. Im Familiensektor waren die Frauen teilweise in Gruppen von Freundinnen unterwegs, in den anderen Bereichen stets in männlicher Begleitung (ist halt so vorgeschrieben von den fundamentalistischen Gesetzeshütern) – nur der Stimmungssektor war rein männlich. Dieser pausierte auch die ersten Minuten nach Wiederbeginn, weil sie noch nicht mit dem Abendgebet fertig waren. Anstoßzeiten richten sich ja nach Gebetszeiten...

 

Die Partie war mal wieder flott und unterhaltsam, wie fast alle Spiele auf dieser Reise. Hilal schnürte Abha ein, erzielte aber nur ein Abseitstor. Nach 20 Minuten trafen sie im dritten Nachschuss nach Lattentreffer unters Tordach zur 1:0 Führung. Ein richtig guter Konter der Gäste und der Torwart völlig überrascht – und schon der Ausgleich...

Doch nach der Pause gab es einige tolle Spielzüge der Gastgeber und einer davon wurde per Foul im Strafraum gestoppt. Der Elfmeter war nicht ideal geschossen, doch rutschte dem sehr starken Gästeschlussmann über die Hand zum 2:1. Einem dritten Treffer in der Nachspielzeit ging angeblich ein Foulspiel voran. Aber dem Schiedsrichtergespann traue ich nicht in den Entscheidungen. Völlig idiotisch auch die 13 Minuten Nachspielzeit in Hälfte zwei. Hilal gewann aber völlig verdient 2:1!

 

Wir gingen noch hervorragend Essen in dem gegenüber vom Stadion liegenden jordanisch-palästinensischen Restaurant (Amman Nights). Auf dem Weg zum Restaurant sahen wir einen Campingbus aus der Schweiz auf dem Stadionparkplatz – anscheinend war wirklich ein schweizer Hopper zugegen...  Wir brachten dann die Kollegen zu ihrem Hotel, ehe wir den Mietwagen am Flughafen abgaben und dann per Shuttle zum Terminal gebracht wurden.

 

Tagesstatistik: 480 km Mietwagen, 1 Spiel, 0 neue Grounds

 

Al-Hilal Riyadh 2:1 Nady Abha

 

Abreise und Reisehinweise

 

Der Rückflug nach Istanbul verlief pünktlich, der Weiterflug nach Hannover etwas chaotisch. Sabiha Gökcen Airport ist halt überlastet ohne Ende. Dann macht mal einer nen Fehler, sodass die Passagiere nach Zeigen der Bordkarte einfach noch mal zurückbeordert werden müssen, damit alle dann noch mal die Karte und den Pass zeigen müssen, und schon hat man nach 30 Minuten Verzögerung wegen der Aktion noch mal 30 Minuten Verzögerung, bis der Flieger endlich einen freien Startplatz bekommt. In Hannover brauchte dann Drive&Park auch noch ewig, wobei das mehr an Kunden, als an der Firma lag. Ist zwar ein Saftladen, aber bei so niedrigen Preisen kann man die Inkompetenz dort verschmerzen – sie geben sich ja doch Mühe und das Auto wurde nicht beschädigt in den drei Wochen...

Nach ein paar Erledigungen waren wir am frühen Abend in Braunschweig.

 

Für den, der auch mal ins Königreich Saudi-Arabien will, habe ich ein paar Tipps (Stand Januar 2023):

- Visum: Das ist mittlerweile wirklich einfach online zu machen (https://visa.visitsaudi.com/) und im Gegensatz zu unzivilisierten Ländern wie Indien oder Russland binnen 30 Minuten erledigt ohne Angaben über andere Reisen, den Beruf etc. machen zu müssen

- Rumkommen im Land: Ich empfehle Mietwagen, andere Hopper hatten aber auch mit Uber oder den Zügen oder gar Inlandsflügen positive Erfahrungen gemacht. Trotz des Unfalls hätte ich aber keine andere Reisevariante als Rundfahrt mit Mietwagen machen wollen. Die besten Angebote schienen Avis, Budget und Yelo gehabt zu haben – aber Preise und Leistungen vergleichen und Achtung: es ist leider üblich, nur mit Kilometerbegrenzung zu vermieten, fährt man z. B. dann statt den gestatteten 5.200km in 18 Tagen 6.000 km, kann man auf jeden Fall mit 40, 50€ Nachzahlung rechnen...

- Strecken und Distanzen: Gewaltig... Das Land ist sechsmal so groß wie Deutschland, was soll man da noch sagen. Es gibt immer wieder aufgegebene und defekte Tankstellen, also schon bei halbleer schauen, wie man an Kraftstoff kommt!

- Hotelbuchungen: die günstigsten Hotels sind meist nicht über booking.com oder andere Portale buchbar, sondern erst vor Ort mithilfe von google maps Einträgen zu finden.

- Apropos Hotel: eine Unsitte ist es in Saudi-Arabien, dass viele Unterkünfte keine oder zu wenige Handtücher stellen, also nehmt euch ein Handtuch mit...

- Steckdosen sind meist wie in Groß-Britannien, also den UK-Adapter mitnehmen

- Bezahlung: Bargeld (Saudi-Riyal) wird eigentlich überall akzeptiert, aber Kreditkarten und der saudische Online-Paydienst Mada sind bei Einheimischen beliebter; irre, wenn in einer primitiven Kaschemme ein versifft aussehender jemenitischer Kassierer die 5€ fürs Essen kassieren will und dann das Gerät für kontaktloses Bezahlen mit Mada, Visa, Mastercard oder American Express hinhält... Im Zweifel sollte man aber bar zahlen und Karten nur einsetzen, wenn man bei seinem Anbieter keine Gebühren (nicht-EU Ausland, nicht-Euro-Zone!) zahlt. Mada bekommt man glaube ich nur, wenn man einen Wohnsitz in Saudi-Arabien hat.

- Arabischkenntnisse sind nicht nur von Vorteil, sondern teils unerlässlich; viele Saudis sind sehr kommunikativ und sehr gastfreundlich und hilfsbereit; aber wenn man sich gar nicht oder nur über google translate verständlich machen kann, ist halt blöd – nur wenige Einheimische sprechen gut oder fließend Englisch, die meisten kaum oder gar nicht

- Sehenswerteste Regionen: definitiv das Gebirge im Südwesten um Abha und Fayfa herum bis Najran, aber auch bei Medina und Taif ist es topp, ebenso hat der Najd von Riad bis Hail etliches zu bieten. Die Ostprovinz hat nicht so überzeugen können und den Norden oder die Küste des Roten Meeres haben wir ja nicht besucht.

- Lohnendste Vereine und Grounds: Hilal Riad, Ittihad Jidda, aber auch Al-Fayha und Al-Hazm in Liga 2 bzw. Alula in Liga 4 haben einen prima Eindruck hinterlassen – außer Fußball sind Handball aber sicher auch klassische Tiersportarten (Kamelrennen) und Motorsport sehenswert. Die besten Grounds gibt es – abgesehen von den großen Schüsseln wie in Riad, Jidda und Mekka – vor allem in den landschaftlich spektakulären Ecken, also dem Gebirge im Südwesten!

- Empfehlung: ja oder nein? Für erfahrene Reisende/ Hopper definitiv, ich warne aber 1. vor kulturellen Eigenheiten, die in anderen arabischen Ländern auch nicht so üblich sind (Vollverschleierung, Essgewohnheiten, strikte Tageseinteilung nach Gebetszeiten usw.) und bei unbedarften Leuten den viel besprochenen „Kulturschock“ auslösen dürften und 2. der geringen Fremdsprachenkundigkeit v.a. außerhalb großer Städte. Aber Sightseeing und Groundhopping in Saudi-Arabien – man braucht ja einfach nur meine Bilder durchzugehen – ist zweifelsohne lohnend und eine nicht immer einfache Reise wert!

 

Tagesstatistik: 5.400km Flugzeug, 70 km eigenes Auto

 

Al-Ahsa

Gesamtstatistik:

- Grounds: 3.280 (14; diese Saison: 151 neue)

- Sportveranstaltungen: 4.661 (16; diese Saison: 180)

- Tourkilometer: 10.800 Flugzeug, 6.020km Mietwagen, 140km eigenes Auto

- Saisonkilometer: 39.380 (27.190 Auto, davon 6.020 Mietwagen/ 1.490 Fahrrad/ 10.800 Flugzeug/ 0 Schiff, Fähre / 0 Bus, Bahn, Straßenbahn)

- Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 6 [letzte Serie: 37, Rekordserie ohne 0-0: 178]

- Jede Woche mindestens eine Sportveranstaltung seit: Kalenderwoche 2 des Jahres 2021 (04.-10.01.), d.h. seit 108 Wochen in Folge [letzte Serie: 30 Wochen von KW22/2020-51/2020; Rekordserie: 711 Wochen von KW 31/2006 bis KW 11/2020].

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