Al-Jaish Dimashq (الجيش الدمشقي) - Kazma Kuwait (الكويتي كاظمة)
Mittwoch, 24. Februar 2010 - Anstoßzeit 15.00
AFC Cup (1. Runde, Gruppe C, 1. Spieltag/ 1. Syrische Profi-Liga gegen 1. Kuwaitische Profi-Liga)
Ergebnis: 0:1 nach 95 Min. (47/48) - Halbzeit 0:0
Tor: 0:1 60. Fahad Al-Fahad Al-Hamad
Verwarnungen: Tariq Djiban (Al-Jaish), Nasser Al-Wahib, Abdallah ad-Dashty (Al-Kazma)
Platzverweise: 78. Khalid Ash-Shamry
Spielort: Malaab Al-Abasiyyin (ملعب العباسيين, Kap. 30.000 Sitzplätze)
Zuschauer: ca. 13.000 (davon max. 10 Gästefans)
Spielqualität: 6,0/10 (Technisch gut und engagiert, hab aber schon deutlich besseres gesehen)
Sightseeing: 9,0/10 (So Klöster findet man so schnell kein zweites Mal – außerdem: tolle, schroffe Berglandschaften)
Als die Sonne aufgegangen war, fuhren wir über den Qassiyoun weiter durchs nördliche Damaszener Stadtviertel Barzeh, was ein völlig heruntergekommenes Dreckloch ist und durch schöne aber kahle Bergwelten bis nach Seydnaya. Dieser Ort hat viele Kirchen zu bieten und ein Kloster, da die Mehrheit der Einwohner Christen sind. Im Kloster, was recht modern gestaltet ist und dessen verschachtelter Treppenaufgang als erstes auffällt, kann man nur einen Teil der Räume besichtigen, da der Klosterbetrieb noch aufrecht erhalten ist. Es gibt zwar auch nicht wenige Plattenbauten im Ort, doch einige Häuser zeugen vom Reichtum der Einwohner.
Ähnliche Verhältnisse gelten auch in Maa’lula, was man über unspektakuläre Wege am Fuße der Berge (das Schlussstück in den von hohen, schroffen Felsen umgebenen Ort ist natürlich dann richtig gut), wo fast 70% der Einwohner Christen sind: deshalb steht es auch zwei Moscheen gegen 10 Kirchen und zwei Klöster. Das Kloster der Heiligen Thekla ist direkt unter einer Felswand gelegen und hat lauter verschachtelte Räume und Höfe. Hoch über dem Kloster thront auch noch eine Heiligenfigur. In einer Bäckerei aßen wir dann noch kleine arabische Pizzas für je 15 Cent.
Verlässt man Maa’loula, wo man sich mit manchen Leuten auf Neu-Aramäisch unterhalten kann, werden die Straßen immer spektakulärer und schrauben sich auch über die Höhe des Ortes herauf. Durch den reichen Ort Yabroud, in dem es viele kitschige Villen gibt, fährt man nur kurze Zeit nach An-Nabk, was eine völlig unübersichtliche Kleinstadt ist. Die einfachere Suche ist nach dem Weg zum Dayr Mar Musa Al-Habashy: irgendwo nach Osten in Richtung Palmyra (Tadmor) raus und wenn die spektakulären Schluchten kommen, mal darauf achten, dass die schmale Straße ohne Leitplanken an den Abgrund gebaut ist. Nach ein paar Kilometern kommt ein Abzweig nach links, wo man dann auf einem Parkplatz mit guter Infrastruktur ankommt. 15 Minuten brauchten wir für die steilen Treppen, die spektakulär an der Wadi-Schlucht entlang geführt sind, und dann standen wir am alten Kloster, wo einige junge Leute aus Polen, Frankreich und Spanien bei den freundlichen syrischen Mönchen saßen. Man muss eine enge Treppe hinab gehen und dann eine wacklige aber sichere Metallbrücke überqueren, um auf die andere Seite der Schlucht zu kommen, wo das neue Kloster steht. Dies ist mittlerweile auch fast fertig gestellt und zeigt im Übrigen auch deutlich, wie falsch die Behauptung, dass in muslimischen Ländern keine anderen religiösen Stätten erbaut würden – es sind halt nicht alle so rückständig wie Saudi-Arabien oder Ägypten, wobei es in letzterem Land in manchen vergangenen Jahrhunderten einfacher war, als Minderheit in muslimischen Gebieten seine Religion auszuüben – ist.
In An-Nabk hatten wir dann die schwerere Aufgabe, nämlich die Autobahnauffahrt zu finden, nach einer Viertelstunde gelöst. In Damaskus parkten wir uns dann nach ein bisschen Sucherei neben irgendeinen Teil des Neuen Marktes (Souq Al-Djadid) und liefen nicht mal einen Kilometer bis zum Abbasiden-Stadion.
Seit wahnsinnigen 52 Tagen hatten wir kein Fußballspiel mehr auf dem Platz oder im Stadion erlebt. So mancher Ausfall (Tiefschnee ab 20cm oder völlig vereist) mag ja berechtigt gewesen sein, doch viele der Spielausfälle waren völlig unnötig. Ich erinnere an das Spiel in Pfiffelbach auf 10cm Schnee am 2.1.2010 oder eine Partie auf vereistem Dorffußballplatz in Weißenschirmbach 2004. In Damaskus fällt ab und an auch mal Schnee, doch dieser Winter war recht mild. Jetzt zum Ende der unschönen Jahreszeit war so wie so kein richtig schlechtes Wetter mehr zu erwarten. Also stand der Partie im Asian Football Confederations Cup nichts weiter im Wege.
Al-Jaish (= Die Armee) ist so ziemlich der unbeliebteste Club in Syrien, da er ähnlich bevorteilt wurde, wie einst der BFC Dynamo in der DDR: im Zweifel pfiff jeder Schiri für den Armeesportverein und die Klubführung, die vor allem aus Generälen der syrischen Armee besteht, kaufte jeden talentierten Spieler weg. Seit Einführung der Profiliga wurde dem zum Glück von Regierungs- und Verbandsseite ein Riegel vorgeschoben, was einen Absturz ins Mittelmaß der ersten Liga zur Folge hatte. Letzte und diese Saison spielen sie wieder besser, wenn auch viel sauberer und mit weniger finanziellen Mitteln als noch vor sechs Jahren. Die Zuschauerzahlen sind übrigens so gering wie seit Jahren schon: der Durchschnitt bei etwas über 1.000 Besuchern pro Heimspiel. Damaskus ist halt Al-Wahda – die anderen Vereine haben keine große Fanszene.
Heute stand das erste Spiel im AFC Cup (Asian Football Confederation’s Cup 2010), den man mit der früher UEFA-Cup genannten „Europa Liga“ vergleichen kann, an. Syrien hat drei Starter bei diesem Wettbewerb: direkt Al-Ittihad Halab als Vizemeister und Al-Jaish Damaskus als Dritter, Meister Al-Karameh Homs schied im wichtigsten Vereinswettbewerb – der AFC Champions League, die sie vor vier Jahren fast gewannen (sie scheiterten erst im Finale knapp) – bereits in der 1. Runde aus, weswegen sie nun auch im AFC-Cup ran dürfen. Der Gegner für den Damaszener Armeesportverein hieß heute Kazma Kuwait, die nach der historischen Region im Norden des Staates Kuwaits, die seit der Steinzeit besiedelt und schon in vorislamischer Zeit wirtschaftlich und politisch bedeutend war und außerdem 633 oder so eine von Khalid ibn al-Walid erfolgreich gestaltete Schlacht gegen die Perser erlebte, benannt sind und die kuwaitische Liga als 2. hinter Al-Qadisiyya abschlossen. Kazma spielt aber übrigens nicht in dieser Region Kazma, sondern wie alle anderen Vereine auch in der Hauptstadt (und dort speziell im Stadtteil ’Adiliya), da 96% der Einwohner in Kuwait-Stadt leben und es außerhalb der Kapitale ohnehin nur Fabrikansiedlungen und Farmen und so was gibt – zumindest noch: solange die Planstadt Madinat al-Hareer nicht steht, die in der Nähe zum Irak bereits im Bau ist. Beide Mannschaften stehen in ihrer jeweiligen Liga in der aktuellen Saison unter den ersten Vier.
Wir kriegten es dann erst nach zwei Stunden hin, nach einem weiteren guten Imbiss ein Hotel zu finden. Das lag a) an dem unheimlichen Verkehrschaos in Damaskus zwischen 6 Uhr und 22 Uhr, b) an der allgemein unübersichtlichen Bauweise der Stadt und c) an dem schlechten Stadtplan. Ganz nah an der Zitadelle fanden wir dann endlich das Funduq Qasr Randa (Hotel Randa’s Schloss), was nicht so teuer klingt, wie „Schloss“ vorgaukelt. Nicht einmal 20€ die Nacht in allerdings sehr kleinen Doppelzimmern. Pluspunkte gibt es für die Sauberkeit und die coolen und freundlichen Bediensteten und den Chef, einen Minuspunkt für die ungedämmten Fenster.
Statistik:
Ground Nr. 395 (ein neuer Ground; diese Saison: 64 neue)
Sportveranstaltung Nr. 958 (diese Saison: 100)
Tageskilometer: 310 (Auto)
Saisonkilometer: 20.100 (12.660 Auto/ 3.000 Flugzeug/ 2.320 öffentliche Verkehrsmittel/ 2.120 Fahrrad)
Anzahl der Fußballspiele seit dem letzten 0-0: 47
Anzahl der Wochen, seit der letzten Woche ohne eine einzige Sportveranstaltung (31.7.-6.8. 2006): 187
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